The Project Gutenberg EBook of Geschichte von England seit der
Thronbesteigung Jakob's des Zweiten., by Thomas Babington Macaulay

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Title: Geschichte von England seit der Thronbesteigung Jakob's des Zweiten.
       Neunter Band: enthaltend Kapitel 17 und 18.

Author: Thomas Babington Macaulay

Release Date: October 19, 2014 [EBook #47153]

Language: German

Character set encoding: ISO-8859-1

*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK GESCHICHTE VON ENGLAND ***




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                      Thomas Babington Macaulay's




                        Geschichte von England
                               seit der
                 Thronbesteigung Jakob's des Zweiten.

                          Aus dem Englischen.

                     Vollstndige und wohlfeilste
                         +Stereotyp-Ausgabe.+

                             Neunter Band:
                     enthaltend Kapitel 17 und 18.

                            Leipzig, 1856.

                           G. H. Friedlein.




Siebzehntes Kapitel.

Wilhelm und Marie.




Inhalt.

                                                                   Seite
  Wilhelm's Reise nach Holland                                         5
  Wilhelm's Einzug in den Haag                                         6
  Kongre im Haag                                                      8
  Wilhelm sein eigner Minister des Auswrtigen                        10
  Wilhelm erlangt eine Toleranz fr die Waldenser                     12
  Mngel, welche in der Natur der Coalitionen liegen                  12
  Belagerung und Fall von Mons                                        13
  Wilhelm kehrt nach England zurck. Prozesse Preston's und Ashton's  14
  Ashton's Hinrichtung                                                16
  Preston's Unschlssigkeit und seine Gestndnisse                    16
  Nachsicht gegen die Verschwrer. Clarendon                          18
  Dartmouth                                                           18
  Turner                                                              19
  Penn                                                                19
  Tod Georg Fox'; sein Character                                      20
  Unterredung zwischen Penn und Sidney                                24
  Preston begnadigt                                                   25
  Freude der Jakobiten ber den Fall von Mons                         26
  Die erledigten Bisthmer werden besetzt                             26
  Tillotson, Erzbischof von Canterbury                                27
  Benehmen Sancroft's                                                 29
  Uneinigkeit zwischen Sancroft und Ken                               30
  Sancroft's Ha gegen die Landeskirche. Er bestimmt die
    bischfliche Succession unter den Eidverweigerern                 31
  Die neuen Bischfe                                                  32
  Sherlock Dechant von St. Paul                                       33
  Verrtherei einiger Diener Wilhelm's                                38
  Russell                                                             40
  Godolphin                                                           41
  Marlborough                                                         42
  Wilhelm kehrt auf den Continent zurck                              45
  Der Feldzug von 1691 in Flandern                                    46
  Der Krieg in Irland                                                 48
  Zustand des englischen Theils von Irland                            48
  Zustand des Theiles von Irland, welcher Jakob unterthan war         51
  Uneinigkeiten unter den Irlndern in Limerick                       52
  Rckkehr Tyrconnels nach Irland                                     54
  Ankunft einer franzsischen Flotte in Limerick; Saint-Ruth          55
  Die Englnder rcken ins Feld                                       56
  Fall von Ballymore                                                  56
  Belagerung und Fall von Athlone                                     57
  Rckzug der irischen Armee                                          61
  Saint-Ruth beschliet eine Schlacht zu wagen                        62
  Schlacht bei Aghrim                                                 64
  Fall von Galway                                                     66
  Tyrconnel's Tod                                                     68
  Zweite Belagerung von Limerick                                      68
  Die Irlnder wollen kapituliren                                     70
  Unterhandlungen zwischen den irischen Generlen und den Belagerern  71
  Die Kapitulation von Limerick                                       73
  Die irischen Truppen werden aufgefordert, zwischen ihrem
    Vaterlande und Frankreich zu whlen                               75
  Die Mehrzahl der irischen Truppen erklrt sich fr den
    Freiwilligendienst in Frankreich                                  75
  Viele von den Irlndern, die sich fr Frankreich erklrt hatten,
    desertiren                                                        76
  Die letzte Division der irischen Armee segelt von Cork nach
    Frankreich ab                                                     78
  Zustand Irland's nach dem Kriege                                    78


[_Wilhelm's Reise nach Holland._] Am 18.Jan. 1691 schiffte sich der
Knig, nachdem seine Abreise durch widrige Winde um einige Tage
verzgert worden war, in Gravesend ein. Vier Yachten waren fr ihn und
sein Gefolge ausgerstet worden. Unter seinen Begleitern waren Norfolk,
Ormond, Devonshire, Dorset, Portland, Monmouth, Zulestein und der
Bischof von London, und zwei ausgezeichnete Admirle, Cloudesley Shovel
und Georg Rooke, befehligten die Kriegsschiffe, welche den Convoi
bildeten. Die Ueberfahrt war langweilig und unangenehm. Auf der Hhe der
Godwin-Sandbnke wurde das Geschwader viele Stunden durch eine
Windstille aufgehalten, und erst am fnften Tage zeigte das Senkblei an,
da man sich der hollndischen Kste nherte. Der Seenebel war jedoch so
dicht, da sich das Land nicht erkennen lie, und man hielt es nicht fr
gerathen, in der Dunkelheit weiter zu fahren. Der Seereise berdrssig
und von Sehnsucht nach seinem geliebten Vaterlande erfllt, beschlo
Wilhelm in einem offenen Boote zu landen. Die ihn begleitenden Edelleute
versuchten ihn von dem Vorhaben abzubringen, ein so kostbares Leben zu
gefhrden; als sie aber sahen, da sein Entschlu fest stand, drangen
sie darauf, die Gefahr mit ihm zu theilen. Es zeigte sich bald, da
diese Gefahr ernster war als sie erwartet hatten. Man hatte geglaubt,
da die Gesellschaft in einer Stunde das Ufer erreichen werde; aber
groe Massen Treibeis erschwerten das Fortkommen des Bootes, die
Dunkelheit brach herein, der Nebel wurde dichter und die Wogen
durchnten den Knig und seine Begleiter. Einmal stie das Fahrzeug auf
eine Sandbank und wurde nur mit groer Mhe wieder flott gemacht. Auch
die khnsten Seeleute konnten sich einiger Besorgni nicht erwehren.
Wilhelm aber blieb die ganze Nacht durch eben so ruhig, als ob er sich
im Drawingroom zu Kensington befunden htte. Schmt Euch, sagte er zu
einem der verzagenden Matrosen, frchtet Ihr in meiner Gesellschaft den
Tod? Ein verwegener hollndischer Seemann sprang ins Meer und schwamm
und watete durch Brandung, Eis und Schlamm ans Land. Hier scho er ein
Gewehr ab und zndete ein Feuer an, zum Zeichen da er in Sicherheit
war. Keiner von seinen Mitpassagieren hielt es jedoch fr gerathen,
seinem Beispiele zu folgen. Sie lagen auf- und abtreibend im Angesicht
des Feuers, das er angezndet hatte, bis der erste matte Schimmer eines
Januarmorgens sie erkennen lie, da sie sich dicht bei der Insel Goree
befanden. Ganz erstarrt von der Klte und mit Eisklumpen bedeckt,
landete der Knig mit seinen Lords, um sich zu erwrmen und
auszuruhen.[1]

Nachdem Wilhelm einige Stunden in der Htte eines Landmanns geruht
hatte, reiste er weiter nach dem Haag. Dort wurde er mit Ungeduld
erwartet, denn obgleich die Flotte, die ihn brachte, am Ufer nicht
sichtbar war, so waren doch die kniglichen Salutschsse durch den Nebel
gehrt worden und hatten der ganzen Kste seine Ankunft verkndet. Viele
Tausende waren bei Honslaerdyk versammelt, um ihn mit einem Jubel zu
bewillkommnen, der aus ihren Herzen kam und den Weg zu seinem Herzen
fand. Es war einer der wenigen Freudentage in einem wohl ntzlichen und
ruhmvollen, doch keineswegs glcklichen Leben. Nachdem der Verbannte
ber zwei Jahre in einem fremden Lande zugebracht, stand er jetzt wieder
auf seinem heimathlichen Boden, hrte wieder die Sprache seiner Kindheit
und sah die Scenerie und Architektur wieder, die in seinem Geiste
unzertrennlich mit den Jugenderinnerungen und Heimathsgefhlen verknpft
waren; die kahlen Dmme von Sand, Muscheln und Steinen, an denen sich
die Wogen des deutschen Oceans brachen; die endlosen, von Grben
durchschnittenen Wiesen; die schnurgeraden Kanle und die freundlich
angestrichenen, mit zierlichen Figuren und Inschriften geschmckten
Landhuser. Er hatte viele langweilige Monate unter einem Volke gelebt,
das ihn nicht liebte, das ihn nicht verstand und das nie vergessen
konnte, da er ein Auslnder war. Selbst diejenigen Englnder, die ihm
am treuesten dienten, dienten ihm ohne Begeisterung, ohne persnliche
Zuneigung und nur aus amtlichem Pflichtgefhl. Im Stillen bedauerten sie
es, da ihnen keine andre Wahl blieb, als zwischen einem englischen
Tyrannen und einem hollndischen Befreier. Hier war Alles anders.
Wilhelm befand sich unter einer Bevlkerung, von der er angebetet wurde,
wie Elisabeth angebetet worden war, als sie bei Tilbury durch die Reihen
ihrer Armee ritt, wie KarlII. angebetet worden war, als er in Dover
landete. Allerdings waren die alten Feinde des Hauses Oranien whrend
der Abwesenheit des Statthalters nicht mig gewesen, und es war, wenn
auch nicht laut, doch leise gegen ihn gemurrt worden. Er habe, sagte
man, sein Vaterland um seines neuen Knigreichs willen vernachlssigt.
Ueberall wo das Ansehen der englischen Flagge, der Aufschwung des
englischen Handels im Spiele gewesen sei, habe er vergessen, da er ein
Hollnder war. Sobald man aber sein wohlbekanntes Gesicht wieder sah,
war alle Eifersucht, alle Klte verschwunden. Es war nicht ein Bauer,
nicht ein Fischer, nicht ein Handwerker unter den Volksmassen, welche
die Strae von Honslaerdyk nach dem Haag bedeckten, dessen Herz sich
nicht stolz gehoben htte bei dem Gedanken, da der erste Minister
Holland's ein groer Knig geworden war, da er die Englnder befreit
und die Irlnder besiegt hatte. Es wrde Tollkhnheit gewesen sein, wenn
Wilhelm von Hampton Court nach Westminster ohne Eskorte gefahren wre;
in seinem eignen Lande aber brauchte er keine Schwerter und Karabiner zu
seinem Schutze. Haltet die Leute nicht zurck, rief er aus, lat sie
nahe zu mir herankommen, sie sind alle meine guten Freunde.


[_Wilhelm's Einzug in den Haag._] Er erfuhr bald, da glnzende
Vorbereitungen zu seinem Empfange im Haag getroffen wurden. Zuerst
schalt er darber und machte Einwendungen. Er hasse, sagte er, alles
Gerusch und Schaugeprnge. Die nothwendigen Kosten des Kriegs seien
ohnehin schwer genug. Er hoffe, da seine lieben Mitbrger ihn als
einen unter ihnen gebornen und erzogenen Nachbar betrachten und ihm
nicht ein so schlechtes Compliment machen wrden, ihn ceremonis zu
behandeln. Aber alle seine Vorstellungen waren vergebens. So einfach
und sparsam die Hollnder in ihrer gewhnlichen Lebensweise sind,
bei dieser Gelegenheit hatten sie sich vorgenommen, ihrem erlauchten
Landsmanne einen seinem Range und seinen Verdiensten entsprechenden
Empfang zu bereiten, und er sah wohl, da er sich fgen mute. Am Tage
seines Triumphzuges war der Zusammenflu von Menschen ungeheuer. Alle
Wagen und Pferde der Provinz waren nicht hinreichend, um die Masse
Derer zu befrdern, welche zu dem Schauspiele herbeistrmten. Viele
Tausende kamen zu Schlitten oder mit Schlittschuhen auf den zugefrornen
Kanlen von Amsterdam, Rotterdam, Leyden, Haarlem und Delft. Am Morgen
des 26.Januar um zehn Uhr gab die groe Glocke auf dem Rathhause das
Signal. Sechzehnhundert wohlhabende Brger, wohl bewaffnet und in die
schnsten Anzge gekleidet, die sie in den Tiefen ihrer Garderoben
hatten finden knnen, hielten Ordnung in den mit Menschen gefllten
Straen. Balkons und Gerste, von Immergrn umrankt und mit Teppichen
behangen, verbargen die Fenster. Der knigliche Wagen, begleitet von
einem Heere von Hellebardieren und Lufern und gefolgt von einem langen
Zuge von Equipagen, fuhr durch zahllose mit Schnitzwerk und Malerei
reich verzierte Triumphbgen unter dem endlosen Rufe: Lange lebe der
Knig, unser Statthalter! Die Vorderseite des Rathhauses und der ganze
Umkreis des Marktplatzes prangten im glnzendsten Farbenschmucke.
Brgerkronen, Trophen, Embleme der Knste, der Wissenschaften, des
Handels und des Ackerbaues zeigten sich allenthalben. An einer Stelle
sah Wilhelm die glorreichen Thaten seiner Ahnen abgebildet. Da war
der schweigsame Prinz, der Grnder der batavischen Republik, wie
er mit seinen Kriegern ber die Maas ging. Da war der ungestmere
Moritz, wie er den Angriff bei Nieuport leitete. Ein wenig weiter hin
konnte der Held die ereignivolle Geschichte seines eignen Lebens
verfolgen. Er sah sich als Kind auf dem Schooe seiner verwittweten
Mutter; dann am Altare mit Mariens Hand in der seinigen; dann wie er
in Torbay landete; dann wie er durch den Boyne schwamm. Zuletzt kam
ein von Eis und Brandung umgebenes Boot, ber welchem ganz passend in
der majesttischen Sprache Rom's die Worte des groen Rmers: Was
frchtest Du? Du hast Csar an Bord, geschrieben standen. Die Aufgabe,
die lateinischen Mottos zu liefern, war zwei Mnnern bertragen worden,
welche bis zum Erscheinen Bentley's unter den klassischen Gelehrten der
damaligen Zeit die erste Stelle einnahmen. Spanheim, der als Kenner der
rmischen Mnzen unerreicht dastand, ahmte nicht ohne Glck die edle
Krze der alten Umschriften nach, die er fleiig studirt hatte, und er
wurde untersttzt durch Grvius, der damals in Utrecht einen Lehrstuhl
inne hatte und dessen wohlverdienter Ruf Massen von Studirenden aus
allen Theilen des protestantischen Europa an diese Universitt zog.[2]
Als die Nacht hereinbrach, wurden auf dem groen Teiche, der die Mauern
des Bundespalastes besplte, Feuerwerke abgebrannt. Dieser Teich war
jetzt so hart wie Marmor, und die Hollnder rhmten sich, da die
Welt, selbst auf der Terrasse von Versailles, nie etwas Prchtigeres
gesehen habe als den Effect der zahllosen Feuergarben, die der glatte
Eisspiegel zurckwarf.[3] Die englischen Lords beglckwnschten ihren
Gebieter wegen seiner groen Popularitt. Ja, sagte er, aber ich bin
nicht der Liebling. Der Jubel wrde ungleich grer gewesen sein, wenn
Marie bei mir gewesen wre.

Wenige Stunden nach seinem triumphirenden Einzuge wohnte der Knig einer
Sitzung der Generalstaaten bei. Sein letztes Erscheinen in ihrer Mitte
hatte an dem Tage stattgefunden, an welchem er sich nach England
einschiffte. Er hatte damals unter dem lauten Schluchzen und Weinen
dieser ernsten Senatoren ihnen fr die Gte gedankt, mit der sie ber
seine Kindheit gewacht, seinen jugendlichen Geist gebildet und in
reiferen Jahren seine Autoritt untersttzt, und er hatte seine geliebte
Gemahlin feierlich ihrer Obhut empfohlen. Jetzt kehrte er zu ihnen
zurck als der Knig dreier Reiche, als das Haupt der grten Coalition,
die Europa seit hundertachtzig Jahren gesehen hatte, und man hrte
nichts als Beifall und Glckwnsche im Saale.[4]


[_Congre im Haag._] Inzwischen bewegten sich durch die Straen des
Haag die Equipagen und Gefolge der Frsten und Gesandten, welche zu dem
groen Congresse strmten. Zuerst erschien der ehrgeizige und
prachtliebende Friedrich, Kurfrst von Brandenburg, der einige Jahre
spter den Titel Knig von Preuen annahm. Dann kamen der junge Kurfrst
von Bayern, der Regent von Wrtemberg, die Landgrafen von Hessen-Kassel
und Hessen-Darmstadt und eine lange Reihe souverainer Frsten aus den
erlauchten Husern Braunschweig, Sachsen, Holstein und Nassau. Der
Marquis von Gastanaga, Gouverneur der spanischen Niederlande, kam vom
vicekniglichen Hofe zu Brssel zu der Versammlung. Auerordentliche
Gesandte waren vom Kaiser, von der Knigin von Spanien, Polen, Dnemark
und Schweden und vom Herzoge von Savoyen geschickt. Die Stadt und
Umgegend bot kaum Rumlichkeiten genug zur Aufnahme der englischen Lords
und Gentlemen und der deutschen Grafen und Barone, welche Neugierde oder
Amtspflicht an den Versammlungsort gefhrt hatten. Die ernste Hauptstadt
der sparsamsten und betriebsamsten Nation der Welt war so heiter wie
Venedig zur Carnevalszeit. Die durch jene majesttischen Linden und
Ulmen, in deren Mitte die Villa des Prinzen von Oranien liegt, fhrenden
Alleen strotzten von den Federbschen, den Ordenssternen, den wallenden
Perrcken, den gestickten Rcken und den vergoldeten Degengefen
eleganter Cavaliere aus London, Berlin und Wien. Unter die Edelleute
waren jedoch auch Gauner gemischt, nicht minder prchtig gekleidet als
jene. Des Abends waren die Hazardspieltische belagert und das Theater
bis unter das Dach gefllt. Frstliche Bankets drngten sich in rascher
Aufeinanderfolge. Die Speisen wurden in goldenen Schsseln aufgetragen
und nach der alten teutonischen Sitte, mit welcher Shakespeare seine
Landsleute bekannt gemacht hat, ertnten die Pauken und Trompeten so oft
einer der groen Frsten eine Gesundheit ausbrachte. Einige englische
Lords, insbesondere Devonshire, gaben Feste, welche mit denen der
Souveraine wetteiferten. Es wurde bemerkt, da die deutschen Potentaten,
welche im allgemeinen bezglich der Etikette streitschtig und peinlich
waren, sich bei dieser Gelegenheit ohne alle Frmlichkeit versammelten
und ihren Hang zu genealogischen und heraldischen Controversen vergessen
zu haben schienen. Die Liebe zum Wein aber, welche damals ein
characteristischer Zug ihrer Nation war, hatten sie nicht vergessen. An
der Tafel des Kurfrsten von Brandenburg erregte der gravittische Ernst
der hollndischen Staatsmnner, die in ihrer Nchternheit durch Citate
aus Grotius und Puffendorf den Unsinn widerlegten, den die berauschten
Edlen des Reichs hervorstammelten, groe Heiterkeit. Einer dieser Edlen
leerte so viele Humpen, da er in das Torffeuer taumelte, aus dem er
erst wieder herausgezogen wurde, als sein schner Sammetrock verbrannt
war.[5]

Doch inmitten dieser festlichen Gelage wurden die Geschfte nicht
vernachlssigt. Es wurde eine frmliche Sitzung des Congresses unter
Wilhelm's Prsidium gehalten, worin er in einer kurzen und wrdevollen
Ansprache, welche rasch die Runde durch ganz Europa machte, die
Nothwendigkeit festen Zusammenhaltens und energischer Anstrengung
auseinandersetzte. Die tiefe Ehrerbietung, mit der ihn die glnzende
Versammlung anhrte, erweckte den bitteren Neid und Aerger seiner Feinde
in England wie in Frankreich. Die deutschen Potentaten wurden heftig
getadelt, da sie einem Emporkmmlinge den Vorrang einrumten. Die
Vornehmsten unter ihnen bezeigten ihm aber auch in der That eine solche
Achtung, wie sie sie kaum der kaiserlichen Majestt gezollt haben
wrden; sie mischten sich unter die in seinem Vorzimmer harrende Menge
und benahmen sich an seiner Tafel so ehrfurchtsvoll wie irgend ein
dienstthuender englischer Lord. Auf einer Carricatur sind die
verbndeten Frsten als Bren mit Maulkrben dargestellt, einige mit
Kronen, andere mit Staatsmtzen auf dem Kopfe. Wilhelm hlt sie alle an
einer Kette und lt sie tanzen. Auf einer andren Carricatur sah man ihn
bequem in einem Armstuhl hingestreckt, die Fe auf einem Kissen und den
Hut auf dem Kopfe, whrend die Kurfrsten von Brandenburg und Bayern
entblten Hauptes auf niedrigen Sesseln zu seiner Rechten und Linken
saen; die Schaar der Landgrafen und souverainen Herzge stand in
bescheidener Entfernung, und Gastanaga, der unwrdige Nachfolger Alva's,
erwartete mit gebeugtem Knie die Befehle des ketzerischen Tyrannen.[6]


[_Wilhelm sein eigner Minister des Auswrtigen._] Es wurde bald auf
hheren Befehl angekndigt, da noch vor Beginn des Sommers
zweihundertzwanzigtausend Mann gegen Frankreich im Felde stehen
wrden.[7] Das Contingent, das jede der verbndeten Mchte zu stellen
hatte, wurde bekannt gemacht. Diejenigen Angelegenheiten aber, ber
welche eine ffentliche Erklrung abzugeben nicht zweckmig gewesen
wre, wurden zwischen dem Knige von England und seinen Bundesgenossen
privatim besprochen. Bei dieser wie bei jeder andren wichtigen
Gelegenheit whrend der ganzen Dauer seiner Regierung war er sein eigner
Minister des Auswrtigen. Um der Form willen war es nothwendig, da ihm
ein Staatssekretr zur Seite stand, und daher hatte Nottingham ihn nach
Holland begleitet. Aber wenn auch Nottingham in allen die innere
Verwaltung England's betreffenden Dingen das Vertrauen seines Gebieters
in hohem Grade besa, so erfuhr er doch von den Geschften des
Congresses wenig mehr als was er in den Zeitungen las.

Dieses Verfahren wrde jetzt fr hchst verfassungswidrig angesehen
werden, und viele Schriftsteller, welche den Mastab ihres Jahrhunderts
an die Transactionen einer frheren Zeit legten, haben Wilhelm deshalb,
weil er ohne den Rath seiner Minister handelte, und seine Minister, weil
sie es sich gefallen lieen, ber Angelegenheiten, bei denen die Ehre
der Krone und das Wohl der Nation stark betheiligt waren, in Unkenntni
zu bleiben, streng getadelt. Man darf jedoch wohl mit Gewiheit
annehmen, da das was die rechtschaffensten und achtbarsten Mnner
beider Parteien, z. B. Nottingham unter den Tories und Somers unter den
Whigs, nicht allein thaten, sondern auch ffentlich eingestanden, nicht
ganz unverantwortlich gewesen sein kann; und eine gengende
Entschuldigung ist nicht schwer zu finden.

Die Lehre, da der Souverain nicht verantwortlich ist, ist
unzweifelhaft so alt wie irgend ein andrer Theil unsrer Verfassung.
Nicht minder uralt ist die Lehre, da seine Minister verantwortlich
sind. Da da wo keine Verantwortlichkeit ist, keine sichere Gewhr gegen
schlechte Verwaltung sein kann, ist ein Satz, den zu unsrer Zeit und in
unsrem Lande Wenige bestreiten werden. Aus diesen drei Vorderstzen
folgt ganz natrlich, da die Verwaltung dann am besten geleitet zu
werden verspricht, wenn der Souverain keinen ffentlichen Act ohne die
Beihlfe und Vermittelung eines Ministers vollzieht. Diese Folgerung ist
durchaus richtig. Aber wir mssen bedenken, da Regierungen anders
construirt sind als Schlufolgerungen. In der Logik kann nur ein
Dummkopf die Vorderstze zugeben und den daraus hervorgehenden Schlu in
Abrede stellen. In der Praxis aber sehen wir, da groe und aufgeklrte
Staatsgesellschaften oftmals viele Generationen hindurch darin beharren,
Grundstze aufzustellen, und doch nicht nach diesen Grundstzen handeln
wollen. Es darf bezweifelt werden, ob irgend ein Staatswesen, das jemals
thatschlich existirt hat, der reinen Idee dieses Staatswesens genau
entsprochen hat. Nach der reinen Idee des constitutionellen Knigthums
herrscht der Frst, regiert aber nicht, und das constitutionelle
Knigthum, wie es jetzt in England besteht, kommt der reinen Idee nher
als in irgend einem andren Lande. Es wrde jedoch ein groer Irrthum
sein, wollte man glauben, da unsere Frsten blo herrschen und niemals
regieren. Im 17.Jahrhundert hielten es die Whigs sowohl wie die Tories
nicht allein fr das Recht, sondern fr die Pflicht des ersten
Staatsbeamten, zu regieren. Alle Parteien tadelten KarlII. einstimmig,
da er nicht sein Premierminister war; alle Parteien lobten Jakob
einstimmig, da er sein eigner Marineminister war, und alle Parteien
fanden es natrlich und vernnftig, da Wilhelm sein eigner
Staatssekretr des Auswrtigen war.

Man wird bemerken, da selbst die Tchtigsten und Kenntnireichsten
unter Denen, welche die Art und Weise tadelten, wie damals
Unterhandlungen geleitet wurden, mit sich selbst nicht recht
einig sind. Denn whrend sie Wilhelm tadeln, da er sein eigner
bevollmchtigter Minister im Haag war, loben sie ihn, da er sein
eigner Oberbefehlshaber in Irland war. Doch wo ist im Prinzip ein
Unterschied zwischen den beiden Fllen? Gewi wird jeder Grund der
angefhrt werden kann, um zu beweisen, da er die Verfassung verletzte,
als er aus eigner Machtvollkommenheit mit dem Kaiser und dem Kurfrsten
von Brandenburg Vertrge schlo, auch eben so beweisen, da er die
Verfassung verletzte, als er aus eigner Machtvollkommenheit einer
Colonne befahl, bei Oldbridge ins Wasser zu gehen, einer andren, die
Brcke von Slane zu passiren. Wenn die Verfassung ihm das Recht gab,
die Streitkrfte des Staats zu commandiren, so gab sie ihm auch das
Recht die auswrtigen Angelegenheiten des Staats zu leiten. Nach
welchem Prinzipe kann man also behaupten, da es ihm frei stand,
die erste Befugni auszuben, ohne Jemanden zu fragen, da er aber
verpflichtet war, die letztere Befugni nur in Uebereinstimmung
mit dem Rathe eines Ministers auszuben? Will man etwa sagen, ein
diplomatischer Fehler knne dem Lande voraussichtlich mehr schaden als
ein strategischer Fehler? Gewi nicht. Es lt sich kaum denken, da
ein Migriff, den Wilhelm im Haag begehen konnte, den ffentlichen
Interessen htte nachtheiliger werden knnen als eine Niederlage am
Boyne. Oder wird man sagen, da mehr Grund vorhanden gewesen sei, in
seine militrische Geschicklichkeit Vertrauen zu setzen, als in seine
diplomatische? Sicherlich nicht. Er zeigte im Kriege einige groe
moralische und geistige Eigenschaften, als Taktiker aber stand er auf
keiner hohen Stufe, und von seinen zahlreichen Feldzgen waren nur zwei
entschieden glcklich. In den Talenten eines Diplomaten hingegen ist er
nie bertroffen worden. Er kannte die Interessen und Gesinnungen der
festlndischen Hfe besser als sein ganzer Staatsrath zusammengenommen.
Einige seiner Minister waren unstreitig sehr geschickte Mnner,
vortreffliche Redner im Hause der Lords, und genaue Kenner aller
Verhltnisse unsrer Insel. Aber bei den Verhandlungen des Congresses
wrden Caermarthen und Nottingham ihm eben so weit nachstehend
erfunden worden sein, wie er sich bei einer parlamentarischen Debatte
ber eine englische Angelegenheit ihnen nachstehend erwiesen haben
wrde. Die Koalition gegen Frankreich war sein Werk. Er allein hatte
die Theile des groen Ganzen zusammengefgt und er allein konnte
sie zusammenhalten. Htte er diese groe und complicirte Maschine
den Hnden irgend eines seiner Unterthanen anvertraut, so wrde sie
augenblicklich in Stcke zerfallen sein.

Es mute allerdings auch Einiges geschehen, was keiner seiner
Unterthanen zu thun gewagt haben wrde. Der Papst Alexander war
factisch, wenn auch nicht nominell, einer der Verbndeten; es war von
hchster Wichtigkeit, ihn zum Freunde zu haben, und doch war die
Stimmung der englischen Nation von der Art, da ein englischer Minister
sich wohl scheuen konnte, mit dem Vatikan in directem oder indirectem
Verkehr zu stehen. Die Staatssekretre waren ganz froh, da sie eine so
delikate und gefhrliche Sache ihrem Gebieter berlassen und mit gutem
Gewissen versichern konnten, da niemals eine einzige Zeile, gegen
welche der intoleranteste Protestant etwas htte einwenden knnen, aus
ihrem Bureaux hervorgegangen sei.


[_Wilhelm erlangt eine Toleranz fr die Waldenser._] Man darf jedoch
nicht glauben, da Wilhelm je verga, da die Beschtzung des
reformirten Glaubens seine specielle, seine erbliche Mission war. Er
wendete seinen Einflu auf die katholischen Frsten bestndig und
nachdrcklich zu Gunsten ihrer protestantischen Unterthanen an. Im
Frhjahr 1691 wurden die lange und grausam verfolgten und ihres Lebens
berdrssigen waldensischen Hirten durch frohe Botschaften berrascht.
Diejenigen, welche wegen Ketzerei im Gefngni schmachteten, kehrten in
ihre Heimath zurck. Kinder die ihren Eltern entrissen worden waren, um
von Priestern erzogen zu werden, wurden ihren Angehrigen zurckgegeben.
Gemeinden, die sich bisher nur heimlich und mit der grten Gefahr
hatten versammeln knnen, verehrten jetzt Gott am hellen Tage, ohne von
Jemandem belstigt zu werden. Diese einfachen Gebirgsbewohner erfuhren
wahrscheinlich niemals, da ihr Schicksal im Haag besprochen worden war
und da sie ihr husliches Glck und den ungestrten Besuch ihrer
bescheidenen Tempel dem Einflusse verdankten, den Wilhelm auf den Herzog
von Savoyen ausbte.[8]


[_Mngel, welche in der Natur der Coalitionen liegen._] Keine
Coalition, deren Andenken die Geschichte uns aufbewahrt, hat ein
geschickteres Oberhaupt gehabt als Wilhelm es war. Aber selbst Wilhelm
kmpfte oft vergebens gegen die Mngel an, welche allen Coalitionen von
Natur eigen sind. Kein Unternehmen, das ein herzliches und dauerndes
Zusammenwirken vieler unabhngiger Staaten erfordert, verspricht einen
gedeihlichen Fortgang. Eiferschteleien entstehen unvermeidlich;
Streitigkeiten erzeugen neue Streitigkeiten. Jeder Bundesgenosse fhlt
sich versucht, einen Theil der Last, die er selbst tragen sollte, auf
Andere zu wlzen. Kaum Einer stellt ehrlich das versprochene Contingent,
kaum Einer hlt pnktlich den bestimmten Tag ein. Aber vielleicht keine
Coalition, welche je existirt hat, war in so fortwhrender Gefahr der
Auflsung als die, welche Wilhelm mit unendlicher Mhe gebildet hatte.
Die lange Liste der Potentaten, die in Person oder durch Bevollmchtigte
vertreten, im Haag zusammenkamen, nahm sich in den Zeitungen
vortrefflich aus. Die Masse der von bunten Garden und Lakaien umgebenen
frstlichen Equipagen gewhrte unter den Linden des Voorhout einen ganz
prchtigen Anblick. Aber gerade die Umstnde, welche den Congre
glnzender machten als andere Congresse, machten die Confderation
schwcher als andere Confderationen. Je zahlreicher die Alliirten, um
so zahlreicher waren die Gefahren, welche der Allianz drohten. Es war
unmglich, da zwanzig Regierungen, welche durch Rang-, Gebiets-,
Handels- oder Religionsstreitigkeiten veruneinigt waren, lange in
vollkommener Harmonie zusammenhandeln konnten. Da sie mehrere Jahre
lang wenigstens in unvollkommener Harmonie zusammenhandelten, ist
lediglich der Klugheit, Geduld und Festigkeit Wilhelm's zuzuschreiben.

Die Lage seines mchtigen Feindes war eine ganz andre. Die Hlfsquellen
der franzsischen Monarchie kamen zwar den vereinten Hlfsquellen
England's, Holland's, des Hauses Oesterreich und des deutschen Reichs
nicht gleich, waren aber doch sehr achtunggebietend, denn sie waren alle
in einer Hand vereinigt und standen alle unter der unumschrnkten
Leitung eines einzigen Geistes. Ludwig konnte mit zwei Worten soviel
erreichen als Wilhelm kaum durch zweimonatliche Unterhandlungen in
Berlin, Mnchen, Brssel, Turin und Wien zu Stande bringen konnte.
Deshalb war Frankreich in effectiver Strke allen gegen dasselbe
verbndeten Staaten zusammen gewachsen. Denn in der politischen Welt
kann, wie in der natrlichen Welt, zwischen zwei ungleichen Krpern eine
Gleichheit der Wirkung stattfinden, wenn der an Gewicht geringere Krper
an Geschwindigkeit berlegen ist.

Dies zeigte sich bald in augenflliger Weise. Im Mrz trennten sich die
im Haag versammelt gewesenen Frsten und Gesandten, und kaum waren sie
auseinandergegangen, so wurden alle ihre Plne durch eine khne und
geschickte Bewegung des Feindes ber den Haufen geworfen.


[_Belagerung und Fall von Mons._] Ludwig sah wohl ein, da die
Zusammenkunft des Congresses einen groen Eindruck auf die ffentliche
Meinung in Europa machen werde. Diesen Eindruck beschlo er durch einen
pltzlichen und furchtbaren Schlag zu zerstren. Whrend seine Feinde
die Zahl der Truppen, welche jeder von ihnen stellen sollte,
festsetzten, lie er zahlreiche Divisionen seiner Armee von weit
entfernten Punkten gegen Mons marschiren, das eine der wichtigsten, wenn
nicht die wichtigste der Festungen war, welche die spanischen
Niederlande vertheidigten. Sein Vorhaben wurde erst entdeckt, als es
fast schon ausgefhrt war. Wilhelm, der sich auf einige Tage nach Loo
zurckgezogen hatte, erfuhr mit Erstaunen und mit grtem Verdrusse, da
sich Cavallerie, Infanterie, Artillerie und Pontons auf verschiedenen
convergirenden Straen der dem Verderben geweihten Stadt rasch nherten.
Es waren hunderttausend Mann zusammengezogen worden, und Louvois, im
Verwaltungsfache der Erste seiner Zeit, hatte reichlich fr alle
Kriegsbedrfnisse gesorgt. Das Commando fhrte Luxemburg, der erste der
lebenden Generle, und die wissenschaftlichen Operationen leitete
Vauban, der erste der lebenden Ingenieurs. Damit nichts fehlte, um in
allen Reihen eines tapferen und loyalen Heeres einen edlen Wetteifer zu
entznden, war der groe Knig selbst von Versailles nach dem Lager
abgereist. Wilhelm hatte indessen noch eine schwache Hoffnung, da es
mglich sein knne, die Belagerung aufzuheben. Er eilte nach dem Haag,
setzte alle Truppen der Generalstaaten in Bewegung und schickte Eilboten
an die deutschen Frsten. Schon drei Wochen nachdem er die erste Kunde
von der drohenden Gefahr erhalten, stand er an der Spitze von
funfzigtausend Mann Truppen verschiedener Nationen in der Nhe der
belagerten Stadt. Eine an Zahl berlegene, von einem Feldherrn wie
Luxemburg befehligte Armee anzugreifen, war ein khnes, fast
verzweifeltes Unternehmen. Wilhelm aber war so entschieden der Meinung,
da der Fall von Mons ein fast nicht wieder gutzumachendes Unglck und
eine unauslschliche Schmach sein wrde, da er sich entschlo, sein
Heil zu versuchen. Er war berzeugt, da der Ausgang der Belagerung die
Politik der Hfe von Stockholm und Kopenhagen bestimmen werde. Diese
beiden Hfe schienen seit Kurzem geneigt, der Coalition beizutreten;
wenn aber Mons fiel, blieben sie gewi neutral oder wurden vielleicht
gar Feinde. Es ist ein groes Wagni, schrieb er an Heinsius, doch
bin ich nicht ohne Hoffnung. Ich werde thun was mglich ist, der Ausgang
liegt in Gottes Hand. An dem nmlichen Tage, an welchem dieser Brief
geschrieben wurde, fiel Mons. Die Belagerung war energisch betrieben
worden. Ludwig selbst war, obgleich am Podagra leidend, mit dem
Beispiele krperlicher Anstrengung vorangegangen. Seine Haustruppen, das
schnste Soldatencorps in Europa, hatten unter seinen Augen sich selbst
bertroffen. Die jungen Cavaliere seines Hofes hatten seinen Blick auf
sich zu lenken gesucht, indem sie sich dem heftigsten Feuer mit der
nmlichen sorglosen Heiterkeit aussetzten, mit der sie gewohnt waren,
ihre eleganten Gestalten bei seinen Ballfesten zu zeigen. Seine
verwundeten Soldaten waren entzckt ber die herablassende
Leutseligkeit, mit der er zwischen ihren Betten umherging, den Chirurgen
beim Verbinden der Wunden zusah und zum Frhstck einen Napf
Hospitalsuppe a. Whrend bei den Belagerern Alles Gehorsam und
Begeisterung war, herrschte unter den Belagerten Uneinigkeit und Angst.
Die franzsischen Vorpostenlinien versahen ihren Dienst so gut, da kein
von Wilhelm abgesandter Bote im Stande war, sich durchzuschleichen. Die
Garnison wute daher nicht, da Entsatz in ihrer Nhe war. Die Brger
schauderten bei der Aussicht auf die entsetzlichen Drangsale, denen mit
Sturm genommene Stdte preisgegeben sind. In den Straen regnete es
Bomben und glhende Kanonenkugeln, und die Stadt gerieth an zehn
verschiedenen Stellen zugleich in Brand. Die friedlichen Bewohner fanden
in dem Uebermaa ihrer Angst einen ungewhnlichen Muth und erhoben sich
gegen die Soldaten. Von diesem Augenblicke an war jeder Widerstand
unmglich, und es wurde daher eine Kapitulation geschlossen. Dann
kehrten die Armeen in ihre Quartiere zurck und die militrischen
Operationen ruhten einige Wochen; Ludwig kehrte im Triumph nach
Versailles zurck und Wilhelm machte England, wo seine Anwesenheit
dringend nthig war, einen kurzen Besuch.[9]


[_Wilhelm kehrt nach England zurck. Prozesse Preston's und
Ashton's._] Er fand die Minister noch immer damit beschftigt, die
Verzweigungen des Complots aufzufinden, das kurz vor seiner Abreise
entdeckt worden war. Zu Anfang des Januar waren Preston, Ashton und
Elliot vor die Old Bailey gestellt worden. In ihren Einwendungen
beanspruchten sie das Recht der abgesonderten Prozessirung, und die
Untersuchung mute daher gegen jeden einzeln gefhrt werden. Das
Auditorium war zahlreich und glnzend, viele Peers waren anwesend. Der
Lordprsident und die beiden Staatssekretre wohnten der Verhandlung
bei, um zu beweisen, da die dem Gerichtshof vorliegenden Papiere die
nmlichen wren, welche Billop nach Whitehall gebracht hatte. Eine
betrchtliche Anzahl Richter saen auf der Bank und Holt prsidirte. Es
ist ein vollstndiger Bericht ber die Verhandlungen auf uns gekommen
und derselbe verdient aufmerksam studirt und mit den Berichten ber
andere Prozesse, welche nicht lange vorher unter dem nmlichen Dache
stattgefunden hatten, verglichen zu werden. Der ganze Geist des
Tribunals hatte in wenigen Monaten eine so vollstndige Umwandlung
erfahren, da man htte glauben sollen, sie knne nur das Werk von
Jahrhunderten sein. Zwlf Jahre frher hatten unglckliche Katholiken
unter der Anklage eines Verbrechens, das ihnen nie in den Sinn gekommen
war, vor der nmlichen Verhrsschranke gestanden. Die Kronzeugen
hatten ihre abscheulichen Erdichtungen unter dem Beifallsgemurmel der
Anwesenden wiederholt. Die Richter hatten die stupide Leichtglubigkeit
und die wilden Leidenschaften des groen Haufens getheilt oder
doch sich gestellt, als ob sie dieselben theilten, hatten mit den
meineidigen Angebern lchelnde Blicke und Complimente gewechselt, die
von den Gefangenen mit schwacher Stimme hervorgestammelten Argumente
berschrien und sich nicht entbldet, bei Fllung des Todesurtheils
gemeine Witze ber das Fegefeuer und die Messe zu machen. Sobald das
Abschlachten der Papisten vorber war, hatte das Abschlachten der
Whigs begonnen, und die Richter waren an dieses neue Werk mit noch
grerer Barbarei gegangen. Diesen Skandalen hatte die Revolution
ein Ziel gesetzt. Wer nach Durchlesung der Prozesse Ireland's und
Pickering's, Grove's und Berry's, Sidney's, Cornish's und der Alice
Lisle zu den Prozessen Preston's und Ashton's bergeht, wird ber
den Contrast erstaunen. Der Generalprokurator Somers fhrte die
Untersuchung mit einer Migung und Humanitt, von der seine Vorgnger
ihm kein Beispiel gegeben hatten. Ich habe nie geglaubt, sagte er,
da Jemand, der in Fllen dieser Art als Rechtsbeistand des Knigs
fungirt, die Verpflichtung habe, das Verbrechen des Gefangenen in ein
schwrzeres Licht zu stellen oder die Beweisfhrung mit falschen Farben
auszuschmcken.[10] Holt's Benehmen war tadellos. Pollexfen, der lter
war als Holt und Somers, hatte noch ein wenig -- und ein wenig war
schon zu viel -- von dem Tone der schlechten Schule beibehalten, in der
er gebildet war. Aber obwohl er einigemal das strenge Decorum seiner
Stellung verga, kann man ihn doch keiner Verletzung der materiellen
Gerechtigkeit bezichtigen. Die Gefangenen selbst scheinen ber die
Unparteilichkeit und Milde, mit der sie behandelt wurden, erstaunt
gewesen zu sein. Ich versichere Ihnen, sagte Holt zu Preston, da
ich die Jury nicht irreleiten, noch Eurer Lordschaft berhaupt im
entferntesten Unrecht thun werde. -- Ja, Mylord, entgegnete Preston,
ich sehe es deutlich genug, da Eure Lordschaft dies nicht wollen.
-- Welches auch mein Schicksal sein mag, sagte Ashton, ich mu
bekennen, da mein Proze mit Unparteilichkeit gefhrt worden ist.

Die Angeklagten gewannen inde nichts durch die Migung des
Generalprokurators oder durch die Unparteilichkeit des Gerichtshofes,
denn die Beweise waren unumstlich. Die Bedeutung der von Billop
aufgefangenen Papiere war so klar, da auch der beschrnkteste
Geschworne sie nicht miverstehen konnte. Es war vollstndig erwiesen,
da ein Theil dieser Papiere von Preston's Hand herrhrte. Ein andrer
Theil war von Ashton's Hand, aber dies konnten die Anwlte der Krone
nicht beweisen. Sie grndeten daher die Anklage gegen Ashton auf die
unbestreitbare Thatsache, da das verrtherische Packet auf seiner Brust
gefunden worden war und da er Aeuerungen gethan hatte, welche keinen
Sinn gehabt haben wrden, wenn er nicht eine strafbare Kenntni des
Inhalts gehabt htte.[11]


[_Ashton's Hinrichtung._] Preston und Ashton wurden Beide berfhrt und
zum Tode verurtheilt. Ashton wurde bald hingerichtet. Er htte sein
Leben retten knnen, wenn er Enthllungen gemacht htte. Aber obgleich
er erklrte, da, wenn man ihm seine Strafe erliee, er stets ein treuer
Unterthan Ihrer Majestten sein wrde, war er doch fest entschlossen,
die Namen seiner Mitschuldigen nicht zu nennen. In diesem Entschlusse
wurde er durch die eidverweigernden Geistlichen bestrkt, die ihn in
seiner Zelle besuchten. Durch sie hatte er sich auch wahrscheinlich dazu
bestimmen lassen, noch auf dem Schaffot den Sheriffs eine Erklrung
einzuhndigen, die er abgeschrieben und unterzeichnet, aber, wie man
hoffen darf, weder verfat, noch aufmerksam erwogen hatte. In diesem
Schriftstcke lie man ihn sich ber die Parteilichkeit seines Prozesses
beschweren, von dem er selbst ffentlich anerkannt hatte, da er im
hchsten Grade unparteiisch gefhrt worden sei. Auch lie man ihn auf
das Wort eines Sterbenden versichern, da er den Inhalt der bei ihm
gefundenen Papiere nicht kenne. Unglcklicherweise erwies sich bei
genauer Untersuchung die Handschrift seiner Erklrung als genau
bereinstimmend mit der eines der wichtigsten von jenen Papieren. Er
starb mit mnnlicher Standhaftigkeit.[12]


[_Preston's Unschlssigkeit und seine Gestndnisse._] Elliot wurde
nicht zur Untersuchung gezogen. Die gegen ihn vorliegenden Beweise waren
nicht ganz so klar wie die, auf welche hin seine Genossen verurtheilt
worden waren, und berdies war er des Zornes der Regierung nicht werth.
Preston's Schicksal war lange unentschieden. Die Jakobiten stellten sich
als ob sie fest berzeugt wren, da die Regierung es nicht wagen wrde,
sein Blut zu vergieen. Er sei, sagten sie, ein Gnstling von Versailles
und sein Tod werde furchtbare Repressalien zur Folge haben. Sie
vertheilten in den Straen London's Papiere, in denen versichert wurde,
da, wenn ihm ein Leid geschhe, Mountjoy und alle anderen angesehenen
Englnder, die als Gefangene in Frankreich lebten, gerdert werden
wrden.[13] Diese lcherlichen Drohungen wrden die Hinrichtung nicht um
einen einzigen Tag verzgert haben. Aber Die, welche Preston in ihrer
Gewalt hatten, waren nicht abgeneigt, ihn unter gewissen Bedingungen
frei ausgehen zu lassen. Er war in alle Geheimnisse der mivergngten
Partei eingeweiht und konnte hchst werthvolle Aufschlsse geben. Er
wurde benachrichtigt, da sein Schicksal in seiner Hand liege. Der Kampf
war lang und schwer. Auf der einen Seite Stolz, Gewissen und
Parteigeist, auf der andren die heftige Liebe zum Leben. Eine Zeit lang
schwankte er unschlssig hin und her. Hrte er seine jakobitischen
Genossen, so stieg sein Muth; hrte er die Agenten der Regierung, so
sank ihm das Herz in der Brust. Wenn er des Abends gut gegessen und
seinen Claret getrunken hatte, frchtete er nichts. Er wollte lieber wie
ein Mann sterben, als seinen Kopf durch eine Schurkerei retten. Aber
seine Stimmung war eine ganz andre, wenn er am folgenden Morgen
erwachte, wenn der Muth, den er aus Wein und Gesellschaft geschpft,
verflogen, wenn er wieder allein war mit seinen Eisengittern und seinen
steinernen Mauern und wenn der Gedanke an den Block, das Beil und die
Sgespne in ihm aufstieg. Eine Zeit lang setzte er regelmig jeden
Vormittag, whrend er nchtern war, ein Bekenntni auf, das er am Abend,
wenn er aufgeheitert war, wieder verbrannte.[14] Seine eidverweigernden
Freunde entwarfen den Plan, Sancroft zu einem Besuch im Tower zu
bewegen, wahrscheinlich in der Hoffnung, da die Ermahnungen eines so
angesehenen Prlaten und eines so groen Heiligen die erschtterte
Standhaftigkeit des Gefangenen wieder krftigen wrden.[15] Ob dieser
Plan Erfolg gehabt haben wrde, steht zu bezweifeln; er kam nicht zur
Ausfhrung, die verhngnivolle Stunde rckte heran, und Preston's
Festigkeit wich. Er bekannte sich fr schuldig und nannte Clarendon,
Dartmouth, den Bischof von Ely und Wilhelm Penn als seine Complicen.
Auerdem gab er eine lange Liste von Personen, denen er selbst nichts
zur Last legen knne, die aber, wenn er Penn's Versicherungen glauben
drfe, mit Knig Jakob auf freundschaftlichem Fue stnden. Unter diesen
Personen befanden sich Devonshire und Dorset.[16] Es ist nicht der
geringste Grund zu der Annahme vorhanden, da einer von diesen beiden
vornehmen Edelleuten jemals direct oder indirect mit Saint-Germains
verkehrt habe. Doch kann man deshalb Penn nicht absichtlicher Unwahrheit
beschuldigen. Er war leichtglubig und geschwtzig. Der Obersthofmeister
und der Lord Kammerherr hatten den Verdru getheilt, mit welchem ihre
Partei die Hinneigung Wilhelm's zu den Tories bemerkt, und
wahrscheinlich hatten sie diesen Verdru unbesonnenerweise geuert. Ein
so schwacher Mann wie Penn, der berall Jakobiten zu finden wnschte und
der stets geneigt war zu glauben was er wnschte, konnte leicht
Invectiven, zu deren Aeuerung der stolze und reizbare Devonshire nur zu
bereit war, und Sarkasmen, wie sie in Augenblicken bler Laune den
Lippen des witzigen Dorset nur zu leicht entschlpften, eine falsche
Deutung geben. Caermarthen, ein Tory, und ein Tory, den die Whigs
unbarmherzig verfolgt hatten, war geneigt, diese leeren Gerchte nach
Mglichkeit auszubeuten. Aber er wurde darin von seinem Gebieter nicht
ermuthigt, der unter allen groen Staatsmnnern, von denen uns die
Geschichte erzhlt, am wenigsten argwhnisch war. Als Wilhelm nach
England zurckkam, wurde Preston vor ihn gefhrt und ihm geheien das
Gestndni zu wiederholen, das er schon den Ministern abgelegt hatte.
Der Knig stand hinter dem Stuhle des Lord Prsidenten und hrte mit
ernster Miene zu, whrend Clarendon, Dartmouth, Turner und Penn genannt
wurden. Sobald aber der Gefangene von dem was er selbst bezeugen konnte,
zur Wiederholung der Geschichten berging, welche Penn ihm erzhlt
hatte, berhrte Wilhelm Caermarthen's Schulter und sagte zu ihm:
Mylord, wir haben nur zuviel schon gehrt.[17] Diese einsichtsvolle
Gromuth fand den verdienten Lohn. Devonshire und Dorset widmeten sich
von diesem Augenblicke an eifriger als je der Sache des Gebieters, der
trotz der Verleumdung, zu der ihre Unbesonnenheit vielleicht einigen
Grund geliefert hatte, nach wie vor Vertrauen in ihre Loyalitt
setzte.[18]


[_Nachsicht gegen die Verschwrer. Clarendon._] Selbst Diejenigen,
welche unzweifelhaft strafbar waren, wurden im allgemeinen mit groer
Milde behandelt. Clarendon sa ungefhr sechs Monate im Tower. Seine
Schuld war vollkommen erwiesen, und eine Partei unter den Whigs
verlangte laut und ungestm seinen Kopf. Er wurde jedoch durch die
dringenden Bitten seines Bruders Rochester, durch die Frsprache des
menschenfreundlichen und edelmthigen Burnet und durch Mariens Piett
fr das Andenken ihrer Mutter gerettet. Die Haft des Gefangenen war
nicht streng, und er durfte seine Freunde in seiner Zelle bewirthen. Als
endlich seine Gesundheit zu leiden begann, erhielt er die Erlaubni,
unter Aufsicht eines Kerkermeisters aufs Land zu gehen; der Aufseher
wurde bald zurckgerufen und Clarendon benachrichtigt, da man ihn nicht
behelligen werde, so lange er ein ruhiges Landleben fhre.[19]


[_Dartmouth._] Dartmouth's Verrath war von nicht gewhnlicher Art. Er
war ein englischer Seemann, hatte den Anschlag gemacht, Portsmouth den
Franzosen zu berliefern und hatte sich erboten, das Commando eines
franzsischen Geschwaders gegen sein Vaterland zu bernehmen. Seine
Schuld wurde dadurch noch bedeutend erschwert, da er einer der Ersten
gewesen war, welche Wilhelm und Marien den Huldigungseid geleistet
hatten. Er ward verhaftet und vor den Geheimen Rath gestellt. Eine von
ihm selbst geschriebene Erzhlung dessen was dort vorging, ist uns
erhalten worden. In dieser Erzhlung giebt er zu, da er mit groer
Artigkeit und Rcksicht behandelt wurde. Er betheuerte mit Heftigkeit
seine Unschuld und erklrte, da er nie mit Saint-Germains correspondirt
habe, da er kein Gnstling des dortigen Hofes sei und da besonders
Marie von Modena einen alten Groll gegen ihn hege. Mylords, sagte er,
ich bin ein Englnder und habe jederzeit, selbst als das Ansehen des
Hauses Bourbon hier am grten war, die Franzosen, Mnner sowohl als
Frauen, gemieden. Ich wrde eher den letzten Tropfen meines Blutes
hingeben, als Portsmouth in der Gewalt von Fremden sehen. Ich bin kein
solcher Thor, da ich glauben knnte, Knig Ludwig wollte unser Land nur
fr Knig Jakob erobern. Ich wei gewi, da mir mit Grund nichts zur
Last gelegt werden kann als hchstens einige bereilte Aeuerungen bei
der Flasche. Seine Versicherungen scheinen einigen Eindruck gemacht zu
haben, denn man gestattete ihm anfangs die sehr milde Haft unter der
Obhut des schwarzen Stabes. Im weiteren Verlaufe der Untersuchung jedoch
beschlo man ihn in den Tower zu schicken. Nach einer Haft von wenigen
Wochen starb er an einem Schlaganfall, aber er lebte noch lange genug,
um das Ma seiner Schande voll zu machen, indem er der neuen Regierung
seinen Degen anbot und in glhenden Worten die Hoffnung aussprach, da
die Gte Gottes und Ihrer Majestten ihm eine Gelegenheit geben mchte
zu beweisen wie sehr er die Franzosen hasse.[20]


[_Turner._] Turner schwebte in keiner ernsten Gefahr, denn die Regierung
war entschieden abgeneigt, einen von den Sieben, welche die denkwrdige
Petition unterzeichnet hatten, aufs Schaffot zu bringen. Es wurde
indessen ein Verhaftsbefehl gegen ihn erlassen, und seine Freunde hatten
wenig Hoffnung, da er entkommen wrde, denn er war im Besitz einer
Nase, die Niemand vergessen konnte, wenn er sie einmal gesehen, und es
half ihm nur wenig, da er eine wallende Perrcke trug und sich den Bart
wachsen lie. Die Verfolgung wurde jedoch wahrscheinlich nicht sehr
eifrig betrieben, denn nachdem er sich einige Wochen in England
verborgen gehalten, gelang es ihm ber den Kanal zu entkommen, und er
blieb einige Zeit in Frankreich.[21]


[_Penn._] Auch gegen Penn wurde ein Verhaftsbefehl erlassen, und er
entging mit genauer Noth den Staatsboten. Gerade an dem Tage, an welchem
sie ausgeschickt wurden, um auf ihn zu fahnden, wohnte er einer groen
Feierlichkeit in der Nhe seines Wohnorts bei. Es war ein Ereigni
eingetreten, das der Geschichtsschreiber, der sich das Ziel gesteckt
hat, das wirkliche Leben einer Nation darzustellen, nicht unerwhnt
lassen darf. Whrend London noch durch die Nachricht aufgeregt war, da
ein Complot entdeckt worden sei, starb Georg Fox, der Grnder der
Qukersecte.


[_Tod Georg Fox; sein Character._] Mehr als vierzig Jahre waren
verstrichen, seitdem Fox angefangen hatte, Visionen zu sehen und Teufel
auszutreiben.[22] Er war damals ein Jngling von reinen Sitten und
ernstem Wandel, begabt mit einem eigensinnigen Temperament, mit der
Bildung eines Handwerksmannes und mit einem Verstande, der sich in der
unglcklichsten Verfassung von der Welt befand, und zwar deshalb, weil
er zu verworren war fr die Freiheit und doch nicht verworren genug fr
das Irrenhaus. Die Verhltnisse, in die er versetzt wurde, waren aber
auch von der Art, da sie die Verkehrtheiten seines Geistes nothwendig
in der strksten Form zum Ausbruch bringen muten. Zu der Zeit als seine
Verstandeskrfte zu reifen begannen, kmpften Episkopalen,
Presbyterianer, Independenten und Baptisten um die Herrschaft und
widerlegten und schmhten einander in jedem Winkel des Reichs. Er
wanderte von Gemeinde zu Gemeinde, hrte Priester gegen Puritaner und
Puritaner gegen Priester haranguiren und wendete sich vergebens um
geistlichen Rath und Trost an Gelehrte beider Parteien. Ein jovialer
alter Geistlicher der anglikanischen Gemeinschaft rieth ihm Tabak zu
rauchen und Psalmen zu singen, ein andrer sagte ihm, er solle sich ein
wenig Blut abzapfen lassen.[23] Der junge Forscher wendete sich mit
Abscheu von diesen Rathgebern ab zu den Dissenters und fand auch in
ihnen blinde Fhrer.[24] Nach einiger Zeit gelangte er zu dem Schlusse,
da kein menschliches Wesen befhigt sei, ihn in gttlichen Dingen zu
belehren und da die Wahrheit ihm durch unmittelbare Inspiration vom
Himmel mitgetheilt worden sei. Aus dem Umstande, da die Spaltung der
Sprachen in Babel begonnen und da die Verfolger Christi eine
lateinische, griechische und hebrische Inschrift an das Kreuz setzten,
folgerte er, da die Kenntni der Sprachen, ganz besonders der
lateinischen, griechischen und hebrischen, einem christlichen
Geistlichen nutzlos sein msse.[25] Er war allerdings so weit entfernt,
viele Sprachen zu verstehen, da er gar keine verstand; die corrupteste
hebrische Stelle kann dem Ungelehrten nicht unverstndlicher sein, als
sein Englisch oft dem scharfsinigsten und aufmerksamsten Leser ist.[26]
Eine der kostbaren Wahrheiten, welche diesem neuen Apostel auf
gttlichem Wege offenbart wurden, war, da es Falschheit und
Schmeichelei sei, sich der zweiten Person im Plural, anstatt der zweiten
Person im Singular zu bedienen. Eine andre war, da, wer vom Monat Mrz
spreche, den blutdrstigen Gott Mars verehre, und wer vom Montag
spreche, dem Monde eine abgttische Huldigung darbringe. Guten Morgen
und guten Tag sagen war hchst verwerflich, denn in diesen Phrasen lag
offenbar der Sinn, da Gott auch schlechte Tage und schlechte Nchte
gemacht habe.[27] Ein Christ war verbunden, eher dem Tode
entgegenzugehen, als vor dem Vornehmsten der Menschen den Hut zu ziehen.
Als Fox aufgefordert wurde, zur Untersttzung dieses Dogmas eine
biblische Autoritt anzufhren, citirte er die Stelle, wo geschrieben
steht, da Shadrach, Mesach und Abednego mit den Hten auf dem Kopfe in
den feurigen Ofen geworfen wurden, und wenn man seiner eigenen Erzhlung
glauben darf, wute der Oberrichter von England auf dieses Argument mit
nichts weiter zu antworten als mit dem Ausrufe: Fhrt ihn ab,
Kerkermeister![28] Fox legte auch viel Werth auf das nicht minder
gewichtige Argument, da die Trken ihren Vorgesetzten nie das entblte
Haupt zeigen, und er fragte mit groer Lebhaftigkeit, ob Die, welche den
hehren Namen Christen trgen, die Trken an Tugend nicht bertreffen
mten.[29] Das Verbeugen verbot er auf's Strengste und schien es
wirklich als die Aeuerung eines satanischen Einflusses zu betrachten,
denn wie er bemerkte, wurde das Weise im Evangelium, das von einem
Krankeitsteufel besessen war, zusammengekrmmt, was aber sogleich
aufhrte, als gttliche Macht sie von der Tyrannei des Bsen befreit
hatte.[30] Seine Erklrungen der heiligen Schriften waren hchst
wunderlich. Stellen, welche alle Leser der Evangelien seit sechzehn
Jahrhunderten bildlich verstanden, legte er wrtlich aus, und andere
Stellen, die kein Mensch vor ihm anders als im wrtlichen Sinne
verstanden hatte, legte er bildlich aus. So leitete er aus den
rhetorischen Ausdrcken, welche bei Beleidigungen die Pflicht der Geduld
einschrfen, die Lehre ab, da Selbstvertheidigung gegen Ruber und
Mrder unerlaubt sei. Dagegen erklrte er die einfachen und klaren
Gebote, mit Wasser zu taufen und zum Gedchtni der Erlsung der
Menschheit Brot und Wein zu genieen, fr allegorisch. Er zog lange von
Ort zu Ort und lehrte diese wunderliche Theologie, zitterte in seinen
Anfllen fanatischer Aufregung wie Espenlaub, drngte sich mit Gewalt in
die Kirchen, denen er den Spottnamen Thurmhuser gab, unterbrach die
Gebete und Predigten durch Geschrei und Verhhnungen[31] und peinigte
die Rectoren und Richter mit Episteln, welche groe Aehnlichkeit mit
Parodien der erhabenen Oden hatten, in denen die hebrischen Propheten
die Drangsale von Babylon und Tyrus vorhersagten.[32] Er erlangte durch
diese Thaten bald ein groes Renomme. Sein sonderbares Gesicht, seine
sonderbare Sprache, sein unbeweglicher Hut und seine Lederhosen waren im
ganzen Lande bekannt, und er rhmte sich, da, sobald sich das Gercht
verbreitete: der Mann mit den Lederhosen kommt, heuchlerische
Professoren von Entsetzen ergriffen wurden und feile Priester ihm
eiligst aus dem Wege gingen.[33] Er wurde zu wiederholten Malen
eingesperrt, bald mit Recht, weil er den ffentlichen Gottesdienst
strte, bald mit Unrecht, blo weil er Unsinn schwatzte. Indessen
sammelte er bald eine Anzahl Schler um sich, von denen manche ihn an
Albernheit noch bertrafen. Er erzhlt uns, da einer seiner Freunde
nackend durch Skipton ging, die Wahrheit erklrend,[34] und da ein
Andrer aus gttlicher Anregung mehrere Jahre hindurch nackend auf
Marktpltze und in die Huser von Gentlemen und Geistlichen ging.[35]
Fox beklagt sich bitter, da diese vom heiligen Geiste eingegebenen
frommen Handlungen von einer verkehrten Generation mit Rippensten,
Steinwrfen und Peitschenhieben belohnt wurden. Obgleich er aber den
Eifer der Dulder lobte, ging er doch nicht ganz so weit wie sie.
Zuweilen fhlte er allerdings das Bedrfni, sich theilweis zu
entkleiden. So zog er einmal seine Schuhe aus und ging mit dem Ausrufe:
Wehe der blutigen Stadt! barfu durch Lichfield.[36] Er scheint sich
jedoch nie fr verpflichtet gehalten zu haben, vor dem Publikum ohne das
anstndige Kleidungsstck zu erscheinen, dem seine volksthmliche
Bezeichnung entlehnt war.

Beurtheilen wir Georg Fox einfach nach seinen Thaten und Schriften, so
werden wir keinen Grund sehen, ihn in moralischer oder geistiger
Hinsicht ber Ludwig Muggleton oder Johanna Southcote zu stellen. Allein
es wrde hchst ungerecht sein, wollte man die Secte, die ihn als ihren
Grnder betrachtet, mit den Muggletonianern oder Southcotianern auf eine
Stufe stellen. Unter den Tausenden, die von seinem Fanatismus angesteckt
wurden, befanden sich einige Personen, deren Geistesgaben und Bildung
ganz andrer Art waren, als die seinigen. Robert Barclay war ein Mann von
bedeutenden Talenten und Kenntnissen. Wilhelm Penn, obwohl Barclay an
natrlichen und erworbenen Geistesvorzgen nachstehend, war ein
Gentleman und Gelehrter. Da solche Mnner Anhnger Georg Fox' werden
konnten, wird Den nicht Wunder nehmen, der bedenkt, welche
scharfsinnigen und hochgebildeten Geister selbst in unsrer Zeit durch
die unbekannten Zungen getuscht worden sind. Es ist ausgemacht, da
keine noch so hohe geistige Begabung gegen Verirrungen dieser Art
schtzt. In Bezug auf Gott und seine Wege vermag auch der gebildetste
menschliche Verstand wenig mehr zu ergrnden als der ungebildetste. In
der Theologie ist in der That nur ein geringer Unterschied zwischen
Aristoteles und einem Kinde, zwischen Archimedes und einem nackten
Wilden. Es ist daher kein Wunder, wenn selbst einsichtsvolle Mnner, des
Grbelns mde, von Ungewiheit geqult, von dem Drange beseelt, etwas zu
glauben, und doch gegen Alles Einwendungen erblickend, sich endlich
blindlings Lehrern in die Arme werfen, die sich mit festem und
zweifellosem Glauben fr vom Himmel Gesandte halten. So sehen wir
oftmals forschende und ruhelose Kpfe sich vor ihrem eignen Skepticismus
in den Schoo einer Kirche flchten, welche Anspruch auf Unfehlbarkeit
macht, und es ber sich gewinnen eine Oblate anzubeten, nachdem sie an
der Existenz einer Gottheit gezweifelt haben. So kam es, da auch Fox
einige Convertiten machte, die in Allem, auer in der Energie seiner
Ueberzeugungen, unendlich hher standen als er. Diese Convertiten
brachten seine rohen Lehren in eine den gesunden Verstand und den guten
Geschmack etwas weniger verletzende Form. Keine Behauptung, die er
aufgestellt, wurde zurckgenommen, keine unschickliche oder lcherliche
Handlung, die er verrichtet oder gebilligt, wurde verdammt; aber das
Absurdeste in seinen Theorien und Handlungen wurde gemildert oder
wenigstens dem Publikum nicht aufgedrngt; Alles was dem Auge annehmbar
gemacht werden konnte, wurde in das beste Gewand gekleidet; sein
Kauderwlsch wurde ins Englische bersetzt; seinen Phrasen wurde ein
Sinn untergelegt, den er nicht begriffen haben wrde und sein System,
das auf diese Art so sehr verbessert worden, da er es nicht wieder
erkannt haben wrde, wurde durch zahlreiche Citate aus heidnischen
Philosophen und christlichen Kirchenvtern vertheidigt, deren Namen er
nie gehrt hatte.[37] Gleichwohl legten Diejenigen, die seine Theologie
umgeformt, nach wie vor eine tiefe Ehrfurcht vor ihm an den Tag, die sie
auch ohne Zweifel wirklich empfanden, und seine unsinnigen Episteln
wurden fortwhrend in den Qukerversammlungen des ganzen Landes mit
Achtung aufgenommen und verlesen. Sein Tod machte ein Aufsehen, das sich
nicht auf seine Schler beschrnkte. Am Morgen des Leichenbegngnisses
versammelte sich eine groe Menschenmenge vor dem Bethause in
Gracechurch Street. Von da wurde der Leichnam nach dem Gottesacker der
Seele unweit Bunhill Fields getragen. Mehrere Redner sprachen zu der
Menge, welche den Friedhof fllte. Unter den Jngern, die den
ehrwrdigen Leichnam der Erde bergaben, bemerkte man Penn. Die
Ceremonie war kaum zu Ende, als er erfuhr, da Verhaftsbefehle gegen ihn
erlassen waren. Er ergriff augenblicklich die Flucht und verbarg sich
viele Monate lang vor den Augen der Oeffentlichkeit.[38]


[_Unterredung zwischen Penn und Sidney._] Kurze Zeit nach seinem
Verschwinden erhielt Sidney eine sonderbare Mittheilung von ihm. Penn
bat um eine Unterredung, verlangte aber das Versprechen, da er
unangefochten in sein Versteck zurckkehren drfe. Sidney erhielt die
knigliche Erlaubni, unter dieser Bedingung die nthige Veranstaltung
zu treffen. Penn kam an den ihm bezeichneten Ort und sprach ausfhrlich
zu seiner Vertheidigung. Er erklrte, da er ein treuer Unterthan des
Knigs Wilhelm und der Knigin Marie sei und da er, wenn ihm ein
Anschlag gegen sie bekannt wre, denselben enthllen wrde. Er ging
diesmal von seinem Ja und Nein ab und betheuerte vor Gott, da er von
keinem Complot wisse und da er berhaupt gar nicht an die Existenz
eines Complots glaube, es sei denn, da man die ehrgeizigen Projecte der
franzsischen Regierung so nennen wolle. Sidney, wahrscheinlich
erstaunt, einen Mann, der einen solchen Abscheu vor dem Lgen hatte, da
er die gewhnlichen Formen der Hflichkeit nicht beobachtete, und einen
solchen Abscheu vor Eiden, da er vor Gericht das Evangelium nicht
kte, etwas einer Lge sehr Aehnliches sagen und mit etwas einem Eide
sehr Aehnlichen bekrftigen zu hren, fragte ihn, wie man sich die
Existenz der bei Ashton gefundenen Briefe und Notizen erklren solle,
wenn wirklich kein Complot bestehe. Dieser Frage wich Penn aus. Wenn
ich nur mit dem Knige sprechen knnte, sagte er, so wrde ich ihm
Alles offen gestehen. Ich wrde ihm Vieles sagen, was ihm zu wissen
wichtig sein wrde. Nur auf diese Weise kann ich ihm ntzlich werden.
Ein Kronzeuge kann ich nicht sein, denn mein Gewissen erlaubt mir nicht
zu schwren. Er versicherte Sidney, da die gefhrlichsten Feinde der
Regierung die unzufriedenen Whigs seien. Die Jakobiten sind nicht
gefhrlich, denn es ist kein Einziger unter ihnen, der gesunden Verstand
hat. Einige von Denen, die mit dem Knige aus Holland herbergekommen,
sind weit mehr zu frchten. Namen scheint Penn nicht genannt zu haben.
Man lie ihn ungehindert wieder gehen und es wurden auch keine thtigen
Nachforschungen nach ihm angestellt. Er blieb noch einige Monate in
London verborgen, stahl sich dann nach der Kste von Sussex und entkam
nach Frankreich. Nachdem er ungefhr drei Jahre im Verborgenen
umhergestreift war, shnte er sich durch Vermittelung einiger
hochgestellter Mnner, die seine Fehler um seiner guten Eigenschaften
willen bersahen, mit der Regierung aus und wagte es wieder seine
geistlichen Functionen zu verrichten. Die Art und Weise jedoch, wie er
die gegen ihn gebte Milde vergalt, gereicht seinem Character nicht zu
groer Ehre. Kaum hatte er wieder angefangen, ffentlich ber die
Unrechtmigkeit des Kriegs zu haranguiren, so schickte er eine
Botschaft ab, durch die er Jakob dringend aufforderte, mit
dreiigtausend Mann unverzglich eine Landung in England zu
unternehmen.[39]


[_Preston begnadigt._] Es vergingen noch einige Monate, ehe Preston's
Schicksal entschieden wurde. Nach wiederholten Aufschiebungen setzte die
Regierung, welche berzeugt war, da er, obwohl er viel gesagt hatte,
noch mehr sagen knne, einen Tag zu seiner Hinrichtung fest und befahl
den Sheriffs, die Todesmaschinerie in Bereitschaft zu halten.[40] Er
erlangte jedoch einen abermaligen Aufschub und nach Verlauf einiger
Wochen erhielt er seine Begnadigung, die sich inde nur auf sein Leben
erstreckte, sein Vermgen aber allen Consequenzen der Verurtheilung
unterwarf. Kaum war er in Freiheit gesetzt, so gab er neue Ursache zu
Aergerni und Verdacht und wurde abermals verhaftet, verhrt und
eingesperrt.[41] Endlich gestattete man ihm, sich, verfolgt von dem
Hohngeschrei und den Verwnschungen beider Parteien, auf ein einsames
Landhaus im nrdlichen Bezirke von Yorkshire zurckzuziehen. Hier hatte
er wenigstens nicht die zornigen Blicke ehemaliger Parteigenossen zu
ertragen, die ihn einst fr einen Mann von furchtlosem Muthe und
makelloser Ehre gehalten hatten, die aber jetzt erklrten, da er im
besten Falle ein Feigling sei, und den Verdacht uerten, da er von
Anfang an ein Spion und Verfhrer gewesen.[42] Er verwendete den kurzen
und traurigen Rest seines Lebens dazu, den Trost des Boethius ins
Englische zu bersetzen. Die Uebersetzung erschien nach dem Tode des
Uebersetzers im Druck. Sie ist hauptschlich wegen einiger vllig
milungener Versuche, unsren Versbau mit neuen Metren zu bereichern und
wegen der Anspielungen, mit denen die Vorrede angefllt ist,
interessant. Unter einem dnnen Schleier bildlicher Redensarten legte
Preston dem Mitleid oder der Verachtung des Publikums seinen befleckten
Ruf und sein gebrochenes Herz dar. Er beklagte sich, da das Tribunal,
das ihn zum Tode verurtheilt, milder gegen ihn gehandelt habe als seine
frheren Freunde, und da Viele, die niemals durch Versuchungen wie die
seinigen geprft worden seien, sich sehr wohlfeil den Ruf des Muthes
erworben htten, indem sie ber seine Aengstlichkeit gespttelt und von
ferne Schrecken getrotzt, welche in der Nhe gesehen selbst einen
standhaften Geist besiegen mten.


[_Freude der Jakobiten ber den Fall von Mons._] Der Muth der Jakobiten,
der auf einige Zeit durch die Entdeckung des Preston'schen Complots
gebeugt worden war, wurde durch den Fall von Mons wieder aufgerichtet.
Die Freude der ganzen Partei war grenzenlos. Die eidverweigernden
Priester liefen zwischen Sam's Kaffeehaus und Westminster Hall hin und
her, Ludwig preisend und ber den klglichen Ausgang der Berathungen des
Congresses lachend. Im Park zeigten die Mivergngten ihre stolzesten
Mienen und predigten mit ihrer lautesten Stimme Aufruhr. Der
Hervorragendste unter diesen Grosprechern war Sir Johann Fenwick, der
unter der vorigen Regierung in groer Gunst gestanden und ein hohes
militrisches Commando bekleidet hatte und jetzt ein unermdlicher
Agitator und Verschwrer war. In seinem Freudentaumel verga er die
Artigkeit, die der Mann dem andren Geschlecht schuldig ist. Schon mehr
als einmal hatte er sich durch seine Impertinenz gegen die Knigin
bemerkbar gemacht. Jetzt trat er ihr absichtlich in den Weg, wenn sie
ihre Erholungspromenade machte, und whrend Alles um ihn her das Haupt
entblte und sich tief verbeugte, sah er sie starr an und drckte vor
ihren Augen den Hut tiefer ber die Stirn. Die Beleidigung war nicht nur
roh, sondern feig, denn das Gesetz hatte keine Strafe fr bloe
Impertinenz und der Knig war der einzige Gentleman und Offizier im
Knigreiche, der seine Gemahlin nicht mit dem Degen gegen Insulten
schtzen konnte. Die Knigin konnte weiter nichts thun als den
Parkhtern befehlen, da sie Sir John nicht wieder einlieen. Lange nach
ihrem Tode kam eine Zeit, wo er Ursache hatte zu wnschen, da er seine
Unverschmtheit gezgelt haben mchte. Er erhielt fhlbare Beweise, da
er von allen Jakobiten, die verzweifeltsten Mrder nicht ausgenommen,
der einzige war, gegen den Wilhelm einen heftigen persnlichen
Widerwillen empfand.[43]


[_Die erledigten Bisthmer werden besetzt._] Einige Tage nach diesem
Ereignisse begann die Wuth der Mivergngten heftiger aufzulodern als
je. Die Entdeckung der Verschwrung, deren Haupt Preston gewesen war,
hatte eine Krisis in den kirchlichen Angelegenheiten herbeigefhrt. Die
eidverweigernden Bischfe hatten whrend des Jahres, das auf ihre
Absetzung folgte, die Amtswohnungen innebehalten, welche einst ihr
Eigenthum gewesen waren. Burnet hatte sich auf Mariens Ansuchen bemht,
einen Vergleich zu Stande zubringen. Seine directe Intervention wrde
wahrscheinlich mehr geschadet als gentzt haben, und er bediente sich
daher der Vermittelung Rochester's, der in der Achtung der
Eidverweigerer hher stand als irgend ein Staatsmann und kein
Eidverweigerer war, und Trevor's, der bei aller seiner Unwrdigkeit doch
einen betrchtlichen Einflu bei der Hochkirchenpartei hatte. Sancroft
und seine Collegen wurden benachrichtigt, da, wenn sie sich dazu
verstehen wollten, ihre geistlichen Functionen zu verrichten, zu
ordiniren, zu installiren, zu confirmiren und den Glauben und die
Moralitt der Priesterschaft zu berwachen, eine Bill im Parlamente
eingebracht werden sollte, die sie der Eidesleistung entband.[44] Dieses
Anerbieten war unvorsichtig liberal, und doch konnten Diejenigen, denen
es gemacht wurde, consequenterweise nicht darauf eingehen. Denn in dem
Ordinationsdienste wie berhaupt in fast jedem kirchlichen Dienste waren
Wilhelm und Marie als Knig und Knigin bezeichnet. Das einzige
Versprechen, das von den ihres Amtes entsetzten Prlaten erlangt werden
konnte, war, da sie sich ruhig verhalten wollten, und selbst dieses
Versprechen hatten sie nicht alle gehalten. Einer von ihnen wenigstens
hatte sich eines durch Gottlosigkeit erschwerten Hochverraths schuldig
gemacht. Er hatte aus Angst von dem Pbel zerrissen zu werden erklrt,
da er den Gedanken, die Hlfe Frankreich's nachzusuchen, verabscheue,
und hatte Gott zum Zeugen angerufen, da diese Erklrung aufrichtig
gemeint sei. Kurze Zeit nachher jedoch war man dahinter gekommen, da er
im Geheimen darauf hinarbeitete, eine franzsische Armee nach England zu
bringen, und er hatte an den Hof von Saint-Germains geschrieben, um ihm
zu versichern, da er im Einverstndni mit seinen Collegen,
insbesondere mit Sancroft handle. Die Whigs forderten laut Strenge.
Selbst die toryistischen Rthe Wilhelm's gestanden ein, da die
Nachsicht aufs Aeuerste getrieben worden sei. Indessen machten sie noch
einen letzten Vermittelungsversuch. Wollen Sie und Ihre Collegen,
sagte Trevor zu Lloyd, dem eidverweigernden Bischofe von Norwich, jede
Verbindung mit Doctor Turner desavouiren und erklren, da das was er in
seinen Briefen Ihnen zur Last legt, falsch ist? Lloyd wich der Frage
aus. Es lag jetzt klar am Tage, da Wilhelm durch seine Nachsicht die
Gegner, die er zu gewinnen gehofft, nur khner gemacht hatte. Selbst
Caermarthen, selbst Nottingham erklrten, es sei hohe Zeit, die
erledigten Bischofssthle zu besetzen.[45]


[_Tillotson, Erzbischof von Canterbury._] Tillotson wurde zum
Erzbischof ernannt und am Pfingstsonntage in der Kirche St. Mary Le Bow
geweiht. Compton, der sich schwer gekrnkt fhlte, weigerte sich, irgend
welchen Antheil an der Ceremonie zu nehmen. Anstatt seiner fungirte Mew,
Bischof von Winchester, dem Burnet, Stillingfleet und Hough assistirten.
Die Versammlung war die glnzendste, die man seit der Krnung in einem
Gotteshause gesehen hatte. Das Empfangszimmer der Knigin war an diesem
Tage verdet. Die meisten von den in der Stadt anwesenden Peers
versammelten sich am Morgen in Bedford House und zogen von dort in
Prozession nach Cheapside. Man bemerkte unter ihnen Norfolk, Caermarthen
und Dorset. Devonshire, der es nicht erwarten konnte, seine Waldungen in
Chatsworth in ihrer Sommerpracht zu sehen, hatte gleichwohl seine
Abreise verschoben, um Tillotson seine Achtung zu bezeigen. Die
Volksmenge, welche die Straen fllte, begrte den neuen Primas mit
lebhaftem Zurufe, denn er hatte seit vielen Jahren in der City
gepredigt, und seine Beredtsamkeit, seine Rechtschaffenheit und die
seltene Sanftmuth seines Characters und seiner Manieren hatten ihn zum
Liebling der Londoner gemacht.[46] Aber die Glckwnsche und
Beifallsbezeigungen seiner Freunde konnten die lauten Verwnschungen
nicht bertuben, welche die Jakobiten erhoben. In ihren Augen war er
ein Dieb, der nicht durch die Thr hereingekommen, sondern ber den Zaun
gestiegen war. Er sei ein Miethling, sagten sie, dem die Schafe nicht
eigenthmlich gehrten, der sich den Stab des guten Hirten
widerrechtlich angemat habe und von dem man sicher erwarten drfe, da
er die Heerde den Klauen jedes Wolfes preisgeben werde. Er sei ein
Arianer, ein Socinianer, ein Deist, ein Atheist. Er habe die Welt durch
schne Redensarten und durch einen Anschein von guten Sitten getuscht;
eigentlich aber sei er ein viel gefhrlicherer Feind der Kirche, als er
es htte sein knnen, wenn er sich offen fr einen Schler Hobbes'
erklrt und so locker wie Wilmot gelebt htte. Er habe die eleganten
Herren und Damen, die seinen Styl bewunderten und die man bestndig um
seine Kanzel versammelt sehe, gelehrt, da sie sehr gute Christen sein
und doch den im ersten Buche Mosis erzhlten Sndenfall fr allegorisch
halten knnten. Sie knnten in der That leicht so gute Christen sein wie
er, denn er sei niemals getauft worden, seine Eltern seien Anabaptisten,
er habe schon als Knabe ihre Religion verloren und nie eine andre
gefunden. In gemeinen Pasquillen wurde er der nicht eingetauchte
Johann (+undipped John+) genannt. Umsonst wurde sein Taufzeugni
vorgelegt; seine Feinde klagten fortwhrend, da sie es erleben mten,
Vter der Kirche zu sehen, die nicht ihre Kinder seien. Sie erfanden
eine Geschichte, da die Knigin das groe Verbrechen, durch welches sie
einen Thron erlangt, bitter bereut, da sie sich in ihrer Angst an
Tillotson gewendet und da dieser sie mit der Versicherung getrstet
habe, die Strafe der Snder in einer zuknftigen Welt werde nicht ewig
sein.[47] Das Gemth des Erzbischofs war von Natur von fast weiblicher
Sanftheit und war durch die Gewohnheiten eines langen Lebens, whrend
dessen die streitenden Sekten und Parteien einstimmig von seinen
Talenten mit Bewunderung und von seinem Character mit Achtung gesprochen
hatten, eher noch weicher als hrter geworden. Die Fluth von Schmhungen
und Vorwrfen, die er in einem Alter von mehr als sechzig Jahren zum
ersten Male auszuhalten hatte, war zuviel fr ihn. Sein Lebensmuth sank,
seine Gesundheit wurde erschttert; und doch wich er weder vom Pfade
seiner Pflicht ab, noch versuchte er es, sich an seinen Verfolgern zu
rchen. Einige Tage nach seiner Consecration wurden mehrere Personen
dabei ergriffen, wie sie gegen ihn gerichtete Schmhschriften
vertheilten. Die Kronanwlte schlugen vor, gegen die Betroffenen
gerichtliche Untersuchung einzuleiten; aber er bestand darauf, da
Niemand um seinetwillen verfolgt werden solle.[48] Als er eines Tages
Gesellschaft hatte, wurde ihm ein versiegeltes Packet berbracht; er
ffnete es und eine Maske fiel heraus. Seine Freunde waren emprt und
erbittert ber diese rohe Beleidigung; aber der Erzbischof bemhte sich,
seinen Schmerz unter einem Lcheln zu verbergen, zeigte auf die
Pamphlets, mit denen sein Tisch bedeckt war, und sagte, der Vorwurf, den
das Emblem der Maske ausdrcken solle, msse im Vergleich zu anderen
Vorwrfen, die er tglich zu erdulden habe, gelind genannt werden. Nach
seinem Tode fand man ein Packet heftiger Schmhschriften, welche die
Eidverweigerer gegen ihn in Umlauf gesetzt hatten, unter seinen
Papieren, mit der Aufschrift: Ich bitte Gott, da er ihnen vergeben
mge, wie ich ihnen vergebe.[49]


[_Benehmen Sancroft's._] Die Gemthsstimmung des abgesetzten Primas war
eine ganz andre. Er scheint in Bezug auf seine Wichtigkeit in einem
vollstndigen Irrwahn begriffen gewesen zu sein. Die groe Popularitt,
die er drei Jahre frher genossen, die Gebete und Thrnen der
Volksmassen, die in die Themse gewatet waren, um seinen Segen zu
erflehen, die Begeisterung, mit der die Schildwachen des Tower unter den
Fenstern seines Kerkers auf seine Gesundheit getrunken, das ungeheure
Freudengeschrei, das am Morgen seiner Freisprechung im Palasthofe ertnt
war, die Triumphnacht, in welcher an jedem Fenster von Hyde Park bis
Mile End sieben Lichter geglnzt, deren mittelstes und lngstes ihn
vorgestellt hatte, waren bei ihm noch in frischem Andenken, und er besa
nicht so viel Einsicht, um zu erkennen, da alle diese Huldigungen nicht
seiner Person, sondern der Religion und den Freiheiten gegolten hatte,
deren Reprsentant er auf einen Augenblick war. Die ungemeine Rcksicht,
mit der ihn die neue Regierung noch lange behandelt, scheint ihn in
seinem Irrthum bestrkt zu haben. Da ihm von Kensington eine Reihe
versnlicher Botschaften zukam; da ihm so liberale Bedingungen
angeboten wurden, wie sie sich kaum mit der Wrde der Krone und mit dem
Wohle des Staats vertrugen; da seine kalten und unhflichen Antworten
die knigliche Langmuth nicht erschpfen konnten; da er trotz des
lauten Geschreis der Whigs und der tglichen Provocationen von Seiten
der Jakobiten noch funfzehn Monate nach seiner Amtsentsetzung den
erzbischflichen Palast bewohnte: dies Alles schien ihm nicht die
Nachsicht, sondern die Furcht der herrschenden Gewalten zu verrathen. Er
schmeichelte sich, da sie es nicht wagen wrden, ihn zu vertreiben.
Daher versetzte ihn die Nachricht, da sein Stuhl besetzt sei, in eine
Wuth, die bis an sein Lebensende dauerte und die ihn zu manchen
thrichten und unpassenden Handlungen verleitete. Tillotson begab sich
sogleich nach seiner Ernennung nach Lambeth, in der Hoffnung, da es ihm
gelingen werde, durch Artigkeit und Freundlichkeit die Gereiztheit zu
beschwichtigen, deren unschuldige Ursache er war. Er wartete lange im
Vorzimmer und lie sich durch mehrere Diener anmelden; aber Sancroft
wrdigte ihn nicht einmal einer Antwort.[50] Drei Wochen vergingen und
noch immer machte der abgesetzte Erzbischof keine Miene das Feld zu
rumen. Da erhielt er endlich einen Befehl, der ihm die knigliche
Willensmeinung kund that, da er die Wohnung verlassen solle, die schon
lngst nicht mehr die seinige sei und in der er nur als Gast sich
aufgehalten. Dieser Befehl verdro ihn heftig und er erklrte, da er
demselben nicht nachkommen werde. Er werde so lange bleiben, bis die
Beamten des Sheriffs ihn mit Gewalt vertrieben, und er werde sein Recht
vor Gericht suchen soweit er dies knne, ohne die Autoritt der
Usurpatoren anzuerkennen.[51] Die Sache war so klar, da er durch kein
Mittel der Chikane mehr erlangen konnte als einen kurzen Aufschub. Als
das gegen ihn lautende Erkenntni gesprochen war, verlie er zwar den
Palast, befahl aber seinem Intendanten, den Besitz desselben zu
behaupten. Die Folge davon war, da der Intendant verhaftet und zu einer
bedeutenden Geldstrafe verurtheilt wurde. Tillotson lie seinem
Vorgnger die freundliche Benachrichtigung zukommen, da die Geldbue
nicht eingefordert werden wrde. Sancroft aber hatte sich vorgenommen,
einen Grund zur Beschwerde zu haben, und er wollte das Geld
bezahlen.[52]


[_Uneinigkeit zwischen Sancroft und Ken._] Von diesem Augenblicke
an war das ganze Bestreben des engherzigen und eigensinnigen alten
Mannes darauf gerichtet, die Kirche, deren erster Diener er gewesen
war, in Stcke zu zerreien. Umsonst machten einige von denjenigen
Eidverweigerern, deren Tugenden, Talente und Gelehrsamkeit der
Stolz ihrer Partei waren, Vorstellungen gegen seinen Plan. Unsre
Amtsentsetzung -- so argumentirte Ken -- ist in den Augen Gottes
null und nichtig. Wir sind die wahren Bischfe unserer Sthle und
werden es bleiben, bis wir sterben oder selbst resigniren. Diejenigen,
die sich unsere Titel und Functionen anmaen, werden die Schuld eines
Schisma's auf sich laden. Mit uns aber wird, wenn wir so handeln wie es
uns geziemt, das Schisma aufhren, und unter der nchsten Generation
wird die Einheit der Kirche wiederhergestellt sein. Weihen wir dagegen
Bischfe zu unseren Nachfolgern, so kann die Spaltung Jahrhunderte
dauern, und wir werden zwar nicht fr die Entstehung, wohl aber fr
die Fortdauer derselben mit Recht verantwortlich gemacht werden.
Diese Betrachtungen htten Sancroft's eigenen Grundstzen zufolge
in seinen Augen ein entscheidendes Gewicht haben sollen; aber seine
zornigen Leidenschaften behielten die Oberhand. Ken verlie ruhig den
ehrwrdigen Palast von Wells. Er habe das Streiten aufgegeben, sagte
er, und werde fortan seinen Gefhlen nicht mehr in Disputationen,
sondern in Hymnen Luft machen. Seine Mildthtigkeit gegen Unglckliche
aller Glaubensrichtungen, insbesondere gegen die Gefhrten Monmouth's
und gegen die verfolgten Hugenotten, war so gro gewesen, da sein
ganzes Privatvermgen noch in siebenhundert Pfund Sterling und einer
Bibliothek bestand, welche zu verkaufen er sich nicht entschlieen
konnte. Aber Thomas Thynne, Viscount Weymouth, machte sich, obgleich
er kein Eidverweigerer war, eine Ehre daraus, dem tugendhaftesten
der Eidverweigerer ein ruhiges und wrdiges Asyl in dem frstlichen
Schlosse Longleat anzubieten. Hier verlebte Ken ein glckliches und
geehrtes Greisenalter, whrend welchem er nie das Opfer bedauerte, das
er seiner vermeintlichen Pflicht gebracht, und doch immer nachsichtiger
gegen Diejenigen wurde, deren Begriffe von Pflicht von den seinigen
abwichen.[53]


[_Sancroft's Ha gegen die Landeskirche. Er bestimmt die bischfliche
Succession unter den Eidverweigerern._] Sancroft war von ganz andrem
Character. Er hatte sich eigentlich so wenig zu beklagen wie nur irgend
Einer, der durch eine Revolution von einer hohen Stellung herabgestrzt
wird. Er besa in Fressingfield in Suffolk ein Erbgut, das ihn in
Verbindung mit dem, was er sich whrend seines zwlfjhrigen Primats
erspart hatte, in den Stand setzte, wenn auch nicht so, wie er gelebt
hatte, als er der erste Peer des Parlaments war, doch aber auf dem Fue
eines reichen Landedelmanns zu leben. Er zog sich auf seinen erblichen
Landsitz zurck und verbrachte hier den Rest seiner Tage ber das ihm
zugefgte Unrecht brtend. Der Widerwille gegen die Landeskirche wurde
in ihm eben so stark, als er in Martin Marprelate gewesen war. Er
betrachtete Alle, die mit ihr in Gemeinschaft blieben, als Heiden und
Zllner. Tillotson gab er den Spottnamen Mufti. In dem Zimmer, das er in
Fressingfield als Kapelle benutzte, durfte Niemand, der die Eide
geleistet oder dem Gottesdienste eines Geistlichen, der die Eide
geleistet, beigewohnt hatte, am Genusse des geweihten Brotes und Weines
Theil nehmen. Es wurde jedoch ein Unterschied zwischen zwei Klassen von
Sndern gemacht. Einem Laien, der noch in Gemeinschaft mit der
Landeskirche blieb, war es erlaubt zugegen zu sein, so lange Gebete
verlesen wurden; nur von dem hchsten der christlichen Mysterien war er
ausgeschlossen. Mit Geistlichen aber, welche den im Besitze des Thrones
befindlichen Souverainen Treue geschworen hatten, wollte Sancroft nicht
einmal beten. Er sorgte dafr, da die Siegel, die er eingefhrt hatte,
in weiten Kreisen bekannt wurde und lehrte seine Anhnger durch
Vorschrift und durch Beispiel, auch den Rechtglubigsten, Frmmsten und
Tugendhaftesten von Denen, welche Wilhelm's Autoritt anerkannt hatten,
mit einem Gefhle betrachten, hnlich dem, mit welchem der Jude den
Samariter betrachtete.[54] Eine solche Intoleranz wrde selbst bei einem
Manne, der fr ein groes Prinzip kmpfte, verwerflich gewesen sein.
Sancroft aber kmpfte nur fr einen Namen. Er war der Urheber des
Regentschaftsplanes. Er war vollkommen bereit, die ganze knigliche
Gewalt von Jakob auf Wilhelm zu bertragen. Die Frage, welche diesem
engherzigen und mrrischen Charakter wichtig genug dnkte, um das
Excommuniciren von zehntausend Priestern und fnf Millionen Laien zu
rechtfertigen, war die, ob der Staatsbeamte, auf den die ganze
knigliche Gewalt bertragen wurde, den Titel Knig annehmen solle. Auch
konnte Sancroft den Gedanken nicht ertragen, da die Erbitterung, die er
hervorgerufen, mit seinem Leben erlschen sollte. Nachdem er sein
Mglichstes gethan, um die Fehde heftig zu machen, beschlo er sie zu
verewigen. Er sandte eine Liste der Geistlichen, die aus ihren Aemtern
vertrieben worden waren, nach Saint-Germains, mit dem Ersuchen, da
Jakob zwei bezeichnen mchte, welche die bischfliche Succession
aufrechterhalten sollten. Jakob, dem es ohne Zweifel ganz angenehm war,
der Menge von Seelen, die er als die Schmach des Protestantismus
betrachten gelernt hatte, noch um eine vermehrt zu sehen, ernannte zwei
heftige und unvershnliche Eidverweigerer, Hickes und Wagstaffe,
Ersterer von Sancroft, Letzterer von Lloyd, dem abgesetzten Bischof von
Norwich empfohlen.[55] Dies war der Ursprung einer schismatischen
Hierarchie, welche, nachdem sie eine kurze Zeit lang Besorgni erweckt
hatte, bald in Dunkel und Verachtung sank, die aber trotz Dunkel und
Verachtung ihre kmmerliche Existenz noch durch mehrere Generationen
schleppte. Die kleine Kirche, ohne Tempel, Einknfte oder Wrden, war
durch innere Streitigkeiten sogar noch mehr zerrissen als die im Besitz
von Kathedralen, Zehnten und Pairien verbliebene groe Kirche. Einige
Eidverweigerer neigten sich zu dem rmischen Ritual, andere wollten
nicht die geringste Abweichung von dem allgemeinen Gebetbuche dulden.
Altar wurde gegen Altar aufgerichtet. Ein Schattenprlat erklrte die
Consecration eines andren Schattenprlaten fr unkanonisch, bis endlich
die Hirten gnzlich ohne Heerden waren. Einer dieser geistlichen Lords
wurde wohlweislich Arzt; ein andrer verlie seinen sogenannten
Bischofssitz und siedelte nach Irland ber, und endlich im Jahre 1805
sank der letzte Bischof dieser Gesellschaft, welche mit Stolz auf den
Titel der einzig wahren Kirche England's Anspruch gemacht hatte,
unbeachtet ins Grab.[56]


[_Die neuen Bischfe._] Die Sthle der Bischfe, welche zugleich mit
Sancroft vertrieben worden waren, wurden in einer der Regierung zur Ehre
gereichenden Weise besetzt. Patrick wurde Nachfolger des Verrthers
Turner. Fowler ging nach Gloucester. Richard Cumberland, ein bejahrter
Geistlicher, der keine Gnner bei Hofe hatte und dessen einzige
Empfehlungen seine Frmmigkeit und Gelehrsamkeit waren, erfuhr mit
Erstaunen aus einem Neuigkeitsbriefe, den er auf dem Tische eines
Kaffeehauses fand, da er zum Bischof von Peterborough ernannt war.[57]
Beveridge wurde zum Nachfolger Ken's erwhlt; er willigte ein und die
Ernennung wurde wirklich in der London Gazette angezeigt. Doch Beveridge
war wohl ein rechtschaffener Mann, besa aber keine Seelenstrke. Einige
Jakobiten machten ihm Vorstellungen, andere Vorwrfe, der Muth sank ihm,
und er nahm seine Zusage zurck. Whrend die Eidverweigerer ber diesen
Sieg frohlockten, wurde er wieder andren Sinnes, aber zu spt. Er hatte
sich durch seine Unschlssigkeit Wilhelm's Gunst verscherzt und erhielt
erst eine Mitra, als Anna auf dem Throne sa.[58] Das Bisthum Bath und
Wells wurde Richard Kidder verliehen, einem Manne von hervorragender
Bildung und makellosem Character, der aber in dem Verdacht stand, da er
sich zum Presbyterianismus hinneige. Um die nmliche Zeit nahm Sharp,
der Hochkirchlichste, der einen Skrupel deshalb hegte, da er der
Nachfolger eines abgesetzten Prlaten werden sollte, das durch
Lamplugh's Tod zur Erledigung gekommene Erzbisthum York an.[59]


[_Sherlock Dechant von St. Paul._] In Folge der Erhebung Tillotson's auf
den Stuhl von Canterbury wurde die Dechanei von St. Paul erledigt.
Sobald der Name des neuen Dechanten bekannt wurde, brach ein Geschrei
los, wie es vielleicht nie eine kirchliche Ernennung veranlat, ein
Geschrei, zusammengesetzt aus Gebrll des Hasses, aus Gezisch der
Verachtung und aus halb triumphirenden, halb beleidigenden
Willkommrufen: denn der neue Dechant war Wilhelm Sherlock.

Die Geschichte seiner Bekehrung verdient ausfhrlich erzhlt zu
werden, denn sie wirft ein helles Licht auf den Character der Parteien,
welche damals die Kirche und den Staat spalteten. Sherlock war, dem
Einflusse und dem Rufe, wenn auch nicht dem Range nach, der bedeutendste
Mann unter den Eidverweigerern. Seine Autoritt und sein Beispiel hatten
einige seiner Collegen, welche anfangs geschwankt hatten, dazu bestimmt,
ihre Stellen niederzulegen. Der Tag der Suspension kam, der Tag der
Absetzung kam, und noch blieb er fest. Er schien in dem Bewutsein der
Rechtschaffenheit und in der Betrachtung der unsichtbaren Welt reichen
Ersatz fr alles Verlorene gefunden zu haben. Whrend er von der Kanzel
ausgeschlossen war, wo seine Beredtsamkeit einst die gelehrten und
gebildeten Inwohner des Temple entzckt hatte, schrieb er seinen
berhmten +Treatise on Death+, welcher viele Jahre lang auf den
Bcherbrettern ernster Arminianer zunchst neben +The Whole Duty of Man+
stand. Bald jedoch begann man zu argwhnen, da seine Festigkeit
schwanke. Er erklrte, da er keinen Theil an einem Schisma haben wolle,
er rieth Denen, die sich bei ihm Raths erholten, ihre Pfarrkirchen nicht
zu verlassen, und da er sah, da das Gesetz, das ihn seines Amtes
enthob, ihm nicht verbot, Gottesdienst zu halten, predigte er sogar in
St. Dunstan und betete dort fr Knig Wilhelm und Knigin Marie. Die
apostolische Vorschrift, sagte er, laute dahin, da fr alle
obrigkeitliche Gewalt Habenden gebetet werden solle, und Wilhelm und
Marie htten sichtbar obrigkeitliche Gewalt. Seine jakobitischen Freunde
tadelten laut seine Inconsequenz. Wie knnen Sie, fragten sie, wenn Sie
annehmen, da der Apostel an dieser Stelle von der bestehenden Obrigkeit
spricht, behaupten, da er an anderen hnlichen Stellen nur von
rechtmiger Obrigkeit spricht? Oder wie knnen Sie, ohne zu sndigen,
in einer feierlichen Anrede an Gott Jemanden als Knig bezeichnen, dem
Sie nicht als Knig zu gehorchen versprechen knnen, ohne zu sndigen?
Diese Argumente waren unwiderlegbar, und Sherlock begann bald sie
ebenfalls dafr zu halten; der Schlu aber, zu dem sie ihn fhrten, war
dem Schlusse zu dem sie ihn fhren sollten, diametral entgegengesetzt.
Er schwankte jedoch, bis von einer Seite, von der man wenig Grund hatte
etwas Andres als zehnfache Finsterni zu erwarten, ein neues Licht in
seinen Geist fiel. Unter der Regierung Jakob's I. hatte Doctor Johann
Overall, Bischof von Exeter, eine gelehrte Abhandlung ber die Rechte
brgerlicher und kirchlicher Regenten geschrieben. Diese Abhandlung war
von der Convocation von Canterbury und York feierlich gutgeheien worden
und konnte daher als eine Autoritt habende Darstellung der Lehre der
englischen Kirche betrachtet werden. Sancroft besa eine Abschrift des
Manuscripts und er lie es bald nach der Revolution durch den Druck
verffentlichen. Er hoffte ohne Zweifel, die Verffentlichung werde der
neuen Regierung schaden; aber er sah sich vollstndig getuscht. Das
Buch verwarf zwar jeden Widerstand in eben so starken Ausdrcken, als er
selbst sie htte anwenden knnen; aber eine Stelle, die seiner Beachtung
entgangen war, entschied gegen ihn und seine Mitschismatiker. Overall
und die beiden Convocationen, welche Overall's Lehre sanctionirt hatten,
erklrten, da eine Regierung, die aus einem Aufstande hervorgegangen
sei, sobald sie vollkommen feststehe, als von Gott angeordnet betrachtet
werden und da die Christen ihr gehorchen mten.[60] Sherlock las und
war berzeugt. Seine ehrwrdige Mutter, die Kirche, hatte gesprochen und
er nahm ihr Gebot mit der Folgsamkeit eines Kindes an. Die aus der
Revolution hervorgegangene Regierung konnte wenigstens seit der Schlacht
am Boyne und der Flucht Jakob's aus Irland mit gutem Grunde eine
feststehende Regierung genannt werden, und es gebhrte ihr daher
passiver Gehorsam, bis sie durch eine neue Revolution gestrzt wurde und
eine andre feststehende Regierung auf sie folgte.

Sherlock leistete die Eide und verffentlichte sofort zur
Rechtfertigung seines Schrittes eine Flugschrift, betitelt: +The Case of
Allegiance to Sovereign Powers stated+. Dieses Buch machte ungeheures
Aufsehen. Dryden's +Hind and Panther+ hatte keine solche Sensation
erregt, Halifax' +Letter to a Dissenter+ hatte nicht so viele Antworten
hervorgerufen. Die Repliken wider den Doctor, die Vertheidigungen des
Doctors, die Schmhschriften auf den Doctor wrden eine ganze Bibliothek
fllen. Das Geschrei nahm zu, als es bekannt wurde, da der Convertit
nicht allein wieder zum Vorsteher des Temple ernannt worden war, sondern
auch die Dechanei St. Paul angenommen hatte, die in Folge der Absetzung
Sancroft's und der Befrderung Tillotson's zur Erledigung gekommen war.
Die Wuth der Eidverweigerer steigerte sich fast bis zum Wahnsinn. Sei es
nicht genug, fragten sie, die wahre und reine Kirche in dieser ihrer
Stunde der Betrbni und Gefahr zu verlassen, ohne sie auch noch zu
verleumden? Es sei leicht zu begreifen, warum ein habgieriger und feiger
Heuchler sich weigerte, dem Usurpator die Eide zu leisten, so lange es
wahrscheinlich war, da der rechtmige Knig wieder eingesetzt wrde,
sich aber nach der Schlacht am Boyne zu schwren beeilte. Ein solches
Schwanken in Zeiten brgerlicher Uneinigkeit sei nichts Neues. Das aber
sei etwas Neues, da der Renegat seine eigne Schuld und Schande auf die
englische Kirche zu wlzen versuche und erklre, sie habe ihn gelehrt,
sich gegen den Schwachen zu kehren, der im Recht sei, und vor dem
Mchtigen zu kriechen, der im Unrecht sei. Habe sie dies wirklich in
schlimmen Tagen gelehrt und danach gehandelt? Habe sie ihren kniglichen
Mrtyrer im Gefngnisse oder auf dem Schaffot verlassen? Habe sie ihren
Kindern vorgeschrieben, dem Rumpfe oder dem Protector zu gehorchen? Sei
indessen die Regierung des Rumpfs oder des Protector's weniger
berechtigt gewesen eine feststehende Regierung genannt zu werden, als
die Regierung Wilhelm's und Mariens? Sei die Schlacht bei Worcester
nicht ein eben so harter Schlag fr die Hoffnungen des Hauses Stuart
gewesen, als die Schlacht am Boyne? Seien nicht die Aussichten auf eine
Restauration im Jahre 1657 eben so schwach gewesen, als sie jedem
einsichtsvollen Mann im Jahre 1691 erscheinen mten? Doch allen
Schmhungen und Sarkasmen stand Overall's Abhandlung und die billigenden
Beschlsse der beiden Convocationen gegenber, und es war viel leichter,
Sherlock zu tadeln, als die Abhandlung oder die Beschlsse
wegzudisputiren. Ein Schriftsteller behauptete, mit einer vllig
feststehenden Regierung msse eine Regierung gemeint gewesen sein, deren
Rechtstitel unbestritten sei. So, sagte er, wurde die Regierung der
Vereinigten Provinzen eine feststehende Regierung, als sie von Spanien
anerkannt war; ohne diese Anerkennung aber wrde sie bis ans Ende aller
Zeiten niemals eine feststehende Regierung gewesen sein. Ein andrer
nicht ganz so strenger Casuist erklrte, da eine von Haus aus
unrechtmige Regierung nach Verlauf eines Jahrhunderts eine
feststehende Regierung werden knnte. Am 13.Februar 1789, nicht einen
Tag frher, wrde es daher den Englndern frei stehen, einer aus der
Revolution hervorgegangenen Regierung Treue zu schwren. Die Geschichte
des erwhlten Volks wurde durchstbert, um Prcedenzflle zu finden. War
Eglon's Regierung eine feststehende, als Ehud ihn erstach? War Joram's
Regierung eine feststehende, als Jehu ihn erscho? Aber der magebende
Fall war der der Athalia. Es war allerdings ein Fall, der den
Mivergngten manche glckliche und beiende Anspielungen lieferte. Ein
Knigreich, verrtherisch an sich gerissen durch einen dem Throne nahe
verwandten Usurpator; der rechtmige Frst lange vom Besitze
ausgeschlossen; ein Theil des Priesterstandes durch viele unheilvolle
Jahre dem kniglichen Hause treu; endlich eine Contrerevolution,
bewerkstelligt durch den Hohenpriester an der Spitze der Leviten. Wer,
fragte man, werde es wagen, den heldenmthigen Hohenpriester zu tadeln,
der den Erben David's wieder eingesetzt? Sei indessen die Regierung der
Athalia nicht eben so fest begrndet gewesen wie die des Prinzen von
Oranien? Hunderte von Seiten, welche damals ber die Rechte der Joas und
ber das khne Unternehmen des Jojada geschrieben wurden, vermodern in
den alten Bcherschrnken von Oxford und Cambridge. Whrend Sherlock so
von seinen alten Freunden heftig angegriffen wurde, lieen auch seine
alten Feinde ihn nicht in Ruhe. Einige heftige Whigs, unter denen sich
Julian Johnson auszeichnete, erklrten, da selbst der Jakobitismus
achtungswerth sei im Vergleich zu der schmhlichen Doctrin, die man im
+Convocation Book+ entdeckt habe. Da den Knigen passiver Gehorsam
gebhre, sei allerdings eine absurde und verkehrte Ansicht. Doch es sei
unmglich, die Consequenz und Standhaftigkeit von Mnnern nicht zu
achten, die sich verpflichtet glaubten, auf jede Gefahr hin einem
unglcklichen, entthronten und verbannten Bedrcker treu zu bleiben.
Aber die Theorie, welche Sherlock von Overall gelernt habe, sei reine
Schlechtigkeit und Schndlichkeit. Eine Sache solle aufgegeben werden,
nicht weil sie ungerecht, sondern weil sie milungen sei. Ob Jakob ein
Tyrann oder der Vater seines Volks gewesen, sei ganz unwesentlich. Wenn
er die Schlacht am Boyne gewonnen htte, wren wir als Christen
verbunden gewesen, seine Sklaven zu sein. Da er sie verloren habe, seien
wir als Christen verbunden, seine Feinde zu sein. Andere Whigs
gratulirten dem Proselyten, da er, gleichviel auf welchem Wege, zu
einem ganz praktischen Schlusse gelangt sei, konnten sich aber eines
spttischen Lchelns ber die Geschichte, die er von seiner Bekehrung
erzhlte, nicht enthalten. Er sei, sagten sie, ein Mann von
ausgezeichneter Gelehrsamkeit und Begabung. Er habe die Frage von der
Unterthanenpflicht lange und grndlich studirt, und er habe viel darber
geschrieben. Man habe ihm mehrere Monate bewilligt, um zu lesen, zu
beten und zu erwgen, dann nochmals mehrere Monate, bevor man ihn
abgesetzt habe. Er habe sich eine Meinung gebildet, fr die er sich
bereit erklrt, den Mrtyrertod zu erleiden, er habe Andere diese
Meinung gelehrt und sie dann blo deshalb gendert, weil er entdeckt
habe, da sie vor mehr als achtzig Jahren von den beiden Convocationen
nicht widerlegt, aber dogmatisch fr irrig erklrt worden sei. Dies
heie gewi aller Freiheit des persnlichen Urtheils entsagen und den
Synoden von Canterbury und York eine Unfehlbarkeit zuschreiben, auf
welche nach der Erklrung der englischen Kirche selbst das Oekumenische
Concil keinen begrndeten Anspruch habe. Wenn, sagte man sarkastisch,
alle unsere Begriffe von Recht und Unrecht in Dingen, welche von
wesentlicher Wichtigkeit fr das Wohl der Gesellschaft seien, pltzlich
durch einige in einem Winkel der Bibliothek von Lambeth gefundene Zeilen
Manuscript gendert werden knnten, so sei es um des Seelenfriedens
demthiger Christen willen sicherlich sehr zu wnschen, da alle die
Schriftstcke, denen diese Art von Autoritt zustehe, hervorgesucht und
so bald als mglich durch den Druck verffentlicht wrden, denn geschhe
dies nicht, so knnten wir alle, wie der Doctor, als er voriges Jahr die
Eide verweigerte, Snden begehen in der vollen Ueberzeugung, da wir
Pflichten erfllten. Es ist in der That schwer zu glauben, da das
+Convocation Book+ Sherlock irgend etwas mehr als einen Vorwand
lieferte, um das zu thun, was er zu thun sich vorgenommen hatte. Die
vereinigte Kraft der Vernunft und des Interesses hatten ihn ohne Zweifel
berzeugt, da seine Leidenschaften und Vorurtheile ihn zu einem groen
Irrthum gefhrt, diesen Irrthum beschlo er zu widerrufen, und es wurde
ihm leichter zu sagen, seine Ansicht sei durch neu entdeckte Beweise
gendert worden als er habe sich mit allen Materialien zur Bildung eines
richtigen Urtheils sein falsches Urtheil gebildet. Das Volk glaubte,
sein Widerruf sei das Resultat der Thrnen, Bitten und Vorwrfe seiner
Gattin. Die Dame habe aufgeklrte Ansichten, sie geniee in ihrer
Familie eine groe Autoritt und sie kmmere sich weit mehr um ihr Haus
und um ihre Equipage, um den Ueberflu ihrer Tafel und um die Aussichten
ihrer Kinder, als um den patriarchalischen Ursprung einer Regierung oder
um den Sinn des Wortes Abdankung. Sie habe, behauptete man, ihrem Gatten
Tag und Nacht keine Ruhe gelassen, bis er seine Bedenken berwunden
gehabt. Ihre Ueberredungs- und Einschchterungsgabe wurde in zahllosen
Briefen, Fabeln, Liedern und Gesprchen hhnisch gerhmt. Sie war
Xantippe, die Sokrates Wasser aufs Haupt go. Sie war Delila, Simson
scheerend. Sie war Eva, wie sie Adam zum Genusse der verbotenen Frucht
zwang. Sie war Hiob's Weib, wie sie ihren in der Asche sitzenden und
sich kratzenden zu Grunde gerichteten Gemahl beschwor, nicht zu
verfluchen und zu sterben, sondern zu schwren und zu leben. Whrend die
Balladenmacher den Sieg der Mrs. Sherlock feierten, fiel eine andre
Klasse von Gegnern ber den theologischen Ruf ihres Gatten her. Bis zu
dem Augenblicke wo er die Eide leistete, war er stets als der
orthodoxeste Geistliche betrachtet worden. Aber die tadelschtige und
boshafte Kritik, der man seine Schriften jetzt unterwarf, wrde selbst
in der Bergpredigt Ketzerei gefunden haben, und er war leider so
voreilig, gerade in dem Augenblicke, wo der Unwille ber seine
politische Unbestndigkeit sich am lautesten uerte, seine Gedanken
ber das Mysterium der Dreieinigkeit zu verffentlichen. Zu einer andren
Zeit wrde sein Werk von guten Anglikanern wahrscheinlich als eine
siegreiche Antwort gegen die Socinianer und Sabellianer begrt worden
sein. Unglcklicherweise aber hatte er sich in seinem Eifer gegen
Socianer und Sabellianer solcher Ausdrcke bedient, die als Tritheismus
ausgelegt werden konnten. Vorurtheilsfreie Richter wrden bedacht haben,
da der rechte Weg auf beiden Seiten dicht an den Irrthum grenzte und
da es kaum mglich war, sich auf der einen Seite fern genug von der
Gefahr zu halten, ohne sich auf der andren der Gefahr dicht zu nhern.
Aber vorurtheilsfreie Richter durfte Sherlock unter den Jakobiten nicht
erwarten. Seine frheren Verbndeten behaupteten, da er alle die
furchtbaren Strafen verwirkt habe, die in dem Athanasischen
Glaubensbekenntnisse ber Diejenigen verhngt werden, welche das Wesen
der Gottheit theilen. Dickleibige Quartanten wurden geschrieben, um zu
beweisen, da er an die Existenz dreier getrennter Gottheiten glaubte,
und einige humoristische Mivergngte, die sich sehr wenig um die
katholische Wahrheit kmmerten, erheiterten die Stadt durch englische
und lateinische Spottschriften auf seine Heterodoxie. Wir, sagte einer
dieser Witzlinge, schwren Einem Knige Treue und rufen Einen Gott zum
Zeugen eines Gelbnisses an. Es kann uns nicht auffallend erscheinen,
da der Doctor mehr als Einem Knige Treue geschworen hat, wenn wir
erwgen, da der Doctor mehr als einen Gott hat, bei dem er
schwrt.[61]


[_Verrtherei einiger Diener Wilhelm's._] Sherlock wrde vielleicht
gezweifelt haben, ob die Regierung, der er sich unterworfen, berechtigt
war, eine feststehende Regierung genannt zu werden, wenn er alle die
Gefahren gekannt htte, von denen sie bedroht war. Preston's Complot war
kaum entdeckt, als sich ein neues Complot ganz anderer Art im Lager, bei
der Flotte, im Schatzamte, und selbst im Schlafzimmer des Knigs
bildete. Das Geheimni dieser Schndlichkeit ist im Laufe von fnf
Generationen allmlig entschleiert worden, ganz aber ist es noch jetzt
nicht entschleiert. Mglich, da einige noch dunkle Theile desselben der
Nachwelt durch die Entdeckung von Briefen und Tagebchern, die jetzt
unter dem Staube von hundertfunfzig Jahren ruhen, klar werden. Doch sind
die Materialien, die uns gegenwrtig zu Gebote stehen, schon gengend,
um eine Erzhlung zusammenzusetzen, die man nicht ohne Beschmung und
Abscheu lesen kann.[62]

Wir haben gesehen, da Shrewsbury aus Verdru darber, da er seine
Rathschlge verworfen und die seiner toryistischen Nebenbuhler befolgt
sah, sich in einer unheilvollen Stunde in eine Correspondenz mit der
verbannten Knigsfamilie verwickeln lie. Wir haben ferner gesehen,
durch welche heftigen Krper- und Seelenleiden er seine Fehler bte.
Von Reue und daraus entstandener Krankheit geqult, hatte er den Hof
verlassen; aber es blieben an demselben Mnner zurck, deren Grundstze
nicht minder locker als die seinigen, und deren Herzen noch viel hrter
und klter waren.

Zu Anfang des Jahres 1691 begannen einige von diesen Mnnern sich in
geheime Verbindung mit Saint-Germains zu setzen. So schndlich und
ehrlos ihr Verfahren auch war, es lag nichts Wunderbares darin. Sie
handelten nach ihrer Weise. Es waren unruhige Zeiten, eine dichte Wolke
verhllte die Zukunft, der scharfsichtigste und erfahrenste Politiker
konnte mit einiger Klarheit nicht drei Monate weit ber die Gegenwart
hinaussehen. Ein Mann von Tugend und Ehre fragte allerdings darnach
nicht viel. Seine Ungewiheit bezglich dessen, was der morgende Tag
bringen wrde, konnte ihn wohl besorgt, aber nicht treulos machen. Wenn
auch in vlliger Unkenntni ber das, was seine Interessen berhrte,
hatte er doch die feste Richtschnur seiner Grundstze. Leider aber gab
es unter den Hflingen jener Zeit nicht viele Mnner von Tugend und
Ehre. Whitehall war seit dreiig Jahren eine Pflanzschule jedes
ffentlichen und privaten Lasters und wimmelte von niedrigdenkenden,
doppelzngigen und selbstschtigen Politikern. Diese Mnner handelten
jetzt so, wie es von unmoralischen Mnnern in einer Krisis, deren
Ausgang Niemand voraussehen konnte, nicht anders zu erwarten war. Einige
von ihnen hatten eine leichte Vorliebe fr Wilhelm, Andere hatten eine
leichte Vorliebe fr Jakob; aber durch keine solche Vorliebe wurde das
Verfahren einer dieser Mnner geleitet. Htte es sicher geschienen, da
Wilhelm sich halten wrde, so wrden sie Alle fr Wilhelm gewesen sein.
Htte es sicher geschienen, da Jakob wieder eingesetzt werden wrde, so
wrden sie Alle fr Jakob gewesen sein. Aber was war zu thun, da die
Aussichten sich fast genau die Wage zu halten schienen? Es gab
rechtschaffene Mnner der einen Partei, welche geantwortet haben wrden:
dem wahren Knige und der wahren Kirche treu zu bleiben und
nthigenfalls fr sie zu sterben wie Laud. Es gab rechtschaffene Mnner
der andren Partei, welche geantwortet haben wrden: Fest an den
Freiheiten England's und an der protestantischen Religion zu halten und
nthigenfalls fr sie zu sterben wie Sidney. Aber eine solche Consequenz
war Vielen der Vornehmen und Mchtigen unbegreiflich. Ihr Ziel war, sich
fr alle Flle zu sichern. Daher schworen sie ffentlich dem einen
Knige Treue und verpfndeten ihr Wort heimlich auch dem andren. Sie
waren unermdlich bestrebt, sich unter dem groen Siegel Wilhelm's
Aemter, Peerspatente, Pensionen und Geschenke von Kronlndern zu
verschaffen, und in ihren geheimen Schubksten hatten sie
Amnestieversprechen von Jakob's Hand.

Unter Denen, welche sich dieser Schndlichkeit schuldig machten, stehen
drei Mnner: Russell, Godolphin und Marlborough, in erster Reihe. Es
konnte kaum drei Menschen geben, die an Geist und Herz einander
unhnlicher waren, und die besonderen Eigenschaften jedes derselben
verliehen seiner Schurkerei einen besonderen Character. Der Verrath
Russell's ist zum Theil dem Grolle, der Verrath Godolphin's lediglich
der Aengstlichkeit zuzuschreiben; Marlborough's Verrath aber war der
Verrath eines Mannes von groem Genie und grenzenlosem Ehrgeize.


[_Russell._] Es mag auffallend scheinen, da Russell unzufrieden sein
konnte. Er hatte eben erst das Commando der vereinigten Flotten
England's und Holland's mit dem Range eines Flottenadmirals bernommen;
er war Schatzmeister der Flotte, hatte einen Jahrgehalt von dreitausend
Pfund Sterling, und es war ihm Kronland in der Nhe von Charing Cro im
Werthe von achtzehntausend Pfund verliehen worden. Auerdem mssen seine
indirecten Einnahmen enorm gewesen sein. Aber er war noch immer nicht
zufrieden. Er war in der That trotz seines unerschrockenen Muthes, trotz
bedeutender Talente fr den Krieg wie fr die Verwaltung, und trotz
eines gewissen Gemeinsinns, der sich selbst in den schlimmsten Perioden
seines Lebens vorbergehend zeigte, im vollen Umfange des Worts ein
schlechter Mensch: bermthig, boshaft, habschtig und treulos. Er
meinte, da die groen Dienste, die er zur Zeit der Revolution
geleistet, nicht gebhrend belohnt worden seien. Alles was Andere
erhielten, betrachtete er als ihm geraubt. Es existirt noch ein Brief
von ihm, den er damals an Wilhelm schrieb. Dieser Brief enthlt nichts
als Selbstruhm, Vorwrfe und Sptteleien. Der Admiral bittet zuvrderst
unter ironischen Versicherungen seiner Ergebenheit und Loyalitt um die
Erlaubni, seine Beschwerden zu Papiere bringen zu drfen, da seine
Schchternheit ihm nicht gestatte, sich mndlich darber auszusprechen.
Sein Kummer sei unertrglich. Andere Leute erhielten knigliche
Domainen, er aber knne fast gar nichts erlangen. Andere Leute knnten
ihre Angehrigen versorgen; seine Empfehlungen aber blieben regelmig
unbeachtet. Das Einkommen, das er der kniglichen Gunst verdanke, sehe
zwar gro aus; aber er habe arme Verwandte, und die Regierung habe
dieselben, anstatt ihre Pflicht gegen sie zu thun, unfreundlicherweise
seiner Sorge berlassen. Er habe eine Schwester, die einer Pension
bedrfe, denn ohne eine solche knne sie ihren Tchtern keine Aussteuer
geben. Er habe einen Bruder, der, weil er keine Stelle habe, in die
traurige Nothwendigkeit versetzt worden sei, eine alte Frau wegen ihres
Geldes zu heirathen. Russell beklagte sich dann bitter, da die Whigs
vernachlssigt wrden, da die Revolution Mnner zu Ansehen und
Reichthum gebracht habe, welche die grten Anstrengungen gemacht
htten, sie zu verhindern. Und man hat Grund zu glauben, da diese Klage
aus seinem Herzen kam, denn nchst seinen eigenen Interessen waren die
seiner Partei ihm theuer, und selbst als er am meisten dazu geneigt war,
ein Jakobit zu werden, hatte er nicht die mindeste Neigung ein Tory zu
werden. In der Stimmung, welche dieser Brief verrth, hrte er
bereitwillig auf die Einflsterungen David Lloyd's, eines der
gewandtesten und thtigsten Emissre, welche damals bestndig zwischen
Frankreich und England hin und her reisten. Lloyd berbrachte Jakob die
Versicherung, da Russell, sobald sich eine gnstige Gelegenheit
darbte, versuchen wrde, vermittelst der Flotte das zu bewerkstelligen,
was Monk unter der vorhergehenden Generation vermittelst der Armee
bewerkstelligt habe.[63] Bis zu welchem Punkte diese Versicherungen
aufrichtig waren, dies war eine Frage, ber welche Leute, die Russell
und seine Handlungsweise genau kannten, in Zweifel waren. Es ist
wahrscheinlich, da er viele Monate lang mit sich selbst nicht im Klaren
war. Es lag in seinem Interesse, so lange als mglich mit beiden Knigen
auf gutem Fue zu stehen, und sein reizbares, gebieterisches Temperament
trieb ihn bestndig an, mit beiden zu hadern. Die eine Woche wurde seine
ble Laune durch eine trockene Antwort von Wilhelm, die nchste Woche
durch eine alberne Proklamation von Jakob erregt. Zum Glck fand ihn der
wichtigste Tag seines Lebens, der Tag, von welchem alle seine spteren
Jahre ihre Frbung entlehnten, nicht in bester Stimmung gegen den
verbannten Knig.


[_Godolphin._] Godolphin hatte keine Ursache sich ber die Regierung,
der er diente, zu beklagen und er behauptete auch gar keine zu haben. Er
war erster Commissar des Schatzes, er war mit Protection, Vertrauen und
Gunstbezeigungen berschttet worden, ja, die ihm bewiesene Gunst hatte
sogar viel Murren veranlat. Sei es passend, hatten die Whigs unwillig
gefragt, da ein Mann, der whrend der ganzen vorigen Regierung hohe
Aemter bekleidet, der fr die Indulgenz zu stimmen versprochen, der mit
einem Jesuiten im Staatsrathe und mit zwei Papisten im Schatzamte
gesessen, der eine Gtzendienerin an ihren Altar begleitet hatte, zu den
ersten Ministern eines Frsten gehrte, dessen Ansprche auf den Thron
aus der Rechtserklrung hergeleitet seien? Aber auf Wilhelm hatte dieses
Geschrei keinen Eindruck gemacht, und keiner von seinen Dienern scheint
damals sein Vertrauen in grerem Umfange besessen zu haben als
Godolphin.

Dessenungeachtet verzweifelten die Jakobiten nicht. Einer der
eifrigsten unter ihnen, ein Gentleman Namens Bulkeley, der frher mit
Godolphin auf vertrautem Fue gestanden hatte, bernahm es zu sehen, was
er thun knne. Er begab sich ins Schatzamt und bemhte sich, den ersten
Lord in ein politisches Gesprch zu ziehen. Dies war kein leichtes Ding,
denn Godolphin war nicht der Mann, der sich leicht in Andrer Hnde gab.
Seine Zurckhaltung war sprchwrtlich, und er war besonders wegen der
Gewandtheit berhmt, mit der er whrend seines ganzen Lebens die
Unterhaltung von Staatsangelegenheiten auf einen Hahnenkampf oder auf
den Stammbaum eines Racepferdes zu lenken wute. Der Besuch endete, ohne
da er ein Wort geuert htte, welches verrieth, da er sich der
Existenz Knig Jakob's erinnerte.

Bulkeley lie sich jedoch nicht so leicht abschrecken. Er kam wieder und
brachte den Gegenstand, der ihm zunchst am Herzen lag, auf's neue zur
Sprache. Godolphin erkundigte sich hierauf nach seinem ehemaligen
Gebieter und seiner ehemaligen Gebieterin in dem unmuthigen Tone eines
Mannes, der die Hoffnung aufgegeben hatte, je mit ihnen ausgeshnt zu
werden. Bulkeley versicherte ihm, da Knig Jakob bereit sei, alles
Vergangene zu verzeihen. Darf ich Sr. Majestt sagen, da Sie Sich
bemhen wollen, seine Gunst zu verdienen? Bei dieser Frage erhob sich
Godolphin, sagte etwas von Amtsfesseln und von dem Wunsche, ihrer ledig
zu sein und brach die Unterredung ab.

Bulkeley machte bald einen dritten Versuch. Godolphin hatte inzwischen
mancherlei erfahren, was sein Vertrauen zu der Stabilitt der Regierung,
der er diente, erschtterte. Er begann zu glauben, da er zu hoch auf
die Revolution gewettet, wie er sich ausgedrckt haben wrde, und da es
Zeit sei, fr und wider zu wetten. Ausweichende Antworten konnten ihm
nicht lnger gengen. Er sprach sich aus und erklrte sich fr einen
ergebenen Diener Knig Jakob's. Ich werde die nchste Gelegenheit
ergreifen, um meine Stelle niederzulegen. Bis dahin aber bin ich
gebunden. Ich darf meine Amtspflicht nicht verletzen. Um den Werth des
Opfers, das er zu bringen sich vornahm, zu erhhen, legte er ein hchst
freundliches und vertrauliches Schreiben vor, das er krzlich von
Wilhelm erhalten hatte. Sie sehen, welches unbedingte Vertrauen der
Prinz von Oranien in mich setzt. Er sagt mir, da er mich nicht
entbehren knne, und das es keinen Englnder gebe, dem er so zugethan
sei; aber dies Alles ist bei mir von keinem Gewicht im Vergleich zu
meiner Pflicht gegen meinen rechtmigen Knig.

Wenn der erste Lord des Schatzes wirklich Bedenken hegte, das ihm
geschenkte Vertrauen zu verrathen, so wurden diese Bedenken bald so
wirksam gehoben, da er sechs Jahre lang in aller Gemchlichkeit das
Brot des einen Herrn a, whrend er im Geheimen einem andren
Anhnglichkeitsversicherungen und Dienstversprechen sandte.

Die Wahrheit ist, da Godolphin unter dem Einflusse eines viel
gewaltigeren und viel verderbteren Geistes stand als der seinige war.
Seine Verlegenheiten waren Marlborough mitgetheilt worden, mit dem er
seit langer Zeit durch eine Freundschaft verbunden war, wie zwei vllig
characterlose Menschen sie berhaupt fr einander zu fhlen vermgen,
und mit dem er spter noch durch enge husliche Bande verknpft wurde.


[_Marlborough._] Marlborough war in einer ganz andren Lage als die
anderen Diener Wilhelm's. Lloyd konnte Russell, Bulkeley konnte
Godolphin Erffnungen machen. Aber alle Agenten des verbannten Hofes
hielten sich fern von dem Verrther von Salisbury. Jene schmachvolle
Nacht schien den meineidigen Deserteur fr immer von dem Frsten
getrennt zu haben, den er in's Unglck gestrzt hatte. Jakob hatte noch
in der uersten Bedrngni, als seine Armee im vollen Rckzuge
begriffen war und sein ganzes Knigreich sich gegen ihn erhoben hatte,
erklrt, da er Churchill nie und nimmer vergeben werde. Der Name
Churchill war bei allen Jakobiten grndlich verhat, und in der Prosa
wie in den Versen, welche tglich aus ihren geheimen Pressen
hervorgingen, wurde ihm unter den vielen Verrthern der damaligen Zeit
bezglich der Infamie die erste Stelle angewiesen. In der aus der
Revolution entsprungenen Ordnung der Dinge war er einer der Groen
England's, von hohem Range im Staate wie im Heere. Er war zum Earl
creirt worden und spielte eine bedeutende Rolle bei der
Militrverwaltung. Die directen und indirecten Emolumente der Stellen
und Commandos, die ihm von der Krone verliehen worden waren, schtzte
man bei der hollndischen Gesandtschaft auf zwlftausend Pfund Sterling
jhrlich. Im Fall einer Contrerevolution schien er nichts als eine
Dachstube in Holland oder ein Schaffot auf Tower Hill zu erwarten zu
haben. Man htte daher denken sollen, da er seinem neuen Gebieter mit
Treue dienen werde, wenn auch nicht mit der Treue Nottingham's, welche
die Treue der Gewissenhaftigkeit, nicht mit der Treue Portland's, welche
die Treue der Zuneigung war, so doch mit der nicht minder beharrlichen
Treue der Verzweiflung.

Die, welche das glaubten, kannten Marlborough nur wenig. Auf seine
Fertigkeit im Tuschen vertrauend, beschlo er, da die jakobitischen
Agenten ihn nicht mehr aufsuchten, sie aufzusuchen. Zu dem Ende lie er
den Obersten Eduard Sackville um eine Unterredung bitten.

Sackville war ber das Ansuchen erstaunt und nicht sonderlich erfreut.
Er war ein starrsinniger Cavalier aus der alten Schule. In den Tagen des
papistischen Complots war er verfolgt worden, weil er mannhaft sagte,
was er ber Oates und Bedloe dachte und was jetzt Jedermann ber sie
denkt.[64] Seit der Revolution hatte er fr Knig Jakob seinen Kopf
auf's Spiel gesetzt, war von Beamten mit Verhaftsbefehlen verfolgt und
in einer Proklamation, an welcher Marlborough selbst Theil gehabt, als
ein Verrther bezeichnet worden.[65] Nicht ohne Widerstreben berschritt
der standhafte Royalist die Schwelle des Abtrnnigen. Doch er wurde fr
seine Ueberwindung durch das erbauliche Schauspiel einer so qualvollen
Reue belohnt, wie er sie noch nie gesehen. Wollen Sie, fragte ihn
Marlborough, mein Frsprecher beim Knige sein? Wollen Sie ihm sagen,
was ich leide? Meine Verbrechen erscheinen mir jetzt in ihrem wahren
Lichte und ich schaudere entsetzt vor ihnen zurck. Der Gedanke an sie
verfolgt mich Tag und Nacht. Ich setze mich zu Tische, aber ich kann
nicht essen. Ich werfe mich auf mein Bett, aber ich kann nicht schlafen.
Ich bin bereit Alles zu opfern, Allem zu trotzen, mein ganzes irdisches
Glck preiszugeben, wenn ich nur von dem Jammer eines verwundeten
Herzens befreit werden kann. Wenn man dem ueren Anschein trauen
durfte, so empfand dieser groe Snder eine ebenso aufrichtige Reue wie
David oder Petrus. Sackville berichtete seinen Freunden was geschehen
war. Sie muten anerkennen, da, wenn der Erzverrther, der bisher
seinem Gewissen und der ffentlichen Meinung die nmliche kalte und
heitere Unerschrockenheit entgegengestellt hatte, die ihn auf dem
Schlachtfelde auszeichnete, wirklich angefangen habe, Reue zu fhlen, es
absurd sein wrde, seiner Unwrdigkeit halber die unschtzbaren Dienste
zurckzuweisen, die er der guten Sache zu leisten vermochte. Er war
Mitglied des inneren Rathes; er bekleidete ein hohes Commando in der
Armee; er war unlngst mit der Leitung wichtiger militrischer
Operationen betraut worden und wurde ohne Zweifel auf's Neue damit
betraut. Es war allerdings wahr, da kein Andrer eine so schwere Schuld
auf sich geladen hatte; aber es war nicht minder wahr, da kein Andrer
die Macht hatte, seine Schuld in gleichem Umfange wieder gut zu machen.
Wenn er aufrichtig war, konnte er sicherlich die Verzeihung verdienen,
nach der ihn so sehr verlangte. Aber war er auch aufrichtig, hatte er
nicht noch am Vorabende seines Verbrechens eben so laut seine Loyalitt
betheuert? Er mute auf die Probe gestellt werden. Sackville und Lloyd
wendeten mehrere Proben an. Marlborough wurde aufgefordert,
vollstndigen Aufschlu ber die Strke und Vertheilung smmtlicher
Divisionen der englischen Armee zu geben, und er that es. Er wurde
aufgefordert, den ganzen Plan des bevorstehenden Feldzuges zu enthllen,
und er that es. Die Hupter der Jakobiten sphten sorgfltig nach
Ungenauigkeiten in seinen Berichten, konnten aber keine finden. Man
hielt es fr einen noch strkeren Beweis von seiner Treue, da er
werthvolle Auskunft ber das gab, was im Bureau des Staatssekretrs
vorging. Gegen einen eifrigen Royalisten war eine Aussage beschworen
worden. Gegen einen andren war ein Verhaftsbefehl im Werke. Diese
Mittheilungen retteten mehrere Mivergngte vom Gefngni, wenn nicht
vom Galgen, und sie konnten nicht umhin, einige Nachsicht gegen den
erwachten Snder zu fhlen, dem sie so viel verdankten.

Er jedoch machte in seinen geheimen Unterredungen mit seinen neuen
Bundesgenossen keinen Anspruch auf Verdienst. Er verlange kein
Vertrauen, sagte er. Wie knne er nach den Schndlichkeiten, die er an
dem besten aller Knige begangen, hoffen, da man ihm je wieder
Vertrauen schenken werde? Es sei genug fr einen Snder wie er, wenn man
ihm gestatte, mit Gefahr seines Lebens dem gndigen Gebieter, den er in
der That schndlich beleidigt, den er aber nie aufgehrt habe zu lieben,
wenigstens einen Ersatz zu leisten. Es sei nicht unwahrscheinlich, da
er im Sommer die englischen Truppen in Flandern befehligen werde.
Wnsche man, da er sie alle mit einem Male in's franzsische Lager
hinberfhre? Wenn dies der Wille des Knigs sei, so werde er zusehen,
da er es mglich mache. Im Ganzen aber halte er es fr besser, bis zur
nchsten Parlamentssession zu warten. Hierauf deutete er einen Plan zur
Vertreibung des Usurpators vermittelst der englischen Legislatur und der
englischen Armee an, den er spter ausfhrlicher entwickelte. Inzwischen
hoffe er, da Jakob Godolphin nicht befehlen werde, das Schatzamt zu
verlassen. Ein Privatmann knne fr die gute Sache wenig thun. Ein Mann
aber, der die nationalen Finanzen leite und in die wichtigsten
Staatsgeheimnisse eingeweiht sei, knne unschtzbare Dienste leisten.

Marlborough's vorgebliche Reue tuschte Diejenigen, welche die
Angelegenheiten Jakob's in London leiteten, so vollkommen, da sie Lloyd
mit der frohen Botschaft, da der verstockteste aller Rebellen wunderbar
in einen loyalen Unterthan verwandelt werden sei, nach Frankreich
schickten. Die Nachricht erfllte Jakob mit Entzcken und Hoffnung. Wre
er ein weiser Frst gewesen, so wrde sie nur Widerwillen und Mitrauen
in ihm erweckt haben. Es war thricht zu glauben, da ein Mann, dessen
Herz wirklich von Reue und Scham ber einen Act der Treulosigkeit
erfllt war, sich entschlieen wrde, sein Gewissen durch einen neuen,
eben so abscheulichen und eben so entehrenden Act der Treulosigkeit zu
erleichtern. Die versprochene Shne war so schndlich und erniedrigend,
da sie nie von einem Manne dargeboten werden konnte, der den
aufrichtigen Wunsch hegte, vergangene Schndlichkeit und Ehrlosigkeit
wieder gut zu machen. Die Wahrheit war, da Marlborough, als er den
Jakobiten sagte, sein Schuldbewutsein verhindere ihn, am Tage zu essen,
und des Nachts zu schlafen, sie im Stillen auslachte. Der Verlust einer
halben Guinee wrde viel eher im Stande gewesen sein, ihm den Appetit zu
verderben und seinen Schlummer zu stren, als alle Schrecken eines bsen
Gewissens. Seine Anerbietungen bewiesen in Wirklichkeit nichts weiter,
als da sein frheres Verbrechen nicht aus einem ordnungswidrigen Eifer
fr die Interessen seines Vaterlandes und seiner Religion, sondern aus
einer tiefen und unheilbaren moralischen Verderbtheit entsprungen war,
die den ganzen Menschen ergriffen hatte. Jakob aber konnte theils aus
Beschrnktheit, theils aus Egoismus in keiner Handlung, die ihm Nutzen
brachte, etwas Unmoralisches erblicken. Gegen ihn conspiriren, ihn
verrathen, einen ihm geschworenen Eid der Treue brechen, dies waren
Verbrechen, fr welche keine Strafe, weder in dieser noch in jener Welt,
zu streng sein konnte. Aber seine Feinde umbringen, das seinen Feinden
gegebene Wort brechen, war nicht nur etwas Unschuldiges, sondern etwas
Lobenswerthes. Der Abfall zu Salisbury war das rgste Verbrechen
gewesen, denn es hatte ihn ins Unglck gestrzt. Ein hnlicher Abfall in
Flandern wre etwas Ehrenvolles gewesen, denn er konnte ihn wieder auf
den Thron bringen.

Der Bufertige wurde von seinen jakobitischen Freunden benachrichtigt,
da ihm verziehen sei. Diese Nachricht war ihm zwar hchst willkommen,
aber es bedurfte noch etwas mehr, um seinen verlornen Seelenfrieden
wiederherzustellen. Drfe er nicht hoffen, zwei Zeilen von der Hand des
Knigs zu erhalten, worin ihm Verzeihung zugesichert wrde? Er verlange
dies natrlich nicht um seinetwillen, sondern er sei berzeugt, da er
mit einem solchen Dokumente in der Hand einige Personen von hohem
Ansehen, die nur deshalb zu dem Usurpator hielten, weil sie glaubten,
da sie von dem legitimen Knige keine Gnade zu erwarten htten, auf den
rechten Weg zurckfhren knne. Sie wrden zu ihrer Pflicht zurckkehren
sobald sie shen, da selbst dem schwersten aller Verbrecher in
Rcksicht auf seine Reue, gromthig vergeben worden sei. Das
Versprechen wurde niedergeschrieben, abgeschickt und sorgfltig
aufbewahrt. Marlborough hatte jetzt seinen Zweck erreicht, den er mit
Russell und Godolphin gemeinschaftlich verfolgte. Allein er hatte noch
andere Zwecke, an die weder Russell noch Godolphin je gedacht. Es ist,
wie wir nachher sehen werden, starker Grund zu der Annahme vorhanden,
da dieser kluge, tapfere und gewissenlose Mann auf einen Plan sann, der
seines fruchtbaren Geistes und seines tollkhnen Muthes nicht minder
wrdig war als seines vllig verderbten Herzens, einen Plan, der, wenn
er nicht auf sonderbare Weise vereitelt worden wre, Wilhelm, ohne
Nutzen fr Jakob, in's Verderben gestrzt und den vom Glck begnstigten
Verrther zum Beherrscher England's und zum Schiedsrichter Europa's
gemacht haben wrde.


[_Wilhelm kehrt auf den Continent zurck._] So standen die Sachen, als
Wilhelm nach einem kurzen und vielbeschftigten Aufenthalte in England
im Mai 1690 wieder nach dem Continent aufbrach, wo der regelmige
Feldzug beginnen sollte. Er nahm Marlborough mit sich, dessen Talente
er richtig wrdigte und von dessen neuerlichen Unterhandlungen mit
Saint-Germains er nicht die leiseste Ahnung hatte. Im Haag wurden
mehrere wichtige militrische und politische Berathungen gepflogen,
und die ausgezeichnetsten Soldaten und Staatsmnner der Vereinigten
Provinzen fhlten bei jeder Gelegenheit die Superioritt des
feingebildeten Englnders. Heinsius pflegte noch lange nachher ein
Gesprch zu erzhlen, das damals zwischen Wilhelm und dem Frsten
von Vaudemont, einem der geschicktesten Heerfhrer in hollndischen
Diensten stattfand. Vaudemont sprach sich sehr gnstig ber mehrere
englische Offiziere aus, unter anderen ber Talmash und Mackay;
Marlborough aber stellte er unvergleichbar hoch ber alle anderen. Er
besitzt alle Vorzge eines Generals, schon sein Blick verrth dies.
Es kann nicht fehlen, da er noch etwas Groes vollbringt. -- Ich
glaube in der That, Vetter, antwortete der Knig, da Mylord Alles
bewahrheiten wird, was Sie von ihm gesagt haben.

Es dauerte noch eine Weile, ehe die militrischen Operationen begannen.
Wilhelm brachte diese Pause in seinem geliebten Parke von Loo zu.
Marlborough verweilte einige Tage daselbst und wurde dann mit dem
Befehle nach Flandern geschickt, alle englischen Streitkrfte
zusammenzuziehen, in der Nhe von Brssel ein Lager zu bilden und Alles
fr die Ankunft des Knigs bereit zu halten.

Jetzt hatte Marlborough Gelegenheit, die Aufrichtigkeit der
Versicherungen zu beweisen, durch die er von einem Herzen, das er
selbst als hrter denn ein marmorner Kaminsims bezeichnet, Verzeihung
eines Vergehens erlangt hatte, das selbst ein weiches Gemth mit
tdtlichem Hasse erfllt haben wrde. Er erhielt aus Saint-Germains
eine Botschaft, welche die augenblickliche Erfllung seines
Versprechens verlangte, an der Spitze seiner Truppen berzugehen. Man
sagte ihm, dies sei der grte Dienst, den er der Krone leisten knne.
Er habe sein Wort darauf gegeben, und der gndige Gebieter, der alle
vergangenen Fehler verziehen, erwarte mit Zuversicht, da er sein Wort
halten werde. Der Heuchler wich der Aufforderung mit characteristischer
Gewandtheit aus. Er entschuldigte sich in den ehrerbietigsten und
liebevollsten Ausdrcken, da er dem kniglichen Befehle nicht sofort
nachkomme. Das Versprechen, dessen Erfllung man von ihm verlange,
sei nicht ganz richtig verstanden worden, es habe auf Seiten der
Abgesandten ein Miverstndni stattgefunden. Das Uebergehen eines oder
zweier Regimenter wrde mehr schaden als ntzen; das Uebergehen einer
ganzen Armee aber erfordere viel Zeit und groe Vorsicht.[66] Whrend
Jakob ber diese Entschuldigungen murrte und wnschte, da er nicht
ganz so vershnlich gewesen sein mchte, kam Wilhelm im Hauptquartier
der verbndeten Streitkrfte an und bernahm das Obercommando.


[_Der Feldzug von 1691 in Flandern._] Die militrischen Operationen in
Flandern begannen AnfangsJuni wieder und endeten mit dem Schlusse des
Septembers. Es fand jedoch kein wichtiger Zusammensto statt. Die beiden
Armeen machten Mrsche und Contremrsche, rckten einander nher und
entfernten sich wieder. Eine Zeit lang standen sie sich auf weniger als
eine Meile gegenber. Aber weder Wilhelm noch Luxemburg wollten anders
als mit Vortheil losschlagen und Keiner lie dem Andren einen Vortheil.
So ereignileer der Feldzug war, ist er doch in einer Beziehung
interessant. Seit mehr als einem Jahrhundert hatte unser Land keine
groe Armee abgesandt, um auerhalb der Britischen Inseln Krieg zu
fhren. Unsre Aristokratie war daher schon lngst kein militrischer
Stand mehr, die Edelleute Frankreich's, Deutschland's und Holland's
waren in der Regel Soldaten. Es wrde wahrscheinlich nicht leicht
gewesen sein, in dem glnzenden Zirkel, welcher Ludwig in Versailles
umgab, einen einzigen Marquis oder Vicomte von vierzig Jahren zu finden,
der nicht einer Schlacht oder einer Belagerung beigewohnt htte. Aber
die groe Mehrzahl unserer Peers, Baronets und reichen Esquires hatte
nie gedient, auer bei der Miliz und hatte nie an einer ernsteren
militrischen Action Theil genommen als der Unterdrckung eines
Aufstandes oder der Suberung der Straen bei einem Aufzuge. Die
Generation, welche bei Edgehill und Lansdowne gefochten hatte, war so
ziemlich ausgestorben. Die Kriege Karl'sII. waren fast nur Seekriege
gewesen. Unter seiner Regierung war daher der Seedienst entschieden mehr
in der Mode als der Landdienst, und zu wiederholten Malen, wenn unsre
Flotte unter Segel ging, um gegen die Hollnder zu kmpfen, hatte sich
der Adel in solcher Masse an Bord begeben, da unsere Parks und Theater
verdeten. Im Jahre 1691 endlich erschien zum ersten Male seit der
Belagerung von Boulogne durch HeinrichVIII. eine englische Armee unter
Anfhrung eines englischen Knigs auf dem Continent. Ein Feldlager, das
zugleich ein Hoflager war, hatte einen unwiderstehlichen Reiz fr viele
junge Patrizier, die von natrlichem Muthe und von dem Wunsche beseelt
waren, die Gunst zu erlangen, welche Mnner von ausgezeichneter
Tapferkeit bei den Frauen zu allen Zeiten gefunden haben. Als
Freiwilliger in Flandern zu dienen, wurde eine wahre Manie unter den
eleganten Herren, die im Saint James-Kaffeehause ihre wallenden
Perrcken kmmten und ihre parfmirten Prisen austauschten. Wilhelm's
Hauptquartier wurde durch eine Masse glnzender Equipagen und durch eine
rasche Aufeinanderfolge prchtiger Bankette belebt. Denn viele von den
hochgebornen und tapferen jungen Mnnern, die zu seiner Fahne eilten,
waren zwar vollkommen bereit, dem Feuer einer Batterie zu trotzen,
deshalb aber keineswegs geneigt, sich den Luxus zu versagen, der sie in
Soho Square umgeben hatte. Nach wenigen Monaten brachte Shadwell diese
tapferen Stutzer und Epikurer auf die Bhne. Die Stadt wurde durch den
Character eines muthigen, aber verschwenderischen und verzrtelten
Gecken erheitert, der es nicht erwarten kann, mit den besten Mnnern
unter den franzsischen Haustruppen den Degen zu kreuzen, der aber ganz
betrbt ist, als er erfhrt, da es ihm schwer werden wird, jeden Tag
whrend des Sommers seinen Champagner in Eis zu bekommen. Er hat Kche,
Zuckerbcker und Wscherinnen, eine ganze Wagenladung Silbergeschirr,
eine Garderobe betreter und gestickter Anzge und eine Menge prchtiger
Zeltmbeln bei sich, deren Muster von einem Kreise schner Damen
ausgewhlt worden sind.[67]

Whrend die feindlichen Armeen in Flandern einander beobachteten,
wurden in anderen Gegenden Europa's die Feindseligkeiten etwas
energischer betrieben. Die Franzosen errangen in Catalonien und Piemont
einige Vortheile. Ihre trkischen Alliirten, welche im Osten die
Besitzungen des Kaisers bedrohten, wurden von Ludwig von Baden in einer
groen Schlacht geschlagen. Nirgends aber waren die Ereignisse des
Sommers so wichtig als in Irland.


[_Der Krieg in Irland._] Vom October 1690 bis zum Mai 1691 war keine
groe militrische Operation in diesem Knigreiche unternommen worden.
Das Gebiet der Insel war whrend des Winters und Frhjahrs nicht
ungleich zwischen die streitenden Volksstmme getheilt. Ganz Ulster, der
grte Theil von Leinster und etwa ein Drittel von Munster hatte sich
den Englndern unterworfen. Ganz Connaught, der grere Theil von
Munster und einige Grafschaften von Leinster waren im Besitz der
Irlnder. Die gewundene Grenzlinie, welche Wilhelm's Garnison bildete,
lief in nordstlicher Richtung von der Bai von Castlehaven nach Mallow,
zog sich dann noch weiter gegen Osten und ging bis Cashel. Von Cashel
ging die Linie nach Mullingar, von Mullingar nach Longford und von
Longford nach Cavan, zog sich an der Westseite des Ernesees hin und
stie bei Ballyshannon wieder in den Ocean.[68]


[_Zustand des englischen Theils von Irland._] Auf der englischen Seite
dieser Grenzmark herrschte eine rohe und unvollkommene Ordnung. Zwei
Lords Justices, Coningsby und Porter, denen ein Geheimer Rath zur Seite
stand, reprsentirten den Knig Wilhelm im Schlosse zu Dublin. Richter,
Sheriffs und Friedensrichter waren ernannt, und in mehreren
Grafschaftsstdten wurden nach langer Zeit wieder Assisen gehalten. Die
Colonisten hatten sich inzwischen zu einer starken Miliz formirt unter
dem Commando von Offizieren, welche von der Krone ernannt waren. Die
Milizen der Hauptstadt bestanden aus zweitausendfnfhundert Mann
Infanterie, zwei Schwadronen Reiter und zwei Schwadronen Dragoner,
lauter Protestanten und alle wohl bewaffnet und equipirt.[69] Am
4.November, Wilhelm's Geburtstage, und am 5., dem Jahrestage seiner
Landung zu Torbay, erschien diese ganze Streitmacht in all' ihrem
kriegerischen Pompe. Die besiegten und entwaffneten Eingebornen sahen
mit unterdrcktem Aerger und Zorn den Triumph der Kaste, die sie fnf
Monate frher ungestraft unterdrckt und ausgeplndert hatten. Die
Lords Justices begaben sich in feierlichem Aufzuge nach der Kathedrale
St. Patrick; die Glocken luteten, Freudenfeuer wurden angezndet, auf
den Straen wurden Fsser voll Ale und Claret ausgeschenkt, in College
Green wurde Feuerwerk abgebrannt, eine zahlreiche Gesellschaft von
Edelleuten und ffentlichen Beamten war im Schlosse zu einem Festmahle
vereinigt, und beim zweiten Gange schmetterten die Trompeten und der
Herold von Ulster proklamirte in lateinischer, franzsischer und
englischer Sprache Wilhelm und Marien zum Knig und zur Knigin von
Grobritannien, Frankreich und Irland von Gottes Gnaden.[70]

In dem Gebiete, wo der schsische Volksstamm der herrschende war,
hatten Handel und Industrie schon wieder aufzuleben begonnen. Die
kupfernen Scheidemnzen, welche das Bild und die Umschrift Jakob's
trugen, machten dem Silber Platz. Die Flchtlinge, die sich nach
England begeben hatten, kehrten in Masse zurck, und durch ihre
Intelligenz, ihren Flei und ihre Sparsamkeit wurde die durch
zweijhrige Unordnung und Beraubung verursachte Verwstung bald
theilweise wieder gut gemacht. Schwer befrachtete Kauffahrer segelten
bestndig ber den St.Georgskanal hin und her. Die Einnahme der
Zollmter auf der Ostkste, von Cork bis Londonderry beliefen sich in
sechs Monaten auf siebenundsechzigtausendfnfhundert Pfund, eine Summe,
die selbst in den blhendsten Zeiten fr auerordentlich gegolten haben
wrde.[71]

Die innerhalb des englischen Gebiets zurckgebliebenen Irlnder waren
allesammt der englischen Herrschaft feindlich gesinnt. Sie waren daher
einem strengen Polizeisystem unterworfen, der natrlichen, wenn auch
beklagenswerthen Folge groer Gefahr und heftiger Provocationen. Ein
Papist durfte weder einen Degen noch ein Schiegewehr haben. Er durfte
sich nicht weiter als drei Meilen aus seinem Kirchspiele entfernen,
auer an einem Markttage in die Marktstadt. Damit er seinen Brdern,
welche die westliche Hlfte der Insel bewohnten, keine Nachrichten oder
Beistand zukommen lassen konnte, war ihm verboten, innerhalb zehn Meilen
von der Grenze zu wohnen. Damit sein Haus nicht ein Versammlungsort fr
Mivergngte wurde, war ihm untersagt, geistige Getrnke im Einzelnen zu
verkaufen. Eine Proclamation kndigte an, da, wenn das Eigenthum eines
Protestanten durch Ruber beschdigt wrde, sein Verlust ihm auf Kosten
seiner papistischen Nachbarn ersetzt werden sollte. Eine andre that kund
und zu wissen da, wenn ein Papist, der nicht seit wenigstens drei
Monaten sein Domicil in Dublin habe, daselbst gefunden wurde, als Spion
betrachtet werden solle. Nicht mehr als fnf Papisten durften sich unter
irgend welchem Vorwande in der Hauptstadt oder deren Umgebung
versammeln. Ohne Schutz von Seiten der Regierung war kein Mitglied der
rmischen Kirche sicher, und die Regierung gewhrte diesen Schutz keinem
Mitgliede der rmischen Kirche, das einen Sohn in der irischen Armee
hatte.[72]

Trotz aller Vorsicht und Strenge fanden jedoch die Celten manche
Gelegenheiten, heimtckische Rache zu ben. Huser und Scheunen wurden
hufig angezndet, Soldaten wurden nicht selten ermordet, und es war
kaum mglich, die Missethter, welche die Sympathien der ganzen
Bevlkerung fr sich hatten, zu bestrafen. Bei solchen Gelegenheiten
wagte die Regierung zuweilen Maregeln, welche mehr einer trkischen als
einer englischen Verwaltung angemessen schienen. Eine dieser Maregeln
wurde ein Lieblingsthema fr jakobitische Pamphletisten und war der
Gegenstand einer ernsten parlamentarischen Untersuchung zu Westminster.
Sechs Musketiere wurden nur wenige Meilen von Dublin ermordet
aufgefunden. Die Bewohner des Dorfes, in welchem das Verbrechen begangen
worden war, wurden, Mnner, Frauen und Kinder, wie Schafe in das Schlo
getrieben, wo der Geheime Rath Sitzung hielt. Dem einen der Mrder,
Namens Gafney, sank der Muth. Er willigte ein, als Zeuge zu dienen,
wurde vom Rathe verhrt, gestand seine Schuld ein und nannte einige
seiner Mitschuldigen. Er wurde dann ins Gefngni zurckgebracht; aber
ein Priester erlangte auf einige Minuten Zutritt bei ihm. Was whrend
dieser wenigen Minuten vorging, zeigte sich als er zum zweiten Male vor
den Geheimen Rath gestellt wurde. Er hatte die Frechheit zu leugnen, da
er irgend etwas gestanden, noch irgend Jemanden angeklagt habe. Die
Zuhrenden von denen mehrere sein Gestndni niedergeschrieben hatten,
waren emprt ber seine Unverschmtheit. Ihr seid ein Hallunke! Ihr
seid ein Schurke! riefen die Lords Justices aus; Ihr sollt gehngt
werden! Wo ist der Generalprofo? Der Generalprofo kam. Nehmt diesen
Mann, sagte Coningsby, auf Gafney zeigend, nehmt diesen Mann und hngt
ihn auf. Es war kein Galgen bereit, aber eine Kanonenlaffette vertrat
die Stelle, und der Gefangene wurde augenblicklich aufgeknpft, ohne
Untersuchung, ohne nur einen schriftlichen Befehl zur Hinrichtung, und
dies obgleich die Gerichtshfe nur einige hundert Schritt davon
versammelt waren. Das englische Haus der Gemeinen resolvirte einige
Jahre spter nach langer Discussion ohne Abstimmung, da der Befehl zur
Hinrichtung Gafney's willkrlich und ungesetzlich sei, da aber
Coningsby's Fehler durch die Umstnde, die dabei obwalteten, so
gemildert werde, da er keinen geeigneten Gegenstand zu einer Anklage
abgebe.[73]

Und nicht nur durch die unvershnliche Feindschaft der Irlnder wurde
der Sachse des englischen Districts damals beunruhigt. Seine Verbndeten
belstigten ihn fast eben so sehr als seine Heloten. Der Hlfe fremder
Truppen bedurfte er allerdings sehr nthig; aber sie war theuer erkauft.
Selbst Wilhelm, der die ganze Civil- und Militrgewalt in sich
vereinigte, hatte es als schwierig erkannt, in einer Armee, die aus
vielen Lndern zusammengebracht war und groentheils aus Sldlingen
bestand, welche gewohnt waren, auf Kosten Anderer zu leben, die
Disciplin aufrecht zu erhalten. Die Gewalten, die er in sich vereinigt
gehabt hatte, waren jetzt getheilt und wiedergetheilt. Die beiden Lords
Justices betrachteten die Civilverwaltung als ihr Departement und
berlieen die Armee der Leitung Ginkell's, welcher commandirender
General war. Ginkell hielt vortreffliche Ordnung unter den Hlfstruppen
aus Holland, die unter seinem unmittelbaren Commando standen. Aber seine
Autoritt ber die Englnder und die Dnen war minder vollkommen, und
unglcklicherweise war ihre Lhnung whrend eines Theils des Winters in
Rckstand. Sie entschdigten sich fr den Mangel dessen was ihnen zukam
durch Excesse und Erpressungen, und es war nicht gut mglich, Leute
deshalb streng zu bestrafen, weil sie nicht Lust gehabt hatten, mit den
Waffen in der Hand zu darben. Endlich im Frhjahr kamen groe Sendungen
von Geld und Kriegsvorrthen an; die Soldrckstnde wurden bezahlt, die
Rationen waren reichlich und eine strengere Disciplin wurde gehandhabt.
Aber nur zu viele Spuren von den schlechten Gewohnheiten, welche die
Soldaten angenommen hatten, waren bis ans Ende des Kriegs sichtbar.[74]


[_Zustand des Theiles von Irland, welcher Jakob unterthan war._] Von dem
Theile Irland's, welcher Jakob noch als Knig anerkannte, konnte man
inzwischen kaum sagen, da daselbst Gesetzlichkeit, Eigenthumsrecht und
Regierung bestanden. Die Katholiken von Ulster und Leinster waren zu
Tausenden westwrts geflohen, einen groen Theil des Viehes, das der
Verwstung zweier Schreckensjahre entgangen war, mit sich fhrend. Die
Zufuhr von Lebensmitteln in das celtische Gebiet hielt jedoch bei weitem
nicht gleichen Schritt mit dem Zustrmen der Consumenten. Die
Lebensbedrfnisse waren knapp. Bequemlichkeiten, an welche jeder kleine
Landwirth oder Brger in England gewhnt war, konnten sich kaum
Edelleute und Generle erzeugen. Gemnztes Geld war gar nicht zu sehen,
auer Stcken von schlechtem Metall, welche Kronen und Schillinge
hieen. Die nominellen Preise waren enorm hoch. Ein Quart Ale kostete
zwei Schilling sechs Pence, ein Quart Branntwein drei Pfund. Die
einzigen Stdte von einiger Bedeutung an der westlichen Kste waren
Limerick und Galway, und die Kleinhndler in diesen Stdten seufzten
unter einem so harten Drucke, da viele von ihnen sich mit den
Ueberresten ihrer Waarenlager auf das englische Gebiet stahlen, wo ein
Papist zwar auch mannichfache Beschrnkungen und Demthigungen zu
ertragen hatte, aber doch fr seine Waaren verlangen durfte was er
wollte, und den Kaufpreis dafr in Silber erhielt. Die Kaufleute, welche
in dem unglcklichen Gebiete zurckblieben, waren ruinirt. Jedes
Waarenlager, das etwas Werthvolles enthielt, wurde von Rubern
erbrochen, welche vorgaben, da sie beauftragt seien, Vorrthe fr den
Staatsdienst herbeizuschaffen, und die Eigenthmer erhielten fr Ballen
Tuch und Fsser Zucker einige Bruchstcken von alten Kesseln und
Tiegeln, die in London oder Paris kein Bettler genommen haben wrde.
Sobald ein Kauffahrteischiff in der Galwaybai oder im Shannon ankam,
wurde es von diesen Rubern weggenommen. Die Ladung wurde fortgeschafft,
und der Eigenthmer mute sich mit demjenigen Quantum Kuhhuten, Wolle
und Talg begngen, das die Bande, die ihn ausgeplndert, ihm zu geben
Lust hatte. Die Folge davon war, da, whrend auslndische Waaren
massenhaft in die Hfen von Londonderry, Carrickfergus, Dublin,
Waterford und Cork strmten, jeder Seemann Limerick und Galway als
Piratennester mied.[75]

Der Unterschied zwischen dem irischen Infanteristen und dem irischen
Rapparee war niemals genau markirt gewesen. Jetzt verschwand derselbe
ganz. Ein groer Theil der Armee streifte ungehindert umher und lebte
vom Maraudiren. Ein unaufhrlicher Raubkrieg wthete lngs der ganzen
Linie, welche das Gebiet Wilhelm's von dem Gebiete Jakob's trennte.
Jeden Tag stahlen sich Banden von Freibeutern, zuweilen in bloe
Strohgeflechte gekleidet, welche die Stelle der Montur vertraten, auf
das englische Gebiet, sengten, raubten und plnderten und eilten dann
zurck auf ihren eigenen Grund und Boden. Es war nicht leicht, sich
gegen diese Einflle zu schtzen, denn das Landvolk des geplnderten
Gebiets sympathisirte stark mit den Plnderern. Den Speicher eines
Ketzers auszuleeren, ihm sein Haus anzuznden und sein Vieh
wegzutreiben, galt bei jedem schmutzigen Bewohner einer Lehmhtte fr
ein gutes Werk. Ein darauf ausgehender Trupp durfte mit Sicherheit
erwarten, da er trotz aller Proklamationen der Lords Justices einen
Freund fand, der die reichste Beute, den krzesten Weg und den
sichersten Versteck anzeigte. Die Englnder klagten, da es nicht leicht
sei, einen Rapparee zu fangen. Zuweilen, wenn er Gefahr im Anzuge sah,
legte er sich in das lange Gras des Moors nieder, und dann war er eben
so schwer zu finden wie ein sitzender Haase. Andere Male sprang er in
einen Flu und lag darin wie eine Otter, nur den Mund und die
Nasenlcher ber dem Wasser. Ja, eine ganze Bande solcher Ruber
verwandelte sich in einem Nu in eine Truppe harmloser Arbeiter. Jeder
von ihnen nahm sein Gewehr auseinander, verbarg das Schlo in seinen
Kleidern, verstopfte die Mndung mit einem Korke, das Zndloch mit einem
Stifte und warf die Waffe in den nchsten Teich. Dann sah man nichts als
eine Schaar armer Bauern, die nicht einmal einen Rock bei sich hatten
und deren demthiges Aussehen und schleichender Gang zu verrathen
schien, da sie willenlose Sklaven seien. Sobald aber die Gefahr vorber
war und das verabredete Zeichen gegeben wurde, eilte Jeder nach der
Stelle, wo er seine Waffen verborgen hatte, und bald waren die Ruber in
vollem Marsche nach dem Hause eines Protestanten. Die eine Bande drang
in Clonmel ein, eine andre marschirte in die Nhe von Maryborough, eine
dritte schlug ihr Lager auf einem bewaldeten Eilande festen Bodens in
der Mitte des groen Sumpfes von Allen auf, machte die ganze Grafschaft
Wicklow unsicher und beunruhigte selbst die Vorstdte von Dublin.
Allerdings fielen diese Expeditionen nicht immer glcklich aus. Zuweilen
stieen die Plnderer auf Abtheilungen von Miliz oder auf Detachements
englischer Garnisonen unter Umstnden, wo Verstellung, Flucht und
Widerstand gleich unmglich waren. In solchen Fllen wurde jeder Kerne,
der ergriffen ward, ohne alle Umstnde am nchsten Baume
aufgeknpft.[76]


[_Uneinigkeiten unter den Irlndern in Limerick._] Im Hauptquartier der
irischen Armee gab es whrend des Winters keine Autoritt, die im Stande
gewesen wre, sich auch nur in einem Umkreise von einer Meile Gehorsam
zu verschaffen. Tyrconnel war am franzsischen Hofe und er hatte die
oberste Verwaltung in den Hnden eines aus zwlf Personen bestehenden
Regentschaftsrathes zurckgelassen. Das nominelle Commando der Armee
hatte er Berwick bertragen; aber Berwick war, obgleich er sich nachmals
als ein Mann von nicht gewhnlichem Muth und Talent erwies, noch jung
und unerfahren. Weder die Welt noch er selbst hatte eine Ahnung von
seinen Fhigkeiten,[77] und er unterwarf sich ohne Widerstreben der
Vormundschaft eines vom Viceknig ernannten Kriegsrathes. Weder der
Regentschaftsrath noch der Kriegsrath war in Limerick beliebt. Die
Irlnder beklagten sich, da Leute, die keine Irlnder waren, mit einer
wichtigen Rolle bei der Verwaltung betraut worden seien. Am lautesten
war das Geschrei gegen einen Offizier, Namens Thomas Maxwell. Denn es
war ausgemacht, da er ein Schotte war, es war zweifelhaft, ob er ein
Katholik war, und er hatte seine Abneigung gegen das celtische
Parlament, welches die Ansiedlungsacte widerrufen und die
Confiscationsacte erlassen hatte, nicht verhehlt.[78] Die
Unzufriedenheit, genhrt durch die Rnke von Intriganten, unter denen
der verschlagene und characterlose Heinrich Luttrell der thtigste
gewesen zu sein scheint, brach bald in offene Emprung aus. Es wurde ein
groes Meeting gehalten, dem viele Offiziere von der Armee, einige
Peers, einige angesehene Juristen und einige Prlaten der
rmisch-katholischen Kirche beiwohnten, und es wurde resolvirt, da die
Verfassung die von dem Viceknig eingesetzte Regierung nicht kenne.
Irland, hie es, knne in Abwesenheit des Knigs gesetzlich nur durch
einen Lord Lieutenant, durch einen Lord Stellvertreter oder durch Lords
Justices regiert werden. Der Knig sei abwesend, der Lord Lieutenant sei
abwesend und es gebe weder einen Lord Stellvertreter, noch Lords
Justices. Die Acte, durch welche Tyrconnel seine Autoritt einer aus
seinen Creaturen zusammengesetzten Junta delegirt habe, sei null und
nichtig. Die Nation sei daher ohne legitimes Oberhaupt und knne
temporre Maregeln fr ihre Sicherheit treffen, ohne die der Krone
schuldige Unterthanentreue zu verletzen. Es wurde eine Deputation an
Berwick abgeschickt, um ihm anzukndigen, da er eine ihm nicht
zustehende Gewalt bernommen habe, da aber trotzdem die Armee und das
Volk von Irland ihn gern als ihr Oberhaupt anerkennen wollten, wenn er
sich dazu verstehe, in Gemeinschaft mit einem wirklichen irischen Rathe
zu regieren. Berwick sprach entrstet sein Erstaunen darber aus, da
Militrs sich eigenmchtig, ohne die Erlaubni ihres Generals
versammelten und Berathungen hielten. Sie antworteten ihm, es gebe
keinen General, und wenn Se. Gnaden nicht geneigt sei, die Verwaltung
unter den proponirten Bedingungen zu bernehmen, so wrde ein andrer
Fhrer leicht zu finden sein. Mit groem Widerstreben gab Berwick nach
und blieb eine Puppe in einer neuen Klasse von Hnden.[79]

Die, welche diese Umwlzung bewerkstelligt hatten, hielten es fr klug,
eine Deputation nach Frankreich zu schicken, um ihr Verfahren zu
rechtfertigen. Mitglieder dieser Deputation waren der katholische
Bischof von Cork und die beiden Luttrell. Auf dem Schiffe, das sie von
Limerick nach Brest brachte, fanden sie einen Reisegesellschafter,
dessen Anwesenheit ihnen keineswegs angenehm war: ihren Feind Maxwell.
Sie ahneten, und nicht ohne Grund, da er ebenfalls nach Saint-Germains
ging, aber in ganz andrer Absicht. In der That war Maxwell von Berwick
abgesandt, um ihre Schritte zu beobachten und ihre Plne zu vereiteln.
Heinrich Luttrell, der gewissenloseste Mensch von der Welt, schlug vor,
die Sache kurz abzumachen, indem man den Schotten ins Meer wrfe. Allein
der Bischof, der ein gewissenhafter Mann, und Simon Luttrell, der ein
Mann von Ehre war, widersetzten sich diesem Gewaltmittel.[80]

Unterdessen gab es in Limerick keine oberste Behrde. Da Berwick
sah, da er keine wirkliche Autoritt hatte, vernachlssigte er die
Geschfte gnzlich und gab sich denjenigen Vergngungen hin, welche
der traurige Verbannungsort darbot. Unter den irischen Anfhrern gab
es keinen Mann von hinreichendem Gewicht und Talent, um die Uebrigen
im Zaume zu halten. Sarsfield trat eine Zeit lang an die Spitze. Aber
Sarsfield war, obgleich im Felde auerordentlich tapfer und thtig, in
der Militrverwaltung wenig, und in den Civilgeschften noch weniger
bewandert. Selbst Diejenigen, welche am meisten geneigt waren, seine
Autoritt zu untersttzen, muten bekennen, da sein Character zu
vertrauensvoll und nachsichtig war fr einen Posten, auf dem man nicht
mitrauisch und streng genug sein konnte. Er glaubte Alles was ihm
gesagt wurde, er unterzeichnete Alles was ihm vorgelegt wurde, und die
durch seine Nachsicht dreist gemachten Commissare, raubten und betrogen
schamloser als je. Tagtglich zogen sie unter Eskorte von Piken und
Feuergewehren aus, um dem Namen nach fr den ffentlichen Dienst, in
Wahrheit aber fr sich selbst, Wolle, Leinwand, Leder, Talg, Haus- und
Wirthschaftsgerthe wegzunehmen, durchsuchten jede Vorrathskammer, jede
Garderobe, jeden Keller und vergriffen sich frevelhafterweise selbst an
dem Eigenthum von Priestern und Prlaten.[81]


[_Rckkehr Tyrconnel's nach Irland._] Zu Anfang des Frhjahrs wurde die
Regierung, wenn man sie so nennen darf, deren ostensibles Oberhaupt
Berwick war, durch Tyrconnel's Zurckkunft aufgelst. Die beiden
Luttrell hatten Jakob im Namen ihrer Landsleute dringend gebeten, ein so
loyales Volk nicht unter einen so schndlichen und unfhigen Viceknig
zu stellen. Tyrconnel sei alt und hinfllig, sagten sie; er msse viel
schlafen, er verstehe nichts vom Kriege, er sei langsam, parteiisch und
raubschtig, die ganze Nation traue ihm nicht und hasse ihn. Die von ihm
im Stich gelassenen Irlnder htten tapfer Stand gehalten und die
siegreiche Armee des Prinzen von Oranien zum Rckzuge gezwungen. Sie
hofften bald wieder in einer Strke von dreiigtausend Mann ins Feld zu
rcken und sie beschwrten ihren Knig, ihnen einen Feldherrn zu senden,
der wrdig sei, eine solche Streitmacht zu commandiren. Tyrconnel und
Maxwell hingegen schilderten die Delegirten als Meuterer, Demagogen und
Verrther und drangen in Jakob, Heinrich Luttrell in die Bastille zu
schicken, um Mountjoy Gesellschaft zu leisten. Jakob, ganz verwirrt
durch diese Anklagen und Gegenanklagen, war lange unschlssig, und zog
sich endlich mit characteristischer Klugheit dadurch aus der
Verlegenheit, da er allen Streitenden schne Worte sagte und sie
zurckschickte, um in Irland selbst ihre Sache auszufechten. Berwick
wurde zu gleicher Zeit nach Frankreich zurckberufen.[82]

Tyrconnel wurde in Limerick, selbst von seinen Feinden, mit gebhrender
Achtung empfangen. So sehr sie ihn auch haten, konnten sie doch die
Gltigkeit seiner Bestallung nicht in Frage stellen, und obwohl sie noch
immer behaupteten, da sie vollkommen berechtigt gewesen seien, whrend
seiner Abwesenheit die von ihm getroffenen verfassungswidrigen
Anordnungen zu annulliren, gaben sie doch zu, da er, wenn anwesend, ihr
rechtmiges Verwaltungsoberhaupt sei. Er kam nicht ganz ohne Mittel
zurck, welche geeignet waren, sie mit ihm auszushnen. Er brachte viele
gndige Botschaften und Versprechungen mit, ein Peerspatent fr
Sarsfield, etwas Geld, das nicht von Kupfer war, und einige
Bekleidungsstcke, die sogar noch willkommener waren als Geld. Die neuen
Anzge waren zwar nicht sehr elegant, aber selbst die Generle waren
schon lngst mit ihrer Garderobe zu Ende, und unter den Gemeinen gab es
nur wenige, deren Uniformen in einem blhenderen Lande zur Bekleidung
einer Vogelscheuche fr gengend erachtet worden wren. Jetzt endlich
konnte sich seit vielen Monaten zum ersten Male wieder jeder gemeine
Soldat rhmen, ein Paar Beinkleider und ein Paar Holzschuhe zu besitzen.
Der Viceknig war auerdem ermchtigt anzukndigen, da ihm bald mehrere
mit Lebensmitteln und Kriegsvorrthen beladene Schiffe folgen wrden.
Diese Mittheilung war den Truppen, die seit langer Zeit kein Brot und
kein strkeres Getrnk als Wasser hatten, hchst willkommen.[83]

Die Zufuhren wurden mehrere Wochen mit Ungeduld erwartet. Endlich war
Tyrconnel genthigt sich einzuschlieen, denn sobald er sich ffentlich
blicken lie, liefen ihm die Soldaten nach und schrien um Nahrung.
Selbst das Rindfleisch und Hammelfleisch, das, halb roh und halb
verbrannt, ohne Zuspeise und ohne Salz, die Armee bisher erhalten hatte,
war selten geworden und die Gemeinen bereits auf Pferdefleischrationen
gesetzt, als endlich die verheienen Segel in der Mndung des Shannon
erschienen.[84]


[_Ankunft einer franzsischen Flotte in Limerick; Saint-Ruth._] Ein
ausgezeichneter franzsischer General, Namens Saint-Ruth, war mit seinem
Stabe an Bord. Er brachte ein Patent mit, das ihn zum Oberbefehlshaber
der irischen Armee ernannte. Das Patent erklrte zwar nicht
ausdrcklich, da er von der vicekniglichen Autoritt unabhngig sein
sollte; aber Jakob hatte ihm versichert, da Tyrconnel geheime
Instructionen erhalten werde, sich nicht in die Kriegfhrung
einzumischen. Saint-Ruth war ein andrer General, Namens D'Usson, zur
Untersttzung beigegeben. Die franzsischen Schiffe brachten einige
Waffen, etwas Munition, und einen reichen Vorrath von Getreide und Mehl
mit. Der Muth der Irlnder lebte wieder auf und das Te Deum wurde mit
inbrnstiger Andacht in der Kathedrale von Limerick gesungen.[85]

Tyrconnel hatte noch keine Anstalten zu dem bevorstehenden Feldzuge
getroffen. Saint-Ruth aber ging, sobald er gelandet war, mit Energie
daran, die verlorne Zeit wieder einzubringen. Er war ein Mann von Muth,
Thatkraft und Entschlossenheit, aber von barschem und gebieterischem
Character. In seinem Lande war er als der unbarmherzigste Verfolger
berhmt, der je mit seinen Dragonern die Hugenotten in die Messe
getrieben hatte. Englische Whigs behaupteten, er sei in Frankreich unter
dem Spottnamen des Henkers bekannt, in Rom htten selbst die Cardinle
ihren Abscheu vor seinen Grausamkeiten geuert, und sogar die Knigin
Christine, die gewi wenig Ursache habe, ber Blutvergieen zu
erschrecken, habe sich mit Widerwillen von ihm abgewandt. Er hatte
unlngst ein Commando in Savoyen bekleidet, die in franzsischen
Diensten stehenden irischen Regimenter hatten einen Theil seiner Armee
gebildet, und sie hatten sich ausgezeichnet benommen. Deshalb traute man
ihm ein besonderes Talent zur Fhrung irischer Truppen zu. Aber es war
ein groer Unterschied zwischen den gut gekleideten, gut bewaffneten und
gut eingebten Irlndern, die er kannte, und den zerlumpten Rubern, die
er in den Straen von Limerick herumstreichen sah. Gewhnt an den Glanz
und die Disciplin franzsischer Lager und Garnisonen, sah er mit Ekel,
da in dem Lande, in das er gesandt worden war, ein Infanterieregiment
einen Haufen Menschen bedeutete, so nackt, so schmutzig und so
verwildert wie die Bettler, die auf dem Kontinent die Thren eines
Klosters belagerten oder einer bergauf fahrenden Diligence nachliefen.
Mit schlecht verhehltem Widerwillen ging er indessen krftig ans Werk,
diese wunderlichen Soldaten zu discipliniren, und war Tag und Nacht im
Sattel, um von Posten zu Posten, von Limerick nach Athlone, von Athlone
nach dem nrdlichen Ende des Reasees und vom Reasee nach Limerick zu
galoppiren.[86]


[_Die Englnder rcken ins Feld._] Es war in der That auch nothwendig,
da er sich beeilte, denn wenige Tage nach seiner Ankunft erfuhr er, da
auf der andren Seite des schsischen Gebiets Alles zur Action bereit
war. Der grere Theil der englischen Truppen war vor Ende des Monats
Mai in der Nhe von Mullingar zusammengezogen. Ginkell war
Oberbefehlshaber. Er hatte unter sich die nchst Marlborough zwei besten
Offiziere, deren sich unsre Insel damals rhmen konnte: Talmash und
Mackay. Der Marquis von Ruvigny, der erbliche Anfhrer der Refugis und
ltere Bruder des tapferen Caillemot, der am Boyne gefallen war, hatte
sich mit dem Range eines Generalmajors der Armee angeschlossen. Der Lord
Justice Coningsby, obgleich kein Soldat von Profession, kam von Dublin,
um den Eifer der Truppen zu beleben. Das Aussehen des Lagers bewies, da
das vom englischen Parlamente bewilligte Geld nicht gespart worden war.
Die Uniformen waren neu, das glnzende Scharlachroth der Reihen blendete
das Auge, und der Artillerietrain war so, wie man ihn in Irland noch nie
gesehen hatte.[87]


[_Fall von Ballymore._] Am 6.Juni verlegte Ginkell sein Hauptquartier
von Mullingar weg und am 7. erreichte er Ballymore. Zu Ballymore stand
auf einer von einem sumpfartigen See umgebenen Halbinsel eine alte
Festung, welche krzlich unter Sarsfield's Leitung verstrkt worden war
und die von mehr als tausend Mann vertheidigt wurde. Die englischen
Geschtze wurden sofort gegen dieselbe aufgefahren, und schon nach
wenigen Stunden hatten die Belagerer die Freude, die Belagerten wie
Kaninchen von einer Schutzwehr zur andren laufen zu sehen. Der
Gouverneur, der zuerst eine sehr trotzige Sprache gefhrt hatte, bat
demthiglich um Pardon und erhielt ihn. Die ganze Garnison wurde nach
Dublin dirigirt. Nur acht von den Siegern waren gefallen.[88]

Ginkell verwendete einige Tage auf die Ausbesserung der
Vertheidigungswerke von Ballymore. Diese Arbeit war kaum beendigt, als
die dnischen Hlfstruppen unter dem Commando des Herzogs von Wrtemberg
zu ihm stieen. Die ganze Armee marschirte hierauf westwrts und
erschien am 19.Juni vor den Mauern von Athlone.[89]


[_Belagerung und Fall von Athlone._] Athlone war, vom militrischen
Gesichtspunkte, vielleicht der wichtigste Platz auf der Insel. Rosen,
der den Krieg gut verstand, hatte stets behauptet, da sich dort die
Irlnder mit dem meisten Vortheile gegen die Englnder wrden halten
knnen.[90] Die von Erdwllen umgebene Stadt lag zum Theil in Leinster
und zum Theil in Connaught. Der in Leinster liegende englische
Stadttheil hatte einst aus neuen und hbschen Husern bestanden, war
aber vor einigen Monaten von den Irlndern in Brand gesteckt worden und
lag jetzt in Trmmern. Der in Connaught liegende irische Stadttheil war
alt und schlecht gebaut.[91] Der Shannon, der die Grenze zwischen beiden
Provinzen bildet, wlzte sich als ein tiefer und reiender Strom durch
Athlone und setzte zwei groe Mhlen in Bewegung, welche auf den Bgen
einer steinernen Brcke standen. Oberhalb der Brcke, auf der
Connaughter Seite, erhob sich ein angeblich vom Knig Johann erbautes
Schlo von siebzig Fu Hhe, das sich zweihundert Fu am Flusse hin
erstreckte. Funfzig bis sechzig Schritt unterhalb der Brcke war eine
schmale Furth.[92]

In der Nacht des 19. fuhren die Englnder ihre Geschtze auf. Am Morgen
des 20. begann das Bombardement und um fnf Uhr Nachmittags wurde ein
Sturm unternommen. Ein tapfrer franzsischer Refugi war der Erste, der
mit einer Granate in der Hand die Bresche erklomm und fiel, mit seinem
letzten Athemzuge seine Landsleute zum Sturm anfeuernd. Solcher Art
waren die tapfren Mnner, welche Ludwig's Bigotterie abgesandt hatte, um
in der Zeit seiner uersten Noth die Armeen seiner bittersten Feinde zu
verstrken. Das Beispiel war nicht fruchtlos. Es hagelte Granaten und
die Strmenden erstiegen zu Hunderten die Wlle. Die Irlnder wichen und
liefen nach der Brcke. Hier wurde das Gedrnge so arg, da einige von
den Fliehenden in der engen Passage todtgedrckt und andere ber die
Brustlehnen in die Fluthen gedrngt wurden, welche unten zwischen den
Mhlrdern schumten. Binnen wenigen Stunden war Ginkell Herr des
englischen Stadttheils von Athlone, und dieser Erfolg hatte ihm nicht
mehr als zwanzig Todte und vierzig Verwundete gekostet.[93]

Doch sein Werk hatte erst begonnen. Zwischen ihm und der irischen Stadt
tobte der reiende Shannon. Die Brcke war so schmal, da einige
entschlossene Mnner sie gegen eine Armee vertheidigen konnten. Die auf
derselben stehenden Mhlen waren stark besetzt, und sie wurde von den
Kanonen des Schlosses beherrscht. Die Stelle des Connaughter Ufers, wo
der Flu zu passiren war, wurde durch Befestigungen vertheidigt, welche
der Viceknig, trotz des Murrens einer mchtigen Partei, Saint-Ruth
gezwungen hatte, Maxwell anzuvertrauen. Maxwell war als ein
unpopulrerer Mann aus Frankreich zurckgekommen, als er bei seiner
Abreise dahin gewesen war. Man munkelte, er habe in Versailles schmhend
von der irischen Nation gesprochen, und er war deshalb nur wenige Tage
zuvor von Sarsfield ffentlich beschimpft worden.[94] Am 21.Juni waren
die Englnder damit beschftigt, lngs des Leinsterschen Ufers Batterien
zu errichten, und am 22. bald nach Tagesanbruch begann die Kanonade. Das
Feuer dauerte den ganzen Tag und die ganze darauffolgende Nacht. Als der
Morgen wieder anbrach, war eine ganze Seite des Schlosses
zusammengeschossen, die mit Stroh gedeckten Huser der celtischen Stadt
lagen in Asche und eine der Mhlen war mit sechzig Soldaten, die sie
vertheidigten, verbrannt.[95]

Die Irlnder vertheidigten jedoch noch immer entschlossen die Brcke.
Mehrere Tage lang fand ein blutiges Handgemenge in der engen Passage
statt. Die Angreifenden gewannen Boden, aber sie muten ihn Zoll fr
Zoll erkmpfen. Der Muth der Besatzung wurde durch die Hoffnung auf
baldigen Succurs aufrechterhalten. Saint-Ruth war endlich mit seinen
Vorbereitungen fertig, und die Nachricht, da Athlone in Gefahr sei,
hatte ihn bewogen, an der Spitze einer Armee, die der Armee Ginkell's
numerisch berlegen war, ihr aber in wichtigeren Elementen der
militrischen Strke nachstand, eiligst ins Feld zu rcken. Der
franzsische General scheint geglaubt zu haben, da die Brcke und die
Furth leicht vertheidigt werden knnten, bis die Herbstregen und die
Krankheiten, welche dieselben gewhnlich in ihrem Gefolge hatten, den
Feind zum Rckzuge zwingen wrden. Er begngte sich daher, nach und nach
Detachements zur Verstrkung der Besatzung abzusenden. Die unmittelbare
Leitung der Vertheidigung bertrug er seinem Unterbefehlshaber D'Usson
und schlug sein eigenes Hauptquartier einige Meilen von der Stadt auf.
Er uerte sein Erstaunen darber, da ein so erfahrener Commandeur wie
Ginkell auf einem hoffnungslosen Unternehmen beharre. Sein Gebieter
sollte ihn aufhngen lassen, weil er Athlone zu nehmen versucht, und der
meinige soll mich aufhngen lassen, wenn ich es verliere.[96]

Saint-Ruth war jedoch keineswegs wohl zu Muthe. Er hatte sich zu seinem
groen Verdru berzeugt, da er nicht die ganze Autoritt besa, welche
die ihm in Saint-Germains gemachten Versprechungen ihn zu erwarten
berechtigt hatten. Der Lord Lieutenant war im Lager. Seine krperliche
und geistige Hinflligkeit hatte in den letzten paar Wochen merklich
zugenommen. Der langsame und unsichere Schritt, mit dem er, der einst
wegen seiner Krperkraft und Behendigkeit berhmt gewesen war, jetzt von
seinem Lehnstuhl zu seinem Lager schwankte, war kein unpassendes Bild
der trgen und unsicheren Thtigkeit seines Geistes, der einst seine
Zwecke mit einer Heftigkeit verfolgte, die weder durch Furcht noch durch
Mitleid, weder durch das Gewissen noch durch die Scham gemigt wurde.
Dennoch klammerte sich der alte Mann noch immer mit unverminderter
physischer wie geistiger Kraft an die Gewalt. Wenn er privatim den
Befehl erhalten hatte, sich in die Leitung des Kriegs nicht
einzumischen, so beachtete er diesen Befehl nicht. Er mate sich die
ganze Autoritt eines Souverains an, zeigte sich mit groem Geprnge den
Truppen als obersten Anfhrer und behandelte Saint-Ruth geflissentlich
als einen Unterbefehlshaber. Die Einmischung des Viceknigs erregte bald
den heftigen Unwillen der mchtigen Partei im Heere, die ihn schon
lngst hate. Viele Offiziere unterzeichneten ein Instrument, durch
welches sie erklrten, da sie ihm nicht das Recht zugestnden, im Felde
Gehorsam von ihnen zu verlangen. Einige von ihnen beleidigten ihn
persnlich auf das Grblichste. Man sagte ihm geradezu, da, wenn er
darauf beharre, zu bleiben, wo man ihn nicht brauche, die Leinen seines
Zeltes durchschnitten werden wrden. Er hingegen schickte seine
Emissre an alle Lagerfeuer und versuchte unter den gemeinen Soldaten
eine Partei gegen den franzsischen General zu bilden.[97]

Das Einzige, worin Tyrconnel und Saint-Ruth bereinstimmten, war, da
sie Sarsfield frchteten und haten. Er war nicht nur bei der groen
Masse ihrer Landsleute beliebt, sondern er war auch von einem Huflein
Anhnger umringt, deren Hingebung fr ihn der Hingebung der
ismaelitischen Mrder fr den Alten vom Berge glich. Es war bekannt, da
einer dieser Fanatiker, ein Oberst, eine Sprache gefhrt, die in dem
Munde eines Offiziers von so hohem Range wohl Besorgni erwecken konnte.
Der Knig, hatte dieser Mann gesagt, ist in meinen Augen nichts. Ich
gehorche Sarsfield. Wenn Sarsfield mir befiehlt, irgend einen Mann in
der ganzen Armee, gleichviel welchen, zu tdten, so thue ich es.
Sarsfield war zwar ein zu ehrenhafter Gentleman, als da er seine
ungeheure Gewalt ber die Gemther seiner Verehrer htte mibrauchen
sollen. Aber der Gedanke, da seine Ehrenhaftigkeit die einzige Garantie
gegen Meuterei und Meuchelmord war, mute den Viceknig und den
Oberbefehlshaber nothwendig beunruhigen. Die Folge davon war, da bei
dem Wendepunkte des Schicksals Irland's die Dienste des
ausgezeichnetsten irischen Soldaten gar nicht oder doch nur mit
eiferschtiger Vorsicht benutzt wurden und da sein Rath, wenn er einen
zu geben wagte, mit geringschtzendem Lcheln oder mit Unmuth
aufgenommen wurde.[98]

Ein groes und unerwartetes Unglck machte diesen Streitigkeiten ein
Ende. Am 30.Juni berief Ginkell einen Kriegsrath zusammen. Die Fourage
ging zur Neige und es war durchaus nothwendig, da die Belagerer
entweder den Uebergang ber den Flu forcirten oder sich zurckzogen.
Die Schwierigkeiten, ber die zertrmmerten Ueberreste der Brcke
ans andre Ufer zu gelangen, waren fast unbersteiglich. Es wurde
vorgeschlagen, die Furth zu versuchen. Der Herzog von Wrttemberg,
Talmash und Ruvigny stimmten zu Gunsten dieses Planes und Ginkell gab
mit einiger Besorgni seine Einwilligung.[99]

Es wurde beschlossen, da der Versuch noch denselben Nachmittag gemacht
werden sollte. Die Irlnder, welche glaubten, die Englnder schickten
sich zum Rckzuge an, hielten nachlssig Wache. Ein Theil der Besatzung
war mde, der andre schlief. D'Usson sa bei Tische. Saint-Ruth war in
seinem Zelte und schrieb an seinen Gebieter einen Brief voll
Beschuldigungen gegen Tyrconnel. Whrend dem wurden funfzehnhundert
Grenadiere, von denen jeder einen grnen Zweig am Hute trug, auf dem
Leinster'schen Ufer des Shannon aufgestellt. Viele von ihnen erinnerten
sich gewi, da sie an demselben Tage vor einem Jahre auf Befehl Knig
Wilhelm's an den Ufern des Boyne grne Zweige auf ihre Hte gesteckt
hatten. Guineen waren freigiebig unter diese auserlesenen Leute
vertheilt worden; aber sie waren von einem so frohen Muthe beseelt, wie
kein Gold ihn erkaufen kann. Sechs Bataillone standen bereit, um den
Angriff zu untersttzen. Mackay commandirte. Er billigte den Plan nicht,
aber er setzte ihn mit einem solchen Eifer und einer solchen Energie ins
Werk, als wre er selbst der Urheber desselben gewesen. Der Herzog von
Wrttemberg, Talmash und mehrere andere tapfere Offiziere, denen keine
Rolle bei der Unternehmung zu Theil geworden war, bestanden darauf, an
diesem Tage als freiwillige Gemeine zu dienen, und ihr Erscheinen in den
Gliedern entflammte die Soldaten zur feurigsten Begeisterung.

Es war sechs Uhr. Eine Glocke auf dem Thurme der Kirche gab das Signal.
Prinz Georg von Hessen-Darmstadt und Gustav Hamilton, der tapfere
Anfhrer der Enniskillener, gingen zuerst in den Shannon hinunter. Dann
nahmen die Grenadiere den Herzog von Wrttemberg auf die Schultern und
sprangen lautjubelnd zwanzig Mann hoch bis an die Halsbinden ins Wasser.
Der Strom war tief und reiend, aber in wenigen Minuten hatte die Spitze
der Colonne wieder trocknen Boden unter ihren Fen. Talmash war der
Fnfte, der das Connaughter Ufer erreichte. Die unvermuthet berfallenen
Irlnder feuerten eine unregelmige Salve ab und ergriffen die Flucht,
ihren Commandeur Maxwell als Gefangenen zurcklassend. Die Sieger
erklommen ber die Reste der durch eine zehntgige Kanonade
zertrmmerten Wlle das Ufer. Mackay hrte seine Leute fluchen und
schwren, whrend sie ber den Schutt stolperten. Meine Jungen, rief
der muthige alte Puritaner inmitten des Getmmels, Ihr seid brave
Burschen, aber fluchet nicht. Wir haben mehr Ursache, Gott fr die Gte
zu danken, die er uns heute erwiesen hat, als seinen Namen zu
mibrauchen. Der Sieg war vollstndig. Ohne den geringsten Widerstand
von Seiten der erschreckten Besatzung wurden Bretter ber die
zerbrochenen Brckenbogen gelegt und Pontons ber den Flu geschlagen.
Mit einem Verlust von zwlf Todten und etwa dreiig Verwundeten hatten
die Englnder binnen wenigen Minuten den Weg nach Connaught
erzwungen.[100]


[_Rckzug der irischen Armee._] Auf den ersten Alarm eilte D'Usson nach
dem Flusse; aber der Strom der Fliehenden kam ihm schon entgegen, ri
ihn mit sich fort, rannte ihn zu Boden und tdtete ihn beinahe. Er wurde
in einem solchen Zustande ins Lager gebracht, da man ihm zur Ader
lassen mute. Genommen! rief Saint-Ruth auer sich. Es kann nicht
sein! Eine Stadt genommen, und ich mit einer Armee zu ihrem Entsatz
dicht dabei! Von Gram verzehrt, brach er unter dem Schutze der
Dunkelheit seine Zelte ab und zog sich in der Richtung von Galway
zurck. Bei Tagesanbruch sahen die Englnder von den Zinnen des
zertrmmerten Schlosses Knig Johann's die irische Armee in weiter Ferne
sich durch die de Gegend bewegen, welche den Shannon von dem Suck
trennt. Noch vor Mittag war die Nachhut ihren Blicken entschwunden.[101]

Schon vor dem Verluste Athlone's war das celtische Lager von
Parteispaltungen zerrissen gewesen. Man kann daher leicht denken, da
nach einem so vernichtenden Schlage nichts zu hren war als Anklagen und
Gegenanklagen. Die Feinde des Viceknigs waren lauter als je. Er und
seine Creaturen htten das Knigreich an den Rand des Verderbens
gebracht. Er mische sich in Dinge, von denen er nichts verstehe. Er
wolle es besser wissen als Mnner, die wirkliche Soldaten seien. Er
vertraue den wichtigsten aller Posten seinem Werkzeuge, seinem Spione,
dem erbrmlichen Maxwell an, der kein geborner Irlnder, kein
aufrichtiger Katholik, im besten Falle ein Stmper und nur zu
wahrscheinlich ein Verrther sei. Man behauptete, Maxwell habe seine
Leute nicht mit Munition versehen. Als sie Pulver und Kugeln von ihm
verlangt, habe er sie gefragt, ob sie Lerchen schieen wollten. Kurz vor
dem Angriffe habe er ihnen befohlen, zu Abend zu essen und sich
niederzulegen, da an diesem Tage nichts mehr vorgenommen werden wrde.
Als er sich gefangen gegeben, habe er einige Worte geuert, die ein
vorgngiges Einverstndni mit den Siegern verrathen htten. Die wenigen
Freunde des Lord Lieutenants erzhlten eine ganz andre Geschichte. Nach
ihnen htten Tyrconnel und Maxwell zu Vorsichtsmaregeln gerathen, die
einen Ueberfall unmglich gemacht haben wrden. Aber der franzsische
General, der keine Einmischung geduldet, habe es unterlassen, diese
Vorsichtsmaregeln zu ergreifen. Man habe Maxwell rcksichtslos gesagt:
wenn er sich frchte, thue er besser, sein Commando niederzulegen. Er
habe seine Pflicht wacker gethan, er habe Stand gehalten, whrend seine
Leute geflohen seien, in Folge dessen sei er in die Hnde des Feindes
gefallen, und nun werde er in seiner Abwesenheit von Denen verleumdet,
denen seine Gefangennehmung mit Recht zur Last falle.[102] Auf welcher
Seite die Wahrheit ist, lt sich nach so langer Zeit schwer ermitteln.
Das Geschrei gegen Tyrconnel war im Augenblicke so laut, da er das Feld
rumte und sich verdrlich nach Limerick zurckzog. D'Usson, der von
den Verletzungen, die ihm seine eigenen fliehenden Truppen zugefgt
hatten, noch nicht genesen war, begab sich nach Galway.[103]


[_Saint-Ruth beschliet eine Schlacht zu wagen._] Saint-Ruth der jetzt
im unbestrittenen Besitz des Oberbefehls war, hatte groe Lust, das
Glck einer Schlacht zu versuchen. Die Mehrzahl der irischen Offiziere,
mit Sarsfield an der Spitze, war ganz andrer Meinung. Man drfe sich
nicht verhehlen, sagte er, da Ginkell's Armee der ihrigen bei weitem
berlegen sei. Das Klgste sei daher augenscheinlich, den Krieg in
solcher Weise fortzufhren, da der Unterschied zwischen dem
disciplinirten und dem undisciplinirten Soldaten so gering als mglich
sei. Es sei allgemein bekannt, da rohe Rekruten auf einem Streifzuge,
in einem Straenkampfe, oder bei der Vertheidigung eines Walles oftmals
gute Dienste leisteten, da sie aber im offenen Felde gegen Veteranen
wenig Chancen htten. Man versammle den grten Theil unsrer Infanterie
hinter den Wllen von Limerick und Galway. Die brigen lasse man in
Verbindung mit der Reiterei dem Feinde in den Rcken fallen und ihm
seine Zufuhren abschneiden. Wenn er in Connaught eindringt, so fallen
wir in Leinster ein. Macht er vor Galway Halt, das leicht zu
vertheidigen ist, so machen wir einen Angriff auf Dublin, das gnzlich
entblt ist.[104] Saint-Ruth wrde diesen Rath vielleicht fr gut
gehalten haben, wenn sein Urtheil nicht durch seine Leidenschaften
irregeleitet worden wre. Aber er grmte sich noch ber die erlittene
demthigende Niederlage. Angesichts seines Zeltes hatten die Englnder
einen reienden Strom passirt und eine befestigte Stadt erstrmt. Er
mute nothwendig fhlen, da, wenn auch Andre zu tadeln waren, er selbst
nicht vorwurfsfrei war. Er hatte, gelind gesagt, die Dinge zu leicht
genommen. Ludwig, der seit vielen Jahren gewohnt war, Befehlshaber in
seinem Dienste zu haben, welche nichts dem Zufalle zu berlassen
pflegten, was durch Umsicht sicher erreicht werden konnte, lie es
schwerlich als eine gengende Entschuldigung gelten, da sein General
einen so khnen und pltzlichen Angriff vom Feinde nicht erwartet habe.
Der Lord Lieutenant stellte voraussichtlich das Geschehene im
ungnstigsten Lichte dar, und Alles was der Lord Lieutenant sagte, fand
bei Jakob Wiederhall. Es stand ein scharfer Verweis, vielleicht ein
Abberufungsschreiben zu erwarten. Als ein Schuldbeladener nach
Versailles zurckzukehren, sich in hchster Bestrzung dem groen Knige
zu nahen, ihn die Achseln zucken, die Stirn runzeln und sich abwenden zu
sehen, fortgeschickt zu werden, um sich weit von Hfen und Feldlagern
auf einem einsamen Landsitze zu langweilen: das war zuviel, um es
ertragen zu knnen, und doch stand es ernstlich zu befrchten. Es gab
nur einen Ausweg: zu kmpfen, und zu siegen oder zu sterben.

In solcher Stimmung schlug Saint-Ruth sein Lager ungefhr dreiig Meilen
von Athlone auf der Strae nach Galway unweit des zerstrten Schlosses
Aghrim auf und beschlo, die Ankunft der englischen Armee zu erwarten.

Sein ganzes Benehmen war verndert. Er hatte bisher die irischen
Soldaten mit geringschtzender Strenge behandelt. Jetzt aber, da er sich
entschlossen hatte, Leben und Ruf auf den Muth des verachteten Volks zu
setzen, wurde er ein andrer Mensch. Whrend der wenigen Tage, die ihm
noch blieben, bemhte er sich, durch Nachsicht und Freundlichkeit die
Herzen Aller zu gewinnen, die unter seinem Commando standen.[105] Zu
gleicher Zeit wendete er auf seine Truppen die mchtigsten moralischen
Stimulationsmittel an. Er war ein eifriger Katholik, und es ist
wahrscheinlich, da die Strenge, mit der er die Protestanten seines
Vaterlandes behandelt hatte, zum Theil dem Hasse zugeschrieben werden
mu, den er gegen ihre Glaubenslehren empfand. Er versuchte jetzt, dem
Kriege den Character eines Kreuzzuges zu geben. Die Geistlichen waren
die Werkzeuge, deren er sich bediente, um den Muth seiner Soldaten
aufrecht zu erhalten. Das ganze Lager war in einer religisen Aufregung.
In jedem Regimente waren Priester fortwhrend beschftigt zu beten, zu
predigen, zu absolviren und Hostie und Kelch emporzuhalten. Whrend die
Soldaten auf das geweihte Brot schwuren, ihre Fahnen nicht zu verlassen,
richtete der General einen Aufruf an die Offiziere, der auch die
trgsten und verweichlichtsten Naturen zu heldenmthiger Anstrengung
angespornt haben wrde. Sie kmpften, sagte er, fr ihren Glauben, fr
ihre Freiheit und fr ihre Ehre. Unglckliche Ereignisse, die nur zu
weit und breit bekannt seien, htten einen Schatten auf den
Nationalcharacter geworfen. Das irische Militr wrde berall nur mit
einem Hohnlcheln erwhnt. Wenn ihnen darum zu thun sei, den guten Ruf
ihres Vaterlandes wiederherzustellen, so sei jetzt die Zeit und der Ort
dazu.[106]

Die Stelle, wo er das Schicksal Irland's zur Entscheidung zu bringen
beschlossen hatte, scheint mit groer Einsicht gewhlt gewesen zu sein.
Seine Armee war am Abhange eines Hgels aufgestellt, der fast ganz von
rthlichem Sumpfboden umgeben war. Vor der Front, nahe am Rande des
Moors, befanden sich einige Zune, aus denen ohne Mhe eine Verschanzung
errichtet wurde.

Am 11.Juli nahm Ginkell, nachdem er die Befestigungen von Athlone
ausgebessert und daselbst eine Besatzung zurckgelassen hatte, sein
Hauptquartier in Ballinasloe, etwa vier Meilen von Aghrim, und ritt
vorwrts, um die irische Stellung in Augenschein zu nehmen. Bei seiner
Zurckkunft gab er Befehl, da Munition vertheilt, da jedes Gewehr und
jedes Bajonnet zum Gefecht bereit gemacht und am andren Morgen in aller
Frhe jeder Mann ohne Appell unter den Waffen stehen solle. Zwei
Regimenter sollten zum Schutze des Lagers zurckbleiben, und die brigen
sollten unbeschwert mit Gepck gegen den Feind vorrcken.


[_Schlacht bei Aghrim._] Am folgenden Morgen bald nach sechs Uhr waren
die Englnder auf dem Wege nach Aghrim. Ihr Marsch wurde jedoch zuerst
durch einen dichten Nebel, der bis Mittag ber dem feuchten Thale des
Suck lagerte, und dann wieder durch die Nothwendigkeit, die Irlnder aus
einigen Vorposten zu vertreiben, etwas aufgehalten, und der Nachmittag
war schon weit vorgerckt, als die beiden Armeen einander, nur durch den
Sumpf und die Verschanzungen getrennt, endlich gegenberstanden. Die
Englnder und ihre Verbndeten waren unter zwanzigtausend, die Irlnder
ber fnfundzwanzigtausend Mann stark.

Ginkell hielt einen kurzen Kriegsrath mit seinen vornehmsten
Offizieren. Sollte er sofort angreifen, oder bis zum nchsten Morgen
warten? Mackay war fr den sofortigen Angriff, und seine Meinung behielt
die Oberhand. Um fnf Uhr begann die Schlacht. Das englische Fuvolk
rckte in so guter Ordnung als es auf dem verrtherischen und unebenen
Terrain beobachten konnte, bei jedem Schritte tief in den Schlamm
einsinkend, gegen die irischen Verschanzungen vor. Aber diese
Verschanzungen wurden mit einer Entschlossenheit vertheidigt, die selbst
Mnnern, welche am strksten gegen den celtischen Stamm eingenommen
waren, einige Worte unwilligen Lobes abzwang.[107] Immer und immer
wieder kehrten sie zum Kampfe zurck. Einmal wurden sie durchbrochen und
ber den Morast zurckgetrieben; aber Talmash sammelte sie wieder und
zwang die Verfolger zum Rckzuge. Schon zwei Stunden hatte der Kampf
gedauert, der Abend brach herein und noch immer war der Vortheil auf
Seiten der Irlnder. Ginkell begann auf den Rckzug zu denken.
Saint-Ruth's Hoffnung wuchs. Der Sieg ist unser, meine Jungen, rief
er, den Hut in der Luft schwenkend. Wir wollen sie vor uns hertreiben
bis unter die Mauern von Dublin. Aber das Glck hatte sich schon zu
wenden begonnen. Mackay und Ruvigny war es gelungen, mit der englischen
und hugenottischen Reiterei den Sumpf an einer Stelle zu passiren, wo
kaum zwei Mann nebeneinander reiten konnten. Saint-Ruth lachte anfangs,
als er die Blauen einzeln hintereinander sich unter einem Feuer, das
jeden Augenblick einen tapferen Federhut zu Boden streckte, durch den
Morast arbeiten sah. Was wollen sie? fragte er und setzte dann mit
einem Schwure hinzu, da es doch jammerschade sei, so prchtige Burschen
dem sicheren Untergange entgegengehen zu sehen. Doch lat sie nur
herberkommen, sagte er weiter; je mehr ihrer sind, um so mehr werden
wir niedermachen. Bald aber sah er sie Schanzkrbe auf dem Sumpfboden
aufrichten. Es wurde ein breiterer und festerer Weg hergestellt,
Schwadron nach Schwadron erreichte trocknen Boden, und die Flanke der
irischen Armee wurde bald geworfen. Der franzsische General eilte zur
Untersttzung herbei, als eine Kanonenkugel ihm den Kopf wegri. Seine
Umgebung hielt es fr gefhrlich, sein Schicksal bekannt zu machen. Sein
Leichnam wurde daher in einen Mantel gehllt, vom Schlachtfelde getragen
und in aller Stille zwischen den Ruinen des ehemaligen Klosters Loughrea
in geweihter Erde bestattet. Bis nach beendigtem Kampfe wute keine der
beiden Armeen, da er nicht mehr war. Seinen Tod den gemeinen Soldaten
zu verbergen, mag vielleicht klug gewesen sein. Ihn seinen Offizieren zu
verbergen, war Thorheit. Der entscheidende Moment der Schlacht war
gekommen, und es war Niemand da, um die Operationen zu leiten. Sarsfield
commandirte die Reserve; aber er hatte strenge Weisung von Saint-Ruth,
ohne Befehl nicht von der Stelle zu gehen, und der Befehl kam nicht.
Mackay und Ruvigny griffen mit ihren Reitern die Irlnder in der Flanke
an; Talmash und seine Infanterie kehrten mit grimmiger Entschlossenheit
nochmals zum Frontangriff zurck. Das Schanzwerk wurde genommen. Die
Irlnder zogen sich, noch immer fechtend, von Zaun zu Zaun zurck; aber
ein Zaun nach dem andren ward genommen und ihre Anstrengungen wurden
immer schwcher und schwcher. Endlich lsten sie sich auf und flohen.
Und nun folgte ein entsetzliches Blutbad. Die Sieger waren in einer
wthenden Stimmung, denn es hatte sich unter ihnen das Gercht
verbreitet, da einige englische Gefangene, denen Pardon gegeben worden
war, niedergehauen worden seien. Es wurden nur vierhundert Gefangene
gemacht. Die Anzahl der Gefallenen war im Verhltni zu der Zahl der
Kmpfenden grer als in irgend einer Schlacht der damaligen Zeit. Wre
nicht eine mondscheinlose Nacht hereingebrochen, die ein feiner Regen
noch dunkler machte, so wrde kaum ein Mann davon gekommen sein. Die
Finsterni setzte Sarsfield in den Stand, mit einigen wenigen noch
zusammenhaltenden Schwadronen den Rckzug zu decken. Die Sieger hatten
ungefhr sechshundert Todte und tausend Verwundete.

Die Englnder schliefen diese Nacht auf dem Schlachtfelde. Am folgenden
Tage begruben sie ihre Waffengefhrten und marschirten dann westwrts.
Die Leichen der Besiegten wurden unter freiem Himmel liegen gelassen,
ein seltsamer und schauerlicher Anblick! Man zhlte viertausend irische
Leichname auf dem Schlachtfelde. Hundertfunfzig lagen in einer kleinen
Umzunung, hundertzwanzig in einer andren. Aber das Gemetzel hatte sich
nicht auf das Schlachtfeld allein beschrnkt. Ein Augenzeuge erzhlt
uns, da er auf dem Gipfel des Berges, an dessen Abhange das celtische
Lager aufgeschlagen gewesen war, die Umgegend, auf eine Entfernung von
beinahe vier Meilen mit den nackten Leichnamen der Erschlagenen bedeckt
gesehen habe. Die Ebene, sagt er, sah aus, wie eine mit Schafheerden
bedeckte ungeheure Weide. Wie gewhnlich differirten selbst die
Schtzungen von Augenzeugen; aber es ist wahrscheinlich, da die Zahl
der gefallenen Irlnder nicht weniger als siebentausend betrug. Bald
fanden sich eine Menge Hunde ein, um die Leichen zu verzehren. Diese
Thiere wurden dadurch so wild und fanden einen solchen Geschmack an
Menschenfleisch, da es lange gefhrlich war, anders als in Gesellschaft
durch diese Gegend zu reisen.[108]

Die geschlagene Armee hatte jetzt ganz und gar das Aussehen einer
Armee verloren, und glich einem Pbelhaufen, der von einer
Jahrmarktsschlgerei in wilder Unordnung zurckkehrt. Ein mchtiger
Strom von Fliehenden wlzte sich gegen Galway, ein andrer gegen
Limerick. Die nach diesen beiden Stdten fhrenden Straen waren mit
weggeworfenen Waffen bedeckt. Ginkell bot sechs Pence fr jede Muskete.
In kurzer Zeit waren so viel Wagenladungen eingebracht, da er den Preis
auf zwei Pence reducirte, und immer noch kamen groe Massen von Gewehren
an.[109]


[_Fall von Galway._] Die Sieger marschirten zuerst auf Galway. D'Usson
war mit sieben Regimentern dort, welche durch das Gemetzel von Aghrim
gelichtet und vllig desorganisirt und entmuthigt waren. Die letzte
Hoffnung der Besatzung und der katholischen Einwohner war, da Baldearg
O'Donnel, der verheiene Befreier ihres Stammes, sie zu befreien kommen
werde. Aber Baldearg O'Donnel lie sich durch die aberglubische
Verehrung, die man ihm zollte, nicht tuschen. So lange der Ausgang des
Kampfes zwischen den Englndern und Irlndern zweifelhaft war, hatte er
sich abseits gehalten. Am Tage der Schlacht war er mit seiner
tumultuarischen Armee in sicherer Entfernung geblieben, und sobald er
erfuhr, da seine Landsleute geworfen waren, floh er, auf dem ganzen
Wege plndernd und sengend, in die Gebirge von Mayo. Von dort aus bot er
Ginkell seine Unterwerfung und seine Dienste an. Ginkell ergriff mit
Freuden die Gelegenheit, eine furchtbare Ruberhorde aufzulsen, und den
Einflu, den der Name einer celtischen Dynastie noch immer auf den
celtischen Volksstamm ausbte, zum Guten zu wenden. Die Unterhandlung
hatte jedoch ihre Schwierigkeiten. Der fahrende Ritter verlangte zuerst
nichts Geringeres als den Earltitel. Nach einigem Feilschen verstand er
sich dazu, die Liebe eines ganzen Volks und seine Ansprche auf die
Knigswrde fr ein Jahrgeld von fnfhundert Pfund zu verkaufen. Dennoch
war der Zauber, der seine Anhnger an ihn fesselte, noch nicht ganz
gebrochen. Einige Fanatiker aus Ulster waren bereit, unter dem O'Donnel
gegen ihre eigne Zunge und gegen ihre eigne Religion zu kmpfen. Mit
einer kleinen Schaar dieser ergebenen Anhnger schlo er sich einer
Division der englischen Armee an und leistete Wilhelm bei verschiedenen
Gelegenheiten ntzliche Dienste.[110]

Als es bekannt wurde, da keine Untersttzung von dem Helden zu erwarten
war, dessen Ankunft von so vielen Sehern verkndet worden, verloren die
in Galway eingeschlossenen Irlnder allen Muth. D'Usson hatte auf die
erste Aufforderung der Belagerer eine trotzige Antwort gegeben; aber er
sah bald, da jeder Widerstand unmglich war, und er beeilte sich daher
zu kapituliren. Die Garnison durfte sich mit militrischen Ehren nach
Limerick zurckziehen, den Brgern wurde vollstndige Amnestie fr
frhere Vergehen bewilligt, und stipulirt, da es den katholischen
Priestern innerhalb der Mauern gestattet sein solle, ihre religisen
Gebruche privatim zu ben. Unter diesen Bedingungen wurden die Thore
geffnet. Ginkell wurde von dem Mayor und den Aldermen mit tiefer
Ehrerbietung empfangen und vom Recorder mit einer Ansprache begrt.
D'Usson marschirte mit ungefhr zweitausenddreihundert Mann ungehindert
nach Limerick.[111]

In Limerick, dem letzten Asyl des besiegten Volksstammes, war Tyrconnel
die hchste Autoritt. Es gab jetzt keinen General, welcher behaupten
konnte, da seine Bestallung ihn vom Viceknig unabhngig mache; auch
war der Viceknig jetzt nicht mehr so unpopulr wie er vierzehn Tage
frher gewesen war. Nach der Schlacht war ein Umschwung der ffentlichen
Meinung eingetreten. Dem Viceknig konnte keine Schuld an diesem groen
Unglck beigemessen werden. Er war in der That dagegen gewesen, das
Glck einer Feldschlacht zu versuchen und er konnte mit einem Anschein
von Wahrheit behaupten, da die Nichtbeachtung seiner Rathschlge den
Untergang Irland's herbeigefhrt habe.[112]

Er traf einige Anstalten zur Vertheidigung Limerick's, besserte die
Festungswerke aus und entsendete Truppenabtheilungen, um Lebensmittel
herbeizuschaffen. Die Gegend wurde von diesen Detachements auf viele
Meilen im Umkreise rein ausgeplndert und eine bedeutende Quantitt Vieh
und Fourage innerhalb der Mauern aufgehuft. Auerdem hatte man einen
groen Vorrath von Zwieback aus Frankreich. Die in Limerick versammelte
Infanterie belief sich auf etwa funfzehntausend Mann. Die irischen
Reiter und Dragoner, drei- bis viertausend an der Zahl, campirten auf
der Clareseite des Shannon. Die Communication zwischen ihrem Lager und
der Stadt wurde durch eine von einem Fort beschtzte Brcke, Thomond
Bridge genannt, unterbrochen. Diese Vertheidigungsmittel waren nicht zu
verachten. Aber der Fall von Athlone und das Gemetzel von Aghrim hatte
den Muth der Armee gebrochen. Eine kleine Partei, an deren Spitze
Sarsfield und ein tapferer schottischer Offizier, Namens Wauchop
standen, nhrte die Hoffnung, da der Siegeszug Ginkell's durch die
Mauern aufgehalten werden wrde, von denen Wilhelm das Jahr vorher hatte
abziehen mssen. Aber viele von den irischen Anfhrern erklrten laut,
da es Zeit sei an eine Kapitulation zu denken. Heinrich Luttrell, der
jederzeit eine dunkle und krumme Politik liebte, trat heimlich in
Unterhandlung mit den Englndern. Einer seiner Briefe wurde aufgefangen
und er wurde in Arrest gebracht; aber Viele, die seine Treulosigkeit
tadelten, stimmten gleichwohl mit ihm darin berein, da es nutzlos sei,
den Kampf zu verlngern. Tyrconnel selbst war berzeugt, da Alles
verloren sei. Seine einzige Hoffnung beruhte noch darauf, da er im
Stande sein werde, den Kampf so lange hinauszuziehen bis er von
Saint-Germains die Erlaubni erhielt zu unterhandeln. Er erbat sich in
einem Schreiben diese Erlaubni und bewog mit einiger Mhe seine
verzweifelnden Landsleute, sich durch einen Eid zu verpflichten, nicht
zu kapituliren, bis eine Antwort von Jakob anlangte.[113]


[_Tyrconnel's Tod._] Wenige Tage nachdem der Eid geleistet worden, war
Tyrconnel nicht mehr. Am 11.August speiste er bei D'Usson. Die
Gesellschaft war sehr heiter. Der Lord Lieutenant schien die Last, die
seinen Krper und Geist niederdrckte, abgeschttelt zu haben; er trank
und scherzte und war wieder der Dick Talbot, der mit Grammont gewrfelt
und gezecht hatte. Bald nachdem er vom Tische aufgestanden war, beraubte
ihn ein Schlaganfall der Sprache und der Besinnung. Am 14. hauchte er
seinen Geist aus. Die entseelten Reste des Krpers, der einst Bildhauern
zum Modell gedient hatte, wurden unter den Steinplatten der Kathedrale
begraben; aber keine Inschrift und keine Tradition bezeichnet der
Nachwelt die Ruhesttte.[114]

Sobald der Viceknig verschieden war, prsentirte Plowden, der die
irischen Finanzen verwaltet hatte, so lange es irische Finanzen zu
verwalten gab, ein mit dem groen Siegel Jakob's versehenes
Vollmachtspatent, durch welches Plowden selbst, Fitton und Nagle fr den
Fall von Tyrconnel's Tode zu Lords Justices ernannt wurden. Die
Bekanntmachung der Namen erregte viel Murren, denn Plowden und Fitton
waren Sachsen. Die Bestallung erwies sich jedoch als eine bloe
Formalitt, denn sie war von Instructionen begleitet, welche den Lords
Justices jede Einmischung in die Fhrung des Kriegs untersagten, und in
dem kleinen Raume, auf den Jakob's Gebiet jetzt reducirt war, gab es
nichts weiter zu thun als Krieg zu fhren. Die Verwaltung war daher
thatschlich in den Hnden D'Usson's und Sarsfield's.[115]


[_Zweite Belagerung von Limerick._] An dem Tage an welchem Tyrconnel
starb kam die Vorhut der englischen Armee vor Limerick an, und Ginkell
schlug sein Lager auf dem nmlichen Boden auf, den zwlf Monate frher
Wilhelm innegehabt hatte. Die Batterien, welche jetzt aus ganz anderen
Kanonen und Mrsern bestanden, als Wilhelm sich ihrer hatte bedienen
mssen, spielten Tag und Nacht und bald sah man an allen Ecken und Enden
der Stadt Dcher brennen und Mauern einstrzen. Ganze Straen wurden in
Asche gelegt. Mittlerweile kamen mehrere englische Kriegsschiffe den
Shannon herauf und gingen ungefhr eine Meile unterhalb der Stadt vor
Anker.[116]

Der Platz hielt sich indessen noch immer. Die Besatzung stand der
Belagerungsarmee an numerischer Strke wenig nach, und es schien nicht
unmglich, da die Vertheidigung verlngert werden knnte, bis die
Aequinoctialregen die Englnder zum zweiten Male zwangen, sich
zurckzuziehen. Ginkell beschlo, einen khnen Schlag zu thun. Kein
Punkt auf der ganzen Befestigungslinie war wichtiger und kein Punkt
schien gesicherter zu sein als die Thomondbrcke, welche die Stadt mit
dem Lager der irischen Reiterei auf dem Clareufer des Shannon verband.
Der Plan des hollndischen Generals ging dahin, die innerhalb der Wlle
befindliche Infanterie von der auerhalb liegenden Cavallerie
abzuschneiden und er fhrte diesen Plan mit groer Geschicklichkeit,
Energie und gutem Erfolge aus. Er schlug eine Brcke von blechernen
Booten ber den Flu, passirte denselben mit einem starken Truppencorps,
trieb funfzehnhundert Dragoner, welche schwachen Widerstand leisteten,
in Verwirrung vor sich her und marschirte auf die Quartiere der
irischen Reiterei zu. Die irischen Reiter machten an diesem Tage dem
Rufe, den sie sich am Boyne erworben, keine groe Ehre. Dieser Ruf war
allerdings mit der fast gnzlichen Vernichtung der besten Regimenter
erkauft worden. Rekruten hatte man zwar ohne groe Mhe gefunden, aber
der Verlust von funfzehnhundert vortrefflichen Soldaten war nicht zu
ersetzen. Das Lager wurde ohne Schwertstreich aufgegeben. Ein Theil der
Reiter floh in die Stadt, die brigen zogen sich, soviel Vieh als sie in
diesem Augenblicke panischen Schreckens zusammenbringen konnten, vor
sich her treibend, in die Berge zurck. Man fand in den Magazinen einen
reichen Vorrath von Rindfleisch, Branntwein und Monturstcken, und die
sumpfige Ebene des Shannon war mit Gewehren und Granaten bedeckt, welche
die Fliehenden weggeworfen hatten.[117]

Die Sieger kehrten im Triumph in ihr Lager zurck. Aber Ginkell war mit
dem gewonnenen Vortheile noch nicht zufrieden. Er wollte gern jede
Verbindung zwischen Limerick und der Grafschaft Clare abschneiden. Nach
einigen Tagen berschritt er zu dem Ende nochmals an der Spitze mehrerer
Regimenter den Flu und griff das Fort an, das die Thomondbrcke deckte.
In kurzer Zeit war das Fort erstrmt. Die Soldaten, welche darin gelegen
hatten, flohen in Verwirrung in die Stadt. Der Platzmajor, ein
franzsischer Offizier, der am Thomondthore commandirte, lie aus
Besorgni, da mit den Fliehenden zugleich auch die Verfolger
hereinkommen wrden, den der Stadt zunchst gelegenen Theil der Brcke
aufziehen. Viele von den Irlndern strzten kopfber in den Strom und
ertranken; andere riefen um Pardon und schwenkten ihre Taschentcher zum
Zeichen der Unterwerfung. Aber die Sieger waren rasend vor Wuth, ihr
Blutdurst konnte nicht sogleich gezgelt werden und es wurden nicht eher
Gefangene gemacht, als bis die Haufen der Leichen bis ber die
Brustwehren der Brcke gingen. Die Besatzung des Forts hatte aus
ungefhr achthundert Mann bestanden. Von diesen entkamen nur
hundertzwanzig nach Limerick.[118]

Diese Niederlage schien eine allgemeine Meuterei in der Stadt
hervorrufen zu wollen. Die Irlnder schrien nach dem Blute des
Platzmajors, der angesichts ihrer fliehenden Landsleute die Brcke
aufzuziehen befohlen hatte. Seine Vorgesetzten muten versprechen, da
er vor ein Kriegsgericht gestellt werden solle. Zu seinem Glcke war er
beim Verschlieen des Thomondthores tdtlich verwundet worden, und der
Soldatentod rettete ihn vor der Wuth der Menge.[119]


[_Die Irlnder wollen kapituliren._] Das Geschrei nach einer
Kapitulation wurde so laut und dringend, da die Generle demselben
nicht widerstehen konnten. D'Usson benachrichtigte seine Regierung, das
Gefecht auf der Brcke habe den Muth der Garnison so vollstndig
vernichtet, da es unmglich sei den Kampf lnger fortzusetzen.[120]
Gegen D'Usson's Aussage mu man vielleicht einiges Mitrauen hegen, denn
er war ohne Zweifel, wie alle Franzosen, die ein Commando in der
irischen Armee bekleidet hatten, seiner Verbannung berdrssig und
sehnte sich nach Paris zurck. Es ist jedoch ausgemacht, da selbst
Sarsfield den Muth verloren hatte. Bis zu diesem Augenblicke hatte er
bestndig fr hartnckigen Widerstand gestimmt. Jetzt war er nicht nur
bereit zu unterhandeln, sondern er verlangte sogar ungeduldig
darnach.[121] Er hielt die Stadt fr unrettbar verloren. Es war keine
Hoffnung mehr weder auf einheimische noch auf fremde Hlfe. In jedem
Theile Irland's hatten die Sachsen den Fu auf den Nacken der
Eingebornen gesetzt. Sligo war gefallen. Selbst die wsten Eilande,
welche die mchtigen Wogen des atlantischen Oceans von der Galwaybucht
abhalten, hatten Wilhelm's Autoritt anerkannt. Die Mnner von Kerry,
welche fr den wildesten und unfgsamsten Theil der eingebornen
Bevlkerung galten, hatten sich lange gehalten, waren aber doch endlich
geschlagen und in ihre Wlder und Berge getrieben worden.[122] Eine
franzsische Flotte, wenn eine solche jetzt an der Kste von Munster
angekommen wre, wrde die Mndung des Shannon von englischen
Kriegsschiffen bewacht gefunden haben. Die Lebensmittelvorrthe in
Limerick gingen bereits zu Ende. Wurde die Belagerung fortgesetzt, so
mute die Stadt aller menschlichen Berechnung nach entweder durch Gewalt
oder durch eine Blockade fallen. Und wenn Ginkell durch die Bresche
eindringen oder von einer verhungernden Bevlkerung angefleht werden
sollte seine eigenen Bedingungen vorzuschreiben, was konnte man dann
anders erwarten als eine Tyrannei von noch unerbittlicherer Hrte als
die eines Cromwell? War es also nicht weise zu versuchen, was fr
Bedingungen zu erlangen waren so lange die Sieger noch etwas von der
Wuth und Verzweiflung der Besiegten zu frchten hatten, so lange die
letzte irische Armee hinter den Wllen der letzten irischen Festung noch
einigen Widerstand leisten konnte?


[_Unterhandlungen zwischen den irischen Generlen und den Belagerern._]
Am Abend des Tages, welcher auf den Kampf am Thomondthore folgte, gaben
die Trommeln von Limerick das Zeichen zum Parlamentiren, Wauchop rief
von einem der Thrme die Belagerer an und ersuchte Ruvigny, Sarsfield
eine Unterredung zu bewilligen. Der wackere Franzose, der wegen seiner
Anhnglichkeit an die eine Religion ein Verbannter war, und der wackere
Irlnder, der im Begriff stand, wegen seiner Anhnglichkeit an eine
andre ein Verbannter zu werden, kamen zusammen und conferirten
miteinander, unzweifelhaft mit gegenseitiger Sympathie und Achtung.[123]
Ginkell, dem Ruvigny den Verlauf der Unterredung berichtete, willigte
gern in einen Waffenstillstand. Denn so andauernd auch sein Erfolg bis
jetzt gewesen war, so hatte derselbe ihn doch noch nicht sicher gemacht.
Die Chancen waren zwar entschieden auf seiner Seite, allein es war
immerhin mglich, da ein Versuch, die Stadt mit Sturm zu nehmen,
scheiterte, wie ein hnlicher Versuch zwlf Monate frher gescheitert
war. Wenn die Belagerung in eine Belagerung verwandelt werden sollte, so
war es wahrscheinlich, da die Seuche, welche der Armee Schomberg's
verderblich geworden war, die Wilhelm zum Rckzuge gezwungen hatte und
die selbst Marlborough's Genie und Thatkraft beinahe zu Schanden gemacht
htte, das Blutbad von Aghrim sehr bald rchte. Es hatte neuerdings
stark geregnet, die ganze Ebene konnte in Kurzem ein ungeheurer Pfuhl
stehenden Wassers werden. Es konnte nthig werden, die Truppen nach
einer gesnderen Stellung als am Ufer des Shannon zu versetzen und ihnen
ein wrmeres Obdach als das von Zelten zu verschaffen. Dann war der
Feind bis zum Frhjahr sicher. Im Frhjahr konnte eine franzsische
Armee in Irland landen, die Eingebornen konnten sich von Donegal bis
Kerry aufs Neue bewaffnet erheben und der Krieg, der jetzt so gut wie
beendigt war, konnte sich heftiger als je wieder entznden.

Es wurde daher mit dem beiderseitigen aufrichtigen Wunsche, dem Kampfe
ein Ziel zu setzen, eine Unterhandlung erffnet. Die Anfhrer der
irischen Armee hielten mehrere Berathungen, zu denen einige katholische
Prlaten und einige ausgezeichnete Juristen eingeladen wurden. Man legte
den Bischfen eine vorlufige Frage vor, welche zarte Gewissen in
Verlegenheit setzte. Der verstorbene Viceknig hatte die Offiziere der
Besatzung berredet zu schwren, da sie Limerick nicht eher bergeben
wollten, als bis sie eine Antwort auf das Schreiben erhalten haben
wrden, in dem ihre Lage Jakob geschildert worden war. Die Bischfe
waren der Meinung, da der Eid nicht mehr bindend sei. Er sei zu einer
Zeit wo die Communication mit Frankreich noch offen gewesen und in dem
festen Glauben geleistet worden, da Jakob's Antwort binnen drei Wochen
eintreffen werde. Jetzt sei mehr als das Doppelte dieser Zeit
verstrichen. Jeder Zugang zur Stadt werde vom Feinde streng bewacht. Sr.
Majestt getreue Unterthanen htten im Sinne ihres Versprechens
gehandelt, indem sie sich so lange gehalten, bis es ihm unmglich
geworden sei, ihnen seinen Willen kund zu thun.[124]

Die nchste Frage war, welche Bedingungen verlangt werden sollten. Eine
Schrift, die Vorschlge enthielt, welche Staatsmnner unsrer Zeit fr
billig halten werden, welche aber selbst den humansten und liberalsten
englischen Protestanten des 17.Jahrhunderts berspannt vorkamen, wurde
ins Lager der Belagerer geschickt. Es wurde verlangt, da alle Vergehen
mit dem Mantel der Vergessenheit bedeckt, da der eingebornen
Bevlkerung vollkommene Freiheit der Gottesverehrung gewhrt werden, da
jedes Kirchspiel seinen Priester haben und da die irischen Katholiken
befhigt sein sollten, alle Civil- und Militrmter zu bekleiden und
alle municipalen Privilegien zu genieen.[125]

Ginkell kannte die Gesetze und Gesinnungen der Englnder wenig, aber er
hatte unter seiner Umgebung Leute, welche befhigt waren, ihn zu leiten.
Sie hatten ihn acht Tage vorher abgehalten, einen Rapparee rdern zu
lassen, und jetzt gaben sie ihm eine Antwort auf die Vorschlge des
Feindes ein. Ich bin hier fremd, sagte Ginkell, ich kenne die
Verfassung dieses Landes nicht; aber man versichert mir, da das was Sie
verlangen, mit dieser Verfassung unvereinbar ist, und deshalb kann ich
mit Ehren nicht einwilligen. Er lie auf der Stelle eine neue Batterie
errichten und mit Kanonen und Mrsern befahren. Aber seine Anstalten
wurden sehr bald durch eine neue Botschaft aus der Stadt unterbrochen.
Die Irlnder baten ihn nun, ihnen zu sagen was er ihnen gewhren wolle,
da er ihnen das was sie verlangten, nicht bewilligen knne. Er berief
seine Rathgeber zu sich und schickte nach kurzer Besprechung mit ihnen
eine Schrift zurck, welche einen Vertrag enthielt, von dem er annehmen
zu drfen glaubte, da die Regierung, der er diente, ihn billigen werde.
Was er anbot war allerdings viel weniger als die Irlnder wnschten;
aber es war so viel als sie erwarten konnten, wenn sie ihre Lage und die
Stimmung der englischen Nation in Betracht zogen. Sie zeigten ihm
eiligst ihre Zustimmung an. Es wurde festgesetzt, da sowohl zu Lande
als auch in den Hfen und Buchten von Munster die Feindseligkeiten
eingestellt und einer franzsischen Flotte gestattet werden sollte,
unbehindert den Shannon heraufzukommen und unbehindert wieder
abzusegeln. Die Unterzeichnung des Vertrags wurde bis zur Ankunft der
Lords Justices, welche Wilhelm in Dublin reprsentirten, in Ginkell's
Hauptquartier verschoben. Einige Tage lang lie die militrische
Wachsamkeit auf beiden Seiten nach. Gefangene wurden in Freiheit
gesetzt. Die Vorposten der beiden Armeen plauderten und aen zusammen.
Die englischen Offiziere sahen sich in der Stadt um, die irischen
Offiziere speisten im Lager. Anekdoten ber das was bei den
freundschaftlichen Zusammenknften dieser Mnner, welche noch krzlich
Todfeinde gewesen waren, vorging, circulirten weit und breit. Besonders
eine Geschichte erzhlte man sich in ganz Europa. Hat dieser letzte
Feldzug, sagte Sarsfield zu einigen englischen Offizieren, Ihnen nicht
eine bessere Meinung von den irischen Soldaten beigebracht. --
Aufrichtig gesagt, erwiederte ein Englnder, denken wir von ihnen
noch ganz ebenso wie wir immer gedacht haben. -- Wie gering Sie auch
von uns denken mgen, versetzte Sarsfield, lassen Sie uns unsere
beiderseitigen Knige vertauschen, und wir werden bereitwillig unser
Glck noch einmal mit Ihnen versuchen. Er dachte ohne Zweifel an den
Tag, an welchem er die beiden Souveraine an der Spitze zweier groer
Armeen gesehen hatte, Wilhelm als den Ersten beim Angriffe, und Jakob
als den Ersten auf der Flucht.[126]


[_Die Kapitulation von Limerick._] Am 1.October kamen Coningsby und
Porter im englischen Hauptquartiere an. Am 2. wurden die
Kapitulationsbedingungen sehr ausfhrlich berathen und definitiv
festgestellt. Am 3. wurden sie unterzeichnet. Sie waren in zwei Theile,
einen Militrvertrag und einen Civilvertrag getheilt. Ersterer wurde nur
von den beiderseitigen Generlen, letzterer auch von den Lords Justices
unterzeichnet.

Durch den Militrvertrag war festgesetzt, da diejenigen irischen
Offiziere und Soldaten, weiche erklrten, da sie nach Frankreich zu
gehen wnschten, dahin gebracht werden und inzwischen unter dem Commando
ihrer eigenen Generle bleiben sollten. Ginkell bernahm es eine
betrchtliche Anzahl Transportfahrzeuge zu liefern. Auch franzsische
Schiffe sollten zwischen der Bretagne und Munster hin und her fahren
drfen. Ein Theil von Limerick sollte sofort den Englndern bergeben
werden. Aber die Insel, auf welcher die Kathedrale und das Schlo
standen, sollte vor der Hand noch im Besitz der Irlnder bleiben.

Die Bedingungen des Civilvertrags waren ganz verschieden von denen,
welche Ginkell zu bewilligen sich beharrlich geweigert hatte. Es war
nicht stipulirt, da die Katholiken Irland's zur Bekleidung eines
brgerlichen oder militrischen Amtes befhigt sein oder da sie in eine
Corporation zugelassen werden sollten. Aber sie erhielten das
Versprechen, da sie in der Ausbung ihrer Religion diejenigen
Privilegien genieen sollten, welche mit dem Gesetz vereinbar waren oder
die sie unter der Regierung Karl'sII. genossen hatten.

Allen Einwohnern von Limerick und allen Offizieren und Soldaten der
jakobitischen Armee, die sich der Regierung unterwarfen und ihre
Unterwerfung durch Leistung des Huldigungseides bekundeten, war volle
Amnestie versprochen. Sie sollten ihr Eigenthum behalten, sollten jeden
Erwerbszweig betreiben drfen, den sie vor den Unruhen betrieben hatten,
sollten wegen keines seit dem Regierungsantritt des vorigen Knigs
verbten Verraths, Felonie oder Vergehens bestraft werden, ja es sollte
sogar kein Entschdigungsanspruch wegen einer Beraubung oder
Gewaltthtigkeit, die sie whrend der drei unruhigen Jahre begangen,
gegen sie erhoben werden. Dies war mehr als die Lords Justices nach der
Verfassung zu gewhren befugt waren. Es wurde deshalb hinzugesetzt, da
die Regierung ihr Mglichstes thun werde, um die Ratification des
Vertrags von Seiten des Parlaments zu erlangen.[127]

Sobald die beiden Instrumente unterzeichnet waren, zogen die Englnder
in die Stadt ein und besetzten einen Theil derselben. Ein schmaler, aber
tiefer Arm des Shannon trennte sie von dem noch im Besitz der Irlnder
befindlichen Theile.[128]

Schon nach einigen Stunden entspann sich ein Streit, der eine Erneuerung
der Feindseligkeiten hervorzurufen drohte. Sarsfield hatte sich
entschlossen, in franzsischen Diensten sein Glck zu versuchen, und
natrlich wnschte er ein Truppencorps mit auf den Continent zu nehmen,
das ein wichtiger Zuwachs zur Armee Ludwig's sein wrde. Ginkell war
eben so natrlich nicht geneigt, die Streitkrfte des Feindes durch
Tausende von Leuten zu verstrken. Beide Generle beriefen sich auf den
Vertrag. Jeder legte denselben so aus, wie es seinem Zwecke entsprach
und Jeder beschwerte sich, da der Andre ihn verletzt habe. Sarsfield
wurde beschuldigt, einen seiner Offiziere in Arrest geschickt zu haben,
weil er sich geweigert, nach dem Continent zu gehen. Ginkell erklrte
heftig gereizt, er wolle die Irlnder lehren ihm Streiche spielen, und
begann Anstalten zu einer Kanonade zu treffen. Sarsfield kam ins
englische Lager und versuchte seine Maregel zu rechtfertigen. Es
entspann sich ein heftiger Wortwechsel. Ich fge mich, sagte Sarsfield
endlich, denn ich bin in Ihrer Gewalt. -- Sie sind durchaus nicht in
meiner Gewalt, erwiederte Ginkell; kehren Sie zurck und thun Sie das
Schlimmste was Sie denken. Der verhaftete Offizier wurde in Freiheit
gesetzt und dadurch ein blutiger Kampf vermieden, und die beiden
Befehlshaber begngten sich mit einem Wortkriege.[129] Ginkell erlie
Proklamationen, worin er den Irlndern versicherte, da, wenn sie ruhig
in ihrem Lande leben wollten, sie beschtzt und begnstigt, und, wenn
sie das militrische Leben vorzgen, in die Armee Wilhelm's aufgenommen
werden sollten. Aber es wurde hinzugesetzt, da Keiner, der diese
freundliche Einladung zurckwiese und ein Soldat Ludwig's wrde,
erwarten drfe, je wieder die Insel zu betreten. Sarsfield und Wauchop
boten ihre Beredtsamkeit fr die gegentheilige Ansicht auf. Das jetzige
Aussehen der Dinge, sagten sie, sei allerdings trbe, aber hinter den
Wolken sei der Himmel heiter. Die Verbannung werde kurz, die Rckkehr
triumphirend sein. Binnen einem Jahre wrden die Franzosen in England
einfallen, und bei einem solchen Einfalle wrden die irischen Truppen,
wenn sie nur fest zusammenhielten, gewi eine Hauptrolle spielen.
Inzwischen sei es weit besser fr sie, in einem benachbarten und
befreundeten Lande, unter der vterlichen Frsorge ihres eignen
rechtmigen Knigs zu leben, als sich dem Prinzen von Oranien
anzuvertrauen, der sie wahrscheinlich an das andre Ende der Welt
schicken werde, um fr seinen Bundesgenossen, den Kaiser, gegen die
Janitscharen zu kmpfen.


[_Die irischen Truppen werden aufgefordert, zwischen ihrem Vaterlande
und Frankreich zu whlen._] Der Beistand des katholischen Klerus wurde
angerufen. An dem Tage, an welchem Diejenigen, die sich entschlossen
hatten nach Frankreich zu gehen, aufgefordert wurden, ihren Entschlu
kund zu thun, waren die Priester unermdlich in Ermahnungen. Vor jedem
Regiment wurde eine Predigt gehalten ber die Pflicht, der Sache der
Kirche treu zu bleiben, und ber die Snde und Gefahr, sich mit
Unglubigen zu verbinden.[130] Jeder, wurde gesagt, der in den Dienst
der Usurpatoren trete, wrde dies bei Gefahr seines Seelenheils thun.
Die Ketzer versicherten, da dem Auditorium nach der Predigt eine
tchtige Ration Branntwein gereicht worden und da, nachdem der
Branntwein getrunken gewesen sei, ein Bischof den Segen gesprochen habe.
So durch physische und moralische Stimulationsmittel gehrig
vorbereitet, wurde die aus etwa vierzehntausend Mann Infanterie
bestehende Besatzung auf der groen Wiese aufgestellt, die auf dem
Clarer Ufer des Shannon lag. Hier wurden Abdrcke von Ginkell's
Proklamation in Masse vertheilt und englische Offiziere gingen durch die
Reihen, um die Mannschaften zu beschwren, sich nicht dem Verderben
preis zu geben, und um ihnen die Vortheile auseinanderzusetzen, welche
die Soldaten Knig Wilhelm's genssen. Endlich kam der entscheidende
Augenblick. Die Truppen erhielten Befehl, die Revue zu passiren.
Diejenigen, welche in Irland zu bleiben wnschten, muten an einer
bestimmten Stelle umkehren. Von allen denen, die ber diese Stelle
hinaus marschirten, nahm man an, da sie sich fr Frankreich entschieden
hatten. Sarsfield und Wauchop sahen auf der einen Seite, Coningsby und
Ginkell auf der andren Seite mit ngstlicher Spannung zu. D'Usson und
seinen Landsleuten wurde es schwer, ihre ernste Miene zu bewahren,
obgleich das Schauspiel nicht ohne Interesse fr sie war. Die Confusion,
der Lrm, das groteske Aussehen einer Armee, in der fast kein Hemd und
kein Beinkleid, kein Schuh oder Strumpf zu erblicken war, bildete einen
so lcherlichen Contrast mit dem geordneten und glnzenden Aussehen der
Truppen ihres Gebieters, da sie einander scherzend fragten, was wohl
die Pariser sagen wrden, wenn sie auf der Ebene von Grenelle eine
solche Armee defiliren shen.[131]


[_Die Mehrzahl der irischen Truppen erklrt sich fr den
Freiwilligendienst in Frankreich._] Zuerst marschirte das sogenannte
Regiment Royal vierzehnhundert Mann stark. Alle bis auf Sieben
berschritten den verhngnivollen Punkt. Ginkell's Gesicht verrieth
einen heftigen Unmuth. Er trstete sich inde wieder, als er das nchste
Regiment, das aus Eingebornen von Ulster bestand, wie ein Mann Kehrt
machen sah. Es war trotz der Gemeinschaft des Bluts, der Sprache und der
Religion zwischen den Celten von Ulster und denen der anderen drei
Provinzen eine Antipathie entstanden; auch ist es nicht
unwahrscheinlich, da das Beispiel und der Einflu Baldearg O'Donnel's
einigen Eindruck auf die Bevlkerung des Landes gemacht haben mag, das
seine Vorfahren regiert hatten.[132] In den meisten Regimentern waren
die Meinungen getheilt; aber die groe Mehrheit erklrte sich fr
Frankreich. Heinrich Luttrell gehrte zu Denen, welche umkehrten. Er
wurde fr seinen Abfall und vielleicht fr noch andere Dienste mit
Verleihung der groen Gter seines lteren Bruders Simon, der fest zur
Sache Jakob's hielt, mit einem Jahrgelde von fnfhundert Pfund von
Seiten der Krone, und mit dem Abscheu der katholischen Bevlkerung
belohnt. Nachdem er ein Vierteljahrhundert in Reichthum, Luxus und
Schande gelebt, wurde Heinrich Luttrell ermordet, als er sich in seiner
Snfte durch Dublin tragen lie, und das irische Haus der Gemeinen
erklrte, man habe Grund zu vermuthen, da er als ein Opfer der Rache
der Papisten gefallen sei.[133] Achtzig Jahre nach seinem Tode wurde
sein Grab unweit Luttrellstown durch die Nachkommen Derer, die er
verrathen, gewaltsam geffnet und sein Schdel vermittelst einer
Spitzhacke in Stcken zerschlagen.[134] Der tdtliche Ha, deren
Gegenstand er war, ging auch auf seinen Sohn und auf seinen Enkel ber
und leider hatte weder der Character seines Sohnes noch der seines
Enkels Seiten, welche das Gefhl, das der Name Luttrell erweckte, zu
mildern geeignet gewesen wren.[135]

Als der lange Zug vorbeidefilirt war, ergab es sich, da ungefhr
tausend Mann bereit waren, in Wilhelm's Dienste zu treten. Etwa
zweitausend nahmen Psse von Ginkell an und begaben sich ruhig in ihre
Heimath. Ungefhr elftausend kehrten mit Sarsfield in die Stadt zurck.
Einige Stunden nachdem die Besatzung die Revue passirt hatte, wurden
auch die einige Meilen von der Stadt lagernden Reiter aufgefordert, ihre
Wahl zu treffen, und die meisten von ihnen entschieden sich fr
Frankreich.[136]


[_Viele von den Irlndern, die sich fr Frankreich erklrt hatten,
desertiren._] Sarsfield betrachtete die Truppen, welche bei ihm blieben,
als unwiderruflich verpflichtet, auer Landes zu gehen, und damit sie
sich nicht versucht fhlen mchten, ihre Zusage zurckzunehmen, hielt er
sie innerhalb der Wlle und lie die Thore schlieen und streng
bewachen. Obwohl Ginkell in seinem Aerger einige Drohungen murmelte,
scheint er doch eingesehen zu haben, da eine Einmischung seinerseits
nicht gerechtfertigt war. Aber die Vorsichtsmaregeln des irischen
Generals erreichten ihren Zweck bei weitem nicht vollkommen. Es war
durchaus nicht zu verwundern, da ein aberglubischer und reizbarer
Kerne, mit einer Predigt und einem Glas Branntwein im Kopfe, bereit war
Alles zu versprechen was seine Priester verlangten; eben so wenig war es
zu verwundern, da, als er seinen Rausch ausgeschlafen hatte und keine
Anathemen ihm mehr in den Ohren klangen, er peinliche Besorgnisse
empfand. Er hatte sich verpflichtet, vielleicht auf Lebenszeit ins Exil
zu gehen, weit weg von den traurigen Wasserflchen, die seinem
ungebildeten Geiste ein geheimnivolles Grauen einflten. Alles was er
verlassen sollte, zog an seinen Gedanken vorber, der wohlbekannte
Torfhaufen und das Kartoffelfeld und die Lehmhtte, die bei aller ihrer
Aermlichkeit doch immer seine Heimath war. Nie sollte er die
wohlbekannten Gesichter wieder um das Torffeuer sitzen sehen, nie die
traulichen Klnge der alten celtischen Lieder hren. Der weite Ocean
sollte zwischen ihm und dem Herde seiner greisen Eltern und seines
blhenden Liebchens wogen. Einige, die den qulenden Gedanken einer
solchen Trennung nicht zu ertragen vermochten und die Unmglichkeit vor
Augen sahen, bei den Schildwachen, welche die Thore hteten,
vorbeizukommen, sprangen in den Flu und erreichten das entgegengesetzte
Ufer. Doch war die Zahl dieser khnen Schwimmer nicht gro, und die
Armee wrde wahrscheinlich vollzhlig ber den Kanal gebracht worden
sein, wenn sie bis zum Einschiffungstage in Limerick geblieben wre.
Aber viele von den Schiffen auf denen die Ueberfahrt bewerkstelligt
werden sollte, lagen in Cork und Sarsfield mute mit einigen seiner
besten Regimenter dahin abgehen. Dies war ein Marsch von nicht weniger
als vier Tagen durch eine de Gegend. Es war unmglich, gewandte junge
Mnner, die mit allen Schlichen eines unsteten und ruberischen Lebens
vertraut waren, zu verhindern, da sie sich unter dem Schutze der
Dunkelheit nach den Smpfen und Wldern fortstahlen. Viele Soldaten
waren sogar dreist genug, am hellen Tage davonzulaufen, noch ehe die
Kathedrale von Limerick ihren Blicken entschwunden war. Das Regiment
Royal, das am Tage der Revue ein so auffallendes Beispiel von treuer
Anhnglichkeit an die Sache Jakobs' gegeben hatte, schmolz von
vierzehnhundert auf fnfhundert Mann zusammen. Noch vor der Abfahrt des
letzten Schiffes kam die Nachricht, da die mit den ersten Schiffen
Abgegangenen in Brest unfreundlich empfangen worden seien. Sie waren
krglich mit Lebensmitteln versehen worden, hatten weder Sold noch
Kleidung erlangen knnen und muten ohne andres Obdach als Hecken und
Zune auf freiem Felde schlafen, obgleich der Winter vor der Thr war.
Man hatte Viele von ihnen uern hren, es wrde weit besser gewesen
sein, in Alt-Irland zu sterben als in dem ungastlichen Lande zu leben,
in das sie verbannt wren. Die Wirkung dieser Berichte war, da
Hunderte, welche lange in der Absicht auszuwandern beharrt hatten, sich
im letzten Augenblicke weigerten an Bord zu gehen, ihre Waffen wegwarfen
und in ihre heimathlichen Drfer zurckkehrten.[137]


[_Die letzte Division der irischen Armee segelt von Cork nach Frankreich
ab._] Sarsfield bemerkte, da eine Hauptursache der Desertion, die seine
Armee lichtete, die sehr natrliche Ungeneigtheit der Leute war, ihre
Familien in Drftigkeit zurckzulassen. Cork und die Umgegend war mit
den Angehrigen der Fortgehenden angefllt. Eine groe Menge Frauen, von
denen viele ihre Kinder fhrten, trugen oder sugten, bedeckte alle
Zugnge zu dem Einschiffungsplatze. Der irische General, der den
Eindruck frchtete, den die Bitten und Klagen dieser armen Geschpfe
unfehlbar hervorbringen muten, erlie eine Proklamation, in der er
seinen Soldaten versicherte, da es ihnen erlaubt sein solle, ihre
Frauen und Familien nach Frankreich mitzunehmen. Es wre eine
Beleidigung fr das Andenken eines so tapferen und biederen Mannes,
wollte man annehmen, da er dieses Versprechen mit der Absicht gegeben
habe, es nicht zu halten. Viel wahrscheinlicher ist es, da er die
Anzahl Derer, welche die Ueberfahrt verlangen konnten, zu niedrig
anschlug, und da er sich auer Stande sah, sein Wort zu halten, als es
bereits zu spt war, andere Einrichtungen zu treffen. Nachdem die
Soldaten eingeschifft waren, fand man zwar noch Raum fr die Familien
Vieler; aber es blieben doch eine groe Menge am Lande zurck, welche
klglich baten, an Bord genommen zu werden. Als das letzte Boot abstie,
strzten sich Viele in die Brandung. Einige Weiber erfaten die Taue,
wurden in tiefes Wasser mit fortgezogen, lieen nicht los, bis ihre
Hnde zerschnitten waren, und kamen in den Wellen um. Die Schiffe
begannen sich in Bewegung zu setzen. Ein wildes, entsetzliches Geschrei
erscholl am Ufer und erregte ungewohntes Mitleid in Herzen, welche durch
Ha gegen den irischen Volksstamm und gegen den rmischen Glauben
gesthlt waren. Selbst der strenge Cromwellianer, jetzt endlich nach
einem dreijhrigen verzweifelten Kampfe der unbestrittene Herr der
blutgetrnkten und verwsteten Insel, konnte nicht ungerhrt den
Schmerzensschrei vernehmen, in welchem sich die ganze Wuth und der ganze
Kummer einer besiegten Nation aussprach.[138]

Die Segel verschwanden. Der abgezehrte und muthlose Schwarm Derer, die
ein hrterer Schlag als der Tod zu Wittwen und Waisen gemacht,
zerstreute sich, um sich durch ein verwstetes Land nach Hause zu
betteln oder niederzusinken und an der Strae vor Gram und Hunger zu
sterben. Die Verbannten gingen, um in fremden Feldlagern die Disciplin
zu lernen, ohne welche der natrliche Muth von geringem Werthe ist, und
um auf fernen Schlachtfeldern die Ehre wieder zu erkmpfen, welche
daheim durch eine lange Reihe von Niederlagen verloren worden war.


[_Zustand Irland's nach dem Kriege._] In Irland war Friede. Die
Herrschaft der Colonisten war unumschrnkt und die eingeborne
Bevlkerung zeigte die grauenvolle Ruhe der Erschpfung und der
Verzweiflung. Gewaltthtigkeiten, Rubereien, Brandstiftungen und
Mordthaten kamen wohl noch immer vor, aber mehr als ein Jahrhundert
verging ohne einen allgemeinen Aufstand. Whrend dieses Jahrhunderts
wurden in Grobritannien durch die Anhnger des Hauses Stuart zwei
Revolutionen angestiftet. Aber weder als der ltere Prtendent in Scone
gekrnt wurde, noch als der jngere in Holyrood sein Hoflager hielt,
wurde das Banner dieses Hauses in Connaught oder Munster aufgepflanzt.
Sogar im Jahre 1745, als die Hochlnder gegen London marschirten, waren
die Katholiken Irland's so ruhig, da der Viceknig ohne die mindeste
Gefahr mehrere Regimenter zur Verstrkung der Armee des Herzogs von
Cumberland ber den St. Georgskanal senden konnte. Diese Unterwrfigkeit
war jedoch nicht eine Folge der Zufriedenheit, sondern lediglich der
Bestrzung und Entmuthigung. Der Stahl war tief ins Herz gedrungen. Die
Erinnerung an vergangene Niederlagen, die Gewohnheit, alltglich
Insulten und Bedrckungen zu ertragen, hatten den Muth der unglcklichen
Nation gebrochen. Es gab zwar noch irische Katholiken von groer
Befhigung, Energie und Ehrgeiz; aber sie waren berall, nur nicht in
Irland zu finden: in Versailles und in St. Ildefonso, in den Armeen
Friedrich's und in den Armeen Maria Theresia's. Einer der Verbannten
wurde Marschall von Frankreich. Ein Andrer wurde Premierminister von
Spanien. Wre er in seinem Vaterlande geblieben, so wrden sich alle die
unwissenden und unbedeutenden Squires, welche auf das Gedchtni der
glorreichen und denkwrdigen Zeit tranken, ihn als tief unter sich
stehend betrachtet haben. In seinem Palaste zu Madrid hatte er das
Vergngen, den Gesandten Georg'sII. sich eifrig um seine Gunst bewerben
zu sehen und dem Gesandten Georg'sIII. in stolzen Ausdrcken Trotz
bieten zu knnen.[139] Ueber ganz Europa fand man tapfere irische
Generle, gewandte irische Diplomaten, irische Grafen, irische Barone,
irische Ritter des St. Ludwigs- und des St. Leopoldsordens, des weien
Adlers und des goldenen Vliees zerstreut, die, wenn sie im Hause der
Knechtschaft geblieben wren, kaum Fhndriche in Infanterieregimentern
oder Brger kleiner Corporationen htten werden knnen. Nachdem diese
Mnner, die natrlichen Oberhupter ihres Stammes, entfernt worden,
waren die noch Zurckgebliebenen gnzlich hlflos und passiv. Eine
Erhebung des irischen Elements gegen das englische war eben so wenig zu
befrchten, wie eine Erhebung der Frauen und Kinder gegen die
Mnner.[140]

Es gab zwar damals heftige Streitigkeiten zwischen dem Mutterlande und
der Colonie; aber fr diese Streitigkeiten interessirte sich die
eingeborne Bevlkerung eben so wenig wie die rothen Indianer fr den
Streit zwischen Altengland und Neuengland ber das Stempelgesetz. Die
herrschende Minderheit, selbst wenn in Aufruhr gegen die Regierung,
kannte keine Gnade fr etwas das wie Aufruhr seitens der unterworfenen
Mehrheit aussah. Keiner von den rmischen Patrioten, welche Julius Csar
ermordeten, weil er nach dem Knigstitel strebte, wrde das geringste
Bedenken getragen haben, eine ganze Gladiatorenschule zu kreuzigen, die
es versucht htte, sich der abscheulichsten und schimpflichsten
Knechtschaft zu entziehen. Keiner der virginischen Patrioten, welche
ihre Lostrennung vom britischen Reiche damit rechtfertigten, da sie es
fr eine selbstverstndliche Wahrheit erklrten, da der Schpfer allen
Menschen ein unveruerliches Recht auf die Freiheit gegeben habe, wrde
das mindeste Bedenken getragen haben, einen Negersklaven
niederzuschieen, der auf dieses unveruerliche Recht Anspruch gemacht
htte. Ebenso waren die protestantischen Herren von Irland, whrend sie
sich prahlerisch zu den politischen Doctrinen Locke's und Sidney's
bekannten, der Meinung, da ein Volk, das celtisch sprach und die Messe
hrte, in diesen Lehren nicht mit inbegriffen sei. Molyneux zog die
Suprematie der englischen Legislatur in Zweifel. Swift griff mit den
schrfsten Waffen des Spottes und Hohnes jeden Theil des
Regierungssystems an. Lucas beunruhigte die Verwaltung Lord
Harrington's. Boyle strzte die Verwaltung des Herzogs von Dorset. Aber
weder Molyneux noch Swift, weder Lucas noch Boyle dachten jemals daran,
an die eingeborne Bevlkerung zu appelliren. Sie wrden eben so leicht
daran gedacht haben, an die Schweine zu appelliren.[141] Zu einer
spteren Zeit stachelte Heinrich Flood die dominirende Klasse auf, eine
Parlamentsreform zu verlangen und zur Erlangung dieser Reform selbst
revolutionre Mittel anzuwenden. Aber weder er noch Diejenigen, die ihn
als ihren Fhrer betrachteten und auf sein Gehei bis dicht an den Rand
des Hochverraths gingen, wollten der unterworfenen Klasse auch nur den
kleinsten Antheil an der politischen Macht einrumen. Der tugendhafte
und gebildete Charlemont, ein Whig unter den Whigs, verbrachte ein
langes Leben im Kampfe fr das was er die Freiheit seines Vaterlandes
nannte. Aber er stimmte gegen das Gesetz, welches katholischen
Grundbesitzern das Wahlrecht verlieh, und er starb mit der feststehenden
Meinung, da das Parlamentshaus von katholischen Mitgliedern rein
gehalten werden msse. In der That, whrend des auf die Revolution
folgenden Jahrhunderts stand die Geneigtheit eines englischen
Protestanten, das irische Element mit Fen zu treten, gewhnlich im
Verhltni zu dem Eifer, den er fr die politische Freiheit an sich zur
Schau trug. Wenn er ein einziges Wort des Mitleids mit der durch die
Minderheit unterdrckten Mehrheit uerte, konnte er dreist ein bigotter
Tory und Hochkirchlicher genannt werden.[142]

Whrend dieser ganzen Zeit gohr ein durch die Furcht niedergehaltener
Ha in der Brust der Kinder des Bodens. Sie waren noch das nmliche
Volk, das 1641 auf den Ruf O'Neill's und 1689 auf den Ruf Tyrconnel's zu
den Waffen geeilt war. Fr sie war jedes vom Staate angeordnete Fest ein
Tag der Trauer, jede vom Staate errichtete ffentliche Trophe ein
Denkmal der Schande. Wir haben die Gefhle einer Nation, welche dazu
verurtheilt ist, bestndig auf allen ihren ffentlichen Pltzen die
Denkmler ihrer Unterjochung zu sehen, nie gekannt und knnen uns mit
einen schwachen Begriff davon machen. Auf solche Monumente traf das Auge
der irischen Katholiken allenthalben. Vor dem Senatshause ihres Landes
sahen sie das Standbild ihres Besiegers. Wenn sie eintraten, sahen sie
die Wnde mit den Niederlagen ihrer Vter bedeckt. Endlich, nach hundert
Jahren der Knechtschaft, die ohne einen energischen oder einmthigen
Befreiungskampf ertragen worden waren, weckte die franzsische
Revolution eine wilde Hoffnung im Busen der Bedrckten. Mnner, welche
alle Prtensionen und alle Leidenschaften des Parlaments geerbt, das
Jakob in den King's Inns gehalten hatte, konnten nicht ohne innere
Bewegung von dem Sturze einer reichen Staatskirche, von der Flucht eines
glnzenden Adels, von der Confiscation eines ungeheuren Lndergebiets
hren. Alte Antipathien, welche nie geschlummert hatten, wurden durch
die Combination von Anreizungen, die in jeder andren Gesellschaft
einander entgegengewirkt haben wrden, zu neuer und furchtbarer Energie
entflammt. Der Geist des Papismus und der Geist des Jakobitismus,
berall anderwrts unvershnliche Gegner, waren fr diesmal zu einer
unnatrlichen und entsetzlichen Einigkeit verbunden. Ihr vereinter
Einflu rief die dritte und letzte Erhebung der eingebornen Bevlkerung
gegen die Colonie hervor. Die Urenkel der Soldaten Galmoy's und
Sarsfield's standen den Urenkeln der Soldaten Wolseley's und
Mitchelburn's gegenber. Wieder schaute der Celte ungeduldig nach den
Segeln aus, die ihm von Brest Hlfe bringen sollten, und wieder hatte
der Sachse die Gesammtmacht England's zur Sttze. Der Sieg blieb
abermals der gebildeten und wohlorganisirten Minderzahl.
Glcklicherweise aber fand das besiegte Volk diesmal auf einer Seite
Schutz, von wo es frher nichts als unvershnliche Hrte zu erwarten
gehabt htte. Die Philosophie des 18.Jahrhunderts hatte zu dieser Zeit
den englischen Whiggismus von dem tiefwurzelnden Fehler der Intoleranz
gereinigt, den derselbe whrend einer langen und innigen Verbindung mit
dem Puritanismus des 17.Jahrhunderts angenommen. Aufgeklrte Mnner
hatten angefangen einzusehen, da die Argumente, durch welche Milton und
Locke, Tillotson und Burnet die Rechte der Ueberzeugung vertheidigt
hatten, mit nicht geringerem Gewicht zu Gunsten der Katholiken, wie zu
Gunsten der Independenten oder der Baptisten geltend gemacht werden
konnten. Die groe Partei, deren Entstehung durch die Exclusionisten
hindurch bis zu den Rundkpfen zurckgeht, verlangte noch dreiig Jahre
lang trotz kniglichen Unwillens und Volksgeschreis fr diejenigen
irischen Papisten, welche die Rundkpfe und die Exclusionisten nur als
Jagdwild oder als Lastvieh betrachtet hatten, einen Antheil am Genusse
aller Wohlthaten unsrer freien Verfassung. Doch es bleibt einem andren
Geschichtsschreiber vorbehalten, die Wechselflle dieses groen Kampfes
und den endlichen Sieg der Vernunft und Humanitt zu erzhlen. Leider
wird dieser Geschichtsschreiber auch zu berichten haben, da dem durch
solche Anstrengungen und solche Opfer errungenen Siege alsbald
Enttuschung folgte, da es sich als viel schwerer erwies, bse
Leidenschaften auszurotten als schlechte Gesetze abzuschaffen, und da
noch lange nachdem jede Spur von nationalem und religisem Hasse aus dem
Gesetzbuche verwischt war, nationaler und religiser Ha in der Brust
von Millionen fortwucherte. Mge er auch berichten knnen, da Weisheit,
Gerechtigkeit und Zeit allmlig in Irland das bewirkten, was sie in
Schottland bewirkt hatten, und da alle Stmme, welche die britischen
Inseln bewohnen, endlich unauflsbar zu einem Volke verschmolzen!


Funoten

[1] +Relation de la Voyage de Sa Majest Britannique en Hollande,
enrichie de planches trs curieuses, 1692; Wagenaar; London Gazette,
Jan. 29. 1690/91; Burnet II. 71.+

[2] Die Namen dieser beiden groen Gelehrten werden in einem sehr
interessanten Briefe von Bentley an Grvius vom 29.April 1698 neben
einander gestellt. +Sciunt omnes qui me norunt, et si vitam mihi
Deus O. M. prorogaverit, scient etiam posteri, ut te et $thon phany$
Spanhemium, geminos hujus aevi Dioscuros, lucida literarum sidera,
semper praedicaverim, semper veneratus sim.+

[3] +Relation de la Voyage de S. M. Britannique en Hollande, 1692;
London Gazette, Febr. 2. 1690/91; Le Triomphe Royal, o l'on voit
descrits les Arcs de Triomphe, Pyramides, Tableaux et Devises au Nombre
de 65, erigez  la Haye  l'honneur de Guillaume Trois, 1692; Le
Carneval de la Haye, 1691.+ Letztere Schrift ist ein heftiges Pasquill
gegen Wilhelm.

[4] +London Gazette, Febr. 5. 1690/91; His Majesty's Speech to the
Assembly of the States General of the United Provinces at the Hague,
the 7th of February N. S., together with the Answer of their High and
Mighty Lordships, as both are extracted out of the Register of the
Resolutions of the States General, 1691.+

[5] +Relation de la Voyage de S. M. Britannique en Hollande; Burnet II.
72; London Gazette, Febr. 12, 19, 23. 1690/91; Mmoires du Comte de
Dohna; William Fuller's Memoirs.+

[6] Wagenaar 42; +Le Carneval de la Haye, Mars 1691; Le Tabouret des
Electeurs, April 1691; Crmonial de ce qui s'est pass  la Haye entre
le Roi Guillaume et les Electeurs de Bavire et de Brandebourg.+ Diese
letztere Abhandlung ist ein Manuscript, das GeorgIV. dem Britischen
Museum schenkte.

[7] London Gazette vom 23.Febr. 1690/91.

[8] Der geheime Artikel, durch den der Herzog von Savoyen sich
verpflichtete, den Waldensern Duldung zu gewhren, findet sich in
Dumont's Sammlung. Er wurde unterzeichnet am 8.Febr. 1691.

[9] London Gazette vom 26.Mrz bis 13.April 1691; Monthly Mercury
vom Mrz und April; Wilhelm's Briefe an Heinsius vom 18. und 29.Mrz
und 7. und 9.April; Dangeau's Memoiren; +The Siege of Mons+, eine
Tragikomdie 1691. In diesem Drama berreden die Geistlichen, welche im
franzsischen Interesse handeln, die Brger zur Uebergabe der Stadt.
Dieser Verrath ruft die Aeuerung des Unwillens hervor:

  O, Priesterthum, o Krmerstand, wie schwchet ihr
  Der Menschen Muth!

[10] Preston's Proze in der +Collection of State Trials+. Ein
Anwesender spricht sich folgendermaen ber Somers' Erffnungsrede aus:
In der die Untersuchung erffnenden Rede sah man weder absichtliche
Uebertreibungen noch ein Prahlen mit gemeinen Beredtsamkeitsfloskeln,
wie man sie in frheren Prozessen, dem Geschnatter von Gnsen hnlich,
findet. Man hrte nichts als einfache Facta oder daraus hervorgehende
natrliche und treffende Bemerkungen. Die Flugschrift, aus der ich
diese Worte anfhre, ist betitelt: +An Account of the late horrid
Conspiracy by a Person who was present at the Trials, 1691.+

[11] +State Trials.+

[12] +Paper delivered by Mr. Ashton, at his execution, to Sir Francis
Child, Sheriff of London; Answer to the Paper delivered by Mr. Ashton.+
Die Antwort war von Dr. Eduard Fowler, nachmaligem Bischof von
Gloucester, geschrieben. Burnet II. 70; Brief vom Bischof Lloyd an
Dodwell im zweiten Bande von Gutch's +Collectanea Curiosa+.

[13] +Narcissus Luttrell's Diary.+

[14] +Narcissus Luttrell's Diary; Burnet II. 71.+

[15] Brief von Collier und Cook an Sancroft unter den Tanner'schen
Manuscripten.

[16] Caermarthen an Wilhelm, 3.Febr. 1690/91; +Life of James, II. 443.+

[17] Da diese Darstellung im Wesentlichen auf Wahrheit beruht, wird
genugsam bewiesen durch S. 443 des 2. Theiles der Lebensbeschreibung
Jakob's. Einige geringfgige Umstnde habe ich auch Dalrymple entlehnt,
der sie meines Wissens aus jetzt unwiederbringlich verlorenen Papieren
genommen, welche er im Schottischen Collegium zu Paris gesehen hatte.

[18] Der Erfolg von Wilhelm's anscheinender Milde wird von dem
Herausgeber der Lebensbeschreibung Jakob's zugegeben. Die Methode des
Prinzen von Oranien, heit es darin, hatte so guten Erfolg, da die
von Penn genannten Lords, welches auch damals ihre Gesinnungen gewesen
sein mochten, sich nachmals thatschlich als bittere Feinde der Sache
Sr. Majestt erwiesen. -- II. 443.

[19] Siehe sein Tagebuch; Evelyn's Tagebuch unterm 25.Mrz, 22.April
und 11.Juli 1691; Burnet II. 71; Briefe von Rochester an Burnet vom
21.Mrz und 2.April 1691.

[20] +Life of James, II. 443, 450; Legge Papers+ in der
Mackintosh-Sammlung.

[21] Burnet II. 71; Evelyn's Tagebuch, 4. und 18.Jan. 1690/91; Brief
von Turner an Sancroft, 19.Jan. 1690/91; Brief von Sancroft an Lloyd
von Norwich, 2.April 1692. Diese beiden Briefe befinden sich unter
den Tanner'schen Manuscripten in der Bodlejanischen Bibliothek und
sind in +Life of Ken, by a Layman+ abgedruckt. Turner's Entkommen nach
Frankreich wird in Narcissus Luttrell's Tagebuch, Februar 1690 erwhnt.
Siehe auch +A Dialogue between the Bishop of Ely and his Conscience,
16th February 1690/91+. Das Gesprch wird durch Trompetenste
unterbrochen. Der Bischof hrt sich zum Verrther proklamiren und ruft
aus:

  Komm, Bruder Penn, 's ist Zeit, da wir nun gehn.

[22] Bezglich einer Probe seiner Visionen siehe sein Tagebuch, Seite
13; ber sein Teufelaustreiben Seite 26. Ich fhre die Folioausgabe von
1765 an.

[23] Tagebuch, Seite 4.

[24] Tagebuch, Seite 7.

[25] Was sie wissen, das wissen sie von Natur, die sich von dem
Gebete abwenden und von dem Geiste abirren, deren Frucht verdorrt,
die da sagen, da Hebrisch, Griechisch und Latein die Ursprachen
seien; bevor Babel war, hatte die Erde nur eine Sprache; und Nimrod
der kluge Jger vor dem Herrn, der aus Ham's verfluchtem Geschlecht
abstammte, der Urheber und Erbauer von Babel, das Gott durch viele
Sprachen vernichtete, und dies sagen sie, die von dem Geiste und
Gebote abirrten, sei der Urtext, und Pilatus hatte sein ursprngliches
Hebrisch, Griechisch und Latein, der Christum kreuzigte and machte ihm
eine Zuschrift daraus. +A message from the Lord to the Parliament of
England, by G. Fox, 1654+. Dieselbe Argumentation findet sich in seinem
Tagebuche, nur ist sie dort durch den Herausgeber in etwas besseres
Englisch bersetzt worden. Glaubst Du Diener Christi zu machen durch
diese natrlichen verworrenen Sprachen, die aus Babel hervorgingen,
in Babylon bewundert werden und von einem Verfolger ber Christi, des
Lebens, Haupt gesetzt wurden? Seite 64.

[26] Sein Tagebuch wurde, bevor es erschien, noch einmal durch Mnner
von mehr Verstand und Kenntnissen als er selbst besa, revidirt und
giebt uns daher bei aller seiner Absurditt noch keinen Begriff von
seinem echten Style. Nachstehendes ist eine gute Probe. Es ist die
Einleitung zu einem seiner Manifeste. Sie, welche die Welt, die
ohne Gottesfurcht ist, spttischerweise Quker nennt, leugnen alle
Meinungen, sie leugnen alle Ueberzeugungen, sie leugnen alle Secten
und leugnen alle Ideen und Begriffe und Urtheile, die aus dem Willen
und dem Gedanken entspringen, und sie leugnen die Zauberei und alle
Eide und die Welt und ihre Werke, und ihren Gottesdienst und ihre
Gebruche mit dem Licht, und sie leugnen falsche Wege und falsche
Gottesverehrung, die Verfhrer und Betrger, wie man sie jetzt sieht in
der Welt mit dem Licht, und mit ihm sind sie verurtheilt, welches Licht
fhret zum Frieden und vom Tode zum Leben, was jetzt Tausende bezeugen
dem neuen Lehrer Christus, ihm, durch den die Welt gemacht wurde, der
regiert unter den Kindern des Lichts, und mit dem Geist und der Macht
des lebendigen Gottes sie sehen und unterscheiden lt die Spreu von
dem Weizen und sieht den, der geschttelt werden mu, neben dem, der
nicht geschttelt noch bewegt werden kann, woraus zu sehen ist, welcher
geschttelt und bewegt ist; so werden Die, welche in den Begriffen,
Meinungen, Ideen, Gedanken und Vorstellungen leben, geschttelt und
kommen auf einen Haufen, whrend Die, welche diese vorerwhnten Dinge
geschttelt und bewegt sehen, in Frieden wandeln, nicht gesehen und
erkannt von Denen, welche in diesen Dingen ungeschttelt und unbewegt
wandeln. -- +A Warning to the World that are Groping in the Dark, by
G. Fox, 1655.+

[27] Siehe die Schrift betitelt: +Concerning Good morrow and Good even,
the World's Customs, but by the Light which into the World is come by
it made manifest to all who be in the Darkness, by G. Fox, 1657.+

[28] Tagebuch, Seite 166.

[29] Epistel aus Harlingen vom 11. des 6. Monats 1677.

[30] +Of Bowings, by G. Fox, 1657.+

[31] Siehe zum Beispiel das Tagebuch, Seite 24, 26 und 51.

[32] Siehe z. B. die Epistel an Sawkey, einen Friedensrichter, im
Tagebuche Seite 86; die Epistel an Wilhelm Lampitt, einen Geistlichen,
welche beginnt: Das Wort des Herrn Dir, o Lampitt, Seite80, und die
Epistel an einem andren Geistlichen, den er Priester Tatham nennt,
Seite 92.

[33] Tagebuch, Seite 55.

[34] +Ibid+. Seite 300.

[35] +Ibid+. Seite 323.

[36] +Ibid+. Seite 48.

[37] Besonders neuerdings, sagt Leslie, der entschiedenste Gegner der
Secte, haben sich einige von ihnen dem Christenthum mehr genhert,
als je zuvor, und unter ihnen hat der geistreiche Mr. Penn seit kurzem
einige ihrer albernsten Ansichten verbessert und sie in eine gewisse
Form gebracht, so das wenigstens Verstand und Englisch aus ihnen
spricht, von welchen beiden Dingen Georg Fox, ihr erster und grter
Apostel, ganz und gar nichts wute.... Sie thun Alles was sie knnen,
um ihrer Lehre den Anschein zu geben, als wre sie sich von Anfang
an gleich geblieben und htte durchaus keine Aenderung erfahren, und
deshalb nehmen sie es auf sich, alle Schriften Georg Fox' so wie
andrer der ersten Quker zu vertheidigen, und drehen und winden sich,
dieselben (was unmglich ist) mit dem was sie jetzt lehren, in Einklang
zu bringen. (+The Snake in the Grass+, 3.Ausgabe, 1698. Einleitung.)
Leslie war jederzeit artiger gegen seinen jakobitischen Collegen Penn
wie gegen irgend einen andren Quker. Penn selbst sagt von seinem
Meister: So abgerissen und zerstckelt seine Sentenzen ber gttliche
Dinge zuweilen von ihm kommen, so ist es doch wohl bekannt, da sie
oft vielen besseren Erklrungen als Themata dienten. Das heit mit
anderen Worten: Georg Fox schwatzte Unsinn, und einige seiner Freunde
umschrieben diesen Unsinn, so da er verstndlich wurde.

[38] In Penn's Biographie, die seinen Werken vorgedruckt ist, wird uns
erzhlt, da die Verhaftsbefehle am 16.Januar 1690/91 in Folge einer
Anklage erlassen wurden, die sich auf die eidliche Angabe Wilhelm
Fuller's sttzte, der mit Recht ein Lump, ein Lgner und ein Betrger
genannt wird, und Mr. Clarkson wiederholt diese Geschichte. Sie ist
jedoch sicherlich falsch. Caermarthen sagt in einem Briefe an Wilhelm
vom 3.Februar, man habe damals nur einen Zeugen gegen Penn gehabt, und
dieser eine Zeuge sei Preston gewesen. Es liegt demnach auf der Hand,
da Fuller nicht der Angeber war, auf dessen eidliche Aussage hin der
Verhaftsbefehl gegen Penn erlassen wurde. Aus Fuller's Selbstbiographie
geht in der That hervor, das er damals im Haag war. Als Nottingham am
26.Juni an Wilhelm schrieb, war ein zweiter Zeuge aufgetreten.

[39] Sidney an Wilhelm, 27.Febr. 1690/91. Der Brief befindet sich in
Dalrymple's Anhang, Theil II. Buch 6. Narcissus Luttrell erwhnt in
seinem Tagebuche vom September 1691 Penn's Entkommen von Shoreham nach
Frankreich. Unterm 5.December 1693 schreibt Narcissus: Wilhelm Penn
der Quker tritt jetzt, nachdem er sich einige Zeit verborgen gehalten
und das gegen ihn Vorliegende ausgeglichen hat, wieder ffentlich auf
und hielt vergangenen Freitag im Bull and Mouth in St.Martin's
einen Vortrag. Am 18.(28.) December 1693 wurde in Saint-Germains
unter Melfort's Leitung eine Schrift aufgesetzt, die eine Stelle
enthlt, welche in der Uebersetzung lautet: Mr.Penn sagt, da Eure
Majestt schon mehrere Gelegenheiten gehabt hat, aber noch nie eine
so gnstige als die gegenwrtige, und er hofft, da Eure Majestt
ernstlich in den Allerchristlichsten Knig dringen wird, sie nicht zu
versumen; da eine Landung mit dreiigtausend Mann nicht nur Eure
Majestt wieder retabliren, sondern aller Wahrscheinlichkeit nach
auch die Ligue auflsen wrde. Diese Schrift befindet sich unter den
Nairne-Manuscripten und wurde von Macpherson bersetzt.

[40] +Narcissus Luttrell's Diary, April 11. 1691.+

[41] +Narcissus Luttrell's Diary, August 1691;+ Brief von Vernon an
Wharton vom 17.Oct. 1691 in der Bodlejanischen Bibliothek.

[42] Die Meinung der Jakobiten geht aus einem Briefe hervor, der sich
in den Archiven des franzsischen Kriegsministeriums befindet. Derselbe
wurde am 25.Juni 1691 in London geschrieben.

[43] +Welwood's Mercurius Reformatus, April 11., 24., 1691; Narcissus
Luttrell's Diary, April 1691;+ L'Hermitage an die Generalstaaten,
19.(29.)Juni 1696; +Calamy's Life+. Die Geschichte von Fenwick's
Rohheit Marien gegenber wird verschieden erzhlt. Ich habe mich an die
mir am glaubwrdigsten scheinende und gewi mindest entehrende Version
gehalten.

[44] Burnet II. 71.

[45] Lloyd an Sancroft, 24.Jan. 1691. Der Brief befindet sich unter
den Tanner-Manuscripten und ist im +Life of Ken by a Layman+ abgedruckt.

[46] London Gazette vom 1.Juni 1691; +Birch's Life of Tillotson;
Congratulatory Poem to the Reverend Dr. Tillotson on his Promotion,
1691;+ Vernon an Wharton, 28. und 30.Mai 1691. Diese Briefe an Wharton
befinden sich in der Bodlejanischen Bibliothek und gehren zu einer
hchst interessanten Sammlung, auf welche Dr. Bandinel so freundlich
war mich aufmerksam zu machen.

[47] +Birch's Life of Tillotson; Leslie's Charge of Socinianism against
Dr. Tillotson considered, by a True Son of the Church, 1695; Hickes's
Discourses upon Dr. Burnet and Dr. Tillotson, 1695; Catalogue of Books
of the Newest Fashion to be Sold by Auction at the Whig's Coffee
House,+ augenscheinlich 1693 gedruckt. Mehr als sechzig Jahre spter
spricht Johnson von einem starren Jakobiten, der fest berzeugt gewesen
war, da Tillotson als Atheist gestorben sei; +Idler, Nr. 10.+

[48] Tillotson an Lady Russell, 23.Juni 1691.

[49] +Birch's Life of Tillotson; Memorials of Tillotson, by his pupil
John Beardmore;+ Sherlock's Predigt, beim Tode der Knigin Marie
1694/95 in der Tempel-Kirche gehalten.

[50] +Wharton's Collectanea+, angefhrt in +Birch's Life of Tillotson+.

[51] +Wharton's Collectanea+, angefhrt in +D'Oyly's Life of Sancroft;
Narcissus Luttrell's Diary.+

[52] Das Lambeth-Mspt., angefhrt in +D'Oyly's Life of Sancroft;
Narcissus Luttrell's Diary;+ Vernon an Wharton, 9., 11.Juni 1691.

[53] Siehe einen Brief von R. Nelson, vom 21.Febr. 1709/10 im Anhange
zu +N. Marshall's Defence of our Constitution in Church and State,
1717; Hawkin's Life of Ken; Life of Ken, by a Layman.+

[54] Siehe eine von ihm am 15.Nov. 1693 dictirte Abhandlung in
Wagstaffe's Brief aus Suffolk.

[55] +Kettlewells' Life, III. 59.+

[56] Siehe +D'Oyly's Life of Sancroft, Hallam's Constitutional History+
und +Dr. Lathbury's History of the Nonjurors+.

[57] Siehe die Selbstbiographie seines Nachkommen und Namensvetters des
Schauspieldichters. Auerdem Onslow's Note zu Burnet II. 76.

[58] +A Vindication of Their Majesties Authority to fill the
Sees of the deprived Bishops, May 20. 1691;+ London Gazette vom
27.April und 15.Juni 1691; +Narcissus Luttrell's Diary, May
1691+. Unter den Tanner-Manuscripten befinden sich zwei Briefe von
Jakobiten an Beveridge, der eine mild und anstndig, der andre
an Rcksichtslosigkeit die gewhnliche Rcksichtslosigkeit der
Eidverweigerer noch bertreffend. Ersteren kann man im +Life of Ken, by
a Layman+ nachlesen.

[59] Es ist nicht ganz klar, ob Sharp's Skrupel wegen der abgesetzten
Prlaten ein Gewissensskrupel oder nur ein Zartgefhlsskrupel war.
Siehe seine Biographie von seinem Sohne.

[60] Siehe Overall's +Convocation Book+, Kap. 28. Nichts kann klarer
und schlagender sein als seine Sprache:

Wenn, nachdem sie ihre unheiligen Wnsche erreicht, seien es
ehrgeizige Knige durch Unterwerfung eines Landes, oder unloyale
Unterthanen durch rebellische Erhebung gegen ihre natrlichen
Landesherren, sie eine der besagten entarteten Regierungen unter
ihrem Volke errichtet haben, so ist die entweder so unrechtmig
errichtete, oder dem wahren und rechtmigen Besitzer gewaltsam
entrissene Autoritt, da sie immerhin Gottes Autoritt ist und durch
die Schlechtigkeit Derer, die sie besitzen, nicht beeintrchtigt wird,
jederzeit in Ehren zu halten und ihm zu gehorchen, sobald solche
Aenderungen sich vollstndig befestigt haben, und die Leute aller Art,
vom geistlichen wie vom Laienstande, mssen ihr unterthan sein, nicht
allein aus Furcht, sondern auch aus Gewissenspflicht.

Dann folgt die Regel:

Wenn Jemand behaupten wollte, da, wenn eine solche neue
Regierungsform, die mit einem Aufstande begonnen, sich nachmals
vollkommen befestigt hat, die ihnen innewohnende Autoritt nicht von
Gott stamme, oder da irgend Jemand, der auf dem Gebiete einer solchen
Regierung wohnt, nicht verbunden sei, sich der Autoritt Gottes, welche
daselbst ausgebt wird, zu unterwerfen, sondern sich gegen dieselbe
auflehnen drfe, der wrde sehr irren.

[61] Eine Aufzhlung aller der Schriften, die ich ber Sherlock's
Apostasie gelesen habe, wurde den Leser ermden. Ich will einige
von verschiedenem Character anfhren. +Parkinson's Examination of
D.Sherlock's Case of Allegiance, 1691; Answer to D. Sherlock's
Case of Allegiance, by a London Apprentice, 1691; The Reasons of
the New Convert's taking thie Oaths to the present Government,
1691; Utrum horum? or God's ways of disposing of Kingdoms, and some
Clergymen's ways of disposing of them, 1691; Sherlock and Xanthippe,
1691; Saint Paul's Triumph in his Sufferings for Christ, by Matthew
Bryan, L.L.D., dedicated Ecclesiae sub cruce gementi; A word to a
wavering Levite; The Trimming Court Divine; Proteus Ecclesiasticus, or
Observations on D. Sh--'s late Case of Allegiance; The Weasil Uncased;
A Whip for the Weasil; The Anti-Weasils.+ Zahlreiche Anspielungen auf
Sherlock und seine Gattin finden sich in den satyrischen Schriften Tom
Brown's, Tom Durfey's und Ned Ward's. Siehe +Life of James, II. 318.+
Mehrere interessante Briefe ber Sherlock's Apostasie befinden sich
unter den Tanner-Manuscripten. Ich will ein paar Proben von den Versen
anfhren, welche der +Case of Allegiance+ veranlate:

  Kaum hatte Eva den Apfel genossen,
  So eilte zum Gatten sie unverdrossen
  Und zupfte ihn lockend am Kinn.
  Mein Liebster, sprach sie, hier nimm den und koste
  Er wird Dir behagen, ich sag' Dir's zum Troste,
  Nichts Sndhaftes liegt fr Dich drin.

  Als Hiob traurig, geknickt, ohne Hemd,
  Den trbsel'gen Kopf auf die Hand gestemmt,
  Siech lag auf Moder und Schmutz;
  Da raunte sein Weib ihm leise ins Ohr:
  Liebst Du mich, wende zu Gott Dich empor,
  Vor Kummer bleibt ewig er Schutz.

  Er zweifelte erst, deshalb drang sein Gebet
  Zum Himmel als Frage, welchen Weg er wohl geht,
  Ob Jemmy oder William die Herrschaft zusteht,
  Was Niemand wohl leugnen kann.

  Der Vorgang am Boyne war entscheidender Grund
  Das Gott wich gttlichem Walten zur Stund;
  Seine Ansicht zu ndern giebt Schande nicht kund,
  Was Niemand wohl leugnen kann.

  Doch mit der Schrift hlt dies nimmermehr Stich;
  Im Achten und Vierten sagt Hoseah fr sich:
  Sie whlen sich Kn'ge, aber nicht durch mich,
  Was Niemand wohl leugnen kann.

[62] Die Hauptquelle fr diesen Theil meiner Geschichte ist das Leben
Jakob's, besonders die hchstwichtige und interessante Stelle des
zweiten Bandes, welche mit Seite 444 beginnt und auf Seite 450 endigt.

[63] Russell an Wilhelm, 10.Mai 1691, in Dalrymple's Anhang, Theil
+II+. Buch 7. Siehe auch die Memoiren von Sir John Leake.

[64] +Commons' Journals, March 21. 24. 1679; Grey's Debates;
Observator.+

[65] London Gazette vom 21.Juli 1690.

[66] +Life of James. II. 449.+

[67] +Shadwell's Volunteers.+

[68] Story's Fortsetzung; Proklamation vom 21.Febr. 1690/91; London
Gazette vom 12.Mrz.

[69] Story's Fortsetzung.

[70] Story's +Impartial History+; London Gazette vom 17.Nov. 1690.

[71] +Story's Impartial History+. Das Jahr 1684 war als eine
Zeit besonderer Blthe betrachtet worden und die Zolleinnahmen
waren ungewhnlich gro gewesen. Aber der Ertrag aus smmtlichen
Hfen Irland's whrend des ganzen Jahres belief sich auf nur
hundertsiebenundzwanzigtausend Pfund. Siehe Clarendon's Memoiren.

[72] Story's Geschichte und Fortsetzung; London Gazette vom 29.Sept.
1690 und vom 8.Jan. und 12.Mrz 1690/91.

[73] Siehe die Protokolle der Lords vom 2. und 7.Mrz 1692/93 und die
der Gemeinen vom 16.Dec. 1693 und 29.Jan. 1693/94. Die Geschichte,
die im besten Falle schlimm genug ist, wurde von den persnlichen und
politischen Feinden der Lords Justices mit Zustzen erzhlt, welche
das Haus der Gemeinen augenscheinlich als verleumderisch betrachtete,
wofr ich sie auch wirklich halte. Siehe den +Gallienus Redivivus+. Die
Erzhlung, welche Oberst Robert Fitzgerald, ein Mitglied des Geheimen
Raths und Augenzeuge, unter eidlicher Erhrtung dem Hause der Lords
schriftlich einreichte, scheint mir vollkommen glaubwrdig. Es ist
sonderbar, da Story, obgleich er die Ermordung der Soldaten erwhnt,
nichts von Gafney sagt.

[74] +Burnet II. 66; Leslie's Answer to King.+

[75] +Macariae Excidium;+ Fumeron an Louvois vom 31.Jan. (10.Febr.)
1691. Es mu bemerkt werden, da Kelly, der Verfasser des +Macariae
Excidium+, und Fumeron, der franzsische Intendant, durchaus
unverwerfliche Zeugen sind. Sie befanden sich damals beide innerhalb
der Mauern von Limerick. Man hat keinen Grund, die Unparteilichkeit
des Franzosen zu bezweifeln, und der Irlnder war fr seine Landsleute
eingenommen.

[76] +Story's Impartial History+ und Fortsetzung, und die London
Gazette vom December, Januar, Februar und Mrz 1690/91.

[77] Es ist auffallend, da Avaux, der doch ein sehr scharfsichtiger
Menschenkenner war, Berwick bedeutend unterschtzte. In einem Briefe an
Louvois von 15.(25.) Oct. 1689 sagt er: +Je ne puis m'empescher de
vous dire qu'il est brave de sa personne,  ce que l'on dit, mais que
c'est un aussy mechant officier qu'il en ayt, et qu'il n'a pas le sens
commun.+

[78] +Leslie's Answer to King; Macariae Excidium.+

[79] +Macariae Excidium.+

[80] +Macariae Excidium; Life of James, II. 422; Mmoires de Berwick.+

[81] +Macariae Excidium.+

[82] +Macariae Excidium; Mmoires de Berwick.+

[83] +Life of James, II. 433, 451.;+ Story's Fortsetzung.

[84] +Life of James, II. 438; Light to the Blind;+ Fumeron an Louvois,
22.April (2.Mai) 1691.

[85] +Macariae Excidium; Mmoires de Berwick; Life of James, II. 451,
452.+

[86] +Macariae Excidium;+ Burnet II. 78; Dangeau; +The Mercurius
Reformatus, June 5. 1691.+

[87] +An exact Journal of the victorious progress of their Majesties
forces under the command of General Ginckle this summer in Ireland,
1691;+ Story's Fortsetzung; Mackay's Memoiren.

[88] London Gazette vom 18. und 22.Juni 1691; Story's Fortsetzung;
+Life of James, II. 452+. Der Verfasser des letztgenannten Werks
beschuldigt den Gouverneur der Verrtherei oder Feigheit.

[89] London Gazette von 22. und 25.Juni und 2.Juli 1691; Story's
Fortsetzung; +Exact Journal+.

[90] +Life of James, II. 373, 376, 377.+

[91] +Macariae Excidium.+ Ich mu bemerken, da dies eine von den
vielen Stellen ist, die mich bestimmen, den lateinischen Text fr den
Urtext zu halten. Im Lateinischen heit es: +Oppidum ad Salaminium
amnis latus recentibus ac sumptuosioribus aedificiis attollebatur;
antiquius et ipsa vetustate incultius quod in Paphiis finibus
exstructum erat.+ Die englische Version lautet: Die Stadt auf der
Seite von Salaminia war besser gebaut als auf der von Paphia. Im
Lateinischen findet man gewi die Specialitten, die wir von einer
Person erwarten drfen, welche Athlone vor dem Kriege gekannt hatte.
Die englische Version ist erbrmlich. Ich brauche wohl kaum zu sagen,
da die paphische Seite Connaught, die salaminische Leinster ist.

[92] Ich habe mehrere gleichzeitige Plne von Athlone zu Rathe gezogen.
Einen findet man in Story's Fortsetzung.

[93] +Diary of the Siege of Athlone, by an Engineer of the Army, a
Witness of the Action, licensed July 11. 1691;+ Story's Fortsetzung;
London Gazette vom 2.Juli 1691; Fumeron an Louvois, 28.Juni (8.Juli)
1691. Die Erzhlung dieses Angriffs im +Life of JamesII. 453+ ist
ein alberner Roman. Sie scheint nicht den Originalmemoiren des Knigs
entnommen zu sein.

[94] +Macariae Excidium.+ Hier glaube ich abermals einen deutlichen
Beweis dafr zu erblicken, da die englische Version dieses
interessanten Werks nur eine schlechte Uebersetzung aus dem
Lateinischen ist. Der englische Text sagt blos: Lysander (Sarsfield)
beschuldigte ihn einige Tage frher in Gegenwart des Generals, ohne
anzugeben, worin die Beschuldigung bestand. Das lateinische Original
aber lautet: +Acriter Lysander, paucos ante dies, coram praefecto
copiarum illi exprobraverat nescio quid, quod in aula Syriaca in
Cypriorum opprobrium effutivisse dicebatur.+ Der englische Uebersetzer
hat durch Weglassung der wichtigsten Worte und durch Anwendung
des Imperfectums anstatt des Plusquamperfectums die ganze Stelle
bedeutungslos gemacht.

[95] Story's Fortsetzung; +Macariae Excidium;+ Daniel Macneal an Sir
Arthur Rawdon vom 28.Juni 1691 in den +Rawdon Papers+.

[96] London Gazette vom 6.Juli 1601; Story's Fortsetzung; +Macariae
Excidium; Light to the Blind.+

[97] +Macariae Excidium; Light to the Blind.+

[98] +Life of James, II. 460; Life of William, 1702.+

[99] Story's Fortsetzung; Mackay's Memoiren; +Exact Journal; Diary of
the Siege of Athlone.+

[100] Story's Fortsetzung; +Macariae Excidium+; Burnet, II. 78, 79;
London Gazette vom 6. und 13.Juli 1689; Fumeron an Louvois, 30.Juni
(10.Juli) 1690; +Diary of the Siege of Athlone; Exact Account+.

[101] Story's Fortsetzung; +Life of James, II. 455;+ Fumeron an
Louvois, 30.Juni (10.Juli) 1690; London Gazette vom 13.Juli.

[102] Die Geschichte, wie sie von den Feinden Tyrconnel's erzhlt
wird, findet sich im +Macariae Excidium+ und in einem Briefe von Felix
O'Neill an die Grfin von Antrim vom 10.Juli 1691. Dieser Brief wurde
nach der Schlacht von Aghrim auf der Leiche Felix O'Neill's gefunden.
Er ist in den +Rawdon Papers+ abgedruckt. Die andre Geschichte wird in
Berwick's Memoiren und in +Light to the Blind+ erzhlt.

[103] +Macariae Excidium; Life of James, II. 436; Light to the Blind.+

[104] +Macariae Excidium.+

[105] Story's Fortsetzung.

[106] Burnet, II. 79; Story's Fortsetzung.

[107] Sie behaupteten das Feld lnger als sie es sonst gewohnt
waren, sagt Burnet. Sie benahmen sich wie Mnner einer andren
Nation, sagt Story. Man hat nie gehrt, da die Irlnder mit grerer
Entschlossenheit gekmpft htten, sagt die London Gazette.

[108] Story's Fortsetzung; London Gazette vom 20. und 23.Juli 1691;
+Mmoires de Berwick; Life of James, II. 456; Burnet, II. 79; Macariae
Excidium; Light to the Blind;+ Brief aus dem englischen Lager an Sir
Arthur Rawdon in den +Rawdon Papers; History of William the Third,
1702.+

Die Erzhlungen, auf die ich verwiesen habe, weichen sehr von einander
ab. Auch kann die Verschiedenheit nicht lediglich oder auch nur
hauptschlich der Parteilichkeit zugeschrieben werden. Denn keine
anderen zwei Darstellungen weichen mehr von einander ab als die in
Jakob's Leben und die in den Memoiren seines Sohnes.

Wahrscheinlich weil Saint-Ruth gefallen und D'Usson abwesend war,
findet sich im franzsischen Kriegsministerium keine Depesche, die
einen detaillirten Bericht von der Schlacht enthlt.

[109] Story's Fortsetzung.

[110] Story's Fortsetzung; +Macariae Excidium; Life of James, II. 464+;
London Gazette vom 30.Juli und 17.Aug. 1691; +Light to the Blind+.

[111] Story's Fortsetzung; +Macariae Excidium; Life of James, II. 459+;
London Gazette vom 30.Juli und 3.Aug. 1691.

[112] So uerte er sich in einem von 5.(15.) August datirten Briefe
an LudwigXIV. Dieser Brief, dessen Handschrift nicht leicht zu
entziffern ist, befindet sich im franzsischen Kriegsministerium.
+Macariae Excidium; Light to the Blind+.

[113] +Macariae Excidium; Life of James, II. 461, 462.+

[114] +Macariae Excidium; Life of James, II. 459, 462;+ London
Gazette vom 31.Aug. 1691; +Light to the Blind;+ D'Usson und Tess an
Barbesieux vom 13.(23.) August.

[115] Story's Fortsetzung; D'Usson und Tess an Barbesieux, 15.(25.)
Aug. 1691. Ein ungedruckter Brief von Nagle an Lord Merion vom 15.Aug.
Dieser Brief wird von Mr. O'Callaghan in einer Note zum +Macariae
Excidium+ angefhrt.

[116] +Macariae Excidium;+ Story's Fortsetzung.

[117] Story's Fortsetzung; London Gazette vom 28.Sept. 1691; +Life
of JamesII. 463; Diary of the Siege of Limerick, 1692; Light to the
Blind.+ In dem unter den Archiven des franzsischen Kriegsministerium
befindlichen Bericht ber die Belagerung heit es, da die irische
Reiterei sich schlechter benommen habe als die Infanterie.

[118] Story's Fortsetzung; +Macariae Excidium;+ R. Douglas an Sir
A. Rawdon, 28.Sept. 1691, in den +Rawdon Papers+; London Gazette
vom 8.Oct.: +Diary of the Siege of Lymerick; Light to the Blind;
Account of the Siege of Limerick+ in den Archiven des franzsischen
Kriegsministeriums.

Der Bericht von dieser Affaire in dem Leben Jakob's, II. 464,
verdient blo wegen seiner besondern Ungereimtheit erwhnt zu werden.
Der Verfasser erzhlt uns, da siebenhundert Irlnder sich einige
Zeit gegen eine viel strkere Truppenmacht hielten, und er spendet
ihrem Heldenmuthe warmes Lob. Er kannte jedoch einen Umstand, der
zum Verstndni der Sache sehr wesentlich ist, entweder gar nicht,
oder fand nicht fr gut denselben zu erwhnen: da nmlich diese
siebenhundert Mann sich in einem Fort befanden. Da eine Besatzung ein
Fort einige Stunden gegen eine Uebermacht vertheidigte, ist sicherlich
nichts Wunderbares. Forts werden deshalb gebaut, weil sie von Wenigen
gegen Viele vertheidigt werden knnen.

[119] +Account of the Siege of Limerick+ in den Archiven des
franzsischen Kriegsministeriums; Story's Fortsetzung.

[120] D'Usson an Barbesieux vom 4.(14.) Oct. 1691.

[121] +Macariae Excidium.+

[122] Story's Fortsetzung; +Diary of the Siege of Lymerick.+

[123] London Gazette vom 8.Oct. 1691; Story's Fortsetzung; +Diary of
the Siege of Lymerick.+

[124] +Life of James, 464. 465.+

[125] Story's Fortsetzung.

[126] Story's Fortsetzung; +Diary of the Siege of Lymerick+; London
Gazette vom 15.Oct. 1691.

[127] Die Artikel des Civilvertrags sind oft gedruckt worden.

[128] Story's Fortsetzung; +Diary of the Siege of Lymerick.+

[129] Story's Fortsetzung; +Diary of the Siege of Lymerick.+

[130] Story's Fortsetzung. Seine Erzhlung wird durch das Zeugni
besttigt, das ein anwesender irischer Hauptmann uns in schlechtem
Latein hinterlassen hat. +Hic apud sacrum omnes advertizantur a
capellanis ire potius in Galliam.+

[131] D'Usson und Tess an Barbesieux, 7.(17.) Oct. 1691.

[132] Da zwischen den Celten von Ulster und denen der sdlichen
Provinzen geringe Sympathie herrschte, geht aus der interessanten
Denkschrift hervor, welche der Agent Baldearg O'Donnel's Avaux bergab.

[133] Briefbuch des Schatzamts, 19.Juni 1696; Protokolle des irischen
Hauses der Gemeinen, 7.Nov. 1717.

[134] Dies erzhle ich auf Mr. O'Callaghan's Autoritt. +History of the
Irish Brigades.+ Anmerkung 47.

[135] Es giebt, schrieb Junius achtzig Jahre nach der Kapitulation
von Limerick, eine gewisse Familie in diesem Lande, der die Natur eine
erbliche Characterschlechtigkeit verliehen zu haben scheint. Soweit man
ihre Geschichte kennt, hat der Sohn regelmig die Laster des Vaters
in verstrktem Grade besessen und hat Sorge getragen, sie rein und
unvermindert in die Brust seines Nachfolgers zu verpflanzen. An einer
andren Stelle sagt er von dem Mitgliede fr Middlesex: Er hat selbst
dem Namen Luttrell Schande gemacht. In Anspielung auf die Verbindung
des Herzogs von Cumberland mit Mrs. Horton, die eine geborne Luttrell
war, ruft er aus: Das Parlament habe Acht darauf! Ein Luttrell darf
nie die Krone England's erben. Es ist gewi, da nur sehr wenige
Englnder Junius' Abscheu vor den Luttrell getheilt, ja ihn nur
begriffen haben knnen. Warum brauchte er also Ausdrcke, welche der
groen Mehrzahl seiner Leser unverstndlich gewesen sein mssen? Meine
Antwort darauf ist, da Philipp Franz in der Nhe von Luttrellstown
geboren wurde und die ersten zehn Jahre seines Lebens dort zubrachte.

[136] Story's Fortsetzung; London Gazette vom 22.Oct. 1691; D'Usson
und Tess an Ludwig, 4.(14.) Oct., und an Barbesieux, 7.(17.) Oct.;
+Light to the Blind.+

[137] Story's Fortsetzung; London Gazette, 4.Jan. 1691/92.

[138] Story's Fortsetzung; +Macariae Excidium+ und Mr. O'Callaghan's
Note; London Gazette vom 4.Jan. 1691/92.

[139] Einige interessante Facta in Bezug auf Wall, der Minister
Ferdinand's+IV.+ und Karl's+III.+ war, findet man in den in Coxe's
+Memoirs of Spain+ verffentlichten Briefen Sir Benjamin Keene's und
Lord Bristol's.

[140] Dies ist Swift's Sprache, eine Sprache, die nicht ein Mal,
sondern zu wiederholten Malen und in langen Zwischenrumen gefhrt
worden ist. In dem 1708 geschriebenen +Letter on the Sacramental Test+
sagt er: Wenn wir (die Geistlichkeit) die Papisten dieses Knigreichs
ernstlich frchteten, so wrde man uns wohl kaum fr so kurzsichtig
halten, da wir nicht ebenso besorgt wren wie Andere, da wir doch
aller Wahrscheinlichkeit nach am meisten und unmittelbarsten von
ihnen zu leiden haben wrden; aber im Gegentheil, wir halten sie fr
ganz eben so unbedeutend wie Weiber und Kinder... Das gemeine Volk,
ohne Fhrer, ohne Disciplin und ohne natrlichen Muth, ist wenig
besser als Holzhauer und Wassertrger, und gnzlich unfhig, Unheil
anzurichten, wenn es auch noch so groe Lust dazu htte. In dem 1724
geschriebenen +Drapier's Sixth Letter+ sagt er: Was die Bevlkerung
dieses Knigreichs betrifft, so besteht sie entweder aus irischen
Papisten, welche im Punkte der Macht eben so bedeutungslos sind als
Frauen und Kinder, oder aus englischen Protestanten. Ferner sagt er in
dem 1731 geschriebenen +Presbiterian's Plea of Merit+: Der Gter der
Papisten sind nur wenige, sie schmelzen zu kleinen Parcellen zusammen
und vermindern sich tglich; ihre niederen Volksklassen sind in Armuth,
Unwissenheit und Feigheit versunken und von eben so geringer Bedeutung
wie Frauen und Kinder. Ihr Adel und ihre Gentry sind mindestens zur
Hlfte ruinirt, verbannt oder bekehrt. Sie empfinden Alle schmerzlich
die Nachwehen von dem was sie im letzten irischen Kriege gelitten
haben. Einige von ihnen haben sich bereits ins Ausland begeben, Andere
sollen die Absicht haben, ihnen zu folgen, und ich glaube wer von den
Uebrigen noch etwas Grundeigenthum besitzt, ist fest entschlossen, es
nie wieder um der Befestigung ihres Aberglaubens willen aufs Spiel zu
setzen.

Ich mu bemerken, da Swift meines Wissens niemals in irgend einer
seiner Schriften das Wort Irlnder anwendete, um eine in Irland
geborene Person angelschsischen Stammes zu bezeichnen. Sich selbst
betrachtete er eben so wenig als einen Irlnder, wie ein in Calcutta
geborener Englnder sich als einen Hindu betrachtet.

[141] Im Jahre 1749 war Lucas das Idol der Demokratie seiner Kaste.
Es ist interessant zu hren, wie Die, welche seiner Kaste nicht
angehrten, von ihm dachten. Eines der Pariahupter, Karl O'Connor,
schrieb folgendermaen: Weder ich noch irgend Einer von unsrer
unglcklichen Bevlkerung hat ein Interesse an der Sache dieses
Lucas. Ein wahrer Patriot wrde nicht eine solche Bosheit gegen so
unglckliche Sklaven wie wir gezeigt haben. Er setzt nur zu wahr
hinzu, diese Prahler, die Whigs, htten alle Freiheit fr sich allein
haben wollen.

[142] In diesem Punkte war Johnson der liberalste Politiker seiner
Zeit. Die Irlnder, sagt er mit groer Wrme, befinden sich in
einem hchst unnatrlichen Zustande, denn wir sehen bei ihnen die
Minoritt ber die Majoritt herrschen. Ich vermuthe Alderman Beckford
und Alderman Sawbridge wrden weit entfernt gewesen sein, mit ihm zu
sympathisiren. Karl O'Connor, dessen ungnstige Meinung von dem Whig
Lucas ich angefhrt habe, zollt in der Vorrede zu seinen +Dissertations
on Irish History+ der Liberalitt des Tory's Johnson hohe Anerkennung.




Achtzehntes Kapitel.

Wilhelm und Marie.




Inhalt

                                                                   Seite
  Erffnung des Parlaments                                             5
  Debatten ber die Gehalte und Gebhren der Beamten                   6
  Acte zur Ausschlieung der Papisten vom Staatsdienste in Irland      7
  Debatten ber den ostindischen Handel                               10
  Debatten ber die Bill zur Regulirung des Prozeverfahrens in
    Hochverrathsfllen                                                24
  Complot Marlborough's gegen die Regierung Wilhelm's                 30
  Marlborough's Complot durch die Jakobiten verrathen                 34
  Marlborough's Ungnade                                               34
  Verschiedene Gerchte ber die Ursache von Marlborough's Ungnade    34
  Bruch zwischen Marien und Anna                                      36
  Fuller's Complot                                                    38
  Schlu der Session; Bill zur Feststellung der Gehalte der Richter
    verworfen                                                         44
  Ministerielle Vernderungen in England                              47
  Ministerielle Vernderungen in Schottland                           48
  Zustand der Hochlande                                               49
  Breadalbane beauftragt, mit den aufstndischen Clans zu
    unterhandeln                                                      50
  Glencoe                                                             51
  Wilhelm begiebt sich auf den Continent                              68
  Louvois' Tod                                                        68
  Die franzsische Regierung beschliet eine Expedition gegen
    England zu unternehmen                                            71
  Jakob glaubt, da die englische Flotte freundschaftlich gegen ihn
    gesinnt sei                                                       71
  Verhalten Russell's                                                 72
  Jakob wird eine Tochter geboren                                     73
  Anstalten zur Zurckweisung der Invasion in England                 74
  Jakob begiebt sich zu seiner Armee bei La Hogue                     74
  Jakob's Erklrung                                                   75
  Eindruck der Erklrung Jakob's                                      76
  Die englische und die hollndische Flotte vereinigen sich           79
  Stimmung der englischen Flotte                                      79
  Schlacht bei La Hogue                                               80
  Freude in England                                                   84
  Young's Complot                                                     86


[_Erffnung des Parlaments._] Am 19.October 1691 kam Wilhelm aus den
Niederlanden wieder in Kensington an.[1] Drei Tage darauf erffnete er
das Parlament. Der Stand der Dinge war im Ganzen erfreulich. Zu Lande
hatte es Gewinne und Verluste gegeben, der Vortheil aber war auf Seiten
England's. Dem Falle von Mons konnte die Einnahme von Athlone, der Sieg
von Aghrim, die Uebergabe von Limerick und die Pacifirung Irland's wohl
gegenbergestellt werden. Zur See war kein groer Sieg erfochten, wohl
aber eine groe Streitmacht und Thtigkeit entfaltet worden, und wenn
auch Viele unzufrieden waren, weil nicht mehr geschehen sei, so konnte
doch Niemand in Abrede stellen, da eine Vernderung zum Besseren
eingetreten war. Dem durch Torrington's Schwchen und Fehler
herbeigefhrten Verfall war wieder abgeholfen und die Flotte gut
ausgerstet worden, es hatte reichliche und gesunde Rationen gegeben,
und in Folge dessen war der Gesundheitszustand der Mannschaften fr die
damalige Zeit ganz vortrefflich gewesen. Russell, der die Seemacht der
Verbndeten befehligte, hatte den Franzosen vergebens eine Schlacht
angeboten. Die weie Flagge, welche das Jahr vorher ungehindert von
Land's End bis zur Meerenge von Dover im Kanale umhergesegelt war,
verlie jetzt, sobald unsere Mastspitzen in einer Entfernung von zwanzig
Meilen bemerkt wurden, die offene See und zog sich tief in den Hafen von
Brest zurck. Das Erscheinen eines englischen Geschwaders in der Mndung
des Shannon hatte das Schicksal der letzten Festung entschieden, die
sich noch fr Knig Jakob behauptet, und eine auf vier Millionen Pfund
Sterling geschtzte Kauffahrteiflotte aus der Levante war durch
Gefahren, welche den Assecuradeurs in Lombard Street manche schlaflose
Nacht bereitet, glcklich in die Themse convoyirt worden.[2] Die Lords
und Gemeinen hrten mit Zeichen der Zufriedenheit eine Rede an, in der
der Knig sie wegen des Ausgangs des Kriegs in Irland beglckwnschte
und die zuversichtliche Erwartung aussprach, da sie ihn auch fernerhin
bei dem Kriege mit Frankreich untersttzen wrden. Er sagte ihnen, da
die Ausrstung einer groen Flotte nthig sein werde, und da
seiner Ansicht nach der Kampf zu Lande nicht mit weniger als
fnfundsechzigtausend Mann erfolgreich fortgefhrt werden knne.[3]


[_Debatten ber die Gehalte und Gebhren der Beamten._] Man dankte ihm
mit herzlichen Worten, die Streitmacht, die er verlangte, wurde
bewilligt und bedeutende Summen ohne erhebliche Schwierigkeit
zugestanden. Als aber die Mittel und Wege zur Sprache kamen, begannen
sich Symptome von Unzufriedenheit zu zeigen. Achtzehn Monate frher, als
die Gemeinen sich mit der Feststellung der Civilliste beschftigten,
hatten viele Mitglieder eine sehr natrliche Geneigtheit, sich ber den
Betrag der Gehalte und Gebhren der Beamten zu beklagen, an den Tag
gelegt. Heftige Reden waren gehalten, und, was bei weitem ungewhnlicher
war, gedruckt worden; auerhalb der Parlamentsrume hatte groe
Aufregung geherrscht, aber es war nichts geschehen. Der Gegenstand wurde
jetzt wieder aufgenommen. Ein Bericht der Commission, welche im
vorhergehenden Jahre zur Prfung der ffentlichen Rechnungen ernannt
worden war, hatte einige Facta, welche Unwillen, und andere, welche
ernsten Verdacht erweckten, enthllt. Das Haus schien fest entschlossen,
eine umfassende Reform vorzunehmen, und nur die Thorheit und Heftigkeit
der Reformers hatte eine solche Reform verhindern knnen. Es ist
allerdings nicht zu verwundern, da sie aufgebracht waren. Die directen
und indirecten hohen Einknfte der Staatsdiener mehrten sich in
ununterbrochener Progression, whrend der Verdienst jedes Andren sich
verringerte. Die Renten fielen, der Handel stockte, Jeder, der von dem
Nachlasse seiner Vorfahren oder von den Frchten seines Fleies lebte,
mute sich einschrnken. Nur der Beamte wurde inmitten der allgemeinen
Noth wohlhabend. Man sehe blos den Zollcontroleur, riefen die
entrsteten Squires. Vor zehn Jahren ging er zu Fu und wir fuhren.
Unser Einkommen hat sich verringert, sein Gehalt ist verdoppelt worden,
wir haben unsere Pferde verkauft, er hat sie gekauft, und jetzt gehen
wir zu Fu und werden von dem Kothe seines Sechsgespanns bespritzt.
Lowther versuchte es umsonst, sich gegen den Sturm zu erheben. Die
Landgentlemen, die ihn vor nicht langer Zeit noch als einen ihrer Fhrer
betrachtet hatten, liehen ihm eben kein geneigtes Ohr. Er hatte sie
verlassen und war ein Hfling geworden; er bekleidete zwei eintrgliche
Stellen, eine im Schatzamt, die andre im Hofstaat, und hatte erst
krzlich von des Knigs eigner Hand ein Geschenk von zweitausend Guineen
erhalten.[4] Es schien ganz natrlich, da er Mibruche vertheidigte,
von denen er Nutzen hatte. Die Schmhungen und Vorwrfe, mit denen er
berhuft wurde, waren seinem reizbaren Character unertrglich. Er
verlor den Kopf, fiel fast ohnmchtig auf den Fuboden des
Parlamentshauses nieder und sprach davon, sich an einem andren Orte
Recht zu verschaffen.[5] Leider erhob sich bei dieser Gelegenheit kein
Mitglied, um darauf anzutragen, da die brgerlichen Anstalten des
Knigreichs sorgfltig revidirt, da Sinekuren abgeschafft, da
exorbitante Diensteinkommen vermindert und da es keinem Staatsdiener
unter irgend einem Vorwande gestattet sein solle, auer seiner bekannten
und gesetzlichen Renumeration etwas zu verlangen. Auf diesem Wege wrde
es mglich gewesen sein, die ffentlichen Lasten zu vermindern und zu
gleicher Zeit die ersprieliche Thtigkeit in jedem Zweige der
Staatsverwaltung zu erhhen. Unglcklicherweise aber ermangelten gerade
Diejenigen, die sich am lautesten ber die herrschenden Mibruche
beklagten, gnzlich der zur Durchfhrung der Reform nthigen
Eigenschaften. Am 12.December beantragte ein Thor, dessen Name nicht
auf uns gekommen ist, da kein bei irgend einem Civilamte Angestellter,
den Sprecher, die Richter und die Gesandten ausgenommen, mehr als
fnfhundert Pfund Sterling jhrlich erhalten solle, und dieser Antrag
ging nicht nur durch, sondern er wurde sogar ohne eine einzige
opponirende Stimme angenommen.[6] Diejenigen welche das meiste Interesse
hatten, sich demselben zu widersetzen, sahen ohne Zweifel ein, da
Opposition in diesem Augenblicke die Majoritt nur reizen wrde, und
sparten sie daher fr einen gnstigeren Zeitpunkt auf. Dieser gnstigere
Zeitpunkt kam auch bald. Kein verstndiger Mann konnte, nachdem sein
Blut abgekhlt war, ohne Beschmung daran zurckdenken, da er fr einen
Beschlu gestimmt hatte, der keinen Unterschied machte zwischen Inhabern
von Sinekuren und fleiigen Staatsdienern, zwischen Schreibern, welche
nur Briefe copirten, und Ministern, von deren Einsicht und
Rechtschaffenheit das Geschick der Nation abhngen konnte. Der Gehalt
des Portiers beim Accisamte war durch einen skandalsen Schacher bis auf
fnfhundert Pfund jhrlich getrieben worden. Er htte auf funfzig Pfund
herabgesetzt werden mssen. Die Dienste eines Staatssekretrs dagegen,
der seinen Posten gut ausfllte, wrden mit fnftausend Pfund wohlfeil
bezahlt gewesen sein. Wre der Beschlu der Gemeinen zur Ausfhrung
gekommen, so wrde sowohl der Gehalt, der nicht funfzig Pfund htte
bersteigen sollen, wie der, welcher nicht unangemessen fnftausend
Pfund htte betragen knnen, auf fnfhundert Pfund normirt worden sein.
Ein solcher Unsinn mute auch dem rohesten und einfltigsten Fuchsjger
im Parlamente empren. Es trat eine Reaction ein, und als nach einem
Zeitraum von wenigen Wochen vorgeschlagen wurde, in eine
Steuerbewilligungsbill eine mit dem Beschlusse vom 12.December
bereinstimmende Klausel aufzunehmen, waren die verneinenden Stimmen
sehr laut; der Sprecher war der Meinung, da sie berwiegend seien, die
bejahenden Stimmen wagten es nicht, seine Ansicht zu bestreiten, der
unsinnige Plan, der ohne Abstimmung gutgeheien worden war, wurde ohne
Abstimmung verworfen und der Gegenstand kam nicht wieder zur Sprache. So
wurde der Fortbestand eines Mibrauchs, der so skandals war, da selbst
keiner von Denen, welche Vortheil von demselben hatten, ihn zu
vertheidigen wagte, lediglich durch die Verkehrtheit und Malosigkeit
Derer, die ihn angriffen, gesichert.[7]


[_Acte zur Ausschlieung der Papisten vom Staatsdienste in Irland._]
Nicht lange nach Erffnung der Session wurde der Vertrag von Limerick
Gegenstand einer ernsten Berathung. Die Gemeinen schickten in Ausbung
der hchsten Gewalt, welche die Legislatur ber alle Pertinenzien
England's ausbte, den Lords eine Bill zu, welche bestimmte, da
Niemand im irischen Parlament sitzen, in Irland ein brgerliches,
militrisches oder geistliches Amt bekleiden oder juristische oder
rztliche Praxis ausben solle, bevor er nicht den Huldigungs- und den
Suprematseid geleistet und die Erklrung gegen die Transsubstantiation
unterschrieben habe. Die Lords waren eben so wenig geneigt wie
die Gemeinen, die Irlnder zu begnstigen. Kein Peer hatte Lust,
rmischen Katholiken politische Gewalt zu bertragen. Es scheint
sogar, als ob kein Peer gegen das Prinzip der albernen und grausamen
Verordnung, welche die Katholiken von den freien Knsten ausschlo,
etwas einzuwenden gehabt htte. Man glaubte aber da diese Vorschrift,
wenn auch im Prinzip unverwerflich, ein Bruch eines positiven
Uebereinkommens sein wrde, wenn man sie ohne Ausnahmen anwendete. Ihre
Lordschaften lieen den Vertrag von Limerick kommen, lieen ihn sich
vorlesen und erwogen dann, ob das von dem Unterhause entworfene Gesetz
sich mit den von der Regierung eingegangenen Verpflichtungen vertrug.
Ein Miklang wurde bemerkt. Es war durch den zweiten Civilartikel
festgesetzt, da es Jedem, der gegenwrtig in einer von einer irischen
Garnison besetzten Festung wohnte, wenn er den Huldigungseid leistete,
gestattet sein solle, dem Berufe wieder nachzugehen, den er vor der
Revolution ausgebt hatte. Es wrde nun ohne alle Widerrede eine
Verletzung dieses Uebereinkommens gewesen sein, htte man von einem
Advokaten oder Arzt, der whrend der Belagerung innerhalb der Mauern
von Limerick gewohnt, verlangen wollen, da er den Suprematseid
leiste und die Erklrung gegen die Transsubstantiation unterschreibe,
bevor er Gebhren annehmen drfe. Holt wurde zu Rathe gezogen und mit
der Abfassung von Klauseln beauftragt, welche den Bestimmungen der
Kapitulation entsprachen.

Die solchergestalt von Holt abgenderte Bill wurde den Gemeinen wieder
zugesandt. Sie verwarfen zuerst das Amendement und verlangten eine
Conferenz, die ihnen bewilligt wurde. Rochester berreichte im gemalten
Zimmer den Fhrern des Unterhauses eine Abschrift des Vertrags von
Limerick und stellte ihnen mit ernsten Worten vor, wie wichtig es sei,
das ffentliche Vertrauen ungeschmlert zu erhalten. Dies war eine
Aufforderung, gegen die kein rechtschaffener Mann, mochte er auch von
nationalem und religisem Hasse erfllt sein, sich auflehnen konnte. Die
Gemeinen zogen den Gegenstand nochmals in Erwgung und nachdem sie die
Verlesung des Vertrags angehrt, traten sie den Vorschlgen der Lords
mit einigen unbedeutenden Modificationen bei.[8]

Die Bill wurde zum Gesetz erhoben. Sie erregte damals nur wenig
Aufmerksamkeit; nach Verlauf mehrerer Menschenalter aber wurde sie der
Gegenstand einer sehr heftigen Polemik. Viele von uns knnen sich noch
sehr gut erinnern, wie stark die ffentliche Meinung in den Tagen
Georg'sIII. und Georg'sIV. durch die Frage aufgeregt wurde, ob
Katholiken ein Sitz im Parlament gestattet sein solle. Es darf
bezweifelt werden, ob irgend ein andrer Streit rgere Verdrehungen der
Geschichte veranlat hat. Die ganze Vergangenheit wurde um der Gegenwart
willen falsch dargestellt. Alle groen Ereignisse dreier Jahrhunderte
erschienen uns lange entstellt und entfrbt durch einen aus unseren
eigenen Theorien und unseren eigenen Leidenschaften entsprungenen Nebel.
Einige Freunde der Religionsfreiheit, nicht zufrieden mit dem Vortheile,
den sie im ehrlichen Kampfe mit den Waffen der Vernunft besaen,
schwchten ihre Sache, indem sie behaupteten, da das Gesetz, welches
die irischen Katholiken vom Parlamente ausschlo, mit dem Civilvertrag
von Limerick in Widerspruch stehe. Der erste Artikel dieses Vertrags,
sagte man, garantire dem irischen Katholiken diejenigen Privilegien in
der Ausbung seiner Religion, die er zur Zeit Karl'sII. genossen hatte.
Zur Zeit Karl'sII. schlo kein Test die Katholiken vom irischen
Parlamente aus. Ein solcher Test, argumentirte man, knne daher nicht
ohne einen ffentlichen Wortbruch vorgeschrieben werden. Besonders im
Jahre 1828 wurde dieses Argument im Hause der Gemeinen geltend gemacht,
als ob es die Hauptsttze einer Sache gewesen wre, die keiner solchen
Sttze bedurfte. Die Vorkmpfer des protestantischen Uebergewichts sahen
mit Vergngen, da die Debatte von einer politischen Frage, in der sie
Unrecht hatten, auf eine historische Frage berging, in der sie Recht
hatten. Es wurde ihnen nicht schwer zu beweisen, da der erste Artikel,
wie ihn alle contrahirenden Theile verstanden, nur bedeutete, da der
katholische Gottesdienst wie in frherer Zeit geduldet werden solle.
Dieser Artikel war von Ginkell entworfen und unmittelbar vorher, ehe er
ihn entwarf, hatte er erklrt, er werde lieber das Glck der Waffen
versuchen als seine Einwilligung dazu geben, da irische Papisten fhig
sein sollten, Civil- und Militrmter zu bekleiden, die freien Knste
auszuben und Mitglieder von Municipalkrpern zu werden. Wie kann man
glauben, da er aus eigenem Antriebe versprochen haben wrde, das Haus
der Lords und der Gemeinen solle Mnnern offen stehen, denen er keine
Krschner- ber Corduanmacherinnung ffnen wollte? Wie kann man ferner
glauben, da die englischen Peers, whrend sie die gewissenhafteste
Achtung vor dem ffentlichen Worte erklrten, whrend sie den Gemeinen
die Pflicht einschrften, das ffentliche Wort zu halten, whrend sie
sich mit den gelehrtesten und rechtschaffensten Juristen des
Jahrhunderts ber die beste Art und Weise der Aufrechthaltung des
ffentlichen Worts beriethen, eine offenbare Verletzung des ffentlichen
Worts begangen haben und kein einziger Lord so ehrlich oder so factis
gewesen sein sollte, gegen einen durch Heuchelei noch verschlimmerten
Act monstrser Perfidie zu protestiren? Oder wenn wir dies glauben
knnten, wie knnen wir glauben, da sich in keinem Theile der Welt eine
Stimme gegen solche Schndlichkeit erhoben, da der Hof von
Saint-Germains und der Hof von Versailles dazu geschwiegen haben, da
kein irischer Verbannter, kein englischer Mivergngter darber gemurrt
haben sollte, da sich in dem ganzen Bereich der jakobitischen Literatur
kein schmhendes oder spttelndes Wort ber einen so lockenden
Gegenstand gefunden und da es den Politikern des 19.Jahrhunderts
vorbehalten gewesen sein sollte, dahinter zu kommen, da ein im
17.Jahrhundert geschlossener Vertrag wenige Wochen nach seiner
Unterzeichnung im Angesicht von ganz Europa in frecher Weise verletzt
worden war?[9]


[_Debatten ber den ostindischen Handel._] An dem nmlichen Tage, an
welchem die Gemeinen zum ersten Male die Bill verlasen, welche Irland
der unumschrnkten Herrschaft der protestantischen Minoritt unterwarf,
zogen sie einen andren hochwichtigen Gegenstand in Erwgung. Im ganzen
Lande, besonders aber in der Hauptstadt, in den Seehfen und in den
Fabrikstdten waren die Gemther in gewaltiger Aufregung wegen des
Handels mit Ostindien, ein heftiger Federkrieg wthete seit einiger
Zeit, und es waren mehrere constitutionelle und commercielle Fragen
angeregt worden, welche die Legislatur allein entscheiden konnte.

Es ist oft wiederholt worden und darf nie vergessen werden, da unsre
Staatsverfassung weit verschieden ist von denjenigen Staatsverfassungen,
welche whrend der letzten achtzig Jahre methodisch construirt, in
Artikel abgetheilt und durch constituirende Versammlungen besttigt
worden sind. Sie entstand in einem rohen Zeitalter und ist in kein
formelles Instrument vollstndig zusammengefat. Auf der ganzen Linie,
welche die Functionen des Frsten von denen des Gesetzgebers scheidet,
fand sich lange ein streitiges Gebiet. Es wurden fortwhrend Uebergriffe
begangen, und wenn sie nicht zu frech waren, wurden sie oft geduldet.
Einen Eingriff, als solchen, lie man gewhnlich ungeahndet hingehen.
Nur wenn ein solcher Eingriff einen positiven Nachtheil verursachte,
machte der beeintrchtigte Theil sein Recht geltend und verlangte, da
die Grenze genau bezeichnet und die Grenzmarken fortan streng respectirt
werden sollten.

Viele von den Punkten, welche zwischen unseren Souverainen und ihren
Parlamenten die heftigsten Zwiespalte veranlat hatten, waren durch die
Rechtsbill endlich festgestellt worden. Eine Frage aber, die kaum minder
wichtig war als irgend eine von denen, welche fr immer geordnet worden,
war noch unentschieden. Diese Frage war in der That, soweit es sich
jetzt noch ermitteln lt, in der Convention nie auch nur erwhnt
worden. Der Knig besa nach den alten Gesetzen des Reichs unbestreitbar
ausgedehnte Befugnisse zur Regulirung des Handels; allein es wrde auch
dem geschicktesten Richter schwer geworden sein, die genaue Grenze
dieser Befugnisse zu bestimmen. Es war allgemein anerkannt, da der
Knig das Recht hatte, Gewichte und Mae vorzuschreiben und Geld zu
schlagen, da keine Messe und kein Jahrmarkt ohne seine Erlaubni
gehalten werden durfte, da kein Schiff in einer Bucht oder Flumndung,
die er nicht fr einen Hafen erklrt hatte, gelscht werden konnte.
Auer diesem unbestrittenen Rechte, gewissen Pltzen specielle
Handelsvorrechte zu gewhren, beanspruchte er lange auch das Recht
besonderen Gesellschaften und besonderen Individuen specielle
Handelsvorrechte zu bewilligen, und unsere Vorfahren hielten es, wie
gewhnlich, nicht der Mhe werth, dieses Recht zu bestreiten, bis es
ernste Nachtheile herbeifhrte. Endlich, unter der Regierung
Elisabeth's, begann die Befugni, Monopole zu creiren, grblich
gemibraucht zu werden, und sobald sie gemibraucht zu werden begann,
fing sie auch an, in Zweifel gezogen zu werden. Die Knigin vermied es
wohlweislich, sich mit einem Hause der Gemeinen zu berwerfen, das die
ganze Nation zur Sttze hatte. Sie gestand offen zu, da Grund zur Klage
sei, cassirte die Patente, welche den ffentlichen Unwillen erregt
hatten, und ihr Volk, erfreut ber dieses Zugestndni und ber die
Bereitwilligkeit, mit der es gemacht wurde, verlangte von ihr keine
ausdrckliche Verzichtleistung auf die bestrittene Prrogative.

Die durch ihre Weisheit beschwichtigte Unzufriedenheit wurde durch die
unehrliche und kleinmthige Politik, die ihr Nachfolger Regierungskunst
nannte, wieder hervorgerufen. Er gewhrte bereitwillig drckende
Monopole, und wenn er des Beistandes seines Parlaments bedurfte,
annullirte er sie eben so bereitwillig. Sobald das Parlament seine
Session geschlossen hatte, wurde das groe Siegel noch gehssigeren
Dokumenten angehngt als die, welche er kurz zuvor cassirt hatte.
Endlich beschlo das vortreffliche Haus der Gemeinen, welches im Jahre
1623 zusammentrat, ein krftiges Heilmittel gegen das Uebel anzuwenden.
Der Knig mute ein Gesetz genehmigen, welches die durch knigliche
Autoritt geschaffenen Monopole fr null und nichtig erklrte. Es wurden
indessen einige Ausnahmen gemacht, die aber leider nicht genau genug
bezeichnet waren. Es war insbesondere bestimmt, da jede Gesellschaft
von Kaufleuten, die sich zu dem Zwecke constituirt hatte, irgend einen
Handel zu betreiben, alle ihre legalen Privilegien behalten sollte.[10]
Die Frage, ob ein einer solchen Gesellschaft von der Krone ertheiltes
Monopol ein legales Privilegium sei oder nicht, war unentschieden
gelassen und beschftigte noch viele Jahre lang den Scharfsinn der
Juristen.[11] Die Nation jedoch, welche mit einem Male von einer Menge
Auflagen und Plackereien befreit war, die in jeder Familie tglich hart
empfunden worden, war nicht in der Stimmung, die Gltigkeit der Patente
zu bestreiten, kraft deren einige Gesellschaften in London mit
entfernten Welttheilen Handel trieben.

Die bei weitem wichtigste von diesen Compagnien war diejenige, die am
letzten Tage des 16.Jahrhunderts von der Knigin Elisabeth unter dem
Namen +Governor and Company of Merchants of London trading to the East
Indies+ incorporirt worden war. Als diese berhmte Gesellschaft ihre
Thtigkeit begann, stand die Macht und der Ruhm der Mogulmonarchie im
Zenith. Akbar, der talentvollste und beste aller Frsten des Hauses
Tamerlan, war so eben hoch an Jahren und reich an Ehren in ein Mausoleum
getragen worden, welches an Pracht jedes andre bertraf, das Europa
aufzuweisen hatte. Er hatte seinen Nachfolgern ein Reich hinterlassen,
welches mehr als zwanzigmal soviel Einwohner zhlte und mehr als
zwanzigmal soviel Revenuen abwarf als das England, das unter unsrer
groen Knigin eine der ersten Stellen unter den europischen Mchten
einnahm. Es ist merkwrdig und interessant, wie wenig die beiden Lnder,
welche dazu bestimmt waren, dereinst so eng mit einander verbunden zu
werden, damals von einander wuten. Die gebildetsten Englnder
betrachteten Ostindien mit unwissender Bewunderung, und die gebildetsten
Eingebornen Ostindien's wuten kaum, da England existirte. Unsere
Vorfahren hatten nur eine dunkle Ahnung von unermelichen Bazars, die
von Verkufern und Kufern wimmelten und von Goldstoffen, bunten
Seidengeweben und Edelsteinen glnzten; von Schatzkammern, in denen
Haufen von Diamanten und Berge von Zechinen aufgeschichtet lagen; von
Palsten, im Vergleich zu denen Whitehall und Hampton Court bloe Htten
waren; von Armeen, zehnmal so gro wie die, welche sie bei Tilbury
versammelt gesehen hatten, um die Armada zurckzuschlagen. Auf der
andren Seite wute wahrscheinlich keiner der Staatsmnner im Durbar von
Agra, da es nahe bei der untergehenden Sonne eine groe Stadt von
Unglubigen, Namens London gab, wo eine Frau regierte, und da diese
Frau einer Gesellschaft frnkischer Kaufleute das ausschlieliche
Privilegium ertheilt hatte, Schiffe aus ihren Landen nach den indischen
Gewssern zu befrachten. Da diese Gesellschaft dereinst ganz Indien vom
Ocean bis zur Region des ewigen Schnees beherrschen, groe Provinzen,
die sich niemals der Autoritt Akbar's unterworfen, zum unbedingten
Gehorsam zwingen, Gouverneurs absenden, um in seiner Hauptstadt zu
prsidiren, und seinem Erben ein Monatsgeld aussetzen wrde: das wrde
damals auch der klgste europische wie orientalische Staatsmann fr
eben so unmglich gehalten haben, als da Bewohner unsres Erdballs auf
der Venus oder dem Jupiter ein Reich grnden knnten.

Drei Generationen gingen vorber, und noch lie nichts vermuthen, da
die Ostindische Compagnie jemals ein groer asiatischer Potentat werden
wrde. Obgleich das mongolische Reich durch innere Ursachen des Verfalls
unterminirt war und seinem Sturze entgegenwankte, bot es entfernten
Nationen noch immer den Anschein unverminderten Gedeihens und
ungeschwchter Kraft dar. Aurengzeb, der sich in dem nmlichen Monate,
in welchem Oliver Cromwell starb, den stolzen Titel Eroberer der Welt
beilegte, fuhr fort zu regieren, bis Anna schon lngst auf dem
englischen Throne sa. Er beherrschte ein greres Gebiet, als irgend
einem seiner Vorgnger unterthan gewesen war. Sein Name stand selbst in
den fernsten Gegenden des Westens in hohem Ansehen. Bei uns in England
hatte Dryden ihn zum Helden eines Trauerspiels gemacht, das allein schon
hinreichen wrde zu beweisen, wie wenig die Englnder jener Zeit von dem
groen Reiche wuten, das ihre Enkel erobern und regieren sollten. Die
muselmnnischen Prinzen des Dichters erklren ihre Liebe im Style
Amadis', predigen ber Sokrates' Tod und schmcken ihre Reden mit
Anspielungen auf die mythologischen Geschichten Ovid's aus. Die
Braminische Seelenwanderung wird als ein Artikel des muselmnnischen
Glaubens dargestellt, und die muselmnnischen Sultaninnen verbrennen
sich mit ihren Gatten nach braminischer Sitte. Dieses Drama, dem einst
gedrngt volle Huser rauschenden Beifall zollten und das elegante
Herren und Damen auswendig konnten, ist jetzt vergessen. Nur eine Stelle
lebt noch und wird von Tausenden wiederholt, die nicht wissen, woher sie
rhrt.[12]

Obgleich noch nichts die hohe politische Bestimmung der Ostindischen
Compagnie andeutete, geno sie doch schon eines groen Ansehens in der
City von London. Die Comptoirs, welche nur einen sehr kleinen Theil des
Raumes einnahmen, den die gegenwrtigen Lokalitten bedecken, waren den
Verheerungen des Feuers entgangen. Das damalige India House war ein mit
dem kunstvollen Schnitz- und Gitterwerk des Zeitalters der Knigin
Elisabeth reich verziertes Gebude von Holz und Mrtel. Ueber den
Fenstern war ein Gemlde angebracht, welches eine sich auf den Wogen
schaukelnde Flotte von Kauffahrern darstellte. Ueber das ganze Gebude
ragte ein colossaler hlzerner Seemann empor, der zwischen zwei
Delphinen auf das Menschengewhl von Leadenhall Street herabsah.[13] In
diesem Hause, zwar eng und bescheiden im Vergleich zu dem weiten
Labyrinth von Gngen und Zimmern, das jetzt denselben Namen trgt,
erfreute sich die Gesellschaft whrend des greren Theils der Regierung
Karl'sII. eines Gedeihens, fr welches die Geschichte des Handels kaum
eine Parallele darbietet und das die Bewunderung, die Habsucht und den
neidischen Ha der ganzen Hauptstadt erregte. Wohlstand und Luxus waren
damals im raschen Wachsthum begriffen. Die Gewrze, Gewebe und Juwelen
des Orients kamen mit jedem Tage mehr und mehr in Aufnahme. Der Thee,
der zu der Zeit als Monk die schottische Armee nach London brachte, als
eine groe Raritt aus China angestaunt und nur mit den Lippen berhrt
wurde, war acht Jahre spter ein regelmiger Einfuhrartikel und wurde
bald in solchen Massen consumirt, da die Finanzmnner ihn als einen zur
Besteuerung geeigneten Gegenstand betrachteten. Die Fortschritte in der
Kriegskunst hatten eine beispiellose Nachfrage nach den Ingredienzen
erzeugt, aus denen das Schiepulver bereitet wird. Man berechnete, da
ganz Europa in einem Jahre kaum soviel Salpeter erzeugen wrde, als die
Belagerung einer nach Vauban's Grundstzen erbauten Festung
erforderte.[14] Ohne die Einfuhr aus Ostindien, sagte man, wrde die
englische Regierung nicht im Stande sein, eine Flotte auszursten, wenn
sie nicht die Keller London's aufgraben wollte, um die Salpetertheilchen
von den Wnden zu sammeln.[15] Vor der Restauration hatte kaum ein
Schiff aus der Themse je das Delta des Ganges besucht. Whrend der
ersten dreiundzwanzig Jahre nach der Restauration stieg der Werth der
Einfuhr aus diesem reichen und dichtbevlkerten Landstriche von
achttausend auf dreimalhunderttausend Pfund.

Der Gewinn der Gesellschaft, die sich im ausschlielichen Besitz dieses
rasch emporblhenden Handels befand, war fast unglaublich. Das wirklich
eingezahlte Kapital berstieg nicht dreihundertsiebzigtausend Pfund;
aber die Compagnie erhielt ohne Schwierigkeit Geld zu sechs Procent
geliehen und dieses geliehene Geld trug, im Handel angelegt, angeblich
dreiig Procent. Der Gewinn war so gro, da im Jahre 1676 jeder
Actieninhaber als Dividende eine gleiche Anzahl Actien erhielt als er
bereits besa. Das so verdoppelte Kapital warf in den nchsten fnf
Jahren eine jhrliche Dividende von durchschnittlich zwanzig Procent ab.
Es hatte eine Zeit gegeben, wo man hundert Pfund des Actienkapitals fr
sechzig Pfund kaufen konnte, und noch im Jahre 1664 war der Marktpreis
nur siebzig Pfund. Aber schon im Jahre 1677 war der Cours auf
zweihundertfnfundvierzig gestiegen, im Jahre 1681 betrug er
dreihundert; spter stieg er auf dreihundertsechzig und es sollen
Verkufe zu fnfhundert abgeschlossen worden sein.[16]

Der enorme Ertrag des ostindischen Handels wrde vielleicht wenig
Murren erregt haben, wenn er sich auf zahlreiche Actionre vertheilt
htte. Aber whrend der Werth der Actien fortdauernd stieg, verminderte
sich die Zahl der Actieninhaber. Zu der Zeit, wo die Compagnie in der
hchsten Blthe stand, war die Leitung derselben gnzlich in den Hnden
einiger weniger Kaufleute von enormem Reichthum. Ein Actionr hatte
damals fr jede fnfhundert Pfund Actien, die auf seinen Namen lauteten,
eine Stimme. In damaligen Flugschriften wird behauptet, da fnf
Personen ein Sechstel und vierzehn Personen ein Drittel der Stimmen
besaen.[17] Von mehr als einem glcklichen Spekulanten sagte man, da
er ein jhrliches Einkommen von zehntausend Pfund aus dem Monopol
beziehe, und einen reichen Mann kannte man an der Brse, der sich durch
umsichtige oder glckliche Actienkufe in nicht langer Zeit ein Vermgen
von zwanzigtausend Pfund jhrlicher Einknfte erworben haben sollte.
Dieser Handelsfrst, der es in Reichthum und in dem Einflusse, den der
Reichthum giebt, mit den reichsten Edelleuten seiner Zeit aufnahm, war
Sir Josias Child. Es gab Leute, die ihn als Lehrling gekannt hatten, wie
er ein Comptoir der City fegte. Aber seine Talente hatten ihn aus einer
bescheidenen Stellung bald zu Wohlstand, Macht und Ruhm emporgehoben.
Zur Zeit der Restauration geno er in der Handelswelt eines hohen
Ansehens. Bald nach diesem Ereignisse verffentlichte er seine Ideen
ber die Philosophie des Handels. Seine Ansichten waren nicht immer
richtig, aber sie waren die eines scharfsinnigen und denkenden Mannes.
In welche Irrthmer er aber als Theoretiker auch hier und da verfallen
sein mag, soviel ist gewi, da er als praktischer Geschftsmann wenige
seines Gleichen hatte. Fast unmittelbar nachdem er Mitglied des Comites
geworden war, das die Angelegenheiten der Compagnie leitete, machte sich
sein Einflu fhlbar. Bald waren viele der wichtigsten Posten in
Leadenhall Street wie in den Factoreien von Bombay und Bengalen mit
seinen Verwandten und Creaturen besetzt. Sein Reichthum vermehrte sich
fort und fort, obgleich er ihn mit prunkender Verschwendung ausgab. Er
erhielt den Baronetstitel, kaufte sich einen prchtigen Landsitz in
Wanstead und verwendete dort ungeheure Summen auf die Anlage von
Fischteichen und auf die Bepflanzung ganzer Quadratmeilen unbebauten
Landes mit Wallnubumen. Er verheirathete seine Tochter an den ltesten
Sohn des Herzogs von Beaufort und gab ihr funfzigtausend Pfund als
Mitgift.[18]

Dieses wunderbare Glck blieb jedoch nicht ungestrt. Gegen das Ende der
Regierung Karl'sII. begann die Compagnie von auen heftig angegriffen
und gleichzeitig durch innere Spaltungen zerrissen zu werden. Der Gewinn
des Handels mit Ostindien war so verfhrerisch, da Privatspekulanten
schon fters, dem kniglichen Monopole trotzend, Schiffe fr die
stlichen Meere ausgerstet hatten. Doch erst im Jahre 1680 wurde die
Concurrenz dieser Unberufenen wirklich gefhrlich. Die Nation war damals
durch den Streit ber die Ausschlieungsbill heftig aufgeregt.
Aengstliche Gemther sahen einen neuen Brgerkrieg im Anzuge. Die beiden
groen Parteien, seit kurzem Whigs und Tories genannt, bekmpften sich
heftig in jeder englischen Stadt und Grafschaft, und die Fehde
verbreitete sich bald in jeden Winkel der civilisirten Welt, wo
Englnder zu finden waren.

Die Compagnie galt allgemein fr eine whiggistische Krperschaft. Unter
den Mitgliedern des Directorialausschusses befanden sich einige der
heftigsten Exclusionisten der City. Zwei davon, Sir Samuel Barnardistone
und Thomas Papillon, zogen sich sogar durch ihren Eifer gegen Papismus
und Willkrherrschaft eine strenge gerichtliche Verfolgung zu.[19] Child
war ursprnglich durch diese beiden Mnner in das Directorium gebracht
worden, er hatte lange im Einklange mit ihnen gehandelt und man glaubte,
da er ihre politischen Ansichten theile. Seit vielen Jahren stand er
bei den Oberhuptern der politischen Opposition in hoher Achtung und
hatte besonders dem Herzoge von York geschadet.[20] Die ostindischen
Schleichhndler beschlossen daher, den Character loyaler Unterthanen zu
affectiren, die sich vorgenommen, dem Throne gegen die bermthigen
Tribunen der City beizustehen. Sie verbreiteten in allen Factoreien des
Orients das Gercht, da in England groe Verwirrung herrsche, da es
zum Kampfe gekommen sei oder ehestens dazu kommen werde und da die
Compagnie mit dem Beispiele der Auflehnung gegen die Krone vorangehe.
Diese im Grunde nicht unwahrscheinlichen Gerchte fanden leicht Glauben
bei Leuten, welche durch eine damals noch zwlfmonatliche Reise von
London getrennt waren. Einige Diener der Compagnie, die mit ihren
Vorgesetzten nicht zufrieden waren, und andere, welche eifrige
Royalisten waren, schlossen sich den Privathndlern an. In Bombay
erklrten die Besatzung und die groe Masse der englischen Einwohner,
da sie fernerhin Niemandem gehorchen wrden, der nicht dem Knige
gehorchte, sie warfen den Gouverneur ins Gefngni und kndigten an, da
sie die Insel im Namen der Krone behaupteten. In St. Helena gab es einen
Aufstand. Die Insurgenten nannten sich die Leute des Knigs und
entfalteten das knigliche Banner. Sie wurden nicht ohne Mhe
niedergeworfen und einige von ihnen kriegsrechtlich hingerichtet.[21]

Wre die Compagnie noch eine whiggistische Gesellschaft gewesen, als
die Nachricht von diesen Unruhen in England ankam, so wrde die
Regierung das Verfahren der Emprer wahrscheinlich gebilligt und der
Freibrief, von welchem das Monopol abhing, das Schicksal gehabt haben,
das um dieselbe Zeit so viele Freibriefe traf. Aber whrend die
Privatkaufleute in einer Entfernung von mehreren tausend Meilen im Namen
des Knigs die Compagnie bekriegten, hatte sich die Compagnie mit dem
Knige ausgeshnt. Als das Oxforder Parlament aufgelst worden war, als
viele Zeichen andeuteten, da eine starke Reaction zu Gunsten der
Prrogative bevorstehe, als alle Corporationen, die sich das Mifallen
des Knigs zugezogen, fr ihre Gerechtsame zu zittern begannen, fand im
Ostindischen Hause eine vollstndige Umwlzung statt. Child, der damals
Gouverneur oder nach der neueren Ausdrucksweise Vorsitzender war,
trennte sich von seinen alten Freunden, entfernte sie aus dem
Directorium und schlo einen Friedens- und innigen Allianzvertrag mit
dem Hofe.[22] Es ist nicht unwahrscheinlich, da die nahe
Verwandtschaft, in die er so eben mit dem vornehmen toryistischen Hause
Beaufort getreten, einigen Antheil an diesem Wechsel seiner politischen
Gesinnung hatte. Papillon, Barnardistone und ihre Anhnger verkauften
ihre Actien; ihre Stellen im Ausschusse wurden mit ergebenen Freunden
Child's besetzt, und er war von nun an der Autokrat der Compagnie. Er
verfgte unumschrnkt ber die Gelder der Compagnie und die wichtigsten
Papiere wurden nicht im Archive des Comptoirs in Leadenhall Street,
sondern in seinem Pulte in Wanstead aufbewahrt. Die unbegrenzte Gewalt,
die er im Ostindischen Hause ausbte, setzte ihn in den Stand, ein
Gnstling in Whitehall zu werden, und die Gunst, die er in Whitehall
geno, befestigte seine Macht im Ostindischen Hause. Ein Geschenk von
zehntausend Guineen geruhte Karl huldreichst von ihm anzunehmen. Weitere
zehntausend Pfund wurden von Jakob angenommen, der sich bereitwillig
herbeilie, Actieninhaber zu werden. Alle die bei Hofe ntzen oder
schaden konnten, Minister, Maitressen und Priester, wurden durch
Geschenke von Shawls und Seidenstoffen, Vogelnestern und Rosenl,
Beuteln voll Diamanten und Scken voll Guineen bei guter Stimmung
erhalten.[23] Ueber die Ausgaben des Dictators verlangten seine Collegen
keine Rechenschaft und er scheint das Vertrauen, das sie in ihn setzten,
wirklich verdient zu haben. Seine mit wohlangebrachter Freigebigkeit
gespendeten Geschenke trugen bald reiche Frchte. Gerade als der Hof
allmchtig im Staate wurde, wurde er allmchtig am Hofe. Jeffreys fllte
ein Erkenntni zu Gunsten des Monopols und der strksten Acte, welche
zum Schutze des Monopols erlassen worden waren. Jakob lie sein Siegel
unter einen neuen Freibrief drcken, der alle der Compagnie von seinen
Vorgngern ertheilten Privilegien besttigte und erweiterte. Alle
Kapitaine von Ostindienfahrern erhielten Patente von der Krone und
bekamen Erlaubni, die knigliche Flagge aufzuziehen.[24] Johann Child,
Sir Josias' Bruder und Gouverneur von Bombay, wurde unter dem Namen Sir
John Child of Surat zum Baronet ernannt, zum Oberbefehlshaber aller
englischen Streitkrfte im Orient erklrt und ermchtigt, den Titel
Excellenz zu fhren. Die Compagnie auf der andren Seite zeichnete sich
unter vielen servilen Corporationen durch willfhrige Ergebenheit gegen
den Thron aus und ging allen Kaufleuten des Knigreichs mit dem
Beispiele der bereitwilligen und selbst freudigen Bezahlung der Zlle
voran, welche Jakob zu Anfang seiner Regierung ohne Erlaubni des
Parlaments auflegte.[25]

Es schien, da der ostindische Privathandel jetzt gnzlich
unterdrckt und da das durch die ganze Strke der kniglichen
Prrogative beschtzte Monopol gewinnbringender als je sein wrde.
Unglcklicherweise aber entspann sich gerade in diesem Augenblicke
ein Streit zwischen den Agenten der Compagnie in Indien und der
Regierung des Gromoguls. Die Frage, auf welcher Seite die Schuld
sei, wurde damals heftig diskutirt und ist jetzt unmglich noch
zu entscheiden. Die Privatkaufleute schoben alle Schuld auf die
Compagnie. Der Gouverneur von Bombay, versicherten sie, sei zwar
stets habgierig und gewaltthtig gewesen, aber sein Baronetstitel
und sein militrischer Rang htten ihm vollends den Kopf verrckt.
Selbst die in der Factorei angestellten Eingebornen htten die
Vernderung bemerkt und in ihrem gebrochenen Englisch gemurmelt, da
ein seltsamer Fluch an dem Worte Excellenz kleben msse, denn seitdem
das Oberhaupt der Fremden Excellenz genannt werde, sei jederzeit
Alles zurckgegangen. Inzwischen, sagte man, habe der Bruder in
England alle ungerechten und unklugen Schritte des Bruders in Indien
gutgeheien, bis endlich die der englischen Nation und der christlichen
Religion zur Schande gereichende Insolenz und Raubsucht den gerechten
Unwillen der einheimischen Behrden erregt htten. Die Compagnie
erhob heftige Gegenanklagen. Im Ostindischen Hause wurde erzhlt, da
der Streit einzig und allein das Werk der Privatkaufleute sei, die
jetzt nicht nur Schleichhndler, sondern Verrther genannt wurden.
Es wurde behauptet, sie htten durch Schmeichelei, durch Geschenke
und durch falsche Anklagen die Viceknige des Moguls bewogen, die
Gesellschaft, welche in Asien die englische Krone reprsentire, zu
unterdrcken und zu verfolgen. Und diese Beschuldigung scheint in
der That nicht ganz ungegrndet gewesen zu sein. Es ist gewi, da
einer der unvershnlichsten Feinde der beiden Child sich an den Hof
Aurengzeb's begab, sich am Palastthore aufstellte, den groen Knig
anredete, als er eben zu Pferde steigen wollte, und indem er eine
Petition hoch emporhielt, im Namen des gemeinschaftlichen Gottes der
Christen und Muselmnner Gerechtigkeit verlangte.[26] Ob Aurengzeb den
Beschuldigungen, welche unglubige Franken gegen einander erhoben,
besondere Beachtung schenkte, steht zu bezweifeln. Soviel aber ist
gewi, da ein vollstndiger Bruch zwischen seinen Viceknigen und
den Dienern der Compagnie eintrat. Auf der See wurden die Schiffe
seiner Unterthanen von den Englndern aufgebracht. Am Lande wurden
die englischen Niederlassungen genommen und geplndert. Der Handel
stockte, und die hohen Dividenden, welche trotzdem in London noch immer
ausgezahlt wurden, flossen nicht mehr aus dem jhrlichen Gewinn.

Gerade in dieser Krisis, whrend jeder in die Themse einlaufende
Ostindienfahrer unwillkommene Nachrichten aus dem Orient mitbrachte,
wurde die ganze Politik Sir Josias' durch die Revolution vllig ber den
Haufen geworfen. Er hatte sich geschmeichelt, da er die Gesellschaft,
deren Oberhaupt er war, gegen die Machinationen der Schleichhndler
gesichert habe, indem er sie innig mit der strksten Regierung verband,
die es, soweit er zurckdenken konnte, je gegeben hatte. Und diese
Regierung war gestrzt und Alles was sich an das zertrmmerte Gebude
lehnte, begann zu wanken. Die Bestechungen waren unntz weggeworfen; die
Verbindungen, welche die Strke und der Stolz der Gesellschaft gewesen,
waren jetzt ihre Schwche und ihre Schande; der Knig, welcher Mitglied
derselben gewesen, war ein Verbannter; der Richter, der alle ihre
exorbitantesten Ansprche fr rechtmig erklrt hatte, sa im
Gefngni. Alle alten Feinde der Compagnie, verstrkt durch die groen
whiggistischen Kaufleute, welche Child aus dem Directorium entfernt
hatte, verlangten Gerechtigkeit und Rache von dem whiggistischen Hause
der Gemeinen, das so eben Wilhelm und Marien auf den Thron gesetzt.
Keine Stimme war lauter im Anklagen als die Stimme Papillon's, der
einige Jahre vorher eifriger als irgend Jemand in London fr das Monopol
gewesen war.[27] Die Gemeinen tadelten in harten Ausdrcken Diejenigen,
welche auf St. Helena kriegsrechtliche Todesurtheile gefllt hatten, und
erklrten sogar, da einige dieser Uebelthter von der Indemnittsacte
ausgeschlossen werden sollten.[28] Die wichtige Frage, wie der Handel
mit dem Orient in Zukunft betrieben werden sollte, wurde einem
Ausschusse berwiesen. Der Bericht sollte am 27.Januar 1690 erstattet
werden; aber gerade an diesem Tage hrte das Parlament auf zu existiren.

Die ersten beiden Sessionen des nchstfolgenden Parlaments waren so
kurz und geschftsreich, da in beiden Husern wenig ber Indien
gesprochen wurde. Auerhalb des Parlaments aber wurden alle Mittel der
Polemik sowohl wie der Intrigue angewendet. Es erschienen ber den
ostindischen Handel fast eben so viele Flugschriften wie ber die Eide.
Der Despot von Leadenhall Street wurde mit Schmhschriften in Prosa und
in Versen verfolgt und schlechte Wortspiele auf seinen Namen gemacht. Er
wurde mit Cromwell, mit dem Knige von Frankreich, mit Goliath von Gath,
mit dem Teufel verglichen, und es wurde mit Heftigkeit fr nthig
erklrt, da Sir Josias in jeder Acte, welche zur Regulirung unsres
Handelsverkehrs mit den stlichen Meeren erlassen werden mchte, von
aller Betheiligung ausdrcklich ausgeschlossen bleibe.[29]

Es herrschte jedoch groe Meinungsverschiedenheit unter Denen, welche in
dem Hasse gegen Child und gegen die Gesellschaft, deren Oberhaupt er
war, bereinstimmten. Die Fabrikanten von Spitalfields, von Norwich, von
Yorkshire und den westlichen Grafschaften betrachteten den Handel mit
den stlichen Meeren eher als nachtheilig denn als nutzbringend fr das
Knigreich. Die Einfuhr von indischen Spezereiwaaren wurden zwar als
unschdlich, die Einfuhr von Salpeter sogar als nothwendig zugegeben,
die Einfuhr von Seidenstoffen und Bengals aber, wie man die Shawls
damals nannte, als ein Fluch fr das Land erklrt. Die Folge des
zunehmenden Geschmacks fr solchen Flitterstaat sei, da unser Gold und
Silber auer Landes ginge und da viele vortreffliche englische Stoffe
in unseren Waarenmagazinen von den Motten gefressen wrden. Das seien
glckliche Tage fr die Bewohner unserer Viehzuchtdistricte und unserer
Fabrikstdte gewesen, wo jedes Kleid, jedes Behnge, jeder Bettberzug
aus Materialien verfertigt worden sei, die unsere eigenen Heerden,
unsere eigenen Websthle lieferten. Wo seien jetzt die guten alten
Tapeten, welche zu den Zeiten Elisabeth's die Wnde herrschaftlicher
Wohnhuser schmckten? Sei es nicht eine Schande, einen Gentleman,
dessen Vorfahren nur Stoffe getragen, welche englische Arbeiter aus
englischer Wolle verfertigt, in einem Callicohemd und seidenen Strmpfen
einherstolziren zu sehen? Aehnliche Beschwerden hatten einige Jahre
frher dem Parlamente die Acte abgezwungen, welche vorschrieb, da die
Todten in wollene Gewnder eingehllt werden sollten, und einige
sanguinische Tuchmacher hofften, da die Legislatur durch Ausschlieung
aller indischen Gewebe von unseren Hfen den Lebenden das Nmliche zur
Pflicht machen werde.[30]

Diese Ansicht beschrnkte sich jedoch auf eine Minoritt. Das Publikum
war in der That geneigt, die Vortheile, welche England aus dem
ostindischen Handel erwachsen konnten, eher zu hoch als zu gering
anzuschlagen. Die Frage, auf welche Weise diesem Handel am besten eine
grere Ausdehnung zu geben sei, erregte allgemeines Interesse und wurde
sehr verschieden beantwortet.

Eine kleine Partei, welche hauptschlich aus Kaufleuten von Bristol und
anderen Provinzialseehfen bestand, behauptete, das beste Mittel zur
Ausdehnung des Handels sei, da man ihn freigebe. Sie fhrten die
wohlbekannten Argumente an, welche beweisen, da jedes Monopol dem
Handel nachtheilig ist, und nachdem sie die allgemeine Regel
festgestellt, fragten sie, warum der Handel zwischen England und Indien
als eine Ausnahme von dieser Regel betrachtet werden solle. Es msse,
sagten sie, jedem Kaufmanne gestattet sein, aus jedem Hafen eine
Waarenladung nach Surate oder nach Canton zu senden, wie er jetzt eine
solche nach Hamburg oder Lissabon sendete.[31] In unseren Tagen werden
diese Ansichten nicht nur als richtig, sondern als allgemein anerkannt
und in die Augen springend betrachtet werden; im 17.Jahrhundert aber
wurden sie fr paradox gehalten. Damals hielt man es allgemein fr eine
unumstliche und fast selbstverstndliche Wahrheit, da unser Handel
mit den Lndern jenseit des Caps der guten Hoffnung nur durch eine
Actiengesellschaft vortheilhaft betrieben werden knne. Unser
europischer Handel, sagte man, habe keine Aehnlichkeit mit unsrem
indischen Handel. Mit den europischen Staaten stehe unsre Regierung in
diplomatischen Beziehungen, und es knne, wenn nthig, leicht eine
Flotte von hier nach der Mndung der Elbe oder des Tajo geschickt
werden. Am Hofe von Agra oder Peking aber hatten die Knige von England
keinen Gesandten, und es befinde sich nur selten ein englisches
Kriegsschiff innerhalb zehntausend Meilen von der Bai von Bengalen oder
dem Golf von Siam. Da unsere Kaufleute in diesen entfernten Meeren von
ihrem Souverain nicht beschtzt werden knnten, so mten sie sich
selbst beschtzen und zu dem Ende einige Souverainettsrechte ausben.
Sie mten Forts, Garnisonen und bewaffnete Schiffe haben, sie mten
Gesandtschaften abschicken und empfangen, mit dem einen asiatischen
Frsten einen Allianzvertrag schlieen, mit dem andren Krieg fhren
drfen. Da aber jeder einzelne Kaufmann diese Befugni unabhngig von
den anderen haben knne, sei offenbar unmglich. Die nach Ostindien
Handel treibenden Kaufleute mten daher zu einer Corporation verbunden
werden, die wie ein Mann handeln knne. Zur Untersttzung dieser
Argumente wurde das Beispiel der Hollnder angefhrt und allgemein fr
entscheidend gehalten. Denn der unermeliche Reichthum Holland's wurde
damals allenthalben mit Bewunderung betrachtet, die um so aufrichtiger
war, als sich Neid und Ha in reichem Mae damit verbanden. In Allem was
sich auf den Handel bezog, galten seine Staatsmnner fr Orakel und
seine Institutionen fr Muster.

Die groe Mehrzahl Derer, welche die Compagnie angriffen, griff sie
daher nicht deshalb an, weil sie mit einem Actienkapital arbeite und
ausschlieende Privilegien besitze, sondern weil sie von einem einzelnen
Manne geleitet werde und weil dessen Leitung dem Publikum nachtheilig
und nur fr ihn selbst und seine Creaturen gewinnbringend gewesen sei.
Das naheliegende Mittel zur Beseitigung der Uebelstnde, die seine
Miverwaltung erzeugt habe, sei, das Monopol einer neuen Corporation zu
ertheilen, welche so constituirt werden msse, da sie nicht in Gefahr
kommen knne, der Herrschaft eines Despoten oder einer kleinen
Oligarchie anheimzufallen. Viele Personen, welche gern Mitglieder einer
solchen Corporation werden wollten, traten zu einer Gesellschaft
zusammen, unterzeichneten einen Societtsvertrag und bertrugen die
Wahrung ihrer Interessen einem Ausschusse, in welchem sich einige der
vornehmsten Kaufleute der City befanden. Obwohl diese Gesellschaft in
den Augen des Gesetzes keine Persnlichkeit war, so wurde sie doch sehr
bald im Publikum als die Neue Compagnie bezeichnet, und die
Feindseligkeiten zwischen der Neuen Compagnie und der Alten Compagnie
verursachten wenigstens in dem geschftigen Bienenstocke, dessen
Mittelpunkt die Brse war, fast eben so groe Aufregung und Spannung wie
die Feindseligkeiten zwischen den Verbndeten und dem Knige von
Frankreich. Das Hauptquartier der jungen Compagnie war in Dowgate, die
Rauchwaarenhndler liehen derselben ihre stattliche Halle, und die
Verhandlungen wurden in einem Zimmer gehalten, das wegen des Wohlgeruchs
berhmt war, den das prchtige Wandgetfel von Cedernholz
ausstrmte.[32]

Whrend der Streit am heftigsten war, kamen wichtige Nachrichten aus
Ostindien und wurden in der London Gazette als im hchsten Grade
befriedigend angekndigt. Es sei zwischen dem Gromogul und den
Englndern Friede geschlossen worden, und dieser mchtige Potentat habe
nicht nur seine Truppen aus den Factoreien zurckgezogen, sondern auch
der Compagnie Privilegien ertheilt, die sie nie zuvor besessen. Bald
jedoch erschien eine ganz andre Version der Geschichte. Child's Feinde
hatten ihn schon vor dieser Zeit der systematischen Verbreitung falscher
Nachrichten beschuldigt. Jetzt, sagten sie, habe er sich im Lgen selbst
bertroffen. Sie hatten sich eine authentische Abschrift des Fermans
verschafft, der dem Kriege ein Ende gemacht, und sie druckten eine
Uebersetzung desselben ab. Es ergab sich daraus, da Aurengzeb den
Englndern in Anbetracht ihrer Reue und eines groen Tributs in
geringschtzender Weise Verzeihung fr ihre frheren Vergehen gewhrt,
sie ermahnt, sich in Zukunft besser zu benehmen, und ihnen im Tone eines
Gebieters befohlen hatte, den Hauptsnder, Sir John Child, von Macht und
Vertrauensstellung zu entfernen. Sir John starb zu so gelegener Zeit,
da dieser Befehl nicht befolgt werden konnte. Aber es war nur zu
augenscheinlich, da der Friedensschlu, den die Directoren des
Ostindischen Hauses als vortheilhaft und ehrenvoll dargestellt hatten,
in Wirklichkeit unter Bedingungen stattgefunden, welche den englischen
Namen zur Schande gereichten.[33]

Die zwischen der Compagnie in Leadenhall Street und der Compagnie in
Dowgate ber diesen Gegenstand fortwthende Polemik erhielt whrend des
Sommers 1691 die City in bestndiger Aufregung. Im Herbste war das
Parlament nicht sobald zusammengetreten, als auch beide streitende
Parteien dem Hause der Gemeinen Petitionen einreichten.[34] Die
Petitionen wurden sogleich in ernste Erwgung gezogen und Beschlsse von
hoher Wichtigkeit gefat. Die erste Resolution lautete, da der Handel
mit Ostindien dem Knigreiche Nutzen bringe, die zweite, da der Handel
mit Ostindien am besten durch eine mit ausschlieenden Privilegien
versehene Actiengesellschaft betrieben werden knne.[35] Es war demnach
klar, da weder die Fabrikanten, welche den Handel verbieten, noch die
Kaufleute in den Hafenstdten, die ihn frei geben wollten, die geringste
Aussicht hatten, ihren Zweck zu erreichen. Die Frage drehte sich nur
noch um die Alte und die Neue Compagnie. Siebzehn Jahre verflossen, ehe
diese Frage aufhrte, die politischen wie commerciellen Kreise zu
beunruhigen. Sie wurde der Ehre und Macht eines groen Ministers
verderblich und vernichtete den Frieden und das Glck vieler
Privatfamilien. Die Schriften, welche die beiden rivalisirenden
Gesellschaften gegen einander vom Stapel lieen, sind nicht zu zhlen.
Wenn man der dramatischen Literatur jener Zeit glauben darf, war die
Fehde zwischen dem Indischen Hause und der Krschnerhalle in London
zuweilen ein eben so ernstes Hinderni fr den glcklichen Verlauf von
Liebesverhltnissen, wie es in Verona die Fehde zwischen den Capuleti
und den Montechi gewesen war.[36] Welche von den beiden streitenden
Parteien die strkere war, ist nicht leicht zu sagen. Die neue Compagnie
wurde von den Whigs, die alte von den Tories untersttzt. Die neue
Compagnie war populr, denn sie machte groe Versprechungen und man
konnte sie noch nicht beschuldigen, ihre Versprechungen nicht gehalten
zu haben; sie erzielte noch keine Dividenden und wurde daher nicht
beneidet; sie besa noch nicht die Macht zu tyrannisiren, und hatte sich
daher noch keiner Tyrannei schuldig gemacht. Die alte Compagnie dagegen
hatte, obgleich das Publikum sie im allgemeinen nicht mit gnstigem Auge
betrachtete, den groen Vortheil, da sie im Besitz war und nur in der
Defensive zu verharren brauchte. Die schwere Aufgabe, einen Plan zur
Regulirung des Ostindischen Handels zu entwerfen und zu beweisen, da
dieser Plan besser sei als der bisher befolgte, lastete auf der neuen
Compagnie. Die alte Compagnie brauchte nur Einwendungen gegen jede
vorgeschlagene Vernderung zu machen, und solche Einwendungen waren eben
nicht schwer zu finden. Die Mitglieder der neuen Compagnie waren
schlecht versehen mit den Mitteln, sich bei Hofe und im Parlamente
Untersttzung zu erkaufen, sie hatten keine corporative Existenz, keine
gemeinsame Kasse. Wenn einer von ihnen eine Bestechungssumme gab, so gab
er sie aus seiner Tasche mit geringer Aussicht, sie ersetzt zu bekommen.
Die alte Compagnie aber war, wenn auch von Gefahren umgeben, noch immer
im Besitz ihrer ausschlieenden Privilegien und verdiente noch immer
enorme Summen. Ihre Actien waren zwar seit den goldenen Tagen Karl'sII.
bedeutend gefallen; aber hundert Pfund wurden noch immer mit
hundertzweiundzwanzig verkauft.[37] Nachdem den Actionren eine hohe
Dividende ausgezahlt war, blieb noch immer ein Ueberschu, der damals
vollkommen hingereicht haben wrde, das halbe Cabinet zu bestechen, und
dieser Ueberschu stand zur unumschrnkten Verfgung eines geschickten,
entschlossenen und nicht skrupulsen Mannes, der den Kampf mit
wunderbarer Gewandtheit und Beharrlichkeit fortfhrte.

Die Majoritt der Gemeinen wnschte einen Vergleich zu Stande zu
bringen, die alte Compagnie beizubehalten, sie aber zu reorganisiren,
ihr neue Bedingungen zu stellen und ihr die Mitglieder der neuen
Compagnie einzuverleiben. Zu dem Ende wurde nach langen und heftigen
Debatten und mehrfachen Abstimmungen beschlossen, da das Kapital auf
anderthalb Millionen erhht werden solle. Um zu verhindern, da ein
Einzelner oder eine kleine Junta die ganze Gesellschaft dominire, wurde
beschlossen, da fnftausend Pfund Actien der hchste Betrag sein solle,
den ein einzelner Actionr besitzen drfe, und da Die, welche noch mehr
besaen, aufgefordert werden sollten, den Mehrbetrag zu jedem Preise
nicht unter Pari zu verkaufen. Als Entgelt fr das ausschlieliche
Privilegium, nach den stlichen Meeren Handel zu treiben, sollte die
Compagnie der Krone jhrlich fnfhundert Tons Salpeter zu einem
niedrigen Preise liefern und jhrlich fr zweihunderttausend Pfund
englische Manufacturwaaren ausfhren.[38]

Eine auf diese Resolutionen basirte Bill wurde eingebracht, zweimal
gelesen und einem Ausschusse berwiesen, aber fallen gelassen in Folge
der bestimmten Weigerung Child's und seiner Genossen, die angebotenen
Bedingungen anzunehmen. Er hatte gegen jeden Theil des Planes etwas
einzuwenden, und seine Einwendungen sind hchst interessant und
ergtzlich. Der groe Monopolist stellte sich auf den Standpunkt der
Freihandelsprinzipien und setzte in einer uerst scharfsinnig und
gewandt geschriebenen Abhandlung die Absurditt der von den Gemeinen
ersonnenen Auswege auseinander. Den Betrag der Actien zu beschrnken,
die in einer Hand vereinigt sein drften, sei hchst unvernnftig, sagte
er. Ein Actionr, dessen ganzes Vermgen bei dem Erfolge des
ostindischen Handels auf dem Spiele stehe, werde sicherlich weit eher
alle seine Fhigkeiten zur Befrderung dieses Handels aufbieten als
einer, der nur soviel riskirt habe, als er ohne groen Nachtheil
verlieren knne. Dem Verlangen, da der Krone Salpeter fr einen
bestimmten Preis geliefert werden solle, stellte Child die unsrer
Generation bekannten Argumente entgegen, welche bewiesen, da man die
Preise sich selbst regeln lassen msse. Auf das Verlangen, da die
Compagnie sich verpflichten solle, jhrlich fr zweihunderttausend Pfund
englische Manufacturwaaren auszufhren, erwiederte er sehr richtig, da
die Compagnie sehr gern fr zwei Millionen ausfhren wrde, wenn der
Markt soviel bedrfe, da es aber, wenn der Markt berfhrt sei, reiner
Wahnsinn sein wrde, gute Zeuge um die halbe Welt zu senden, um von den
weien Ameisen gefressen zu werden. Es habe sich, erklrte er sehr
treffend, nie als zweckmig erwiesen, dem Handel Fesseln anzulegen, die
ihn, anstatt sein Aufblhen und seine Entwicklung zu befrdern, entweder
vernichten oder in falsche Bahnen drngen mten.

Durch Child's hartnckigen Widerstand gereizt, berreichten die Gemeinen
dem Knige eine Adresse, welche ihn ersuchte, die alte Compagnie
aufzulsen und einer neuen Compagnie eine Concession unter denjenigen
Bedingungen zu ertheilen, welche der Weisheit Sr. Majestt passend
erscheinen drften.[39] Aus dem Wortlaute dieser Adresse ist klar
ersichtlich, da die Gemeinen den Knig nach der Verfassung fr
berechtigt hielten, ein ausschlieliches Privilegium zum Handel nach
Ostindien zu ertheilen.

Der Knig erwiederte, der Gegenstand sei hchst wichtig, er werde ihn
reiflich erwgen und demnchst dem Hause eine bestimmtere Antwort
geben.[40] Im Parlament wurde whrend dieser Session nicht mehr von dem
Gegenstande gesprochen; auerhalb des Parlaments aber war der Krieg
heftiger als je, und die Kmpfenden nahmen es keineswegs genau mit den
Mitteln, deren sie sich bedienten. Die Hauptwaffen der neuen Compagnie
waren Schmhschriften, die Hauptwaffen der alten Compagnie waren
Bestechungen.

In der nmlichen Woche, in welcher die Bill zur Regulirung des
ostindischen Handels fallen gelassen wurde, erfuhr eine andre Bill, die
groe Aufregung verursacht und eine fast beispiellose Entfaltung
parlamentarischer Gewandtheit hervorgerufen hatte, das nmliche
Schicksal.


[_Debatten ber die Bill zur Regulirung des Prozeverfahrens in
Hochverrathsfllen._] Whrend der letzten acht Jahre vor der Revolution
hatten die Whigs bittere und eben so gerechte als bittere Klage gefhrt
ber das harte Verfahren, welches gegen politisch Angeklagte angewendet
werde. Sei es nicht emprend, fragten sie, einem Angeklagten die
Einsicht in seine Anklage zu verweigern? Oft habe ein unglcklicher
Gefangener nicht eher erfahren, welches Vergehens er angeklagt war, als
bis er an der Schranke die Hand erhoben habe. Das ihm zur Last gelegte
Verbrechen knne ein Anschlag sein, den Knig zu erschieen oder zu
vergiften; je unschuldiger der Angeklagte sei, um so weniger knne er
den Character der Anklage, auf welche hin ihm der Proze gemacht werde,
errathen, und wie knne er Beweise zur Entkrftung einer Anklage in
Bereitschaft haben, deren Natur er nicht einmal ahnete? Die Krone habe
die Macht, Belastungszeugen zum Erscheinen zu zwingen; der Gefangene
habe diese Macht nicht. Wenn Zeugen freiwillig auftrten, um zu seinen
Gunsten zu sprechen, so knnten sie nicht vereidigt werden, und ihre
Aussage mache daher weniger Eindruck auf eine Jury, als die Aussage der
Belastungszeugen, deren Wahrhaftigkeit durch die feierlichsten
Sanctionen des Gesetzes und der Religion verbrgt werde. Die
Geschwornen, sorgfltig gewhlt durch von der Krone ernannte Sheriffs,
bestnden aus Mnnern, welche vom heftigsten Parteigeiste beseelt seien
und fr einen Exclusionisten oder Dissenter so wenig Theilnahme fhlten,
wie fr einen tollen Hund. Die Regierung habe eine Schaar geschickter,
erfahrener und gewissenloser Juristen zu ihrer Verfgung, die auf den
ersten Blick jede schwache und jede starke Seite eines Rechtsfalles
unterscheiden knnten, die ihre Geistesgegenwart nie verlasse, deren
Redeflu unerschpflich sei und die ihr ganzes Leben damit verbracht
htten, schlechte Grnde so herzurichten, da sie ausshen wie gute. Sei
es nicht entsetzlich, drei oder vier solcher schlauer, gelehrter und
herzloser Redner einem Unglcklichen gegenbergestellt zu sehen, der in
seinem Leben noch kein Wort ffentlich gesprochen habe, der weder die
legale Definition des Wortes Hochverrath noch die ersten Prinzipien des
Zeugenbeweises kenne und dessen im besten Falle einem Kampfe mit
berufsmigen Gladiatoren nicht gewachsener Verstand durch die nahe
Aussicht auf einen grausamen und schimpflichen Tod noch mehr in
Verwirrung gebracht werde? Dies sei indessen die allgemeine Regel, und
selbst fr einen Mann, der so durch Krankheit geschwcht sei, da er die
Hand nicht emporhalten knne, selbst fr eine arme bejahrte Frau, die
von Allem was vorgehe nichts weiter begreife, als da sie wegen eines
Werkes der Barmherzigkeit lebendig gebraten werden solle, drfe kein
Advokat ein Wort der Vertheidigung sprechen. Da ein so gefhrter
Staatsproze nicht viel besser sei als ein Justizmord, war seit der
Proscription der Whigpartei ein Fundamentalartikel des whiggistischen
Glaubens. Die Tories dagegen, obwohl sie nicht in Abrede stellen
konnten, da einige harte Beispiele vorgekommen waren, behaupteten, es
sei im Ganzen materielle Gerechtigkeit gebt worden. Einige wenige
Aufwiegler, die der Grenze des Hochverraths sehr nahe gekommen seien,
sie aber nicht wirklich berschritten htten, knnten vielleicht als
Hochverrther bestraft worden sein. Aber sei dies ein hinreichender
Grund, die Hupter des Ryehousecomplots und des Aufstandes im Westen in
den Stand zu setzen, sich durch bloe Schikanen der verdienten Strafe zu
entziehen? Warum sollte der Hochverrther Aussichten zum Entrinnen
haben, die dem gemeinen Verbrecher nicht zugestanden wrden? Der eines
Eigenthumsvergehens Angeklagte unterliege ebenfalls allen Nachtheilen,
welche bei Knigsmrdern und Rebellen fr so ungerecht gehalten wrden,
und doch bedaure ihn kein Mensch. Niemand halte es fr monstrs, da er
keine Zeit habe, eine Abschrift seiner Anklage zu studiren, da seine
Zeugen vernommen wrden, ohne vereidigt zu sein, da er sich selbst ohne
den Beistand eines Rechtsanwalts, gegen die besten Talente, welche die
Inns of Courts liefern konnten, vertheidigen msse. Die Whigs sparten,
wie es scheine, all' ihr Mitleid fr diejenigen Verbrechen auf, welche
die Regierung umstrzten und das ganze Gebude der menschlichen
Gesellschaft zerstrten. Guy Faux solle mit einer Nachsicht behandelt
werden, die auf einen Einbrecher nicht ausgedehnt werden solle. Bradshaw
solle Vorrechte haben, welche einem Burschen, der einen Hhnerstall
bestohlen, verweigert werden sollten.

Die Revolution brachte, wie zu erwarten stand, einige Vernderung in den
Gesinnungen der beiden groen Parteien hervor. Zu den Zeiten wo nur
Rundkpfe und Nonconformisten des Hochverraths angeklagt wurden, waren
selbst die humansten und rechtschaffensten Cavaliere der Meinung, da
die Gesetze, welche das Bollwerk des Thrones bildeten, kaum zu hart sein
knnten. Sobald aber loyale Torygentlemen und ehrwrdige Vter der
Kirche in Gefahr waren, wegen Correspondirens mit Saint-Germains zur
Verantwortung gezogen zu werden, ging in vielen Kpfen, welche in dem
Verfahren gegen Algernon Sidney und Alice Lisle nicht die mindeste
Ungerechtigkeit zu entdecken vermocht hatten, ein neues Licht auf. Die
Behauptung, da einem des Hochverraths Angeklagten billigerweise einige
Vortheile eingerumt werden knnten, die einem gemeinen Verbrecher
vorenthalten werden mten, wurde nicht mehr fr so ganz ungereimt
erklrt. War es wohl wahrscheinlich, da ein Sheriff eine Jury
bestechen, da ein Advokat alle Kunstgriffe der Sophistik und Rhetorik
aufbieten wrde, um einen Unschuldigen eines Einbruchs oder
Schafdiebstahls zu berfhren? In einem Hochverrathsprozesse aber mute
ein freisprechendes Verdict jederzeit als eine Niederlage fr die
Regierung betrachtet werden, und es war nur zu viel Grund zu der
Befrchtung vorhanden, da viele Sheriff's, Advokaten und Richter durch
Parteigeist oder durch noch niedrigere Motive bewegen werden wrden,
etwas zu thun, was der Regierung den Nachtheil und die Schande einer
Niederlage ersparte. Der allgemeine Ruf der Tories war, da das Leben
guter Englnder, welche zufllig den bestehenden Gewalten entgegen
wren, nicht hinlnglich geschtzt sei, und dieser Ruf wurde durch die
Stimmen einiger Juristen verstrkt, die sich durch den bswilligen Eifer
und die schimpfliche Gewandtheit ausgezeichnet, mit denen sie in den
Tagen Karl's und Jakob's Staatsprozesse geleitet hatten.

Die Gesinnung der Whigs hatte zwar nicht, wie die der Tories, eine
vollstndige Umwandlung erfahren, war aber doch auch nicht mehr ganz die
nmliche wie frher. Einige, die es fr hchst ungerecht gehalten
hatten, da Russell keinen Vertheidiger und Cornish keine Abschrift
seiner Anklage haben sollte, begannen jetzt zu murmeln, da die Zeiten
sich gendert htten, da der Staat von den grten Gefahren bedroht
sei, da Freiheit, Eigenthum, Religion und nationale Unabhngigkeit auf
dem Spiele stnden, da viele Englnder mit Anschlgen beschftigt
seien, welche bezweckten, England zum Sklaven Frankreich's und Rom's zu
machen, und da es hchst unklug sein wrde, in einem solchen
Augenblicke die Gesetze gegen politische Vergehen zu mildern. Allerdings
habe die Ungerechtigkeit, mit der Staatsprozesse unter den letzten
Regierungen gefhrt worden seien, groes Aergerni erregt; aber diese
Ungerechtigkeit msse den schlechten Knigen und den schlechten Richtern
zugeschrieben werden, mit denen das Land heimgesucht gewesen sei. Jetzt
aber sei Wilhelm auf dem Throne, Holt sitze auf Lebenszeit auf der
Richterbank, und Wilhelm werde so schimpfliche und ruchlose Dienste wie
die, fr welche der verbannte Tyrann Jeffreys mit Reichthmern und
Ehrentiteln belohnt habe, ebensowenig je verlangen, wie Holt sie jemals
leisten werde. Diese Sprache fhrten jedoch anfangs nur Wenige. Die
Whigs in ihrer Gesammtheit scheinen eingesehen zu haben, da sie in der
Zeit des Glcks ehrenhafterweise nicht etwas vertheidigen konnten, was
sie in der Zeit ihrer Bedrngni stets als ein schreiendes Unrecht
bezeichnet hatten. Eine Bill zur Regulirung des Verfahrens in
Hochverrathsfllen wurde im Hause der Gemeinen eingebracht und mit
allgemeinem Beifall begrt. Treby hatte den Muth, einige Einwendungen
zu machen, aber es fand keine Abstimmung statt. Die Hauptbestimmungen
waren, da Niemand wegen eines Hochverraths verurtheilt werden solle,
den er mehr als drei Jahre vor seiner Versetzung in den Anklagestand
begangen, da es jedem des Hochverraths Angeklagten gestattet sein
solle, sich eines Rechtsbeistandes zu bedienen, und da ihm zehn Tage
vor Erffnung der Gerichtsverhandlungen eine Abschrift der Anklage sowie
eine Liste der Angesessenen, aus deren Mitte die Jury zu erwhlen war,
geliefert werden solle; da ferner seine Zeugen vereidigt und da sie
durch das nmliche Verfahren vorgeladen werden sollten, durch welches
das Erscheinen der gegen ihn auftretenden Belastungszeugen gesichert
wurde.

Die Bill wurde dem Oberhause vorgelegt und kam mit einem wichtigen
Amendement zurck. Die Lords hatten sich schon lngst ber die anomale
und unbillige Einrichtung des Tribunals beklagt, das in Fllen, wo es
sich um Leben und Tod handelte, die Jurisdiction ber sie hatte. Wenn
eine groe Jury eine gegen einen weltlichen Peer wegen eines schweren
Vergehens erhobene Anklage fr begrndet erfunden hat, so ernennt die
Krone einen Lord High Steward und vor dem Gerichtshofe des Lord High
Steward wird der Fall verhandelt. Dieser Gerichtshof wurde frher auf
zwei verschiedene Arten gebildet. Wenn das Parlament gerade versammelt
war, bestand er aus smmtlichen Mitgliedern des Oberhauses; war es nicht
versammelt, so berief der Lord High Steward zwlf oder mehr Peers, je
nach seinem Belieben, um eine Jury zu bilden. Die Folge davon war, da
ein Peer, der whrend eines Parlamentsabschiedes wegen Hochverraths
angeklagt war, durch eine Jury abgeurtheilt wurde, die seine Anklger so
zusammengesetzt hatten, wie sie es ihren Zwecken dienlich hielten. Jetzt
verlangten die Peers, da jeder des Hochverraths angeklagte Peer whrend
eines Parlamentsabschiedes wie whrend einer Session durch smmtliche
Peers abgeurtheilt werden sollte.

Das Haus der Gemeinen widersetzte sich dem Verlangen mit einer
Heftigkeit und Hartnckigkeit, welche Mnner der gegenwrtigen
Generation schwer begreifen werden. Das kam daher, weil einige gehssige
Privilegien der Pairie, welche seitdem abgeschafft worden und einige
andere, welche ganz auer Gebrauch gekommen sind, damals noch in voller
Kraft waren und tglich ausgebt wurden. Kein Gentleman, der mit einem
Nobleman einen Streit gehabt, konnte sich ohne Unwillen der Vortheile
erinnern, welche die begnstigte Kaste geno. Wurde Se. Lordschaft
gerichtlich belangt, so setzte ihn sein Privilegium in den Stand, den
Gang der Justiz zu hemmen. Wurde ein hartes Wort ber ihn geuert, ein
Wort, wie er selbst es vllig ungestraft aussprechen durfte, so konnte
er sein verletztes Ansehen durch Civil- und Criminalklagen rchen. Wenn
ein Advokat bei Ausbung seiner Pflicht gegen einen Clienten sich mit
Strenge ber das Benehmen eines hochadeligen Verfhrers aussprach, wenn
ein rechtschaffener Squire auf der Rennbahn die Kniffe eines
hochgebornen Schwindlers beim rechten Namen nannte, so brauchte der
beleidigte Patrizier nur bei der stolzen und mchtigen Krperschaft,
deren Mitglied er war, Klage zu fhren. Seine Standesgenossen machten
die Sache zu ihrer eignen, der Beleidiger wurde in Gewahrsam des
schwarzen Stabes gebracht, vor die Schranke gefhrt, ins Gefngni
geworfen und so lange darin gelassen, bis er froh war, durch die
erniedrigendsten Unterwrfigkeitsbezeigungen Vergebung zu erlangen. Es
konnte daher nichts natrlicher sein, als da ein Versuch der Peers, ein
neues Vorrecht fr ihren Stand zu erlangen, von den Gemeinen mit der
heftigsten Eifersucht betrachtet wurde. Es ist starker Grund zu der
Vermuthung vorhanden, da einige geschickte whiggistische Politiker, die
es fr gefhrlich hielten, die Gesetze gegen politische Vergehen in
diesem Augenblicke zu mildern, die aber, ohne den Vorwurf der
Inconsequenz auf sich zu laden, sich nicht jeder Milderung abgeneigt
erklren konnten, die Hoffnung hegten, da sie durch Anschrung des
Streits wegen des Gerichtshofes des Lord High Steward, die Annahme einer
Bill, die ihnen mifiel, der sie sich aber schicklicherweise nicht
widersetzen durften, um wenigstens ein Jahr wrden hinausschieben
knnen. Wenn dies wirklich ihr Plan war, so gelang derselbe vollkommen.
Das Unterhaus verwarf das Amendement, das Oberhaus bestand darauf; es
ward eine freie Conferenz gehalten und die Frage wurde auf beiden Seiten
mit groem Geschick und Scharfsinn discutirt.

Die Grnde zu Gunsten des Amendements sind in die Augen springend und
scheinen auf den ersten Anblick unwiderlegbar. Es war gewi nicht
leicht, ein System zu vertheidigen, nach welchem der Souverain ein
Conclave seiner eigenen Creaturen ernannte, um das Schicksal von Mnnern
zu entscheiden, die er als seine Todfeinde betrachtete. Konnte es wohl
etwas Widersinnigeres geben, als da ein des Hochverraths angeklagter
Cavalier berechtigt sein sollte, durch die Gesammtheit seiner Peers
abgeurtheilt zu werden, wenn seine Anklage zufllig eine Minute vor
einer Prorogation ins Haus der Lords kam, da er aber, wenn seine
Anklage eine Minute nach der Prorogation eintraf, der Gewalt einer durch
die nmliche Behrde, die ihn anklagte, ernannten kleinen Junta
preisgegeben sein sollte? Es scheint unglaublich, da etwas fr die
andre Seite gesagt werden konnte; aber die Vertreter der Gemeinen bei
der Conferenz waren keine gewhnlichen Menschen und boten bei dieser
Gelegenheit ihren ganzen Scharfsinn auf. Unter ihnen zeichnete sich
besonders Karl Montague aus, der sich rasch zu einer der ersten Stellen
unter den Rednern der damaligen Zeit emporschwang. Ihm scheint bei
dieser Gelegenheit die Wortfhrung berlassen worden zu sein, und seiner
Feder verdanken wir einen Bericht ber die Discussion, der eine hohe
Meinung von seinen Talenten zur Debatte giebt. Wir haben -- so lautete
in der Hauptsache sein Raisonnement -- ein Gesetz entworfen, das nichts
Ausschlieendes in sich hat, ein Gesetz, das fr alle Klassen, von der
hchsten bis zur niedrigsten, eine Wohlthat sein wird. Die neuen
Schutzmittel, welche wir der durch Macht unterdrckten Unschuld zu
gewhren vorschlagen, kommen dem vornehmsten Peer wie dem rmsten
Tagelhner zu Gute. Die Klausel, welche einen Verjhrungstermin fr
Anklagen festsetzt, schtzt uns alle gleichmig. Jedem des grten
Verbrechens gegen den Staat angeklagten Englnder, welchen Standes er
auch sei, bewilligen wir das Privilegium, seine Anklage einzusehen, das
Privilegium, sich durch einen Rechtsanwalt vertheidigen zu lassen, das
Privilegium, da seine Zeugen unter Strafandrohung vorgeladen und auf
das Evangelium vereidigt werden. So lautete die Bill, die wir Euren
Lordschaften zugeschickt haben, und Sie senden uns dieselbe mit einer
Klausel zurck, welche bezweckt, Ihrem edlen Stande auf Kosten der alten
Prrogativen der Krone gewisse Vortheile zu geben. Bevor wir
einwilligen, dem Knige irgend eine Befugni zu entziehen, die seine
Vorgnger seit Jahrhunderten besessen haben, und sie Euren Lordschaften
zu geben, mssen wir doch sicherlich erst berzeugt sein, da wir von
Ihnen eher eine gute Anwendung derselben erwarten drfen als von ihm.
Etwas mssen wir wagen, Jemandem mssen wir vertrauen, und da wir ganz
gegen unsren Willen gezwungen sind, einen Vergleich zu ziehen, der
nothwendig ein gehssiges Ansehen haben mu, so gestehen wir Ihnen, da
wir keinen Grund zu dem Glauben zu entdecken vermgen, da einem Frsten
weniger zu trauen sei als einer Aristokratie. Ist es billig, fragen Sie,
da Sie durch einige wenige von der Krone erwhlte Mitglieder Ihres
Hauses auf Leben und Tod abgeurtheilt werden sollen? Ist es billig,
fragen wir dagegen, da Sie das Privilegium haben sollen, durch alle
Mitglieder Ihres Hauses, das heit durch Ihre Brder, Ihre Oheime, Ihre
Vettern, Ihre Schwiegervter, Ihre Schwger und Ihre intimsten Freunde
abgeurtheilt zu werden? Ihre Familien verheirathen sich so vielfach mit
einander, Sie leben soviel in gegenseitiger Gesellschaft, da es kaum
einen Nobleman giebt, der nicht durch Blutsverwandtschaft oder
Verschwgerung mit mehreren anderen verbunden wre und nicht auerdem
mit mehreren auf freundschaftlichem Fue stnde. Es hat vornehme Mnner
gegeben, deren Tod ein Dritttheil oder ein Viertheil der Barone
England's in Trauer versetzte. Auch ist keine groe Gefahr vorhanden,
da selbst diejenigen Peers, die mit einem angeklagten Lord nicht
verwandt sind, geneigt sein werden, ihn aufs Schaffot zu bringen, wenn
sie mit Anstand sagen knnen: Nichtschuldig, auf meine Ehre. Denn der
schimpfliche Tod eines einzigen Mitgliedes einer kleinen
aristokratischen Kaste lt nothwendig einen Flecken auf dem Rufe seiner
Standesgenossen zurck. Wenn Eure Lordschaften vorschlgen, da jeder
der Ihrigen gezwungen sein sollte, zu erscheinen und seine Stimme
abzugeben, dann wrde die Krone vielleicht einige Aussicht haben, gegen
einen schuldigen Peer, so zahlreiche Verbindungen er auch haben mchte,
Gerechtigkeit zu erlangen. Aber Sie schlagen vor, da das Erscheinen
freiwillig sein soll. Kann Jemand in Zweifel darber sein, was die Folge
sein wird? Alle Verwandten und Freunde des Gefangenen werden sich
einfinden, um fr ihn zu stimmen. Gutmthigkeit und die Furcht sich
mchtige Feinde zu machen, wird Viele zurckhalten, denen ihr Gewissen
und ihre Ehre gebieten wrde, gegen ihn zu stimmen. Das von Ihnen
vorgeschlagene neue System wrde daher offenbar ungerecht gegen die
Krone sein, und Sie fhren keinen Grund an, aus welchem hervorginge, da
sich das alte System in der Praxis als ungerecht gegen Sie erwiesen
htte. Wir knnen fest behaupten, da selbst unter einer weniger
gerechten und milden Regierung als die, unter der wir zu leben das Glck
haben, ein unschuldiger Peer von irgend einer Auswahl von Peers, die in
Westminster Hall zusammentreten kann, um ber ihn abzuurtheilen, wenig
zu frchten hat. Wo ist ein Factum? In welchem einzelnen Falle ist durch
das Verdict dieser parteiisch gewhlten Jury ein schuldloses Haupt
gefallen? Es wrde leicht sein, eine lange Liste von Squires,
Kaufleuten, Advokaten, Aerzten, Freisassen, Handwerkern und Landleuten
aufzustellen, deren in den jngstvergangenen schlimmen Zeiten barbarisch
vergossenes Blut zum Himmel um Rache schreit. Aber welches Mitglied
Ihres Hauses erlitt in unseren Tagen, oder in den Tagen unserer Vter,
oder in den Tagen unserer Grovter durch einen Ausspruch des
Gerichtshofes des Lord High Steward ungerechterweise den Tod? Hunderte
aus dem Volke wurden durch gewhnliche Juries wegen des Ryehousecomplots
und des Aufstandes im Westen zum Galgen geschickt. Ein Peer, und nur ein
einziger, Mylord Delamere, wurde damals vor den Gerichtshof des Lord
High Steward gestellt und freigesprochen. Ja, wird man sagen, weil die
gegen ihn vorliegenden Beweise gesetzlich ungengend waren. Mag sein.
Aber eben so war es mit den Beweisen gegen Sidney, gegen Cornish und
gegen Alice Lisle, und doch gengten sie, um diese zu verderben. Aber,
wird man sagen, die Peers, vor welche Mylord Delamere gestellt wurde,
waren vom Knig Jakob und von Jeffreys mit schamloser Parteilichkeit
ausgewhlt. Zugegeben. Aber dies beweist nur, da unter dem mglichst
schlechten Knige und unter dem mglichst schlechten Oberrichter ein von
Lords gerichteter Lord immer noch mehr Aussicht hat, mit dem Leben davon
zu kommen, als ein gemeiner Mann, der an sein Vaterland appellirt. Wir
knnen daher unter der milden Regierung, die wir jetzt besitzen, keine
groe Besorgni wegen der Sicherheit eines unschuldigen Peers hegen.
Mchten wir eben so unbesorgt wegen der Sicherheit dieser Regierung sein
knnen! Aber es ist notorisch, da die Ordnung der Dinge, mit der unsere
Freiheiten untrennbar verbunden sind, zu gleicher Zeit von fremden und
von einheimischen Feinden angegriffen wird. Wir knnen unter so
kritischen Verhltnissen uns nicht dazu verstehen, die Zgel zu lockern,
die sich, wie wir mit gutem Grunde frchten, schon als zu locker
erwiesen haben, um einige hochgestellte Mnner abzuhalten, Anschlge auf
den Untergang ihres Vaterlandes zu machen. Um Alles noch einmal
zusammenzufassen, so verlangt man von uns, da wir einwilligen sollen,
eine gewisse Gewalt von Ihren Majestten auf Ihre Lordschaften zu
bertragen. Unsre Antwort darauf ist: da Ihre Majestten unsrer Meinung
nach gegenwrtig nicht zuviel Gewalt und Ihre Lordschaften vollkommen
genug haben.

Obwohl diese Argumente ungemein scharfsinnig und nicht ohne wirkliches
Gewicht waren, vermochten sie doch nicht, das Oberhaus zu berzeugen.
Die Lords bestanden darauf, da jeder Peer berechtigt sein sollte, als
Mitglied des Gerichtshofes zu fungiren. Die Gemeinen wurden mit Mhe
bewogen, darein zu willigen, da die Anzahl der Mitglieder des
Gerichtshofes nie weniger als sechsunddreiig sein solle, und weigerten
sich auf das Bestimmteste, irgend ein weiteres Zugestndni zu machen.
Die Bill wurde deshalb fallen gelassen.[41]

Es ist gewi, da Diejenigen, welche in der Conferenz ber diese Bill
die Gemeinen vertraten, die Gefahren, denen die Regierung ausgesetzt
war, nicht bertrieben. Whrend die Einrichtung des Gerichtshofes, der
ber des Hochverraths angeklagte Peers aburtheilen sollte, discutirt
wurde, kam ein mit seltener Geschicklichkeit von einem Peer
geschmiedeter Hochverrathsplan beinahe zur Ausfhrung.


[_Complot Marlborough's gegen die Regierung Wilhelm's._] Marlborough
hatte nie aufgehrt, dem Hofe von Saint-Germains zu versichern, da das
groe Verbrechen, welches er begangen, ihm bestndig vorschwebe und da
er keinen andren Lebenszweck mehr habe, als es zu bereuen und wieder gut
zu machen. Er hatte nicht allein sich selbst, sondern auch die
Prinzessin Anna bekehrt. Im Jahre 1688 hatten die Churchill sie mit
geringer Mhe bewogen, aus dem Palaste ihres Vaters zu entfliehen. Im
Jahre 1691 bewogen sie sie mit eben so geringer Mhe, einen Brief
abzuschreiben und zu unterzeichnen, in welchem sie ihre innige
Theilnahme an seinem Unglck und den ernsten Wunsch aussprach, ihre
Pflichtverletzung wieder gut zu machen.[42] Zu gleicher Zeit nhrte
Marlborough die Hoffnung, da es in seiner Macht stehen werde, die
Wiedereinsetzung seines frheren Gebieters auf dem bestmglichen Wege,
ohne den Beistand eines einzigen fremden Soldaten oder Seemannes, durch
die Beschlsse der englischen Lords und Gemeinen und durch die
Untersttzung der englischen Armee zu bewerkstelligen. Wir sind ber die
Einzelnheiten seines Planes nicht vollkommen unterrichtet; die Umrisse
desselben aber kennen wir aus einer von Jakob geschriebenen hchst
interessanten Abhandlung, von der sich eine Copie in der Bodlejanischen
Bibliothek und eine andre in den Archiven des franzsischen Ministeriums
des Auswrtigen befindet.

Die Eifersucht mit der die Englnder die Hollnder betrachteten, war
damals sehr heftig. Eine herzliche Freundschaft hatte niemals zwischen
den beiden Nationen bestanden. Sie waren zwar nahe verwandt mit
einander; sie sprachen zwei Dialecte einer weitverbreiteten Sprache,
beide rhmten sich ihrer politischen Freiheit, beide huldigten dem
reformirten Glauben, beide wurden von dem nmlichen Feinde bedroht, und
konnten nur so lange vor ihm sicher sein als sie einig waren. Gleichwohl
herrschte keine aufrichtige Zuneigung zwischen ihnen. Sie wrden
einander wahrscheinlich mehr geliebt haben, wenn sie einander in mancher
Beziehung weniger geglichen htten. Sie waren die beiden groen
Handelsnationen und die beiden groen Seevlker. Ihre Flaggen fand man
in allen Meeren beisammen, im baltischen wie im mittellndischen, im
Golf von Mexico wie in der Meerenge von Malakka. Ueberall bemhten sich
der Kaufmann von London und der Kaufmann von Amsterdam einander zu
berflgeln und Concurrenz zu machen. In Europa war der Kampf nicht
blutig. In barbarischen Lndern aber, wo kein andres Gesetz als das
Recht des Strkeren herrschte, waren die beiden Nebenbuhler, von
Habsucht und Ha erfllt, zum Kampfe gerstet, jeder dem andren
feindselige Absichten zutrauend und jeder entschlossen, dem andren
keinen Vortheil zu gnnen, nur zu oft aneinander gerathen. Da unter
solchen Umstnden viele Gewaltthtigkeiten und Grausamkeiten verbt
wurden, ist nicht zu verwundern. Man konnte in Europa selten genau
erfahren, was in jenen entfernten Gegenden geschehen war. Alles wurde
durch vage Gerchte und durch das Nationalvorurtheil bertrieben und
entstellt. Bei uns glaubte das Volk, da die Englnder stets
vorwurfsfrei seien und da jeder Streit der Habsucht und
Unmenschlichkeit der Hollnder zugeschrieben werden msse.
Beklagenswerthe Vorflle, die sich auf den Gewrzinseln ereignet hatten,
wurden wiederholt auf unsre Bhne gebracht. Die Englnder waren alle
Heilige und Helden, die Hollnder durchgehends Teufel in
Menschengestalt, lgend, raubend, schndend, mordend und qulend. Die
zornigen Leidenschaften, welche diese Theaterstcke verriethen, hatten
sich mehr als ein Mal im Kriege Luft gemacht. Dreimal im Zeitraume eines
Menschenlebens hatten diese beiden Nationen mit gleichem Muthe und mit
wechselndem Glcke um die Herrschaft auf dem deutschen Ocean gestritten.
Die Tyrannei Jakob's hatte, wie sie die Tories mit den Whigs und die
Hochkirchlichen mit den Nonconformisten ausshnte, auch die Englnder
mit den Hollndern ausgeshnt. Whrend unsere Vorfahren aus dem Haag
Befreiung erwarteten, hatte es den Anschein gehabt, als ob das Gemetzel
von Amboina und die groe Demthigung von Chatham vergessen gewesen
wren. Aber seit der Revolution war das alte Gefhl wiedererwacht.
Obwohl England und Holland jetzt durch einen Vertrag eng mit einander
verbunden waren, waren sie doch so wenig als je durch Zuneigung
verbrdert. Einmal, unmittelbar nach der Schlacht bei Beachy Head,
schienen unsere Landsleute geneigt, gegen die Hollnder gerecht zu sein;
aber es trat sehr bald eine heftige Reaction ein. Torrington, der
erschossen zu werden verdiente, wurde ein Liebling des Volks, und die
Bundesgenossen, die er schndlicherweise im Stich gelassen, wurden
beschuldigt, da sie ihn ohne Ursache verfolgten. Die Parteilichkeit,
welche der Knig fr die Gefhrten seiner Jugend an den Tag gelegt, war
das Lieblingsthema der Aufwiegler. Die eintrglichsten Stellen in seinem
Hofstaate, sagte man, wrden von Hollndern bekleidet; das Haus der
Lords flle sich rasch mit Hollndern; die schnsten Domnen der Krone
wrden Hollndern verliehen; die Armee werde von Hollndern befehligt.
Da Wilhelm klug gethan haben wrde, wenn er seine lobenswerthe Vorliebe
fr sein Vaterland etwas weniger auffallend an den Tag gelegt und seine
alten Freunde etwas sparsamer belohnt htte, ist vollkommen wahr. Aber
es wird nicht leicht zu beweisen sein, da er bei irgend einer wichtigen
Gelegenheit whrend seiner ganzen Regierung die Interessen unserer Insel
den Interessen der Vereinigten Provinzen nachstellte. Die Englnder
waren jedoch in diesem Punkte zu Anfllen von Eifersucht geneigt, die
sie ganz unfhig machten, der Vernunft Gehr zu geben. Einer der
heftigsten dieser Anflle trat im Jahre 1691 ein. Die Antipathie gegen
die Hollnder war zu der Zeit in allen Klassen stark, nirgends aber
strker als im Parlament und in der Armee.[43]

Diese Antipathie beschlo Marlborough zu benutzen, um, wie er Jakob und
dessen Anhngern versicherte, eine Restauration herbeizufhren. Die
Stimmung beider Huser war von der Art, da sie durch geschickte
Behandlung nicht unwahrscheinlich bestimmt werden konnten, eine
gemeinschaftliche Adresse zu berreichen, welche darum ersuchte, da
alle Auslnder aus dem Dienste Ihrer Majestten entfernt werden mchten.
Marlborough unternahm es, eine solche Adresse bei den Lords zu
beantragen, und es wrde nicht schwer gehalten haben, einen Gentleman
von groem Gewicht zu finden, der einen gleichen Antrag bei den Gemeinen
gestellt htte.

Wenn die Adresse durchging, was konnte Wilhelm dann thun? Wrde er
nachgeben und alle seine theuersten, ltesten und zuverlssigsten
Freunde aus seiner Nhe entfernen? Es war kaum mglich zu glauben, da
er eine so schmerzliche und so demthigende Concession machen wrde.
Fgte er sich nicht, so entstand ein Bruch zwischen ihm und dem
Parlament und des Parlament hatte das Volk zur Sttze. Selbst ein kraft
eines erblichen Titels regierender Knig htte wohl vor einem solchen
Kampfe mit den Stnden des Reichs zurckschrecken knnen. Einem Knige
aber, dessen Rechtstitel auf einem Beschlusse der Stnde des Reichs
beruhten, mute ein solcher Kampf fast unvermeidlich zum Verderben
gereichen. Die letzte Hoffnung Wilhelm's war dann die Armee. Diese zu
bearbeiten nahm Marlborough ebenfalls auf sich, und es ist hchst
wahrscheinlich, da ihm auch hier sein Plan gelungen sein wrde. Sein
Muth, seine Talente, seine noblen und gewinnenden Manieren, der
glnzende Erfolg, den er bei jeder Gelegenheit wo er das Commando
gefhrt, errungen, hatten ihn ungeachtet seiner schmutzigen Laster zum
Liebling seiner Waffenbrder gemacht. Sie waren stolz darauf, einen
Landsmann zu haben, der bewiesen hatte, da ihm nur die Gelegenheit
fehlte, um es mit dem geschicktesten Marschall von Frankreich
aufzunehmen. Bei den englischen Truppen waren die Hollnder noch weniger
beliebt als bei der Nation berhaupt. Wre daher Marlborough, nachdem er
sich die Mitwirkung einiger hoher Offiziere gesichert, im kritischen
Augenblicke vor den Regimentern erschienen, die er in Flandern und in
Irland zum Siege gefhrt, htte er sie aufgefordert, sich um ihn zu
schaaren, das Parlament zu beschtzen und die Fremden zu vertreiben, so
ist starker Grund zu der Annahme vorhanden, da seinem Aufrufe Folge
geleistet worden wre. Es wrde dann in seiner Macht gestanden haben,
die Versprechungen zu erfllen, die er seinem frheren Gebieter so
feierlich gegeben.

Von allen Plnen, welche je zur Restauration Jakob's oder seiner
Nachkommen entworfen wurden, versprach dieser der beste zu sein. Der
Nationalstolz und der Ha gegen Willkrgewalt, welche bisher auf
Wilhelm's Seite gewesen waren, wrden sich jetzt gegen ihn gewendet
haben. Hunderttausende, die ihr Leben aufs Spiel gesetzt haben wrden,
um eine franzsische Armee zu verhindern, den Englndern eine Regierung
aufzudringen, wrden keine Lust gezeigt haben, eine englische Armee am
Hinaustreiben der Hollnder zu hindern. Selbst die Whigs konnten, ohne
ihre alten Grundstze aufzugeben, kaum einen Frsten untersttzen, der
sich hartnckig weigerte, den ihm durch sein Parlament kund gegebenen
allgemeinen Wunsch seines Volks zu erfllen. Das Complot lief sich ganz
gut an. Es wurden eifrig Stimmen geworben, und viele Mitglieder des
Hauses der Gemeinen, die nicht die entfernteste Ahnung davon hatten, da
ein weitergehender Plan dahinter steckte, versprachen gegen die Fremden
zu stimmen. Marlborough war unermdlich, die Mistimmung der Armee zu
nhren. Sein Haus war bestndig mit Offizieren angefllt, die sich durch
Schmhen der Hollnder bis zur Wuth erhitzten. Noch ehe aber die
Vorbereitungen beendigt waren, stieg in einem der Jakobiten ein
sonderbarer Verdacht auf. Da der Urheber dieses khnen und schlauen
Planes die bestehende Regierung strzen wollte, konnte kaum einem
Zweifel unterliegen. Aber war es auch ganz gewi, welche andre Regierung
er einzusetzen gedachte? Konnte er nicht Wilhelm absetzen, ohne Jakob
einzusetzen? War es nicht mglich, da ein so kluger, so ehrgeiziger
und so gewissenloser Mann einen doppelten Verrath im Sinne haben
konnte, einen Verrath, den die groen italienischen Politiker des
15.Jahrhunderts ein Meisterstck der Staatskunst genannt, um den
ihn ein Borgia beneidet, den ein Machiavel bis in den Himmel erhoben
haben wrde? Wie, wenn dieser vollendete Heuchler beide rivalisirende
Knige betrog? Wie, wenn er als Befehlshaber der Armee und als
Protector des Parlaments die Prinzessin Anna zur Knigin proklamirte?
War es nicht mglich, da die ermdete und gehetzte Nation sich eine
solche Einrichtung willig gefallen lie? Jakob war unpopulr, weil
er ein unter dem Einflusse papistischer Priester stehender Papist
war. Wilhelm war unpopulr, weil er ein auslndischen Gnstlingen
zugethaner Auslnder war. Anna war zu gleicher Zeit Protestantin
und Englnderin. Unter ihrer Regierung konnte das Land nicht in die
Gefahr kommen, entweder mit Jesuiten oder mit Hollndern berschwemmt
zu werden. Da Marlborough die strksten Grnde hatte, sie auf den
Thron zu setzen, lag auf der Hand. Am Hofe ihres Vaters konnte er nie
etwas Andres als ein reuiger Snder sein, dessen Dienste durch einen
Pardon mehr als bezahlt waren. An ihrem Hofe aber wre der Gatte ihrer
geliebten Freundin das geworden, was Pipin Heristall und Karl Martell
den Chilperich und Childebert gewesen waren. Die oberste Leitung der
Civil- und Militrverwaltung wre in seine Hnde gekommen, er htte
ber die ganze Macht England's verfgt, er htte die Wagschale Europa's
gehalten, groe Knige und Republiken htten um seine Gunst gebuhlt
und ihre Staatskassen erschpft in der eitlen Hoffnung, seine Habsucht
zu befriedigen. Es war daher anzunehmen, da, wenn er die englische
Krone in seine Gewalt bekam, er sie der Prinzessin aufsetzen wrde.
Welche Beweise die Richtigkeit dieser Annahme untersttzten, ist nicht
bekannt; soviel aber ist gewi, da sich etwas ereignete, was einige
der ergebensten Freunde der verbannten Familie berzeugte, da er
eine neue Perfidie im Sinne habe, welche selbst das noch bertraf,
was er in Salisbury gethan. Sie frchteten da, wenn es ihnen in
diesem Augenblicke gelang, Wilhelm los zu werden, Jakob's Situation
hoffnungsloser als je sein wrde.


[_Marlborough's Complot durch die Jakobiten verrathen._] Sie waren von
der Falschheit ihres Complicen so fest berzeugt, da sie sich nicht nur
weigerten, in der Ausfhrung des von ihm entworfenen Planes weiter zu
gehen, sondern den ganzen Anschlag Portland entdeckten.

Wilhelm scheint durch diese Mittheilung in einem bei ihm ganz
ungewhnlichen Grade beunruhigt und aufgebracht worden zu sein. Er war
sonst nachsichtig, ja sogar absichtlich blind fr die Schlechtigkeit der
englischen Staatsmnner, die er in seinem Dienste verwendete. Er ahnete,
er wute sogar, da einige seiner Diener mit seinem Nebenbuhler in
Correspondenz standen, und doch bestrafte er sie nicht, verabschiedete
sie nicht und zeigte ihnen nicht einmal ein finstres Gesicht. Er
schtzte das ganze Geschlecht von Staatsmnnern, welches die
Restauration gebildet und der Revolution hinterlassen hatte, gering, und
er hatte nur zu guten Grund, sie gering zu schtzen. Er kannte sie zu
gut, als das er sich htte darber beklagen sollen, da er bei ihnen
keine Wahrhaftigkeit, Treue, Consequenz und Uneigenntzigkeit fand. Das
Aeuerste was er von ihnen erwartete, war, da sie ihm dienen wrden,
soweit als sie ihm ohne Gefahr fr sich selbst dienen konnten. Wenn er
hrte, da sie, whrend sie in seinem Staatsrathe saen und von seiner
Freigebigkeit reich wurden, sich in Saint-Germains einen Einflu zu
verschaffen suchten, der ihnen im Falle einer Contrerevolution von
Nutzen sein konnte, so war er eher geneigt ihnen das geringschtzende
Lob zu ertheilen, das vor Alters der weltlichen Klugheit des ungerechten
Hausverwalters gezollt wurde, als sie zu strenger Rechenschaft zu
ziehen. Aber Marlborough's Verbrechen war von ganz andrer Art. Sein
Verrath war nicht der eines Kleinmthigen, der sich fr alle Flle eine
Hinterthr offen halten will, sondern der eines Mannes von furchtlosem
Muthe, groer Klugheit und malosem Ehrgeize. Wilhelm war nicht zur
Furcht geneigt; aber wenn es irgend etwas in der Welt gab was er
frchtete, so war es Marlborough. Den Verbrecher so zu behandeln wie er
es verdiente, war allerdings unmglich, denn Die, welche seine Absichten
der Regierung verrathen hatten, wrden sich nie dazu verstanden haben,
gegen ihn in der Zeugenloge zu erscheinen; aber ihm das Obercommando der
Armee zu lassen, die er eben zu verfhren beschftigt war, wrde
Wahnsinn gewesen sein.


[_Marlborough's Ungnade._] Spt am Abend des 9.Januar hatte die Knigin
eine peinliche Unterredung mit der Prinzessin Anna. Am andern Morgen in
der Frhe wurde Marlborough benachrichtigt, da Ihre Majestten seiner
Dienste ferner nicht bedrften und da er sich nicht beikommen lassen
solle, wieder vor dem Knige oder der Knigin zu erscheinen. Er war mit
Ehren, und, was ihm noch viel lieber gewesen war, mit Reichthmern
berschttet worden. Dies Alles wurde ihm pltzlich entzogen.


[_Verschiedene Gerchte ber die Ursache von Marlborough's Ungnade._]
Die wahre Geschichte dieser Vorgnge war nur Wenigen bekannt. Evelyn,
der gewhnlich vortreffliche Erkundigungsquellen hatte, glaubte, da die
Bestechlichkeit und die Erpressung, deren Marlborough sich notorisch
schuldig gemacht hatte, den kniglichen Unwillen erregt htten. Die
hollndischen Minister konnten den Generalstaaten nur sagen, da
Marlborough's Feinde sechs verschiedene Geschichten in Umlauf gebracht
htten. Einige sagten, er habe sich indiscreterweise ein wichtiges
militrisches Geheimni entschlpfen lassen; Andere, er habe
unehrerbietig von Ihren Majestten gesprochen; Andere, er habe zwischen
der Knigin und der Prinzessin Unfrieden gestiftet; Andere, er habe in
der Armee Cabalen geschmiedet; Andere, er habe unbefugterweise mit der
dnischen Regierung ber die allgemeine europische Politik
correspondirt; noch Andere endlich, er habe mit den Agenten des Hofes
von Saint-Germains verkehrt.[44] Seine Freunde widersprachen allen
diesen Geschichten und behaupteten, sein einziges Verbrechen bestehe in
seiner Abneigung gegen die Fremden, die ber seine Landsleute
dominirten, und er sei ein Opfer der Machinationen Portland's geworden,
von dem man wute, da er ihn nicht leiden konnte und den er eben nicht
sehr artig einen hlzernen Patron genannt hatte. Das von Anfang an ber
der Geschichte von Marlborough's Ungnade schwebende Dunkel wurde nach
Verlauf von funfzig Jahren durch die schamlose Lgenhaftigkeit seiner
Wittwe noch undurchdringlicher. Jakob's gedrngte Darstellung zerreit
den Geheimnischleier und giebt nicht nur darber Aufklrung, warum
Marlborough in Ungnade fiel, sondern auch darber, wie mehrere von den
Gerchten ber die Ursache seiner Ungnade entstanden sind.[45]


[_Bruch zwischen Marien und Anna._] Wenn auch Wilhelm dem Publikum
keinen Grund angab, warum er durch Entlassung seines Dieners seine
unbestrittene Prrogative ausbte, so war doch Anna von dem wahren
Sachverhalt unterrichtet worden, und man hatte es ihr berlassen zu
beurtheilen, ob ein Offizier, der sich eines schndlichen Verraths
schuldig gemacht, ein passender Bewohner des Palastes sei. Drei Wochen
vergingen. Lady Marlborough behielt noch immer ihren Posten und ihre
Gemcher zu Whitehall inne, ihr Gatte wohnte noch immer bei ihr, und
noch immer gaben der Knig und die Knigin kein Zeichen von Mifallen.
Endlich beschlo die bermthige und rachschtige Grfin, durch ihre
Langmuth dreist gemacht, ihnen offen zu trotzen, und begleitete ihre
Gebieterin eines Abends in den Abendzirkel nach Kensington. Das war
selbst der sanften Marie zu stark. Sie wrde ihren Unwillen vor der
ganzen Gesellschaft, welche die Spieltische umgab, geuert haben, htte
sie nicht bedacht, da ihre Schwester sich in einem Zustande befand, in
welchem die Frauen Anspruch auf besondere Schonung haben. Sie sagte
daher diesen Abend nichts; am folgenden Tage aber wurde der Prinzessin
ein Brief von der Knigin berbracht. Marie erklrte, da sie eine
Schwester, die sie liebe und bei der sie leicht ber jeden gewhnlichen
Fehler hinwegsehen knne, ungern betrbe; aber die Sache sei zu ernst.
Lady Marlborough msse entlassen werden. So lange sie Whitehall bewohne,
wrde auch ihr Gatte daselbst wohnen. Sei es aber schicklich, da ein
Mann in seiner Lage den Palast seines beleidigten Gebieters bewohnen
drfe? Se. Majestt sei indessen so entschieden abgeneigt, selbst gegen
den schlimmsten Uebelthter mit Strenge zu verfahren, da er auch dies
sich habe gefallen lassen und es sich noch langer wrde gefallen lassen
haben, htte nicht Anna die Grfin veranlat, dem Knige und der Knigin
in ihrem eigenen Gesellschaftszimmer zu trotzen. Es war unfreundlich
von einer Schwester, schrieb Marie; es wrde unartig von einer
Gleichstehenden gewesen sein, und ich brauche wohl nicht zu sagen, da
ich mehr beanspruchen darf. Die Prinzessin versuchte es in ihrer
Antwort nicht, Marlborough zu rechtfertigen oder zu entschuldigen,
sprach aber die feste Ueberzeugung aus, da seine Gattin unschuldig sei,
und beschwor die Knigin, nicht auf einer so herzzerreienden Trennung
zu bestehen. Es giebt kein Unglck, schrieb Anna, das ich nicht eher
wrde ertragen knnen als den Gedanken, mich von ihr zu trennen.

Die Prinzessin lie ihren Oheim Rochester kommen und bat ihn dringend,
ihren Brief nach Kensington zu berbringen und dort ihr Frsprecher zu
sein. Rochester lehnte das Amt des Boten ab und zeigte sich, obwohl er
die Eintracht zwischen seinen Verwandten herzustellen versuchte,
durchaus nicht geneigt, zu Gunsten der Churchill zu sprechen. Er sah in
der That schon seit langer Zeit mit hchstem Mifallen die unbedingte
Herrschaft, welche dieses characterlose Ehepaar ber seine jngere
Nichte ausbte. Anna's Schreiben wurde sonach der Knigin durch einen
Diener bersandt. Die einzige Antwort darauf war ein Handbillet von dem
Lord Kammerherrn, Dorset, welches Lady Marlborough befahl, den Palast zu
verlassen. Mrs. Morley wollte sich nicht von Mrs. Freeman trennen, und
Mr. Morley war jeder Aufenthaltsort recht, wo er seine drei Gnge und
seine drei Flaschen haben konnte. Die Prinzessin zog sich daher mit
ihrer ganzen Familie nach Sion House, einer dem Herzoge von Somerset
gehrenden, am Ufer der Themse gelegenen Villa zurck. In London
bewohnte sie Berkeley House, das in Piccadilly in der Gegend stand, wo
sich jetzt Devonshire House befindet.[46] Ihr Einkommen war ihr durch
eine Parlamentsacte gesichert, aber keine Strafe, welche die Krone ber
sie zu verhngen die Macht hatte, wurde gespart. Ihre Ehrenwache wurde
ihr entzogen. Die fremden Gesandten machten ihr nicht mehr die
Aufwartung. Wenn sie nach Bath ging, schrieb der Staatssekretr an den
dortigen Mayor, um ihn aufzufordern, sie nicht mit den Ehrenbezeigungen
zu empfangen, mit denen knigliche Besucher bewillkommnet zu werden
pflegten. Wenn sie in der St. James-Kirche dem Gottesdienste beiwohnte,
bemerkte sie, da es dem Rector untersagt worden war, ihr die blichen
Achtungsbezeigungen zu erweisen, sich auf der Kanzel vor ihr zu
verbeugen und eine Abschrift des Predigttextes auf ihr Kissen legen zu
lassen. Selbst der Nachtwchter von Piccadilly, sagte man, vielleicht
flschlich, habe Ordre gehabt, nicht mehr unter ihren Fenstern von
Berkeley House ihr Lob in seinen holprigen Versen zu singen.[47]

Da Anna Unrecht hatte, war klar; nicht ganz so klar aber war es, ob
der Knig und die Knigin Recht hatten. Sie htten ihr Mifallen
entweder ganz verbergen, oder die wahren Grnde desselben offen erklren
sollen. Leider jedoch lieen sie Jedermann die Strafe sehen, aber kaum
irgend Jemanden die Veranlassung dazu erfahren. Sie htten bedenken
sollen, da bei mangelnder Kenntni der Ursache eines Streits das
Publikum von vornherein geneigt ist, fr den schwcheren Theil Partei zu
nehmen und da diese Geneigtheit in dem Falle ganz besonders stark sein
mu, wenn eine Schwester ohne sichtbaren Grund von einer Schwester hart
behandelt wird. Sie htten ferner auch bedenken sollen, da sie die
einzige verwundbare Seite von Mariens Character Angriffen preisgaben.
Ein hartes Geschick hatte sie mit ihrem Vater verfeindet. Ihre
Verleumder sprachen ihr jede natrliche Kindesliebe ab und selbst ihre
Lobredner muten, wenn sie von der Art und Weise sprachen, wie sie sich
ihrer Kindespflichten entledigte, einen gedmpften und apologetischen
Ton annehmen. Es konnte sich daher nicht unglcklicher treffen, als da
sie zum zweiten Male der Bande des Bluts uneingedenk erschien. So lag
sie also nun im offenen Kriege mit den beiden Personen, die ihr nach dem
Verwandtschaftsgrade am nchsten standen. Viele, welche ihr Benehmen
gegen ihren Vater durch die dringende Gefahr, die ihr Vaterland und ihre
Religion bedroht hatte, fr gerechtfertigt hielten, vermochten nicht,
ihr Verfahren gegen ihre Schwester zu vertheidigen. Whrend Marie, der
man in dieser Angelegenheit thatschlich nichts Schlimmeres zur Last
legen konnte als Unbesonnenheit, von der Welt als eine Tyrannin
betrachtet wurde, spielte Anna, die so strafbar war, als sie ihren
geringen Fhigkeiten nach es nur immer sein konnte, die Theilnahme
erweckende Rolle einer sanften, ergebenen Dulderin. In den vertrauten
Briefen, welche mit dem Namen Morley unterschrieben waren, sprach die
Prinzessin zwar die Gesinnungen einer Furie im Style eines Fischweibes
aus, schimpfte malos auf die ganze hollndische Nation und nannte ihren
Schwager bald eine Ausgeburt, bald ein Monstrum, bald einen Caliban.[48]
Aber die Nation hrte von ihrer Sprache und sah von ihrem Benehmen nur
was anstndig und unterwrfig war. Das Wahre scheint gewesen zu sein,
da die hmische und niedrigdenkende Grfin den Ton der vertraulichen
Correspondenz Ihrer Hoheit angab, whrend der liebenswrdige, ruhige und
kluge Earl das Verfahren vorschreiben durfte, das der Oeffentlichkeit
gegenber zu beobachten war. Eine kurze Zeit lang wurde die Knigin
allgemein getadelt. Aber der Zauber ihres Characters und ihres Benehmens
war unwiderstehlich, und binnen wenigen Monaten erlangte sie die
verlorene Popularitt wieder.[49]


[_Fuller's Complot._] Es war ein fr Marlborough sehr glcklicher
Umstand, da gerade zu der Zeit als ganz London von seiner Ungnade
sprach und die Ursache von des Knigs pltzlichem Zorn gegen einen Mann,
der stets ein Gnstling gewesen zu sein schien, zu errathen suchte,
durch Wilhelm Fuller eine Anklage auf Hochverrath erhoben, genau
untersucht und als bswillige Erdichtung erwiesen wurde. Die Folge davon
war, da das Publikum, das selten streng unterscheidet, in diesem
Augenblicke nicht leicht dahin gebracht werden konnte, an die Existenz
einer jakobitischen Verschwrung zu glauben.

Da Fuller's Complot weniger berhmt ist als das papistische Complot,
ist mehr Schuld der Geschichtsschreiber als Fuller's, der sein
Mglichstes that, um sich einen hervorragenden Platz unter den Schurken
zu sichern. Jeder, der in der Geschichte wohl bewandert ist, mu die
Bemerkung gemacht haben, da die Verderbtheit ihre temporren Moden hat,
welche aufkommen und wieder verschwinden wie Kleider- und Mbelmoden. Es
darf bezweifelt werden, ob in unsrem Lande vor dem Jahre 1678 irgend
Jemand eine gnzlich erdichtete umstndliche Geschichte von einem
hochverrtherischen Complot zu dem Zwecke erfand und eidlich erhrtete,
um sich dadurch einen Namen zu machen, da er Mnner, die ihm nichts
gethan hatten ins Verderben strzte. Im Jahre 1678 aber wurde dieses
abscheuliche Verbrechen Mode und blieb es whrend der nchstfolgenden
zwanzig Jahre. Prediger bezeichneten es als unsre characteristische
Nationalsnde und prophezeiten, da es ein furchtbares nationales
Gericht ber uns bringen werde. Gesetzgeber schlugen neue Strafen von
uerster Strenge fr diese neue Schndlichkeit vor.[50] Doch es wurde
nicht fr nthig befunden, diese Strafen anzuwenden. Die Mode wechselte,
und whrend der letzten hundertfunfzig Jahre ist vielleicht kein
einziger Fall von dieser eigenthmlichen Art von Schlechtigkeit mehr
vorgekommen.

Die Erklrung ist sehr einfach. Oates war der Grnder einer Schule. Sein
Erfolg beweist, da kein Roman so unsinnig sein kann, um nicht bei
Menschen, deren Verstand durch Furcht und Ha verwirrt ist, Glauben zu
finden. Seine Verleumdungen waren emprend, aber sie waren der Zeit
angepat, er sprach zu Leuten, die ihre Leidenschaften leichtglubig
machten, und so erhob er sich durch unverschmtes und herzloses Lgen
binnen einer Woche aus Armuth und Dunkel zu Luxus, Berhmtheit und
Macht. Er hatte einst die geringen Zehnten eines drftigen Vicariats
dadurch vermehrt, da er seinen Pfarrkindern die Ferkel und das Geflgel
stahl.[51] Jetzt bewohnte er einen Palast, bewundernde Volkshaufen
begleiteten ihn auf der Strae, das Vermgen und das Leben eines Howard
und eines Herbert waren in seiner Gewalt. Alsbald tauchte ein Heer von
Nachahmern auf. Es schien durch Denunciren einer erdichteten
Verschwrung viel mehr zu verdienen und viel weniger zu riskiren zu
sein, als durch Straenraub oder durch Beschneiden des Geldes. In Folge
dessen beeilten sich die Bedloe, die Dangerfield, die Dugdale und die
Turbervile, ihre Industrie einer Beschftigung zuzuwenden, die zugleich
eintrglicher und minder gefhrlich war als irgend eine, an die sie
gewhnt waren. Bis zur Auflsung des Oxforder Parlaments waren
papistische Complots der Hauptfabrikationszweig. Dann waren sieben Jahre
lang whiggistische Complots die einzigen, die etwas abwarfen. Nach der
Revolution kamen die jakobitischen Complots auf; aber das Publikum war
vorsichtig geworden, und obgleich die neuen falschen Zeugen in keiner
Hinsicht minder geschickt waren als ihre Vorgnger, so fanden sie doch
weit weniger Aufmunterung. Die Geschichte des ersten groen Schlages,
das dem Treiben dieser verworfenen Race von Menschen versetzt wurde,
verdient wohl ausfhrlich erzhlt zu werden.

Im Jahre 1689 und zu Anfang des Jahres 1690 hatte Wilhelm Fuller der
Regierung Dienste geleistet, wie auch die beste Regierung ihrer zuweilen
bedarf, wie sie aber nur von den schlechtesten Menschen geleistet
werden. Seine ntzliche Verrtherei war von denen, die ihn gebraucht
hatten, gebhrenderweise mit Geld und mit Verachtung bezahlt worden.
Ihre Freigebigkeit setzte ihn in den Stand, einige Monate wie ein
eleganter Gentleman zu leben. Er nannte sich Oberst, miethete Bedienten,
kleidete sie in prachtvolle Livreen, kaufte schne Pferde, wohnte in
Pall Mall und zeigte seine freche Stirn, ber der eine Perrcke fr
funfzig Guineen thronte, in den Vorzimmern des Palastes und in der
Prosceniumsloge des Theaters. Er gab sich sogar das Ansehen eines
kniglichen Gnstlings und, als ob er geglaubt htte Wilhelm knne ohne
ihn nicht leben, folgte er Sr. Majestt zuerst nach Irland und dann zum
Frstencongre im Haag. Fuller rhmte sich nachmals, er sei im Haag mit
einem eines Gesandten wrdigen Gefolge aufgetreten, habe zehn Guineen
die Woche fr eine Wohnung bezahlt und die schlechteste Weste, die er zu
tragen sich herabgelassen habe, sei von Silberstoff zu vierzig Schilling
die Yard gewesen. Eine solche Verschwendung machte ihn natrlich wieder
arm. Bald nach seiner Rckkehr nach England flchtete er sich vor den
Gerichtsdienern nach Axe Yard, einem im Bezirk von Whitehall gelegenen
Platze. Seine Finanzen waren trostlos; er schuldete groe Summen, an die
Regierung hatte er keine Ansprche mehr; seine vergangenen Dienste waren
berreichlich bezahlt worden und zuknftige Dienste erwartete man nicht
von ihm; nachdem er als Kronzeuge in der Zeugenloge gestanden hatte,
konnte er ferner nicht mehr als Spion bei den Jakobiten verwendet
werden, und von jedem Ehrenmanne, welcher Partei er auch angehren
mochte, wurde er verabscheut und gemieden.

Gerade zu dieser Zeit, als er sich in der Stimmung befand, in der der
Mensch den schlimmsten Versuchungen zugnglich ist, begegnete er dem
schlimmsten Versucher, dem Teufel in Menschengestalt. Oates hatte seine
Freiheit, seine Begnadigung und eine Pension erhalten, die ihn zu einem
reicheren Manne machten als neunzehn Zwanzigstel der Mitglieder des
Standes, dessen Schande er war. Aber er war noch nicht zufrieden. Er
beklagte sich, da er jetzt nur dreihundert Pfund jhrlich habe, whrend
er in den goldenen Tagen des Complots dreimal so viel bekommen, eine
prchtige Wohnung im Palaste gehabt, auf Silbergeschirr gespeist und
sich in Seide gekleidet habe. Er verlangte eine Erhhung seines Gehalts,
ja er war sogar unverschmt genug, um ein geistliches Amt nachzusuchen
und hielt es fr hart, da, whrend so viele Mitren verliehen wrden, er
keine Dechanei, keine Prbende, nicht einmal eine Pfarre erlangen knne.
Er versumte keine Gelegenheit, um seine Ansprche geltend zu machen. Er
trieb sich in den ffentlichen Bureaux und in den Vorzimmern der
Parlamentshuser umher. Jeden Tag konnte man ihn sehen und hren, wie er
so schnell als seine ungeraden Beine ihn tragen wollten, zwischen
Charing Cro und Westminster Hall hin und her lief, von Hast und
Selbstgefhl aufgeblht, wie er von seinen Thaten fr die gute Sache
schwatzte und im Tone eines Ruderknechtes auf alle die Staatsmnner und
Geistlichen schimpfte, von denen er argwhnte, da sie ihn bei Hofe
anschwrzten und ihn um ein Bisthum brchten. Als er sah, da bei der
Landeskirche keine Hoffnung mehr fr ihn war, wendete er sich zu den
Baptisten. Sie nahmen ihn anfangs sehr kalt auf; aber er entwarf so
rhrende Schilderungen von dem wunderbaren Gnadenwerke, das in seiner
Seele vorgegangen sei und gelobte so feierlich bei Jehova und den
heiligen Engeln, fortan ein brennendes und leuchtendes Licht zu sein,
da es einfachen und gutherzigen Leuten schwer wurde, ihn fr einen
vollstndigen Heuchler zu halten. Er traure, sagte er, wie eine
Turteltaube. An einem Sonntage habe er gemeint, er msse vor Gram
sterben, da er von der Gemeinschaft mit den Heiligen ausgeschlossen
bleiben solle. So wurde er endlich in die Gemeinde aufgenommen; noch ehe
er aber ein Jahr unter seinen neuen Freunden zugebracht, kamen sie
hinter seinen wahren Character und stieen ihn feierlich als einen
Heuchler aus. Von diesem Augenblicke an wurde er der Todfeind der
Baptistenhupter und verfolgte sie mit der nmlichen Heimtcke, der
nmlichen Lgenhaftigkeit, der nmlichen Frechheit und der nmlichen
schwarzen Bosheit, welche viele Jahre frher berhmtere Opfer ins
Verderben gestrzt hatten. Die, welche noch unlngst durch die
Schilderung seiner heiligen Erfahrungen erbaut worden waren, hrten ihn
mit Entsetzen ausrufen, da er sich rchen werde, da Rache ein
gottselig kstlich Ding sei, da die Schurken, die ihn excommunicirt
htten, zu Grunde gerichtet, da sie gezwungen werden sollten, aus ihrem
Vaterlande zu flchten, da sie bis auf den letzten Schilling ausgezogen
werden sollten. Seine Plne wurden endlich durch ein sehr vernnftiges
Decret des Kanzleigerichtshofes vereitelt, ein Decret, das auf dem Rufe
eines gewhnlichen Menschen einen tiefen Schandfleck zurckgelassen
haben wrde, das aber die Infamie des Titus Oates nicht erheblich
vermehrte.[52] Durch alle Wechselflle jedoch war er von einer kleinen
Schaar hitzkpfiger und lsterzngiger Agitatoren umringt, die sich,
obwohl von jedem ehrenwerthen Whig verabscheut und verachtet, Whigs
nannten und die sich zurckgesetzt glaubten, weil sie fr Gemeinheiten
und Verleumdungen nicht mit den besten Kronstellen belohnt wurden.

Im Jahre 1691 hatte Titus, um dem Mittelpunkte der politischen
Intriguen und Parteiumtrieben nahe zu sein, ein Haus innerhalb des
Bezirks von Whitehall bezogen. In diesem Hause erlangte Fuller,
der dicht nebenan wohnte, Zutritt. Das bse Werk, das die Memoiren
Dangerfield's in ihm begonnen hatten, als er noch ein Knabe war, wurde
jetzt durch die Unterhaltung mit Oates vollendet. Der Salamancadoctor
war als Zeuge nicht mehr furchtbar; aber er wurde theils durch die
hmische Bosheit, die er gegen Alle empfand, die er fr seine Feinde
hielt, theils durch eine bloe affenartige Ruhelosigkeit und Liebe
zum Unheilstiften angetrieben, das was er persnlich nicht mehr thun
konnte, durch die Vermittlung Anderer zu thun. In Fuller hatte er das
verdorbene Herz, die gewandte Zunge und die schamlose Stirn gefunden,
welche die ersten Erfordernisse fr das Amt eines falschen Anklgers
sind. Es entstand eine Freundschaft, wenn man sich dieses Wortes hier
bedienen darf, zwischen dem Paare. Oates ffnete Fuller sein Haus
und sogar seine Brse. Der erfahrene Snder gab dem Neulinge, theils
direct, theils durch seine Anhnger, zu verstehen, da nichts einen
Mann zu solcher Bedeutung erhebe, als die Entdeckung eines Complots
und da jetzt eine Zeit sei, in der ein junger Mensch, der vor nichts
zurckschrecke und Niemanden frchte, Wunder thun knne. Die Revolution
-- so lautete die Sprache, welche Titus und seine Parasiten bestndig
fhrten -- habe nicht viel Gutes gebracht. Die Feuerkpfe Shaftesbury's
seien nicht nach ihren Verdiensten belohnt worden. Selbst der Doctor,
so weit gehe die Undankbarkeit der Menschen, werde an dem neuen Hofe
mit Klte behandelt. Schurkische Tories sen im Staatsrathe und
htten Zutritt im kniglichen Cabinet. Es wrde eine edle That sein,
wenn man ihre Kpfe unter das Beil brchte. Vor Allem wrde es eine
Lust sein, Nottingham's langes, feierliches Gesicht auf Tower Hill
zu sehen. Denn der Ha dieser schlechten Menschen gegen Nottingham
kannte keine Grenzen und wurde wahrscheinlich weniger durch seine
politischen Ansichten, an denen allerdings Manches auszusetzen war,
als durch seinen moralischen Character erweckt, in welchem auch die
strengste Untersuchung wenig finden wird, was nicht Beifall verdiente.
Oates hielt seinen Schler mit der wichtigen Miene, welche Erfahrung
und Erfolg einen Lehrer anzunehmen berechtigen, eine Vorlesung ber
die Kunst, falsches Zeugni abzulegen. Sie htten, sprach er unter
zahlreichen Schwren und Flchen aus dem was Sie in Saint-Germains
hrten und sahen, viel greren Nutzen ziehen knnen. Nie gab es eine
schnere Grundlage zu einem Complot. Aber Sie sind ein Thor, Sie sind
ein Narr, ich knnte Sie prgeln. Ich wrde es anders gemacht haben.
Ich ging zu Karl und machte ihm die Hlle hei. Ich nannte Lauderdale
ins Gesicht einen Schurken. Der Knig, die Minister, die Lords und
die Gemeinen hatten Furcht vor mir. Aber Sie junger Mann haben keine
Courage. Fuller war hchst erbaut durch diese Reden. Indessen wurde
ihm durch einige seiner Genossen angedeutet, da, wenn er das Geschft
betreiben wolle, Leute durch seine Zeugenaussagen an den Galgen zu
bringen, er wohl thun wrde, sich nicht so oft in Titus' Gesellschaft
in Kaffeehusern zu zeigen. Der Doctor, sagte einer von der Bande,
ist ein vortrefflicher Mann und hat zu seiner Zeit Groes bewirkt,
aber viele Leute haben ein Vorurtheil gegen ihn, und wenn sie wirklich
im Begriff sind ein Complot zu entdecken, so wird es um so besser fr
Sie sein, je seltener man Sie in seiner Gesellschaft sieht. Fuller
stellte in Folge dessen seine Besuche in Oates' Hause ein, erhielt aber
noch immer in der Stille Instructionen von seinem groen Meister.

Man mu Fuller die Gerechtigkeit widerfahren lassen, da er das Geschft
eines falschen Zeugen erst ergriff, als er sich nicht mehr durch
Bettelei oder Schwindelei zu erhalten vermochte. Eine Zeit lang lebte er
von der Mildthtigkeit der Knigin. Dann erhob er Contributionen, indem
er sich fr ein Mitglied der vornehmen Familie Sidney ausgab. Er
schwatzte Tillotson etwas Geld ab und vergalt die Geflligkeit des guten
Erzbischofs damit, da er sich als den Lieblingsneffen Sr. Gnaden
gerirte. Allein im Herbst 1691 waren alle diese Hlfsquellen erschpft.
Nachdem Fuller in mehreren Schuldgefngnissen gesessen hatte, wurde er
endlich im Gefngnisse der King's Bench einquartirt, und jetzt hielt er
es fr Zeit anzukndigen, da er ein Complot entdeckt habe.[53]

Er wendete sich zuerst an Tillotson und Portland; aber Beide bemerkten
bald, da er log. Seine Aussagen wurden jedoch dem Knige mitgetheilt,
der, wie sich erwarten lie, die Denunciation sowohl als den
Denuncianten mit kalter Verachtung behandelte. Es blieb nun weiter
nichts brig, als zu versuchen, ob im Parlament eine Flamme angefacht
werden knnte.

Bald nachdem die Huser sich versammelt hatten, petitionirte Fuller
bei den Gemeinen um Anhrung dessen was er zu sagen habe, und versprach
wunderbare Enthllungen. Er wurde aus seinem Kerker vor die Schranke des
Hauses gebracht und wiederholte hier einen langen Roman. Jakob, sagte
er, habe die knigliche Autoritt sechs Commissaren bertragen, deren
erster Halifax sei. Mehr als funfzig Lords und Gentlemen htten eine
Adresse an den franzsischen Knig unterzeichnet, worin sie ihn dringend
bten, eine groe Anstrengung zur Restauration des Hauses Stuart zu
machen. Fuller erklrte, da er die Adresse gesehen habe, und nannte
mehrere der unterzeichneten Namen. Einige Mitglieder uerten sich sehr
stark ber die Unwahrscheinlichkeit der Geschichte und ber den
Character des Angebers. Er sei, meinten sie, einer der grten Schurken
auf Gottes Erdboden und erzhle Dinge, die man kaum glauben knne, wenn
er ein Engel vom Himmel wre. Fuller machte sich mit frecher Stimme
anheischig, Beweise beizubringen, die auch dem Unglubigsten gengen
wrden. Er behauptete er stehe mit einigen von Jakob's Agenten in
Verbindung, welche bereit seien wieder gut zu machen, was sie gegen ihr
Vaterland verschuldet. Ihr Zeugni werde entscheidend sein, denn sie
seien im Besitz schriftlicher Beweise, welche die Schuldigen
niederschmettern wrden. Sie hielten damit nur deshalb zurck, weil sie
einige der Verrther auf hohen Posten und in der Nhe des Knigs sahen
und frchteten, sich die Feindschaft so mchtiger und so bser Menschen
zuzuziehen. Fuller schlo damit, da er eine Summe Geldes verlangte und
den Gemeinen versicherte, er werde es nutzbringend verwenden.[54] Wre
sein unverschmtes Verlangen erfllt worden, so wrde er wahrscheinlich
seine Schulden bezahlt, seine Freiheit erlangt und sich aus dem Staube
gemacht haben; aber das Haus bestand wohlweislich darauf, seine Zeugen
erst zu sehen. Da begann er Ausflchte zu machen. Die Herren seien auf
dem Continent und knnten ohne Psse nicht herberkommen. Es wurden ihm
Psse gegeben; aber er erklrte dieselben fr ungengend. Da die
Gemeinen sich fest vorgenommen hatten, der Sache auf den Grund zu gehen,
berreichten sie dem Knige eine Adresse, worin sie ihn ersuchten,
Fuller einen Blancogeleitsbrief in weitester Ausdehnung zu senden.[55]
Der Knig schickte den Geleitsbrief. Es vergingen sechs Wochen, und man
hrte nichts von den Zeugen. Die Freunde der angeklagten Lords und
Gentlemen drangen energisch darauf, da das Haus sich fr den Sommer
nicht trennen drfe, ohne ber so schwere Beschuldigungen zu einer
Entscheidung gekommen zu sein. Fuller wurde citirt. Er schtzte
Krankheit vor und behauptete, nicht zum ersten Male, die Jakobiten
htten ihn vergiftet. Aber alle seine Plne wurden durch die
lobenswerthe Eil und Energie, mit der die Gemeinen zu Werke gingen,
vereitelt. Es wurde ein Ausschu an sein Bett geschickt, mit der Weisung
zu ermitteln, ob er wirklich Zeugen habe und wo diese Zeugen sich
aufhielten. Die zu diesem Zwecke abgeordneten Mitglieder begaben sich in
das Gefngni der King's Bench und fanden ihn an einer Unplichkeit
leidend, welche aller Wahrscheinlichkeit nach durch ein Brechmittel
verursacht war, das er verschluckt hatte, um sie zu tuschen. In Antwort
auf ihre Fragen gab er an, da zwei von seinen Zeugen, Delaval und Hayes
in England seien und im Hause eines katholischen Apothekers in Holborn
wohnten. Sobald der Ausschu seinen Bericht erstattet hatte, schickten
die Gemeinen einige Mitglieder nach dem bezeichneten Hause. Dieses so
wie alle Nebenhuser wurden durchsucht, aber Delaval und Hayes wurden
nicht gefunden und kein Mensch in der Nachbarschaft hatte je von Leuten
dieses Namens etwas gesehen noch gehrt. Das Haus fate daher am letzten
Sessionstage, kurz ehe der schwarze Stab an die Thr klopfte, den
einstimmigen Beschlu, da Wilhelm Fuller ein Betrger und falscher
Anklger sei, da er die Regierung und das Parlament beleidigt, da er
ehrenwerthe Mnner verleumdet habe und da dem Throne eine Adresse
berreicht werden solle, welche darum ersuchte, ihm wegen seiner
Schurkerei den Proze zu machen.[56] Er wurde demgem in Untersuchung
gezogen, fr schuldig befunden und zu Geldstrafe, Gefngnihaft und
Ausstellung am Pranger verurtheilt. Die Ausstellung, einem Menschen in
dem nicht alles Schamgefhl erstickt ist, schrecklicher als der Tod,
ertrug er mit einem seiner beiden Lieblingsvorbilder, Dangerfield und
Oates, wrdigen Gleichmuth. Er hatte die Unverschmtheit, noch Jahre
lang zu behaupten, da er als ein Opfer der Machinationen des vorigen
Knigs gefallen sei, der es sich sechstausend Pfund Sterling habe kosten
lassen, um ihn ins Verderben zu strzen. Delaval und Hayes -- so lautete
diese Fabel -- seien von Jakob persnlich instruirt gewesen. Sie htten
auf seinen Befehl Fuller berredet, sich fr ihr Erscheinen mit seinem
Worte zu verbrgen und dann htten sie sich aus dem Staube gemacht und
ihn dem Zorne des Hauses der Gemeinen berlassen.[57] Die Geschichte
wurde so aufgenommen wie sie es verdiente. Fuller sank in ein Dunkel
zurck, aus dem er noch einige Male in langen Zwischenrumen zu neuer
Schande auftauchte.


[_Schlu der Session; Bill zur Feststellung der Gehalte der Richter
verworfen._] Am 24.Februar 1692, ungefhr eine Stunde nachdem die
Gemeinen Fuller fr einen Betrger erklrt hatten, wurden sie in den
Saal der Lords beschieden. Der Knig dankte den beiden Husern fr ihre
Loyalitt und Liberalitt, benachrichtigte sie, da er bald nach dem
Continent reisen msse, und befahl ihnen, sich zu vertagen. Er ertheilte
an diesem Tage vielen Bills, ffentlichen wie privaten, seine
Genehmigung, als aber der Sekretr der Krone den Titel einer Bill,
welche im Unterhause ohne eine einzige Abstimmung und im Oberhause ohne
einen einzigen Protest angenommen worden war, vorgelesen hatte, erklrte
der Sekretr der Parlamente der alten Form gem, der Knig und die
Knigin wrden sich die Sache berlegen. Diese Worte waren vor Wilhelm's
Thronbesteigung selten ausgesprochen worden, und seit seinem Tode hat
man sie nur ein Mal gehrt. Von ihm aber wurde die Befugni, gegen
Gesetze, welche die Stnde des Reichs angenommen hatten, sein Veto
einzulegen, bei mehreren wichtigen Gelegenheiten ausgebt. Seine
Verleumder behaupteten ganz richtig, da er eine grere Anzahl
wichtiger Bills verworfen habe als alle Knige des Hauses Stuart
zusammengenommen, und zogen daraus den albernen Schlu, da er die
Ansicht der Stnde des Reichs weit weniger respectirt habe als seine
Oheime und sein Grovater. Einem verstndigen Geschichtsforscher wird es
nicht schwer werden zu entdecken, warum Wilhelm zu wiederholten Malen
eine Prrogative ausbte, zu welcher seine Vorfahren hchst selten ihre
Zuflucht nahmen und die seine Nachfolger ganz auer Gebrauch haben
kommen lassen.

Seine Vorgnger genehmigten leicht Gesetze, weil sie dieselben auch
leicht brachen. KarlI. gab seine Zustimmung zu der Petition des Rechts
und unmittelbar darauf verletzte er jede Klausel dieses wichtigen
Gesetzes. KarlII. gab seine Zustimmung zu einer Acte, welche bestimmte,
das mindestens alle drei Jahre ein Parlament gehalten werden sollte;
aber als er starb, war das Land bereits nahe an vier Jahre ohne
Parlament. Die Gesetze, welche den Gerichtshof der hohen Commission
abschafften, die Gesetze, welche den Sakramentstest einfhrten, wurden
ohne die geringste Schwierigkeit genehmigt; aber sie hielten JakobII.
nicht ab, den Gerichtshof der Hohen Commission wieder zu errichten und
den Geheimen Rath, die ffentlichen Aemter, die Gerichtshfe und die
Municipalcorporationen mit Personen zu fllen, welche den Test niemals
geleistet hatten. Nichts konnte natrlicher sein als da ein Knig es
nicht der Mhe werth hielt, seine Genehmigung einem Gesetz
vorzuenthalten, dessen er sich entuern konnte sobald er es fr gut
fand.

Wilhelm's Situation war eine ganz andre. Er konnte nicht wie Die, welche
vor ihm regiert hatten, im Frhjahr ein Gesetz genehmigen und es im
Sommer verletzen. Er hatte, indem er der Rechtsbill seine Zustimmung
ertheilte, der Dispensationsgewalt feierlich entsagt, und Klugheit
sowohl wie Gewissenhaftigkeit und Ehrgefhl hielten ihn ab, den Vertrag
zu brechen, kraft dessen er seine Krone trug. Ein Gesetz konnte ihm
persnlich nachtheilig sein, es konnte ihm schdlich fr sein Volk
scheinen; aber sobald er es genehmigt hatte, war es in seinen Augen
etwas Geheiligtes. Er hatte daher einen Grund, den frhere Knige nicht
hatten, zu berlegen, ehe er ein solches Gesetz genehmigte. Sie gaben
ihr Wort bereitwillig, weil sie kein Bedenken trugen es zu brechen. Er
gab sein Wort schwer, weil er nie verfehlte es zu halten.

Obgleich indessen seine Lage weit verschieden war von der der Frsten
des Hauses Stuart, so war sie doch auch nicht genau die der Frsten des
Hauses Braunschweig. Ein Frst des Hauses Braunschweig wird bezglich
der Ausbung jeder kniglichen Prrogative von dem Rathe eines
verantwortlichen Ministeriums geleitet, und dieses Ministerium mu aus
der Partei genommen sein, die in den beiden Husern, oder wenigstens im
Unterhause die berwiegende ist. Es sind kaum Umstnde denkbar, unter
denen ein so gestellter Souverain sich weigern kann, eine Bill zu
genehmigen, die von beiden Zweigen der Legislatur gebilligt worden ist.
Einer solchen Weigerung wrde nothwendig eines von den zwei Dingen zum
Grunde liegen: da der Souverain im Widerspruch mit dem Rathe des
Ministeriums handelte, oder da das Ministerium ber eine Frage von
wesentlicher Bedeutung mit einer Majoritt der Gemeinen sowohl als der
Lords im Streit lag. Unter jeder dieser beiden Voraussetzungen wrde das
Land in einer hchst kritischen Lage sein, in einer Lage, die, wenn sie
lange dauerte, mit einer Revolution endigen mte. Aber whrend des
ersten Theils der Regierung Wilhelm's gab es kein Ministerium. Die
Spitzen der ausbenden Verwaltung waren nicht ausschlielich einer der
beiden Parteien entnommen. Einige waren eifrige Whigs, andere eifrige
Tories. Die aufgeklrtesten Staatsmnner hielten es nicht fr
verfassungswidrig, da der Knig seine hchsten Prrogativen bei den
wichtigsten Gelegenheiten ohne eine andre Leitung als die seines eignen
Urtheils ausbt. Seine Weigerung, eine Bill zu genehmigen, welche von
beiden Husern angenommen war, verrieth daher nicht, wie eine solche
Weigerung jetzt thun wrde, da die ganze Regierungsmaschine in einem
Zustande gefhrlicher Unordnung war, sondern nur, da bezglich der
Zweckmigkeit eines besonderen Gesetzes zwischen ihm und den beiden
anderen Zweigen der Legislatur eine Meinungsverschiedenheit stattfand.
Eine solche Meinungsverschiedenheit konnte existiren und existirte, wie
wir nachher sehen werden, wirklich zu einer Zeit, als er mit den Stnden
des Reichs nicht blo auf freundlichem, sondern auf sehr herzlichem Fue
stand.

Die Umstnde, unter denen er sein Veto zum ersten Male einlegte, sind
nie genau dargestellt worden. Es war ein gutgemeinter, aber
ungeschickter Versuch gemacht worden, eine Reform zu vervollstndigen,
welche die Rechtsbill unvollstndig gelassen hatte. Dieses hochwichtige
Gesetz hatte der Krone die Befugni entzogen, die Richter willkrlich
abzusetzen, hatte diese aber noch nicht ganz unabhngig gemacht. Ihre
Besoldungen bestanden theils in Gebhren, theils in festen Gehalten.
Ueber die Gebhren hatte der Knig keine Gewalt, die Gehalte aber konnte
er nach Belieben reduciren oder ganz entziehen. Da Wilhelm diese
Befugni je gemibraucht habe, wurde nicht behauptet; aber es war
unzweifelhaft eine Befugni, die kein Frst besitzen durfte, und dies
war die Ansicht beider Huser. Es wurde daher eine Bill eingebracht,
welche jedem der zwlf Richter einen Jahrgehalt von tausend Pfund
sicherte. Soweit war Alles gut. Unglcklicherweise aber wurde das
erbliche Einkommen mit diesen Gehalten belastet. Jetzt wrde im Hause
der Gemeinen kein solcher Vorschlag aufrecht erhalten werden, ohne da
vorher die knigliche Genehmigung durch ein Mitglied des Geheimen Raths
angezeigt worden wre. Aber diese heilsame Regel war damals noch nicht
eingefhrt, und Wilhelm konnte die Eigenthumsrechte der Krone nur
dadurch vertheidigen, da er sein Veto gegen die Bill einlegte. Damals
wurden, soweit es sich jetzt noch ermitteln lt, keine Stimmen dagegen
laut. Selbst die jakobitischen Pasquillanten blieben fast ganz still.
Erst als die Bestimmungen der Bill vergessen waren und man sich nur
ihres Namens noch erinnerte, wurde Wilhelm beschuldigt, da er sich von
dem Wunsche habe leiten lassen, die Richter in einem Zustande von
Abhngigkeit zu erhalten.[58]


[_Ministerielle Vernderungen in England._] Die Huser gingen
auseinander und der Knig traf Anstalten zur Reise nach dem Continent.
Vor seiner Abreise nahm er noch einige Vernderungen in seinem Hofstaate
und in mehreren Departements der Regierung vor, Vernderungen jedoch,
welche keine entschiedene Bevorzugung einer der beiden groen
politischen Parteien erkennen lieen. Rochester wurde in den Geheimen
Rath vereidigt. Wahrscheinlich hatte er diesen Beweis der kniglichen
Gunst dem Umstande zu verdanken, da er in dem unglcklichen Streite
zwischen der Knigin und ihrer Schwester die Partei der Ersteren
genommen hatte. Pembroke bernahm das Geheimsiegel und erhielt bei der
Admiralitt Lord Charles Cornwallis, einen gemigten Tory, zum
Nachfolger; Lowther nahm einen Sitz in demselben Collegium an und wurde
im Schatzamte durch Sir Eduard Seymour ersetzt. Viele toryistische
Landgentlemen, welche Seymour als ihren Fhrer in dem Kampfe gegen
Angestellte und Hollnder betrachtet hatten, waren ganz entrstet als
sie erfuhren, da er ein Hfling geworden war. Sie erinnerten sich, da
er fr eine Regentschaft gestimmt hatte, da er die Eide mit
Widerstreben geleistet, da er ziemlich unehrerbietig von dem Souverain
gesprochen hatte, dem er jetzt bereit war um eines Einkommens willen zu
dienen, das kaum der Mhe werth war, von einem Manne seines Reichthums
und seines parlamentarischen Ansehens angenommen zu werden. Es war
sonderbar, da der stolzeste Mensch von der Welt der schmutzigste sein
sollte, da ein Mann, der nichts auf Erden zu verehren schien als sich
selbst, sich um eines festen Gehalts willen erniedrigen sollte. Aber
solche Reflexionen kmmerten ihn wenig. Er fand jedoch bald, da ein
unangenehmer Umstand mit seinem neuen Amte verbunden war. Im Schatzamte
mute er unter dem Kanzler der Schatzkammer sitzen. Der erste Lord,
Godolphin, war Peer des Reichs und sein Recht auf den Vorrang konnte
nach den Regeln der Herolde nicht in Zweifel gezogen werden. Aber
Jedermann wute wer der erste englische Commoner war. Was war Richard
Hampden, da er den Platz eines Seymour, des Oberhauptes der Seymour
einnehmen sollte? Mit vieler Mhe wurde der Streit beigelegt, indem man
Sir Eduard's empfindlichem Stolze einige Zugestndnisse machte. Er wurde
in den Geheimen Rath vereidigt, wurde zum Mitgliede des Cabinets
ernannt, und der Knig nahm ihn bei der Hand und stellte ihn der Knigin
mit den Worten vor: Ich bringe Ihnen einen Gentleman, der in meiner
Abwesenheit ein werthvoller Freund sein wird. Auf diese Weise wurde
Sir Eduard so besnftigt und geschmeichelt, da er ferner nicht mehr
darauf bestand, sich zwischen den ersten Lord und den Kanzler der
Schatzkammer zu drngen.

In der nmlichen Schatzcommission, in welcher der Name Seymour
figurirte, kam auch der Name eines viel jngeren Staatsmannes vor, der
sich whrend der letzten Session im Hause der Gemeinen zu hoher
Auszeichnung emporgeschwungen hatte: Karl Montague. Mit dieser Ernennung
waren die Whigs sehr zufrieden, in deren Achtung Montague jetzt hher
stand als ihre Veteranenhupter Sacheverell und Littleton und in der
That darin nur von Somers bertroffen wurde.

Sidney gab die Siegel ab, die er ber ein Jahr gefhrt hatte, und wurde
zum Lord Lieutenant von Irland ernannt. Es vergingen einige Monate, bis
der Platz, den er verlassen, wieder besetzt wurde, und in dieser
Zwischenzeit besorgte Nottingham die ganzen Geschfte, die sich
gewhnlich die beiden Staatssekretre getheilt hatten.[59]


[_Ministerielle Vernderungen in Schottland._] Whrend diese Ernennungen
stattfanden, geschahen in einem entlegenen Theile der Insel Ereignisse,
die in den bestunterrichteten Zirkeln London's erst nach vielen Monaten
bekannt wurden, die aber nach und nach eine entsetzliche Notoriett
erlangten und welche noch jetzt, nach einem Zeitraum von mehr als
hundertsechzig Jahren, nie ohne Schaudern erwhnt werden.

Bald nachdem die Stnde von Schottland sich, im Herbste des Jahres 1690
getrennt hatten, wurde in der Verwaltung dieses Knigreichs eine
Aenderung getroffen. Wilhelm war mit der Art und Weise, wie er im
Parlamentshause vertreten worden war, nicht zufrieden. Er war der
Meinung, da die vertriebenen Curaten hart behandelt worden seien. Er
hatte nur sehr ungern das Gesetz, welches das Patronat abschaffte, mit
seinem Scepter berhren lassen. Was ihm aber ganz besonders mifiel, war
da die Acte, welche eine neue Kirchenverfassung feststellten, nicht von
einer Acte begleitet gewesen waren, die den Anhngern der alten
Kirchenverfassung Gewissensfreiheit gewhrte. Er hatte seinen Commissar
Melville beauftragt, den Episkopalen in Schottland gleiche Duldung zu
erwirken, wie sie die Dissenters in England genossen.[60] Aber die
presbyterianischen Priester eiferten laut und heftig wider die Milde
gegen Amalekiter. Melville besa bei all' seinen ntzlichen Talenten und
seinen vielleicht redlichen Absichten weder einen weitreichenden Blick
noch einen unerschrockenen Muth. Er scheute sich, ein den theologischen
Demagogen seines Vaterlandes so verhates Wort wie Toleranz
auszusprechen. Durch schonende Nachsicht gegen ihre Vorurtheile
beschwichtigte er das in Edinburg sich erhebende Geschrei; aber die
Folge seiner ngstlichen Vorsicht war, da im Sden der Insel bald ein
noch viel lauteres Geschrei gegen die Bigotterie der im Norden
dominirenden Schismatiker und gegen die Zaghaftigkeit der Regierung
ausbrach, die nicht den Muth gehabt hatte, dieser Bigotterie
entgegenzutreten. In diesem Punkte waren der Hochkirchliche und der
Niederkirchliche eines Sinnes, oder der Niederkirchliche war vielmehr
der am meisten Aufgebrachte von Beiden. Ein Mann wie South, der schon
seit vielen Jahren prophezeite, da, wenn die Puritaner aufhren
sollten, bedrckt zu werden, sie Bedrcker werden wrden, war im Herzen
gar nicht bse darber, da seine Prophezeiung sich erfllte. In der
Brust eines Mannes wie Burnet aber, dessen erster Lebenszweck von jeher
die Milderung des Hasses der Priester der anglikanischen Kirche gegen
die Presbyterianer gewesen war, konnte das intolerante Verfahren der
Presbyterianer kein andres Gefhl als Unwillen, Scham und Schmerz
erwecken. Es gab daher Niemanden am englischen Hofe, der ein gutes Wort
fr Melville einlegte. Unter solchen Umstnden konnte er unmglich an
der Spitze der schottischen Verwaltung bleiben. Er wurde indessen sehr
schonend von seiner hohen Stellung herabgezogen. Er blieb noch ber ein
Jahr Staatssekretr, aber es wurde ein zweiter Sekretr ernannt, der in
der Nhe des Knigs residiren und die Hauptleitung der Geschfte
erhalten sollte. Der neue Premierminister fr Schottland war der
geschickte, beredtsame und hochgebildete Sir Johann Dalrymple. Sein
Vater, der Lordprsident des Court of Session, war vor kurzem mit dem
Titel Viscount Stair zur Peerswrde erhoben worden, und Sir Johann
Dalrymple wurde daher nach dem alten schottischen Brauche Master von
Stair genannt. Nach einigen Monaten legte Melville seine Stelle als
Staatssekretr nieder und nahm ein Amt von einigem Ansehen und
Einkommen, aber keiner politischen Bedeutung an.[61]


[_Zustand der Hochlande._] Die schottischen Niederlande waren whrend
des auf die Parlamentssession von 1690 folgenden Jahres so ruhig, als
sie es seit Menschengedenken je gewesen; der Zustand der Hochlande aber
machte die Regierung sehr besorgt. Der Brgerkrieg in dieser wilden
Region hatte, nachdem er aufgehrt zu brennen, noch einige Zeit unter
der Asche fortgeglht. Endlich, zu Anfang des Jahres 1691
benachrichtigten die rebellischen Huptlinge den Hof von Saint-Germains,
da sie sich von allen Seiten bedrngt, ohne den Beistand Frankreich's
nicht lnger halten knnten. Jakob hatte ihnen eine kleine Quantitt
Mehl, Branntwein und Tabak geschickt und ihnen geradezu gesagt, da er
mehr nicht thun knne. Das Geld war bei ihnen so rar, da sechshundert
Pfund ein sehr willkommener Zuwachs zu ihren Fonds gewesen sein wrden,
aber selbst eine so unbedeutende Summe konnte er nicht entbehren. Unter
solchen Umstnden durfte er kaum erwarten, da sie im Stande sein
wrden, seine Sache gegen eine Regierung zu vertheidigen, die eine
regulre Armee und groe Revenen hatte. Er sagte ihnen daher, da er es
ihnen nicht bel nehmen wrde, wenn sie mit der neuen Dynastie Frieden
schlssen, vorausgesetzt immer, da sie bereit wren sich zu erheben,
sobald er sie dazu auffordern wrde.[62]

Unterdessen hatte man in Kensington trotz der Opposition des Masters von
Stair beschlossen, den Plan zu versuchen, den Tarbet zwei Jahre frher
empfohlen und der, wenn er damals gleich versucht worden wre,
wahrscheinlich viel Blutvergieen und Unordnung verhtet haben wrde. Es
wurde beschlossen, zwlf- bis funfzehntausend Pfund Sterling zur
Pacifirung der Hochlande zu verwenden. Dies war eine Summe, die einem
Bewohner von Appin oder Lochaber beinahe fabelhaft vorkam und die auch
in der That zu dem Einkommen eines Keppoch oder Glengarry in einem
greren Verhltnisse stand als funfzehnhunderttausend Pfund zu dem
Einkommen eines Lord Bedford oder Lord Devonshire. Die Summe war
reichlich gro, aber der Knig war nicht glcklich in der Wahl eines
Agenten.[63]


[_Breadalbane beauftragt, mit den aufstndischen Clans zu
unterhandeln._] Johann, Earl von Breadalbane, das Oberhaupt einer
jngeren Linie des groen Hauses Campbell, nahm unter den
Miniaturfrsten des Gebirges einen hohen Rang ein. Er konnte
siebzehnhundert Claymores ins Feld stellen, und zehn Jahre vor der
Revolution war er wirklich mit dieser bedeutenden Streitmacht in das
Niederland eingerckt, um die prlatistische Tyrannei zu
untersttzen.[64] Damals hatte er Eifer fr die Monarchie und das
Episkopat geheuchelt, in der That aber war ihm jede Regierung und jede
Religion gleichgltig. Er scheint zwei verschiedene Klassen von Lastern
in sich vereinigt zu haben, die Erzeugnisse zweier verschiedener
Gegenden und zweier verschiedener Stadien des gesellschaftlichen
Fortschritts. In seinem Schlosse zwischen den Bergen hatte er den
barbarischen Stolz und die Wildheit eines Hochlnderhuptlings gelernt,
und im Rathssaale zu Edinburg hatte er sich den tiefwurzelnden Hang zur
Verrtherei und Bestechlichkeit angeeignet. Nach der Revolution hatte er
sich, wie nur zu viele seiner adeligen Standesgenossen, nach und nach
jeder Partei angeschlossen und jede hintergangen, hatte Wilhelm und
Marien Treue geschworen und gegen sie conspirirt. Es wrde ermdend
sein, wollte man alle Wendungen und Winkelzge whrend des Jahres 1689
und des ersten Theils von 1690 verfolgen.[65] Etwas weniger krumm wurde
diese Laufbahn, als die Schlacht am Boyne den Muth der Jakobiten
gebrochen hatte. Es schien jetzt wahrscheinlich, da der Earl ein
loyaler Unterthan Ihrer Majestten sein wrde, so lange kein groes
Unglck ber sie kam. Niemand, der ihn kannte, konnte ihm trauen, aber
damals war berhaupt wenigen schottischen Staatsmnnern zu trauen, und
doch mute man sich schottischer Staatsmnner bedienen. Seine Stellung
und seine Verbindungen bezeichneten ihn als einen Mann, der, wenn er
wollte, fr die Pacifirung der Hochlande viel thun konnte, und sein
Interesse schien eine Gewhr fr seinen Eifer zu sein. Er hatte, wie er
mit allem Anschein von Aufrichtigkeit erklrte, gewichtige persnliche
Grnde, um die Wiederherstellung der Ruhe zu wnschen. Die Lage seiner
Besitzungen war von der Art, da seine Vasallen, so lange der
Brgerkrieg dauerte, nicht in Ruhe ihre Heerden weiden oder ihren Hafer
sen konnten. Seine Lndereien wurden tglich verwstet, sein Vieh wurde
tglich weggetrieben, und eines seiner Huser war schon niedergebrannt
worden. Es war daher wahrscheinlich, da er sein Mglichstes thun wrde,
um den Feindseligkeiten ein Ende zu machen.[66]

Er wurde demgem beauftragt, mit den jakobitischen Oberhuptern zu
unterhandeln und erhielt das Geld, das unter sie vertheilt werden
sollte. Er lud sie zu einer Conferenz auf seinem Wohnsitze in Glenorchy
ein. Sie kamen, aber mit dem Vertrage ging es nur sehr langsam vorwrts.
Jedes Oberhaupt eines Stammes verlangte einen greren Antheil an dem
englischen Golde als zu erlangen war. Man argwhnte, da Breadalbane die
Clans und auch den Knig betrgen wolle. Bald gesellte sich zu dem
Streite zwischen den Rebellen und der Regierung ein andrer noch
milicherer Streit. Die Camerons und Macdonalds lagen eigentlich nicht
mit Wilhelm, sondern mit Mac Callum More in Krieg, und kein Arrangement,
an welchem Mac Callum More nicht Theil hatte, konnte zum wirklichen
Frieden fhren. Es entstand daher die wichtige Frage, ob das Breadalbane
anvertraute Gold unmittelbar an die mivergngten Huptlinge bezahlt
oder zur Befriedigung der Ansprche, welche Argyle an sie hatte,
verwendet werden sollte. Lochiel's Schlauheit und Glengarry's anmaende
Prtensionen trugen dazu bei, die Verhandlungen in die Lnge zu ziehen.
Aber kein celtischer Potentat war so unlenksam als Macdonald von
Glencoe, im Gebirge unter dem erblichen Namen Mac Ian bekannt.


[_Glencoe._] Mac Ian wohnte am Eingange einer nicht weit vom sdlichen
Ufer des Lochleven, eines Armes des Meeres, das tief in die Westkste
Schottland's einschneidet und Argyleshire von Inverneshire trennt,
gelegenen Schlucht. In der Nhe seines Hauses lagen zwei oder drei von
seinem Stamme bewohnte kleine Ortschaften. Die ganze Bevlkerung, ber
die er herrschte, wurde auf nicht mehr als zweihundert Seelen geschtzt.
In der Umgegend der paar Drfer befand sich etwas Buschholz und etwas
Weideland; aber ein wenig hher hinauf in dem Engpasse war keine Spur
von Bevlkerung oder Fruchtbarkeit zu sehen. In der glischen Sprache
bedeutet Glencoe Schlucht des Weinens, und dieser Pa ist in der That
der traurigste und einsamste von allen schottischen Gebirgspssen, das
wahre Thal des Todesschattens. Nebel und Strme lagern den grten Theil
des schnsten Sommers darber und selbst an den wenigen Tagen, wo die
Sonne hell scheint und keine Wolke am Himmel steht, macht die Landschaft
einen dsteren und unheimlichen Eindruck. Der Weg fhrt am Rande eines
Bergstromes hin, der aus der desten und einsamsten Gebirgslache kommt.
Mchtige Abgrnde von nacktem Gestein ghnen zu beiden Seiten, und in
der Nhe des Gipfels sieht man noch im Juli Streifen von Schnee in den
Spalten. Ueberall an den Abhngen der Felsen bezeichnen Haufen von
Gerlle die steilen Pfade der Giebche. Meilenweit sieht sich der
Wanderer vergebens nach dem Rauche einer Htte, nach einer in einen
Plaid gehllten menschlichen Gestalt um und lauscht umsonst auf das
Gebell eines Schferhundes oder auf das Geblk eines Lammes. Meilenweit
ist der einzige Laut, der eine Spur von Leben verrth, der schwache
Schrei eines Raubvogels auf einer sturmgepeitschten Felsspitze. Die
Fortschritte der Civilisation, welche so viele Wsten in lachende
Gefilde voll goldener Aehren oder blhender Obstbume verwandelt, haben
Glencoe nur noch verdeter gemacht. Alle Wissenschaft und Industrie
einer friedlichen Zeit vermag dieser Wildni nichts Werthvolles zu
entreien; aber in einem Zeitalter der Gewaltthtigkeit und des Raubes
hatte die Wildni selbst einen Werth, weil sie den Rubern und ihrer
Beute Schutz gewhrte. Nichts konnte natrlicher sein, als da der Clan,
dem diese rauhe Wstenei gehrte, wegen seiner ruberischen Gewohnheiten
bekannt war. Denn bei den Hochlndern im Allgemeinen galt Raub fr eine
mindestens eben so ehrenvolle Beschftigung wie der Ackerbau, und von
allen Hochlndern hatten die Macdonalds von Glencoe den mindest
ergiebigen Boden und die bequemste und sicherste Ruberhhle. Mehrere
aufeinanderfolgende Regierungen hatten es versucht diesen wilden Stamm
zu zchtigen; aber es war zu diesem Zwecke nie eine starke Truppenmacht
aufgeboten worden, und einem kleinen Corps konnten Leute, die jeden
Winkel und jeden Ausgang der natrlichen Festung kannten, in der sie
geboren und aufgewachsen waren, leicht Widerstand leisten oder
ausweichen. Die Leute von Glencoe wrden wahrscheinlich nicht so
friedenstrende Nachbarn gewesen sein, wenn sie unter ihren
Stammverwandten gelebt htten. Aber sie waren eine von jedem andern
Zweige ihrer Familie getrennte Nebenlinie des Clan Donald und fast rings
umgeben von dem Gebiete des feindlichen Stammes Diarmid.[67] Durch
erbliche Feindschaft sowohl als durch Noth wurden sie angetrieben, auf
Unkosten des Stammes Campbell zu leben. Breadalbane's Eigenthum hatte
von ihren Rubereien viel zu leiden gehabt, und sein Character war nicht
von der Art, da er solche Beleidigungen htte vergeben knnen. Als
daher der Huptling von Glencoe beim Congre in Glenorchy erschien,
wurde er unfreundlich empfangen. Der Earl, der sich sonst mit dem
wrdevollen Anstande eines castilischen Granden zu benehmen pflegte,
verga im Zorne seine gewohnte Grandezza, seinen ffentlichen Character
und die Gesetze der Gastfreundschaft und verlangte mit heftigen
Vorwrfen und Drehungen Entschdigung fr die Heerden, welche Mac Ian's
Anhnger aus seinem Gebiete fortgetrieben hatten. Mac Ian frchtete
ernstlich eine persnliche Gewaltthtigkeit und war froh, als er seine
heimathliche Schlucht wohlbehalten wieder erreicht hatte.[68] Sein Stolz
war verletzt, und mit den Regungen des gekrnkten Stolzes verbanden sich
die des Interesses. Als das Oberhaupt eines Volkes, das vom Plndern
lebte, hatte er starke Grnde zu wnschen, da das Land in einem
ungeordneten Zustand bleiben mchte. Er hatte wenig Aussicht, eine
einzige Guinee von dem Gelde zu bekommen, das unter die Unzufriedenen
vertheilt werden sollte; denn sein Antheil an diesem Gelde htte
Breadalbane's Entschdigungsforderungen schwerlich befriedigt, und es
konnte kaum einem Zweifel unterliegen, da Breadalbane vor allen Anderen
darauf bedacht sein wrde, sich bezahlt zu machen. Mac Ian bot daher
Alles auf, um seine Verbndeten von der Annahme von Bedingungen, von
denen er selbst keinen Nutzen erwarten durfte, abzurathen, und sein
Einflu war nicht gering. Die Zahl seiner eigenen Vasallen war zwar
unbedeutend, aber er stammte vom besten Geblt der Hochlnder, hatte
stets ein freundschaftliches Verhltni mit seinen mchtigeren
Verwandten aufrecht erhalten, sie waren ihm deshalb weil er ein Ruber
war, nicht weniger zugethan, denn sie beraubte er niemals, und da der
Raub an und fr sich etwas Bses und Entehrendes sei, war noch keinem
celtischen Huptling je in den Sinn gekommen. Mac Ian stand daher in
hoher Achtung bei seinen Bundesgenossen. Er war von ehrwrdigem Alter,
hatte ein majesttisches Aeuere und besa in hohem Grade die geistigen
Eigenschaften, welche in rohen Gesellschaften dem Einzelnen ein groes
Uebergewicht ber seine Nebenmenschen geben. Breadalbane sah sich bei
jedem Schritte der Unterhandlung von seinem alten Feinde berlistet, und
der Name Glencoe wurde ihm mit jedem Tage mehr und mehr verhat.[69]

Die Regierung verlie sich jedoch nicht einzig und allein auf
Breadalbane's diplomatische Gewandtheit. Die Behrden zu Edinburg
erlieen eine Proklamation, in der sie die Clans aufforderten, sich dem
Knige Wilhelm und der Knigin Marie zu unterwerfen, und jedem Rebellen,
der bis zum 31.December 1691 sich eidlich verpflichtete, ruhig unter
der Regierung Ihrer Majestten zu leben, Verzeihung anboten. Diejenigen
aber, welche nach diesem Tage noch im Widerstande beharrten, sollten als
Feinde und Verrther behandelt werden.[70] Zu gleicher Zeit wurden
kriegerische Anstalten getroffen, welche bewiesen, da die Drohung
ernstlich gemeint war. Die Hochlnder bekamen Angst und hielten es,
obgleich die pekuniren Bedingungen nicht befriedigend geordnet waren,
fr rathsam, das von ihnen verlangte Versprechen zu geben. Kein
Huptling hatte jedoch Lust mit dem Beispiele der Unterwerfung
voranzugehen. Glengarry bramarbasirte und rief aus, da er sein Haus
befestigen werde.[71] Ich will nicht die Bahn brechen, sagte Lochiel;
dies ist bei mir eine Ehrensache. Aber meine Tacksmen[72] und Leute
mgen sich ihrer Freiheit bedienen.[73] Seine Tacksmen und Leute
verstanden ihn und begaben sich zu Hunderten zu dem Sheriff, um die Eide
zu leisten. Die Macdonalds von Sleat, Clanronald, Keppoch und selbst
Glengarry folgten dem Beispiele der Camerons, und die Huptlinge
folgten, nachdem sie versucht hatten einander im Ausharren zu
bertreffen so lange sie es wagen durften, dem Beispiele ihrer Vasallen.

Der 31.December erschien, und noch waren die Macdonalds von Glencoe
nicht zur Eidesleistung gekommen. Wahrscheinlich fhlte sich der sehr
empfindliche Stolz Mac Ian's durch den Gedanken befriedigt, da er
fortfuhr der Regierung zu trotzen, nachdem der prahlerische Glengarry,
der grimmige Keppoch und der hochherzige Lochiel nachgegeben hatten;
aber er sollte diese Genugthuung theuer bezahlen.

Endlich, am 31.December, begab er sich, von seinen angesehensten
Vasallen begleitet, nach Fort William und erbot sich die Eide zu
leisten. Zu seinem Schrecken erfuhr er, da sich Niemand in dem Fort
befand, der befugt gewesen wre, ihm dieselben abzunehmen. Oberst Hill,
der Gouverneur, war kein Magistratsbeamter und es war auch kein solcher
nher als in Inverary. Mac Ian, der jetzt vollkommen die Thorheit
erkannte, die er begangen, indem er einen Act, von dem sein Leben und
sein Vermgen abhingen, bis zum letzten Augenblicke verschoben hatte,
brach in groer Angst nach Inverary auf. Er hatte einen Brief bei sich
von Hill an den Sheriff von Argyleshire, Sir Colin Campbell von
Ardkingla, einen achtbaren Gentleman, der unter der vorigen Regierung
wegen seiner whiggistischen Grundstze viel gelitten hatte. In diesem
Briefe sprach der Oberst die wohlmeinende Hoffnung aus, da ein
verlorenes Schaf und noch dazu ein so schnes, selbst nach Ablauf der
bestimmten Frist noch mit Freuden aufgenommen werden wrde. Mac Ian
eilte so sehr er nur konnte und hielt nicht einmal in seinem eigenen
Hause an, obgleich es nahe an der Strae lag. Doch eine Reise durch
Argyleshire mitten im Winter ging damals natrlich langsam von Statten.
Der Marsch des alten Mannes ber steile Gebirge und sumpfige Thler
wurde durch Schneestrme aufgehalten, und erst am 6.Januar erschien er
vor dem Sheriff zu Inverary. Der Sheriff war unschlssig. Seine
Befugni, sagte er, gehe nicht ber die Bestimmungen der Proklamation
hinaus, und er sehe nicht ein, wie er einen Rebellen schwren lassen
knne, der sich nicht innerhalb der vorgeschriebenen Zeit unterworfen
habe. Mac Ian bat dringend und mit Thrnen in den Augen, da er
vereidigt werden mchte. Seine Leute, sagte er, wrden seinem Beispiele
folgen. Wenn einer von ihnen sich widerspenstig erweisen sollte, wrde
er ihn selbst ins Gefngni schicken oder nach Flandern einschiffen.
Seine Bitten und Hill's Schreiben besiegten endlich Sir Colin's Skrupel,
der Eid wurde abgenommen und dem Staatsrathe zu Edinburg ein Certifikat
bersandt, welches die besonderen Umstnde auseinandersetzte, durch die
sich der Sheriff habe bewegen lassen etwas zu thun, was, wie er wohl
gewut, nicht streng in der Ordnung gewesen sei.[74]

Die Nachricht, da Mac Ian sich nicht innerhalb der vorgeschriebenen
Zeit unterworfen habe, wurde von drei mchtigen Schotten, die sich
damals am englischen Hofe befanden, mit boshafter Schadenfreude
aufgenommen. Breadalbane war zu Weihnachten nach London gegangen, um
Bericht ber seine Amtsfhrung abzustatten. Dort traf er mit seinem
Vetter Argyle zusammen. Argyle war hinsichtlich seiner persnlichen
Eigenschaften einer der unbedeutendsten von der langen Reihe von
Edelleuten, welche diesen berhmten Namen getragen haben. Er war der
Nachkomme ausgezeichneter Mnner und der Vater ausgezeichneter Mnner.
Er war der Enkel eines der geschicktesten schottischen Staatsmnner, der
Sohn eines der tapfersten und aufrichtigsten schottischen Patrioten, der
Vater eines Mac Callum More, der als Krieger und Redner, als das Muster
vornehmer Eleganz und als einsichtsvoller Beschtzer der Knste und
Wissenschaften berhmt war, und eines andren Mac Callum More, der sich
durch Talent fr Staatsgeschfte wie fr militrisches Commando und
durch Kenntni der exacten Wissenschaften auszeichnete. Argyle war
solcher Vorfahren und solcher Nachkommen gleich unwrdig. Er hatte sich
sogar des Verbrechens schuldig gemacht, das zwar unter den schottischen
Staatsmnnern ziemlich allgemein, bei ihm aber ganz besonders
schmachvoll war, heimlich mit den Agenten Jakob's zu verkehren, whrend
er Loyalitt fr Wilhelm zur Schau trug. Bei alledem hatte Argyle die
von hohem Range, groem Grundbesitz, ausgedehnten Lehnsrechten und fast
unbegrenzter patriarchalischer Autoritt untrennbare Bedeutung. Ihm
sowohl wie seinem Vetter Breadalbane war die Nachricht, da der Stamm
Glencoe auerhalb des Schutzes der Gesetze stehe, sehr angenehm und der
Master von Stair empfand mehr als Sympathie mit ihnen beiden.

Das Gefhl Argyle's und Breadalbane's ist vollkommen begreiflich. Sie
waren die Oberhupter eines groen Clans und sie hatten Gelegenheit,
einen Nachbarclan zu vernichten, mit dem sie in erbitterter Fehde lagen.
Breadalbane war besonders gereizt worden. Seine Gter waren zu
wiederholten Malen verwstet und ihm eben erst bei einer wichtigen
Unterhandlung ein Strich durch die Rechnung gemacht worden. Leider gab
es kaum ein Ueberma von Grausamkeit, fr das sich in celtischen
Traditionen nicht ein Prcedenzfall auffinden lie. Bei allen
kriegerischen Barbaren gilt die Rache fr die heiligste Pflicht und fr
den hchsten Genu, und dafr galt sie auch bei den Hochlndern seit
langer Zeit. Die Geschichte der Clans ist reich an grauenvollen
Erzhlungen von Metzeleien und Meuchelmorden aus Rache, die zum Theil
fabelhaft und bertrieben sein mgen, zum Theil aber auch gewi auf
Wahrheit beruhen. So umzingelten zum Beispiel die Macdonalds von
Glengarry, als sie einmal von den Leuten von Culloden beleidigt worden
waren, eines Sonntags die Kirche von Culloden, verschlossen die Thren
und verbrannten die ganze Gemeinde lebendig. Whrend die Flammen
wtheten, verhhnte der erbliche Musikant der Mrder das Wehgeschrei der
umkommenden Menge durch die Tne seiner Sackpfeife.[75] Eine Bande
Macgregors legte den abgeschnittenen Kopf eines Feindes, nachdem sie ihm
den Mund mit Brot und Kse gefllt, auf den Tisch seiner Schwester, und
hatte die Genugthuung, sie vor Entsetzen ber den Anblick wahnsinnig
werden zu sehen. Dann trugen sie die frchterliche Trophe im Triumph zu
ihrem Huptlinge. Der ganze Clan versammelte sich unter dem Dache einer
alten Kirche und jeder Einzelne legte die Hand auf den Kopf des
Ermordeten und gelobte, die Mrder zu vertheidigen.[76] Die Bewohner von
Eigg ergriffen einige Macleods, banden ihnen Hnde und Fe und stieen
sie in einem Boote in die offene See hinaus, um von den Wellen
verschlungen zu werden oder vor Hunger umzukommen. Die Macleods rchten
sich dafr, indem sie die Bewohner von Eigg in eine Hhle trieben, am
Eingange derselben ein Feuer anzndeten und den ganzen Stamm, Mnner,
Frauen und Kinder, ersticken lieen.[77] Es ist bei weitem nicht so
wunderbar, da die beiden mchtigen Earls aus dem Hause Campbell, von
den Leidenschaften hochlndischer Huptlinge erfllt, auf eine
hochlndische Rache sannen, als da sie in dem Master von Stair einen
Complicen, und noch etwas mehr als einen Complicen fanden.

Der Master von Stair war einer der ersten Mnner seiner Zeit, ein
Jurist, ein Staatsmann, ein tchtiger Gelehrter und ein gewandter
Redner. Sein feines Benehmen und seine lebendige Conversation machten
ihn zu einem Liebling der aristokratischen Zirkel, und wer ihn in einer
solchen Gesellschaft sah, wrde es nicht fr mglich gehalten haben, da
er bei einem abscheulichen Verbrechen die Hauptrolle spielen knne.
Seine politischen Grundstze waren lax, doch nicht laxer als die der
meisten schottischen Staatsmnner jener Zeit. Grausamkeit hatte man ihm
nie vorwerfen knnen. Selbst Diejenigen, die ihm am wenigsten gewogen
waren, lieen ihm die Gerechtigkeit widerfahren zuzugestehen, da er, wo
seine politischen Plne nicht ins Spiel kmen, ein sehr gutherziger Mann
sei.[78] Man hat nicht den geringsten Grund anzunehmen, da er durch die
That, die seinen Namen mit Schande bedeckt hat, ein einziges Pfund
Schottisch gewann. Er hatte keinen persnlichen Grund, den Leuten von
Glencoe Bses zu wnschen. Es hatte keine Fehde zwischen ihm und seiner
Familie bestanden. Seine Gter lagen in einem Districte, wo ihr Tartan
nie gesehen wurde. Und dennoch hate er sie mit einem so heftigen und
unvershnlichen Hasse, als htten sie seine Felder verwstet, sein Haus
angezndet, sein Kind in der Wiege ermordet.

Welcher Ursache sollen wir eine so sonderbare Antipathie zuschreiben?
Diese Frage setzte schon des Masters Zeitgenossen in Verlegenheit, und
jede Antwort, die sich jetzt darauf geben lt, mu mit Vorsicht gegeben
werden.[79] Die wahrscheinlichste Vermuthung ist die, da er von einem
berspannten, rcksichtslosen, ungezgelten Eifer fr das was ihm das
Interesse des Staats dnkte, getrieben wurde. Diese Erklrung wird
Diejenigen in Erstaunen setzen, welche nie erwogen haben, ein wie groer
Theil der schwrzesten Verbrechen, von denen uns die Geschichte erzhlt,
einem verkehrten Gemeinsinne zugeschrieben werden mu. Wir sehen tglich
Leute fr ihre Partei, fr ihre Secte, fr ihr Vaterland, fr ihre
politischen und socialen Lieblingsreformplne Dinge thun, die sie nicht
thun wrden, um sich zu bereichern oder zu rchen. Bei einer Versuchung,
die sich direct an unsre persnliche Habgier oder an unsren Privatha
richtet, wird alle Tugend, die wir besitzen, alarmirt. Aber die Tugend
selbst kann zum Falle Desjenigen beitragen, der da glaubt, es stehe in
seiner Macht, durch Verletzung einer allgemeinen Vorschrift der Moral
einer Kirche, einem Staate, oder der ganzen Menschheit einen wichtigen
Dienst zu leisten. Er bringt die Mahnungen seines Gewissens zum
Schweigen und verhrtet sein Herz gegen die erschtterndsten Scenen des
Elends, indem er sich bestndig wiederholt, da seine Absichten lauter,
da seine Zwecke edel sind, da er eine kleine Snde um eines groen
Guten willen thut. So gelangt er nach und nach dahin, da er die
Schndlichkeit der Mittel ber die Vortrefflichkeit des Zweckes gnzlich
vergit, und verbt schlielich ohne einen Gewissensbi Thaten, vor
denen ein Seeruber zurckbeben wrde. Man hat keinen Grund anzunehmen,
da Dominicus um des besten Erzbisthums der Christenheit halber wilde
Ruber angereizt haben wrde, eine friedliche und betriebsame
Bevlkerung auszuplndern und niederzumetzeln, da Eberhard Digby fr
ein Herzogthum eine zahlreiche Versammlung von Menschen in die Luft
gesprengt, oder da Robespierre fr Geld einen Einzigen von den
Tausenden gemordet haben wrde, die er aus Philanthropie mordete.

Der Master von Stair scheint einen wahrhaft groen und edlen Zweck in
Auge gehabt zu haben: die Pacifirung und Civilisirung der Hochlande. Er
war, wie selbst Diejenigen zugaben, die ihn am meisten haten, ein Mann
von weitgreifenden Plnen. Er hielt es mit Recht fr monstrs, da ein
Dritttheil von Schottland sich in einem kaum minder rohen Zustande
befand als Neuguinea, da Brand- und Mordbriefe in einem Dritttheil von
Schottland Jahrhunderte lang als eine Art gesetzlichen Verfahrens
betrachtet wurden und da Niemand den Versuch machte, ein radikales
Heilmittel gegen solche Uebelstnde anzuwenden. Die Unabhngigkeit, die
sich ein Haufe kleiner Souveraine anmaen wollte, der hartnckige
Widerstand, den sie der Autoritt der Krone und des Court of Session zu
leisten pflegten, ihre Kriege, ihre Rubereien, ihre Brandstiftungen,
ihre Gewohnheit, friedlichere und ntzlichere Leute als sie zu
brandschatzen: dies Alles mute nothwendig den Abscheu und den Unwillen
eines aufgeklrten und einsichtsvollen Mannes des Friedens erwecken, der
sowohl seinem Character als den Gewohnheiten seines Berufs nach ein
Freund des Gesetzes und der Ordnung war. Sein Zweck war nichts
Geringeres als eine vollstndige Auflsung und Umgestaltung der
Gesellschaft in den Hochlanden, eine Auflsung und Umgestaltung, wie sie
zwei Generationen spter auf die Schlacht von Culloden folgte. In seinen
Augen waren die Clans so wie sie zur Zeit bestanden, die Plage des
Landes, und der schlimmste von allen Clans war der, welcher Glencoe
bewohnte. Ein haarstrubendes Beispiel von der Gesetzlosigkeit und
Grausamkeit dieser Ruber sollte ihn besonders ergriffen haben. Einer
von ihnen, der an irgend einem Acte der Gewaltthtigkeit oder des Raubes
Theil genommen, hatte seine Genossen angezeigt. Er war an einen Baum
gebunden und ermordet worden. Der alte Huptling hatte ihm den ersten
Sto gegeben und der Krper des Unglcklichen war dann von mehr als
zwanzig Dolchen durchbohrt worden.[80] Der Gebirgsbewohner betrachtete
einen solchen Act wahrscheinlich als eine rechtmige Ausbung
patriarchalischer Justiz. Der Master von Stair aber war der Meinung, da
Leute, unter denen solche Dinge geschahen und zugelassen wurden, wie
eine Heerde Wlfe behandelt, durch jede List in die Falle gelockt und
ohne Gnade niedergemetzelt werden mten. Er war wohl belesen in der
Geschichte und wute wahrscheinlich, wie groe Regenten in seinem eignen
und in anderen Lndern mit solchen Banditen verfahren sind. Er wute
wahrscheinlich mit welcher Energie und mit welcher Strenge JakobV. die
Straenruber des Grenzlandes unterdrckt hatte, wie der Huptling von
Henderland ber dem Thore des Schlosses, in welchem er ein Gastmahl fr
den Knig hergerichtet hatte, aufgeknpft worden war, wie Johann
Armstrong und seinen sechsunddreiig Reitern, als sie herbeikamen, um
ihren Souverain zu bewillkommnen, kaum so viel Zeit gelassen wurde, um
ein einziges Gebet zu sprechen, bevor sie alle aufgehngt wurden. Ebenso
waren dem Sekretr wahrscheinlich die Mittel nicht unbekannt, durch
welche SixtusV. den Kirchenstaat von Banditen gesubert hatte. Die
Lobredner dieses groen Pontifex erzhlen uns von einer gefrchteten
Bande, die aus einer Feste in den Apenninen nicht zu vertreiben war. Es
wurden daher Saumthiere mit vergifteten Speisen und Wein beladen und auf
einem nahe bei der Festung vorberfhrenden Wege abgeschickt. Die Ruber
kamen heraus, bemchtigten sich der Beute, schmausten und starben, und
der greise Papst freute sich hchlich als er erfuhr, da die Leichen von
dreiig Rubern, die der Schrecken vieler friedlicher Drfer gewesen
waren, unter den Maulthieren und Packereien umherliegend gefunden worden
waren. Die Plne des Masters von Stair waren im Geiste Jakob's und
Sixtus' entworfen, und die Emprung der Gebirgsbewohner bot anscheinend
eine vortreffliche Gelegenheit zur Ausfhrung dieser Plne. Bloe
Emprung htte er allerdings leicht vergeben knnen. Gegen die Jakobiten
als solche zeigte er niemals irgend Lust, hart zu verfahren. Er hate
die Hochlnder nicht als Feinde dieser oder jener Dynastie, sondern als
Feinde des Gesetzes, der Industrie und des Handels. In seiner
Privatcorrespondenz wendete er auf sie die kurze und schreckliche Phrase
an, mit der der unvershnliche Rmer den Fluch ber Karthago aussprach.
Sein Plan bestand in nichts Geringerem, als da das ganze Gebirgsland
von einer Meereskste zur andren, sowie die benachbarten Inseln durch
Feuer und Schwert verwstet, da die Camerons, die Macleans und alle
Zweige des Stammes Macdonald vertilgt werden sollten. Er betrachtete
daher Ausshnungsplne nicht mit freundlichem Auge, und whrend Andere
hofften, da etwas Geld Alles ordnen werde, deutete er sehr verstndlich
seine Meinung an, da das Geld, welches man auf die Clans verwenden
wolle, besser in der Gestalt von Kugeln und Bajonetten verwendet werden
wrde. Bis zum letzten Augenblicke schmeichelte er sich, da die
Rebellen unbeugsam bleiben und ihm dadurch einen Vorwand liefern wrden,
die groe sociale Revolution zu bewerkstelligen, die er sich in den Kopf
gesetzt hatte.[81] Der Brief ist noch vorhanden, in welchem er die
Befehlshaber der Truppen in Schottland instruirt, was sie zu thun
htten, wenn sich die jakobitischen Huptlinge nicht vor Ende December
zur Vereidigung stellen sollten. Es liegt etwas Grauenhaftes in der Ruhe
und bndigen Krze, mit der die Instructionen ertheilt wurden. Ihre
Truppen werden den District Lochaber, Lochiel's, Keppoch's, Glengarry's
und Glencoe's Lndereien, gnzlich verwsten. Ihr Corps wird stark genug
sein. Ich hoffe, die Soldaten werden die Regierung nicht mit Gefangenen
beschweren.[82]

Diese Depesche war kaum abgesandt, als in London die Nachricht eintraf,
da die widerspenstigen Huptlinge, nachdem sie lange fest geblieben,
endlich vor den Sheriffs erschienen waren und die Eide geleistet hatten.
Lochiel, der angesehenste unter ihnen, hatte nicht nur erklrt, da er
als ein treuer Unterthan Knig Wilhelm's leben und sterben wolle,
sondern hatte auch die Absicht angekndigt, England zu besuchen, in der
Hoffnung, da es ihm gestattet werde, Sr. Majestt die Hand zu kssen.
In London wurde mit Jubel verkndet, da alle Clans, ohne Ausnahme, sich
rechtzeitig unterworfen htten, und die Ankndigung wurde allgemein fr
hchst befriedigend gehalten.[83] Aber der Master von Stair war
schmerzlich enttuscht. Die Hochlande sollten also bleiben was sie
gewesen waren, die Schande und der Fluch Schottland's. Eine kostbare
Gelegenheit, sie dem Gesetze zu unterwerfen, hatte man sich entgehen
lassen, und sie kehrte vielleicht nie wieder. Wenn nur die Macdonalds
ausgehalten htten; wenn nur wenigstens an den beiden schlimmsten
Macdonalds, Keppoch und Glencoe, ein Exempel htte statuirt werden
knnen, so wre es doch etwas gewesen. Aber selbst Keppoch und Glencoe,
Ruber, die in jedem wohl regierten Lande schon vor dreiig Jahren
aufgehngt worden wren, seien, wie es scheine, in Sicherheit.[84]
Whrend der Master ber solche Gedanken brtete, brachte ihm Argyle
einigen Trost. Die Nachricht, da Mac Ian die Eide innerhalb der
vorgeschriebenen Zeit geleistet, war irrig. Der Sekretr war getrstet.
Also war doch ein Clan in den Hnden der Regierung, und dieser Clan war
der gesetzloseste von Allen. Ein groer Act der Gerechtigkeit, nein der
Barmherzigkeit, konnte vollzogen, ein furchtbares und denkwrdiges
Exempel konnte statuirt werden.

Eine Schwierigkeit gab es inde noch. Mac Ian hatte die Eide geleistet.
Er hatte sie zwar zu spt geleistet, um den Buchstaben des kniglichen
Versprechens zu seinen Gunsten geltend machen zu knnen; aber die
Thatsache, da er die Eide geleistet, durfte offenbar Denen nicht
verschwiegen werden, die ber sein Schicksal zu entscheiden hatten.
Durch eine schwarze Intrigue, deren Geschichte nur unvollkommen bekannt
ist, die aber aller Wahrscheinlichkeit nach vom Master von Stair
geleitet wurde, ward der Beweis von Mac Ian's verspteter Unterwerfung
beseitigt. Das Certificat, welches der Sheriff von Argyleshire dem
Geheimen Rathe zu Edinburg bersandt, wurde der Behrde nie vorgelegt,
sondern nur privatim einigen hochgestellten Personen, insbesondere dem
Lordprsidenten Stair, dem Vater des Sekretrs, mitgetheilt. Diese
Personen erklrten das Certifikat fr ordnungswidrig, ja fr durchaus
nichtig, und es wurde cassirt.

Unterdessen entwarf der Master von Stair in Gemeinschaft mit Breadalbane
und Argyle einen Plan zur Vernichtung der Leute von Glencoe. Es war
nthig, die Bewilligung des Knigs einzuholen, zwar nicht bezglich der
Einzelheiten dessen was geschehen sollte, wohl aber in Betreff der
Frage, ob Mac Ian und seine Leute als Rebellen behandelt werden sollten,
die auer dem Bereiche des ordentlichen Gesetzes standen, oder ob nicht.
Der Master von Stair stie im kniglichen Cabinet auf keine
Schwierigkeit. Wilhelm hatte aller Wahrscheinlichkeit nach die Leute von
Glencoe nie anders als Banditen nennen hren. Er wute, da sie sich bis
zu dem vorgeschriebenen Tage nicht gestellt hatten; aber da sie sich
nach diesem Tage noch gestellt hatten, wute er nicht. Wenn er der Sache
einige Aufmerksamkeit schenkte, so mute er der Meinung sein, da man
eine so gnstige Gelegenheit, den Verwstungen und Rubereien, von denen
eine friedliche und betriebsame Bevlkerung soviel gelitten hatte, ein
Ende zu machen, nicht unbenutzt vorbergehen lassen drfe.

Es wurde ihm ein Befehl zur Unterzeichnung vorgelegt. Er unterzeichnete
denselben, aber, wenn man Burnet glauben darf, ohne ihn zu lesen. Wer
einige Kenntni von den Staatsgeschften hat, wei, da Frsten und
Minister tglich Schriftstcke unterzeichnen und in der That
unterzeichnen mssen, die sie nicht gelesen haben, und von allen
Schriftstcken war eines, das sich auf einen kleinen Stamm
Gebirgsbewohner bezog, der eine auf keiner Karte angegebene Wildni
bewohnte, am wenigsten geeignet, einen Souverain zu interessiren, dessen
Kopf mit Plnen angefllt war, von denen das Geschick Europa's abhngen
konnte.[85] Aber selbst wenn man annimmt, da er den Befehl gelesen,
unter den er seinen Namen setzte, ist kein Grund vorhanden, ihn zu
tadeln. Der an den Commandeur der Truppen in Schottland gerichtete
Befehl lautet folgendermaen: Anlangend Mac Ian von Glencoe und diesen
Stamm, so wird es, wenn sie von den anderen Hochlndern streng
unterschieden werden knnen, angemessen sein, diese Ruberbande zur
Behauptung der ffentlichen Gerechtigkeit zu vertilgen. Der Sinn dieser
Worte ist an sich vllig unschuldig und sie wrden ohne das entsetzliche
Ereigni welches folgte, allgemein in diesem Sinne verstanden worden
sein. Es ist unzweifelhaft eine der ersten Pflichten jeder Regierung
Ruberbanden auszurotten. Damit ist aber nicht gesagt, da jeder Ruber
meuchlings im Schlafe ermordet, ja nicht einmal, da jeder Ruber nach
einer ordentlichen Untersuchung ffentlich hingerichtet werden msse,
sondern nur da jede Bande als solche vollstndig aufzulsen und jede
zur Erreichung dieses Zweckes unerllich nothwendig erscheinende
Strenge anzuwenden sei. Htte Wilhelm die Worte, die ihm sein Sekretr
unterbreitete, gelesen und erwogen, so wrde er sie wahrscheinlich so
verstanden haben, da Glencoe von Truppen besetzt, da Widerstand, wenn
solcher versucht wrde, mit krftiger Hand niedergeworfen, da die
vornehmsten Mitglieder des Clans, welche groer Verbrechen berfhrt
werden knnten, streng bestraft, da einige thtige junge Freibeuter,
die mehr gewohnt waren, mit dem Breitschwerte umzugehen als mit dem
Pfluge, und von denen nicht zu erwarten stand, da sie sich entschlieen
wrden, als friedliche Arbeiter zu leben, zur Armee in den Niederlanden
versetzt, da andere nach amerikanischen Pflanzungen transportirt und
da diejenigen Macdonalds, die man in ihrem heimathlichen Thale liee,
entwaffnet und angehalten werden sollten, fr ihre Auffhrung Geieln zu
stellen. Ein diesem sehr hnlicher Plan war wirklich in den politischen
Kreisen Edinburg's vielfach berathen worden.[86] Es kann kaum einem
Zweifel unterliegen, da Wilhelm sich um sein Volk sehr verdient gemacht
haben wrde, wenn er in dieser Weise nicht nur den Stamm Mac Ian's,
sondern berhaupt jeden hochlndischen Stamm, dessen einzige
Beschftigung darin bestand, Vieh zu stehlen und Huser anzuznden,
ausgerottet htte.

Die Ausrottung, welche der Master von Stair im Sinne hatte, war ganz
andrer Art. Sein Plan war, das ganze fluchwrdige Rubergezcht zu
vertilgen. So lautete die Sprache, in der sein Ha sich Luft machte. Er
studirte die Geographie der wilden Gegend um Glencoe und traf seine
Anordnungen mit teuflischem Scharfsinn. Der Schlag mute wo mglich
rasch, vernichtend und gnzlich unerwartet sein. Wenn Mac Ian aber die
Gefahr ahnen und versuchen sollte, auf den Gebieten seiner Nachbarn eine
Zufluchtssttte zu suchen, mute er jeden Weg versperrt finden. Der Pa
von Rannoch mute besetzt werden. Dem Laird von Weems, der in Strath Tay
groe Macht hatte, mute gesagt werden, da, wenn er die Ruber bei sich
aufnehme, er dies auf seine Gefahr thue. Breadalbane versprach, den
Fliehenden auf einer Seite den Rckzug abzuschneiden, Mac Callum More
auf einer andren. Es sei ein Glck, schrieb der Sekretr, da Winter
sei. Dies sei die rechte Zeit, um die Schurken zu zchtigen. Die Nchte
seien so lang, die Berggipfel so kalt und strmisch, da auch die
abgehrtetsten Mnner den Aufenthalt im Freien ohne Obdach oder Feuer
nicht lange aushalten knnten. Da die Frauen und Kinder in dieser
Wildni Schutz fnden, sei ganz unmglich. Whrend er so schrieb, kam
ihm nicht im Entferntesten der Gedanke, da er eine groe
Abscheulichkeit begehe. Er war glcklich in der Billigung seines eigenen
Gewissens. Pflicht, Gerechtigkeit, ja Nchstenliebe und Erbarmen waren
die Namen, die er seiner Grausamkeit als Mantel umhing, und es ist
durchaus nicht unwahrscheinlich, da er sich selbst durch die Maske
tuschen lie.[87]

Hill, welcher die im Fort William versammelten Truppen befehligte,
wurde nicht mit der Ausfhrung des Planes beauftragt. Er scheint ein
menschenfreundlicher Mann gewesen zu sein, denn er war tief betrbt, als
er erfuhr, da die Regierung sich zur Strenge entschlossen habe, und man
frchtete wahrscheinlich, da ihm im entscheidendsten Momente der Muth
sinken werde. Er erhielt deshalb die Weisung, ein starkes Detachement
unter die Befehle seines Untercommandeurs, des Oberstleutnants Hamilton
zu stellen. Diesem wurde sehr verstndlich angedeutet, da er jetzt eine
vortreffliche Gelegenheit habe, seinen Ruf in den Augen der am Ruder
Stehenden zu befestigen. Ein groer Theil der ihm anvertrauten Truppen
waren Campbells und gehrten zu einem unlngst von Argyle errichteten
und nach ihm benannten Regimente. Man glaubte wahrscheinlich, da bei
einer solchen Gelegenheit die Humanitt sich der bloen Gewohnheit des
militrischen Gehorsams gegenber als zu stark erweisen mchte und da
man sich wenig auf Herzen wrde verlassen knnen, die nicht durch eine
Fehde verhrtet seien, wie sie seit langer Zeit zwischen den Leuten Mac
Ian's und den Leuten Mac Callum More's wthete.

Wre Hamilton offen gegen die Leute von Glencoe marschirt und htte sie
ber die Klinge springen lassen, so wrde es seiner That wahrscheinlich
nicht an Vertheidigern und sicherlich wenigstens nicht an
Prcedenzfllen gefehlt haben. Aber der Master von Stair hatte sehr
nachdrcklich ein andres Verfahren empfohlen. Bei dem geringsten Alarm
wrde man das Nest der Ruber leer finden und in einer so unwirthbaren
Gegend Jagd auf sie zu machen, wrde selbst mit allem Beistande
Breadalbane's und Argyle's ein langwieriges und schweres Stck Arbeit
sein. Besser, schrieb er, man bindet gar nicht mit ihnen an, als man
bindet vergebens mit ihnen an. Wenn die Sache beschlossen ist, mu sie
im Geheimen und unverhofft geschehen.[88] Man folgte seinem Rathe und
beschlo, da die Leute von Glencoe nicht durch militrische Execution,
sondern durch die feigste und niedertrchtigste Form des Meuchelmordes
umkommen sollten.

Am 1.Februar marschirten hundertzwanzig Soldaten von Argyle's Regiment
unter den Befehlen eines Hauptmanns Namens Campbell und eines Leutnants
Namens Lindsay nach Glencoe. Hauptmann Campbell wurde in Schottland nach
dem Gebirgspasse, in welchem seine Besitzung lag, gewhnlich Glenlyon
genannt. Er besa jede erforderliche Eigenschaft fr den Dienst zu dem
er verwendet wurde: eine schamlose Stirn, eine glatte, lgnerische Zunge
und ein demanthartes Herz. Auch war er einer von den wenigen Campbells,
von denen man erwarten durfte, da die Macdonalds ihnen trauen und sie
willkommen heien wrden, denn seine Nichte war mit Alexander, dem
zweiten Sohne Mac Ian's, vermhlt.

Der Anblick der herannahenden Rothrcke erregte einige Besorgni unter
der Bevlkerung des Thales. Johann, der lteste Sohn des Huptlings,
ging mit zwanzig Clansleuten den Fremden entgegen und fragte sie, was
dieser Besuch zu bedeuten habe. Leutnant Lindsay antwortete, die
Soldaten kmen als Freunde und verlangten nichts weiter als Quartier.
Sie wurden freundlich aufgenommen und unter den Strohdchern der kleinen
Commun einlogirt. Glenlyon fand mit mehreren seiner Leute Aufnahme in
dem Hause eines Tacksman, der nach dem Huflein Htten, das unter seiner
Autoritt stand, Inverriggen genannt wurde. Lindsay fand nher bei der
Wohnung des alten Huptlings ein Unterkommen. Auchintriater, einer der
vornehmsten Mnner des Clans, der das kleine Dorf Auchnaion verwaltete,
fand daselbst Raum fr eine von einem Sergeanten, Namens Barbour,
commandirte Abtheilung. Lebensmittel wurden in reichlicher Menge
geliefert. Es fehlte nicht an Rindfleisch, das wahrscheinlich auf
fremden Weiden fett geworden, und man verlangte keine Bezahlung, denn in
der Gastfreundschaft wie in der Raublust wetteiferten die glischen
Banditen mit den Beduinen. Zwlf Tage lang lebten die Soldaten ganz
gemthlich unter den Bewohnern der Schlucht. Der alte Mac Ian, der wegen
des Verhltnisses, in dem er zur Regierung stand, anfangs nichts Gutes
geahnet hatte, schien jetzt Gefallen an dem Besuche zu finden. Die
Offiziere brachten einen groen Theil ihrer Zeit bei ihm und seiner
Familie zu. Die langen Winterabende wurden mit Hlfe einiger Spiele
Karten, die sich nach diesem entlegenen Winkel der Welt verlaufen
hatten, und etwas Franzbranntwein, der wahrscheinlich ein Theil von
Jakob's Abschiedsprsent an seine hochlndischen Anhnger war, heiter
und vergngt am Torffeuer hingebracht. Glenlyon schien seiner Nichte und
deren Gatten Alexander mit inniger Liebe zugethan. Jeden Tag kam er in
ihr Haus, um dort zu frhstcken. Whrenddem erforschte er mit der
grten Aufmerksamkeit alle Zu- und Ausgnge, auf denen die Macdonalds,
wenn das Signal zum Gemetzel erfolgte, versuchen konnten, ins Gebirge zu
entkommen, und berichtete Hamilton das Ergebni seiner Beobachtungen.

Hamilton bestimmte den 13.Februar, fnf Uhr Morgens, zur Ausfhrung der
That. Er hoffte, da er bis dahin Glencoe mit vierhundert Mann erreichen
und alle Baue verstopft haben wrde, in die sich der alte Fuchs und
seine beiden Jungen -- so wurden Mac Ian und seine Shne spottweise von
den Mrdern genannt -- flchten konnten. Schlag fnf Uhr aber sollte
Glenlyon, mochte Hamilton eingetroffen sein oder nicht, aufbrechen und
jeden Macdonald unter siebzig Jahren ermorden.

Die Nacht war rauh. Hamilton und seine Truppen kamen nur langsam
vorwrts und versptigten sich bedeutend. Whrend sie mit Wind und
Schnee kmpften, speiste Glenlyon mit Denen, die er vor Tagesanbruch
niederzumetzeln gedachte, und spielte Karten mit ihnen. Er und Leutnant
Lindsay hatten versprochen, am folgenden Tage bei dem alten Huptlinge
zu Mittag zu essen.

Spt am Abend erwachte in dem ltesten Sohne des Huptlings der
unbestimmte Verdacht, da man etwas Bses im Sinne habe. Die Soldaten
waren unverkennbar in einer aufgeregten Stimmung und einige von
ihnen lieen sonderbare Aeuerungen fallen. Man erzhlte sich, da
zwei Mann Folgendes leise mit einander gesprochen haben sollten.
Mir gefllt dieser Streich nicht, flsterte der Eine. Ich wrde
recht gern gegen die Macdonalds kmpfen, aber Leute in ihren Betten
umbringen -- Wir mssen thun was uns befohlen wird, erwiederte
eine andre Stimme. Geschieht etwas Unrechtes, so haben es unsere
Offiziere zu verantworten. Johann Macdonald war so beunruhigt, da
er noch kurz nach Mitternacht in Glenlyon's Quartier kam. Glenlyon
und seine Leute waren smmtlich wach und schienen ihre Waffen zum
Kampfe in Bereitschaft zu bringen. Johann fragte uerst besorgt, was
diese Vorkehrungen zu bedeuten htten. Glenlyon erschpfte sich in
Freundschaftsversicherungen. Einige von Glengarry's Leuten haben die
Gegend beunruhigt, und wir machen uns bereit, gegen sie auszurcken.
Ihr habt nichts zu frchten. Glaubt Ihr ich wrde Eurem Bruder Sandy
und seiner Frau nicht einen Wink gegeben haben, wenn Euch irgend eine
Gefahr drohte? Johann's Verdacht war beschwichtigt. Er kehrte nach
Hause zurck und legte sich zur Ruhe.

Es war fnf Uhr Morgens. Hamilton war mit seinen Leuten noch einige
Meilen entfernt, und die Zugnge die er besetzen sollte, noch frei.
Glenlyon aber hatte gemessene Befehle, und er begann sie in dem kleinen
Dorfe, in welchem er selbst lag, in Vollzug zu setzen. Sein Wirth
Inverriggen und neun andere Macdonalds wurden aus ihren Betten gerissen,
an Hnden und Fen gefesselt und ermordet. Ein zwlfjhriger Knabe
umschlang die Knie des Hauptmanns und bat flehentlich um sein Leben. Er
wolle Alles thun, er wolle berallhin mitgehen, er wolle Glenlyon bis
ans Ende der Welt folgen. Selbst Glenlyon soll Zeichen von Rhrung an
den Tag gelegt haben; aber ein Bube, Namens Drummond, scho den Knaben
nieder.

In Auchnaion war der Tacksman Auchintriater diesen Morgen frhzeitig
aufgestanden und sa mit acht Mitgliedern seiner Familie am Feuer, als
eine Flintensalve ihn und sieben seiner Angehrigen todt oder sterbend
zu Boden streckte. Sein Bruder, der allein nicht getroffen worden war,
rief den Sergeanten Barbour, der die Mrder commandirte, an und bat ihn
um die Vergnstigung, unter freiem Himmel sterben zu drfen. Gut,
sagte der Sergeant, ich will Euch den Gefallen thun, weil ich an Eurem
Tische gegessen habe. Der verwegene und athletische Bergschotte kam
unter dem Schutze der Dunkelheit heraus, strzte sich auf die Soldaten,
die eben auf ihn anschlagen wollten, warf ihnen seinen Plaid ber die
Kpfe und war in einem Nu auf und davon.

Unterdessen hatte Lindsay an die Thr des alten Huptlings geklopft und
mit freundlichen Worten Einla begehrt. Die Thr ward geffnet. Whrend
Mac Ian sich ankleidete und seine Dienerschaft rief, um seinen Gsten
Erfrischungen bringen zu lassen, wurde er durch den Kopf geschossen.
Zwei seiner Leute wurden zugleich mit ihm ermordet. Seine Gattin war
bereits auf und in dem Staate, den die Frstinnen der wilden Schluchten
der Hochlande zu tragen pflegten. Die Mrder rissen ihr die Kleider und
das Geschmeide vom Leibe. Die Ringe lieen sich nicht leicht von den
Fingern ziehen; ein Soldat ri sie mit den Zhnen herunter. Sie starb am
folgenden Tage.

Der Staatsmann, dem dieses groe Verbrechen hauptschlich zur Last
fllt, hatte den Plan dazu mit vollendeter Geschicklichkeit entworfen;
aber die Ausfhrung war nur in Bezug auf Schuld und Schmach vollkommen.
Eine Reihe von Fehlgriffen bewahrte drei Viertel der Leute von Glencoe
vor dem Schicksale ihres Huptlings. Alle diejenigen moralischen
Eigenschaften, welche den Menschen geschickt machen, bei einem Gemetzel
eine Rolle zu spielen, besaen Hamilton und Glenlyon in hchster
Vollendung. Aber keiner von Beiden scheint viel militrisches Talent
besessen zu haben. Hamilton hatte seinen Plan entworfen, ohne das
schlechte Wetter in Anschlag zu bringen, und dies in einem Lande und zu
einer Jahreszeit, wo das Wetter aller Wahrscheinlichkeit nach schlecht
sein mute. Die Folge davon war, da die Fuchsbaue, wie er sie nannte,
nicht zur rechten Zeit verstopft wurden. Glenlyon und seine Leute
begingen den Fehler, ihre Wirthe durch Feuerwaffen aus der Welt zu
befrdern, anstatt sich des kalten Stahles zu bedienen. Der Knall und
Blitz der Schsse verkndete drei verschiedenen Theilen des Thales zu
gleicher Zeit, da gemordet wurde. Aus funfzig Htten flchtete das
Landvolk halb nackt in die verborgensten Schlupfwinkel seiner unwegsamen
Schlucht. Selbst den Shnen Mac Ian's, welche speciell zur Vernichtung
bestimmt waren, gelang es zu entkommen. Sie wurden durch treue Diener
geweckt. Johann, welcher durch den Tod seines Vaters der Patriarch des
Stammes geworden, verlie seine Wohnung gerade in dem Augenblicke, als
zwanzig Soldaten mit aufgesteckten Bajonnetten im Anmarsche waren. Es
war lngst heller Tag als Hamilton ankam, und er fand das Werk noch
nicht halb verrichtet. Ungefhr dreiig Leichen schwammen auf den
Dngerhaufen vor den Thren in ihrem Blute. Darunter sah man auch einige
Frauen und ein noch grlicherer und erschtternderer Anblick, eine
kleine Hand, die im Tumulte des Gemetzels einem Kinde abgehauen worden
war. Ein bejahrter Macdonald wurde noch lebend gefunden. Er war
wahrscheinlich zu schwach, um fliehen zu knnen, und da er ber siebzig
Jahre zhlte, erstreckte sich der Befehl, nach welchem Glenlyon
gehandelt, nicht mit auf ihn. Hamilton ermordete den alten Mann mit
kaltem Blute. Die verdeten Drfer wurden sodann angezndet und die
Soldaten zogen ab, eine Menge Schafe und Ziegen, neunhundert Rinder und
zweihundert der kleinen zottigen Ponies der Hochlande mit sich
fortfhrend.

Man sagt, und es ist nur zu glaublich, da die Leiden der Flchtlinge
entsetzlich gewesen seien. Wie viele Greise, wie viele Frauen mit
kleinen Kindern auf den Armen in den Schnee niedersanken, um nie wieder
aufzustehen, wie Viele, die von Anstrengung und Hunger erschpft in
Schlupfwinkel an den Bergabhngen gekrochen waren, in diesen finstren
Hhlen starben und von den Gebirgsraben bis auf die Knochen verzehrt
wurden, ist nicht zu ermitteln. Wahrscheinlich aber war die Zahl Derer,
welche durch Klte, Erschpfung und Hunger umkamen, nicht geringer als
die Zahl Derer, welche von den Mrdern hingeschlachtet wurden. Als die
Truppen fort waren, kamen die Macdonalds aus den Hhlen von Glencoe
hervor, wagten sich zurck zu der Stelle, wo die Htten gestanden, zogen
die halbverbrannten Leichname aus den rauchenden Trmmern und
verrichteten einige einfache Beerdigungsceremonien. Die Tradition
erzhlt, da der erbliche Barde des Stammes sich auf einen Felsen
niedersetzte, der die Sttte des Gemetzels beherrschte, und sich in eine
lange Klage ber seine gemordeten Brder und seine verdete Heimath
ergo. Noch achtzig Jahre nachher sang die Bevlkerung des Thales dieses
schwermthige Klagelied.[89]

Die Ueberlebenden hatten alle Ursache zu der Befrchtung, da sie den
Kugeln und Schwertern nur entgangen waren, um durch Hunger umzukommen.
Das ganze Gebiet war eine Wste. Huser, Scheunen, Mobilien,
Wirthschaftsgerthe, Rinder- und Schafheerden und Pferde, Alles war
fort. Viele Monate muten vergehen, ehe der Clan im Stande war, auf
seinem Grund und Boden die Mittel zu gewinnen, um auch nur die
drftigste Existenz zu fristen.[90]

Man wird sich vielleicht wundern, da diese Ereignisse nicht mit einem
Ausrufe des Abscheus in allen Theilen der civilisirten Welt aufgenommen
wurden. Aber es ist Thatsache, da Jahre vergingen, ehe der ffentliche
Unwille grndlich erwachte, und Monate, bevor der schwrzeste Theil der
Geschichte selbst bei den Feinden der Regierung Glauben fand. Da das
Gemetzel in den Londoner Tagesblttern und in den monatlichen
Zeitschriften, welche kaum minder hfisch gesinnt waren als die
Zeitungen, oder in den durch officielle Censoren erlaubten Flugschriften
nicht erwhnt wurde, ist leicht erklrlich. Da sich aber auch in
Tagebchern und Briefen von Personen, die von jeder Beschrnkung frei
waren, keine Notiz davon findet, mu auffllig erscheinen. In Evelyn's
Tagebuch kommt kein Wort ber den Gegenstand vor. In Narcissus
Luttrell's Tagebuche ist fnf Wochen nach dem Gemetzel eine interessante
Bemerkung eingezeichnet. Briefe aus Schottland, sagt er, schilderten
dieses Land als vollkommen ruhig, ausgenommen da man sich ber
kirchliche Fragen noch ein wenig stritte. Die hollndischen Minister
theilten ihrer Regierung regelmig alle schottischen Neuigkeiten mit.
Sie hielten es damals der Mhe werth zu erwhnen, da ein Kaper in der
Nhe von Berwick ein Kohlenschiff aufgebracht habe, da die Edinburger
Diligence beraubt worden, und da bei Aberdeen ein Wallfisch mit einer
siebzehn Fu langen und sieben Fu breiten Zunge gestrandet sei. Aber in
keiner ihrer Depeschen findet sich eine Andeutung, da die Rede von
einem auerordentlichen Ereignisse in den Hochlanden gehe. Es kamen zwar
nach ungefhr drei Wochen Gerchte von der Ermordung einiger Macdonalds
ber Edinburg nach London. Aber diese Gerchte waren vag und einander
widersprechend, und das Schlimmste derselben war noch weit von der
schrecklichen Wahrheit entfernt. Die whiggistische Version der
Geschichte lautete, da der alte Ruber Mac Ian die Soldaten habe in
einen Hinterhalt locken wollen, da er sich aber in seiner eigenen
Schlinge gefangen habe und da er nebst einigen Mitgliedern seines Clans
mit dem Schwerte in der Hand gefallen sei. Die jakobitische Version,
welche am 23.Mrz von Edinburg abging, erschien am 7.April in der
Pariser Gazette. Glenlyon, hie es darin, sei mit einem Detachement von
Argyle's Regiment abgesandt worden, um unter dem Schutze der Dunkelheit
die Bewohner von Glencoe zu berfallen, und habe sechsunddreiig Mnner
und Knaben und vier Frauen getdtet.[91] Darin lag weder etwas
Wunderbares noch etwas Entsetzliches. Ein nchtlicher Angriff auf eine
Bande Freibeuter in einer starken natrlichen Festung kann eine durchaus
gerechtfertigte militrische Operation sein, und in der Dunkelheit und
der Verwirrung eines solchen Angriffs kann auch der Humanste das Unglck
haben, eine Frau oder einen Knaben, zu erschieen. Die Umstnde, welche
dem Gemetzel von Glencoe einen eigenthmlichen Character verleihen, der
Wortbruch, die Verletzung der Gastfreundschaft, die zwlf Tage
erheuchelter Freundschaft und heiteren Zusammenlebens, der
Morgenbesuche, der geselligen Mahlzeiten, des Gesundheittrinkens und des
Kartenspiels wurden von dem Edinburger Correspondenten der Gazette de
Paris nicht erwhnt, und wir drfen daraus mit Gewiheit schlieen, da
jene Umstnde bis dahin selbst nachforschenden und thtigen
Mivergngten, welche in der Hauptstadt Schottland's, hundert Meilen von
der Stelle, wo die That verbt worden, wohnten, vllig unbekannt waren.
Im Sden der Insel machte die Sache, so weit es sich jetzt beurtheilen
lt, fast gar kein Aufsehen. Fr den Londoner der damaligen Zeit war
Appin das, was fr uns das Kafferngebiet oder Borneo ist. Die Nachricht,
da einige hochlndische Ruber berfallen und getdtet worden wren,
machte auf ihn keinen greren Eindruck als wenn wir hren, da eine
Bande Viehdiebe von Amakosah niedergemacht oder da ein Fahrzeug voll
malayischer Piraten in den Grund gebohrt worden sei. Er hielt es fr
ausgemacht, da in Glencoe nichts Schlimmeres geschehen sei als was in
vielen anderen Schluchten Schottland's geschah. Es hatte einen
nchtlichen Kampf, wie sie zu Hunderten vorkamen, zwischen den
Macdonalds und Campbells gegeben, und die Campbells hatten die
Macdonalds aufs Haupt geschlagen.

Nach und nach kam jedoch die ganze Wahrheit zum Vorschein. Aus einem
ungefhr zwei Monat nach Verbung des Verbrechens in Edinburg
geschriebenen Briefe geht hervor, da die entsetzliche Geschichte unter
den Jakobiten dieser Stadt bereits cursirte. Im Sommer wurde Argyle's
Regiment nach dem Sden der Insel versetzt, und Einige von der
Mannschaft machten bei der Flasche auffllige Bekenntnisse von dem, was
sie im vergangenen Winter zu thun gezwungen worden waren. Die
Eidverweigerer bemchtigten sich bald des Fadens und verfolgten ihn
entschlossen; ihre geheimen Pressen traten in Thtigkeit, und endlich,
fast ein Jahr nachdem das Verbrechen begangen worden, wurde es der Welt
offenbart.[92] Aber die Welt war noch lange unglubig. Die
gewohnheitsmige Lgenhaftigkeit der jakobitischen Pasquillanten hatte
ihnen eine wohlverdiente Strafe zugezogen. Jetzt, wo sie zum ersten Mal
die Wahrheit sagten, glaubte man wieder sie erzhlten nur einen Roman.
Sie beklagten sich bitter darber, da die Geschichte, obgleich
vollkommen authentisch, vom Publikum als eine Parteilge betrachtet
werde.[93] Noch im Jahre 1695 bemerkte Hickes in einer Schrift, in der
er sein Lieblingsthema von der Thebanischen Legion gegen das aus dem
Stillschweigen der Geschichtsschreiber abgeleitete unwiderlegbare
Argument zu vertheidigen suchte, da man wohl daran zweifeln drfe, ob
irgend ein Geschichtsschreiber das Gemetzel von Glencoe erwhnen werde.
Es gebe in England, sagt er, viele Tausend gebildete Leute, welche nie
von diesem Gemetzel gehrt htten oder die es fr eine bloe Fabel
hielten.[94]

Gleichwohl begann die Strafe einiger der Schuldigen sehr bald. Hill, den
man eigentlich kaum schuldig nennen kann, war sehr ngstlich. Auch
Breadalbane, so verhrtet er war, fhlte den Stachel des Gewissens oder
die Furcht vor der Strafe. Wenige Tage nachdem die Macdonalds zu ihrer
alten Wohnsttte zurckgekehrt waren, besuchte sein Intendant die
Trmmer des Hauses Glencoe und bemhte sich die Shne des ermordeten
Huptlings zur Unterzeichnung einer Schrift zu berreden, worin sie
erklrten, da sie den Earl fr unschuldig an dem vergossenen Blute
hielten. Es wurde ihnen versichert, da, wenn sie diese Erklrung
abgben, Se. Lordschaft seinen ganzen groen Einflu aufbieten wrde, um
ihnen volle Amnestie und Zurckerstattung alles dessen was sie verwirkt
htten, zu verschaffen.[95] Glenlyon bemhte sich nach Mglichkeit eine
gleichgltige Miene zu heucheln. Er zeigte sich in dem elegantesten
Kaffeehause von Edinburg und sprach laut und selbstgefllig von dem
wichtigen Dienste, zu welchem er im Gebirge verwendet worden sei. Einige
von seinen Soldaten jedoch, die ihn genauer beobachteten, raunten
einander zu, da alle seine Bravaden blo Schein seien. Er sei nicht
mehr der Mann, der er vor jener Nacht gewesen. Sein ganzes Aussehen sei
verndert. An jedem Orte, zu jeder Stunde, er mge wachen oder schlafen,
stehe Glencoe vor seinen Augen.[96]

Doch welche Besorgnisse Breadalbane beunruhigen, welche Fantome Glenlyon
ngstigen mochten, der Master von Stair empfand weder Furcht noch Reue.
Er war wohl rgerlich, aber nur ber Hamilton's Migriffe und ber das
Entrinnen so Vieler von dem verdammten Gezcht. Thue Recht und scheue
Niemand, so lautet die Sprache in seinen Briefen. Kann es eine
heiligere Pflicht geben als das Land von Rubern zu befreien? Das
Einzige, was ich bedaure, ist, da welche davongekommen sind.[97]


[_Wilhelm begiebt sich auf den Continent._] Am 6.Mrz war Wilhelm,
aller Wahrscheinlichkeit nach ohne Kenntni der Einzelnheiten des
Verbrechens, das einen dunklen Schatten auf seinen Ruhm geworfen hat,
nach dem Continent abgereist, die Knigin als Viceregentin in England
zurcklassend.[98]


[_Louvois' Tod._] Er wrde seine Abreise wahrscheinlich aufgeschoben
haben, wenn er gewut htte, da die franzsische Regierung seit
einiger Zeit groartige Anstalten zu einer Landung auf unsrer Insel
traf.[99] Es war ein Ereigni eingetreten, das die Politik des Hofes
von Versailles gendert hatte. Louvois war nicht mehr. Er hatte ein
Vierteljahrhundert lang an der Spitze der Militrverwaltung seines
Vaterlandes gestanden, hatte bei der Leitung zweier Kriege, welche
das franzsische Gebiet vergrert und die Welt mit dem Ruhme der
franzsischen Waffen erfllt hatten, eine Hauptrolle gespielt und
hatte den Anfang eines dritten Krieges erlebt, der die uerste
Anstrengung seines groen Genies in Anspruch nahm. Zwischen ihm und
den berhmten Feldherren, die seine Plne in Ausfhrung brachten,
herrschte wenig Uebereinstimmung. Sein gebieterisches Wesen und sein
Selbstvertrauen trieben ihn an, sich zuviel in die Fhrung der Truppen
im Felde zu mischen, selbst wenn diese Truppen von einem Cond,
einem Turenne oder einem Luxemburg befehligt wurden. Aber er war der
grte Generaladjutant, der grte Generalquartiermeister, der grte
Kriegscommissar, den Europa gesehen hatte. Man kann sogar von ihm
sagen, da er in der Kunst, die Armeen zu discipliniren, zu vertheilen,
zu equipiren und zu verproviantiren, eine vollstndige Revolution
herbeigefhrt hat. Aber trotz seiner Talente und seiner Dienste war
er Ludwig und der Frau, welche Ludwig beherrschte, verhat geworden.
Das letzte Mal, wo der Knig und der Minister ber Geschftssachen
mit einander verhandelten, kam die Mistimmung auf beiden Seiten mit
Heftigkeit zum Ausbruch. Der Diener warf im Aerger sein Portefeuille
auf die Erde, und der Gebieter, welcher verga, was ihm selten geschah,
da ein Knig jederzeit Cavalier sein mu, erhob seinen Stock.
Zum Glck war seine Gemahlin anwesend. Sie ergriff mit gewohnter
Besonnenheit seinen Arm, fhrte dann Louvois aus dem Zimmer und bat ihn
dringend, den folgenden Tag wiederzukommen, als ob nichts vorgefallen
wre. Er kam wirklich am folgenden Tage wieder, aber mit dem Tode
im Gesicht. Der Knig wurde, obgleich von Groll erfllt, zu Mitleid
gerhrt und rieth Louvois nach Hause zu gehen und sich zu pflegen. Noch
denselben Abend starb der groe Minister.[100]

Louvois hatte sich bestndig allen Plnen zur Invasion in England
widersetzt. Sein Tod wurde daher in Saint-Germains als ein glckliches
Ereigni betrachtet.[101] Indessen mute man sich doch betrbt stellen
und einen Edelmann mit einigen Worten des Beileids nach Versailles
schicken. Der Abgesandte fand den glnzenden Kreis der Hflinge auf der
Terrasse ber der Orangerie um ihren Gebieter versammelt. Mein Herr,
sagte Ludwig in einem so sorglosen und heiteren Tone, da alle
Anwesenden darber erstaunten, bringen Sie dem Knige und der Knigin
von England meinen Gru und meinen Dank und sagen Sie ihnen, das weder
meine noch ihre Angelegenheiten sich in Folge dieses Ereignisses
verschlechtern werden. Diese Worte sollten ohne Zweifel andeuten, da
Louvois seinen Einflu nicht zu Gunsten des Hauses Stuart angewendet
habe.[102] Eine Anerkennung jedoch, aber eine Anerkennung, die
Frankreich theuer zu stehen kam, glaubte Ludwig dem Gedchtnisse seines
talentvollsten Dieners zollen zu mssen. Der Marquis von Barbesieux,
Louvois' Sohn, wurde in seinem fnfundzwanzigsten Jahre an die Spitze
des Kriegsdepartements gestellt. Es fehlte dem jungen Manne keineswegs
an Befhigung und er war schon seit einigen Jahren zu hochwichtigen
Geschften verwendet worden. Aber er besa heftige Leidenschaften und
kein gereiftes Urtheil, und seine unerwartete Erhebung verrckte ihm den
Kopf. Sein Benehmen erregte allgemeinen Unwillen. Alte Offiziere
beschwerten sich, da er sie lange antichambriren lasse, whrend er sich
mit seinen Windspielen und seinen Schmeichlern unterhalte. Wer bei ihm
vorgelassen wurde, entfernte sich emprt ber seine Rcksichtslosigkeit
und Anmaung. Wie es in seinem Alter ganz natrlich war, legte er nur
deshalb Werth auf die Macht, weil sie ihm die Mittel bot, sich Vergngen
zu verschaffen. Millionen Laubthaler wurden auf die prachtvolle Villa
verwendet, in der er die Sorgen seines Amtes in frhlicher Gesellschaft,
bei leckeren Speisen und schumendem Champagner zu vergessen liebte. Er
schtzte oft einen Fieberanfall vor, um sich wegen seines
Nichterscheinens im kniglichen Cabinet zur bestimmten Stunde zu
entschuldigen, whrend er thatschlich mit seinen Vergngungsgefhrten
und Maitressen die Zeit in Nichtsthun hingebracht hatte. Der
franzsische Knig, sagte Wilhelm, hat einen sonderbaren Geschmack; er
whlt eine alte Frau zur Maitresse und einen jungen Mann zum
Minister.[103]

Es kann kaum einem Zweifel unterliegen, da Louvois durch Verfolgung
des Weges, durch den er sich bei dem Hofe von Saint-Germains verhat
gemacht, groe Verdienste um sein Vaterland erworben hatte. Er lie sich
von dem jakobitischen Enthusiasmus nicht anstecken, denn er wute sehr
wohl, da Verbannte die schlechtesten Rathgeber sind. Er war
vortrefflich unterrichtet, er besa einen auerordentlichen Scharfblick
und erwog alle Mglichkeiten, und erkannte, da eine Landung alle
Aussicht hatte zu milingen, und zwar in sehr unheilvoller und
schimpflicher Weise zu milingen. Jakob mochte freilich wohl danach
verlangen, den Versuch zu machen, obgleich die Chancen wie Zehn zu Eins
gegen ihn waren, denn er konnte gewinnen, aber nichts verlieren. Seine
Thorheit und Hartnckigkeit hatte ihm nichts gelassen, was er htte aufs
Spiel setzen knnen. Speise und Trank, Wohnung und Kleidung verdankte er
der Mildthtigkeit. Nichts war natrlicher, als da er bei der
allergeringsten Aussicht, die drei Knigreiche, die er von sich
geworfen, wieder zu erlangen, geneigt war etwas ihm nicht Gehrendes,
die Ehre der franzsischen Waffen und die Gre und das Wohl der
franzsischen Monarchie, aufs Spiel zu setzen. Einem franzsischen
Staatsmanne aber mute ein solches Hazardspiel in einem ganz andren
Lichte erscheinen. Doch Louvois war nicht mehr. Sein Gebieter gab dem
Andringen Jakob's nach und beschlo eine Expedition nach England zu
schicken.[104]


[_Die franzsische Regierung beschliet eine Expedition gegen England zu
unternehmen._] Der Plan war in mancher Beziehung gut angelegt. Es war
festgesetzt, da an der Kste der Normandie ein Lager gebildet und da
in diesem Lager smmtliche in franzsischen Diensten stehende irische
Regimenter unter ihrem Landsmann Sarsfield versammelt werden sollten.
Mit ihnen sollten ungefhr zehntausend Mann franzsischer Truppen
vereinigt werden. Die ganze Armee sollte der Marschall Bellefonds
commandiren.

Eine stolze Flotte von etwa achtzig Linienschiffen sollte diese
Truppenmacht an die Ksten England's begleiten. Auf den Werften der
Bretagne und der Provence wurden ungeheure Zurstungen gemacht.
Vierundvierzig Linienschiffe, von denen einige die schnsten waren,
welche jemals gebaut worden, waren im Hafen von Brest unter Tourville
versammelt. Der Graf von Estres sollte mit fnfundzwanzig weiteren von
Toulon auslaufen. Ushant war als Vereinigungsort bestimmt. Selbst der
Tag war festgesetzt. Damit es weder an Seeleuten noch an Schiffen fr
die beabsichtigte Expedition fehle, war aller Seehandel und alle Kaperei
durch einen kniglichen Erla auf einige Zeit untersagt.[105]
Dreihundert Transportschiffe wurden in der Nhe des zur Einschiffung der
Truppen bestimmten Punktes versammelt. Man hoffte, da zu Anfang des
Frhjahrs, ehe die englischen Schiffe noch halb aufgetakelt und halb
bemannt und ehe ein einziges hollndisches Kriegsschiff im Kanal war,
Alles bereit sein werde.[106]


[_Jakob glaubt, da die englische Flotte freundschaftlich gegen ihn
gesinnt sei._] Jakob hatte sich sogar eingeredet, da, selbst wenn er
der englischen Flotte begegnen sollte, sie sich ihm nicht widersetzen
wrde. Er bildete sich ein, da er der Liebling der Seeleute jeden
Grades sei. Seine Emissre waren sehr thtig unter den Flottenoffizieren
gewesen und hatten einige gefunden, die sich seiner freundlich
erinnerten, andere, die mit den jetzt am Ruder befindlichen Mnnern
nicht zufrieden waren. All' das ungereimte Geschwtz einer Klasse, die
sich eben nicht durch Schweigsamkeit oder Discretion auszeichnete, wurde
ihm mit Uebertreibungen hinterbracht, bis er zu dem Glauben verleitet
war, da er auf den Schiffen, welche unsere Ksten bewachten, mehr
Freunde als Feinde habe. Er htte jedoch wissen knnen, da ein rauher
Seemann, der sich von der Admiralitt bel behandelt glaubte, wenn er
durch gewandte Gesellschafter bearbeitet wurde, nach der dritten Flasche
die guten alten Zeiten zuruckwnschen, die neue Regierung und sich
selbst verfluchen konnte, weil er ein solcher Narr sei, fr diese
Regierung zu kmpfen, da er aber deshalb noch keineswegs bereit war, am
Tage der Schlacht zu den Franzosen berzugehen. Von den unzufriedenen
Offizieren, die nach Jakob's Meinung es nicht erwarten konnten zu
desertiren, hatte die groe Mehrzahl wahrscheinlich keinen andren Beweis
von Zuneigung zu ihm gegeben, als ein in der Trunkenheit
herausgestoenes miges Wort, das sie vergessen hatten, sobald sie
wieder nchtern waren. Einer von Denjenigen, deren Beistand sie
erwarteten, der Contreadmiral Carter, hatte in der That Alles was die
jakobitischen Agenten sagten, gehrt und vollkommen begriffen, hatte
ihnen schne Worte erwiedert und dann die ganze Geschichte der Knigin
und ihren Ministern hinterbracht.[107]


[_Verhalten Russell's._] Am meisten baute Jakob auf Russell. Dieser
falsche, arrogante und launenhafte Staatsmann sollte die Kanalflotte
befehligen. Er hatte nicht aufgehrt den jakobitischen Emissren zu
versichern, da er gern eine Restauration herbeifhren wolle. Die
Emissre rechneten zuversichtlich wenn nicht auf seine unumwundene
Mitwirkung, so doch auf seine Connivenz, und es unterlag keinem
Zweifel, da mit seiner Connivenz eine franzsische Flotte leicht
eine Armee an unsere Ksten bringen konnte. Jakob schmeichelte sich
mit der Hoffnung, da er sogleich nach seiner Landung Herr der Insel
sein werde. In Wahrheit aber wrden nach vollbrachter Ueberfahrt die
Schwierigkeiten seines Unternehmens erst begonnen haben. Vor zwei
Jahren erst hatte er eine Lection bekommen, aus der er htte Nutzen
ziehen sollen. Er hatte damals sich und Andere in den irrigen Glauben
eingewiegt, da die Englnder ihn zurckwnschten, da sie sich nach
ihm sehnten und da sie es nicht erwarten knnten, sich zu Tausenden
bewaffnet zu erheben, um ihn willkommen zu heien. Wilhelm war damals
wie jetzt nicht anwesend. Damals wie jetzt war die Verwaltung in den
Hnden einer Frau. Damals wie jetzt waren wenig regulre Truppen in
England. Torrington hatte damals ebensoviel zum Schaden der Regierung
gethan, der er diente, als Russell jetzt thun konnte. Die franzsische
Flotte hatte damals, nachdem sie mehrere Wochen lang siegreich und
dominirend im Kanal umhergefahren war, einige Truppen auf der Sdkste
gelandet, und die unmittelbare Folge davon war gewesen, da ganze
Grafschaften, ohne Unterschied von Tory und Whig, Hochkirchlichem
oder Dissenter, sich wie ein Mann erhoben hatten, um die Fremden
hinauszuwerfen, und da die Jakobitenpartei, welche noch vor wenigen
Tagen anscheinend die Hlfte der Nation bildete, sich mit schweigender
Bestrzung niedergeduckt und so klein gemacht hatte, da sie eine
Zeit lang unsichtbar gewesen war. Welchen Grund hatte man nun zu
glauben, da die Massen, welche im Jahre 1690 beim ersten Aufflammen
der Lrmfeuer Gewehre, Piken und Sensen ergriffen hatten, um den
heimathlichen Boden gegen die Franzosen zu vertheidigen, die Franzosen
jetzt als Verbndete begren wrden? Und in der Armee, welche Jakob
diesmal begleiten solle, bildeten die Franzosen noch den minder
verhaten Theil. Die groe Hlfte dieser Armee sollte aus irischen
Papisten bestehen und das gemischte Gefhl von Ha und Verachtung, mit
dem die irischen Papisten von den englischen Protestanten seit langer
Zeit betrachtet wurden, war durch neuere Vorgnge zu einer vorher nicht
gekannten Heftigkeit gesteigert worden. Die erblichen Sklaven, sagte
man, seien auf einen Augenblick frei gewesen, und dieser Augenblick
habe gengt zu beweisen, da sie ihre Freiheit weder zu gebrauchen noch
zu vertheidigen wten. Whrend der kurzen Dauer ihres Uebergewichts
htten sie nichts gethan, als morden und sengen und plndern und
zerstren und verurtheilen und confisciren. In drei Jahren htten sie
in ihrem Vaterlande eine Verwstung angerichtet, welche dreiig Jahre
englischer Intelligenz und Betriebsamkeit nicht wiedergutmachen wrden.
Sie wrden ihre Unabhngigkeit gegen die ganze Welt behauptet haben,
wenn sie es im Fechten so weit gebracht htten wie im Stehlen. Aber
sie htten sich schimpflich von den Mauern Londonderry's zurckgezogen
und seien wie das Wild vor den Jgern von Enniskillen geflohen. Der
Frst, den sie jetzt mit Waffengewalt auf den englischen Thron setzen
zu knnen whnten, habe selbst am Morgen nach der Niederlage am Boyne
ihnen ihre Feigheit vorgeworfen und ihnen gesagt, da er sich nie
wieder auf ihren Wehrstand verlassen werde. Ueber diesen Punkt waren
die Englnder eines Sinnes. Die Tories, die Eidverweigerer und selbst
die Katholiken schmhten das unglckliche Volk eben so laut als die
Whigs. Es ist daher nicht schwer zu errathen, welchen Eindruck das
Erscheinen von Feinden auf unsrem Boden gemacht haben wrde, die wir
auf ihrem eigenen Boden besiegt und mit Fen getreten hatten.

Doch Jakob glaubte trotz der neuen und harten Lehre der Erfahrung Alles
was seine Correspondenten in England ihm sagten, und sie sagten ihm, da
die ganze Nation ihn ungeduldig erwarte, da der Westen wie der Norden
bereit seien, sich zu erheben, da er auf dem Wege vom Landungsplatze
nach Whitehall eben so wenig Widerstand finden werde, als wenn er in
frheren Zeiten von einer Reise zurckkehrte. Ferguson zeichnete sich
durch die Zuversichtlichkeit aus, mit der er einen vollstndigen und
unblutigen Sieg prophezeite. Er und sein Buchdrucker, schrieb er
albernerweise, wrden die beiden ersten Mnner im Reiche sein, die fr
Se. Majestt zu Pferde stiegen. Viele andere Agenten reisten whrend des
Winters und der ersten Wochen des Frhjahrs geschftig im Lande umher.
In den Grafschaften sdlich vom Trent scheinen sie mit geringem Erfolge
gearbeitet zu haben. Im Norden aber, besonders in Lancashire, wo die
Katholiken zahlreicher und mchtiger waren als in irgend einem andren
Theile des Landes und wo sich selbst unter der protestantischen Gentry
mehr als die gewhnliche Anzahl bigotter Katholiken befanden, wurden
einige Anstalten zu einer Insurrection getroffen. Waffen wurden im
Geheimen gekauft, Offiziere wurden ernannt und Freisassen, kleine
Farmer, Reitknechte und Jger wurden berredet, sich einreihen zu
lassen. Die, welche ihre Namen einzeichnen lieen, wurden in acht
Cavallerie- und Dragonerregimenter eingetheilt und erhielten Befehl sich
bereit zu halten, um auf das erste Signal aufzusitzen.[108]


[_Jakob wird eine Tochter geboren._] Einer von den Umstnden, welche
Jakob damals mit eitlen Hoffnungen erfllten, war der, da seine
Gemahlin schwanger und ihrer Entbindung nahe war. Er hoffte, da selbst
die Bswilligkeit sich schmen werde, ferner noch die Geschichte von der
Wrmflasche zu erzhlen und da Viele, welche diese Geschichte getuscht
habe, ungesumt zu ihrer Unterthanenpflicht zurckkehren wrden. Er traf
diesmal alle die Vorsichtsmaregeln, die er vier Jahre frher
thrichter- und verkehrterweise zu treffen unterlassen hatte. Er wute
Briefe nach England zu befrdern, welche viele angesehene
Protestantinnen einluden, der bevorstehenden Entbindung beizuwohnen, und
er versprach im Namen seines geliebten Bruders, des Allerchristlichsten
Knigs, da es ihnen frei stehen solle, in voller Sicherheit zu kommen
und zu gehen. Wre eine von diesen Zeuginnen am Morgen des 10.Juni 1688
in den St. Jamespalast beschieden worden, so wrde das Haus Stuart
vielleicht heute noch auf unsrer Insel regieren. Aber es ist leichter
eine Krone zu behalten als eine wiederzuerlangen. Es konnte wahr sein,
da eine verleumderische Fabel viel dazu beigetragen hatte, die
Revolution herbeizufhren. Aber daraus folgte noch keineswegs, da die
vollstndigste Widerlegung dieser Fabel eine Restauration herbeifhren
wrde. Nicht eine einzige Dame fuhr auf Jakob's Einladung ber den
Kanal. Seine Gemahlin wurde glcklich von einer Tochter entbunden;
allein dieses Ereigni machte keinen bemerkbaren Eindruck auf den
Zustand der ffentlichen Meinung in England.[109]


[_Anstalten zur Zurckweisung der Invasion in England._] Unterdessen
wurden die Vorbereitungen zu seiner Expedition betrieben. Er stand schon
auf dem Punkte, nach dem Einschiffungsorte abzureisen, als die englische
Regierung noch nicht die geringste Ahnung von der drohenden Gefahr
hatte. Man wute zwar lngst, da viele Tausend Irlnder in der
Normandie versammelt waren; aber man glaubte sie seien nur zu dem Zwecke
versammelt, um gemustert und eingebt zu werden, ehe sie nach Flandern,
Piemont und Catalonien geschickt wrden.[110] Jetzt aber gestatteten die
von verschiedenen Seiten eintreffenden Nachrichten keinen Zweifel mehr,
da eine Invasion fast augenblicklich versucht werden wrde. Es wurden
krftige Vertheidigungsmaregeln getroffen. Die Ausrstung und Bemannung
der Schiffe wurde energisch betrieben. Die regulren Truppen wurden
zwischen London und dem Meere zusammengezogen. Auf der Anhhe, welche
Portsmouth beherrscht, wurde ein groes Lager gebildet und die Milizen
im ganzen Lande aufgeboten. Zwei Westminsterregimenter und sechs
Cityregimenter, welche zusammen ein Armeecorps von dreizehntausend
Streitern bildeten, wurden in Hydepark aufgestellt und passirten vor der
Knigin die Revue. Die Milizen von Kent, Sussex und Surrey marschirten
nach der Kste. Bei allen Wartfeuern wurden Wchter postirt. Einige
Eidverweigerer wurden gefnglich eingezogen, andere entwaffnet, noch
andere angehalten Brgschaft zu stellen. Bei dem Earl von Huntingdon,
einem angesehenen Jakobiten, wurde Haussuchung gehalten. Er hatte noch
Zeit gehabt, seine Papiere zu verbrennen und seine Waffen zu verbergen;
aber seine Stlle hatten ein sehr verdchtiges Aussehen. Sie enthielten
Pferde genug, um eine ganze Cavallerieschwadron beritten zu machen, und
obgleich dieser Umstand juristisch nicht gengte, um eine Anklage auf
Hochverrath zu begrnden, so wurde er doch unter den obwaltenden
Verhltnissen fr ausreichend gehalten, um den Staatsrath zu
berechtigen, den Earl in den Tower zu schicken.[111]


[_Jakob begiebt sich zu seiner Armee bei La Hogue._] Inzwischen war
Jakob zu seiner Armee abgegangen, welche um das Becken von La Hogue
herum an der Nordkste der unter dem Namen des Cotentin bekannten
Halbinsel lagerte. Vor seiner Abreise von Saint-Germains hielt er noch
ein Kapitel des Hosenbandordens, um seinen Sohn in den Orden aufnehmen
zu lassen. Zwei Edelleute wurden ebenfalls mit dieser Auszeichnung
beehrt: Powis, der jetzt von seinen Mitverbannten Herzog genannt wurde,
und Melfort, der aus Rom zurckgekehrt und wieder Jakob's
Premierminister war.[112] Selbst in diesem Augenblicke, wo es von der
hchsten Wichtigkeit war, die Mitglieder der anglikanischen Kirche zu
gewinnen, wurden nur Mitglieder der rmischen Kirche eines Zeichens der
kniglichen Gunst fr wrdig erachtet. Powis war allerdings ein
ausgezeichnetes Mitglied des englischen Adels und die Aversion seiner
Landsleute gegen ihn war so gering wie sie gegen einen angesehenen
Papisten nur sein konnte. Melfort aber war nicht einmal Englnder, er
hatte nie ein Staatsamt in England bekleidet, hatte nie im englischen
Parlament gesessen und hatte daher keinen Anspruch auf eine wesentlich
englische Wrde. Ueberdies wurde er von allen streitenden Parteien aller
drei Knigreiche gehat. Knigliche Handschreiben, von ihm
contrasignirt, waren an die Convention zu Westminster und an die
Convention zu Edinburg gesandt worden, und in Westminster sowohl wie in
Edinburg hatten beim Anblick seines verhaten Namens und seiner
verhaten Handschrift selbst die eifrigsten Freunde des erblichen Rechts
beschmt die Kpfe hngen lassen. Es mu selbst bei Jakob auffallend
erscheinen, da er es unter solchen Umstnden fr gut fand, der Welt zu
verknden, da die Mnner, die sein Volk am meisten verabscheute,
diejenigen waren, die er am liebsten auszeichnete.


[_Jakob's Erklrung._] Noch nachtheiliger fr seine Interessen war die
Erklrung, in der er seinen Unterthanen seine Absichten kund that. Sie
war unter allen von Jakob abgefaten Staatsschriften diejenige, deren
Unverstand am meisten in die Augen fiel. Nachdem sie alle guten
Englnder jeder Farbe mit Ekel und Zorn erfllt hatte, behaupteten die
Papisten zu Saint-Germains, sie sei von einem starren Protestanten,
Eduard Herbert, entworfen, der vor der Revolution Oberrichter der Common
Pleas gewesen war und der jetzt den hohlen Titel eines Kanzlers
fhrte.[113] Es ist jedoch gewi, da Herbert nie ber etwas Wichtiges
zu Rathe gezogen wurde und da die Erklrung ganz und gar Melfort's Werk
war.[114] Die Eigenschaften des Kopfes und Herzens, welche Melfort zum
Liebling seines Gebieters gemacht hatten, leuchteten auch in der That
aus jedem Satze hervor. Nicht ein Wort war darin zu finden, welches
angedeutet htte, da der Knig whrend einer dreijhrigen Verbannung
weiser geworden, da er einen einzigen Fehler bereuete, da er sich auch
nur den kleinsten Theil der Schuld an der Revolution beima, die ihn vom
Throne gestrzt, oder da er sich vorgenommen hatte ein Verfahren
einzuschlagen, das in irgend einer Beziehung von dem abwich, welches ihm
schon verderblich geworden war. Alle gegen ihn erhobenen Beschuldigungen
erklrte er fr vllig grundlos. Schlechte Menschen hatten Verleumdungen
verbreitet und schwache Menschen htten diese Verleumdungen geglaubt. Er
allein sei ohne Tadel gewesen. Er gab keine Hoffnung, da er sich irgend
eine Beschrnkung der weitgehenden Dispensationsgewalt, die er frher
beansprucht, gefallen lassen wrde, da er nicht wieder, den klarsten
Gesetzen zum Trotz, den Geheimen Rath, die Richterbank, die ffentlichen
Aemter, die Armee und die Flotte mit Papisten fllen, da er nicht einen
neuen Trupp Regulatoren ernennen wrde, um alle Wahlkrper im
Knigreiche umzugestalten. Er geruhte zwar zu sagen, da er die legalen
Rechte der englischen Kirche aufrecht erhalten werde, aber dies hatte er
frher auch schon gesagt, und Jedermann wute, was diese Worte in seinem
Munde bedeuteten. Anstatt seinem Volke Vergebung zuzusichern, drohte er
ihm mit einer Proscription, furchtbarer als irgend eine, die unsre Insel
je erlebt. Er verffentlichte eine Liste von Personen, die keine Gnade
zu erwarten hatten. Darunter waren Ormond, Caermarthen, Nottingham,
Tillotson und Burnet. Nach dem Verzeichni Derer, welche mit Namen zum
Tode verurtheilt waren, kam eine Reihe von Kategorien. Obenan stand die
ganze Masse der Landleute, welche Se. Majestt unsanft behandelt hatten,
als er auf seiner Flucht in Sheerne angehalten wurde. Diese armen
unwissenden Leute, einige Hundert an der Zahl, wurden einer zweiten
blutigen Assise aufgespart. Dann kamen alle Diejenigen, die an der
Bestrafung eines jakobitischen Verschwrers irgend Theil genommen:
Richter, Anwlte, Zeugen, Mitglieder der groen und der kleinen Juries,
Sheriffs und Untersheriffs, Constabler und Kerkermeister, kurz alle
Diener der Justiz, von Holt bis herab auf Ketch. Hierauf wurde allen
Spionen und Angebern Rache geschworen, welche den Usurpatoren die Plne
des Hofes von Saint-Germains hinterbracht hatten. Alle Friedensrichter,
die sich nicht in dem Augenblicke, wo sie von seiner Landung hrten, fr
ihren rechtmigen Souverain erklrten, alle Kerkermeister, welche die
politischen Gefangenen nicht augenblicklich in Freiheit setzten, sollten
der uersten Strenge des Gesetzes anheimfallen. Keine Ausnahme war zu
Gunsten eines Friedensrichters oder eines Kerkermeisters gemacht, der
sich hundert Schritt von einem der Regimenter Wilhelm's und hundert
Meilen von dem nchsten Platze befand, wo es einen einzigen bewaffneten
Jakobiten gab.

Man htte erwarten sollen, da Jakob, nachdem er in dieser Weise
zahlreichen Klassen seiner Unterthanen Rache angedroht, wenigstens den
brigen eine allgemeine Amnestie versprechen wrde. Allein er sagte kein
Wort von einer allgemeinen Amnestie. Er versprach zwar, da dem oder
jenem Verbrecher, der nicht einer der Proscriptionskategorien angehrte
und der sich durch irgend einen ausgezeichneten Dienst der Nachsicht
wrdig mache, specielle Begnadigung zu Theil werden solle. Aber mit
dieser alleinigen Ausnahme wurde den Hunderttausenden von Verbrechern
einfach angekndigt, da das Parlament ber ihr Schicksal entscheiden
werde.


[_Eindruck der Erklrung Jakob's._] Die Agenten Jakob's verbreiteten
seine Erklrung schleunigst ber alte Theile des Landes und erwiesen
damit Wilhelm einen groen Dienst. Das allgemeine Urtheil darber
lautete, da der verbannte Despot die Englnder doch wenigstens offen
gewarnt habe und da sie, wenn sie ihn nach einer solchen Warnung noch
zurckriefen, sich nicht wrden beklagen drfen, wenn auch jede
Grafschaftshauptstadt durch eine Assise besudelt werden sollte, hnlich
der, welche Jeffreys in Taunton gehalten hatte. Da einige hundert
Menschen -- die Jakobiten gaben die Zahl nur auf fnfhundert an -- ohne
Gnade aufgehngt werden wrden, sei gewi, und Keiner, der bei der
Revolution betheiligt gewesen, Keiner der fr die neue Regierung zur See
oder zu Lande gefochten, kein Soldat, der an der Unterwerfung Irland's
Theil genommen, kein Landmann aus Devonshire oder Bergmann aus Cornwall,
der zu den Waffen gegriffen, um Weib und Kinder gegen Tourville zu
vertheidigen, wrde vor dem Galgen sicher sein. Wie verworfen, wie
hmisch msse der Character eines Mannes sein, der, im Begriff, die
wichtigste Unternehmung durchzufhren, und nach dem edelsten aller
Preise strebend, sich nicht enthalten knne zu proklamiren, da er nach
dem Blute einer Menge armer Fischer lechze, weil sie ihn vor lnger als
drei Jahren hin und her gestoen und Fratzengesicht genannt hatten.
Wenn er in dem Augenblicke, wo er die strksten Grnde habe, sein Volk
durch einen Anschein von Milde zu vershnen zu suchen, es nicht ber
sich gewinnen knne, eine andre Sprache gegen dasselbe zu fhren als die
eines unvershnlichen Feindes, was knne man von ihm erwarten, wenn er
wieder sein Gebieter sein wrde? Er habe einen so boshaften Character,
da er in einer Lage, in der andere Tyrannen zu liebreichen Worten und
schnen Versprechungen griffen, nur Vorwrfe und Drohungen hervorbringen
knne. Die einzigen Worte in seiner Erklrung, welche einen Anstrich von
Freundlichkeit htten, seien die, mit denen er verspreche, die fremden
Truppen fortzuschicken sobald seine Autoritt wiederhergestellt sein
wrde, und Viele meinten, da man bei genauer Untersuchung selbst in
diesen Worten einen unheimlichen Sinn entdecken msse. Man drfe von ihm
nicht erwarten, da er papistische Truppen fortschicken werde, die seine
Unterthanen seien. Seine Absichten lgen auf der Hand. Die Franzosen
gingen vielleicht, aber die Irlnder wrden bleiben. Das englische Volk
solle durch diese dreimal unterjochten Barbaren niedergehalten werden.
Ein Rapparee, der bei Newton Butler und am Boyne davongelaufen sei,
werde ohne Zweifel Muth genug haben, die Schaffotte, auf denen seine
Ueberwinder sterben sollten, zu bewachen und unser Land zu verwsten,
wie er sein eignes verwstet habe.

Anstatt zu versuchen, Jakob's Manifest zu unterdrcken, lieen die
Knigin und ihre Minister es wohlweislich selbst durch den Druck
vervielfltigen und verbreiteten es, mit der Druckerlaubni des
Staatssekretrs und mit eingeschalteten Bemerkungen aus der Feder eines
gewandten und scharfsinnigen Commentators versehen. Es wurde in vielen
heftigen Pamphlets widerlegt, es wurde in Knittelverse gebracht und
selbst die verwegensten und beiendsten Pasquillanten unter den
Eidverweigerern wagten es nicht, es zu vertheidigen.[115]

Einige Eidverweigerer waren in der That so beunruhigt, als sie den durch
das Manifest hervorgerufenen Eindruck bemerkten, da sie es
geflissentlich als untergeschoben behandelten und eine Schrift voll
huldreicher Betheuerungen und Versprechungen als die chte Erklrung
ihres Gebieters verffentlichten. Sie lieen ihn seinem ganzen Volke,
mit Ausnahme von vier groen Verbrechern, vollstndige Amnestie
zusichern. Sie lieen ihn Hoffnungen auf bedeutende Steuerermigungen
erffnen. Sie lieen ihn sein Wort geben, da er die ganze kirchliche
Verwaltung eidverweigernden Bischfen bertragen werde. Aber dieses
Machwerk tuschte Niemanden und war nur deshalb von Wichtigkeit, weil es
bewies, da selbst die Jakobiten sich des Frsten schmten, auf dessen
Wiedereinsetzung sie hinarbeiteten.[116]

Niemand las die Erklrung mit grerem Erstaunen und Unwillen als
Russell. Bei aller seiner Schlechtigkeit stand er unter dem Einflusse
zweier Gefhle, die, wenn sie auch nicht tugendhaft genannt werden
knnen, doch einige Verwandtschaft mit der Tugend haben und im Vergleich
zu bloer egoistischer Habsucht achtungswerth sind. Er besa einen
starken Berufsgeist und einen starken Parteigeist. Er konnte falsch
gegen sein Vaterland sein, nicht aber gegen seine Flagge, und selbst
nachdem er Jakobit geworden, hatte er nicht aufgehrt ein Whig zu sein.
Er war eigentlich nur deshalb ein Jakobit, weil er der intoleranteste
und hmischeste Whig war. Er glaubte sich und seine Partei
undankbarerweise von Seiten Wilhelm's vernachlssigt und war einige Zeit
durch seinen Groll zu sehr verblendet, um einzusehen, da es von den
ehemaligen Rundkpfen reiner Wahnsinn sein wrde, Wilhelm dadurch zu
bestrafen, da sie Jakob zurckriefen. Die nahe Aussicht auf eine
Invasion und die Erklrung, in der den Englndern klar und deutlich
gesagt war, was sie zu erwarten hatten, wenn diese Invasion gelingen
sollte, brachte, wie es scheint, eine pltzliche und vollstndige
Umwandlung in Russell's Gesinnungen hervor, und diese Umwandlung gestand
er in bestimmten Ausdrcken ein. Ich wnsche dem Knig Jakob zu
dienen, sagte er zu Lloyd. Die Sache wrde sich auch thun lassen, wenn
er nicht selbst schuld wre. Aber er schlgt den verkehrten Weg mit uns
ein. Vergit er alles Geschehene, bewilligt er einen Generalpardon, dann
will ich sehen was ich fr ihn thun kann. Lloyd spielte auf die Russell
selbst zugedachten Ehren und Belohnungen an. Aber der Admiral fiel ihm
mit einer Gesinnung, die eines besseren Mannes wrdig gewesen wre, ins
Wort. Ich will davon nichts hren. Meine Dienste sind dem Staate
gewidmet. Und glauben Sie nicht, da ich die Franzosen in unseren
eigenen Meeren ber uns triumphiren lassen werde. Ich gebe Ihnen mein
Wort, da, wenn ich mit ihnen zusammentreffe, ich sie angreife, und wenn
Se. Majestt selbst an Bord wre.

Diese Unterredung wurde Jakob gewissenhaft mitgetheilt; sie scheint ihn
aber nicht beunruhigt zu haben. Er war in der That des festen Glaubens,
da Russell, selbst wenn er wollte, die Offiziere und Matrosen der
englischen Flotte nicht wrde bewegen knnen, gegen ihren alten Knig,
der auch ihr alter Admiral war, zu kmpfen.

Es gelang Jakob in Gemeinschaft mit seinem Gnstling Melfort, die
Hoffnungen, die er hegte, Ludwig und dessen Ministern einzuflen.[117]
Ohne diese Hoffnungen wrde in der That wahrscheinlich jeder Gedanke,
noch im Laufe dieses Jahres in England einzufallen, aufgegeben worden
sein. Denn der im Winter entworfene groartige Plan war im Laufe des
Frhjahrs durch eine Reihe von unglcklichen Zufllen, wie sie keine
menschliche Weisheit voraussehen kann, vereitelt worden. Der zum
Zusammentreffen aller franzsischen Seestreitkrfte bei Ushant
festgesetzte Zeitpunkt war lngst vorber und noch war nicht ein
einziges Segel auf dem Versammlungsplatze zu sehen. Das atlantische
Geschwader wurde noch durch schlechtes Wetter im Hafen von Brest
zurckgehalten. Das Geschwader des mittellndischen Meeres kmpfte
vergebens gegen einen starken Westwind, um die Herkulessulen zu
passiren. Zwei prchtige Schiffe waren bereits an den Felsen von Ceuta
zerschellt.[118] Mittlerweile waren die Admiralitten der verbndeten
Mchte sehr thtig gewesen, und noch vor Ende April war die englische
Flotte zum Auslaufen bereit. Drei stolze Linienschiffe, so eben von
unseren Werften vom Stapel gelassen, erschienen zum ersten Male auf dem
Wasser.[119] Wilhelm hatte die Seerstungen der Vereinigten Provinzen
eilig betrieben, und seine Bemhungen waren von Erfolg gewesen. Am
29.April erschien ein stattliches Geschwader aus dem Texel in den
Dnen. Bald darauf kamen auch das nordhollndische Geschwader, das
Maasgeschwader und das Seelandgeschwader an.[120]


[_Die englische und die hollndische Flotte vereinigen sich._] In der
zweiten Maiwoche war die gesammte Flotte der verbndeten Mchte,
bestehend aus mehr als neunzig Linienschiffen mit einer Bemannung von
dreiig- bis vierzigtausend der besten Seeleute der beiden groen
maritimen Nationen, bei Saint-Helen versammelt. Russell fhrte das
Obercommando. Ihm zur Seite standen Sir Ralph Delaval, Sir John Ashley,
Sir Cloudesley Shovel, Contreadmiral Carter und Contreadmiral Rooke.
Unter den hollndischen Offizieren war Van Almonde der im Range am
hchsten stehende.


[_Stimmung der englischen Flotte._] Eine gewaltigere Flotte war noch
nie im britischen Kanal erschienen. Man hatte wenig Ursache zu
befrchten, da eine solche Streitmacht in einem ehrlichen Kampfe
geschlagen werden knnte. Gleichwohl herrschte in London groe
Besorgni. Es war bekannt, da es eine jakobitische Partei in der Flotte
gab. Beunruhigende Gerchte waren von Frankreich aus in Umlauf gekommen.
Man erzhlte sich, der Feind habe auf die Mitwirkung einiger von
denjenigen Offizieren gerechnet, von deren Treue in dieser kritischen
Lage das Wohl des Staats abhngen konnte. Auf Russell hatte man, so weit
es sich jetzt ermitteln lt, noch keinen Verdacht. Aber andere,
wahrscheinlich minder Strafbare, waren indiscreter gewesen. In alten
Kaffeehusern wurden Admirale und Kapitne mit Namen als Verrther
bezeichnet, die sofort cassirt, wenn nicht erschossen werden sollten. Es
wurde sogar mit Bestimmtheit behauptet, da einige der Schuldigen in
Arrest gebracht, andere aus dem Dienste entfernt worden seien. Die
Knigin und ihre Rathgeber waren in groer Verlegenheit. Es war schwer
zu sagen, ob es gefhrlicher sein wrde, den verdchtigen Personen zu
trauen oder sie zu entlassen. Marie beschlo unter vielen bangen
Ahnungen, und die Folge bewies, da ihr Entschlu sehr weise war, die
schlimmen Gerchte als Verleumdungen zu betrachten, an die Ehre der
angeschuldigten Generle feierlich zu appelliren und dann das Wohl und
Wehe des Knigreichs ihrem National- und Berufsgeiste anzuvertrauen.

Am 15.Mai wurde eine zahlreiche Versammlung von Offizieren bei
Saint-Helen an Bord der Britannia, eines schnen Dreideckers, auf
welchem Russell's Flagge wehte, berufen. Der Admiral sagte ihnen, da er
eine Depesche erhalten habe, die er ihnen vorzulesen beauftragt sei. Sie
war von Nottingham. Die Knigin, schrieb der Staatssekretr, habe in
Erfahrung gebracht, da Geschichten circulirten, welche den Ruf der
Flotte sehr nahe berhrten. Es sei sogar behauptet worden, da sie sich
genthigt gesehen habe, viele Offiziere zu entlassen. Allein Ihre
Majestt sei entschlossen nichts zu glauben, was gegen die Treue dieser
wackeren Diener des Staats spreche. Die so schndlich verleumdeten
Gentlemen knnten versichert sein, da sie volles Vertrauen in sie
setze. Dieser Brief war vortrefflich berechnet, auf Diejenigen, an die
er gerichtet war, einen tiefen Eindruck zu machen. Wahrscheinlich hatten
sich nur sehr wenige unter ihnen etwas Schlimmeres zu schulden kommen
lassen, als da sie beim Weine in aufgeregtem Zustande unbesonnene Worte
gesprochen. Sie waren bis jetzt nur Mivergngte. Htten sie geglaubt
verdchtig zu sein, so wren sie vielleicht aus Nothwehr Verrther
geworden. Sie wurden enthusiastisch loyal, sobald sie berzeugt waren,
da die Knigin volles Vertrauen in ihre Loyalitt setzte.
Bereitwilligst unterzeichneten sie eine Adresse, in der sie sie baten zu
glauben, da sie mit der uersten Entschlossenheit und Freudigkeit ihr
Leben zur Vertheidigung ihrer Rechte, der englischen Freiheit und der
protestantischen Religion gegen alle fremden und papistischen Feinde
aufs Spiel setzen wrden. Gott, setzten sie hinzu, erhalte Ihre
Person, leite Ihre Rathgeber und gebe Ihren Waffen Glck, und mge Ihr
ganzes Volk Amen sagen.[121]

Die Aufrichtigkeit dieser Betheuerungen wurde bald auf die Probe
gestellt. Wenige Stunden nach der Zusammenkunft an Bord der Britannia
sah man von den Klippen von Portland die Masten von Tourville's
Geschwader. Ein Bote sprengte mit der Nachricht von Weymouth nach London
und weckte Whitehall um drei Uhr Morgens aus dem Schlafe. Ein andrer
schlug den Kstenweg ein und brachte die Nachricht Russell. Alles war
bereit, und am Morgen des 17.Mai stach die verbndete Flotte in
See.[122]


[_Schlacht bei La Hogue._] Tourville hatte nur sein eignes, aus
vierundvierzig Linienschiffen bestehendes Geschwader bei sich. Aber
er hatte bestimmten Befehl, die Landung in England zu decken und eine
Schlacht nicht abzulehnen. Obgleich er diese Befehle erhalten, ehe man
in Versailles wute, da die hollndische und die englische Flotte
sich vereinigt, hatte er doch nicht Lust, die Verantwortlichkeit fr
die Nichtbefolgung derselben auf sich zu nehmen. Er erinnerte sich
noch mit Bitterkeit des Verweises, den seine bergroe Vorsicht ihm
nach dem Gefecht von Beachy Head zugezogen hatte. Er wollte sich nicht
zum zweiten Male sagen lassen, da er ein zaghafter Commandeur sei
und keinen andren Muth habe als den gewhnlichen Muth eines gemeinen
Matrosen. Auch war er berzeugt, da die Uebermacht, mit der er es zu
thun haben sollte, mehr scheinbar als wirklich sei. Er glaubte auf
Jakob's und Melfort's Versicherung hin, da die englischen Seeleute,
von den Flaggenoffizieren bis herab zu den Kajtenjungen, Jakobiten
seien, da die, welche kmpften, nur mit halben Herzen kmpfen und
da im entscheidendsten Augenblicke wahrscheinlich viele Desertionen
stattfinden wrden. Von solchen Hoffnungen erfllt, segelte er von
Brest ab, steuerte zuerst gegen Nordosten, gelangte in Sicht der Kste
von Dorsetshire und fuhr dann ber den Kanal auf La Hogue zu, wo die
Armee, die er nach England convoyiren sollte, bereits angefangen hatte,
sich auf den Transportfahrzeugen einzuschiffen. Als er sich noch
einige Meilen von Barfleur befand, sah er am Morgen des 19.Mai vor
Tagesanbruch die groe Flotte der Verbndeten am stlichen Horizont
entlang segeln. Er beschlo auf sie abzuhalten. Um acht Uhr waren die
beiden Schlachtlinien formirt, das Feuer aber begann erst um elf. Es
wurde bald klar, da die Englnder, vom Admiral abwrts, entschlossen
waren, ihre Pflicht zu thun. Russell hatte alle seine Schiffe besucht
und eine Ansprache an alle seine Mannschaften gehalten. Wenn Eure
Commandeurs falsches Spiel spielen, sagte er, dann ber Bord mit
ihnen, und mit mir zuerst. Es gab keine Desertion und keine Lauheit.
Carter war der Erste, der die franzsische Schlachtlinie durchbrach.
Er wurde von einem Splitter einer seiner eigenen Raaen getroffen und
fiel sterbend aufs Verdeck nieder. Er wollte nicht hinuntergetragen
sein, ja er wollte nicht einmal seinen Degen loslassen. Kmpft fr das
Schiff, waren seine letzten Worte, so lange es schwimmen kann. Die
Schlacht whrte bis vier Uhr Nachmittags. Der Kanonendonner wurde mehr
als zwanzig Meilen weit entfernt ganz deutlich von der Armee gehrt,
welche an der Kste der Normandie lagerte. Whrend des ersten Theils
des Tages war der Wind den Franzosen gnstig; sie hatten es mit der
Hlfte der verbndeten Flotte zu thun und gegen diese Hlfte bestanden
sie den Kampf mit ihrer gewohnten Tapferkeit und mit mehr als gewohnter
seemnnischer Tchtigkeit. Nach einem heien und zweifelhaften Kampfe
von fnf Stunden dachte Tourville es sei genug gethan um die Ehre der
weien Flagge aufrecht zu erhalten, und er begann sich zurckzuziehen.
Mittlerweile aber war der Wind umgesprungen und den Alliirten gnstig
geworden, so da diese jetzt ihre groe Ueberlegenheit an Streitkrften
ntzen konnten. Sie kamen rasch heran, und der Rckzug der Franzosen
verwandelte sich in eine Flucht. Tourville vertheidigte sein eignes
Schiff mit verzweifeltem Muthe. Es hie, in Anspielung auf Ludwig's
Lieblingsemblem, der Soleil Royal und war weit und breit als das
schnste Kriegsschiff der Welt berhmt. Die englischen Seeleute
erzhlten sich, da es mit einem Bilde des groen Knigs geschmckt
und da er auf demselben so dargestellt sei wie er auf der Place de la
Victoire erschien: mit besiegten Nationen in Ketten unter seinen Fen.
Das stolze Schiff lag, von Feinden umringt, wie eine groe Festung auf
dem Wasser, von allen Seiten aus seinen hundertvier Stckpforten Tod
und Verderben ausspeiend. Es war so stark bemannt, da alle Versuche,
es zu entern, scheiterten. Lange nach Sonnenuntergang machte es sich
von seinen Angreifern los und segelte, alle seine Speigate von Blut
triefend, nach der Kste der Normandie. Es hatte so viel gelitten,
da Tourville seine Flagge schleunigst auf ein Schiff von neunzig
Kanonen verlegte, das der Ambitieux hie. Seine Flotte war inzwischen
weit ber das Meer verstreut. Ungefhr zwanzig seiner kleinsten
Schiffe entkamen auf einem Wege, der fr jeden andren Muth als den
der Verzweiflung zu gefhrlich gewesen wre. Unter dem Schutze der
zweifachen Dunkelheit der Nacht und eines dichten Seenebels entflohen
sie durch die brausenden Wogen und die verrtherischen Felsen des
Strudels von Alderney und erreichten mit merkwrdigem Glck ohne einen
einzigen Unfall St. Malo. Bis in diese gefhrliche Meerenge, den
Schauplatz zahlloser Schiffbrche, wagten die Verfolger den Fliehenden
nicht nachzusetzen.[123]

Diejenigen franzsischen Schiffe, welche zu gro waren, um sich in den
Strudel von Alderney wagen zu knnen, stoben in die Hfen des Cotentin.
Der Soleil Royal nebst zwei anderen Dreideckern kamen glcklich nach
Cherbourg. Der Ambitieux und zwlf andere Schiffe, lauter Fahrzeuge
ersten und zweiten Ranges, flchteten sich in die Bai von La Hogue, nahe
bei dem Hauptquartiere der Armee Jakob's.

Den drei Schiffen, welche nach Cherbourg flohen, war ein englisches
Geschwader unter Delaval's Commando dicht auf den Fersen. Er fand sie in
seichtem Wasser liegend, wo kein groes Kriegsschiff ihnen beikommen
konnte, und beschlo daher, sie mit seinen Brandern und Booten
anzugreifen. Die Operation wurde mit Muth und Erfolg ausgefhrt. In
kurzer Zeit waren der Soleil Royal und seine beiden Gefhrten zu Asche
verbrannt. Ein Theil des Schiffsvolks rettete sich ans Land, ein andrer
fiel den Englndern in die Hnde.[124]

Mittlerweile hatte Russell mit dem greren Theile seiner siegreichen
Flotte die Bai von La Hogue blockirt. Hier, wie bei Cherbourg, waren die
franzsischen Kriegsschiffe in seichtes Wasser gezogen worden. Sie lagen
nahe bei dem Lager der Armee, die zur Invasion England's bestimmt war.
Sechs von ihnen waren unter einem Fort, Namens Lisset, vor Anker
gegangen. Die brigen lagen unter den Kanonen eines andren Forts,
genannt Saint-Vaast, wo Jakob sein Hauptquartier aufgeschlagen hatte und
wo die Unionsflagge, mit dem St. Georgs- und dem St. Andreaskreuze
geschmckt, neben der weien Flagge Frankreich's hing. Der Marschall
Bellefonds hatte mehrere Batterien aufgefahren, von denen man glaubte,
da sie auch den khnsten Feind abschrecken wrden, sich dem Fort Lisset
oder dem Fort Saint-Vaast zu nhern. Jakob indessen, der die englischen
Seeleute ein wenig kannte, war nicht ganz unbesorgt und schlug vor,
starke Truppencorps an Bord der Schiffe zu bringen. Aber Tourville
wollte sich nicht dazu verstehen, eine solche Schmach auf seinen Stand
zu laden.

Inzwischen traf Russell Vorbereitungen zu einem Angriffe. Am Nachmittag
des 23.Mai war Alles fertig. Eine aus Sloops, Brandern und zweihundert
Booten bestehende Flotte wurde dem Commando Rooke's anvertraut. Die
ganze Flotte war vom hchsten Muthe beseelt. Die Ruderer, durch den
schon errungenen Sieg angefeuert und von dem Gedanken erfllt, da sie
unter den Augen franzsischer und irischer Truppen kmpfen sollten,
welche gekommen waren, um England zu unterjochen, steuerten muthig und
unter lauten Hurrahs auf die sechs gewaltigen hlzernen Kastelle zu,
welche dicht bei dem Fort Lisset lagen. Die Franzosen, obgleich ein
ausgezeichnet tapferes Volk, sind stets empfnglicher fr pltzliche
Anflle von panischem Schrecken gewesen als ihre phlegmatischen
Nachbarn, die Englnder und Deutschen. An diesem Tage bemchtigte sich
der Flotte wie der Armee ein panischer Schrecken. Tourville befahl
seinen Matrosen ihre Boote zu bemannen, um sie dem Feinde entgegen in
die Bai hinaus zu fhren. Aber sein Beispiel und seine Ermahnungen
blieben erfolglos. Die Boote machten Kehrt und flohen in vlliger
Verwirrung. Die Schiffe wurden im Stich gelassen, die Kanonade vom Fort
Lisset war so schwach und schlecht dirigirt, da sie keine Wirkung that,
und die am Strande lagernden Regimenter zogen sich zurck, nachdem sie
aufs Gerathewohl einige Flintenschsse abgefeuert hatten. Die Englnder
enterten die Schiffe, steckten sie in Brand und zogen, nachdem sie diese
wichtige Operation ohne den Verlust eines einzigen Menschenlebens
ausgefhrt, mit der zurckgehenden Fluth wieder ab. Die Bai glich
whrend der ganzen Nacht einem Feuermeere und dann und wann verkndete
eine heftige Explosion, da die Flammen eine Pulverkammer oder eine
Reihe geladener Geschtze ergriffen hatten. Am andern Morgen um acht Uhr
mit der wiederkehrenden Fluth kamen Rooke und seine zweihundert Boote
nochmals in die Bai. Der Feind machte einen schwachen Versuch, die in
der Nhe des Forts St. Vaast liegenden Schiffe zu vertheidigen. Wenige
Minuten lang spielten die Batterien mit einiger Wirkung gegen die
Mannschaften unserer Boote; aber der Kampf war bald vorber. Die
Franzosen strzten hastig auf der einen Seite aus ihren Schiffen, die
Englnder drangen eben so schnell auf der andren Seite hinein und
richteten unter lautem Jubel die genommenen Kanonen gegen das Ufer. Die
Batterien waren bald zum Schweigen gebracht. Jakob und Melfort,
Bellefonds und Tourville sahen in hlfloser Verzweiflung der zweiten
Verbrennung zu. Die Sieger lieen die Kriegsschiffe ruhig brennen und
drangen in eine innere Bucht vor, in der viele Transportschiffe lagen.
Acht von diesen Schiffen wurden ebenfalls in Brand gesteckt, mehrere
andere wurden ins Schlepptau genommen und der Rest wrde auch noch
entweder angezndet oder mit fortgefhrt worden sein, wenn nicht die
Ebbe eingetreten wre. Es war unmglich noch mehr zu thun und die
siegreiche Flotille zog sich langsam zurck, das feindliche Lager mit
dem donnernden Gesange des +God save the king+ verhhnend.

So endete am Nachmittage des 24.Mai der groe Kampf, der fnf Tage
lang in weiter Ausdehnung auf der See und an der Kste gewthet hatte.
Ein englischer Brander war in der Ausbung seiner Pflicht zu Grunde
gegangen. Sechzehn franzsische Kriegsschiffe, lauter prchtige
Fahrzeuge, darunter acht Dreidecker, waren versenkt oder bis auf den
Kiel niedergebrannt. Die Schlacht wird nach der Stelle, wo sie endigte,
die Schlacht von La Hogue genannt.[125]


[_Freude in England._] Die Nachricht wurde in London mit grenzenlosem
Jubel aufgenommen. In dem Kampfe auf offener See war die numerische
Uebermacht der Alliirten allerdings so gro gewesen, da sie wenig
Ursache hatten, sich auf ihren Sieg etwas einzubilden. Aber der Muth und
die Geschicklichkeit, womit die Mannschaften der englischen Boote in
einem franzsischen Hafen, im Angesicht einer franzsischen Armee und
unter dem Feuer franzsischer Batterien eine imposante franzsische
Flotte zerstrt hatten, rechtfertigte vollkommen den Stolz, mit dem
unsere Vorfahren den Namen La Hogue aussprachen. Um uns ganz in ihre
Gefhle hineindenken zu knnen, mssen wir uns erinnern, da dies der
erste groe Schlag war, der den Waffen Ludwig'sXIV. versetzt wurde, und
der erste groe Sieg, den die Englnder seit der Schlacht von Agincourt
ber die Franzosen davontrugen. Der Flecken, den die schmachvolle
Niederlage bei Beachy Head auf unsren Namen gebracht, war verwischt, und
diesmal war der Ruhm ganz unser. Die Hollnder hatten zwar ihre Pflicht
gethan, wie sie sie im Seekriege jederzeit gethan haben, mochten sie mit
uns oder gegen uns fechten, mochten sie siegen oder besiegt werden. Die
Englnder aber hatten die Hauptlast des Kampfes getragen. Russell, der
das Obercommando fhrte, war ein Englnder. Delaval, der den Angriff auf
Cherbourg leitete, war ein Englnder. Rooke, der die Flotille in die Bai
von La Hogue fhrte, war ein Englnder. Die beiden einzigen hohen
Offiziere, welche gefallen waren, Admiral Carter und Kapitain Hastings
vom Sandwich, waren Englnder. Die Freude, mit der die gute Nachricht
bei uns aufgenommen wurde, darf indessen nicht ausschlielich, nicht
einmal hauptschlich dem Nationalstolze zugeschrieben werden. Die Insel
war auer Gefahr. Die herrlichen Weiden, Kornfelder und Landgter von
Hampshire und Surrey sollten nicht der Schauplatz eines Krieges werden.
Die Huser und Grten, die Kchen und Milchkammern, die Keller und
Geschirrschrnke, die Frauen und Tchter unserer Gentry und unserer
Geistlichkeit, sollten nicht den Hnden irischer Rapparees, die den
Englndern von Leinster die Huser angezndet und das Vieh abgezogen
hatten, oder franzsischen Dragonern, die gewohnt waren, auf Kosten der
Protestanten von Auvergne zu leben, preisgegeben werden. Whigs und
Tories dankten Gott fr die Errettung aus dieser groen Gefahr, und die
achtungswertheren Eidverweigerer muten nothwendig im Herzen froh sein,
da der rechtmige Knig nicht durch eine Armee von Auslndern
zurckgebracht werden sollte.

Die ffentliche Freude war demnach fast allgemein. Mehrere Tage
lang luteten die Glocken London's unaufhrlich. Flaggen wehten auf
allen Kirchthrmen, Reihen von Lichtern standen in allen Fenstern,
Freudenfeuer brannten an allen Straenecken.[126] Die Meinung,
welche die Regierung von den Diensten der Flotte hegte, wurde rasch
und in verstndiger und angenehmer Weise kund gethan. Sidney und
Portland wurden nach Portsmouth zur Flotte abgeschickt, begleitet
von Rochester, als Reprsentanten der Tories. Die drei Lords nahmen
siebenunddreiigtausend Pfund baares Geld mit, die sie als Geschenk
unter die Mannschaften vertheilen sollten.[127] Die Offiziere
erhielten goldne Medaillen.[128] Hastings' und Carter's Ueberreste
wurden mit allen Ehrenbezeigungen ans Land gebracht; Carter wurde
mit groem militrischen Geprnge in Portsmouth begraben;[129] die
Leiche Hastings' wurde nach London abgefhrt und mit ungewhnlicher
Feierlichkeit unter den Steinplatten von Saint James Church beigesetzt.
Die Gardeinfanterie folgte der Bahre mit umgekehrten Gewehren,
vier knigliche Galawagen, jeder von sechs Pferden gezogen, fuhren
im Zuge, eine Menge vornehmer Leute in Trauerkleidung fllte die
Kirchensthle, und der Bischof von Lincoln hielt die Leichenrede.[130]
Whrend man den Gefallenen solche Ehre erzeigte, verga man auch der
Verwundeten nicht. Funfzig Aerzte, reichlich versehen mit Instrumenten,
Bandagen und Medikamenten, wurden schleunigst von Lincoln nach
Portsmouth geschickt.[131] Wir knnen uns nicht leicht einen Begriff
davon machen, mit welchen Schwierigkeiten es damals verknpft war,
Hunderten von verstmmelten und zerfleischten Menschen eine bequeme
Unterkunft und geschickte Pflege zu verschaffen. Gegenwrtig kann
sich jede Grafschaft, jede groe Stadt eines gerumigen Palastes
rhmen, in welchem der rmste Arbeiter, der ein Glied gebrochen,
ein vortreffliches Bett, einen geschickten Arzt, eine aufmerksame
Wrterin, Arzeneien von bester Qualitt und die einem Kranken nthige
Kost findet. Damals aber gab es im ganzen Reiche nicht ein einziges
durch freiwillige Beitrge unterhaltenes Krankenhaus. Selbst in der
Hauptstadt waren die beiden einzigen Gebude, in denen Verwundete
Aufnahme finden konnten, die beiden alten Hospitler zu St. Thomas
und zu St. Bartholomus. Die Knigin gab Befehl, da in diesen beiden
Hospitlern auf Staatskosten Vorkehrungen zur Aufnahme von Kranken
von der Flotte getroffen werden sollten.[132] Zu gleicher Zeit wurde
bekannt gemacht, da ein wrdiges und dauerndes Erinnerungszeichen der
Dankbarkeit England's fr den Muth und Patriotismus seiner Seeleute
sich bald auf einer vorzglich geeigneten Stelle erheben werde. Unter
den auerhalb der Stadt gelegenen Residenzen unserer Knige nahm die
zu Greenwich lange einen ausgezeichneten Platz ein. KarlII. liebte
diesen Wohnsitz und er beschlo das Haus umzubauen und die Grten zu
verschnern. Bald nach seiner Restauration begann er an einem Punkte,
der bei hochgehender Fluth fast von der Themse besplt wurde, einen
Palast von groem Umfange mit bedeutendem Kostenaufwande zu erbauen.
Hinter dem Palaste wurden lange Alleen von Bumen angelegt, welche
unter der Regierung Wilhelm's kaum mehr als Schlinge waren, die
aber jetzt mit ihren gigantischen Laubkronen die Lustpartien mehrerer
Generationen beschattet haben. An dem Hgelabhange, welcher lange
Zeit der Schauplatz der Feiertagsbelustigungen der Londoner gewesen
ist, wurden zahlreiche Terrassen angelegt, deren Spuren noch jetzt zu
erkennen sind. Die Knigin erklrte jetzt ffentlich im Namen ihres
Gemahls, da das von Karl angefangene Gebude vollendet und eine
Zufluchtssttte fr Seeleute werden sollte, die im Dienste fr ihr
Vaterland invalid geworden waren.[133]

Eine der glcklichsten Wirkungen der erfreulichen Nachricht war die
Beruhigung des Volks. Seit ungefhr einem Monate hatte die Nation
stndlich eine Invasion und einen Aufstand erwartet und war in Folge
dessen bestndig in einer reizbaren und argwhnischen Stimmung gewesen.
In vielen Gegenden England's konnte ein Eidverweigerer sich nicht
blicken lassen, ohne die grte Gefahr insultirt zu werden. Das Gercht,
da in einem Hause Waffen verborgen seien, gengte, um einen wthenden
Pbelhaufen an die Thr zu ziehen. Das Schlo eines jakobitischen
Gentleman in Kent war angegriffen und nach einem Kampfe, bei dem mehrere
Schsse fielen, erstrmt und niedergerissen worden.[134] Indessen waren
derartige Tumulte noch keineswegs die schlimmsten Symptome des Fiebers,
das die ganze Gesellschaft ergriffen hatte. Die Ausstellung Fuller's im
Februar schien dem Treiben des schndlichen Gesindels, dessen Patriarch
Oates war, ein Ende gemacht zu haben. Einige Wochen lang war die Welt
sogar geneigt in Bezug auf Complotte bermig unglubig zu sein. Im
April aber trat eine Reaction ein. Die Franzosen und Irlnder sollten
kommen, und man hatte nur zu guten Grund zu glauben, das es Verrther
auf der Insel gebe. Wer da behauptete, da er diese Verrther bezeichnen
knne, der konnte gewi sein, aufmerksames Gehr zu finden, und es
fehlte nicht an einem falschen Anklger, der sich diese vortreffliche
Gelegenheit zu Nutze machte.


[_Young's Complot._] Dieser falsche Anklger hie Robert Young. Seine
Geschichte wurde bei seinen Lebzeiten so genau erforscht und es ist von
seiner Correspondenz soviel auf uns gekommen, da der ganze Mensch vor
uns steht. Sein Character bietet in der That Stoff zu einem
interessanten Studium. Ueber seinen Geburtsort stritten sich drei
Nationen. Die Englnder erklrten ihn fr einen Irlnder, und die
Irlnder, denen eben nicht viel daran gelegen war, ihn ihren Landsmann
nennen zu drfen, behaupteten wieder, er sei in Schottland geboren. Wo
er auch geboren sein mochte, das Land, wo er aufgewachsen war, konnte
keinem Zweifel unterliegen, denn seine Phraseologie ist ganz die der
Teagues,[135] welche zu seiner Zeit Lieblingscharactere auf unsrer Bhne
waren. Er nannte sich einen Priester der Staatskirche; in Wahrheit aber
war er nur Diakonus und seine Ordination als solcher hatte er durch
Vorlegung falscher Zeugnisse ber seine Kenntnisse und seinen
moralischen Character erlangt. Schon lange vor der Revolution hatte er
in verschiedenen Gegenden Irland's Curatenstellen bekleidet, war aber an
keinem Orte lange geblieben. Die eine Stelle verlor er in Folge des
Aergernisses, das seine gesetzwidrigen Liebschaften erregten. Einen
andren Ort verlie er auf einem geborgten Pferde reitend, das er nie
zurckgab. Er lie sich in einer dritten Gemeinde nieder und wurde wegen
Bigamie eingezogen. Einige Briefe, die er bei dieser Gelegenheit im
Gefngnisse von Cavan schrieb, sind uns erhalten worden. Er versicherte
jeder seiner Frauen mit den entsetzlichsten Schwren, da sie allein der
Gegenstand seiner Liebe sei, und es gelang ihm dadurch, die eine zu
bewegen, da sie ihn im Gefngnisse unterhielt, die andre, da sie bei
den Assisen falsch schwor, um ihm das Leben zu retten. Die einzigen auf
uns gekommenen Probestcke seiner Methode, religise Lehren zu
ertheilen, sind in diesen Episteln enthalten. Er vergleicht sich mit
David, dem Manne nach dem Herzen Gottes, der sich sowohl des Ehebruchs
als auch des Mordes schuldig machte. Er erklrt, da er seine Snden
bereue, bittet den Allmchtigen um Vergebung derselben und fleht dann
sein ses Weib an, um Christi willen einen Meineid zu schwren.
Nachdem er mit genauer Noth dem Galgen entgangen war, trieb er sich
mehrere Jahre bettelnd, stehlend, betrgend, heuchelnd und flschend in
Irland und England umher und sa unter verschiedenen Namen in
verschiedenen Gefngnissen. Im Jahre 1684 wurde er in Bury des
Verbrechens berfhrt, Sancroft's Namensunterschrift in betrgerischer
Absicht nachgemacht zu haben, und zu Pranger und Einsperrung
verurtheilt. Aus seinem Kerker schrieb er an den Primas, um seine
Nachsicht anzuflehen. Man kann diesen Brief noch heute mit all' seiner
ursprnglichen schlechten Satzconstruction und Orthographie lesen.[136]
Der Schreiber bekannte seine Schuld, erklrte, da er nie wieder Ruhe
finden werde, bis er die bischfliche Absolution empfangen habe und
sprach einen tdtlichen Ha gegen die Dissenters aus. Da alle diese
Zerknirschtheit und Rechtglubigkeit nichts half, sann der Bufertige
auf etwas Andres, nachdem er hoch und theuer geschworen hatte, sich an
Sancroft zu rchen. Der Aufstand im Westen war eben ausgebrochen, und
die Magistratsbeamten im ganzen Lande waren nur zu bereit, jeder gegen
Whigs oder Nonconformisten erhobenen Anklage ein geneigtes Ohr zu
leihen. Young erklrte an Eidesstatt, er wisse, da in Suffolk ein
Anschlag gegen das Leben des Knigs Jakob geschmiedet worden sei und
nannte einen Peer, mehrere Gentleman und zehn presbyterianische
Geistliche als Theilnehmer an dem Complot. Einige von den
Angeschuldigten wurden in Untersuchung gezogen und Young erschien in der
Zeugenloge, aber die Geschichte, die er erzhlte, wurde durch
unwiderlegliche Beweise als falsch dargethan. Bald nach der Revolution
wurde er abermals einer Flschung berwiesen, zum vierten oder fnften
Mal an den Pranger gestellt und in Newgate eingesperrt. Whrend er hier
sa, beschlo er zu versuchen, ob er als Anklger von Jakobiten
glcklicher sein wrde, denn als Anklger von Puritanern. Er wendete
sich zuerst an Tillotson, dem er sagte, es sei ein grliches Complot
gegen Ihre Majestten im Werke, ein Complot, so schwarz wie die Hlle,
und einige der vornehmsten Mnner England's seien mit in dasselbe
verwickelt. Obgleich Tillotson einer aus solcher Quelle kommenden
Mittheilung wenig Vertrauen schenkte, so glaubte er doch, da der Eid,
den er als Mitglied des Geheimen Raths geleistet, es ihm zur Pflicht
mache, die Sache gegen Wilhelm zu erwhnen. Wilhelm nahm wie gewhnlich
die Angelegenheit sehr leicht. Ich bin berzeugt, sagte er, es ist eine
Schurkerei, und ich mag auf solche Grnde hin Niemandes Ruhe stren.
Nach dieser Abfertigung verhielt sich Young einige Zeit still. Als aber
Wilhelm auf dem Continent war und die Nation von der Furcht vor einer
franzsischen Invasion und einem jakobitischen Aufstande erfllt war,
durfte ein falscher Anklger hoffen, Gehr zu finden. Die bloe eidliche
Aussage eines Mannes, der den Kerkermeistern von zwanzig Gefngnissen
wohl bekannt war, konnte allerdings so leicht Niemandem nachtheilig
werden. Aber Young war Meister einer Waffe, die von allen Waffen der
Unschuld am gefhrlichsten ist. Er hatte mehrere Jahre von
Handschriftenflschung gelebt und hatte es in dieser abscheulichen Kunst
endlich zu einer solchen Fertigkeit gebracht, da selbst erfahrene
Schreiber, die sich auf Handschriften verstanden, bei der genauesten
Vergleichung kaum einen Unterschied zwischen seinen Nachahmungen und den
Originalen zu entdecken vermochten. Es war ihm gelungen, sich eine
Sammlung von Schriftstcken von der Hand angesehener Mnner, die im
Verdacht der Unzufriedenheit standen, zu verschaffen. Einige Autographen
hatte er gestohlen, andere hatte er dadurch erlangt, da er sich unter
fingirtem Namen nach der Fhrung von Dienstleuten und Curaten
erkundigte. Er verfertigte jetzt eine Schrift, die einen
Associationsvertrag zur Wiedereinsetzung des verbannten Knigs
vorstellen sollte. In diesem Dokumente verpflichteten sich die
Unterzeichner im Angesicht Gottes, fr Seine Majestt die Waffen zu
ergreifen und sich des Prinzen von Oranien todt oder lebend zu
bemchtigen. Unter diesen Vertrag setzte Young die Namen Marlborough's,
Cornbury's, Salisbury's, Sancroft's und Sprat's, Bischofs von Rochester
und Diakonus von Westminster.

Das Nchste, was geschehen mute, war, das Papier an einen Versteck im
Hause einer der Personen zu bringen, deren Unterschriften nachgemacht
worden waren. Da Young Newgate nicht verlassen durfte, mute er sich zu
diesem Zwecke eines Helfershelfers bedienen. Er whlte dazu einen
Elenden, Namens Blackhead, der frher einmal wegen Meineids in
Untersuchung gewesen und zum Verluste beider Ohren verurtheilt worden
war. Die Wahl war nicht glcklich, denn Blackhead besa keine von den
Eigenschaften, welche das Amt eines falschen Zeugen auer der
Schlechtigkeit noch erheischt. Er hatte nichts Vertrauenerweckendes.
Seine Stimme war rauh; Heimtcke sprach aus allen Zgen seines fahlen
Gesichts; er besa weder Erfindungsgabe noch Geistesgegenwart, und er
konnte nicht viel mehr thun als die ihm von Anderen eingelernten Lgen
hersagen.

Dieser Mensch begab sich, nachdem er von seinem Complicen instruirt
war, nach Bromley in Sprat's Palast, stellte sich hier als der vertraute
Diener eines imaginren Doctors der Theologie vor, berreichte dem
Bischofe mit gebeugtem Knie einen von Young sinnreich verfaten Brief
und lie sich mit anscheinend tiefer Ehrerbietung den bischflichen
Segen geben. Die Dienerschaft nahm den Fremden gastlich auf; er wurde in
den Keller gefhrt, trank auf das Wohl ihres Herrn und bat sie, da sie
ihn im Hause herumfhren mchten. Ihm die Privatgemcher des Bischofs zu
zeigen, durften sie nicht wagen, und Blackhead mute sich deshalb,
nachdem er dringend, aber vergebens gebeten hatte, wenigstens einen
Blick in das Studirzimmer werfen zu drfen, damit begngen, den
Associationsvertrag in einem Blumentopfe zu verbergen, der in einem
Zimmer neben der Kche stand.

Nachdem Alles in dieser Weise vorbereitet war, benachrichtigte Young die
Minister, da er ihnen etwas mittheilen knne, was fr das Wohl des
Staates von hchster Wichtigkeit sei, und bat dringend um Gehr. Sein
Gesuch kam ihnen an dem vielleicht angstvollsten Tage eines angstvollen
Monats zu. Tourville war so eben ausgelaufen, Jakob's Armee wurde
eingeschifft, und London war durch Gerchte von der schlechten Gesinnung
der Marineoffiziere beunruhigt. Die Knigin berlegte eben, ob sie die
Verdchtigen cassiren oder die Wirkung einer Appellation an ihre Ehre
und ihren Patriotismus versuchen solle. In einem solchen Augenblicke
konnten die Minister sich nicht weigern, Jemanden anzuhren, welcher
erklrte, ihnen wichtige Mittheilungen machen zu knnen. Young und sein
Complice wurden demnach vor den Geheimen Rath gefhrt. Hier
beschuldigten sie Marlborough, Cornbury, Salisbury, Sancroft und Sprat
des Hochverraths. Diese hochgestellten Mnner, sagte Young, htten Jakob
zu einer Invasion in England aufgefordert und htten versprochen sich
ihm anzuschlieen. Der beredte und geistreiche Bischof von Rochester
habe es bernommen, eine Erklrung zu entwerfen, welche die Nation gegen
die Regierung des Knigs Wilhelm entznden werde. Die Verschwrer seien
durch ein schriftliches Instrument mit einander verbunden und dieses von
ihnen eigenhndig unterzeichnete Instrument werde man bei genauer
Nachsuchung in Bromley finden. Young verlangte insbesondere, da die
Boten Befehl erhalten sollten, die Blumentpfe des Bischofs zu
untersuchen.

Die Minister waren ernstlich beunruhigt. Die Geschichte ging sehr ins
Einzelne und ein Theil derselben klang wahrscheinlich. Marlborough's
Verkehr mit Saint-Germains war Caermarthen, Nottingham und Sidney wohl
bekannt. Cornbury war ein Werkzeug Marlborough's und der Sohn eines
Eidverweigerers und notorischen Verschwrers. Salisbury war ein Papist.
Sancroft hatte erst vor wenigen Monaten in dem allem Anscheine nach nur
zu begrndeten Verdachte gestanden, da er die Franzosen aufgefordert
habe, in England einzufallen. Von allen Angeschuldigten war Sprat
derjenige, von dem es am unwahrscheinlichsten war, da er sich an einem
gefahrvollen Plane betheiligt haben sollte. Er besa weder Enthusiasmus
noch Ausdauer. Sein Ehrgeiz sowohl wie sein Parteigeist waren jederzeit
durch seine Liebe zur Behaglichkeit und durch die Besorgni um sein
persnliches Wohl wirksam in Schranken gehalten worden. Er hatte sich in
der Hoffnung, Jakob's Gunst zu gewinnen, einiger strafbarer
Geflligkeiten schuldig gemacht, war Mitglied der Hohen Commission
gewesen, hatte an mehreren von diesem Gerichtshofe erlassenen
ungerechten Decreten Antheil gehabt und hatte mit zitternder Hand und
unsicherer Stimme die Indulgenzerklrung im Chore der Abtei verlesen.
Weiter aber war er nicht gegangen. Sobald man sich zuzuflstern begann,
da die brgerliche und religise Verfassung England's bald durch
auerordentliche Mittel vertheidigt werden wrden, hatte er die Gewalten
niedergelegt, die er zwei Jahre lang im Widerspruch mit dem Gesetz
ausgebt, und hatte sich beeilt sich mit seinen geistlichen Amtsbrdern
auszushnen. Er hatte in der Convention fr eine Regentschaft gestimmt,
hatte aber ohne Zgern die Eide geleistet; er hatte bei der Krnung der
neuen Souveraine eine hervorragende Rolle gespielt und von seiner
geschickten Hand waren der am 5.November gebrauchten Gebetsformel die
Stze hinzugefgt worden, in denen die Kirche fr die an diesem Tage
bewirkte zweite Befreiung ihren Dank ausspricht.[137] Da ein solcher
Mann, im Besitz eines groen Einkommens, eines Platzes im Hause der
Lords, eines angenehmen Hauses unter den Ulmen von Bromley, und eines
zweiten im Bezirke von Westminster, sich in die Gefahr des Mrtyrertodes
begeben werde, war sehr unwahrscheinlich. Er stand allerdings nicht auf
vollkommen gutem Fue mit der Regierung, denn das Gefhl, welches nchst
der Sorge fr seine Bequemlichkeit und Ruhe den meisten Einflu auf sein
ffentliches Benehmen gehabt zu haben scheint, war seine Abneigung gegen
die Puritaner, eine Abneigung, die nicht aus Bigotterie, sondern aus
Epikurismus entsprang. Ihr strenger Wandel war ein Vorwurf fr sein
trges und ppiges Leben; ihre Phraseologie beleidigte seinen
eigensinnigen Geschmack, und wo sie ins Spiel kamen, verlie ihn seine
gewohnte Gutmthigkeit. Bei seinem Widerwillen gegen die Nonconformisten
war von ihm kein groer Eifer fr einen Frsten zu erwarten, den die
Nonconformisten als ihren Protector betrachteten. Doch Sprat's Fehler
boten eine sichere Gewhr dafr, da er sich nie aus Groll gegen Wilhelm
bei einem Complot zur Zurckfhrung Jakob's betheiligen werde. Warum
Young einem ganz besonders fgsamen, vorsichtigen und die Bequemlichkeit
liebenden Manne die gefhrlichste Rolle bei einem gefhrlichen
Unternehmen zuertheilte, ist schwer zu sagen.

Der erste Schritt, den die Minister thaten, war, da sie Marlborough in
den Tower schickten. Er war von allen Angeschuldigten der bei weitem am
meisten zu Frchtende, und da er mit Saint-Germains in
hochverrtherischer Correspondenz gestanden hatte, war eine Thatsache,
die der Knigin und ihren vornehmsten Rthen als wahr bekannt war,
mochte Young nun meineidig sein oder nicht. Einer von den Sekretren des
Geheimen Raths und mehrere Gerichtsdiener wurden mit einem
Verhaftsbefehle von Nottingham nach Bromley gesandt. Sprat wurde
festgenommen und alle Zimmer durchsucht, von denen sich
vernnftigerweise annehmen lie, da er ein wichtiges Dokument darin
verborgen haben knnte: die Bibliothek, das Speisezimmer, das
Empfangzimmer, das Schlafzimmer und die anstoenden Cabinette. Seine
Papiere wurden genau untersucht und viel gute Prosa, vielleicht auch
einige schlechte Verse, aber nichts Hochverrtherisches darunter
gefunden. Die Gerichtsdiener durchwhlten jeden Blumentopf, den sie
finden konnten, aber vergebens. Es fiel ihnen jedoch nicht ein, in das
Zimmer zu sehen, in welchem Blackhead den Associationsvertrag verborgen
hatte, denn dieses Zimmer lag in der Nhe der von der Dienerschaft
bewohnten Rume und wurde von dem Bischofe und seiner Familie wenig
benutzt. Die Beamten kehrten mit ihrem Gefangenen, aber ohne das
Dokument nach London zurck, das, wenn es gefunden worden wre, ihm
htte verderblich werden knnen.

Noch spt in der Nacht wurde er nach Westminster gebracht, wo er in
seiner Dechanei schlafen durfte. Alle seine Bcherschrnke und
Schubladen wurden durchsucht und Schildwachen an die Thr seines
Schlafzimmers gestellt, die aber strenge Ordre hatten, sich hflich
gegen ihn zu benehmen und die Familie nicht zu belstigen.

Am folgenden Tage wurde er vor den Geheimen Rath gefhrt. Das Verhr
wurde von Nottingham mit groer Humanitt und Artigkeit geleitet. Der
Bischof benahm sich im Bewutsein vlliger Unschuld mit Migung und
Festigkeit. Er beklagte sich ber nichts. Ich fge mich, sagte er,
den Nothwendigkeiten des Staats in einer Zeit des Mitrauens und der
Gefahr wie die gegenwrtige ist. Er wurde gefragt, ob er eine Erklrung
fr Knig Jakob entworfen, ob er in Correspondenz mit Frankreich
gestanden, ob er einen hochverrtherischen Associationsvertrag
unterzeichnet habe und ob er berhaupt von einer solchen Association
etwas wisse. Alle diese Fragen beantwortete er mit vollkommener
Wahrheit, auf sein Wort als Christ und Bischof, verneinend. Er wurde in
seine Dechanei zurckgebracht, blieb dort noch zehn Tage in leichter
Haft und durfte dann, da nichts ihn Gravirendes entdeckt worden war,
nach Bromley zurckkehren.

Inzwischen hatten die falschen Anklger einen neuen Plan ausgesonnen.
Blackhead begab sich aufs Neue nach Bromley und fand Mittel und Wege,
den fingirten Associationsvertrag von dem Orte, wo er ihn verborgen
hatte, wegzunehmen und Young zurckzubringen. Eine von Young's beiden
Frauen trug das Papier dann in das Staatssekretariat und erzhlte eine
von Young erfundene Lge, um zu erklren, wie ein Dokument von solcher
Wichtigkeit in ihre Hnde gekommen sei. Aber es war jetzt nicht mehr so
leicht die Minister zu erschrecken, wie es einige Tage frher gewesen
war. Die Schlacht von La Hogue hatte allen Invasionsbefrchtungen ein
Ende gemacht. Anstatt daher wieder einen Verhaftsbefehl nach Bromley zu
schicken, schrieb Nottingham nur einige Zeilen an Sprat, mit denen er
ihn bat, ihn in Whitehall zu besuchen. Der angeschuldigte Prlat kam der
Einladung unverzglich nach und wurde vor dem Geheimen Rathe mit
Blackhead confrontirt. Die Wahrheit kam sogleich ans Licht. Der Bischof
erinnerte sich der tckischen Miene und Stimme des Mannes, der ihn
knieend um seinen Segen gebeten hatte, und sein Sekretr besttigte die
Aussage seines Gebieters. Der falsche Zeuge verlor bald seine
Geistesgegenwart. Seine stets bleichen Wangen wurden leichenhaft und
seine in der Regel laute und rauhe Stimme sank zu einem Gelispel herab.
Die Mitglieder des Geheimen Raths sahen seine Verwirrung und unterwarfen
ihn einem strengen Verhr. Eine Zeit lang beantwortete er ihre Fragen
durch wiederholtes Hervorstammeln seiner ersten Lge in den
ursprnglichen Worten. Endlich aber sah er keinen andren Ausweg mehr als
seinem Lgengewebe als das Eingestndni seiner Schuld. Er gestand, da
er eine unwahre Darstellung von seinem Besuche in Bromley gegeben habe,
erzhlte nach vielen Ausflchten, wie er den Associationsvertrag
verborgen und ihn aus seinem Verstecke wieder entfernt habe, und
bekannte, da er von Young gebraucht worden sei.

Hierauf wurden die beiden Complicen mit einander confrontirt. Young
leugnete mit frecher Stirn Alles. Er wisse nichts von den Blumentpfen.
Wenn dies wahr ist, riefen Nottingham und Sidney zu gleicher Zeit,
warum legten Sie dann so besonderes Gewicht darauf, da die Blumentpfe
in Bromley untersucht werden sollten? -- Ich habe nie etwas ber die
Blumentpfe gesagt, erwiederte Young. Jetzt rief der ganze Staatsrath
entrstet aus: Wie knnen Sie das zu behaupten wagen? Wir Alle
entsinnen uns dessen. Der Schurke hielt sich noch immer tapfer und rief
mit einer Unverschmtheit, um die ihn Oates htte beneiden knnen:
Diese ganze Versteckungsgeschichte ist ein zwischen dem Bischofe und
Blackhead verabredeter Streich. Der Bischof hat Blackhead gewonnen, und
sie versuchen Beide, das Complot zu vertuschen. Das war zu viel. Das
ganze Collegium lchelte und schlug die Hnde ber dem Kopfe zusammen.
Mensch, rief Caermarthen, willst Du uns glauben machen, der Bischof
habe dieses Papier an einem Orte aufbewahren lassen, wo Zehn gegen Eins
zu wetten war, da unsere Agenten es finden wrden und wo es ihn an den
Galgen bringen konnte, wenn sie es gefunden htten?

Die falschen Anklger wurden ins Gefngni zurckgebracht, und der
Bischof verabschiedete sich von den Ministern, nachdem er ihnen fr ihr
unparteiisches und ehrenwerthes Verfahren seinen wrmsten Dank
ausgesprochen hatte. Im Vorzimmer fand er eine Menge Leute versammelt,
welche Young angafften, der dasa und ihre neugierigen Blicke mit der
heiteren Ruhe eines Mannes aushielt, der von der Hlfte der Pranger
England's auf viel zahlreichere Versammlung herabgesehen hatte. Young,
sagte Sprat zu ihm, Euer Gewissen mu Euch sagen, da Ihr mir schweres
Unrecht gethan habt. Um Euretwillen bedaure ich, da Ihr darauf beharrt,
das zu leugnen, was Euer Genosse bereits eingestanden hat. --
Eingestanden? rief Young; nein, es ist noch nicht Alles eingestanden,
und das werden Sie zu Ihrem Schrecken erfahren. Es giebt ein Ding, das
man Anklage nennt, Mylord. Sobald das Parlament versammelt ist, sollen
Sie mehr von mir hren. -- Gott fhre Euch zur Reue, entgegnete der
Bischof, denn verlat Euch darauf, Ihr seid in viel grerer Gefahr,
verurtheilt zu werden, als ich angeklagt, zu werden.[138]

Achtundvierzig Stunden nach der Entlarvung dieses schndlichen Betrugs
wurde Marlborough gegen Brgschaft seiner Haft entlassen. Young und
Blackhead hatten ihm einen unschtzbaren Dienst geleistet. Da er bei
einem ganz eben so strafbaren Complot betheiligt war wie das, dessen sie
ihn flschlich beschuldigt hatten, und da die Regierung moralische
Beweise seiner Schuld in Hnden hatte, ist jetzt gewi. Aber seine
Zeitgenossen hatten nicht, wie wir jetzt, den materiellen Beweis seiner
Treulosigkeit vor Augen. Sie wuten, da er eines Verbrechens angeklagt
war, das er nicht begangen hatte, da Meineid und Flschung angewendet
worden waren, um ihn ins Verderben zu strzen, und da er in Folge
dieser Machinationen einige Wochen im Tower zugebracht hatte. Die
ffentliche Meinung brachte sehr natrlich seine Ungnade und seine
Verhaftung mit einander in Verbindung. Er war ohne gengenden Grund
verhaftet worden. Konnte man also nicht, in Ermangelung jeden
Ausschlusses, vernnftigerweise annehmen, da er auch ohne gengenden
Grund in Ungnade gefallen war? Es stand fest, da eine schndliche,
jeder Begrndung entbehrende Verleumdung Ursache gewesen war, da man
ihn im Mai wie einen Verbrecher behandelt hatte. War es da nicht
wahrscheinlich da im Januar ebenfalls eine Verleumdung ihm die Gunst
seines Gebieters entzogen haben konnte?

Young's Hilfsmittel waren noch nicht erschpft. Sobald er von Whitehall
nach Newgate zurckgebracht war, ging er ans Werk, ein neues Complot
zu erdichten und einen neuen Complicen zu suchen. Er wendete sich an
einen Menschen, Namens Holland, der in grter Drftigkeit lebte. Noch
nie, sagte Young zu ihm, sei die Gelegenheit so gnstig gewesen. Ein
verwegener und schlauer Bursche knne mit Leichtigkeit fnfhundert
Pfund verdienen. Fnfhundert Pfund waren in den Augen Holland's ein
fabelhafter Reichthum. Er fragte, was er dafr thun msse. Nichts
weiter, lautete die Antwort, als die Wahrheit sagen, das heit
handgreifliche Wahrheit, ein wenig entstellt und ausgeschmckt. Es
existire wirklich ein Complot, und dies wrde auch bewiesen worden
sein, wenn Blackhead sich nicht htte erkaufen lassen. Sein Abfall
habe es nothwendig gemacht, die Erdichtung zu Hlfe zu nehmen. Ihr
mt beschwren, da Ihr mit mir in einer Hinterstube im hchsten
Stockwerk des Seekrebs, in Southwark gewesen seid. Dort sind einige
Mnner mit uns zusammengetroffen, die ein Losungswort geben muten,
ehe sie eingelassen wurden. Sie trugen alle weie Camelotrcke. Sie
unterzeichneten in unsrer Gegenwart den Associationsvertrag, bezahlten
dann jeder seinen Schilling und gingen wieder. Ihr mt bereit sein,
zwei von diesen Leuten als Mylord Marlborough und den Bischof von
Rochester zu bezeichnen. Wie soll ich ihre Identitt beweisen?
fragte Holland. Ich habe sie in meinem Leben nicht gesehen. -- Ihr
mt dafr sorgen, da Ihr sie sobald als mglich zu sehen bekommt,
erwiederte der Versucher. Der Bischof wird in der Abtei sein, und
Jedermann am Hofe wird Euch Lord Marlborough zeigen. Holland ging
sogleich nach Whitehall und hinterbrachte Nottingham diese Unterredung.
Der unglckliche Nachahmer Oates' wurde auf Befehl der Regierung wegen
Meineids, Verleitung zum Meineid und Flschung in Untersuchung gezogen.
Er wurde fr schuldig befunden und zu Gefngni verurtheilt, wurde
abermals an den Pranger gestellt, und erfuhr als Zugabe zu seiner
Ausstellung, aus der er sich wenig machte, eine so wthende Steinigung
von Seiten des Pbels, wie man sie selten erlebt hatte.[139] Nach
berstandener Strafe verlor er sich einige Jahre unter dem Schwarme
von Dieben und Gaunern, die in der Hauptstadt ihr Unwesen trieben. Im
Jahre 1700 endlich trat er wieder aus seinem Dunkel hervor und erregte
eine momentane Aufmerksamkeit. Die Zeitungen berichteten, da der einst
so berchtigte Robert Young wegen Falschmnzerei eingezogen, da er
schuldig befunden und zum Tode verurtheilt und da schlielich der
ehrwrdige Herr in Tyburn aufgehngt worden sei und eine zahlreiche
Versammlung von Schaulustigen durch seine Reue hchlich erbaut
habe.[140]


Funoten

[1] London Gazette vom 22.Oct. 1691.

[2] +Burnet II. 78, 79; Burchett's Memoirs of Transactions at Sea;
Journal of the English and Dutch Fleet in a Letter from an Officer
on board the Lennox, at Torbay, licensed August 21. 1691.+ Der
Verfasser sagt: Wir verdanken unsre Gesundheit, nchst Gott, der
auerordentlichen Frsorge, welche unsrer Verproviantirung, in Bezug
auf Speise wie auf Trank, zu Theil wird.

[3] +Lords'+ und +Commons' Journals, Oct. 22. 1691.+

[4] Dies geht aus einem Briefe von Lowther hervor, den er an seinen
Sohn schrieb, nachdem er Lord Lonsdale geworden war. Eine Copie dieses
Briefes befindet sich unter den Mackintosh-Manuscripten.

[5] Siehe +Commons' Journals, Dec. 3. 1691,+ und +Grey's Debates.+ Es
ist zu bedauern, da der Bericht der Rechnungscommissare der Nachwelt
nicht aufbewahrt worden ist. Lowther erwhnt in dem Briefe an seinen
Sohn die Debatten dieses Tages mit groer Bitterkeit. Welcher Mensch,
fragte er, der sein Brot hat, kann, nachdem er mit allem Flei und
aller Sorgfalt gedient, deren der Mensch fhig ist, nachdem er sich
die Zufriedenheit des Knigs erworben, von dem alle Staatsbeamten
ihre Autoritt empfangen, nachdem er gegen Jedermann rechtschaffen
gehandelt, es ruhig ertragen, von Leuten gehat zu werden, die jeden
ber ihnen Stehenden hassen?

[6] +Commons' Journals, Dec. 12. 1690/91.+

[7] +Commons' Journals, Feb. 15. 1690/91;+ Baden an die Generalstaaten,
26.Jan. (5.Febr.).

[8] +Stat. 3. W. & M. c. 2.; Lords' Journals, Nov. 16. 1691; Commons'
Journals, Dec. 1., 9., 5.+

[9] Die irlndischen Katholiken beschwerten sich, und mit nur zu
gutem Grunde, da der Vertrag von Limerick spterhin verletzt worden
sei, aber gerade diese Beschwerden sind ein Zugestndni, da das
Statut 3 W. u. M., C. 2. keine Verletzung des Vertrags war. So sagt
der Verfasser von +A Light to the Blind+ in Bezug auf den ersten
Artikel: Dieser Artikel wurde sieben Jahre spter von einem durch den
Prinzen von Oranien einberufenen irischen Parlament gebrochen, das
ein Gesetz erlie, welches die katholischen Bischfe, Wrdentrger
und Ordensgeistlichen verbannte. Er wrde gewi nicht so geschrieben
haben, wenn der Artikel wirklich schon zwei Monate nach seiner
Unterzeichnung von dem englischen Parlamente verletzt worden wre. Auch
der Abb Mac Geoghegan beschwert sich, da der Tractat einige Jahre
nach seinem Abschlu verletzt worden sei. Aber er behauptet nicht, da
er durch das Statut 3 W. u. M., C. 2. verletzt wurde.

[10] +Stat. 21. Jac. I. C. 3.+

[11] Siehe besonders +Two Letters by a Barrister concerning the East
India Company, 1676,+ und eine in dem nmlichen Jahre erschienene
Antwort darauf. Siehe ferner +The Judgement of Lord Jeffreys concerning
the Great Case of Monopolies.+ Dieses Urtheil erschien 1689 nach
Jeffreys' Sturze. Man hielt es fr nthig sich in der Vorrede zu
rechtfertigen, da man etwas durch den Druck verffentlichte, was einen
so verhaten Namen an der Spitze trug. Ich will es nicht unternehmen,
sagt der Herausgeber, diese Beweisfhrung zu empfehlen, des Verfassers
wegen. Aber ich darf wenigstens sagen was man mir gesagt hat: da sie
werth ist, von jedem Gebildeten gelesen zu werden. Jeffreys' Sprache
ist hchst beleidigend, bald gemein, bald niedrig schmeichelnd; aber
sein Raisonnement bezglich des reinen Rechtspunktes ist sicherlich
gewandt, wenn auch noch nicht erschpfend.

[12] Addison's Clarinda las in der Woche, ber die sie ein Tagebuch
hielt, weiter nichts als Aurengzeb: Spectator 323. Sie trumte Mr.
Froth liege ihr zu Fen und nenne sie Indamora. Ihre Freundin,
Mi Kitty, citirte ohne Buch die acht besten Strophen des Stcks,
wahrscheinlich die, welche so anfangen: +Trust on and think to-morrow
will repay.+ Acht schnere Strophen hat Lucretius nicht aufzuweisen.

[13] Eine interessante Abbildung des Hauses der Ostindischen Compagnie
im 17.Jahrhunderte befindet sich im Gentleman's Magazine fr December
1784.

[14] Siehe Davenant's Brief an Mulgrave.

[15] +Answer to Two Letters concerning the East India Company, 1676.+

[16] +Anderson's Dictionary; G. White's Account of the Trade to the
East Indies, 1691; Treatise on the East India Trade, by Philopatris,
1691.+

[17] +Reasons for constituting a New East India Company in London,
1681; Some Remarks upon the Present State of the East India Company's
Affairs, 1690.+

[18] Evelyn, 16.Mrz 1682/83.

[19] Siehe die +State Trials.+

[20] +Pepys's Diary, April 2., May 10, 1669.+

[21] +Tench's Modest and Just Apology for the East Indian Company,
1690.+

[22] +Some Remarks on the Present State of the East Indian Company's
Affairs, 1690; Hamilton's New Account of the East Indies.+

[23] +White's Account of the East India Trade, 1691; Pierce Buttler's
Tale, 1691.+

[24] +White's Account of the Trade to the East Indies, 1691; Hamilton's
New Account of the East Indies;+ Sir Johann Wyborne an Pepys aus Bombay
vom 7.Jan. 1687/88.

[25] London Gazette vom 16.(26.) Febr. 1684/85.

[26] +Hamilton's New Account of the East Indies.+

[27] Natrlich wurde Papillon der Vorwurf der Inconsequenz gemacht.
Unter den damals erschienenen Pamphlets fhrt eines den Titel: +A
Treatise concerning the East India Trade, wrote at the Instance of
Thomas Papillon, Esquire, and in his House, and printed in the year
1680, and now reprinted for the better Satisfaction of himself and
others.+

[28] +Commons' Journals, June 8. 1689.+

[29] Zu den Flugschriften, in denen Child am heftigsten angegriffen
wird, gehren unter anderen: +Some Remarks on the Present State of the
East India Company's Affairs, 1690; Pierce Buttler's Tale, 1691;+ und
+White's Account of the Trade to the East Indies, 1691.+

[30] +Discourse concerning the East India Trade, showing it to be
unprofitable to the Kingdom, by Mr. Cary; Pierce Buttler's Tale
representing the State of the Wool Case, or the East India Case truly
stated, 1691.+ Mehrere Petitionen in dem nmlichen Sinne findet man in
den Protokollen des Hauses der Gemeinen.

[31] +Reasons against establishing an East India Company with a Joint
Stock, exclusive to all others, 1691.+

[32] Der Gesellschaftsvertrag wurde gedruckt und erlebte mehrere
Auflagen. Bezglich der Halle der Rauchwaarenhndler siehe Seymour's
+History of London, 1734.+

[33] London Gazette vom 11.Mai 1691; +White's Account of the East
India Trade.+

[34] +Commons' Journals, Oct. 28. 1691.+

[35] +Commons' Journals, Oct. 29, 1691.+

[36] Rowe fhrt in seinem +Biter,+ welcher durchfiel und dies auch
verdiente, einen alten Gentleman ein, der seine Tochter folgendermaen
anredet: Du bist als ein tugendhaftes und verstndiges Mdchen
erzogen; wrdest Du die Partei eines Elenden nehmen, der seine Actien
der alten Ostindischen Compagnie verkaufte?

[37] Hop an die Generalstaaten, 30.Oct. (9.Nov.) 1691.

[38] Hop erwhnt die lange Dauer und Heftigkeit der Debatten unterm
13.(23.) Nov. 1691; Siehe auch +Commons' Journals, Dec. 17., 18.+

[39] +Commons' Journals, Feb. 4. 6. 1691.+

[40] +Commons' Journals, Feb. 11. 1691.+

[41] Die Geschichte der Bill kann man aus der Bill selbst, die sich in
den Archiven des Oberhauses befindet, aus den Protokollen der beiden
Huser vom November und December 1690 und vom Januar 1691, besonders
aus denen der Gemeinen vom 11.December und 13. und 25.Januar und aus
denen der Lords vom 20. und 28.Januar ersehen. Man vergleiche auch
Grey's +Debates.+

[42] Der Brief, datirt vom 1.December 1691 findet sich im +Life of
James, II. 477.+

[43] Burnet II. 85, und Burnet-Mspt. Harl. 6584. Siehe auch eine von
Holmes unterzeichnete, aber aus von Ferguson gelieferten Mittheilungen
bestehende Denkschrift unter den von Macpherson gedruckten Auszgen aus
den Nairne'schen Papieren. Es trgt das Datum October 1691. Der Prinz
von Oranien, sagt Holmes, wird von den Englndern tdtlich gehat.
Sie sehen sehr deutlich, da er keine Liebe zu ihnen hat; auch setzt er
in sie kein Vertrauen, sondern lediglich in seine Hollnder.... Es ist
nicht zu bezweifeln, da das Parlament nicht fr Fremde sein wird, die
es mit dem Kappzaum reiten.

[44] +Evelyn's Diary, Jan. 24;+ Hop an die Generalstaaten 22.Jan.
(1.Febr.) 1691/92; Baden an die Generalstaaten, 16.(26.)Febr.

[45] Jakob's Worte lauten folgendermaen; sie wurden im November 1692
geschrieben:

+Mes amis, l'anne passe, avoient dessein de me rappeler par le
Parlement. La manire toit concerte; et Milord Churchill devoit
proposer dans le Parlament de chasser tous les trangers tant des
conseils et de l'arme que du royaume. Si le Prince d'Orange avoit
consenti  ce proposition, ils l'auroient eu entre leurs mains. S'il
l'avoit refuse, il auroit fait dclarer le Parlement contre lui; et
en mme temps Milord Churchill devoit se dclarer avec l'arme pour
le Parlement; et la flotte devoit faire de mme; et l'on devoit me
rappeler. L'on avoit dj commenc d'agir dans ce projet; et on avoit
gagn un gros parti, quand quelques fidles sujets indiscrets, croyant
me servir, et s'imaginant que ce que Milord Churchill faisoit n'toit
pas pour moi, mais pour la Princesse de Danemark, eurent l'imprudence
de dcouvrir le tout  Benthing, et dtournerent ainsi le coup.+

Eine Uebersetzung dieser hchst bedeutsamen Stelle, welche mit einem
Male viele interessante und schwierige Probleme lst, wurde vor achtzig
Jahren durch Macpherson verffentlicht. Sonderbarerweise aber erregte
sie keine Aufmerksamkeit und ist meines Wissens von keinem Biographen
Marlborough's erwhnt worden.

Jakob's Erzhlung bedarf keiner Besttigung, doch wird sie durch
das Burnet-Mspt. Harl. 6584 vollkommen besttigt. Marleburrough,
schrieb Burnet im September 1693, befleiigte sich, das Verfahren
des Knigs zu verschreien, ihn in allen seinen Reden herabzusetzen
und den Englndern einen Widerwillen gegen die Hollnder einzuflen,
die, wie er behauptete, die Gunst und das Vertrauen des Knigs in
hherem Mae besen als sie, -- die Englnder vermuthlich --. Dies
war ein Punkt, ber den die Englnder, welche nur zu geneigt sind,
alle anderen Nationen zu verachten und sich selbst zu berschtzen,
sehr leicht Feuer fingen. So wurde es der allgemeine Gegenstand der
Unterhaltung, und bei Marleburrough, wo ein bestndiges Randivous der
englischen Offiziere war, wurde unaufhrlich davon gesprochen. Ueber
Marlborough's Entlassung schrieb Burnet um die nmliche Zeit: Der
Knig sagte mir darber, er habe sehr triftigen Grund zu glauben,
da er sich mit Knig Jakob ausgeshnt habe und mit Frankreich in
Correspondenz stehe. Gewi ist, da er alles Mgliche that, um in der
Armee und im Volke eine Partei gegen die Hollnder zu bilden.

Es ist interessant, diese einfache Erzhlung, welche geschrieben wurde
als die Thatsachen noch neu waren, mit der entstellten Erzhlung zu
vergleichen, welche Burnet viele Jahre spter, als Marlborough mit
den Whigs eng verbunden war und dem Lande groe und glnzende Dienste
leistete, fr die Oeffentlichkeit vorbereitete. Burnet II. 90.

Die Herzogin von Marlborough hatte die Frechheit in ihrer +Vindication+
zu erklren, sie habe nie erfahren knnen, welchen Grund der Knig fr
die Entziehung seiner Gunst angebe. Sie spricht die Vermuthung aus,
da Young's Flschung die Ursache gewesen sein mag. Nun mu sie aber
gewut haben, da Young's Flschung erst einige Monate nach der Ungnade
ihres Gatten begangen wurde. Ueberhaupt war es traurig bestellt um
ihr Gedchtni, eine Gabe, von der man sprichwrtlich sagt, da Leute
ihrer Klasse derselben sehr nthig bedrfen. Ihr eignes Buch berfhrt
sie der Lge. Sie giebt uns einen Brief von Marien an Anna, in welchem
Marie sagt: Ich brauche die Veranlassung nicht zu wiederholen, welche
Mylord Marlborough dem Knige gegeben, um das zu thun was er gethan
hat. Aus diesen Worten geht klar hervor, da Anna die Veranlassung
kannte. Htte sie dieselbe nicht gekannt, so wrde sie es gewi in
ihrer Antwort gesagt haben. Ihre Antwort ist vorhanden und sie enthlt
kein Wort ber diesen Gegenstand. Sie kannte also die Veranlassung, und
ist es wohl mglich zu glauben, da sie dieselbe vor ihrer geliebten
Mrs. Freeman geheimhielt?

[46] Meine Mittheilungen ber diese Vorgnge habe ich der Erzhlung der
Herzogin von Marlborough entnehmen mssen, einer Erzhlung die man mit
fortwhrendem Mitrauen lesen mu, ausgenommen da wo sie, wie es oft
der Fall ist, ein Beispiel von ihrer eignen Bosheit und Unverschmtheit
erzhlt.

[47] +The Duchess of Marlborough's Vindication;+ Dartmouth's Note
zu Burnet II. 92; +Verses of the Night Bellman of Piccadilly and my
Lord Nottingham's Order thereupon, 1691.+ Es giebt auch ein beiendes
Pasquill auf Lady Marlborough von demselben Jahre, betitelt: +The
Universal Health, a true Union to the Queen and Princess.+

[48] Man darf nicht glauben, da Anna den Shakespeare las. Ohne Zweifel
hatte sie oft die +Enchanted Island+ gesehen. Dieses jmmerliche
+rifacimento+ des Sturmes war damals wegen der Maschinerie und der
Dekorationen in der Stadt sehr beliebt.

[49] +Burnet MS Harl. 6584.+

[50] Die Geschichte eines miglckten Versuchs, ber diesen Gegenstand
Gesetze zu geben, kann in den Protokollen der Gemeinen von 1692/93
nachgelesen werden.

[51] +North's Examen.+

[52] +North's Examen; Ward's London Spy; Crosby's English Baptists,
Vol. III. chap. 2.+

[53] Die Geschichte dieser Periode von Fuller's Leben habe ich seiner
eigenen Erzhlung entnommen.

[54] +Commons' Journals, Dec. 2. 9. 1691; Grey's Debates.+

[55] +Commons' Journals, Jan. 4. 1691/92; Grey's Debates.+

[56] +Commons' Journals, Feb. 22. 23. 24. 1691/92.+

[57] +Fuller's Original Letter of the late King James and others to his
nearest Friends in England.+

[58] Burnet (II. 86.) Burnet hatte offenbar vergessen was die Bill
enthielt. Ralph wute davon nichts weiter als was er von Burnet
erfahren hatte. Ich habe in den zahlreichen jakobitischen Libellen
der damaligen Zeit fast nirgends eine Anspielung auf den Gegenstand
gefunden. In einem Pamphlet aber, welches gegen das Ende der Regierung
Wilhelm's unter dem Titel: +The Art of Governing by Parties+
erschien, kommt eine bemerkenswerthe Stelle vor. Der Autor sagt: Es
fehlt uns noch eine Acte zur Begrndung eines Fonds fr die Gehalte
der Richter; es war nach der Revolution eine darauf bezgliche Bill in
beiden Parlamentshusern durchgegangen; aber ob Se. Majestt derselben
wegen eines Mangels oder aus welchem andren Grunde seine Genehmigung
versagte, dessen kann ich mich nicht mehr erinnern. Ich wei nur,
da mich der Grund damals befriedigte, und ich zweifle nicht, da
er jede derartige gute Bill zu jeder Zeit genehmigen wrde. Diese
Worte berzeugten mich, da die Bill einen ernsten Einwand zulie,
der aus dem Titel nicht hervorging und den kein Geschichtsschreiber
angedeutet hat. Ich fand in den Archiven des Hauses der Lords das
Originalpergament mit den Worten auf der Rckseite: +Le Roy et la
Reyne s'aviseront.+ Und es war mir auf den ersten Blick klar, worin
der Einwand bestand.

In dem Theile von Narcissus Luttrell's Tagebuche, der sich auf diese
Angelegenheit bezieht, ist eine Lcke. Der Knig, schrieb er,
genehmigte zehn ffentliche Bills und vierunddreiig Privatbills und
verwarf die von den --

Ueber die gegenwrtige Praxis des Hauses der Gemeinen in solchen Fllen
siehe Hatsell's werthvolles Werk II. 356. Ich fhre die Ausgabe von
1818 an. Hatsell sagt, da viele Bills, welche die Interessen der Krone
berhren, ohne irgend eine Notifikation der kniglichen Genehmigung
eingebracht werden knnen und da es gengt, wenn die Genehmigung bei
der zweiten Lesung und selbst noch spter angezeigt wird, da aber bei
einer Maregel, welche das erbliche Einkommen berhrt, die Genehmigung
im ersten Stadium angezeigt werden mu.

[59] Die Geschichte dieser ministeriellen Einrichtungen habe ich
hauptschlich der London Gazette vom 3. und 7.Mrz 1691/92 und
Narcissus Luttrell's Tagebuche von diesem Monate entnommen. Einige
flchtige Striche sind auch gleichzeitigen Flugschriften entlehnt.

[60] Wilhelm an Melville, 22.Mai 1690.

[61] Siehe die Vorrede zu den +Leven and Melville Papers+. Ich habe
fr Burnet's Feindschaft gegen Melville diejenige Erklrung gegeben,
die ich fr die richtige halte. Melville's Nachkomme, der sich durch
den Flei und die Treue, womit er seine Pflichten als Herausgeber
erfllt, um alle Geschichtsforscher sehr verdient gemacht hat, ist
der Meinung, da Burnet's Urtheil durch seinen Eifer fr die Prlatur
und durch seinen Ha gegen den Presbyterianismus getrbt wurde. Diese
Anschuldigung wird die englischen Hochkirchlichen berraschen und
ergtzen.

[62] +Life of James, II. 468, 469.+

[63] Burnet II. 88; Master von Stair an Breadalbane, 2.Dec. 1691.

[64] Burnet I. 418.

[65] Crawford an Melville, 23.Juli 1689; Der Master von Stair an
Melville, 16.Aug. 1689; Cardro an Melville, 9.Sept. 1689; Balcarras'
Memoiren; Annandale's Bekenntni, 14.Aug. 1690.

[66] Breadalbane an Melville, 17.Sept. 1690.

[67] Die Wahrheit ist, sie waren ein Zweig der Macdonalds, (welche
stets ein wackeres und muthiges Volk waren), wohnhaft unter den
Campbells, welche (ich meine die Leute von Glencoe) alle Papisten sind,
wenn sie berhaupt eine Religion haben; sie galten stets fr ein dem
Rauben und Plndern ergebenes Volk, fr ungebetene Gste +(sorners)+
wie wir es nennen, und waren nicht viel besser als Eure Straenruber
in England. Verschiedene Regierungen wollten sie zchtigen; aber ihr
Land war fr kleine Truppencorps unzugnglich. Siehe +An impartial
Account of some of the Transactions in Scotland concerning the Earl of
Breadalbane, Viscount and Master of Stair, Glenco Men, etc., London
1695.+

[68] Bericht der Commission, unterzeichnet in Holyrood am 20.Juni 1695.

[69] +Gallienus Redivivus+, Burnet II. 88; Bericht der Commission von
1695.

[70] Bericht der Glencoe-Commission, 1695.

[71] Hill an Melville, 15.Mai 1691.

[72] Die +tacksmen+ bildeten unter den schottischen Clans eine Art
niederen Adel und dienten im Frieden als Einnehmer, im Kriege als
Unteranfhrer. -- Anm. d. Uebers.

[73] Hill an Melville, 3.Juni 1691.

[74] Burnet II. 8, 9; Bericht der Glencoe-Commission. Die in diesem
Theile des Berichts angefhrten Quellen waren die Aussagen Hill's,
Campbell's von Ardkingla und der beiden Shne Mac Ian's.

[75] +Johnson's Tour to the Hebrides.+

[76] Proklamation des schottischen Geheimen Raths vom 4.Febr. 1589.
Ich erzhle das auf die Autoritt Sir Walter Scott's hin. Siehe die
Vorrede zu der Legende von Montrose.

[77] +Johnson's Tour to the Hebrides.+

[78] +Lockhart's Memoirs.+

[79] Was um des Himmels Willen war die Triebfeder des Masters in
dieser Angelegenheit? ich kann mir keine denken. -- +Impartial
Account, 1695.+ Auch kann kein unbefangener und einsichtsvoller
Mann glauben, da der Earl von Stair, der in dieser Gegend weder
Besitzungen, noch Freunde, noch Feinde hatte, ja der diese Leute nicht
einmal kannte und der nie im Rufe der Grausamkeit stand, nach dem Blute
dieser Unglcklichen gelechzt haben sollte. +Complete History of
Europe, 1707.+

[80] Dalrymple erzhlt diese Geschichte in seinen Memoiren, ohne
sich auf eine Quelle zu beziehen. Wahrscheinlich war seine Quelle
eine Familientradition. Da im Jahre 1692 Gerchte von entsetzlichen
Verbrechen in Umlauf waren, welche die Macdonalds von Glencoe verbt
hatten, geht mit Gewiheit aus dem Burnet-Manuscipte, Harl. 6584
hervor. Sie hatten sich in der That vieler scheulicher Mordthaten
schuldig gemacht, waren Burnet's Worte, wie er sie 1693 niederschrieb.
Nachher milderte er diesen Ausdruck.

[81] Da der von dem Master von Stair ursprnglich entworfene Plan
wirklich so war, wie ich ihn dargestellt habe, geht aus Stellen seiner
Briefe, die in dem Bericht von 1695 angefhrt sind, und aus seinen
Briefen an Breadalbane vom 27.Oct., 2. und 3.Dec. 1691 hervor. Von
diesen Briefen an Breadalbane sind die beiden letzten in Dalrymple's
Anhang abgedruckt. Der erste findet sich im Anhange zum 1. Bande von
Mr. Burton's werthvoller Geschichte von Schottland. Es stellte sich
heraus, sagt Burnet (II. 157.) da ein schwarzer Anschlag gemacht
war, nicht nur die Mnner von Glencoe, sondern noch mehrere andere
Clans zu vernichten, die im Ganzen auf mehr als sechstausend Personen
geschtzt wurden.

[82] London Gazette vom 14. und 18.Jan. 1691/92.

[83] Ich htte gewnscht, da die Macdonalds sich nicht getheilt
htten, und es ist mir leid, da Keppoch und Mackian von Glenco sicher
sind. Brief vom Master von Stair an Levingstone vom 9.Jan. 1691/92,
angefhrt in dem Bericht von 1695.

[84] Brief vom Master von Stair an Levingstone vom 11.Jan. 1691/92,
angefhrt in dem Bericht von 1695.

[85] Burnet schrieb 1693 Folgendes ber Wilhelm: Er lt die Sachen
zusammenkommen, bis sich ein groer Sto Papiere angesammelt hat, und
dann unterzeichnet er sie eben so schnell, als er vorher zu lssig
in ihrer Erledigung gewesen ist. Burnet-Manuscript. Harl. 6584. In
Wilhelm's Correspondenz mit Heinsius findet sich kein Anzeichen weder
von Saumseligkeit noch von ungebhrlicher Eile. Das Wahre an der Sache
ist, da der Knig die festlndische Politik grndlich verstand und
sich ihr mit ganzer Seele widmete, da er sich aber um die englischen
Angelegenheiten weniger und um die schottischen Angelegenheiten am
allerwenigsten kmmerte.

[86] +Impartial Account, 1695.+

[87] Siehe seine in dem Bericht von 1695 und in den +Memoirs of the
Massacre of Glencoe+ angefhrten Briefe.

[88] Bericht von 1695.

[89] Aussage Ronald Macdonald's in dem Berichte von 1695; +Letters from
the Mountains, May 17. 1773.+ Ich fhre Mrs. Grants' Autoritt nur in
Bezug auf das an, was sie selbst hrte und sah. Ihre Schilderung des
Gemetzels wurde augenscheinlich ohne Beihlfe von Bchern geschrieben
und ist hchst ungenau. Schon hinsichtlich der Zeit irrt sie sich um
zwei Jahre.

[90] Ich habe meinen Bericht ber das Gemetzel von Glencoe
hauptschlich dem Bericht von 1695 und dem +Gallienus Redivivus+
entnommen. Ein ungelehrter, und selbst ein gelehrter Leser wird
schwerlich errathen, warum die Jakobiten fr ein Pamphlet ber das
Gemetzel von Glencoe einen so sonderbaren Titel whlten. Man findet die
Erklrung in einem Briefe des Kaisers Gallienus, den uns Trebellius
Pollio in dem Leben des Ingenuus aufbewahrt hat. Ingenuus hatte in
Moesien einen Aufstand angezettelt. Er wurde geschlagen und getdtet.
Gallienus lie hierauf die ganze Provinz verwsten und schrieb an einen
seiner Heerfhrer in einer Sprache, mit welcher die des Masters von
Stair nur zu groe Aehnlichkeit hatte: +Non mihi satisfacies si tantum
armatos occideris, quos et fors belli interimere potuisset. Perimendus
est omnis sexus virilis. Occidendus est quicunque maledixit. Occidendus
est quicunque male voluit. Lacera. Occide. Concide.+

[91] Was ich die whiggistische Version der Geschichte nenne, wird eben
so wie die jakobitische Version in der Pariser Gazette vom 7.April
1692 erzhlt.

[92] Ich glaube die Umstnde, welche dem Gemetzel von Glencoe einen
so absonderlichen Character von Abscheulichkeit gaben, wurden zuerst
von Karl Leslie im Anhange zu seiner +Answer to King+ durch den
Druck verffentlicht. Leslie's Antwort ist von 1692 datirt. Aber man
darf nicht vergessen, da die Jahrzahl 1692 damals bis zu dem Datum
gebraucht wurde, den wir den 25.Mrz 1693 nennen wrden. Leslie's Buch
enthlt einige Bemerkungen ber eine Predigt von Tillotson, welche erst
im November 1692 gedruckt wurde. Bald darauf erschien der +Gallienus
Redivivus+.

[93] +Gallienus Redivivus.+

[94] Hickes an Burnet und Tillotson, 1695.

[95] Bericht von 1695.

[96] +Gallienus Redivivus.+

[97] Bericht von 1695.

[98] London Gazette vom 7.Mrz 1691/92.

[99] Burnet (II. 93) sagt, der Knig sei damals von den Absichten der
franzsischen Regierung nicht unterrichtet gewesen. Ralph widerspricht
Burnet mit groer Bitterkeit. Da aber Burnet Recht hatte, wird durch
Wilhelm's Correspondenz mit Heinsius unwiderleglich bewiesen. Noch
am 24.April (4.Mai) schrieb Wilhelm Folgendes: +Je ne puis vous
dissimuler que je commence  apprehender une descente en Angleterre,
quoique je n'aye pu le croire d'abord: mais les avis sont si multiplis
de tous cts, et accompagns de tant de particularits, qu'il n'est
plus gure possible d'en douter.+ Ich citire die franzsische
Uebersetzung unter den Mackintosh-Manuscripten.

[100] Burnet, II. 95 und Onslow's Note; +Mmoires de Saint-Simon;
Mmoires de Dangeau.+

[101] +Life of JamesII. 411, 412.+

[102] +Mmoires de Dangeau; Mmoires de Saint-Simon.+ Saint-Simon
befand sich mit auf der Terrasse und beobachtete trotz seiner Jugend
diese sonderbare Scene mit einem Blicke, dem nichts entging.

[103] +Mmoires de Saint-Simon;+ Burnet II. 95. Guardian Nr.48. Siehe
den vortrefflichen Brief Ludwig's an den Erzbischof von Rheims, den
Voltaire in seinem +Sicle de LouisXIV.+ anfhrt.

[104] Unter den von Macpherson abgedruckten +Nairne Papers+ befinden
sich zwei Denkschriften von Jakob, in denen er Ludwig dringend zu einer
Invasion in England auffordert. Beide waren im Januar 1692 geschrieben.

[105] London Gazette vom 15.Febr. 1691/92.

[106] +Mmoires de Berwick;+ Burnet, II. 92; +Life of JamesII. 478,
491.+

[107] +History of the late Conspiracy, 1693.+

[108] +Life of James, II. 479, 524.+ Denkschriften, welche Holmes von
Ferguson geliefert wurden, in den +Nairne Papers.+

[109] +Life of James, II. 474.+

[110] Siehe die Monthly Mercurius vom Frhjahr 1692.

[111] +Narcissus Luttrell's Diary, April, May 1692;+ London Gazette vom
9. und 12.Mai.

[112] +Sheridan MS.; Life of James, II. 492.+

[113] +Life of James, II. 488.+

[114] Jakob sagte Sheridan, da die Erklrung von Melfort verfat sei.
+Sheridan MS.+

[115] +A Letter to a Friend concerning a French Invasion to restore the
late King James to his Throne, and what may be expected from him should
he be successfull in it, 1692; A second Letter to a Friend concerning
a French Invasion, in which Declaration lately dispersed unter the
title of His Majesty's most gracious Declaration to all his loving
Subjects, commanding their Assistance against the P. of O. and his
Adherents, is entirely and exactly published according to the dispersed
Copies, with some short Observations upon it, 1692; The Pretences
of the French Invasion examined, 1692; Reflections on the late King
James's Declaration, 1692.+ Die beiden erst genannten Briefe waren
soviel ich glaube von Lloyd, Bischof von Saint-Asaph. Sheridan sagt:
Die Erklrung des Knigs gefiel Niemandem und wurde in England in
burleske Verse travestirt. Ich glaube nicht, da sich in irgend einer
jakobitischen Schrift eine Vertheidigung dieser unglcklichen Erklrung
findet. Ein heftiger jakobitischer Schriftsteller sagt in einer 1693
gedruckten Replik an Dr. Welwood: Was die im vorigen Jahre erschienene
Erklrung betrifft... so versichere ich Ihnen, da sie vielen, ja fast
allen Freunden des Knigs eben so sehr mifiel als sie von seinen
Feinden verachtet wurde.

[116] +Narcissus Luttrell's Diary, April 1692.+

[117] +Sheridan MS.; Mmoires de Dangeau.+

[118] London Gazette vom 12. und 16.Mai 1692; Gazette de Paris vom
21.(31.) Mai 1692.

[119] London Gazette vom 28.April 1692.

[120] Desgleichen vom 2. 5. 12. 16.Mai.

[121] London Gazette vom 16.Mai 1692; Burchett.

[122] +Narcissus Luttrell's Diary;+ London Gazette vom 19.Mai 1692.

[123] Russell's Brief an Nottingham vom 20.Mai 1692 in der London
Gazette vom 23.Mai; +Particulars of Another Letter from the Fleet,
published by authority;+ Burchett; Burnet II., 93; +Life of James, II.
493, 494; Narcissus Luttrell's Diary; Mmoires de Berwick.+ Siehe auch
die gleichzeitige Ballade auf die Schlacht, eines der besten Specimen
englischer Straenpoesie, und +The Advice to a Painter, 1692.+

[124] Siehe Delaval's Brief an Nottingham, datirt von Cherbourg,
22.Mai in der London Gazette vom 26.Mai.

[125] London Gazette vom 26.Mai 1692; +Burchett's Memoirs of
Transactions at Sea;+ Baden an die Generalstaaten, 24.Mai (3.Juni);
+Life of James, II. 494;+ Russell's Brief in den Protokollen der
Gemeinen vom 28.Nov. 1692; +An Account of the Great Victory, 1692;+
Monthly Mercury, Juni und Juli 1692; Gazette de Paris vom 28.Mai
(7.Juni); Van Almonde's Depesche an die Generalstaaten, datirt vom
24.Mai (3.Juni) 1692. Der franzsische amtliche Bericht steht im
Monthly Mercury vom Juli. Eine Schilderung aus der Feder Foucault's,
Intendanten der Normandie, findet man in Capefigue's +LouisXIV.+

[126] +An Account of the late Great Victory, 1692;+ Monthly Mercury
vom Juni; Baden an die Generalstaaten, 24.Mai (3.Juni); +Narcissus
Luttrell's Diary.+

[127] London Gazette vom 2.Juni 1692; Monthly Mercury; Baden an die
Generalstaaten, 14.(24.)Juni. +Narcissus Luttrell's Diary.+

[128] +Narcissus Luttrell's Diary;+ Monthly Mercury.

[129] London Gazette vom 9.Juni; Baden an die Generalstaaten,
7.(17.)Juni.

[130] Baden an die Generalstaaten, 3.(13.)Juni.

[131] Baden an die Generalstaaten, 24.Mai (3.Juni); +Narcissus
Luttrell's Diary.+

[132] +An Account of the late Great Victory;+ 1692; +Narcissus
Luttrell's Diary.+

[133] Baden an die Generalstaaten, 7.(17.Juni) 1692.

[134] +Narcissus Luttrell's Diary.+

[135] Spottname der Irlnder. -- D. Uebers.

[136] Ich will einen einzigen kurzen Satz zur Probe anfhren: +O fie,
that ever it should be said that a clergyman have committed such durty
actions!+

[137] +Gutch, Collectanea Curiosa.+

[138] Meine Darstellung dieses Complots ist hauptschlich Sprat's
+Relation of the late Wicked Contrivance of Stephen Blackhead and
Robert Young, 1692,+ entlehnt. Es giebt in Bezug auf die Sprache wenig
bessere Erzhlungen.

[139] Baden an die Generalstaaten, 14.(24.) Febr. 1693.

[140] Postman vom 13. und 21.April 1700; Postboy vom 18.April;
Flying Post vom 20.April.


      Stereotypie und Druck von Philipp Reclam +jun.+ in Leipzig


  +------------------------------------------------------------------+
  | Anmerkungen zur Transkription                                    |
  |                                                                  |
  | Eigentmliche und falsche Schreibweisen des Autors wurden        |
  | belassen, wenn sie durchgngig benutzt wurden, wie               |
  | beispielsweise: Beredtsamkeit, erwiedern, Schaffot, Wiederhall.  |
  |                                                                  |
  | Inkonsistenzen wurden nicht gendert, wenn beide Schreibweisen   |
  |  gebruchlich waren, wie:                                        |
  |                                                                  |
  | andere -- andre                                                  |
  | Bajonetten -- Bajonnetten                                        |
  | Bankette -- Bankets                                              |
  | besondern -- besonderen                                          |
  | blos -- blo                                                     |
  | Certifikat -- Certificat                                         |
  | Character -- Charakter                                           |
  | Complot -- Complotte                                             |
  | Congre -- Kongre                                               |
  | Domainen -- Domnen                                              |
  | Dunkeln -- Dunklen                                               |
  | eigne -- eigene                                                  |
  | Empfangzimmer -- Empfangszimmer                                  |
  | geborne -- geborene                                              |
  | goldne -- goldenen                                               |
  | ins -- in's                                                      |
  | Kapitaine -- Kapitne                                            |
  | Leinster'schen -- Leinsterschen                                  |
  | Revenuen -- Revenen                                             |
  | Secten -- Sekten                                                 |
  | tapfrer -- tapferer                                              |
  | trockene -- trockne                                              |
  | Uebermaa -- Ueberma                                            |
  | unsere -- unsre                                                  |
  | verlorene -- verlorne                                            |
  | Vermittelung -- Vermittlung                                      |
  | Werks -- Werkes                                                  |
  | Wrtemberg -- Wrttemberg                                        |
  |                                                                  |
  | Die folgenden Korrekturen wurden vorgenommen:                    |
  |                                                                  |
  | p. XVII.iii Russel in Russell gendert.                      |
  | p. XVII.iv  dersertiren in desertiren gendert.              |
  | p. XVII.12  Staassekretre in Staatssekretre gendert.      |
  | p. XVII.18  geringugige in geringfgige gendert            |
  |             (Funote 17).                                        |
  | p. XVII.18  fnwiderbringlich in unwiederbringlich gendert   |
  |             (Funote 17).                                        |
  | p. XVII.20  urspngliches in ursprngliches gendert         |
  |             (Funote 25).                                        |
  | p. XVII.21  Sedrach in Schadrach gendert                    |
  |             (bersetzungsfehler).                                |
  | p. XVII.36  Die߫ in Dies gendert.                           |
  | p. XVII.38  Xanthipp in Xanthippe gendert (Funote 61).     |
  | p. XVII.38  Thimming in Trimming gendert (Funote 61).      |
  | p. XVII.41  Sir John Brake in Sir John Leake gendert        |
  |             (Funote 63).                                        |
  | p. XVII.48  St. Patrik in St. Patrick gendert.              |
  | p. XVII.52  irschen in irischen gendert.                    |
  | p. XVII.54  in Stich gelassenen in im Stich gelassenen       |
  |             gendert.                                            |
  | p. XVII.57  Salaminum in Salaminium gendert (Funote 91).   |
  | p. XVII.57  latis in latus gendert (Funote 91).            |
  | p. XVII.57  ad in ac gendert (Funote 91).                  |
  | p. XVII.58  ille in illi gendert (Funote 94).              |
  | p. XVII.59  Emmissre in Emissre gendert.                  |
  | p. XVII.59  Lihgt in Light gendert (Funote 97).            |
  | p. XVII.75  spud in apud gendert (Funote 130).             |
  | p. XVII.81  Galmey's in Galmoy's gendert.                   |
  | p. XVIII.3  Marborough's in Marlborough's gendert.          |
  | p. XVIII.5  Officier in Officer gendert (Funote 2).        |
  | p. XVIII.5  Kennox in Lennox gendert (Funote 2).           |
  | p. XVIII.7  gewesein in gewesen gendert.                    |
  | p. XVIII.10 ungeahntet in ungeahndet gendert.               |
  | p. XVIII.20 Olichargie in Oligarchie gendert.               |
  | p. XVIII.22 Majorit in Majoritt gendert.                  |
  | p. XVIII.24 beispillose in beispiellose gendert.            |
  | p. XVIII.25 Russel in Russell gendert.                      |
  | p. XVIII.43 ermittteln in ermitteln gendert.                |
  | p. XVIII.44 other's in others gendert (Funote 57).         |
  | p. XVIII.48 in die sich in die sich gendert.                |
  | p. XVIII.57 Philantropie in Philanthropie gendert.          |
  | p. XVIII.58 wit in mit gendert.                             |
  | p. XVIII.59 Mackian von Glenlo in Mackian von Glenco         |
  |             gendert (Funote 83).                               |
  | p. XVIII.60 nm in um gendert (Funote 85).                  |
  | p. XVIII.65 ermorderte in ermordete gendert.                |
  | p. XVIII.66 Mnesien in Moesien gendert (Funote 90).        |
  | p. XVIII.72 mssiges in miges gendert.                    |
  | p. XVIII.81 entscheidensten in entscheidendsten gendert.    |
  | p. XVIII.84 Sechszehn in Sechzehn gendert.                  |
  | p. XVIII.87 Revolation in Revolution gendert.               |
  | p. XVIII.88 faschen in falschen gendert.                    |
  |                                                                  |
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End of the Project Gutenberg EBook of Geschichte von England seit der
Thronbesteigung Jakob's des Zweiten., by Thomas Babington Macaulay

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     has agreed to donate royalties under this paragraph to the
     Project Gutenberg Literary Archive Foundation.  Royalty payments
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     prepare (or are legally required to prepare) your periodic tax
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electronic work or group of works on different terms than are set
forth in this agreement, you must obtain permission in writing from
both the Project Gutenberg Literary Archive Foundation and Michael
Hart, the owner of the Project Gutenberg-tm trademark.  Contact the
Foundation as set forth in Section 3 below.

1.F.

1.F.1.  Project Gutenberg volunteers and employees expend considerable
effort to identify, do copyright research on, transcribe and proofread
public domain works in creating the Project Gutenberg-tm
collection.  Despite these efforts, Project Gutenberg-tm electronic
works, and the medium on which they may be stored, may contain
"Defects," such as, but not limited to, incomplete, inaccurate or
corrupt data, transcription errors, a copyright or other intellectual
property infringement, a defective or damaged disk or other medium, a
computer virus, or computer codes that damage or cannot be read by
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1.F.2.  LIMITED WARRANTY, DISCLAIMER OF DAMAGES - Except for the "Right
of Replacement or Refund" described in paragraph 1.F.3, the Project
Gutenberg Literary Archive Foundation, the owner of the Project
Gutenberg-tm trademark, and any other party distributing a Project
Gutenberg-tm electronic work under this agreement, disclaim all
liability to you for damages, costs and expenses, including legal
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LIABILITY, BREACH OF WARRANTY OR BREACH OF CONTRACT EXCEPT THOSE
PROVIDED IN PARAGRAPH 1.F.3.  YOU AGREE THAT THE FOUNDATION, THE
TRADEMARK OWNER, AND ANY DISTRIBUTOR UNDER THIS AGREEMENT WILL NOT BE
LIABLE TO YOU FOR ACTUAL, DIRECT, INDIRECT, CONSEQUENTIAL, PUNITIVE OR
INCIDENTAL DAMAGES EVEN IF YOU GIVE NOTICE OF THE POSSIBILITY OF SUCH
DAMAGE.

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your written explanation.  The person or entity that provided you with
the defective work may elect to provide a replacement copy in lieu of a
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providing it to you may choose to give you a second opportunity to
receive the work electronically in lieu of a refund.  If the second copy
is also defective, you may demand a refund in writing without further
opportunities to fix the problem.

1.F.4.  Except for the limited right of replacement or refund set forth
in paragraph 1.F.3, this work is provided to you 'AS-IS' WITH NO OTHER
WARRANTIES OF ANY KIND, EXPRESS OR IMPLIED, INCLUDING BUT NOT LIMITED TO
WARRANTIES OF MERCHANTABILITY OR FITNESS FOR ANY PURPOSE.

1.F.5.  Some states do not allow disclaimers of certain implied
warranties or the exclusion or limitation of certain types of damages.
If any disclaimer or limitation set forth in this agreement violates the
law of the state applicable to this agreement, the agreement shall be
interpreted to make the maximum disclaimer or limitation permitted by
the applicable state law.  The invalidity or unenforceability of any
provision of this agreement shall not void the remaining provisions.

1.F.6.  INDEMNITY - You agree to indemnify and hold the Foundation, the
trademark owner, any agent or employee of the Foundation, anyone
providing copies of Project Gutenberg-tm electronic works in accordance
with this agreement, and any volunteers associated with the production,
promotion and distribution of Project Gutenberg-tm electronic works,
harmless from all liability, costs and expenses, including legal fees,
that arise directly or indirectly from any of the following which you do
or cause to occur: (a) distribution of this or any Project Gutenberg-tm
work, (b) alteration, modification, or additions or deletions to any
Project Gutenberg-tm work, and (c) any Defect you cause.


Section  2.  Information about the Mission of Project Gutenberg-tm

Project Gutenberg-tm is synonymous with the free distribution of
electronic works in formats readable by the widest variety of computers
including obsolete, old, middle-aged and new computers.  It exists
because of the efforts of hundreds of volunteers and donations from
people in all walks of life.

Volunteers and financial support to provide volunteers with the
assistance they need, are critical to reaching Project Gutenberg-tm's
goals and ensuring that the Project Gutenberg-tm collection will
remain freely available for generations to come.  In 2001, the Project
Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure
and permanent future for Project Gutenberg-tm and future generations.
To learn more about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation
and how your efforts and donations can help, see Sections 3 and 4
and the Foundation web page at http://www.pglaf.org.


Section 3.  Information about the Project Gutenberg Literary Archive
Foundation

The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit
501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the
state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal
Revenue Service.  The Foundation's EIN or federal tax identification
number is 64-6221541.  Its 501(c)(3) letter is posted at
http://pglaf.org/fundraising.  Contributions to the Project Gutenberg
Literary Archive Foundation are tax deductible to the full extent
permitted by U.S. federal laws and your state's laws.

The Foundation's principal office is located at 4557 Melan Dr. S.
Fairbanks, AK, 99712., but its volunteers and employees are scattered
throughout numerous locations.  Its business office is located at
809 North 1500 West, Salt Lake City, UT 84116, (801) 596-1887, email
business@pglaf.org.  Email contact links and up to date contact
information can be found at the Foundation's web site and official
page at http://pglaf.org

For additional contact information:
     Dr. Gregory B. Newby
     Chief Executive and Director
     gbnewby@pglaf.org


Section 4.  Information about Donations to the Project Gutenberg
Literary Archive Foundation

Project Gutenberg-tm depends upon and cannot survive without wide
spread public support and donations to carry out its mission of
increasing the number of public domain and licensed works that can be
freely distributed in machine readable form accessible by the widest
array of equipment including outdated equipment.  Many small donations
($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt
status with the IRS.

The Foundation is committed to complying with the laws regulating
charities and charitable donations in all 50 states of the United
States.  Compliance requirements are not uniform and it takes a
considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up
with these requirements.  We do not solicit donations in locations
where we have not received written confirmation of compliance.  To
SEND DONATIONS or determine the status of compliance for any
particular state visit http://pglaf.org

While we cannot and do not solicit contributions from states where we
have not met the solicitation requirements, we know of no prohibition
against accepting unsolicited donations from donors in such states who
approach us with offers to donate.

International donations are gratefully accepted, but we cannot make
any statements concerning tax treatment of donations received from
outside the United States.  U.S. laws alone swamp our small staff.

Please check the Project Gutenberg Web pages for current donation
methods and addresses.  Donations are accepted in a number of other
ways including checks, online payments and credit card donations.
To donate, please visit: http://pglaf.org/donate


Section 5.  General Information About Project Gutenberg-tm electronic
works.

Professor Michael S. Hart is the originator of the Project Gutenberg-tm
concept of a library of electronic works that could be freely shared
with anyone.  For thirty years, he produced and distributed Project
Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of volunteer support.


Project Gutenberg-tm eBooks are often created from several printed
editions, all of which are confirmed as Public Domain in the U.S.
unless a copyright notice is included.  Thus, we do not necessarily
keep eBooks in compliance with any particular paper edition.


Most people start at our Web site which has the main PG search facility:

     http://www.gutenberg.org

This Web site includes information about Project Gutenberg-tm,
including how to make donations to the Project Gutenberg Literary
Archive Foundation, how to help produce our new eBooks, and how to
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