The Project Gutenberg EBook of Geschichte des Prinzen Biribinker, by 
Christoph Martin Wieland

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Title: Geschichte des Prinzen Biribinker

Author: Christoph Martin Wieland

Contributor: Carl Schddekopf

Release Date: August 13, 2014 [EBook #46580]

Language: German

Character set encoding: ISO-8859-1

*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK GESCHICHTE DES PRINZEN BIRIBINKER ***




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                      Hinweise zur Transkription
                      ##########################

Der vorliegende Text wurde anhand der 1904 erschienenen Ausgabe nahezu
originalgetreu wiedergegeben. Rechtschreibung und Zeichensetzung
entsprechen den damaligen Gepflogenheiten und wurden durchgngig
beibehalten. Dies gilt ebenfalls fr unterschiedliche Schreibweisen,
selbst wenn dadurch Inkonsistenzen entstehen.

Die Buchausgabe wurde in Frakturschrift gesetzt; zur Heraushebung
einiger Passagen in der Einleitung wurde Antiqua-Schrift verwendet.
Im vorliegenden Text wurden diese Stellen zwischen Unterstriche
(_) gesetzt. Insbesondere Eigennamen wurden gesperrt dargestellt,
allerdings nicht konsequent durchgngig; dies wurde hier beibehalten.
Die betreffenden Textstellen stehen zwischen Schrgstrichen (/).

[oe] steht fr die oe-Ligatur. Im Originaltext findet sich ein
Begriff in griechischer Sprache; die entsprechende Transkription in
lateinische Buchstaben wurde mit "[griech.: ...]" gekennzeichnet. Rein
franzsischsprachige Zitate sind mit "Guillemets" ( ) umgeben.

Gegenber dem Originaltext vorgenommene Korrekturen:

    # S. V: fehlender Satzpunkt wurde eingefgt.
    # S. 12: "Histiorie" --> "Historie"




                                Wieland

                   Geschichte des Prinzen Biribinker

                           Kulturhistorische
                          Liebhaberbibliothek
                                Band 11




                              Geschichte
                        des Prinzen Biribinker

                                  von

                                Wieland

                     Herausgegeben und eingeleitet
                                  von
                        _Dr._ Carl Schddekopf

                            Dritte Auflage.

                            [Illustration]

                          Berlin und Leipzig
                     Magazin-Verlag Jacques Hegner
                                 1904




                 Alle Rechte vom Verleger vorbehalten

                  Roberg'sche Buchdruckerei, Leipzig




Einleitung.


"Wieland als Konvertit" ist eins der merkwrdigsten Probleme unsrer
vorklassischen Literatur, die an intimen persnlichen Bekenntnissen
nicht eben reich ist. Wie sich der junge, weltfremde Gelehrte aus einem
schwrmerischen Heiligen zum frivolen Sptter wandelt, wie er am Schlu
seines Schweizer Aufenthalts aus den seraphischen Sphren Bodmers
zur Erde herabsteigt und in Biberach Freunde wie Feinde durch die
radikalsten Zeugnisse seiner Umkehr in Staunen setzt, ist sicherlich
eins der interessantesten Kapitel in der noch zu schreibenden
Biographie des Dichters. Derselbe Wieland, der noch am 27. August
1758 in einem ausfhrlichen ungedruckten Briefe an den Braunschweiger
Professor Ebert schrieb: "Ein _bel-Esprit_ ist allemal auch ein Glied
der menschlichen Gesellschaft; und ich schtze ihn nur alsdann, wenn
er als _bel-Esprit_ der Gesellschaft ntzlich ist. Der Mibrauch des
Genie und der Knste hat mich schon lange uerst gekrnkt, und es
war ein _creve-c[oe]ur_ fr mich, Deutschland mit tndelnden Poesien
und lppischen Nachahmungen des Anakreon, und dergleichen berhuft zu
sehen. -- Ich konnte nicht kaltsinnig von Leuten sprechen, die ich als
Verfhrer der Jugend und Verderber des chten Geschmaks einer gantzen
Nation ansehen mute" -- derselbe unduldsame Gegner der Anakreontik
hatte, als er diesen Brief schrieb, auf den meisten Punkten bereits den
Rckzug angetreten. Schon damals spielte er gern mit seinen Meinungen,
wie Goethe spter von ihm sagte; denn um dieselbe Zeit bedauert er
seine bertriebenen Angriffe auf Uz und Genossen, empfiehlt als
krftiges Gegenmittel gegen die platonische Schwrmerei den Plutarch
und Don Quixote und entwirft den Plan zu einem satirischen Roman nach
Lucian. Das wichtigste literarische Dokument fr diesen psychologischen
Proze in Wieland ist aber das Feenmrchen, das wir der in jngster
Zeit sich wieder mehrenden Zahl von Freunden des Dichters hier in einem
Neudruck vorlegen.

Die "Geschichte des Prinzen Biribinker" ist ursprnglich nicht
separat erschienen, sondern sie ist eine freilich nur lose eingefgte
Innenerzhlung des ersten groen Wielandschen Romans, der unter dem
Titel "Der Sieg der Natur ber die Schwrmerey, oder die Abentheuer
des Don Sylvio von Roselva, Eine Geschichte, worinn alles Wunderbare
natrlich zugeht", im Jahre 1764 zu Ulm erschien. Da dieser Don Sylvio
eine direkte Nachahmung des Don Quixote ist, hat der Dichter selbst
spter besttigt; wie Cervantes seinen Helden durch die Ritterromane,
so lt Wieland den Don Sylvio auf dem einsamen Schlo seiner Tante,
der Donna Mencia, durch die Lektre der Feenmrchen den Sinn fr die
Wirklichkeit verlieren und mit seinem Diener Pedrillo, dem Pendant
zum Sancho Pansa, eine Reihe ertrumter Abenteuer bestehen, bis er
durch die Liebe zu Donna Felicia und die Bemhungen seines Freundes
Don Gabriel von seiner Schwrmerei geheilt wird. Ein Radikalmittel des
letzteren ist die Geschichte des Prinzen Biribinker, die er an einem
schnen Sommerabend in der Laube des Gartens von Schlo Lirias der
Gesellschaft, die bereits auf das abenteuerlichste vorbereitet ist,
erzhlt, um dadurch eine Probe zu machen, "wie weit das Vorurtheil und
die Einbildung bei unserm Helden gehe". Es gelingt ihm in der Tat, den
Don Sylvio zunchst unter Berufung auf seine Quelle, den glaubwrdigen
Geschichtsschreiber Palphatus, zu tuschen und spter durch die
Enthllung, da die ganze Geschichte von seiner eignen Erfindung sei,
zu beschmen und von seinem Glauben an das bernatrliche zu heilen.

Ein literarisches Symbol fr die menschliche Selbstbefreiung, die
der Dichter in den letzten Jahren selbst durchgemacht hatte! Wie Don
Sylvio von seiner Schwrmerei fr das Wunderbare durch Don Gabriel
und Donna Felicia geheilt wird, so befreite sich Wieland in Biberach
durch den Verkehr mit dem Grafen Stadion und Sophie la Roche von seiner
platonischen Schwrmerei; auch bei ihm siegte die Natur!

Um den Don Sylvio zu kurieren, whlt Don Gabriel das wirksamste Mittel:
er sucht den ganzen Feenspuk durch Verspottung _ad absurdum_ zu fhren.
Diese Karrikatur ist bis zum Schlu folgerichtig durchgefhrt, und
ich kann Scherers Ansicht, da Wieland die Feenmrchen verspotte, "um
selbst den Eingang in ihre Zaubergrten zu erlangen" -- ein Vorgang
also, wie wir ihn etwa bei Hauffs Satire gegen Clauren beobachten --
wenigstens fr diese Zeit nicht teilen. Wielands sptere romantische
Dichtungen beruhen auf ganz anderen literarischen Voraussetzungen, wie
der Don Sylvio.

Aus dieser Tendenz des Romans und der kleinen Innenerzhlung ergibt
sich schon mit Notwendigkeit, da der Dichter die zu parodierenden
Feenmrchen selbst heranziehen und benutzen mute. Denn darin besteht
der Hauptreiz jeder Karrikatur, da sie die vorhandene Vorlage
bertrumpft und berbietet. In der Tat ist denn auch die Geschichte
des Prinzen Biribinker ein Meisterstck der Entlehnungskunst, die
bei Wieland berhaupt so virtuos ausgebildet ist. Durch mehrere
Untersuchungen von Mayer (Vierteljahrschrift fr Litteraturgeschichte
5, 374), Tropsch (Zeitschrift fr vergleichende Litteraturgeschichte,
Neue Folge, 12, 454 und Euphorion, Ergnzungsheft 4, 32), Martens
(Untersuchungen ber Wielands Don Sylvio, Halle 1901) und Steinberger
(Lucians Einflu auf Wieland, Gttingen 1902) ist in den letzten
Jahren die Quellenfrage geklrt und der Einflu, den neben Cervantes
die franzsischen Feenmrchen und Lucian auf den Don Sylvio im
allgemeinen und speziell auf den Biribinker ausgebt haben, zur
Genge nachgewiesen. Die meisten Namen (wie Padmanaba, Caramussal,
Caraculiamborix) und eine Flle von Motiven und Situationen lassen
sich auf die genannten Vorbilder zurckfhren. Das literarhistorische
Interesse an diesen Entlehnungen wrde allein gengen, um der kleinen
Erzhlung dauernden Wert zu verleihen.

Aber auch was Wieland Eigenes hinzugefgt hat, ist wichtig. Ich meine
nicht sowohl die Fhrung der Erzhlung, die witzige Verspottung der
unsinnigen Abenteuer des Helden, die in der Tragik seines Namens
"Biribinker" und in dessen Umwandlung in "Cacamiello" gipfelt, sondern
die virtuose Art, mit der die Moral gleicherweise auf den Kopf gestellt
wird wie die physischen Gesetze. Eine so beiende und doch grazise
Unterhaltung ber die weibliche Tugend, wie sie die schne Mirabella
mit dem Helden unsrer Erzhlung fhrt, war in der deutschen Literatur
etwas bis dahin Unerhrtes; und es ist kein Wunder, da Wielands
Freundin Julie v. Bondeli sie ihm verdachte. Seinen Zweck, _de
turlupiner certaines femmes, qui osent prtendre au sentiment et ne
sont au font que des espces mprisables_, wie er am 16. Juli 1764
an sie schreibt, hat er zweifelsohne ebenso erreicht, wie Hogarth mit
seinen Zeichnungen, auf die er sich beruft.

Die "Geschichte des Prinzen Biribinker" ist endlich deswegen von
besonderem Interesse, weil sie Reste eines lteren Planes zu einem
verlorenen Roman Wielands herbernimmt, der eine Nachahmung von
Lucians [Greek: Aleths Historia] werden sollte. Wieland schreibt
darber am 20. Mrz 1759 an J. G. Zimmermann (Ausgewhlte Briefe
I, 345): "So bald Sie verlangen, so will ich Ihnen das erste Buch
von Lucian des Jngern wahrhafter Geschichte zusenden. Es ist ein
Manuscript, dessen Verfasser der Welt ein Geheimni bleiben mu. _Il y
va presque de la tte._" Am 27. Mrz heit es vom ersten Buch dieser
Geschichte: _il n'est pas encore assez poli, et le second livre n'est
pas achev_. Nheres geht aus Wielands Brief an Zimmermann vom 6.
April 1759 (Ausgewhlte Briefe I, 352) hervor, worin er schreibt:
_Si mon plan devoit tre excut, j'en donnerois III tomes, chacun
compos de plusieurs livres et chapitres. Le premier tome seroit le
plus extravagant. Le second livre de I. tome, qui fait celui que
je vous ai envoy, contient la description de deux Rpubliques, le
troisime celle d'un Etat d'Abeilles intelligentes, le quatrime celle
d'une nation, nomme Pagodes, dont le gouvernement, les m[oe]urs et
la religion sont tout ce qu'il y a de plus dtestable. Le cinquime
contiendra un voyage trs-singulier dans le ventre d'une Baleine, avec
les aventures merveilleuses et intressantes, qui arrivent  l'auteur
dans cette trange rgion._ Wieland bittet Zimmermann um sein Urteil,
indem er zugleich das erste Kapitel des Buchs bersendet; obwohl es
gnstig ausfiel und die Fortsetzung folgte (Ausgewhlte Briefe I,
361), hat Wieland doch spter das Manuskript vernichtet, infolge einer
abflligen Kritik, die seine Freundin Julie v. Bondeli ber derartige
Satiren fllte. Nur einiges davon ist spter in die Geschichte des
Prinzen Biribinker bergegangen, so der Bienenstaat (Seite 14 unseres
Neudruckes) und die Begebenheiten im Walfischbauch (Seite 93 ff.).

All diese Grnde rechtfertigen wohl zur Genge einen Neudruck
der witzigen kleinen Satire; es kommt hinzu, da sie als ein
abgeschlossenes Ganzes sich leicht aus dem Rahmen des umfangreichen
"Don Sylvio" herauslsen lt, wie schon der Umstand beweist, da
bereits der erste Verleger des Wielandschen Romans fnf Jahre nach
seinem Erscheinen eine besondere Ausgabe davon veranstaltete. Diesem
ersten seltenen Einzeldruck sind wir in der ueren Einkleidung,
bis auf Wiedergabe der Kopf- und Schluleisten gefolgt und haben
dementsprechend die Zwischenreden der handelnden Personen des Romans
fortfallen lassen; da dagegen dem Text selbst die erste Ausgabe von
1764 zugrunde zu legen sei, konnte nicht zweifelhaft sein. Schon
der Einzeldruck von 1769 zeigt einige wichtige Abweichungen (z. B.
"nicht einmal" fr "nur nicht" 14,5. 23,16, "wei" fr "weit" 4,4.
70,16. 83,16. 136,22), denen die spteren Ausgaben von 1772 und 1794
so viele sprachliche und stilistische Vernderungen hinzufgen,
da neben ihnen die erste Fassung stets ihre Geltung behaupten
wird. Weiter prtendirt unser Neudruck nichts. Sache der groen
historisch-kritischen Ausgabe, die von der Berliner Akademie der
Wissenschaften unter Bernhard Seufferts Leitung ins Leben gerufen
wird, mu es sein, die Vernderungen, die der Dichter whrend seiner
langen schriftstellerischen Ttigkeit an seinen Werken vornahm, zu
verzeichnen, damit endlich ein ber hundert Jahre alter Wunsch erfllt
werde, den Goethe 1795 in seiner Streitschrift: "Litterarischer
Sansculottismus" aussprach: aufmerksame Bibliothekare mchten eine
Sammlung aller Ausgaben von Wielands Werken veranstalten, damit ein
verstndiger fleiiger Literator aus den stufenweisen Korrekturen
dieses unermdet zum Bessern arbeitenden Schriftstellers die ganze
Lehre des Geschmacks entwickeln knne.

    Weimar, im Februar 1904.

        _Dr._ Carl Schddekopf.




[Illustration: Geschichte des Prinzen Biribinker]


Geschichte des Prinzen Biribinker.


[Illustration: I]

In einem Lande, dessen weder Strabo noch Martiniere Erwhnung thun,
lebte einst ein Knig, der den Geschichtschreibern so wenig zu
verdienen gab, da sie aus Rachbegierde mit einander einig wurden, so
gar seine Existenz bey der Nachwelt zweiffelhaft zu machen. Allein
alle ihre bohaften Bemhungen haben nicht verhindern knnen, da sich
nicht einige glaubwrdige Urkunden erhalten htten, in denen man alles
findet, was sich ungefehr von ihm sagen lie. Diesen Urkunden zufolge
war er eine gute Art von einem Knige, machte des Tages seine vier
Mahlzeiten, hatte einen guten Schlaf, und liebte Ruhe und Frieden so
sehr, da es bey hoher Strafe verboten war, die blossen Namen Degen,
Flinte, Canone und dergleichen in seiner Gegenwart zu nennen. Das
merkwrdigste an seiner Person, (sagen die bemeldten Urkunden) war
ein Wanst von einer so majesttischen Peripherie, da ihm die grsten
Monarchen seiner Zeit hierinn den Vorzug lassen muten. Ob ihm der
Beyname des Grossen, den er bey seinen Lebzeiten gefhrt haben soll,
um dieses nehmlichen Wanstes oder einer andern geheimen Ursache willen
gegeben worden, davon lt sich nichts gewisses sagen; so viel aber
ist ausgemacht, da in dem ganzen Umfange seines Reichs niemand war,
den dieser Beyname einen einzigen Tropfen Bluts gekostet htte. Wie es
darum zu thun war, da seine Majestt aus Liebe zu dero Vlkern und zu
Erhaltung der Thron-Folge in dero Familie, sich vermhlen sollte, so
hatte die Academie der Wissenschaften nicht wenig zu thun, vermittelst
der gegebenen Grsse des kniglichen Wanstes und einiger anderer
Verhltnisse die Figur derjenigen Princein zu bestimmen, welche man
wrdig halten konnte, die Hofnungen der Nation zu erfllen. Nach einer
langen Reyhe von academischen Sitzungen wurde endlich die verlangte
Figur, und durch eine grosse Menge von Gesandtschaften, die an alle
Hfe von Asien geschickt wurden, die Princein ausfindig gemacht,
die mit dem gegebenen Modell bereinstimmte. Die Freude ber ihre
Ankunft war ausserordentlich, und das Beylager wurde mit so grosser
Pracht vollzogen, da sich wenigstens fnfzig tausend Paare von den
kniglichen Unterthanen entschliessen muten ledig zu bleiben, um
seiner Majestt die Unkosten von dero Hochzeit bestreiten zu helfen.
Der Prsident der Academie, der, ungeachtet er der schlechteste
Geometer seiner Zeit war, sich alle Ehre der obgedachten Erfindung
beyzulegen gewut hatte, glaubte mit gutem Grunde, da nunmehr sein
ganzes Ansehen von der Fruchtbarkeit der Knigin abhange, und weil er
in der Experimental-Physik ungleich strker war, als in der Geometrie,
so fand er, man weit nicht was fr ein Mittel, die Berechnungen der
Academie zu verificiren. Kurz, die Knigin gebahr zu gehriger Zeit den
schnsten Prinzen, der jemals gesehen worden ist, und der Knig hatte
eine so grosse Freude darber, da er den Prsidenten auf der Stelle zu
seinem ersten Vezier ernannte.

Sobald der Prinz gebohren war, versammelte man zwanzig tausend junge
Mdchen von ungemeiner Schnheit, die man zum voraus aus allen
Enden des Reichs zusammen berufen hatte, um eine Sugamme fr ihn
auszuwhlen. Man mu gestehen, da unter allen diesen jungen Mdchen
nicht eine einzige Jungfer war; allein man glaubte, sie wrden sich
nur desto besser zu dem ehrenvollen Amte schicken, wozu man sie nthig
hatte, und wozu sich jede die meiste Hofnung machte, weil der erste
Leibartzt ausdrcklich verordnet hatte, da die Wahl auf die schnste
fallen sollte. Aus zwanzig tausend schnen die schnste auszuwhlen,
ist keine so leichte Commiion, als man denken mchte; auch hatte der
Leibartzt, ungeachtet er eine gute Brille auf der Nase sitzen hatte,
so viel Mhe, einen zureichenden Grund zu finden, warum er einer vor
der andern den Vorzug geben sollte, da bereits der dritte Tag sich zum
Ende neigte, ehe er es nur so weit gebracht hatte, die Kandidatinnen
von zwanzig tausend auf vier und zwanzig zu bringen. Allein, da doch
endlich eine Wahl getroffen werden mute, so war er eben im Begriff
unter den vier und zwanzig einer grossen Brunette den Vorzug zu geben,
weil sie unter allen den kleinsten Mund und die schnste Brust hatte,
Eigenschaften, die, wie er versicherte, /Galenus/ und /Avicenna/
schlechterdings von einer guten Amme fordern; als man unvermuthet eine
gewaltig grosse Biene nebst einer schwarzen Ziege ankommen sah, welche
vor die Knigin gelassen zu werden begehrten.

Frau Knigin, sprach die Biene, ich hre, sie brauchen eine Amme fr
ihren schnen Prinzen. Wenn sie das Vertrauen zu mir haben wollten,
mir vor diesen zweybeinigten Creaturen den Vorzug zu geben, so sollte
es sie gewi nicht gereuen. Ich will den Prinzen mit lauter Honig von
Pomeranzen-Blthen sugen, und sie sollen ihre Lust daran sehen, wie
gro und fett er dabey werden soll. Sein Athem soll so lieblich riechen
wie Jasmin, sein Speichel soll ssser seyn als Canarien-Sect, und seine
Windeln ----

Gestrenge Frau Knigin, fiel ihr die Ziege ins Wort, nehmen sie sich
vor dieser Biene in Acht, das will ich ihnen als eine gute Freundin
gerathen haben. Es ist wahr, wenn ihnen sehr viel daran gelegen ist,
da ihr junges Herrchen s werde, so taugt sie dazu besser als irgend
eine andere; aber es laurt, wie das Sprchwort sagt, eine Schlange
unter den Blumen. Sie wird ihn mit einem Stachel begaben, der ihm
unendlich viel Unglck zuziehen wird. Ich bin nur eine schlechte Ziege;
aber ich schwre eurer Majestt bey meinem Bart, meine Milch wird ihm
weit besser zuschlagen als ihr Honig; und wenn er schon weder Nectar
noch Ambrosia machen wird, so versprech ich ihnen hingegen, da er der
tapferste, der weiseste und der glcklichste unter allen Prinzen seyn
soll, die jemals Ziegenmilch getrunken haben.

Jedermann verwunderte sich, da man die Ziege und die dicke Biene so
reden hrte. Allein die Knigin merkte gleich, da es zwo /Feen/ seyn
mten, und dieses machte sie eine ziemliche Weile unschlig, was sie
thun sollte. Endlich erklrte sie sich fr die Biene; denn weil sie
ein wenig geitzig war, so dachte sie: Wenn die Biene ihr Wort hlt, so
wird der Prinz allenthalben so viel Sigkeiten von sich geben, da
man das Confect fr die Tafel wird ersparen knnen. Die Ziege schien
es sehr bel zu nehmen, da sie abgewiesen wurde: sie meckerte dreymal
etwas unverstndliches in ihren Bart hinein, und siehe! da erschien ein
prchtig lackirter und vergoldeter Wagen von acht Phnixen gezogen; die
schwarze Ziege verschwand in dem nehmlichen Augenblick, und an ihrer
statt sahe man ein kleines altes Weibchen in dem Wagen sitzen, die mit
vielen Drohungen gegen die Knigin und den jungen Prinzen, durch die
Luft davon fuhr. Der Leib-Medicus war ber eine so seltsame Wahl nicht
weniger mivergngt, und wollte der Brunette mit dem schnen Busen den
Antrag machen, ob sie nicht Lust htte, die Stelle einer Haumeisterin
bey ihm einzunehmen; allein zum Unglck kam er schon zu spt, und mute
sichs gefallen lassen mit einer von den brigen neunzehn tausend, neun
hundert und sechs und siebenzig vorlieb zu nehmen; denn die vier und
zwanzig waren alle schon bestellt.

Inzwischen machten die Drohungen der schwarzen Ziege dem Knige
so bang, da er noch an dem nehmlichen Abend seinen Staats-Rath
versammlete, um sich zu berathen, was bey so gefhrlichen Umstnden
zu thun seyn mchte; denn weil er gewohnt war, sich alle Nacht mit
Mhrchen einschlfern zu lassen, so wute er wohl, da die Feen nicht
fr die Langeweile zu drohen pflegen. Nachdem nun die weisen Mnner
alle bey einander waren, und ein jeder seine Meynung gesagt hatte, so
befand sichs, da sechs und dreyig Rthe in grossen viereckichten
Percken, nicht weniger als sechs und dreyig Vorschlge gethan hatten,
wovon an jedem wenigstens sechs und dreyig Schwierigkeiten ausgesetzt
wurden; man stritt in mehr als sechs und dreyig Seionen mit vieler
Lebhaftigkeit, und der Prinz wrde vermutlich mannbar geworden seyn,
ehe man eines Schlusses htte einig werden knnen, wenn nicht der
Favoritt Hof-Narre seiner Majestt den Einfall gehabt htte, da man
eine Gesandtschaft an den grossen Zauberer /Caramussal/ schicken
sollte, der auf der Spitze des Berges Atlas wohnte, und von allen
Orten her wie ein Orackel um Rath gefragt wurde. Weil nun der Hofnarr
das Herz des Knigs hatte, und in der That fr den feinsten Kopf des
ganzen Hofes gehalten wurde, so fiel ihm jedermann bey, und in wenig
Tagen wurde eine Gesandtschaft abgeschickt, welche, die Taggelder zu
ersparen, mit so grosser Geschwindigkeit reiseten, da sie in drey
Monaten auf der Spitze des Berges Atlas anlangten, ob er gleich bey
nahe zwey hundert Meilen von der Hauptstadt entfernt war.

Sie wurden so gleich vor den grossen /Caramussal/ gelassen, der in
einem prchtigen Saal auf einem Throne von Ebenholtz sitzend, den
ganzen Tag genug zu thun hatte, auf alle die wunderlichen Fragen
Antwort zu geben, die aus allen Theilen der Welt an ihn gebracht
wurden. Der erste Abgesandte, nachdem er sich den Bart gestrichen und
dreymal geruspert hatte, fnete eben einen ziemlich grossen Mund
um eine schne Anrede herzusagen, die ihm sein Secretair aufgesetzt
hatte, als ihn /Caramussal/ unterbrach; Herr Abgesandter, sagte
er, ich schenke ihnen ihre Rede, ob ich es ihnen gleich an ihrer
Physionomie ansehe, da sie sehr hbsch gelautet haben wrde; ich habe
selbst den ganzen Tag so viel zu reden, da mir keine Zeit zum hren
brig bleibt; und zu dem, so wei ich schon voraus, was sie bey mir
anzubringen haben. Sagen sie dem Knig, ihrem Herrn, er habe sich an
der Fee /Caprosine/ eine mchtige Feindin gemacht; indessen sey es
doch nicht unmglich, die Zuflle, so sie dem Prinzen angedroht habe,
auszuweichen, wenn man die gehrige Vorsicht gebrauche, da er vor
seinem achtzehnten Jahre kein /Milchmdchen/ zu sehen bekomme. Weil es
aber, aller Vorsicht ungeachtet, eine sehr schwere, wo nicht unmgliche
Sache ist, seinem Schicksal zu entgehen, so seye mein Rath, da man,
um auf alle Flle gefat zu seyn, dem Prinzen den Namen /Biribinker/
gebe, dessen geheime Krfte allein mchtig genug sind, ihn aus allen
den Abentheuern, die ihm zustossen knnten, glcklich heraus zu fhren.
Mit diesem Bescheid entlie /Caramussal/ die Gesandtschaft, welche nach
Verflu abermaliger drey Monate, unter allgemeinem Zujauchzen des Volks
wieder in der Hauptstadt ihres Landes anlangte.

Der Knig fand die Antwort des grossen /Caramussal/ so ungereimt,
da er grosse Lust hatte, darber bse zu werden. Bey meinem Bauch,
rief er, (denn das war sein grosser Schwur) ich glaube, der grosse
Caramussal hat seinen Spa mit uns -- /Biribinker/! was fr ein
verfluchter Name das ist! Hat man auch jemals gehrt, da ein Prinz
/Biribinker/ geheissen htte? Ich mchte doch wohl wissen, was fr eine
geheime Kraft in diesem nrrischen Namen stecken soll? Und wenn ich die
Wahrheit sagen soll, das Verbot, ihm vor seinem achtzehnten Jahre kein
Milchmdchen sehen zu lassen, ducht mich nicht viel gescheidter. Warum
dann gerade kein Milchmdchen? Und seit wenn sind die Milchmdchen
gefhrlicher als andere Mdchen? Wenn er noch gesagt htte, keine
Tnzerin oder kein Kammerfrulein von der Knigin, das wollt ich noch
gelten lassen; denn, unter uns, ich wollte nicht gut dafr seyn, da
ich nicht selbst gelegenheitlich eine kleine Anfechtung von dieser Art
bekommen knnte. Indessen, weil es der grosse /Caramussal/ nun einmal
so haben will, so mag der Prinz immerhin /Biribinker/ heissen; er
wird wenigstens der erste dieses Namens seyn, und das gibt einem doch
immer ein gewisses Ansehen in der Historie; und was die Milchmdchen
anbetrift, so will ich schon Anstalt machen, da auf fnfzig Meilen um
meine Residenz weder Kuh noch Ziege, Melk-Kbel noch Milchmdchen zu
finden seyn soll.

Der Knig, dessen geringste Sorge war die Folgen seiner
Entschliessungen vorher zu berlegen, war wrklich im Begriff ein Edict
dehalb ergehen zu lassen, als ihm sein Parlament durch eine zahlreiche
Deputation vorstellen lie, da es sehr hart, um nicht gar tyrannisch
zu sagen, heraus kommen wrde, wenn Sr. Majestt getreue Unterthanen
gezwungen werden sollten, den Caffee knftig ohne Milchrahm zu trinken;
und weil die vorlufige Nachricht von diesem Edict wrklich schon ein
grosses Murren unter dem Volk erregte: so muten sich Seine Majestt
endlich entschliessen, nach dem Beyspiele so vieler andern Knige in
den Feen-Geschichten, dero Cron-Prinzen unter der Aufsicht seiner Amme,
der Biene, von sich zu entfernen, und es ihrer Klugheit zu berlassen,
wie sie ihn vor den Nachstellungen der Fee /Caprosine/ und vor den
Milchmdchen sicher stellen wollte.

Die /Biene/ brachte also den kleinen Prinzen in einen grossen Wald,
der wenigstens zwey hundert Meilen im Umfang hatte, und so unbewohnt
war, da man in seinem ganzen Bezirk nur nicht einen Maulwurf gefunden
htte. Sie baute durch ihre Kunst einen unermelichen Bienenkorb von
rothem Marmor, und legte um denselben einen Park von Pomeranzen-Bumen
an, der sich ber fnf und zwanzig Meilen in die Lnge und Breite
erstreckte. Ein Schwarm von hundert tausend Bienen, deren Knigin sie
war, beschftigte sich fr den Prinzen und das Serail der Knigin Honig
zu machen, und damit man seinetwegen vollkommen sicher seyn knnte,
so wurden rings um den Wald alle fnf hundert Schritte Wespen-Nester
angelegt, welche Befehl hatten, die Grenzen aufs schrfste zu bewachen.

Indessen wuchs der Prinz heran, und bertraf durch seine Schnheit
und wunderbare Eigenschaften alles, was jemals gesehen worden ist. Er
spuckte lauter Syrup, er pite lauter Pomeranzen-Blth-Wasser, und
seine Windeln enthielten so kstliche Sachen, da sie von Zeit zu Zeit
der Knigin zugeschickt werden muten, damit sie an Gala-Tgen ihren
Nach-Tisch daraus verbessern konnte. So bald er zu reden anfieng,
lallte er Concetti und Epigrammata, und sein Witz wurde nach und nach
so stachlicht, da ihm keine Biene mehr gewachsen war, ob gleich die
dmmste im ganzen Korbe zum wenigsten so viel Witz hatte als einer von
den vierzigen der _Academie Francoise_.

Allein so bald er das siebenzehnte Jahr erreicht hatte, regte sich ein
gewisser Instinct bey ihm, der ihm sagte, da er nicht dazu gemacht
seye, sein Leben in einem Bienenkorbe zuzubringen. Die Fee /Melisotte/,
(so nannte sich seine Amme) wandte zwar alles an, ihn aufzumuntern
und zu zerstreuen; sie verschrieb ihm eine Anzahl sehr geschickter
Katzen, die ihm alle Abend ein Franzsisches Concert oder eine Opera
von /Lulli/ vormauen muten; er hatte ein Hndchen, das auf dem Seil
tanzte, und ein dutzend Papagayen und Elstern, die sonst nichts zu thun
hatten, als ihm Mhrchen zu erzhlen, und ihn mit ihren Einfllen zu
unterhalten; allein das wollte alles nichts helfen; /Biribinker/ sann
Tag und Nacht auf nichts anders, als wie er aus seiner Gefangenschaft
entwischen mchte. Die grste Schwierigkeit, die er dabey sah, waren
die verwnschten Wespen, die den Wald bewachten, und in der That kleine
Thierchen waren, die einen Herkules htten erschrecken knnen, denn sie
waren so gro wie junge Elephanten, und ihr Stachel hatte die Figur
und bey nahe auch die Grsse der Morgensterne, deren sich die alten
Schweitzer mit so gutem Erfolg zu Behauptung ihrer Freyheit zu bedienen
pflegten. Da er sich nun einsmals voller Verzweiflung ber seine
Gefangenschaft unter einen Baum geworfen hatte, nherte sich ihm eine
Hummel, die wie alle brigen mnnlichen Bewohner des Bienenstocks die
Grsse eines halb gewachsenen Bren hatte.

Prinz /Biribinker/, sagte die Hummel, wenn sie Langeweile haben,
so versichere ich sie, da es mir noch schlimmer geht: Die Fee
/Melisotte/, unsre Knigin, hat mir seit etlichen Wochen die Ehre
angethan, mich zu ihrem Liebling zu erkiesen; aber ich gestehe ihnen,
da ich der Last meines Amtes nicht gewachsen bin. Sie hat, unter uns
geredet, ber fnf tausend Hummeln in ihrem Serail, die gewi nicht
mig sind; ich wollte mich nicht beschweren, wenn sie mich den brigen
gleich hielte; aber, Sapperment! der Vorzug, den sie mir gibt, fngt
mir an beschwerlich zu fallen; ich sage ihnen, da es nicht lnger
auszustehen ist. Wenn sie wollten, Prinz, so wre es ihnen ein leichtes
sich selbst und mir die Freyheit zu verschaffen. -- Was ist denn zu
thun, fragte der Prinz? -- Ich bin nicht allezeit eine Hummel gewesen,
antwortete der mivergngte Liebling, und sie allein sind im Stande
mir meine erste Gestalt wieder zu geben. Setzen sie sich auf meinen
Rcken; es ist Abend, und die Knigin ist in ihrer Celle in Geschften
begriffen, die ihr keine Freyheit lassen, sich um etwas anders zu
bekmmern. Ich will mit ihnen davon fliegen; aber sie mssen mir
versprechen, da sie thun wollen, was ich von ihnen verlange. Der Prinz
versprach es ihm, er setzte sich ohne Bedenken auf, und die Hummel
flog so schnell mit ihm davon, da sie in sieben Minuten aus dem Walde
waren. Nunmehro, sprach die Hummel, sind sie in Sicherheit. Die Macht
des alten Zauberers /Padmanaba/, der mich in diese Umstnde gebracht
hat, erlaubt mir nicht weiter mit ihnen zu gehen; aber hren sie was
ich ihnen sagen werde. Wenn sie auf diesem Wege linker Hand fortgehen,
so werden sie endlich in eine grosse Ebene kommen, wo sie eine Heerde
himmelblauer Ziegen sehen werden, die um eine kleine Htte herum
weiden. Nehmen sie sich ja in acht, da sie nicht in die Htte hinein
gehen, oder sie sind verlohren. Halten sie sich immer linker Hand, und
gehen sie fort, bis sie endlich zu einem verfallenen Pallast kommen,
dessen noch brige Pracht ihnen beweisen wird, was er ehmals gewesen
ist. Sie werden durch etliche Hfe an eine grosse Treppe von weissem
Marmor kommen, welche sie in einen langen Gang fhren wird, wo sie zu
beyden Seiten eine Menge prchtiger und hell erleuchteter Zimmer finden
werden. Gehen sie ja in keines derselben hinein, sonst schliet es sich
augenblicklich von selbst wieder zu, und keine menschliche Gewalt kan
sie wieder heraus bringen. Sie werden aber eines davon verschlossen
finden, und dieses wird sich fnen, so bald sie den Namen /Biribinker/
aussprechen. In diesem Zimmer bringen sie die Nacht zu, das ist alles,
was ich von ihnen verlange. Glckliche Reise, gndiger Herr, und wenn
sie sich bey meinem Rath wohl befinden, so vergessen sie nicht, da ein
Dienst des andern werth ist.

Mit diesen Worten flog die Hummel davon, und lie den Prinzen in
keiner mittelmssigen Erstaunung ber alles, was sie ihm gesagt hatte.
Voller Ungedult nach den wundervollen Begebenheiten, die ihm bevor
stunden, gieng er die ganze Nacht durch, denn es war Mondschein und
mitten im Sommer. Des Morgens erblickte er die Wiese, die Htte und die
himmelblauen Ziegen. Er erinnerte sich des Verbots gar wohl, das die
Hummel ihm so nachdrcklich eingeschrft hatte; allein er fhlte beym
Anblick der Ziegen und der Htte eine Art von Anziehung, der er nicht
widerstehen konnte. Er gieng also in die Htte hinein, und fand niemand
darinn als ein junges Milchmdchen in einem schneeweissen Leibchen und
Unterrock, die im Begriff war etliche Ziegen zu melken, die an einer
diamantnen Krippe angebunden stunden. Der Melk-Kbel, den sie in ihrer
schnen Hand hatte, war aus einem einzigen Rubin gemacht, und statt
des Strohes war der Stall mit lauter Jasmin und Pomeranzen-Blthen
bestreut. Alles dieses war freylich bewundernswrdig genug, allein der
Prinz bemerkte es kaum, so sehr hatte ihn die Schnheit des jungen
Mdchens geblendet. In der That Venus in dem Augenblick, da sie von den
Zephyren ans Gestade von Paphos getragen wurde, oder die junge Hebe,
wenn sie halb aufgeschrzt den Gttern Nectar einschenkte, waren weder
schner noch reitzender als dieses Milchmdchen. Ihre Wangen beschmten
die frischesten Rosen, und die Perlenschnuren, womit ihre Arme und ihre
kleinen netten Fchen umwunden waren, schienen nur dazu zu dienen, die
blendende Weisse derselben zu erhhen. Nichts konnte zierlicher und
reitzender seyn als ihre Gesichts-Zge und ihr Lcheln, ber ihr ganzes
Wesen war ein Ausdruck von Zrtlichkeit und Unschuld ausgebreitet,
und ihre kleinsten Bewegungen hatten diesen namenlosen Reitz, dem die
Herzen beym ersten Anblick entgegen fliegen. Diese bezaubernde Person
schien auf eine eben so angenehme Art ber den Prinzen /Biribinker/
betroffen, als er ber sie; halb unschlig, ob sie bleiben oder
fliehen wollte, blieb sie stehen, und betrachtete ihn mit einem
verschmten Blicke, worinne Schchternheit und Vergngen sich zu
vermischen schienen. Ja, ja, rief sie endlich aus, indem sich der Prinz
zu ihren Fssen warf, er ist es, er ist es! -- Wie? rief der entzckte
Prinz, der aus diesen Worten schlo, da sie ihn schon kenne, und da
er ihr nicht gleichgltig seye; ist der allzuglckliche /Biribinker/ --
Gtter! schrie das Milchmdchen, indem sie ganz bestrzt zurck bebte,
was fr einen verhaten Namen hre ich! wie sehr haben meine Augen
und mein voreiliges Herz mich betrogen! Fliehe, fliehe, unglckliche
/Galactine/ -- Mit diesen Worten floh sie wrklich so schnell aus der
Htte, als ob sie der Wind davon fhrete. Der bestrzte Prinz, der
den Abscheu nicht begreiffen konnte, den sie vor seinem Namen hatte,
lief ihr nach so schnell als er konnte; allein das Milchmdchen flog,
da ihre Fusolen kaum die Spitzen des Grases berhrten. Umsonst
beflgelten die Schnheiten, die ihr flatterndes Gewand in jedem
Augenblick entdeckte, die Begierden und die Fsse des nacheilenden
Prinzen; er verlohr sie in einem dichten Gebsche, wo er den ganzen Tag
hin und wieder lief, und jedem Rascheln oder Flstern, das er hrte,
nachgieng, ohne da er die mindeste Spur von ihr finden konnte.

Indessen war die Sonne untergegangen, und er befand sich unvermerkt
an der Pforte eines alten Schlosses, welches halb eingefallen schien.
Denn es ragten allenthalben Mauerstcke von Marmor und umgestrzte
Sulen von den kostbarsten Edelsteinen aus dem Gestruch hervor, und er
stie sich alle Augenblicke an Trmmern, wovon der schlechteste eine
Insel auf dem festen Lande werth war. Er merkte hieraus, da er bey dem
Pallast sey, wovon ihm sein guter Freund, die Hummel, gesagt hatte, und
hofte, (wie die verliebten hofnungsvolle Leute zu seyn pflegen) sein
holdseliges Milchmdchen vielleicht hier zu finden. Er arbeitete sich
durch drey Vorhfe durch, und kam endlich an die Treppe von weissem
Marmor. Zu beyden Seiten stund auf jeder Stuffe, deren zum wenigsten
sechzig waren, ein grosser geflgelter Lwe, der bey jedem Athemzug so
viel Feuer aus seinen Nalchern schnaubte, da es heller als bey Tag
davon wurde; aber es versengte ihm nur nicht ein Haar, und die Lwen
sahen ihn nicht so bald, so spannten sie ihre Flgel aus, und flohen
mit grossem Gebrll davon.

Der Prinz /Biribinker/ gieng also hinauf, und kam so gleich in eine
lange Galerie, wo er die ofnen Zimmer fand, wovor ihn die Hummel
gewarnt hatte. Ein jedes derselben fhrte in zwey oder drey andere,
und die Pracht, womit sie eingerichtet und ausgeschmckt waren,
bertraf alles, was sich seine Einbildungs-Kraft vorstellen konnte,
ungeachtet ihm die Feerey nichts neues war. Allein dieses mal nahm er
sich wohl in acht, seiner Neugier den Zgel zu lassen, und gieng so
lange fort, bis er an eine verschlossene Thre von Ebenholz kam, an
welcher ein goldener Schlssel steckte. Er versuchte lange vergeblich
ihn umzudrehen; aber so bald er den Namen /Biribinker/ ausgesprochen
hatte, sprang die Thre von sich selbst auf, und er befand sich in
einem grossen Saal, dessen Wnde ganz mit crystallenen Spiegeln
berzogen waren. Er wurde von einem diamantnen Cronleuchter erhellt,
an welchem in mehr als fnf hundert Lampen lauter Zimmet-Oel brannte.
In der Mitte stund ein ovaler Tisch von Elfenbein mit smaragdenen
Fssen, fr zwo Personen gedeckt, und zur Seiten zween Schenktische
von Lasur-Stein, die mit goldenen Tellern, Bechern, Trinkschaalen
und anderm Tisch-Gerthe versehen waren. Nachdem er alles, was
sich in diesem Saale seinen Augen darbot, eine gute Weile voller
Erstaunen betrachtet hatte, erblickte er eine Thre, durch die er in
verschiedene andere Zimmer kam, wovon immer eines das andere an Pracht
der Auszierung berglnzte. Er besah alles Stck vor Stck, und wute
nicht mehr, was er davon denken sollte. Die Zugnge zu diesem Pallast
hatten ihm ein zerstrtes Schlo angekndiget; das Innwendige schien
keinen Zweifel brig zu lassen, da es bewohnt sey; und doch sah und
hrte er keine lebendige Seele. Er durchgieng alle diese Zimmer noch
einmal, er suchte berall, und entdeckte endlich in dem letzten noch
eine kleine Thre in den Tapeten. Er fnete sie, und befand sich in
einem Cabinet, worinn die Feerey sich selbst bertroffen hatte. Ein
angenehmes Gemisch von Licht und Schatten erheiterte es, ohne da man
die Quelle dieser zauberischen Dmmerung entdecken konnte. Die Wnde
von polirtem schwarzem Granit stellten, wie eben so viele Spiegel,
verschiedene Scenen von der Geschichte des /Adonis/ und der /Venus/
mit einer Lebhaftigkeit vor, die der Natur gleich kam, ohne da man
errathen konnte, durch was fr eine Kunst diese lebende Bilder sich dem
Stein einverleibet hatten. Liebliche Gerche wie von Frhlingswinden
aus frisch aufblhenden Blumenstcken herbey geweht, erfllten das
ganze Gemach, ohne da man sah, woher sie kamen, und eine stille
Harmonie, wie von einem Concert, das aus tiefer Ferne gehrt wird,
umschlich eben so unsichtbar das bezauberte Ohr, und schmelzte das
Herz in zrtliche Sehnsucht. Ein wollstiges Ruhebett, von welchem ein
marmorner Liebes-Gott, der zu athmen schien, den wallenden Vorhang
halb hinweg zog, war das einzige Gerthe in diesem anmuthsvollen
Ort, und erweckte in dem Herzen unsers Prinzen ein geheimnivolles
Verlangen nach etwas, wovon er, so neu als er noch war, nur dunkle
Begriffe hatte, ob ihm gleich die Tapeten, die er sehr aufmerksam
und nicht ohne eine ssse Unruhe betrachtete, einiges Licht zu geben
anfiengen. In diesen Augenblicken stellte sich ihm das Bild des schnen
Milchmdchens mit einer neuen Lebhaftigkeit dar, und nachdem er eine
Menge vergeblicher Klagen ber ihren Verlust angestimmt hatte, fieng
er von neuem an zu suchen, bis er es mde wurde. Weil er nun diesesmal
nicht glcklicher war als vorher, so begab er sich wieder in das
Cabinet mit dem Ruhebette, zog seine Kleider aus, und war im Begriff
sich niederzulegen, als eines der unvermeidlichsten Bedrfnisse der
menschlichen Natur ihn nthigte, sich unter dem Bette umzusehen. Er
fand wrklich ein Gef von Crystall, an welchem noch Merkmale zu sehen
waren, da es vor Zeiten zu einem solchen Gebrauch gedient hatte. Der
Prinz fieng schon an es mit Pomeranzen-Blth-Wasser zu begiessen, als
er, o Wunder, das crystallene Gef verschwinden, und an dessen statt
-- eine junge Nymphe vor sich stehen sah, die so schn war, da es
unmglich htte scheinen sollen, so sehr ber sie zu erschrecken, als
der Prinz wrklich erschrack. Sie lachte ihn so freundlich an, als ob
sie einander schon lngst gekannt htten, und ehe er sich noch aus
seiner Bestrzung erhohlen konnte, sagte sie zu ihm: Willkommen Prinz
Biribinker! Lassen sie sichs nicht verdriessen einer jungen /Fee/
einen Dienst gethan zu haben, die ein barbarischer Eyferschtiger ber
zwey Jahrhunderte lang zu einem Werkzeug der niedrigsten Bedrfnisse
mibraucht hat. Reden sie aufrichtig, Prinz; finden sie nicht, da
mich die Natur zu einem edlern Gebrauch bestimmt hat? Sie sagte dieses
mit einem gewissen Blick, dessen Directions-Linie den bescheidenen
Biribinker in einige Verwirrung setzte. Er hatte, wie wir wissen, so
viel Witz als man haben kan, aber wir mssen hinzu setzen, eben so
viel Unbesonnenheit; er merkte, da er der Fee etwas verbindliches
sagen sollte; weil er aber gewohnt war, alles was er sprach, mit
einem gewissen Schwung zu sagen, so konnte all sein Witz dimal nicht
verhindern, da er nicht etwas sehr dummes sagte. Es ist ein Glck fr
sie, schnste Nymphe, antwortete er ihr, da ich die Absicht nicht
haben konnte, ihnen den seltsamen Dienst zu leisten, den ich ihnen
unwissender Weise geleistet habe; denn ich versichere sie, da ich
sonst allzuwohl gewut htte, was der Wohlstand ----

O! machen sie nicht so viel Complimente, erwiederte die Fee, in den
Umstnden, worinn sich unsere Bekanntschaft anfngt, sind sie sehr
berflig. Ich habe ihnen nichts geringers als mich selbst zu danken,
und da wir nicht lnger als diese Nacht beysammen bleiben werden,
so mte ich mir selbst Vorwrfe machen, wenn ich ihnen Anla gbe,
die Zeit mit Complimenten zu verderben. Ich wei, da sie der Ruhe
bedrftig sind; sie sind schon ausgekleidet, legen sie sich immer zu
Bette. Es ist zwar das einzige, das in diesen Gemchern ist, aber es
steht ein Sopha in dem grossen Saal, auf dem ich die Nacht ganz bequem
werde zubringen knnen.

Madame, versetzte der Prinz, ohne da er selbst recht wute, was er
sagte, ich wrde in diesem Augenblick -- der glcklichste unter allen
Sterblichen seyn, wenn ich nicht -- der unglcklichste wre. Ich mu
ihnen gestehen, ich finde was ich nicht gesucht habe, indem ich suchte,
was ich verlohren hatte, und wenn nicht der Schmerz, sie gefunden zu
haben, die Freude meines Verlusts -- Nein, die Freude, wollt ich sagen,
sie gefunden zu haben --

Je nun, wahrhaftig, fiel ihm die /Fee/ ins Wort, ich glaube sie
schwrmen! Was wollen sie mir mit allem dem Galimathias sagen? Kommen
sie, Prinz /Biribinker/, gestehen sie mir in guter Prosa, da sie in
ein Milchmdchen verliebt sind. ----

"Sie rathen so glcklich, sagte der Prinz, da ich ihnen gestehen mu.
----

O! daraus haben sie gar kein Bedenken zu machen, fuhr die /Fee/ fort;
und in ein Milchmdchen, das sie diesen Morgen in einer schlechten
Htte angetroffen haben, in einem Stall, was man sagen mchte. ----

"Aber, ich bitte sie, woher -- wie knnen sie ----

Und die auf einer Streu von Pomeranzen-Blthen im Begriff war eine
himmelblaue Ziege in einen Kbel von Rubin zu melken -- nicht wahr?

Wahrhaftig! rief der Prinz, fr eine Person, die vor einer
Viertelstunde (nehmen sie mirs nicht ungndig) noch -- ich will nicht
sagen was? war, wissen sie erstaunlich viel ----

"Und die davon lief, so bald sie den Namen /Biribinker/ hrte ----

Aber, ich bitte sie, Madame, woher knnen sie das alles wissen, da sie
doch, wie sie sagen, schon zwey hundert Jahre in dem sonderbaren Stande
gewesen sind, worinn ich die Ehre gehabt habe, sie so unverhoft kennen
zu lernen.

Nicht so unverhoft auf meiner Seite als sie sich einbilden, antwortete
die /Fee/; aber heissen sie ihre Neugierigkeit noch einen Augenblick
ruhen. Sie sind abgemattet, und haben den ganzen Tag nichts gegessen;
kommen sie mit mir in den Saal, es ist schon fr uns beyde gedeckt,
und ich hoffe, ihre Treue gegen ihr schnes Milchmdchen werde ihnen
doch erlauben, mir wenigstens bey Tische Gesellschaft zu leisten.
/Biribinker/ merkte den geheimen Verwei sehr wohl, der in diesen
Worten lag, er that aber nicht dergleichen, und begngte sich mit einem
tiefen Reverenz ihr in den Speisaal zu folgen.

So bald sie hinein gekommen waren, gieng die schne /Cristalline/, (so
hie die Fee) zum Camin, und bemchtigte sich eines kleinen Stabs von
Ebenholz, an dessen beyden Enden ein diamantner Talisman befestiget
war. Nun habe ich nichts weiter zu besorgen, sagte sie, setzen sie
sich, Prinz /Biribinker/; ich bin nun Meisterin von diesem Pallast und
von vierzig tausend elementarischen Geistern, die der grosse Zauberer,
der ihn vor fnf hundert Jahren erbaute, zum Dienst desselben bestimmt
hat.

Mit diesen Worten schlug sie dreymal an den Tisch, und in dreyen
Augenblicken sah /Biribinker/ mit Erstaunen, da er mit den
niedlichsten Speisen besetzt war, und da die Flaschen auf dem
Schenktisch sich von selbst mit Wein anfllten.

Ich wei, sagte die /Fee/ zum Prinzen, da sie nichts als Honig essen;
versuchen sie einmal von diesem hier, und sagen sie mir, ob sie jemals
dergleichen gekostet haben. Der Prinz a davon und schwur, da es
nichts geringers als das Ambrosia der Gtter seyn knne. Er wird, sagte
sie, aus den reinsten Dften der unverwelklichen Blumen bereitet, die
in den Grten der Sylphen blhen. Und was sagen sie zu diesem Wein,
fuhr sie fort, indem sie ihm eine volle Trinkschaale darbot? Ich
schwre ihnen, rief der entzckte Prinz, da die schne Ariadne dem
jungen Bachus keinen bessern eingeschenkt hat. Er wird, versetzte sie,
aus den Trauben gedruckt, die in den Grten der Sylphen wachsen, und
dem Gebrauch desselben haben diese schne Geister die unsterbliche
Jugend und Munterkeit zu danken, die in ihren Adern wallt.

Die /Fee/ sagte nichts davon, da dieser Nectar noch eine andere
Eigenschaft hatte, die der Prinz gar bald zu erfahren anfieng. Je mehr
er davon trank, je reitzender fand er seine schne Gesellschafterin.
Beym ersten Zug bemerkte er, da sie sehr schne blonde Haare hatte;
beym andern wurde er von der Schnheit ihrer Arme gerhrt, beym dritten
entdeckte er ein Grbchen in ihrem linken Backen, und beym vierten
entzckte ihn die Weisse und Flle eines gewissen Busens, der unter dem
Nebel eines dnnen Flors seinen Augen nachstellte. Ein so reitzender
Gegenstand und eine Trinkschaale, die sich immer wieder von sich selbst
anfllte, waren mehr als er nthig hatte, um seine Sinnen in ein ssses
Vergessen aller Milchmdchen der ganzen Welt einzuwiegen. Was sollen
wir sagen? /Biribinker/ war zu hflich, eine so schne Fee auf dem
Sopha schlafen zu lassen, und die schne Fee zu dankbar, als da sie
ihm in einem Hause, wo vierzig tausend Geister herum spuckten, ihre
Gesellschaft htte abschlagen knnen. Kurz, die Hflichkeit wurde auf
der einen, und die Dankbarkeit auf der andern Seite so weit getrieben,
als es mglich war, und /Biribinker/ bewie sich der guten Neigung
vollkommen wrdig, welche /Cristalline/ beym ersten Anblick von ihm
gefat hatte.

Die /Fee/ erwachte, wie die Geschichte sagt, zuerst, und konnte den
Uebelstand nicht ertragen, einen so ausserordentlichen Prinzen in
so guter Gesellschaft schlafen zu sehen. Prinz /Biribinker/, sagte
sie zu ihm, nachdem sie ihn, man weit nicht wie, erweckt hatte, ich
habe ihnen keine gemeine Verbindlichkeiten. Sie haben mich von der
unanstndigsten Bezauberung, die jemals ein Frauenzimmer erlitten hat,
befreyt; sie haben mich an meinem Eyferschtigen gerochen; nun ist nur
noch eins brig, und sie knnen sich auf die unbegrenzte Dankbarkeit
der Fee /Cristalline/ Rechnung machen.

Und was ist dann noch brig, fragte der Prinz, indem er sich die Augen
rieb?

So hren sie dann, antwortete die /Fee/. Dieser Pallast gehrte, wie
ich ihnen schon gesagt habe, einem Zauberer, dem seine Wissenschaft
eine fast unumschrnkte Macht ber alle Elemente gab. Allein seine
Macht ber die Herzen war desto eingeschrnkter. Zum Unglck war er,
trotz seinem hohen Alter und einem schneeweissen Bart, der ihm bis
an die Grtel herab hieng, eine der verliebtesten Seelen, die jemals
gewesen sind. Er verliebte sich in mich, und ob er gleich die Gabe
nicht hatte sich wieder lieben zu machen, so hatte er doch Macht
genug um gefrchtet zu werden. Bewundern sie die Wunderlichkeit des
Schicksals; ich versagte ihm mein Herz, welches zu gewinnen er sich
alle nur ersinnliche Mhe gab, und berlie ihm meine Person, die ihm
zu nichts ntze war. Vor langer Weile wurde er endlich eyferschtig,
aber so eyferschtig, da es nicht auszustehen war. Er hatte die
schnsten /Sylphen/ zu seiner Bedienung, und doch rgerte er sich
ber die unschuldigsten Freyheiten, die wir mit einander nahmen. Er
brauchte einen nur in meinem Zimmer oder auf meinem Sopha anzutreffen,
so war ich schon gewi, da ich ihn nicht wieder zu sehen bekam. Ich
verlangte von ihm, da er sich auf meine Tugend verlassen sollte, aber
auch diese schien dem Unglubigen keine hinlngliche Brgschaft gegen
ein Schicksal, das er so wohl zu verdienen sich bewut war. Kurz, er
schafte alle Sylphen ab, und nahm zu unsrer Bedienung lauter /Gnomen/
an, kleine migeschaffene Zwerge, bey deren blossen Anblick ich vor
Eckel htte ohnmchtig werden mgen. Allein wie die Gewohnheit endlich
alles ertrglich macht, so vershnte sie mich nach und nach mit der
Figur dieser Gnomen, und machte, da ich zuletzt possierlich fand, was
mir anfangs abscheulich vorgekommen war. Es war keiner unter allen, der
nicht etwas bermiges in seiner Bildung gehabt htte. Der eine hatte
einen Hcker wie ein Cameel, der andere eine Nase, die ihm bis ber den
Mund herab hieng, der dritte Ohren wie ein Faun, und ein Maul, das ihm
den Kopf in zwo Halbkugeln spaltete, der vierte einen ungeheuren Wanst;
kurz, eine Chinesische Einbildungskraft kan nichts abentheurlichers
erfinden, als die Gesichter und Figuren dieser Zwerge. Allein der alte
/Padmanaba/ hatte nicht bemerkt, da sich unter seinen Aufwrtern einer
befand, der in einem gewissen Sinn gefhrlicher war als der schnste
Sylphe von der Welt. Nicht, da er weniger hlich gewesen wre, als
die brigen; aber durch ein seltsames Spiel der Natur war bey ihm ein
Verdienst, was bey andern zu nichts diente als die Augen zu beleidigen.

Ich wei nicht, ob sie mich verstehen, Prinz /Biribinker/?

Nicht allzuwohl, versetzte der Prinz, aber erzhlen sie nur weiter,
vielleicht werden sie in der Folge deutlicher werden.

Es stund nicht lange an, fuhr die schne /Cristalline/ fort, so
hatte /Grigri/, (so hie der /Gnome/) Ursache zu glauben, da er mir
weniger mifalle als seine Gesellen. Was wollen sie? Man gerth auf
allerley Einflle, wenn man lange Weile hat, und /Grigri/ hatte eine
auerordentliche Gabe mivergngten Damen die Zeit zu vertreiben. Mit
einem Wort, er wute meine mige Stunden (und ich hatte ihrer in der
That sehr viele) auf eine so angenehme Art auszufllen, da man nicht
zufriedener seyn kan als ich war. /Padmanaba/ bemerkte endlich die
ungewohnte Frhlichkeit, die aus meinem Gesicht und aus meinem ganzen
Wesen hervor schimmerte. Er zweifelte nicht, da sie eine andere
Ursache haben mte als das Vergngen, so er selbst mir machte; aber er
konnte nicht errathen, was es fr eine seyn mchte. Zum Unglck war er
ein grosser Meister in derjenigen Art von Schlureden, die man Soriten
nennt. Er gerieth durch eine lange Kette von Schlssen endlich auf
eine Vermuthung, die ihm das ganze Geheimni aufzuschliessen schien.
Er beschlo uns zu beobachten, und nahm seine Zeit so wohl, da er
uns in eben diesem Cabinet bey einem Spiel berraschte, welches die
unerschpfliche Geschicklichkeit des kleinen /Grigri/ auerordentlich
interessant zu machen wute. Htten sie es geglaubt, mein Prinz, da
man ein so schlimmes Herz haben knnte, als der alte Zauberer bey
dieser Gelegenheit zeigte? An statt gromthig an meinem Vergngen
Antheil zu nehmen, erzrnte er sich darber, der Niedertrchtige! Er
htte sich immer erzrnen mgen, da er nicht /Grigri/ war, aber was
konnte unbilliger seyn als uns dewegen zu strafen?

In der That, sagte /Biribinker/, nichts unbilligers! denn wenn er nur
in einem einzigen Punct /Grigri/ gewesen wre, so bin ich gewi, da
sie ihm ungeachtet seines langen weissen Bartes den Vorzug vor einem
kleinen hlichen Zwergen gegeben htten. ----

Was sagen sie mir von einem kleinen hlichen Zwerg, erwiederte
/Cristalline/; ich versichere sie, in dem Augenblick, wovon wir reden,
war /Grigri/ ein /Adonis/ in meinen Augen. Aber hren sie nur, wie
es weiter gieng. Nachdem der Alte unsichtbarer Weise unsern Spielen
eine Weile zugesehen hatte, trat er endlich hervor und setzte uns in
einen Schrecken, der sich leichter einbilden als beschreiben lt. Er
schttete die ganze Wuth ber uns aus, in die ihn ein Anblick gesetzt
hatte, der seines Unvermgens zu spotten schien. Ich schme mich ihnen
die Complimente zu wiederhohlen, die er mir bey dieser Gelegenheit
machte. Kurz, (denn ich mu die Zeit sparen) er verwandelte mich -- sie
wissen wohl -- worein, und den armen /Grigri/ in eine Hummel. ----

In eine Hummel, rief /Biribinker/, das ist sonderbar; so ist vielleicht
Herr Grigri von meiner Bekanntschaft. ----

Mit der Bedingung, fuhr /Cristalline/ fort, da ich meine Gestalt
nicht eher wieder bekommen sollte, bis ich dem Prinzen /Biribinker/ --
verzeihen sie meiner Schamhaftigkeit, da ich den Umstand nicht nenne,
worinn ich zu erst das Vergngen hatte sie kennen zu lernen, und in der
That, ohne ihnen zu schmeicheln, so sehr zu ihrem Vortheil, da ich in
der ersten Bestrzung im Begriff war, sie fr den armen /Grigri/ selbst
zu halten.

Sie erweisen mir allzuviel Ehre, erwiederte /Biribinker/, und wenn ich
gewut htte, da ihr Herz fr einen so wrdigen Gegenstand eingenommen
wre ----

Ich bitte sie, sagte die /Fee/, gewhnen sie sich doch die unzeitigen
Complimente ab, die sie so gern zu machen pflegen; sie knnen nicht
glauben, wie gezwungen und wunderlich es ihnen lt. Ich sage ihnen,
da ich die beste Meynung von ihrer Bescheidenheit habe, und ich denke,
ich gebe ihnen eine sehr starke Probe davon, da ich mich so nahe bey
ihnen sicher glaube. Ich erinnere mich zwar nicht allzuwohl, wie es
zugegangen ist, da wir so vertraulich mit einander worden sind; denn
ich gestehe, da ich aus Vergngen ber unsere so lang gewnschte
Zusammenkunft ein paar Glser mehr getrunken als ich zu trinken pflege;
aber ich hoffe doch, sie werden sich in den Schranken ----

In der That, schne /Cristalline/, fiel ihr der Prinz ins Wort, ich
finde ihr Gedchtni so ausserordentlich als die Tugend, worauf sie
wollten, da der alte /Padmanaba/ sich verlassen sollte; aber sagen sie
mir doch, wenn sie es nicht auch vergessen haben, was wurde denn aus
der Hummel?

Sie erinnern mich eben recht daran, antwortete die /Fee/; der arme
/Grigri/! ich hatte ihn wrklich vergessen -- es ist mir leyd, aber
der grausame /Padmanaba/ hat seine Befreyung auf eine so ungereimte
Bedingung gesetzt, da ich nicht wei, wie ich es ihnen werde sagen
knnen ----

Und was kan denn das fr eine Bedingung seyn, fragte /Biribinker/?

Ich begreiffe nicht, antwortete /Cristalline/, was sie dem alten
Zauberer gethan haben knnen, da er sie in diese Hndel eingemischt
hat; denn das ist gewi, da damals, da alle diese Verwandlungen
vorgingen, ihre Aelter-Mutter noch nicht einmal gebohren war. Mit einem
Wort, /Grigri/ soll seine vorige Gestalt nicht wieder bekommen, bis
sie -- Nein! die Delicatesse meiner Empfindungen lt mir nicht zu, es
ihnen zu sagen, und ich begreiffe nicht, wie ich fhig seyn werde, mich
dazu zu verstehen; denn sie werden, denk ich, an der Rthe, womit der
blosse Gedanke daran mein Gesicht berzieht, schon errathen haben, was
es ist.

Ich will selbst gleich zu einem dreyfachen Hummel werden, rief
/Biribinker/, wenn ich errathe, was sie haben wollen; ich bitte sie,
machen sie nicht so viel Umschweiffe; es ist schon heller Tag, und ich
kan mich nicht aufhalten ----

Wie? sagte die /Fee/, wird ihnen die Zeit so lange bey mir? bin ich
nicht fhig, ihnen ein Milchmdchen nur fr etliche Stunden aus dem
Sinn zu bringen? Sie sollten mir wenigstens aus Eigennutz ein wenig den
Hof machen; denn ich kan mehr zu ihrem Glcke beytragen als sie sich
einbilden.

So sagen sie mir dann geschwind, was ich thun soll, erwiederte
/Biribinker/. ----

Wie ungedultig sie sind, rief die /Fee/! Wissen sie also, da der
arme /Grigri/ nicht eher wieder /Grigri/ werden soll, bis der Prinz
Biribinker -- Nun! so rathen sie doch -- Aber das versichere ich ihnen,
wenn es nicht um die Wiederherstellung eines alten guten Freundes zu
thun wre, ich knnte mich nimmermehr dazu verstehen, das Opfer der
Rache zu werden, welche /Padmanaba/ durch ihren -- Beystand an dem
armen /Grigri/ nehmen will.

Er will doch nicht, da ich ihnen das Leben nehmen soll, sagte der
Prinz?

Nun, das mu ich gestehen, antwortete /Cristalline/, da sie heute mit
einem ausserordentlich harten Kopf aufgewacht sind; glauben sie denn
nicht, da ein recht eingenommener Liebhaber seine Geliebte lieber
sterben als in eines andern Armen sehen wrde?

Ha, ha! Nun versteh ich sie endlich, Madame, sagte /Biribinker/ ganz
kaltsinnig; wahrhaftig! ihre Schamhaftigkeit htte nicht nthig gehabt
sich so viel Bedenken zu machen, die Sache gerade heraus zu sagen. Aber
erlauben sie mir ihrem Gedchtni ein wenig nachzuhelfen, und sie zu
erinnern, da, wenn es nur hieran lge, /Grigri/ schon lange enthummelt
seyn mte. Es sind noch nicht drey Stunden ----

Ich glaube, sie haben Zerstreuungen, unterbrach ihn die Fee! --
Indessen mssen sie wissen, da /Padmanaba/ sehr streng ber dem Recht
der Wiedervergeltung hlt, und da /Grigri/ nicht eher zu seiner ersten
Gestalt gelangen kan, bis sie ihm alle die Beleidigungen wieder geben,
welche der Zauberer von ihm empfangen zu haben glaubt.

O! Madame, rief der Prinz, indem er aus dem Ruhebette sprang, ich
bin des Herrn /Padmanaba/ gehorsamer Diener; aber wenn es nur auf
diesen kleinen Umstand ankommt, so werden sie unter den zehen
tausend /Gnomen/, die ihnen zu Diensten stehen, einen neuen /Grigri/
suchen mssen, um ihren graubartigen Gecken an seinem wunderthtigen
Nebenbuhler zu rchen (denn daran wird ihnen vermutlich mehr gelegen
seyn, als da ihr kleiner Zwerg seine vorige Schnheit wieder bekomme);
was mich betrift, so denke ich, sie sollten zufrieden seyn, da ich
ihnen die ihrige wieder gegeben. Ich sage das nicht, als ob ich mich
durch die Gtigkeiten, die sie fr mich gehabt haben, nicht berflig
fr einen Dienst belohnt halte, der mich so wenig gekostet hat; ich
wollte sie nur erinnern, da die Hauptsache doch immer in dem Umstande
liegt, da sie, an statt ein crystallener Nachttopf zu seyn, wieder
die Fee Cristalline sind, und da die Gewalt, die ihnen der Zauberstab
des alten /Padmanaba/ gibt, sie gar leicht wegen des Verlusts eines
einzigen sollte trsten knnen.

Ich hoffe doch nicht, versetzte /Cristalline/, da sie meine Sorge fr
den armen /Grigri/ einer eigenntzigen Absicht beymessen? Sie mten in
der That weder die Feinheit meiner Empfindungen, noch die Pflichten der
Freundschaft kennen, wenn sie nicht begreiffen knnten, da man sich
fr einen Freund beeyfern kan, ohne einen andern Bewegungs-Grund zu
haben, als das Beste dieses Freunds, und ich mte sie bedauren ----

O! Madame, erwiederte /Biribinker/, der sich indessen angekleidet
hatte, ich bin von der quintessenz-migen Feinheit ihrer Empfindungen
so berzeugt, als sie es nur verlangen knnen; aber sie sehen, wie
bequem dieser Morgen ist, meine Reise fortzusetzen. Seyn sie so gtig,
sie, deren Herz einer so uneigenntzigen Freundschaft fhig ist, und
entdecken mir, auf welchem Weg ich meine geliebte /Galactine/ wieder
finden kan: So will ich gegen alle und jede behaupten, da sie die
gromthigste, die uneigenntzigste, und wenn sie wollen, auch die
sprdeste unter allen Feen des Erdkreises sind.

Sie sollen befriediget werden, antwortete /Cristalline/; gehen sie,
und suchen ihr Milchmdchen, weil es doch ihr Schicksal so haben will;
ich htte vielleicht Ursache mit ihrer Auffhrung nicht allzu sehr
zufrieden zu seyn, aber ich sehe wohl, da man es mit ihnen nicht so
genau nehmen mu. Gehen sie, Prinz, sie werden im Hof ein Maulthier
antreffen, welches so lange mit ihnen davon trotten wird, bis sie ihre
/Galactine/ gefunden haben; und wofern ihnen wider Vermuthen etwas
unangenehmes zustossen sollte, so werden sie in dieser Erbsen-Schotte
ein unfehlbares Mittel dagegen finden.

Der Prinz /Biribinker/ steckte die Erbsen-Schotte zu sich, bedankte
sich gegen die Fee fr alle ihre Gtigkeiten, und stieg in den Hof
herab. Sehen sie hier, sagte /Cristalline/, die ihn begleitete,
sehen sie hier ein Maulthier, das vielleicht wenige seines gleichen
hat. Es stammt in gerader Linie von dem berhmten trojanischen Pferd
und der Eselin des Silenus ab. Von der vterlichen Seite hat es die
Eigenschaft, da es von Holz ist, und weder Futter noch Streue noch
Striegel nthig hat, und von der mtterlichen, da es einen beraus
sanften Trab geht, und so gedultig ist wie ein Schaaf. Steigen sie auf,
und lassen es gehen, wohin es will; es wird sie zu ihrem geliebten
Milchmdchen bringen, und wenn sie nicht so glcklich seyn werden als
sie wnschen, so wird die Schuld nur an ihnen selbst seyn.

Der Prinz besahe dieses ausserordentliche Thier von allen Seiten,
und hatte alle die Wunderdinge, die ihm in diesem Schlo begegnet
waren, nthig, um ihm so viel Gutes zuzutrauen, als ihm die Fee
nachgerhmt hatte. Indessen, da er aufstieg, wollte ihm /Cristalline/
noch eine Probe geben, da sie nicht zu viel von ihrer Macht gesagt
hatte. Sie schlug mit ihrem Stab dreymal in die Luft, und siehe! auf
einmal erschienen alle zehen tausend Sylphen, welche ihr der Stab des
/Padmanaba/ unterthnig machte; der Hof, die Treppe, die Galerie, und
sogar die Dcher und die Luft wimmelte von geflgelten Jnglingen,
wovon der geringste den vaticanischen Apollo an Schnheit bertraf.
Bey allen Feen, rief /Biribinker/, von diesem Anblick ausser sich
selbst gesetzt, was fr einen glnzenden Hof sie haben! Lassen sie
den kleinen /Grigri/ immer eine Hummel bleiben, Madame, und halten
sie sich an diese hier; es mte unglcklich seyn, wenn unter allen
diesen Liebes-Gttern keiner fhig seyn sollte, ihnen einen Gnomen zu
ersetzen, der ihrem eigenen Gestndni nach keinen andern Vorzug vor
seinen migeschaffnen Gesellen hatte, als da er auf eine kurzweiligere
Art ungestalt war. Sie sehen wenigstens, versetzte /Cristalline/,
da es mir nicht an Gesellschaft fehlt, die mich wegen ihrer
Unbestndigkeit trsten kan, wenn es mir jemals einfallen sollte, da
ich getrstet seyn wollte.

Mit diesen Worten wnschte sie ihm eine glckliche Reise, und
Biribinker trabte auf seinem hlzernen Maulthier davon, indem er allem
demjenigen nachdachte, was ihm in diesem wundervollen Schlosse begegnet
war.




Fortsetzung der Geschichte des Prinzen Biribinker.


Ich will dem Leser die manchfaltigen Betrachtungen erlassen, welche
/Biribinker/ unterwegs mit sich selbst anstellte, um ihm zu sagen,
da er gegen Mittag, da die Hitze unertrglich zu werden anfieng, an
dem Eingang eines Waldes abstieg, und sich an den Rand eines kleinen
Bachs setzte, der von Bumen und Gebschen umschattet war. Nicht lange
so erblickte er eine /Schferin/, die eine kleine Heerde rosenfarber
Ziegen vor sich her trieb, um sie an dem Bache zu trnken, wo
/Biribinker/ im Schatten lag.

Wie gro mute seine Entzckung seyn, als er in dieser jungen Hirtin
sein geliebtes Milchmdchen erkannte! Sie kam ihm noch zehenmal schner
vor, als da er sie das erstemal gesehen hatte; aber was ihn am meisten
erfreute, war, da sie an statt vor ihm zu fliehen immer nher herbey
kam, und sich endlich, (wie es schien) ohne ihn zu bemerken, nicht
weit von ihm ins Gras setzte. Der Prinz unterstund sich nicht sie
anzureden, aber er sahe sie mit so durchdringenden feurigen Blicken an,
da die Steine im Bache bey nahe davon in Glas verwandelt worden wren.
Die schne Schferin, welche sehr kalter Natur seyn mute, um von so
krftigen Blicken nicht gerstet zu werden, flochte indessen ganz
gelassen einen Blumenkranz, und unterlie nicht von Zeit zu Zeit einen
Seitenblick auf ihn zu werfen, worinn er nichts weniger als Unwillen
zu entdecken vermeynte. Dieses machte ihn so khn, da er nher zu
ihr rckte, ohne da sie es wahrnahm; denn sie spielte eben mit einer
kleinen Ziege, die an statt der Haare lauter Silberfaden hatte, und mit
Blumenkrnzen und rosenfarben Bndern aufs artigste geziert war. Seine
Augen sagten ihr aus diesem neuen Stand-Punct nicht weniger schnes als
zuvor, und die ihrigen antworteten von Zeit zu Zeit so hflich, da
er sich endlich nicht lnger halten konnte, sich zu ihren Fssen zu
werfen, und ihr (nach seiner Gewohnheit) in sehr poetischen Redensarten
zu wiederhohlen, was er vorher in einer weit verstndlichen und
berzeugendern Sprache gesagt hatte. Nachdem seine zrtliche Elegie zu
Ende war, antwortete ihm die schne Schferin, mit einem Blick, welcher
kaltsinniger anfieng als aufhrte: Ich wei nicht ob ich sie recht
verstanden habe, wollten sie mir alle diese Weile her nicht sagen, da
sie mich lieb htten? -- Himmel! da ich sie liebe! rief der entzckte
/Biribinker/, sagen sie, da ich sie anbete, da ich meine schmachtende
Seele zu ihren Fssen aushauche. Sehen sie, antwortete die Schferin,
ich bin nur ein ganz einfltiges Mdchen, ich verlange nicht, da sie
mich anbeten sollen, und sie sollen auch ihre Seele nicht aushauchen,
denn ich denke nicht, da sie zu viel davon haben; ich wrde wohl
zufrieden seyn, wenn sie mich nur liebten. Aber ich gestehe ihnen,
da ich schwerer zu berzeugen bin, als die /Fee/, mit der sie die
vergangene Nacht zugebracht haben -- Gtter! rief der bestrzte Prinz,
was hre ich? -- Wie ist es mglich -- Wer kan ihnen -- Woher wissen
sie -- ich wei nicht, was ich sage -- O! unglckseliger /Biribinker/.

Die schne Schferin that einen grossen Schrey, ehe er diesen
fatalen Namen noch ganz ausgesprochen hatte. Ja wohl unglckseliger
/Biribinker/, rief sie aus, indem sie sich mit grosser Hastigkeit
vom Boden aufrafte; mssen sie mein Ohr schon wieder mit diesem
schndlichen Namen beleidigen? Sie zwingen mich sie zu hassen und
zu fliehen, da ich -- Hier wurde die erzrnte /Galactine/ pltzlich
von einem Anblick unterbrochen, der dem Prinzen und ihr selbst auf
einmal alle andere Gedanken benahm. Sie sahen einen Riesen auf sie zu
kommen, der an statt eines Kranzes ein paar junge Eichbume um den Kopf
geflochten hatte, und sich unterm Gehen die Zhne mit einem Zaunpfal
ausstocherte. Er gieng gerade auf die Schferin zu, und donnerte
sie mit einer so entsetzlichen Stimme an, da mehr als zwey hundert
Dolen, die ihre Nester in seinem Bart hatten, mit grossem Gekrchze
heraus geflogen kamen. Was hast du hier, rief er, mit diesem kleinen
Zwerg, Pppchen? Folge mir augenblicklich, oder ich hacke dich zu
kleinen Pastetchen; und du, sagte er zu dem Prinzen, indem er ihn in
einen grossen Sack steckte, herein in meinen Sack! Nach diesem sehr
laconischen Gru schnrte er den Sack zu, nahm die Schferin auf
den Arm, und trabte davon. /Biribinker/ glaubte in den leeren Raum
gestrzt worden zu seyn, denn er fiel und fiel immer fort, ohne da
es ein Ende nehmen wollte. Endlich kam er doch auf den Boden, aber
stie den Kopf so stark an einem Weberknopf an, da er etliche Minuten
ganz betubt da lag, und die Hirnschaale gebrochen zu haben glaubte.
Nach und nach erhohlte er sich wieder, und da besann er sich an die
Erbsen-Schotte, die ihm /Cristalline/ gegeben hatte; er brach sie auf,
fand aber nichts als ein kleines Messer von Diamant mit einem Heft
von einer Greiffen-Klaue, kaum so gro, da man es mit drey Fingern
fassen konnte. Ist das alles, dachte er, was die Fee Cristalline fr
mich thut? Was will sie, da ich mit diesem Spielzeug machen soll? Es
ist kaum gro genug, da ich mir die Kehle damit abschneiden knnte,
und vielleicht ist das auch ihre Meynung. Aber man mu doch alles
andere vorher versuchen, ehe man sich die Kehle abschneidt. Ich kan
mit diesem Messerchen ein Loch in den Sack bohren, ob es gleich Mhe
kosten wird, und wenn ich schon einen Sprung wagen mu, so will ich
doch lieber alles wagen als Gefahr lauffen, da dieser verfluchte
Popanz kleine Bratwrstchen fr seine Popnzchen aus mir macht. In
dieser gromthigen Entschliessung arbeitete der Prinz /Biribinker/,
oder vielmehr das kleine Messer, worauf ein Talisman eingegraben war,
so nachdrcklich, da er in kurzer Zeit eine ziemliche Oefnung in den
Sack machte, ungeachtet die Fden des Gewebes so dick waren wie ein
Anker-Seil. Er bemerkte, da die Reise eben durch einen Wald gieng,
und dachte seine Zeit so gut in Acht zu nehmen, da er, indem er sich
aus dem Sack heraus strzte, an dem Wipfel eines hohen Baums sich
halten knnte. Diesen Anschlag setzte er ungesumt ins Werk, ohne
da es der Riese gewahr wurde; allein der Ast, an den er sich halten
wollte, brach mit ihm, und der gute /Biribinker/ fiel in ein ziemlich
tiefes marmornes Brunnen-Becken voll Wassers, welches zu allem Glck
unter ihm lag, denn was er fr einen Wald angesehen hatte, befand
sich ein sehr schner Park, der zu einem nicht weit davon gelegenen
Schlo gehrte. Er dachte, indem er untertauchte, zum wenigsten in
das Caspische Meer gefallen zu seyn, oder besser zu sagen, er dachte
gar nichts, so betubt von Schrecken lag er da, und vermuthlich wrde
er in seinem Leben das Trockne nicht wieder gesehen haben, wenn nicht
eine Nymphe, die sich eben in diesem Brunnen badete, zu seiner Rettung
herbey geschwommen wre. Die Gefahr, worinn sie einen so schnen
jungen Menschen sah, machte sie vergessen, in was fr einem Zustande
sie selbst war, und in der That htte er leicht ertrinken knnen, ehe
sie ihre Kleider angezogen htte. Kurz, /Biribinker/ fhlte, da er
zu sich selbst kam, da sein Gesicht an dem schnsten Busen lag, der
jemals gewesen ist, und da er die Augen aufthat, sahe er sich am Rande
eines grossen Brunnens in den Armen einer Nymphe, die ihm, in dem
ungeknstelten Aufzug, worinn er sie sah, beym ersten Anblick so viel
und noch mehr Leben wieder gab, als er brauchte.

Dieses Abentheuer setzte ihn in ein so angenehmes Erstaunen, da er
kein Wort hervor bringen konnte. Allein die Nymphe merkte kaum, da
er wieder lebte, so ri sie sich von ihm los, und sprang ins Wasser.
/Biribinker/, der sich einbildete, da sie ihm entfliehen wolle, erhub
ein so klgliches Geschrey, als ein kleiner Junge nur immer machen kan,
wenn man ihm eine neue Puppe nehmen will. Die schne Nymphe war wohl
sehr weit von einem so grausamen Vorhaben entfernt; denn in wenigen
Augenblicken sah er sie schon wieder mit einem Rcken, der die Lilien
an Glanz bertraf, aus dem Wasser hervor ragen. Sie hob den Kopf ein
wenig empor, aber kaum erblickte sie den Prinzen, so tauchte sie wieder
unter, und pltscherte unter dem Wasser fort, bis sie an die andere
Seite des Brunnens kam, wo ihre Kleider lagen. Allein da sie sah, da
ihr der Prinz folgte, erhub sie sich mit halbem Leib, aber ganz in ihre
lange gelbe Haare eingehllt, die ihr in dichten wallenden Locken bis
zu den Fssen herab flossen, und seinen lsternen Augen den Anblick von
Schnheiten entzogen, welche fhig waren, einen Titon zu verjngen.

Sie sind sehr unbescheiden, Prinz /Biribinker/, sagte sie, da sie sich
in solchen Augenblicken aufdringen, da man allein seyn will.

Vergeben sie mir, schnste Nymphe, antwortete der Prinz, wenn mir ihre
Bedenklichkeiten ein wenig unzeitig vorkommen; nach dem Dienst, den sie
mir so gromthig geleistet haben, dchte ich ----

Man sehe doch, rief die Nymphe aus, was fr einen Uebermuth diese
Mannsleute haben! Man untersteht sich nicht ihnen die mindeste kleine
Hflichkeit zu erzeigen, ohne da sie ihre Glossen darber machen; und
ein blosses Werk der Gromuth und des Mitleidens ist in ihren Augen
schon eine Aufmunterung, wodurch sie berechtiget zu seyn glauben, sich
Freyheiten mit uns heraus zu nehmen. Wie? weil ich gtig genug gewesen
bin, ihnen das Leben zu retten, so glauben sie vielleicht ----

Sie sind sehr grausam, unterbrach sie der Prinz, da sie dasjenige
einem unbescheidenen Uebermuth beymessen, was eine nothwendige Wrkung
der Zauberey ihrer Reitzungen ist. Wenn sie mir das Leben wieder nehmen
wollen, das sie mir gerettet haben, (denn wer kan sie gesehen haben,
und die Beraubung eines so entzckenden Anblicks ertragen?) so tdten
sie mich wenigstens auf eine gromthige Art; machen sie ein Denkmal
ihrer alles bezwingenden Schnheit aus mir, und lassen mich hier in
ihrem Anschauen zum Marmorbilde erstarren.

Sie haben, wie ich hre, eine hbsche Belesenheit in den Poeten,
versetzte die Nymphe; wo nahmen sie doch diese Anspielung? -- War nicht
einmal eine gewisse /Medusa/ -- Sie haben ihren Ovidius gelesen, da
ist gewi, und man mu gestehen, da sie ihrem Schulmeister Ehre machen.

Grausame! rief /Biribinker/ mit Ungedult, was fr ein Belieben finden
sie, die Sprache meines Herzens, welches keinen Ausdruck fr seine
Empfindungen stark genug findet, mit den Figuren eines schlerhaften
Witzes zu verwechseln? -- Sie nehmen ihre Zeit sehr bel, wenn sie
disputiren wollen, fiel ihm die Nymphe ein, sehen sie denn nicht, wie
viel Vortheile ich in dem Element, worinn ich bin, ber sie habe? Aber
ich bitte sie, gehen sie hinter diese Myrthen-Hecken, und erlauben sie
mir, da ich mich ankleide, wenn sie so gut seyn wollen -- Wrde es
aber nicht gromthiger von ihnen seyn, wenn sie mir erlaubten, da
ich sie ankleiden hlfe? -- Glauben sie das? erwiederte die Nymphe;
ich danke ihnen fr ihre Dienstfertigkeit; aber ich mchte ihnen nicht
gerne Mhe machen, und sie sehen auch, da ich Leute genug habe, die
diese Arbeit besser gewohnt sind als sie.

Mit diesen Worten blie sie in ein kleines Ammons-Horn, so ihr an
einer Schnur der grsten und feinsten Perlen am Halse hieng, und in
einem Augenblick erfllte sich der ganze Brunnen mit jungen Nymphen,
die pltschernd aus dem Wasser herauf fuhren, und einen Kreis um
ihre Gebieterin machten. /Biribinker/ konnte sich jetzt noch weniger
entschliessen als zuvor auf die Seite zu gehen; aber die Nymphen
erblickten ihn kaum, so spritzten sie ihm eine solche Menge Wassers
ins Gesicht, da er, aus Furcht ein anderer /Acton/ zu werden,
so eilfertig davon lief, als ob er schon Hirschlufte htte. Er
fhlte sich alle Augenblicke an die Stirne, da er aber weder Geweyh
noch Sprossen merkte, so schlich er wieder zurck, um hinter den
Myrthen-Hecken der Ankleidung seiner schnen Nymphe zuzusehen. Allein
er kam schon zu spt, die Nymphen waren wieder verschwunden, und indem
er hinter der Hecke hervor gehen wollte, fehlte es nicht viel, da er
mit dem Kopf an die Stirne seiner Erretterin angeschlagen htte, die im
Begriff war, ihn zu suchen. Er erstaunte ungemein, da er sie sahe. Wie?
Madame, rief er aus, nennen sie das angekleidet seyn?

Warum nicht? antwortete die /Nymphe/; sehen sie denn nicht, da ich
in einen siebenfachen Schleyer von Leinwand eingewickelt bin? -- Das
gestehe ich, sagte der Prinz; wenn das Leinwand ist, so mchte ich wohl
denjenigen sehen, der sie gewebt hat; denn das feinste Spinnen-Gewebe
ist Segeltuch gegen dieses. Ich htte geschworen, da es Luft wre. Es
ist die feinste Art von gewebtem Wasser, versetzte sie, von einer Art
trocknem Wasser, welches von Polypen gesponnen, und von unsern Mdchen
gewebt wird; es ist die gewhnliche Kleidung, die wir andern /Ondinen/
zu tragen pflegen. Was fr eine andere wollen sie, da wir haben
sollen, da wir uns weder vor Frost noch Hitze zu verwahren brauchen?
Der Himmel verhte, sagte /Biribinker/, da ich ihnen eine andere
wnsche; aber mich ducht, wenn sie es nicht ungndig nehmen wollen,
sie htten vorhin nicht nthig gehabt, so viel Umstnde zu machen,
wie sie aus dem Bade steigen wollten -- Hren sie, mein Herr von
Honigseim, sagte die Nymphe mit einem kleinen spttischen Nasermpfen,
das ihr sehr gut lie; wenn ich ihnen rathen drfte, so gewhnten sie
sich das moralisiren ab, denn es ist gerade das, worauf sie sich am
wenigsten verstehen. Wissen sie denn nicht, da der Gebrauch ber die
Anstndigkeit entscheidet? Man sieht wohl, da sie die Welt nie anders
als in einem Bienen-Korbe gesehen haben, und sie wrden sehr wohl thun,
wenn sie nach dem Rath des weisen /Avicenna/ ber nichts urtheilten,
was sie zum erstenmal sehen. Aber lassen sie uns von etwas anderm
reden. Sie haben noch nicht zu Mittag gegessen, nicht wahr? und so
verliebt sie immer, mit gewissen Ausnahmen, in ihr Milchmdchen sind,
so wei ich doch wohl, da sie nicht gewohnt sind, von Seufzern zu
leben.

Nach diesen Worten blie sie wieder in ihr kleines Ammonshorn, und
augenblicklich stiegen drey Nymphen aus dem Brunnen hervor. Die erste
brachte einen kleinen Tisch von Bernstein, der von drey Gratien empor
gehoben wurde, die aus einem einzigen Amethyste geschnitten waren.
Die andere breitete eine Matte von den feinsten gespaltenen Binsen
darber aus, und die dritte trug ein Krbchen auf dem Kopfe, aus dem
sie verschiedene bedeckte Muscheln auf den Tisch stellte. Man sagt mir,
sie essen nichts als Honig, sprach die Nymphe zu /Biribinker/, sie
sollen einen kosten, der nicht der schlimmste ist, ob er gleich aus
lauter Seegewchsen gezogen wird. Der Prinz versuchte ihn, und fand
ihn so gut, da er bey nahe die Schaale mit verschluckt htte. Wie sie
abgespeit hatten, erschienen zwo andere Najaden mit einem kleinen
Schenktisch von Saphir, der mit einer Menge Trinkschaalen aufgesetzt
war. Sie waren alle aus gediegenem Wasser geschnitzt, hart wie Diamant,
durchsichtig wie Cristall, und wie es schien mit lauter Brunnenwasser
angefllt. Aber wie /Biribinker/ davon kostete, befand sichs, da die
besten persischen Weine Phlegma dagegen waren. Gestehen sie, sagte
die /Ondine/, da sie hier nicht schlimmer sind, als bey der Fee
/Cristalline/, bey der sie die vergangene Nacht zugebracht haben.

Sie sind allzubescheiden, schnste /Ondine/, antwortete der Prinz, da
sie sich mit einer Fee vergleichen, die in allen Stcken so weit unter
ihnen ist.

Wieder bel geschlossen! erwiederte die Nymphe; ich sagte das nicht aus
Bescheidenheit, sondern nur, um zu hren, was sie mir darauf antworten
wrden.

Aber ich bitte sie, meine Gttin, sagte der Prinz, wie geht es zu,
da sie so gute Nachrichten von mir haben? So bald sie mich sehen,
nennen sie mich bey meinem Namen -- Sie sehen daraus, antwortete die
Nymphe, da ich eine so gute Kennerin bin als die Fee Cristalline
-- "Sie wissen, da ich in einem Bienen-Korb erzogen worden bin" --
das riecht man ihnen auf zwanzig Schritte weit an -- "da ich ein
Milchmdchen liebe" --; O! ja, wie man noch nie geliebt hat, und da
sie noch verliebter sind, seit dem sie eine Schferin worden ist; und
wer wei, wie weit sie ihr Glck getrieben htten, wenn nicht der
Riese /Caraculiamborix/ -- Aber haben sie keinen Kummer; sie sollen
sie wieder sehen, und so glcklich seyn, als man in Besitz eines
Milchmdchens nur immer seyn kan.

O! rief /Biribinker/, bey dem die Getrnke der Ondine mchtig zu wrken
anfiengen, kan man etwas anders zu sehen oder zu besitzen wnschen,
nachdem man sie gesehen hat, gttliche Ondine? Ich erinnere mich nur
nicht mehr, da ich vorher Augen hatte, und der Augenblick, da ich sie
zum erstenmal sah, ist der Anfang meines Daseyns. Ich kenne und wnsche
mir keine andere Glckseligkeit, als zu ihren Fssen von dem Feuer
verzehrt zu werden, das ihr erster Blick in meiner Brust entzndet hat.

Prinz /Biribinker/, antwortete die /Ondine/, sie haben einen schlimmen
Lehrmeister in der Redekunst gehabt. Ich htte gedacht, die Fee
/Cristalline/ sollte ihnen die lcherliche Meynung benommen haben,
da man uns Unsinn vorsagen msse, um uns die Heftigkeit seiner
Leidenschaft zu beweisen. Ich wette was sie wollen, da es nicht wahr
ist, da sie zu meinen Fssen verzehrt zu werden wnschen; glauben
sie mir, ich wei besser was sie wnschen, und sie wrden mehr dabey
gewinnen, wenn sie natrlich mit mir reden wollten. Diese schwlstige
Sprache, die sie sich angewhnt haben, ist vielleicht gut, Milchmdchen
zu rhren; aber, lassen sie sich ein fr allemal sagen, da man uns
nicht nach einerley Methode behandeln mu. Ein Frauenzimmer, das den
/Averroes/ so lange studirt hat, wie ich, wird durch keine poetische
Blmchen gewonnen; man mu uns berzeugen knnen, wenn man uns rhren
will, und die Macht der Wahrheit ist das einzige, was uns nthigen kan,
uns zu ergeben.

/Biribinker/ war es zu sehr gewohnt von den Damen, denen er in die
Hnde fiel, gehofmeistert zu werden, als da er sich durch einen
Verwei htte kleinmthig machen lassen sollen, der ihm die Mittel
zeigte, wodurch man bey den Schlerinnen des /Averroes/ glcklich
werden kan; und in der That fhlte er, da es ihn weit weniger
Mhe kosten werde, sie durch die Energie der Wahrheit, als durch
spitzfndige und schwlstige Liebes-Erklrungen zu berwltigen. Die
Reitzungen der /Ondinen/ bertreffen, nach dem vollgltigen Zeugni des
Grafen von /Gabalis/, alles, was den Besitz der schnsten unter den
Tchtern der Menschen begehrenswrdig macht. Kurz, /Biribinker/ wurde
nach und nach so natrlich und berzeugend, als sie es nur wnschen
konnte, und ob sie gleich eine genaue Beobachterin dessen war, was man
/Gradationen/ nennt, so wute sie doch die Zeit so gut einzuteilen, da
es eben Nacht wurde, wie der Prinz die Ueberzeugung bis zu derjenigen
Evidenz trieb, die keinen Zweifel brig lt. Die Geschichte sagt
weiter nichts von dem, was zwischen ihnen vorgegangen, als da sich
/Biribinker/ des Morgens, da er erwachte, zu seinem nicht geringen
Erstaunen, auf eben dem Ruhebette, in eben dem Zimmer, in eben dem
Pallast, und in dem nehmlichen Zustande befand, worinn er des Morgens
zuvor gewesen war.

Die schne /Ondine/, welche, man weit nicht warum? sich nicht weit von
ihm befand, merkte kaum, da er erwacht war, als sie ihn, mit einer
Anmuth, die ihn vor etlichen Stunden eben so sehr entzckt hatte, als
sie ihn jetzt gleichgltig lie, also anredete: Das Schicksal, mein
lieber /Biribinker/, hat sie dazu ausersehen, sich unglckliche Feen
verbindlich zu machen. Da ich das Vergngen habe, eine davon zu seyn,
so ist es billig, da ich sie berichte, wer ich bin, und wie viel ich
ihnen zu danken habe. Wissen sie also, da ich eine von denjenigen
Feen bin, die man /Ondinen/ nennt, weil sie das Element des Wassers
bewohnen, aus dessen subtilesten Atomen ihr Wesen zusammen gesetzt ist.
Man nannte mich /Mirabella/, und der Stand einer Fee mit dem Rang, den
mir meine Geburt unter den Ondinen gab, htte mich glcklich machen
knnen, wenn irgend etwas fhig wre, uns gegen die Einflsse eines
feindseligen Gestirns zu schtzen. Das meinige verurtheilte mich, von
einem alten Zauberer geliebt zu werden, dem seine tiefe Wissenschaft
eine unbegrenzte Gewalt ber die elementarischen Geister gab. Allein
bey allem dem war er der unangenehmste Mensch von der Welt, und ohne
die Freundschaft eines Salamanders, der ein Gnstling des alten
/Padmanaba/ war ----

Wie? rief der Prinz, /Padmanaba/, sagen sie? der Mann mit dem
schneeweissen Ellenlangen Bart, der arme Mdchens, die Langeweile
haben, in Nachtgeschirre und kurzweilige /Gnomen/ in Hummeln verwandelt?

Eben dieser, versetzte die /Ondine/, war es, der sich die Rechte eines
Ehemanns ber mich anmate, ohne zu den Pflichten dieses Characters die
mindeste Tchtigkeit zu haben. Eine meiner Vorgngerinnen, die er in
den Armen eines hlichen Gnomen berraschte, hatte ihn so mitrauisch
gemacht, da er auf seinen eigenen Schatten eyferschtig war. Er hatte
alle Gnomen abgeschaft, und dafr lauter /Salamander/ angenommen, deren
feurige Natur, wie er dachte, geschickter war, Schrecken als Liebe
einzuflssen. Sie erinnern sich ohne Zweifel aus ihrem /Ovidius/ an die
schne /Semele/, die in der Umarmung eines Salamanders zu Asche wurde.
Aber der gute Alte verga mit aller seiner Vorsichtigkeit, da die
wsserichte Natur der Ondinen sie vor einer solchen Gefahr vollkommen
sichert, und das gedmpfte Feuer der Salamander zu einer sanften
Hitze miget, die der Liebe nicht wenig gnstig ist. /Padmanaba/
verlie sich so vllig auf seinen Gnstling, da er uns alle Freyheit
lie, die wir nur wnschen konnten. Sie bilden sich vielleicht ein,
Prinz /Biribinker/, da wir uns diese Gelegenheit nach der Weise
materieller Liebhaber zu Nutze gemacht haben wrden; aber sie irren
sich. /Flox/, so hie mein Freund der Salamander, war zu gleicher Zeit
der zrtlichste und der geistigste Liebhaber von der Welt. Er merkte
gleich, da mein Herz nur durch den Verstand gewonnen werden knne,
und trieb seine Geflligkeit gegen meine Delicatesse so weit, da er
gar nicht einmal zu bemerken schien, da ich, wie sie sehen, eine
ziemlich feine Haut, eine nicht ganz gleichgltige Figur, und ein paar
niedliche kleine Fchen hatte, mit denen ich im Nothfall so fertig zu
reden wute, als eine andere mit den Augen. Mit einem Wort, er gieng
mit mir um, als ob ich lauter Geist gewesen wre. An statt wie andere
Liebhaber mit mir zu tndeln, analysirte er mir die geheimnivollen
Schriften des Averroes; wir sprachen ganze Tage lang von unsern
Empfindungen, und ob es gleich im Grund immer eben dieselbigen waren,
so wuten wir ihnen doch so vielerley Wendungen zu geben, da wir immer
etwas neues zu sagen schienen, wenn wir in der That immer einerley
sagten. Sie sehen, mein Prinz, da nichts unschuldigers seyn konnte,
als unsere Freundschaft, oder, wenn sie es so nennen wollen, unsere
Liebe. Und doch konnte uns weder die Lauterkeit unsrer Absichten,
noch die Vorsichtigkeit einer jungen Gnomide, die in meinen Diensten,
und in der That ein dummes kleines Ding war, vor den boshaften
Beobachtungen so vieler Augen, die der Neid auf uns offen hielt,
sicher stellen. Verschiedene Salamander, von den Vorzgen beleidigt,
die ich meinem Freund ber sie gab, unterstunden sich, ber unsern
Umgang gewisse Glossen zu machen, die sich (ihrem Vorgeben nach) auf
gewisse Vertraulichkeiten grndeten, die sie zwischen uns wahrgenommen
haben wollten. Der eine bemerkte, da ich auerordentlich munter sey,
und da ein gewisses Feuer in meinen Augen blitze, welches lange Zeit
darinn erloschen gewesen war; ein anderer konnte nicht begreiffen,
da meine Lust zur Philosophie gro genug seyn knne, um mir so gar
in meinem Schlafzimmer Lectionen darinn geben zu lassen; ein dritter
wollte eine gewisse Sympathie unserer Knien und Ellenbogen, und ein
vierter ich wei nicht was fr ein geheimes Verstndni zwischen unsern
Fssen entdeckt haben. Sie sehen, mein Prinz, da, wenn auch in einer
von den Zerstreuungen, denen die metaphysischen Seelen am huffigsten
unterworfen sind, etwas dergleichen vorgegangen wre, man doch die
Bosheit und materielle Denkungs-Art unserer Feinde haben mute, um
solche Kleinigkeiten zum Nachtheil einer Tugend auszudeuten, die sich
jederzeit durch die strengsten Grundstze in der Sittenlehre in einem
festgesetzten Ansehen erhalten hatte.

Inzwischen wurde das Gemurmel unserer Mignstigen so laut, da es
endlich auch vor den alten /Padmanaba/ kam, der nur allzu geneigt war,
dergleichen Eingebungen ein aufmerksames Ohr zu leihen. Er wurde desto
strker dadurch aufgebracht, je grsser die Meynung gewesen war, die
er von meiner Tugend oder wenigstens von der Klte meines Bluts gefat
hatte. Man machte einen Anschlag, uns zu berraschen, und es gelung
endlich unsern Feinden, uns in einer von den obgedachten Zerstreuungen
anzutreffen, die, zum Unglck, stark genug war, da wir etliche
Augenblicke den Gebrauch unserer Sinne verlohren zu haben schienen. Die
donnernde Stimme des furchtbaren /Padmanaba/ weckte mich endlich aus
einer Art von Entzckung, worinn es sehr unangenehm ist, unterbrochen
zu werden, sie knnen sich vorstellen, ob ich betroffen war, da ich in
einem so delicaten Umstand, mich von so vielen Augen beleuchtet sah.
Inde verlie mich doch die Gegenwart des Geistes nicht ganz; ich bat
meinen alten Gemahl, mich nicht eher zu verurtheilen, bis er meine
Rechtfertigung gehrt htte, und war im Begriff, ihm aus dem siebenten
Capitel der Metaphysik des /Averroes/ zu beweisen, wie betrglich das
Zeugni der Sinne sey, als er mich mit diesen Worten unterbrach: Ich
habe dich zu sehr geliebt, Undankbare, als da ich fhig wre, die
Rache an dir zu nehmen, die meine beleidigte Ehre fordert. Deine Strafe
soll nichts anders als eine Probe der Tugend seyn, an welche du noch
Ansprche zu machen verwegen genug bist. Ich verbanne dich, fuhr er
fort, indem er mich mit seinem Stab berhrte, in die Bezirke des Parks,
der dieses Schlo umgibt; behalte deine Gestalt und die Vorrechte
deines Feen-Standes, aber verliere beydes, und verwandle dich in das
hlichste Crocodill, so oft du mit jemand, wer er auch sey, in eine
Zerstreuung fllst wie diejenige war, worinn ich dich hier gefunden
habe. Wie sehr bedaure ich, da es nicht in meiner Gewalt ist, diese
Bezauberung unaufllich zu machen! Aber die Zukunft wird, wie ich
besorge, einen Prinzen hervor bringen, dessen wunderbares Gestirn aller
meiner Macht Trotz bietet.

Alles, was ich thun kan, ist, die Auflsung meiner Bezauberungen an
die Talismanische Kraft eines so seltsamen Namens zu binden, da er
vielleicht in vielen Jahrtausenden in keiner Sprache des Erdbodens
wird gehrt werden. Nachdem /Padmanaba/ diese geheimnivollen Worte
gesprochen hatte, ward ich durch eine unsichtbare Gewalt in den Brunnen
versetzt, wo sie mich zuerst gesehen haben, und bald darauf erfuhr
ich, da der Alte aus Verdru ber meine vermeynte Untreue das Schlo
verlassen habe, ohne da man wisse, was aus ihm oder meinem geliebten
Salamander geworden sey. Ich war untrstbar ber den Verlust des
letztern, und machte meinen Nymphen etliche Tage lang so abscheuliche
Gesichter, da einige davon in Gichter fielen, und andere vor Angst auf
der Stelle nieder kamen. Allein wie kein heftiger Schmerz langwierig
seyn kan, so whrete auch der meinige nur so lange, bis ich mich
erinnerte, da mir /Padmanaba/ doch ein Mittel gelassen hatte, die Ehre
meiner Tugend zu retten. Was soll ich ihnen sagen, Prinz /Biribinker/?
Mehr als fnfzig tausend Prinzen und Ritter haben seit mehr als einem
Jahrhunderte das Abentheuer vergeblich unternommen, das sie allein
fhig waren, zu Stande zu bringen. Von was fr Klagen, von was fr
Verwnschungen erschallte nicht dieser Wald, wenn diese Unglcklichen
statt einer reitzenden Nymphe, die sie umfangen wollten, pltzlich
ein ungeheures Crocodill -- der Abscheu, den eine so demthigende
Erinnerung mir verursacht, lt mich nicht weiter reden; es ist wahr,
diese hliche Verwandlung hrte sogleich wieder auf, aber jeder neuer
Versuch, den sie machen wollten, sie aufzulsen, hatte jedesmal den
nehmlichen Erfolg. Dieser Brunnen, welcher ehemals die gewhnliche
Grsse hatte, ist allein durch ihre Thrnen so gro und tief worden,
da er, wie sie gesehen haben, einem kleinen See hnlich sieht; und
viele, die sich aus Verzweiflung hinein strzten, wrden einen feuchten
Tod darinn gefunden haben, wenn meine Nymphen sie nicht aufgefangen,
und wieder mit dem Leben ausgeshnt htten. Sie allein, glcklicher
/Biribinker/, waren mchtig genug, eine Bezauberung zu vernichten, die
mich in die traurige Nothwendigkeit setzte, so viele tausende zu Zeugen
meines Unglcks zu machen. ----

Aber eben das ist etwas, das ich noch nicht recht einsehe, sagte der
Prinz. Wozu hatten sie alle diese Zeugen nthig? Mir ducht, die Ehre
ihrer Tugend, wie sie es nennen, wre am besten gerechtfertiget worden,
wenn sie sich nie in den Fall gesetzt htten ein Crocodill zu werden.
So schliessen sie und ihres gleichen, erwiederte /Mirabella/. Sagen sie
mir einmal, was fr Ehre kan eine erzwungene Tugend machen? Welches
Frauenzimmer ist nicht fhig, ihren Begierden Gewalt anzuthun, wenn
sie zu gleicher Zeit die Unmglichkeit, sie zu befriedigen, und eine
schimpfliche Strafe vor Augen sieht? Aber der Liebe zur Tugend die
Furcht der Schande, ja in gewissem Sinn die Tugend selbst aufopfern,
das ist ein Grad von moralischem Heldenmuth, dessen nur die edelsten
Seelen fhig sind.

Erklren sie mir doch das deutlicher, sagte /Biribinker/, ich bin sonst
eben nicht der dummste, aber ich will gehangen seyn, wenn ich ein Wort
von allem, was sie da sagten, verstanden habe.

Unsere Tugend, erwiederte die Fee, ist nur alsdann ein Verdienst, wenn
es in unserer Willkhr stehet, ob wir sie behalten oder verlieren
wollen. /Lucretia/ wrde nie als ein Muster der Keuschheit aufgestellt
worden seyn, wenn sie den jungen /Tarquinius/ in die Unmglichkeit
gesetzt htte, einen Versuch auf ihre Ehre zu machen. Eine alltgliche
Tugend wrde ihr Schlafzimmer verriegelt haben; die erhabene /Lucretia/
lie es offen. Sie that noch mehr, sie ergab sich so gar, um
Gelegenheit zu haben, durch das grosse Opfer, das sie der beleidigten
Tugend brachte, der Welt zu zeigen, da der kleinste Flecken, der ihren
Glanz verdunkelt, mit Blut ausgelscht zu werden verdient.

Sie sehen aus diesem Beyspiel, mein Prinz, wie weit die geluterte
Denkart grosser Seelen ber die gemeinen Begriffe des moralischen
Pbels erhaben ist. Um eine Bezauberung aufzulsen, die meiner Tugend
ihren grsten Werth, die Freywilligkeit und das Vergngen der besiegten
Schwierigkeit raubte, mute ich mich so oft in den Fall setzen sie
zu beleidigen, bis ich denjenigen gefunden hatte, der mich von einer
Strafe befreyen konnte, wovon die blosse Vorstellung meiner edlen
Denkungsart unertrglich war. Nun verstehen sie mich doch, hoffe ich?

Unvergleichlich, rief /Biribinker/ aus, sie erklren sich immer
dunkler. Aber das mu ich gestehen, da sie, wenn sie es nicht bel
nehmen wollen, die allersonderbarste Precise sind, die man vielleicht
jemals in der Welt gesehen hat. Was sagen sie, versetzte die schne
/Ondine/ sehr lebhaft? Wie? eine Precise? ich? eine Precise, sagen
sie? Wahrhaftig sie kennen mich sehr schlecht, oder sie mssen in
ihrem Leben keine Precise gesehen haben. Was finden sie geziertes
oder geknsteltes an meiner Person, an meinen Manieren, an meiner
Kleidung, an meiner Art, mich auszudrcken? Was ist gezwungenes --
Mit einem Wort, wollen sie, da ich ihnen Proben gebe, da ich keine
Precise bin? /Biribinker/ erschrack ber diesen unverhoften Antrag so
sehr als ber die Art, wie sie ihm bewie, da es ihr Ernst sey. O!
Madame, erwiederte er, ich glaube alles, was sie wollen! Ich brauche
keine Probe, und ich sehe auch nicht wie ihre Tugend -- Meine Tugend,
rief die Fee! eben meine Tugend fordert von mir, sie zu berzeugen,
da ich keine Precise bin. Wenn sie keine Precise sind, antwortete
/Biribinker/, so schwre ich ihnen, da ich kein Salamander bin, und
da meine Natur nicht feurig genug ist ----

Fy, sagte die /Ondine/, schmen sie sich nicht, vor einem Frauenzimmer
so unanstndig zu reden? Was bilden sie sich ein? Wer fordert denn
etwas von ihrer Natur, oder was geht es mich an, ob sie kalt oder
feurig ist? Lassen sie sich sagen, da sie ein Mensch ohne Delicatesse
sind, der weder die Ohren noch die Wangen einer Dame zu schonen weit.
Wissen sie denn nicht, da es ein Verbrechen ist, ein Frauenzimmer
um einer Kleinigkeit willen errthen zu machen? Unsere Tugend -- O!
Madame, fiel ihr /Biribinker/ in die Rede, ich bitte sie, nennen sie
mir dieses Wort nicht mehr! Wenn sie nur wten, wie es ihren schnen
Mund verzerrt! Und erlauben sie mir, ihnen mit aller der Delicatesse,
deren ich fhig bin, zu sagen, da ich so viel gethan zu haben glaube,
als man von einem braven Mann fordern kan, indem ich ein Abentheuer zu
Stande gebracht, woran fnfzig tausend tapfere Helden zu kurz gefallen
sind. Was noch mehr zu thun seyn mag, berlasse ich den Salamandern,
Sylphen, Gnomen, Faunen und Tritonen, welche nunmehr ein ofnes Feld
haben, ihre Tugend im Athem zu erhalten. Alles, warum ich sie bitte,
ist ihr Schutz und meine Entlassung.

Was ihre Entlassung betrift, antwortete die schne /Mirabella/, die
knnen sie sich selbst geben, denn sie wissen, da ich sie nicht
geruffen habe. Wenn sie aber meinen Schutz verlangen, so kan ich ihnen
nicht bergen, da ihr Glck von ihrer eigenen Auffhrung abhangt.
Wenn sie so fortfahren, so wird der Schutz aller Feen der ganzen Welt
an ihnen verlohren seyn. Hat man jemals einen Liebhaber gesehen, wie
sie sind? Sie ziehen den ganzen Tag in der Welt herum, ihre Geliebte
zu suchen, und bringen die ganze Nacht in den Armen einer andern zu;
den folgenden Morgen geht ihre Liebe wieder an, und den Abend drauf
ihre Untreue. Was wollen sie, da aus einer solchen Auffhrung endlich
werden soll? Ihre Schferin mte ausserordentlich gedultig seyn,
wenn sie sich diese neue Art zu lieben gefallen lassen wollte ----
Wahrhaftig! rief der Prinz, es steht ihnen recht wohl an, mir Vorwrfe
von dieser Art zu machen! Ich mag nicht reden -- Aber glauben sie mir,
ihr moralisiren fangt mir an beschwerlich zu werden, so eine grosse
Meisterin sie immer darinn seyn mgen. Sagen sie mir lieber, wie ich
meine geliebte /Galactine/ aus den Hnden des verfluchten Riesen
befreyen kan, der sie gestern davon fhrte. ----

Bekmmern sie sich nicht um den Riesen, sagte die Fee; ein Nebenbuler,
der sich die Zhne mit einem Zaunpfahl ausstochert, ist nicht halb so
frchterlich, als sie sich einbilden, und ich kenne einen gewissen
Gnomen, der ihnen, so klein er ist, mehr Eintrag thun knnte als
/Caraculiamborix/, wenn er gleich noch etliche hundert Ellen lnger
wre als er ist. Kurz, sorgen sie fr nichts, als wie sie ihre
Schferin wieder besnftigen wollen, das brige wird sich von selbst
geben; und sollten sie ja in Umstnde kommen, wo sie meiner Hlfe
benthiget wren, so zerbrechen sie nur dieses Straussen-Ey, das ich
ihnen gebe; es wird ihnen, auf mein Wort, keine geringere Dienste thun
als die Erbsen-Schotte der Fee /Cristalline/.

Kaum hatte /Mirabella/ das letzte Wort ausgesprochen, so verschwand
sie, das Cabinet und der Pallast, und /Biribinker/ befand sich, ohne
zu wissen, wie es zugieng, an dem nehmlichen Orte, wo ihn der Riese
Caraculiamborix bey seiner Schferin berfallen hatte. Man kan nicht
erstaunter seyn, als er es ber die seltsame Dinge war, die ihm seit
seiner Flucht aus dem grossen Bienenkorbe begegnet waren. Er rieb
sich die Augen, kneipte sich in die Arme, zog sich bey der Nase, und
htte gerne gefragt, ob er oder ein anderer der Prinz /Biribinker/
sey, wenn er jemand htte fragen knnen. Je mehr er nachdachte, desto
wahrscheinlicher kam es ihm vor, da alles nur ein Traum gewesen sey;
und er fieng schon an, sich in dieser Meynung zu bestrken, als er
eine /Jgerin/ aus dem Gebsch hervor kommen sahe, die an Gestalt
und Anstand nichts geringers als /Diana/ selbst zu seyn schien. Ihr
grnes Gewand, mit goldnen Bienen durchwrkt, war bis an die Knie
aufgeschrzt, und unter ihrem Busen mit einem Grtel von Diamanten
gebunden; ein Theil ihrer schnen Haare war mit einer Perlenschnur
in einen Knoten geknpft, der Rest flatterte in kleinen Locken um
ihre weisse Schultern. In der Hand trug sie einen Jagdspie, und ein
goldner Kcher klang auf ihrem Rcken. Dimal, dachte /Biribinker/,
wei ich es doch gewi, da ich nicht trume, und indem er das dachte,
kam ihm die Jgerin so nahe, da er seine geliebte /Galactine/ in ihr
erkannte. Noch niemals war sie ihm so bezaubernd vorgekommen, als in
diesem Aufzug, der ihr das Ansehen einer Gttin gab. Er verga auf
einmal der Cristallinen und Mirabellen, die ihn vor kurzem so sehr
bezaubert hatten, und indem er sich zu ihren Fssen warf, bezeugte
er sein Vergngen, sie wieder gefunden zu haben, in so lebhaften
Ausdrcken, da es der getreueste unter allen Liebhabern nicht besser
htte machen knnen. Allein die schne Galactine wute mehr von seinen
Begebenheiten, als er sich einbildete. Wie? sagte sie, indem sie ihr
anmuthiges Gesicht mit einem Unwillen, der ihm nur neue Reitzungen
gab, von ihm wegwandte; unterstehst du dich noch, vor meine Augen
zu kommen, nachdem du dich durch wiederhohlte Beleidigungen der
Gnade verlustig gemacht, die ich dir schon einmal wiederfahren lie?
Gttliche Galactine, antwortete ihr /Biribinker/, zrnen sie nicht mit
mir, wenden sie ihre Augen nicht so von mir ab, wenn sie nicht wollen,
da ich auf der Stelle zu ihren Fssen sterben soll. Weg mit diesem
Unsinn, sagte die schne Jgerin, den du gewohnt bist an eine jede
zu verschwenden, die dir in den Weg kommt; du hast mich nie geliebt,
wankelmthiger; wer alle liebt, liebt keine.

Niemals, rief /Biribinker/, mit thrnenden Augen, niemals hab ich eine
andere geliebt als sie; und das ist so wahr, da ich darauf schwren
wollte, da alles nur ein Traum war, was mir in einem gewissen Schlosse
begegnet ist. Wenigstens versichere ich ihnen, da die Zerstreuungen,
die sie mir so bel auslegen, ein blosses Spiel der Sinnen waren, woran
mein Herz nicht den geringsten Antheil hatte. Eine feine Distinction,
erwiederte die Jgerin; Zerstreuungen nennen sie das? ich sage
ihnen, da ich keinen Liebhaber verlange, der solchen Zerstreuungen
unterworfen ist. Ich habe die Philosophie des Averroes nie studirt, und
ich bin eine so materielle Creatur, da ich nicht begreiffen kan, wie
das Herz meines Liebhabers unschuldig seyn kan, wenn mir seine Sinnen
untreu sind ----

Vergeben sie mir nur noch dieses einzige mal, sagte /Biribinker/
schluchzend -- Ich, ihnen vergeben? unterbrach ihn die schne
/Galactine/; und warum sollte ich ihnen vergeben? Sehen sie mich einmal
an; ist man vielleicht mit einem Gesicht, wie das meinige, zum Vergeben
genthigt? Oder meynen sie, da ich, um Liebhaber zu haben, wenn ich
ihrer haben will, so gedultig seyn msse, als sie mich gerne finden
mchten? Glauben sie mir, es liegt nur an mir, unter zwanzig andern zu
whlen, die den Werth eines Herzens, das sie so muthwillig von sich
werfen, besser zu schtzen wissen.

Diese Worte, ob sie gleich mit einem Blick begleitet waren, der
ihre Strenge zum wenigsten um die Hlfte milderte, brachten den
armen /Biribinker/ vollends zur Verzweiflung. Was hr ich, rief er,
Grausame? So wollen sie dann meinen Tod? Knnen meine Thrnen sie
nicht erweichen? Nein, bey allen Gttern! ehe ich zugeben werde, da
ein anderer als Biribinker -- O! verhatestes unter allen Ungeheuern,
rief die ergrimmte /Galactine/, lassest du mich noch einmal diesen
abscheulichen Namen hren, der mir schon zweymal die Seele durchbohrt
hat? Flieh auf ewig aus meinen Augen, oder erwarte das rgste von dem
immerwhrenden Ha, den ich dir und deinem unseligen Namen geschworen
habe.

/Biribinker/ zitterte an allen Nerven, wie er seine Schne auf
einmal in eine so heftige Wuth ausbrechen sah; er verfluchte im
Ueberma seines Schmerzes den Namen /Biribinker/, und denjenigen,
der ihm denselben gegeben hatte; und er wrde vielleicht (denn fr
gewi will ich es eben nicht sagen,) mit dem Kopf wider die nchste
Eiche angeloffen seyn, wenn er nicht in eben dem Augenblicke sechs
wilde Mnner erblickt htte, die in vollem Lauf aus dem Wald hervor
strmten, und vor seinen Augen sich der schnen Jgerin bemchtigten.
Diese Wilden hatten eine mehr als menschliche Statur, um das Haupt
und die Lenden waren sie mit Eichen-Zweigen bekrnzt, auf der linken
Schulter trugen sie eine sthlerne Keule, und /Biribinker/ fand
sie in diesem Aufzug so frchterlich, da er, seiner angebohrnen
Tapferkeit ungeachtet, allen Muth verlohr, seine Geliebte aus ihren
Hnden zu retten. In dieser dringenden Noth erinnerte er sich an das
Straussen-Ey, das ihm die Fee Mirabella gegeben hatte; er zerbrach
es mit bebender Hand, und erstaunte, wie man denken kan, so sehr als
jemals, da er eine unendliche Menge von kleinen Nymphen, Tritonen und
Delphinen heraus wimmeln sah, die sich augenblicklich in Lebens-Grsse
ausdehnten, und die einen aus ihren Wasser-Krgen, die andern aus
ihren Naslchern eine so ungeheure Menge Wassers ausgossen, da in
weniger als einer Minute ein See um ihn her entstund, der den ganzen
Horizont erfllte. Er selbst befand sich auf dem Rcken eines Delphins,
der so sanft mit ihm davon schwamm, da er keine Bewegung sprte,
und die Nymphen und Tritonen, die um ihn her pltscherten, bemhten
sich, ihm durch Musik und muthwillige Spiele eine Lust zu machen. Aber
/Biribinker/ sahe nur nach dem Orte, wo er seine geliebte Galactine
den Wilden hatte berlassen mssen, und da er, so weit sein schrfster
Blick reichte, um und um nichts als Wasser sahe, betrbte er sich so
herzlich, da er sich etliche mal in die See strzen wollte. Er wrde
es auch gewi gethan haben, wenn er nicht besorgt htte, einer von
den Nymphen, die um seinen Delphin schwammen, in die Arme zu fallen;
welches ihn, (wie er sehr weilich davor hielt,) leicht in eine
Versuchung htte setzen knnen, worinn die ewige Treue, die er seiner
Schnen nunmehr angelobt hatte, in Gefahr gekommen wre. Er trieb
dimal die Vorsichtigkeit so weit, da er sich ein seidenes Schnupftuch
um die Augen band, aus Furcht, von den Schnheiten zu sehr gerhrt
zu werden, die durch tausend verfhrerische Bewegungen seinen Augen
nachstellten.

Auf diese Weise war er ohne den geringsten widrigen Zufall schon ein
paar Stunden fort geschwommen, als er es endlich wagte, das Schnupftuch
ein wenig wegzuschieben, um zu sehen, wo er wre. Er fand zu seiner
grossen Beruhigung, da die Nymphen verschwunden waren; hingegen
gewahrete er in der Ferne etwas, das wie der Rcken eines grossen
Gebrges ber die Wellen hervor ragte; er merkte auch, da die See
ausserordentlich ungestmm wurde, und bald darauf erhub sich ein so
entsetzlicher Sturmwind mit so gewaltigen Regengssen, da es nicht
anders war, als ob ein ganzer Ocean aus der Luft herab strzte.

Der Urheber dieses Unwesens war ein Wallfisch, aber ein Wallfisch,
dergleichen man nicht alle Tag sieht; denn diejenigen, die man an
den Grnlndischen Ksten zu fangen pflegt, waren in Vergleichung
mit ihm nicht viel grsser als die winzigen Thierchen, die man durch
Vergrsserungs-Glser bey vielen tausenden in einem Tropfen Wassers
herum schwimmen sieht. So oft er schnaubte, welches gemeiniglich alle
vier Stunden geschah, so entstund ein Sturmwind, und die Wasserstrme,
die er aus seinen Naslchern ausspritzte, verursachten Platzregen und
Wolkenbrche auf fnfzig Meilen in die Runde. Die Bewegung des Meers
war so heftig, da /Biribinker/ sich nicht lnger auf seinem Delphin
erhalten konnte, sondern sich den Wellen berlassen mute, die ihn wie
einen Ball herum schleuderten, bis er zuletzt von der Luft, die der
Wallfisch einathmete, wie von einem Wirbelwind ergriffen, und durch
eines von den Naslchern des Ungeheuers hinab gezogen wurde. Er fiel
ein paar Stunden lang in einem fort, ohne da er in der Betubung
wute, wie ihm geschah; endlich aber merkte er, da er in ein grosses
Gewsser fiel, womit eine Hle im Bauch des Wallfisches angefllt war.
Es war ein kleiner See, der etwan fnf bis sechs deutsche Meilen im
Umkrei hatte; und vermutlich wrde /Biribinker/ das Ende aller seiner
Abentheuer darinn gefunden haben, wenn er nicht zu gutem Glck sich so
nah am Ufer einer Insel oder Halbinsel gesehen htte, da er kaum zwey
hundert Schritte zu schwimmen hatte, um auf dem Trocknen zu seyn.

Die Noth, die Erfinderin aller Knste, lehrte ihn dimal schwimmen,
ob es gleich das erstemal in seinem Leben war. Er kam glcklich ans
Ufer, und nachdem er sich auf einem Felsen, der zwar wie andere Felsen
von Stein, aber so weich wie ein Polster war, zurecht gesetzt hatte,
erquickte er sich, inde da seine Kleider an der Sonne trockneten,
an den lieblichen Gerchen, die ihm ein khler Landwind aus einem
Wald von Zimmet-Stauden, der das Ufer bekrnzte, entgegen wehte. Weil
er aber begierig war, das Land in Augenschein zu nehmen, und sich zu
erkundigen, ob und von wem es bewohnt sey, so stieg er, so bald er sich
in etwas erhohlt hatte, von seinem Felsen herab, und strich eine halbe
Stunde lang im Wald herum, bis er endlich in einen grossen Lustgarten
kam, worinn alle mgliche Bume, Stauden, Gewchse, Blumen und Kruter
des ganzen Erdbodens in der anmuthigsten Unordnung durch einander
geworfen waren. Die Kunst war in der Anlegung desselben so versteckt,
da alles ein blosses Spiel der Natur zu seyn schien. Hier und da sahe
er Nymphen von blendender Schnheit unter Gebschen oder in Grotten
liegen, und kleine Bche aus ihren Urnen giessen, die den Garten
durchschlngelten, an vielen Orten in allerley Figuren in die Hhe
spielten, an andern Wasserflle machten, oder in marmorne Becken sich
sammelten. Diese Brunnen wimmelten von allen Arten von Fischen, welche,
wider die Gewohnheit der Geschpfe von ihrer Gattung, so lieblich
sangen, da /Biribinker/ ganz davon bezaubert wurde. Insonderheit
bewunderte er einen gewissen Karpfen, der die schnste Discant-Stimme
von der Welt hatte, und einen Triller schlug, der dem besten Castraten
Ehre gemacht htte. Der Prinz hrte ihm eine geraume Weile mit grstem
Vergngen zu; da ihn aber alle diese Wunderdinge nur desto begieriger
machten, zu erfahren, wem diese bezauberte Insel gehre, und ob er sich
wrklich, wie er glaubte, in der unterirrdischen Welt befinde, so that
er dewegen verschiedene Fragen an die besagten Fische; denn er dachte,
weil sie so schn sngen, so wrden sie vermutlich auch reden knnen.
Allein die Fische sangen immer fort, ohne ihm zu antworten, oder nur
Acht darauf zu geben, was er sagte.

Er gab es also endlich auf, und gieng immer weiter fort, bis er
in einen grossen Krautgarten kam, der mit allen Arten von Salat,
Wurzel-Werk, Schotten- und Ranken-Gewchsen besetzt war, die, dem
Ansehen nach, ohne Pflege, wiewohl so schn als nur mglich ist, in
regellosem Ueberflu hervor wuchsen. Indem er sich nun so gut er
konnte, einen Weg durch diese Wildni machte, stie er von ungefehr
mit dem rechten Fu an einen grossen Krbis, der so ziemlich dem Wanst
eines schinesischen Mandarins gleich sahe, und den er unter seinen
breiten Blttern nicht gleich wahrgenommen hatte.

Herr, /Biribinker/, rief ihm der Krbis zu, ein andermal seyn sie so
gut, und schauen ein wenig unter ihre Fsse, eh sie einem ehrlichen
Krbis auf den Nabel treten. Ich bitte sehr um Vergebung, Herr Krbis,
sagte /Biribinker/; es geschah in der That nicht aus Vorsatz, und ich
wrde mich gewi besser vorgesehen haben, wenn ich htte vermuthen
knnen, da die Krbisse in dieser Insel so wichtige Personen sind,
als ich nun sehe. Inde bin ich doch erfreut, da mir dieser kleine
Zufall das Vergngen verschaft hat, mit ihnen Bekanntschaft zu machen;
denn ich hoffe, sie werden mir die Geflligkeit nicht versagen, mich zu
belehren, wo ich bin, und was ich aus allem machen soll, was ich hier
sehe und hre?

Prinz /Biribinker/, antwortete der Krbis, ihre Gegenwart ist mir
allzu angenehm, als da ich mir nicht das grste Vergngen daraus
machen sollte, ihnen alle die kleinen Dienste zu leisten, die von mir
abhangen. Sie befinden sich im Bauch eines Wallfisches, und diese
Insel -- Im Bauch eines Wallfisches, rief /Biribinker/, indem er ihn
unterbrach -- das bertrift noch alles, was mir bisher begegnet ist.
Nun schwre ich ihnen, Herr Krbis, da ich mich in meinem Leben
ber nichts mehr verwundern will. Wahrhaftig! wenn es im Bauch eines
Wallfisches Luft und Wasser, Inseln und Lustgrten, ja wie ich merke,
Sonne, Mond und Sterne gibt, wenn die Felsen darinn so weich wie
Polster sind, die Fische singen, und die Krbisse reden -- Was diesen
Punct betrift, unterbrach ihn der Krbis gleichfalls, so belieben sie
sich sagen zu lassen, da ich hierinn einen Vorzug vor allen andern
Krbissen, Gurken und Melonen in diesem Garten habe; sie htten hundert
andere mit Fssen treten knnen, ohne nur einen Ton von ihnen heraus zu
bringen ----

Ich bitte sie nochmals um Vergebung, erwiederte der Prinz -- das haben
sie gar nicht nthig, sagte der Krbis; ich versichere ihnen, es wre
mir leyd, wenn es mir nicht begegnet wre; ich warte hier schon so
lange auf ihre Ankunft, und die Zeit wurde mir endso lange, da ich
schon zu verzweiffeln anfieng, diese glckliche Begebenheit jemals zu
erleben. Glauben sie mir fr einen, der nicht dazu gebohren ist, ist
es eine verdrieliche Sache, hundert Jahre lang ein Krbis zu seyn,
zumal wenn man die Conversation liebt und gute Gesellschaft gewohnt
ist. Aber die Zeit ist nun gekommen, da sie mich an dem verfluchten
/Padmanaba/ rchen werden. Was sagen sie mir von /Padmanaba/? rief
Biribinker; meynen sie den Zauberer, der die schne Cristalline
in einen Nacht-Topf verwandelte, und die noch schnere Mirabella
verurtheilte, ein Crocodill zu werden, so oft sie ihre Tugend auf die
Probe setzen wollte? Diese Frage, erwiederte der Krbis, versichert
mich, da ich mich nicht betrogen habe, da ich sie fr den Prinzen
/Biribinker/ hielt; ich sehe daraus, da die Helfte der Bezauberungen
des alten Gecken schon vernichtet sind, und da der Augenblick meiner
Befreyung da ist. ---- Haben sie sich also auch ber ihn zu beklagen,
fragte /Biribinker/?

Nehmen sie mir nicht bel, antwortete der Krbis, wenn mich diese Frage
zu lachen macht, (und in der That lachte er so laut, da er wegen
seines kurzen Athems, der eine Folge seines gewaltigen Schmeerbauchs
war, eine gute Weile keuchen und husten mute, bis er wieder reden
konnte.) Merken sie dann nicht, fuhr er fort, da ich etwas bessers
seyn mu, als ich aussehe? Hat ihnen die schne /Mirabella/ nicht von
einem gewissen Salamander gesagt, der das Glck hatte in gewissen
Umstnden von dem alten /Padmanaba/ berrascht zu werden -- Ja wohl,
sagte /Biribinker/, sie sprach mir von einem gewissen geistigen
Liebhaber, der ihre Seele mit den Geheimnissen der Philosophie des
Averroes unterhielt, damit sie die kleinen Experimente nicht beobachten
mchte, die er indessen -- Sachte, sachte, rief der Krbis, ich sehe,
da sie mehr von mir wissen, als sie allenfalls nthig gehabt htten;
ich bin dieser Salamander, dieser /Flox/, der, wie ich sagte, und
wie sie schon wuten, so glcklich war, die schne Mirabella wegen
der frostigen Nchte zu entschdigen, die sie mit dem alten Zauberer
zuzubringen genthiget war. Die vorerwhnte Scene, wobey er die
Thorheit hatte, einen ungebetenen Zuschauer abzugeben, setzte ihn
in eine Art von Verzweiflung, ohne ihn von der Liebes-Krankheit zu
heilen, womit er lcherlicher Weise behaftet war. Sein Pallast, ja ein
jeder anderer Aufenthalt, den er, in welchem Element er gewollt htte,
whlen konnte, wurde ihm verhat; er traute weder Sterblichen noch
Unsterblichen; Gnomen und Sylphen, Tritonen und Salamander waren ihm
alle gleich verdchtig; und er hielt sich nirgends sicher als in einer
gnzlichen und unzugangbaren Einsamkeit. Nach vielen andern Projecten,
die er eben so bald verwarf als machte, fiel ihm endlich ein, sich in
den Bauch des Wallfisches zurck zu ziehen, wo ihn, dacht er, gewi
niemand suchen wrde. Er lie sich durch eine Anzahl Salamander einen
Pallast darinn erbauen, und damit sie ihn nicht verrathen knnten,
so verwandelte er sie, nebst mir, in eben so viele Krbisse, mit der
Bedingung es so lange zu bleiben, bis der Prinz /Biribinker/ uns unsere
erste Gestalt wieder geben wrde. Ich war der einzige von allen, dem er
den Gebrauch der Vernunft und der Sprache lie, wovon die erste, wie er
glaubte, mir zu nichts ntzen konnte, als mich durch die Erinnerungen
meiner verlohrenen Glckseligkeit zu peinigen, und die andere zu nichts
als manchem eiteln Ach! und O! oder Gesprchen, worinn ich die Mhe
nehmen mte, mir die Antworten selbst zu geben. Allein in diesem
Stck betrog sich der weise Mann ein wenig, denn so ungnstig auch
immer die Figur und Organisation eines Krbis zu Beobachtungen seyn
mag, so geschickt ist sie hingegen zu Betrachtungen _ priori_; und
mit alle dem entdeckt man doch in hundert Jahren nach und nach eines
oder anders, was entweder unsere schon gefate Hypothesen bestttiget,
oder uns auf die Spur einer neuen bringt. Kurz, ich bin der kleinen
Angelegenheiten des Herrn /Padmanaba/ so unkundig nicht als er
vielleicht denkt, und ich hoffe ihnen Anleitungen zu geben, wodurch
sie in den Stand gesetzt werden sollen, alle seine Vorsichtigkeit zu
vereiteln.

Ich wrde ihnen sehr dafr verbunden seyn, erwiederte der Prinz; ich
wei nicht was fr einen sonderbaren Beruf ich in mir spre, dem guten
/Padmanaba/ Streiche zu spielen; vermuthlich ist es der Einflu meines
Gestirns, der mich dazu dahin reit; denn ich wte nicht, da er
mich jemals in seinem Leben persnlich beleidiget haben sollte. Ist
es nicht Beleidigung genug, sagte der Krbis, da er Ursache ist, da
ihnen der grosse /Caramussal/, der auf der Spitze des Berges Atlas
wohnt, den Namen /Biribinker/ gegeben hat? einen Namen, der ihnen
bey ihrem geliebten Milchmdchen schon dreymal so fatal gewesen ist?
-- So ist also der alte Padmanaba schuld daran, da ich Biribinker
heisse? fragte der Prinz voller Verwunderung; erklren sie mir doch ein
wenig, wie diese Dinge zusammen hangen; denn ich gestehe ihnen, da
ich mir den Kopf schon oft vergeblich zerbrochen habe, um hinter das
Geheimni meines Namens zu kommen, welchem ich, wie es scheint, alle
meine seltsame Begebenheiten zu danken habe. Insonderheit mchte ich
doch wissen, wie es zugeht, da jedermann, wo ich hinkomme, bis auf die
Krbisse, mich gleich bey meinem Namen nennt, und von allen Umstnden
meiner Geschichte so gut benachrichtiget ist, als ob sie mir an der
Stirne geschrieben stnden.

Es ist mir noch nicht erlaubt, antwortete der Krbis, ihre Neugier
ber diesen Punct zu befriedigen; genug, da es nur von ihnen abhngt,
sich vielleicht nach dieser Abrede ins Klare zu setzen. Die grste
Schwierigkeit ist nun einmal berstanden; /Padmanaba/ dachte wohl
nicht, da sie ihn im Bauch seines Wallfisches finden wrden. Ich
bekenne ihnen aufrichtig, unterbrach ihn /Biribinker/, da ich noch
weniger daran dachte, und sie werden gestehen mssen, da er wenigstens
alles gethan hat, was mglich war, um seinem Schicksal zu entgehen.
Aber sie erwhnten eines Pallasts, den sich ihr Alter von Salamandern
in dieser Insel habe bauen lassen; ich denke wir sind hier in den
Grten, die dazu gehren, warum sehe ich denn nirgends keinen Pallast?
Die Ursache ist ganz natrlich, antwortete der Krbis; sie wrden
ihn unfehlbar sehen, wenn er nicht unsichtbar wre. Unsichtbar, rief
/Biribinker/; so wird er doch nicht unfhlbar seyn, hoffe ich? Das
nicht, antwortete /Flox/, aber da er aus gediegenen Flammen erbaut ist
----

Sie sagen mir von einem seltsamen Pallast, unterbrach ihn /Biribinker/
abermal; aber wenn er aus Flammen erbaut ist, wie kan er denn
unsichtbar seyn? Darinn besteht eben das wunderbare von der Sache,
antwortete der Krbis; es mag nun mglich oder unmglich seyn, so ist
es nicht anders; sie knnen den Pallast nicht sehen, wenigstens nicht
in dem Stande, worinn sie jetzt sind; aber gehen sie nur ungefehr zwey
hundert Schritte gerade fort, so wird die Hitze, die sie empfinden
werden, sie bald genug berzeugen, da ich ihnen die Wahrheit sage.

Die ausserordentliche Dinge, welche /Biribinker/ bereits im Bauche
des Wallfisches gesehen hatte, (und was kan man auch im Bauch eines
Wallfisches anders erwarten als ausserordentliche Dinge?) htten ihn
billig geneigt machen sollen, alles glaubwrdig zu finden, was man
ihm sagte; dem ungeachtet war er dimal so eigensinnig, da er nur
sich selbst glauben wollte. Er gieng also auf den unsichtbaren Pallast
zu; aber kaum war er hundert Schritte fortgegangen, so sprte er
bereits einen merklichen Grad von Hitze, die ihm mit einem gewissen
unsichtbaren Glanz, der ihm die Augen bergehen machte, entgegen kam.
Die Wrme und der Glanz nahmen immer zu, je weiter er fortgieng,
bis beyde in kurzem so durchdringend wurden, da es nicht lnger
auszustehen war. Er gieng also wieder zurck, und suchte seinen Freund,
den Krbis, der ihm, so bald er ihn wieder kommen hrte, entgegen rief:
Nun, Prinz /Biribinker/, werden sie mir knftig glauben, wenn ich ihnen
etwas sage? Wenigstens begreiffen sie doch, hoffe ich, da nichts
natrlichers seyn kan, als da ein Pallast von gediegenen Flammen vor
Hitze unzugangbar, und vor lauter Glanz und Schimmer unsichtbar ist.

Ich begreiffe das in der That viel besser, antwortete /Biribinker/,
als wie ich hinein kommen werde; denn das sag ich ihnen, ich spre
eine unwiderstehliche Begierde in mir, in diesen Pallast hinein zu
gehen, und wenn es mir auch das Leben kosten sollte, so kan ich -- So
viel soll es sie nicht kosten, fiel ihm der Krbis in die Rede. Wenn
sie sich gefallen lassen wollen, zu thun was ich ihnen sage, so wird
ihnen der Pallast sichtbar werden, und sie werden eben so sicher hinein
gehen knnen, als ob es eine Strohhtte wre. Sie brauchen nur ein ganz
leichtes Mittel dazu, und das ihnen nicht mehr kosten wird als einen
einzigen kleinen Sprung -- Halten sie mich nicht lange mit Rthseln
auf, Herr Krbis, sagte /Biribinker/; was ist zu thun? Es mag nun etwas
leichtes oder schweres seyn, so sehen sie mich bereit alles zu wagen,
um in ein Schlo zu kommen, das von lauter Glanz unsichtbar ist.

Ungefehr sechzig Schritte hinter jenen Granatbumen, versetzte
der Krbis, werden sie in einem kleinen Labyrinth von Jasmin und
Rosenhecken einen Brunnen finden, der sich von einem andern Brunnen
durch nichts unterscheidet, als da er statt des Wassers mit Feuer
angefllt ist. Gehen sie, Prinz, baden sie sich in diesem Brunnen, und
in einer Viertelstunde ungefehr kommen sie wieder, und sagen mir, wie
ihnen das Bad zugeschlagen hat.

Sonst nichts als das? sagte /Biribinker/, mit einer Mine, die mehr
verdrielich als hnisch war; ich glaube, sie sind nicht klug, Herr
Krbis -- ich soll mich in einem feurigen Brunnen baden, und hernach
wieder kommen, und ihnen sagen, wie mir das Bad bekommen hat? Hat
man auch jemals so was tolles gehrt! -- Ereyfern sie sich nur nicht
so, versetzte der Krbis, es steht ja bey ihnen, ob sie in den
unsichtbaren Pallast kommen wollen oder nicht, und wenn sie sich nicht
so entschlossen erklrt htten, wie sie gethan haben, so wre mirs in
der That nie eingefallen, ihnen einen solchen Antrag zu machen.

Krbis, mein guter Freund, erwiederte /Biribinker/, ich merke, da ihr
euch ein wenig lustig mit mir machen wollt, aber ich mu euch sagen,
da ich jetzt nicht im Humor bin, Spa zu verstehen. Ich verlange
nicht als eine abgeschiedene Seele in den Pallast zu kommen -- Das
sollen sie auch nicht, sagte der Krbis! Das feurige Bad, das ich
ihnen vorschlage, ist nicht so gefhrlich als sie sichs einbilden, und
/Padmanaba/ selbst bedient sich desselben alle drey Tage; sonst wrde
er eben so wenig in einem Pallast von gediegenem Feuer wohnen knnen,
als sie. Denn ob er gleich, ausser dem grossen /Caramussal/, der auf
der Spitze des Berges Atlas wohnt, der grste Zauberer in der ganzen
Welt ist, so ist er doch von eben so irrdischer Natur und Abkunft
als sie. Ja er wrde, ohne den Gebrauch dieses Brunnens, der eines
der grsten Geheimnisse seiner Kunst ist, nicht einmal der kleinen
Glckseligkeit fhig seyn, die er jetzt bey der schnen Salamandrin,
die er in seinem Pallast eingeschlossen hlt, geniet, oder doch zu
genieen glaubt; wenn anders der Gebrauch, den ein /Titon/ von seiner
/Aurora/ zu machen fhig ist, ein Genu genennt zu werden verdient. Er
hat also eine schne Salamandrin bey sich? fragte /Biribinker/. Warum
nicht, antwortete der Krbis; meynen sie, da man sich umsonst in den
Bauch eines Wallfisches verschliet?

Ist sie sehr schn, fuhr /Biribinker/ fort? -- Sie mssen wohl nie
keine Salamandrin gesehen haben, erwiederte der Krbis, weil sie das
fragen knnen. Wissen sie denn nicht, da die schnste Sterbliche gegen
die geringste von unsern Schnen nicht besser als wie ein Affenweibchen
aussehen wrde? Es ist wahr, ich kenne eine /Ondine/, die vielleicht
der schnsten Salamandrin den Vorzug streitig machen knnte; allein es
ist unter allen Ondinen nur eine /Mirabella/ -- O! was das anbetrift,
unterbrach ihn /Biribinker/, wenn die Salamandrin des alten Padmanaba
nicht schner als Mirabella ist, so htten sie nicht nthig gehabt die
sterblichen Schnen so weit unter sie herunter zu setzen. Ich gestehe,
da sie reitzend ist, aber ich kenne ein gewisses Milchmdchen -- in
welches sie so verliebt sind, fiel ihm der Krbis hnisch in die Rede,
da sie der schnen Mirabella beym ersten Anblick schwuren, sie nie
gesehen zu haben. Die Wrkung zeugt am besten von der Ursache, und wenn
man ihre Leidenschaft nach diesem Grundsatz beurtheilen wollte ----

O wahrhaftig! rief /Biribinker/ ungedultig, ich bin, glaube ich, nur
hieher gekommen, um einen Krbis philosophiren zu hren. Sagen sie
mir lieber, wie ich in den unsichtbaren Pallast kommen kan, denn ich
sterbe vor Ungedult, wenn es nicht geschieht; ist denn kein anders
Mittel, als das verwnschte feurige Bad, worinn sie mich gerne zu einer
Carbonnade gemacht sehen mchten? Sie sind wunderlich, mit Erlaubni,
antwortete der Krbis; ich sagte ihnen ja schon, da mir selbst alles
daran gelegen ist, da sie in den unsichtbaren Pallast kommen, wo,
allen Umstnden nach, eines der ausserordentlichsten Abentheuern auf
sie wartet. Meynen sie denn, da ich fr meinen Spa ein Krbis bin,
und da ich mich nicht je blder je lieber von diesem verfluchten
unbequemen Wanst befreyt sehen werde, der sich so bel fr einen so
speculativen Geist schickt als ich bin? Ich sage ihnen noch einmal,
sie haben kein anders Mittel in den Pallast zu kommen, ohne von der
Glut desselben verzehrt zu werden, als das feurige Bad, welches ich
ihnen vorschlug. Ehe sie vor Ungedult sterben, wie sie sagen, knnten
sie es ja ein paar Minuten versuchen; kommen sie auch darinn um, wofr
ich ihnen doch gut stehe, so ist es nur eine Todesart fr die andere,
und das kommt zuletzt auf Eines hinaus. Gut, sagte /Biribinker/, wir
wollen sehen was zu thun seyn wird! Vielleicht sollte ich nicht so viel
Zutrauen in sie setzen als ich thue; allein der Zug meines Schicksals
ist strker als meine Vernunft; ich will gehen, und wenn sie binnen
einer Viertelstunde nichts von mir hren, so ergeben sie sich nur
gedultig darein, ein Krbis zu bleiben, bis Padmanaba von sich selbst
entweder verliebt oder eyferschtig zu seyn aufhrt.

Mit diesen Worten machte er dem Krbis sein Compliment, und gieng dem
Labyrinth zu, wo der feurige Brunnen seyn sollte. Er fand ein grosses
rundes Becken, mit breiten Steinen von Diamant ausgemauert, und mit
einem Feuer angefllt, welches, ohne von irgend einer sichtbaren
Materie genhrt zu werden, in schlngelnden Blitzen empor loderte,
und unschdlich die dichten Bsche von Rosen leckte, die rings umher
ber den Brunnen sich wlbten. Unzhliche Farben spielten mit der
anmuthigsten Abwechslung in diesen wundervollen Flammen, und statt des
Rauchs ergo sich ein lauer unsichtbarer Dampf von den lieblichsten
Gerchen umher. /Biribinker/ betrachtete dieses Wunder eine geraume
Zeit mit einer Unschligkeit, die einem Feen-Helden wenig Ehre macht,
und er wrde vielleicht noch immer am Rande des Brunnens stehen,
wenn ihn nicht, da er sichs am wenigsten versah, eine unsichtbare
Gewalt mitten in die Flammen geworfen htte. Er erschrack so sehr,
da er vor Angst nicht schreyen konnte; aber da er sprte, da ihm
dieses Feuer kein Haar versengte, und an statt ihm nur den geringsten
Schmerz zu verursachen, sein ganzes Wesen mit einer wollstigen Wrme
durchdrang, so fate er sich bald wieder, und in kurzem gefiel es ihm
so wohl darinn, da er in den feurigen Wellen herum pltscherte, wie
ein Fisch in frischem Wasser. Vielleicht wrde er weit lnger als die
vorgeschriebene Zeit in einem so angenehmen Bade zugebracht haben, wenn
ihn nicht die immer zunehmende Hitze zuletzt heraus getrieben htte.
Er sprang also wieder heraus, aber wie sehr erstaunte er, da er sich
nicht nur so leicht und unkrperlich fhlte, da er wie ein Zephyr ber
dem Boden hin schwebte, sondern auf einmal einen Pallast erblickte,
dessen Glanz und Schnheit alles bertraf, was ein menschliches Auge
jemals gesehen hat. Er stund eine gute Weile wie ausser sich selbst,
und sein erster Gedanke, da er wieder denken konnte, war an die
Schnheit, die ein so herrlicher Pallast in sich schliessen msse; denn
da Diamanten und Rubinen ihn nur Gassensteine gegen die Materialien
duchten, woraus dieses Schlo erbaut war, so zweiffelte er nicht, da
die schne Salamandrin sich gegen die Schnen, die er bisher gekannt
hatte, zum wenigsten eben so verhalten wrde, wie dieser Pallast gegen
die gewhnlichen Feenschlsser, die man prchtig genug gebaut zu haben
glaubt, wenn man die Mauren von Diamanten oder Smaragden auffhrt,
das Dach mit Rubinen deckt, den Fuboden mit Perlen einlegt, und was
dergleichen mehr ist, welches doch alles in Vergleichung mit diesem
feurigen Pallast nichts bessers als eine elende Htte vorgestellt
htte. Unter diesen Gedanken nherte er sich demselben unvermerkt, und
war schon durch den ersten Hof, dessen glnzende Pforte sich von selbst
vor ihm aufthat, hinein gegangen, als ihm einfiel, da ihm der Krbis
ausdrcklich gesagt hatte, er sollte nach dem Bad im feurigen Brunnen
wieder zu ihm kommen. Vermuthlich, dachte er, hat er mir Nachrichten
zu geben, ohne die es gefhrlich seyn knnte, sich in ein solches
Schlo zu wagen, und da ich mich bisher bey seinen Anweisungen so wohl
befunden habe, so wrde es weder klug noch dankbar seyn, wenn ich mir
einbilden wollte, da ich seiner nicht mehr nthig habe. Man sehe doch,
wie seltsam es kommen kan! Wer htte jemals gedacht, da ein Krbis ein
Rathgeber eines Prinzen seyn wrde!

/Biribinker/ schlich sich also, nicht ohne Furcht entdeckt zu werden,
zu seinem Krbis zurck. Ha! rief ihm dieser auf zwanzig Schritte
entgegen, ich sehe, da ihnen das Bad unvergleichlich wohl zugeschlagen
hat; sie sind ja zum bezaubern; ich schwre ihnen bey der Tugend meiner
geliebten Mirabella, da keine Salamandrin ist, die ihnen, so wie
sie jetzt aussehen, nur eine Minute widerstehen wird. Aber was wird
aus ihrer Treue gegen das Milchmdchen werden? -- Herr Krbis, sagte
/Biribinker/, lassen sie sich mit aller der Achtung, die ich ihnen
brigens schuldig bin, sagen, da sie besser gethan htten, mich in den
Umstnden, worein mich ihr Bad gesetzt hat, mit dergleichen unzeitigen
Erinnerungen zu verschonen -- Ich bitte um Verzeyhung, antwortete der
Krbis, ich wollte nur so viel sagen -- Gut, gut, unterbrach ihn der
Prinz, ich wei wohl, was sie sagen wollten, und ich antworte ihnen
darauf, da ich ohne ihre Warnungen, die ein beleidigendes Mitrauen
in meine Standhaftigkeit setzen, durch die blosse Erinnerung an mein
himmlisches Milchmdchen gegen die vereinigten Reitzungen aller ihrer
feurigen Schnen so sicher zu seyn glaube, als ich es mitten unter
den hlichsten Gnomiden seyn knnte. Es wird sich zeigen, sagte der
Krbis, ob sie diese edle Gesinnungen zu behaupten wissen werden; ich
habe eine so gute Meynung von ihnen, als man, nach allem was in einem
gewissen Schlo vorgegangen ist, nur immer haben kan; aber bey alle
dem, kan ich doch nicht lugnen, da ich ihre Treue in keine kleine
Gefahr gesetzt sehe, wenn sie in den Pallast hinein gehen. Es steht
noch bey ihnen, ob sie es wagen wollen, oder nicht; bedenken sie sich
wohl, oder ----

Mein lieber Herr Krbis, unterbrach ihn /Biribinker/, ich sehe, da
sie eine eben so verzweiffelte Wuth zum raisonniren haben, als die
tugendhafte und precise Mirabella, ihre Geliebte. Warum haben sie denn
verlangt, da ich in dem feurigen Brunnen baden sollte, wenn ich nicht
in den Pallast hinein gehen darf? Noch einmal, mein lieber Freund,
sorgen sie nicht fr meine Treue, und sagen sie mir lieber: wie ich
mich zu verhalten habe, wenn ich in den Pallast komme? Sie haben hiezu
wenig Unterricht nthig, antwortete der Krbis, denn sie werden nirgend
keinen Widerstand finden; alle Thren werden sich ihnen von selbst
erfnen, und wenn sie irgend etwas zu besorgen haben, so mu es nur
(wie ich schon gesagt, und wie sie sich so ungern sagen lassen) von
ihrem eigenen Herzen seyn. Aber was fr eine Mine, denken sie, da mir
der alte /Padmanaba/ machen werde, fragte der Prinz? So viel ich an der
Bewegung der Gestirne merke, erwiederte der Krbis, so ist es bereits
um Mitternacht, um welche Zeit der Alte in tiefem Schlaf zu liegen
pflegt. Allein gesetzt auch, da er aufwachen sollte, so haben sie von
seinem Zorn nichts zu besorgen; alle seine Macht vermag nichts gegen
die Zauber-Kraft ihres Namens, und nach den Vortheilen, die sie bisher
ber ihn erhalten haben, zu urtheilen, knnen sie allerdings hoffen,
diesesmal nicht weniger glcklich zu seyn.

Es mag gehen wie es will, versetzte /Biribinker/, so bin ich
entschlossen das Abentheuer mit dem unsichtbaren Schlo zu bestehen;
denn es liesse sich doch sonst keine vernnftige Ursache angeben, warum
ich in des Wallfisches Bauch gekommen seyn sollte. Gute Nacht, Herr
Krbis, bis wir uns wieder sehen.

Viel Glcks, tapferer und liebenswrdiger /Biribinker/, rief ihm
der wortreiche Krbis nach; fahre wohl, du Blume und Zierde aller
Feen-Ritter, und mge das Abentheuer, dem du so muthig entgegen gehst,
einen Ausgang gewinnen, dergleichen noch kein Mhrchen gehabt hat,
seitdem es Feen und Ammen in der Welt gibt. Gehe, weiser Knigs-Sohn,
wohin dich dein Schicksal zieht; aber hte dich die Warnungen eines
Krbis zu verachten, der dein guter Freund ist, und vielleicht tieffere
Blicke in die Zukunft thut, als irgend ein Calender-Macher in der
Christenheit.

Der Krbis merkte nicht, indem er diese schne Abschieds-Rede hielt,
da der Prinz schon durch den ersten Schlohof gegangen war, ehe er
noch zu reden aufgehrt hatte. /Biribinker/ war jetzt ganz und gar
von dem Abentheuer eingenommen, das er vor sich hatte, und seine
Einbildungs-Kraft, die in dem feurigen Bad einen ausserordentlichen
Schwung erhalten hatte, stellte ihm die schne Salamandrin, die er bald
zu sehen hofte, mit so unwiderstehlichen Reitzungen vor, da er sich
des Wunsches nicht enthalten konnte, seinem Milchmdchen nur dieses
einzige mal noch ungetreu seyn zu knnen. Unter diesen Gedanken kam
er durch den zweyten Hof in ein Vorhaus, aus welchem ihm ein grosses
Getmmel entgegen schallte. Er lauschte ein wenig, und vernahm, da es
eine Menge von krchzenden Weiber-Stimmen waren, die in einem heftigen
Wortwechsel begriffen schienen. So neugierig als er von Kindheit auf
gewesen war, konnte er sich nicht enthalten, zu sehen, wem diese
anmuthigen Stimmen zugehrten. Er fnete die Thr eines grossen und
beraus prchtigen Saals, und entsetzte sich nicht wenig, da er ihn mit
fnfzig oder sechzig der allerhlichsten kleinen Zwerginnen angefllt
sah, die nur immer die brleske Einbildung eines /Calot/ oder /Hogarth/
zu ersinnen fhig wre.

Der arme /Biribinker/ glaubte beym ersten Anblick, da er zu einem
Hexen-Sabbath gekommen sey, und er wrde unfehlbar vor Abscheu in
Ohnmacht gefallen seyn, wenn er nicht zu gleicher Zeit vor Lachen ber
so poierliche Figuren htte bersten mgen. Diese schnen Nymphen, die
in der That nichts geringers als junge Gnomiden waren, von denen die
jngste kaum achtzig Jahre haben mochte, wurden seiner kaum gewahr,
so eilten sie alle auf ihn zu, so schnell als es ihre krummen Beine
zuliessen. Sie kommen eben recht, Prinz /Biribinker/, rief ihm eine
von den hlichsten entgegen, einen Streit zu entscheiden, worber
wir einander bey nahe in die Haare gekommen wren. Sie zanken sich
doch nicht, hoffe ich, welche unter ihnen die schnste sey? sagte
/Biribinker/. Und warum nicht? erwiederte die /Gnomide/; sie haben es
ersten Streichs errathen. Aber denken sie nur, mein schner Prinz,
nachdem ich es wrklich schon dahin gebracht habe, da mir alle brige
den Vorzug eingestehen, so untersteht sich dieses Fratzen-Gesicht,
diese kleine Pagode hier, mir den goldnen Apfel noch streitig zu
machen. O! mein angenehmster junger Prinz, schrie die Angeklagte, indem
sie ihn in die Waden kneipte, welches vermuthlich, ihrer Absicht nach,
eine Liebkosung seyn sollte; ich darf es khnlich auf ihr Urtheil
ankommen lassen. Sehen sie uns beyde nur recht an, betrachten sie uns
Stck vor Stck, und thun sie den Ausspruch nach ihrem Gewissen, wofern
ich mir zu viel schmeichlen wrde, wenn ich sagte nach ihrem Herzen.
Begreiffen sie, Prinz /Biribinker/, sagte die erste, wie man die
Unverschmtheit so weit treiben kan? Frs erste, so ist sie kaum eines
Daumens Breite kleiner als ich, und sie werden gestehen, da das keinen
Unterscheid macht; was ihren Buckel betrift, so hoffe ich, der meinige
darf sich noch immer neben dem ihren sehen lassen, und meine Fsse
sind, wie sie sehen, immer so breit und wohl um zwey gute Mannsdaumen
lnger als die ihrige. Ich wei wohl, da sie sich sehr viel auf den
Umfang und die Schwrze ihres Busens zu gut thut, aber sie werden doch
bekennen mssen, fuhr sie fort, indem sie ihr Halstuch abnahm, da der
meinige, wo nicht vllig so ansehnlich, doch ungleich schwrzer ist als
der ihrige. Mag er doch! rief die andere, einen so kleinen Vorzug kan
ich dir leicht eingestehen, da ich in allen andern Stcken den Vortheil
ber dich habe.

Sie lachen, mein liebster Prinz /Biribinker/, und es kan in der That
nichts lcherlicher seyn, als die Eitelkeit dieser Meerkatze hier. Ich
schme mich, da ich genthiget seyn soll, mich selbst zu loben, aber
sehen sie einmal, um wie viel meine Beine krmmer und stumpichter sind
als die ihrigen? Ich will von allem brigen nichts sagen; man mte
nur blind seyn, wenn man nicht beym ersten Anblick sehen sollte, da
meine Augen kleiner und matter sind als die ihrigen, da meine Backen
um die Helfte aufgedunsener sind, und meine Unter-Lippe viel weiter
herunter hangt; auch nichts von der ungleich grssern Lnge meiner
Ohren zu gedenken, und da ich wenigstens fnf oder sechs Warzen mehr
im Gesicht habe als sie, und da die Haare an den meinigen lnger sind;
wir wollen auf einen Augenblick das alles beyseite setzen, und nur
von der Nase reden. Es ist wahr, die ihrige ist eine von den grsten,
die man sehen mag, und man knnte in Versuchung gerathen, sie die
Schnste zu nennen, wenn man die meinige nicht gesehen hat: Aber man
braucht ja keinen Maastab, um zu finden, da meine Nase wenigstens
einer halben Spanne lang weiter ber den Mund herab hngt als die
ihrige. Die Schamhaftigkeit erlaubt mir nicht, setzte sie mit einem
entsetzlich zrtlichen Blick hinzu, von andern Schnheiten zu reden,
die nur einem glcklichen Liebhaber sichtbar werden drfen; aber sie
knnen versichert seyn, da ich in diesem Stck nicht weniger Ursache
habe, mich der Freygebigkeit der Natur zu berhmen, als in Absicht
dessen, was ihnen in die Augen fllt, und ich hoffe -- Mademoiselle,
rief /Biribinker/, so bald er vor Lachen reden konnte; ich unterstehe
mich eben nicht, mich fr einen Kenner auszugeben; aber in der That, es
kan ihrer Freundin nicht Ernst seyn, wenn sie sich, was die Schnheit
betrift, mit ihnen in einen Wettstreit einlassen will; der Vorzug, den
sie in diesem Stck haben, ist augenscheinlich, und es ist unmglich,
da der gute Geschmack der Herren /Gnomen/ ihnen hierber nicht
vollkommene Gerechtigkeit widerfahren lassen sollte.

Die erste /Gnomide/ schien durch diese Entscheidung nicht wenig
beleidiget zu seyn, allein /Biribinker/, der vor Ungedult brannte,
die schne Salamandrin zu sehen, bekmmerte sich wenig um alles,
was sie zwischen ihren langen Zhnen murmelte, und zog sich wieder
zurck, nachdem er der ganzen liebreitzenden Gesellschaft eine gute
Nacht gewnscht hatte. Statt der Antwort schickten sie ihm ein lautes
Gelchter nach, um dessen Bedeutung er sich wenig bekmmerte, da er
jetzo den Pallast vor sich stehen sahe, dessen unbegreifliche Schnheit
seine ganze Aufmerksamkeit auf sich zog. Nachdem er ihn eine geraume
Weile voller Bewunderung betrachtet hatte, sahe er, da die beyden
Flgel der Pforte sich aufthaten. Er konnte dieses nicht anders als
fr ein Zeichen ansehen, da seine Unternehmung mit dem glcklichsten
Ausgang bekrnt werden wrde. Er gieng also mit hofnungsvollem Muth
hinein, und befand sich, nachdem er eine Treppe hinauf gestiegen war,
in einem grossen Vorsaal, aus dem er in eine Reyhe von Zimmern kam, von
deren Schimmer er, ungeachtet der Vernderung, die das Feuer-Bad in
seiner Natur hervor gebracht hatte, fast verblendet wurde.

Allein so mannigfaltig und ausserordentlich alle die schnen Dinge
waren, die von allen Seiten seinen Augen entgegen strahlten, so
verga er doch alles andere ber den Gemhlden einer unvergleichlich
schnen jungen Salamandrin, womit alle diese Zimmer behangen waren. Er
zweiffelte nicht, da es die Geliebte des alten /Padmanaba/ seyn werde
und diese Copien, worein sie in allen nur ersinnlichen Stellungen,
Anzgen und Gesichtspuncten, bald wachend, bald schlafend, bald als
Diana, bald als Venus, Hebe, Flora, oder eine andere Gttin vorgestellt
war, gaben ihm eine solche Idee von dem Urbilde, da er bey der
blossen Erwartung seiner bevorstehenden Glckseligkeit vor Entzckung
und Wonne htte zerfliessen mgen. Ins besondere konnte er nicht
satt werden, eine grosse Tafel anzuschauen, worein sie in einem Bade
von Flammen sa, von Liebesgttern bedient, die durch das Anschauen
ihrer berirrdischen Schnheit ausser sich selbst gesetzt schienen.
/Biribinker/ wute nicht, ob er die Schnheit des Gegenstands, oder
die Kunst der Mahlerey am meisten bewundern sollte, und mute sich
selbst gestehen, da /Titian/ und /Guido/ gegen die Salamandrischen
Mahler in Absicht des Colorit nur Sudler seyen. Der Eindruck, den
dieses Gemhlde auf ihn machte, war so lebhaft, da er mit usserster
Ungedult diejenige zu sehen wnschte, die in einem leblosen Nachbilde
schon so unwiderstehliche Begierden einflte. Er durchsuchte also eine
Menge von Zimmern, ohne da er jemand fand, er durchsuchte den ganzen
Pallast von oben bis unten, und wiederhohlte es zwey oder dreymal; aber
da war keine Seele zu hren noch zu sehen. Endlich ward er einer halb
gefneten Thre gewahr, die in den ausserordentlichsten Lustgarten
fhrte, den er jemals gesehen hatte. Alle Bume, Gewchse und Blumen,
Alleen, Lauben und Springbrunnen in diesem Garten waren von lauterm
Feuer, jedes brannte in seiner natrlichen Farbe, mit einem eben so
anmuthigen als durchdringenden Glanz, und die Wrkung, die das Ganze
machte, bertraf in der That alles, was sich die Einbildungs-Kraft
prchtiges vorstellen kan.

/Biribinker/ warf nur einen flchtigen Blick auf dieses majesttische
Schauspiel, denn er gewahrte am Ende des Gartens einen Pavillion, in
welchem er seine schne Salamandrin zu finden hofte. Er flog dahin,
und die Thre fnete sich abermal von selbst, um ihn durch einen
grossen Saal in ein Cabinet einzulassen, wo er niemand sah als einen
Greisen von majesttischem Ansehen, mit einem langen schneeweissen
Bart, der auf einem Ruhebette in tiefem Schlafe zu liegen schien. Er
zweiffelte nicht, da es der alte /Padmanaba/ sey, und ob er gleich
versichert war, da er keine Gewaltthtigkeit von ihm zu besorgen
hatte, so konnte er sich doch nicht erwehren, ein wenig zu zittern, da
er sich, mit den Absichten, die er hatte, so nah bey diesem Zauberer
und an einem Orte sah, wo alles demselben zu Gebot stund. Doch der
Gedanke, da ihn das Schicksal nun einmal dazu ausersehen habe, die
Bezauberungen des Padmanaba zu zerstren, und das Verlangen, die schne
Salamandrin zu sehen, gaben ihm in wenig Augenblicken seinen ganzen
Muth wieder. Er war im Begriff sich dem Ruhebette zu nhern, um sich
eines Sbels zu bemchtigen, der neben dem Alten auf einem Kssen lag,
als er merkte, da er mit dem Fu an etwas stie, ob er gleich nicht
sahe, was es seyn knnte. Er stutzte, und da er die Hnde zu Hlfe
nahm, so fhlte er den artigsten kleinen Fu, der je gewesen ist, auf
einem Polster ausgestreckt. Eine so unverhofte Entdeckung machte ihn
neugierig, das Bein kennen zu lernen, dem ein so artiger Fu zugehrte;
denn /Biribinker/ schlo in diesem Falle wie Sanct Thomas von Aquino
selbst geschlossen haben wrde, nehmlich, da, wo man einen Fu finde,
man nach dem ordentlichen Lauf der Natur berechtiget sey ein Bein
zu erwarten. Er setzte also seine Beobachtungen fort, und entdeckte
endlich von Schnheit zu Schnheit in der unsichtbaren Figur, die er
vor sich hatte, ein junges Frauenzimmer, die in einem tiefen Schlaf
versenkt zu seyn schien, und (nach dem Zeugni des einzigen Sinnes, der
ihm ihr Daseyn verrathen hatte, zu urtheilen) von einer so vollkommenen
Schnheit war, da sie nichts geringers als entweder Venus oder die
schne Salamandrin selbst seyn konnte. In dem nehmlichen Augenblick,
da er diese Entdeckung machte, lie sich eine muntere Symphonie von
allen mglichen Instrumenten hren, ohne da man weder Instrumente noch
Musicanten sah.

/Biribinker/ erschrack und bebte von der schnen Unsichtbaren zurck,
denn sein erster Gedanke war, da dieses Getse den schlafenden
Zauberer aufwecken wrde; aber er entsetzte sich noch weit mehr, da er
sah, da /Padmanaba/ verschwunden war.

Dieser Zauberer war alt genug um klug zu seyn; er wute schon lange,
wie gefhrlich ihm /Biribinker/ einst seyn wrde, und die Furcht
vor einem Prinzen, der dazu gebohren schien, seine Bezauberungen
aufzulsen, war der strkste Beweggrund gewesen, warum er seine
Residenz in des Wallfisches Bauch aufgeschlagen hatte. Allein auch
in dieser Freystatt hielt er sich und seine schne Salamandrin, die
nun der einzige Gegenstand seiner Sorgen war, nicht fr sicher genug;
und da ihm eine geheime Ahnung vorher sagte, da ihn /Biribinker/ bis
in des Wallfisches Bauch verfolgen wrde, so glaubte er nicht genug
Vorsicht gebrauchen zu knnen, um das Unglck zu verhten, womit ihn
die berraschende Erscheinung eines so furchtbaren Gegners bedrute.
In dieser Absicht hatte er seine Geliebte mit einem geheimnisvollen
Talisman bewafnet, der die gedoppelte Eigenschaft hatte, sie allen
andern Augen als den seinigen unsichtbar zu machen, und so bald
er berhrt wurde, eine zauberische Musik hervor zu bringen. Kme
auch Biribinker, (dachte der alte Padmanaba) aller Schwierigkeiten
ungeachtet, in den Bauch des Wallfisches, ja selbst in den unsichtbaren
Pallast, so wrde ihm doch die schne Salamandrin unsichtbar seyn;
und entdeckte er sie auch, trotz ihrer Unsichtbarkeit, so wrde
doch, so bald er den Talisman berhrte, das musicalische Getse sein
Daseyn verrathen, und ihn /Padmanaba/ noch zeitig genug in den
Stand setzen, seinem Unstern zuvor zu kommen. Diese Vorsicht war
desto nthiger, da der gute Alte seit mehrern Jahren mit einer Art
von Schlafsucht behaftet war, die ihn nthigte, alle Tage wenigstens
sechszehen Stunden von vier und zwanzig zu verschlafen. Das geringe
Zutrauen, das ihm seine vorige Liebste zu ihrem ganzen Geschlecht brig
gelassen hatte, bewog ihn, die schne Salamandrin whrend der ganzen
Zeit seines Schlummers in einen bezauberten Schlaf zu versenken, aus
welchem niemand als er sie erwecken konnte. Der einzige /Biribinker/
wrde unter gewissen Umstnden und Bedingungen, die nehmliche Macht
gehabt haben, und /Padmanaba/, (so wollt es das Schicksal!) wrde in
eben demselben Augenblick die seinige, wenigstens ber die schne
Salamandrin gnzlich verlohren haben; und da alles dieses whrend
da der Alte schlief, gar leicht htte begegnen knnen, so hatte
er den Talisman, der ihn erwecken sollte, so weilich angebracht,
da /Biribinker/, (in so fern man ihm auch nur eine mittelmige
Neugierigkeit zutrauen konnte) ihn nothwendig finden mute.

Kaum hatte /Biribinker/, in dem nehmlichen Augenblick, da er entdeckte,
da der schne Fu (der zu diesem Abentheuer Anla gegeben) einem eben
so schnen jungen Frauenzimmer zugehre, den fatalen Talisman berhrt,
so fieng, wie schon gemeldet worden, der Talisman zu musiciren an, und
/Padmanaba/ erwachte. Er warf, wie leicht zu erachten ist, keinen sehr
freundlichen Blick auf unsern Prinzen; allein, da er mit Gewalt nichts
gegen ihn vermochte, so blieb ihm nichts brig, als sich auf der Stelle
unsichtbar zu machen, und mit aller nur mglichen Eilfertigkeit auf die
Verhinderung des Vorhabens bedacht zu seyn, welches er, ohne in einem
bertriebenen Grad argwhnisch zu seyn, bey /Biribinker/ voraus setzen
konnte.

Inzwischen hatte sich dieser Prinz, dem es bey Gelegenheit nicht an
Muth fehlte, wieder aus der ersten Bestrzung erhohlt, worein ihn das
unsichtbare Concert und die Verschwindung des /Padmanaba/ gesetzt
hatten. So gefhrlich als es ihm schien, in einem solchen Ort gar zu
neugierig zu seyn, so wollte er doch wissen, was aus dem alten Zauberer
geworden sey. Er suchte ihn also im Garten so wohl als in allen
Zimmern und Winkeln des Schlosses, nachdem er die Vorsicht gebraucht
hatte, sich vorher mit dem Sbel zu bewafnen, den /Padmanaba/ zurck
gelassen hatte, und auf dessen beyden Seiten er so viel talismannische
Figuren eingegraben fand, da er sich mit diesem Gewehr vor dem
Zauberer /Merlin/ selbst nicht gefrchtet htte. Da er aber weder den
Alten noch jemand andern finden konnte, so zweiffelte er nun nicht
lnger, da /Padmanaba/ entflohen sey, und ihm seinen Pallast und
seine Schne zur Beute berlassen habe. In diesen Gedancken kehrte er
triumphirend zurck, warf seinen Sbel auf das Ruhebette, und sich
selbst zu den Fssen der liebenswrdigen Unsichtbaren, die er zu
seiner unbeschreiblichen Freude noch immer schlafend fand, ungeachtet
die Musik des berhrten Talismans mit der angenehmsten Abwechslung
von Allegro und Andante immer fort daurte. Man weit nicht, ob es den
zauberischen Einflssen eines von diesen Andante, (welches in der
That nicht zrtlicher htte seyn knnen, wenn es von /Jomelli/ selbst
gesetzt gewesen wre) oder einem Zweifel, der (wie es zu gehen pflegt)
bey ihm entstund, ob er auch dem Zeugni eines einzigen Sinnes glauben
drfe, und ob nicht diese unvergleichliche Schne, die er auf dem
Sopha gefunden zu haben glaubte, ein blosses Blendwerk seyn mchte,
dergleichen in bezauberten Pallsten nicht ungewhnlich sind -- Man
wei nicht, sage ich, ob es der einen oder der andern von diesen
Ursachen zuzuschreiben war, da /Biribinker/ durch neue Beobachtungen
sich der Wahrheit eines so ausserordentlichen Phnomenons zu versichern
anfieng. In kurzem fgte er auch noch Versuche hinzu, und beydes so
wohl, als die heftigste Symptomen einer Leidenschaft, die in kurzem
bis zum ussersten Grad der Schwrmerey und des Taumels stieg, liessen
ihm endlich keinen Zweiffel mehr brig, da er wrklich die schne
Salamandrin in seinen Armen habe, deren sichtbare Gestalt ihn in den
Zimmern des Pallasts so sehr entzckt hatte. Dieser Gedanke, und das
bezaubernde Colorit, womit sein Gedchtni die Unvollkommenheit des
fnften Sinnes ergnzte, dessen er sich alleine bedienen konnte, setzte
ihn zu sehr ausser sich selbst, als da er sich in diesen Augenblicken
seines geliebten Milchmdchens, seiner Entschliessungen, und der
Warnungen des Krbis htte erinnern knnen. Kurz, er wurde immer
khner, und die zunehmende Dunkelheit des Zimmers, die er fr eine
Aufmunterung seiner Unternehmungen hielt, mit der Musik des Talismans,
welche immer zrtlicher wurde, war in der That nicht geschickt, seine
Entzckung auf einen migern Grad herab zu stimmen. Es findet sich
hier eine abermalige kleine Lcke in dem Original dieser merkwrdigen
Geschichte, deren Ausfllung wir den /Bentleys/ und /Scribleris/
unserer Zeit berlassen wollen, ohne uns auch nur mit Vermuthungen ber
den Innhalt derselben aufzuhalten. /Biribinker/, fhrt die Geschichte
fort, erwachte eben aus einer Betubung, welche gewissen Indianischen
Philosophen so angenehm zu seyn scheint, da sie in eine immerwhrende
Dauer derselbigen den hchsten Grad der Glckseligkeit setzen, als
er gewahr wurde, da die schne Unsichtbare alle seine Liebkosungen
mit ungemeiner Lebhaftigkeit erwiederte. Er schlo hieraus, da
sie erwacht seyn msse, und unterlie nicht, ihr in der erhabenen
Sprache, die er sich im Bienenstock der Fee /Melisotte/ angewhnt
hatte, alle die zrtlichen Sachen vorzusagen, welche Cristalline und
Mirabella in hnlichen Umstnden von ihm gehrt hatten. Die Unsichtbare
beantwortete diese schnen Erklrungen, Lobsprche, Ausruffungen und
Betheurungen mit Seufzern, Verkleinerung ihrer Reitzungen und Zweiffeln
an seiner Bestndigkeit, die ein weniger entzckter Liebhaber als es
/Biribinker/ war, htte unzeitig und im Mund einer so liebenswrdigen
Person unnatrlich finden knnen. Allein der Prinz, der in diesen
Augenblicken gar nicht aufgelegt war Schlsse zu machen, begngte
sich blo, in dem gewhnlichen Wege, wie man dergleichen Zweiffel zu
zerstreuen pflegt, die Beweise seiner Zrtlichkeit zu verdoppeln.
Sie gab ihm alle Aufmerksamkeit, die er nur immer wnschen konnte,
ohne desto besser berzeugt zu seyn. Haben sie nicht, sagte sie ihm,
Mirabellen und Cristallinen eben so geliebt wie mich? Haben sie nicht
einer jeden von ihnen eben so viel zrtliches vorgesagt, eben so viel
Betheurungen gemacht, eben so viele Beweise gegeben, ohne da weder
die eine noch die andere, so reitzend sie ihnen auch in der ersten
Berauschung ihrer Sinnen vorkamen, fhig war, ber das Milchmdchen,
das sie sich in den Kopf gesetzt haben, nur einen einzigen Tag lang
die Oberhand zu behalten. Ach! /Biribinker!/ das Schicksal meiner
Vorgngerinnen sagt mir nur allzu deutlich, was das meinige seyn
wird; und wie knnen sie verlangen, da ich bey einer so traurigen
Gewiheit, sie in wenigen Stunden wieder zu verlieren, gleichgltig
bleiben soll? /Biribinker/ antwortete ihr hierauf mit den lebhaftesten
und feyerlichsten Versicherungen einer ewigen und eben so unbegrenzten
Liebe, als es ihre Reitzungen seyen. Er behauptete, da sie sich
selbst beleidige, indem sie sich mit den beyden Feen vergleiche, die,
wie er sagte, nicht liebenswrdig genug gewesen waren, ihm etwas mehr
als einen flchtigen Geschmack beyzubringen, und schwur ihr bey allen
Liebesgttern, da von dem Augenblick an, da er das Glck gehabt habe,
ihr Bild im grossen Saal zu erblicken, das Milchmdchen, welches sie
in so unnthige Besorgnisse setze, nicht mehr Gewalt ber sein Herz
gehabt habe, als ein jedes anders Milchmdchen in der Welt. Diese
Versicherungen beruhigten die schne Unsichtbare nur schwach, und
/Biribinker/ sahe sich genthigt alle seine Figuren zu erschpfen, um
die Hartnckigkeit ihres Unglaubens zu berwinden. O! rief er, schnste
Unsichtbare, warum kan ich nicht den ganzen Erdkrei und alle vier
Elemente mit ihren Bewohnern auf einmal zu Zeugen der unvernderlichen
Treue machen, die ich ihnen schwre! -- Wir alle sind Zeugen, rief eine
Menge von weiblichen und mnnlichen Stimmen, die ihm von Personen, die
um ihn herum stunden, in die Ohren schallten. /Biribinker/, der wohl
nicht vermuthet hatte, da man ihn beym Wort nehmen wrde, fuhr mit
einiger Bestrzung auf, und wollte sehen, woher diese Stimmen kmen;
aber o! Himmel! welche Zunge knnte beredt genug seyn, die Bestrzung
und das Entsetzen auszudrcken, worein ihn der Anblick setzte, den eine
pltzliche Erheiterung des Zimmers seinen weit ofnen Augen darstellte?
Er sah, o! Wunder! o! Abentheuer! o! schreckenvoller Anblick! er sahe
sich in eben dem Cabinet, welches schon zweymal ein Zeuge seiner
treulosen Unbestndigkeit gewesen war; an statt der schnen Salamandrin
fand er sich in die Arme der hlichen /Gnomide/ verwickelt, welcher
er vor etlichen Stunden den Prei zuerkannt hatte; und was seine
Beschmung und seinen Schmerz htte tdlich machen mgen, er sah sich
um und um von allen denjenigen umgeben, die er sich am wenigsten zu
Zuschauern wnschen konnte, und sie waren grausam genug, in eben dem
Augenblick, da er sich mit grauemvollem Eckel aus den Armen seiner
migeschafnen Schnen lo wickeln wollte, in ein so lautes Gelchter
auszubrechen, da der ganze Pallast davon wiederhallte. Zur Rechten des
Ruhbettes sahe er (o! wie gern htte er sich in diesem Augenblick blind
und unsichtbar zu seyn gewnscht!) die Fee /Cristalline/, welche den
kleinen /Grigri/ an der Hand hatte; zur Linken die schne /Mirabella/
mit ihrem geliebten /Flox/, der in der That als Salamander eine bessere
Mine hatte als in der Gestalt eines dicken Krbis; aber was die Qual
des unglcklichen /Biribinkers/ auf den ussersten Grad vermehrte, war
der Anblick der Fee /Caprosine/ mit seinem schnen /Milchmdchen/, und
des alten /Padmanaba/ mit der schnen /Salamandrin/ an der Hand; welche
beyderseits auf einer goldfarbigen Wolke, die von kleinen Sylphen
getragen wurde, sassen, und mit hhnischem Lcheln auf ihn hinunter
sahen. Glck zu! Prinz /Biribinker/, sagte die Fee /Cristalline/;
in der That, nun vergebe ich ihnen, da sie so ungedultig von mir
wegeilten; wer einer solchen Eroberung zueilt, kan sich nicht genug
beschleunigen. Sie erinnern sich noch wohl, Prinz /Biribinker/, nahm
jetzt /Grigri/ das Wort, da ich eben keine Ursache habe mich ihnen
verpflichtet zu glauben; denn wenn es an ihnen gelegen wre, so mchte
ich wohl ewig eine Hummel geblieben seyn; aber es wre zu grausam,
ihrer in den Umstnden, worinn sie sind, noch zu spotten. Sehen sie
selbige als eine Strafe an, die sie in mehr als einer Betrachtung
verdient haben. Wenn auch die Schne, bey der wir sie auf eine so
unvermuthete Art berraschten, ihrer nicht von allen Seiten so wrdig
wre, als sie ist, fuhr /Mirabella/ mit einer bohaften Mine fort, so
haben sie wenigstens den Vortheil, da sie keine /Precise/ ist. Was
mich betrift, setzte der /gewesene Krbis/ hinzu, so knnte ich zwar
bedauren, da ich meine wieder erlangte Gestalt und den Besitz der
schnen /Mirabella/ ihrem Unglck zu danken habe; allein nachdem ich
als Krbis gromthig genug gewesen war, sie vor den Folgen einer neuen
Untreue zu warnen, so werden sie mich nicht verdenken knnen, wenn ich
mich als Salamander erfreue, da sie meine Warnungen verachtet haben.
Siehe, unglcklicher, aber mit Recht bestrafter /Biribinker/, meckerte
jetzt die Fee /Caprosine/, wiewohl dich /Caramussal/ gegen meinen Zorn
geschtzt hat. Siehe hier die liebenswrdige Princein /Galactine/,
die du als Milchmdchen liebtest, und deren Besitz ein allzu gnstiges
Schicksal, alles meines Hasses ungeachtet, dir zugedacht hatte, wenn
du durch eine dreymal wiederhohlte Untreue dich ihrer nicht selbst
unwrdig gemacht httest. Wenn Mitleiden dir helfen knnte, armer
Prinz, sagte das schne Milchmdchen, so wrdest du, so wenig du es
auch von mir verdient haben magst, weniger unglcklich seyn; denn ich
sehe wohl, da deine Strafe hrter ist als dein Verbrechen, und da
die Feen und Zauberer wenigstens eben so viel Schuld an deinem Unfall
haben, als du selbst.

Bey diesen Worten sahe der allzu unglckliche /Biribinker/ auf, heftete
einen Blick voll unbeschreiblicher Empfindungen auf sein geliebtes
Milchmdchen, und sank mit einem Seufzer, worinn er seine Seele
auszuhauchen schien, wieder zurck, ohne das Vermgen zu haben, nur
ein Wort hervor zu bringen. Lerne, rief ihm der alte /Padmanaba/ von
der andern Seite zu, lerne, bewundernswrdiger /Biribinker/, seltnes
Muster der Weiheit und der Bestndigkeit, da der alte /Padmanaba/
nicht alt genug ist, deine Verwegenheit unbestraft zu lassen; und mge
deine Geschichte, in immerwhrender Zeitfolge von einer Amme der andern
berliefert, der spten Nachwelt zum Beispiel dienen, wie gefhrlich es
ist, den grossen /Caramussal/ um sein Schicksal zu befragen, und vor
seinem achtzehnten Jahr ein Milchmdchen zu sehen.

Kaum hatte /Padmanaba/ den Mund wieder zugethan, so hrte man auf
einmal ein frchterliches Donnern, mit Sturmwind und Blitzen begleitet,
wodurch der ganze Pallast, wie in einem Erdbeben erschttert, und die
ganze Gesellschaft, den einzigen verzweiflungsvollen /Biribinker/
ausgenommen, in Furcht gesetzt wurde! Denn selbst der alte Padmanaba
merkte, da dieses Ungewitter von einer Macht herkomme, die der
seinigen berlegen war. Auf einmal flog die Decke des Zimmers und
das ganze Dach des Pallasts hinweg, und man sah, unter Donnern und
Blitzen, den grossen /Caramussal/, auf einem Hippogryfen sitzend,
herab steigen, und zwischen der Fee Caprosine und dem alten Padmanaba
seinen Platz auf einer Wolke nehmen. Der Prinz /Biribinker/ ist genug
gestraft, rief /Caramussal/ mit majesttischer Stimme; das Schicksal
ist befriediget, und ich nehme ihn in meinen Schutz. Verschwinde,
nichtswrdiger Wechselbalg, fuhr er fort, indem er die /Gnomide/ mit
seinem Stab berhrte, und sie, Prinz Biribinker, whlen sie unter
diesen vier Schnen, welche sie wollen; die Salamandrin, die Sylphide,
die Ondine, oder die Sterbliche; diejenige, so ihr Herz whlen wird,
soll ihre Gemahlin seyn, und sie von der Unbestndigkeit heilen, die
bisher, wie man gestehen mu, ihr Fehler gewesen ist -- /Padmanaba/
wrde, vor Verdru ber eine so unerwartete Entwicklung, gerne mit den
Zhnen geknirscht haben, wenn er welche gehabt htte. Was die Schnen
betrift, so hatten sie alle ihre Augen mit Erwartung auf den Prinzen
geheftet, und besonders sahe man der jungen Salamandrin, die noch kein
Wort gesprochen hatte, ganz deutlich an, da sie lieber gesehen htte,
wenn der alte /Padmanaba/, an statt die garstige Gnomide an ihren Platz
zu schieben, ihr erlaubt htte, ihre eigene Stelle selbst zu vertreten.

Aber /Biribinker/, der in einem Augenblick von dem ussersten Grad der
Schaam und der Verzweiflung auf den hchsten Grad der Glckseligkeit
bergieng, bedachte sich keinen Augenblick, wie er whlen wollte. Ob
gleich die elementarischen Damen sein Milchmdchen an Schnheit weit
hinter sich zurck liessen, so konnten doch alle ihre Reitzungen in
Gegenwart seiner geliebten Galactine mehr nicht als einen flchtigen
Blick von ihm erhalten. Er warf sich vor dieser anmuthsvollen Creatur
nieder, und bat mit den Ausdrcken einer so aufrichtigen Reue, einer
so wahren Liebe um die Vergebung seiner Schuld, da sie nicht so
unbarmherzig seyn konnte, ihm nicht wenigstens die Hofnung, da sie
sich noch erbitten lassen werde, zu erlauben. /Caramussal/, dem er sich
gleichfalls zu Fssen warf, hob ihn auf, nahm ihn bey der Hand, und
fhrte ihn der Princein Galactine zu.

Empfangen sie hier, liebenswrdige Princein, den Prinzen /Cacamiello/
von meiner Hand, denn dieses ist nunmehr sein Name, da die Absichten,
warum ich ihm den andern geben lie, erfllt sind; /Biribinker/ und
/Milchmdchen/ sind nun nicht mehr, und nachdem beyde dem Eigensinn
ihres Gestirns genug gethan, und der Feerey ihre Gebhr bezahlt haben,
so bleibt mir nichts brig, als den Prinzen /Cacamiello/ seinen
kniglichen Eltern zurck zu geben, und durch ein ewiges Band mit der
Prinzein /Galactine/ zu vereinigen.

Ihr, schne Feen, fuhr er fort, indem er sich zu Cristallinen und
Mirabellen wandte, habt, wie ich hoffe, Ursache mit mir vergngt zu
seyn, da ihr durch meine Veranstaltung eure Gestalt und eure Liebhaber
wieder erhalten habt; weil es aber unbillig wre, da ich allein leer
ausgienge, so entlade ich hier den alten /Padmanaba/ aller seiner
Sorgen, indem ich die schne Salamandrin, die bey ihm nichts zu thun
hat, als unsichtbar zu seyn und zu schlafen, zur Belohnung meiner Mhe,
fr mich selbst behalte.

Mit diesen Worten schlug der grosse /Caramussal/ mit seinem Stabe
dreymal in die Luft, und auf einmal befand er sich mit dem Prinzen und
der Princein im Cabinet des Knigs, der, wie man denken kan, eine
grosse Freude hatte, seinen Sohn und Erben so gro und schn mit einer
so schnen Princein und mit einem so schnen Namen wieder zu sehen.

Bald darauf wurde das Beylager mit grosser Feyerlichkeit und Pracht
vollzogen; das neue Ehepaar liebte sich so lange als es konnte, und
zeugete Shne und Tchter; und nachdem endlich der alte Knig in
die /neunzehnte Welt/ abgereit war, so regierte Knig /Cacamiello/
so weilich an seiner statt, da die Unterthanen keinen Unterschied
sprten.

Er machte seinen Freund /Flox/, zur Belohnung der guten Dienste, die er
ihm als Krbis geleistet hatte, zu seinem ersten Vezier, und die schne
/Mirabella/ nebst der Fee /Cristalline/ unterliessen niemals bey Hofe
zu erscheinen, so oft die Knigin in die Wochen kam.

Sie brachten jedesmal den kleinen /Grigri/ mit, welcher, ungeachtet
seiner Hlichkeit, bey den meisten Hof-Damen einen Beyfall erhielt,
der ihren Liebhabern nicht gleichgltig war.

               Das mu man gestehen, sagten sie alle aus
                  einem Munde, da /Grigri/ mit aller
                 seiner Hlichkeit der kurzweiligste
                        Gesellschafter von der
                               Welt ist!




                         [Illustration: Ende]





End of the Project Gutenberg EBook of Geschichte des Prinzen Biribinker, by 
Christoph Martin Wieland

*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK GESCHICHTE DES PRINZEN BIRIBINKER ***

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opportunities to fix the problem.

1.F.4.  Except for the limited right of replacement or refund set forth
in paragraph 1.F.3, this work is provided to you 'AS-IS', WITH NO OTHER
WARRANTIES OF ANY KIND, EXPRESS OR IMPLIED, INCLUDING BUT NOT LIMITED TO
WARRANTIES OF MERCHANTABILITY OR FITNESS FOR ANY PURPOSE.

1.F.5.  Some states do not allow disclaimers of certain implied
warranties or the exclusion or limitation of certain types of damages.
If any disclaimer or limitation set forth in this agreement violates the
law of the state applicable to this agreement, the agreement shall be
interpreted to make the maximum disclaimer or limitation permitted by
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provision of this agreement shall not void the remaining provisions.

1.F.6.  INDEMNITY - You agree to indemnify and hold the Foundation, the
trademark owner, any agent or employee of the Foundation, anyone
providing copies of Project Gutenberg-tm electronic works in accordance
with this agreement, and any volunteers associated with the production,
promotion and distribution of Project Gutenberg-tm electronic works,
harmless from all liability, costs and expenses, including legal fees,
that arise directly or indirectly from any of the following which you do
or cause to occur: (a) distribution of this or any Project Gutenberg-tm
work, (b) alteration, modification, or additions or deletions to any
Project Gutenberg-tm work, and (c) any Defect you cause.


Section  2.  Information about the Mission of Project Gutenberg-tm

Project Gutenberg-tm is synonymous with the free distribution of
electronic works in formats readable by the widest variety of computers
including obsolete, old, middle-aged and new computers.  It exists
because of the efforts of hundreds of volunteers and donations from
people in all walks of life.

Volunteers and financial support to provide volunteers with the
assistance they need are critical to reaching Project Gutenberg-tm's
goals and ensuring that the Project Gutenberg-tm collection will
remain freely available for generations to come.  In 2001, the Project
Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure
and permanent future for Project Gutenberg-tm and future generations.
To learn more about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation
and how your efforts and donations can help, see Sections 3 and 4
and the Foundation information page at www.gutenberg.org


Section 3.  Information about the Project Gutenberg Literary Archive
Foundation

The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit
501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the
state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal
Revenue Service.  The Foundation's EIN or federal tax identification
number is 64-6221541.  Contributions to the Project Gutenberg
Literary Archive Foundation are tax deductible to the full extent
permitted by U.S. federal laws and your state's laws.

The Foundation's principal office is located at 4557 Melan Dr. S.
Fairbanks, AK, 99712., but its volunteers and employees are scattered
throughout numerous locations.  Its business office is located at 809
North 1500 West, Salt Lake City, UT 84116, (801) 596-1887.  Email
contact links and up to date contact information can be found at the
Foundation's web site and official page at www.gutenberg.org/contact

For additional contact information:
     Dr. Gregory B. Newby
     Chief Executive and Director
     gbnewby@pglaf.org

Section 4.  Information about Donations to the Project Gutenberg
Literary Archive Foundation

Project Gutenberg-tm depends upon and cannot survive without wide
spread public support and donations to carry out its mission of
increasing the number of public domain and licensed works that can be
freely distributed in machine readable form accessible by the widest
array of equipment including outdated equipment.  Many small donations
($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt
status with the IRS.

The Foundation is committed to complying with the laws regulating
charities and charitable donations in all 50 states of the United
States.  Compliance requirements are not uniform and it takes a
considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up
with these requirements.  We do not solicit donations in locations
where we have not received written confirmation of compliance.  To
SEND DONATIONS or determine the status of compliance for any
particular state visit www.gutenberg.org/donate

While we cannot and do not solicit contributions from states where we
have not met the solicitation requirements, we know of no prohibition
against accepting unsolicited donations from donors in such states who
approach us with offers to donate.

International donations are gratefully accepted, but we cannot make
any statements concerning tax treatment of donations received from
outside the United States.  U.S. laws alone swamp our small staff.

Please check the Project Gutenberg Web pages for current donation
methods and addresses.  Donations are accepted in a number of other
ways including checks, online payments and credit card donations.
To donate, please visit:  www.gutenberg.org/donate


Section 5.  General Information About Project Gutenberg-tm electronic
works.

Professor Michael S. Hart was the originator of the Project Gutenberg-tm
concept of a library of electronic works that could be freely shared
with anyone.  For forty years, he produced and distributed Project
Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of volunteer support.

Project Gutenberg-tm eBooks are often created from several printed
editions, all of which are confirmed as Public Domain in the U.S.
unless a copyright notice is included.  Thus, we do not necessarily
keep eBooks in compliance with any particular paper edition.

Most people start at our Web site which has the main PG search facility:

     www.gutenberg.org

This Web site includes information about Project Gutenberg-tm,
including how to make donations to the Project Gutenberg Literary
Archive Foundation, how to help produce our new eBooks, and how to
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